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Full text of "Die sagen Vorarlbergs Nach schriftlichen und mündlichen überlieferungen"

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Die sagen 
Vorarlbergs 




Franz Josef 
Vonbun 



4 




I 





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« 



DIE 

SAGEN VORARLBERGS. 



NACH bCHKll'lLlCHEN UNI) MUENDLICHEN UEBi:iiLLt:i''i:KLMJEN 
GESAM31ELT UND ERLAKUTEBT 

VOM 

Dß. F, J. YONBUN. 



ZWEITE VEBMEHRTE AUSGABE. 

HACH DBB HDITEBLASSENEN HANDSCHBIFT DES VEEEFA88EBS miD AITDESEII QUELLEN 
EBWEECBBT UND MIT EINEM LEBENSABRISSE V0NBUN8 VEBSEHEN 

VOK 

EEBMANN SANDEB. 

^=*-^ 



INNSBKUCK. 
.* VntUe DES WA€SEB'8CHBN IJNITSBSiTAETS^BUGBHmLVNe. 



Üigiiizeü by i^üOgle 



Von M- 0 i,tn 



DBUCK I>ER WAGNERISCHEN UNITSBSITAfiTS-BUCHDKUCKEREL 



00] 



VX)EWOBT. 



Eine neue Ausgabe der «Sagen Vorarlbergs von Dr. F. J. 
Voubuu wir4 aohon seit Jahren von allen Gebildeten des kkiu^ 
LandM ßpk jwigai Bhein «iliarri. Stie Witwa dos so Mhe ver- 
itorbfiD6ik Gennanisten betraote deoii aaeh beraita vor längerer 
Zeit den Herausgeber 4^3 hier endlich vorliegenden Buc)ies luit 
dia«er sebivieijgyii, mbat aoch ;lohii«id«ii AiiSgabe^ und er nnter- 
aog flieh derselben gerne, da er dem Geseliiedaien persOdich 
üakegesta.üdeii hatte. 

Als Grundlage diente der neuen Ausgabe die von Voubun 
fast vollendete Handschrift Diese Arbeit sollte dem Leser so 
unverändert, als es immer thunlich erschien, geboten werden. 
Doch heischte sie mancherlei i^tgmiimgm und Zusätze. So 
wurden die seit Yonbuns Tode erschienenen Sagen: die Tann- 
berger, deren Ifittheilung ich Herrn P. J. GaBner in Innsbmek 
verdanke (sie waren zum Theil in meinen ,1 Beiträgen zur Ge- 
flchiehte des vorarlbeigiseheii Gerichtes Taonbeig'' verdifentüekt) 
und die Damfilser, welche in Grabherrs „DamUls* stehen, 
herbeigezogen, nachdem Vonbun aelbst die Arbeiten von YeV- 
naleken und filsensohn fleißig benutzt hatte. .Durch Vec- 



IV 



mitüiiDg des seither verstorbenen Professors Lorenz Hämmerle 
erhielt ich Tom Landeshauptmann-Stellvertreter von Vorarlberg, 

Herrn Adolf Kkomberg in Dombim, eme kleine handsckrift- 
liehe Sammlang von Sagen und Gebräuchen aus dem Nachlasse 
des Dr. Friedrich Spiegel^^ die sich theQweise als wohl ver* 
wendbar ciivieseu. Außer der Sagensaramlung wurden auch die 
Angaben über die einschlägige geschichtliche Literatur Vorarl- 
bergs ergänzt, dagegen blieben die mythologisdien und ehaiaicte- 
risierenden Bemerkungen Vonbuns zu den einzelnen Abtheüungen 
des Werkes unverändert, und auch eine Vermehrung der Hin- 
weisungen auf verwandte Sägen in anderen Werken schien un* 
nothwendig. Um der Verbreitung des Buches nicht zu schaden« 
wuide im hochdeutschen Texte die österreichische Schulrecht- 
schreibung verwendet, und m der Barstellung der mundartlichen 
Laute eme Veremfiichung angestrebt. Vielleicht hätten in 
letzterer Hinsicht ein paar kühnere Schritte nur nützen können, 
doch ist zu hoffen, dass die in der VollLSsprache dargebotenen 
Sagen nun leicht gelesen werden, da wenigstens die befremd- 
lichsten Lautbezeichnungen verschwunden sind. Was die Er-- 
zieluug einer folgerichtigen Schreibung anbelangt, so bin ich 



') Spiegel wurde am 24. Februar 1824 zu Dombim geboren, studierte lSv5 
bis 1842 am Gymnasium zu Feldkirch, 1842 und 1848 am Lyceam in Salzbarg 
nnd 1844 bis 1849 an der Universität in Wien. Im letztgenannten Jahre erlangte 
er daselbst das Doctorat der Medicin. Er ließ sich alsbald in Dombirn nieder und 
wirkt« dort seit 1854 als Gemeindearzt. Als Mandatar des Yorarlbcrgrer Museums- 
Yereins und als Mitglit^d dei- Landwirtschafts-Gesellschaft för Tirol und Vorarlbei^ 
war er in hervorragender Weise thätig. Leider starb er schon am 16. October 
1866. — In den »Verhandlungen der k. k. zooL-botan. GeseUsohaft iu Wien« X, 
755 ff. erschien Spiegels Abhandlang Ober das Torfmoor toq Dombirn, ferner im 
Y. Bechenschaftsbexicht des Torarlberger HnBenmB-Yerelin fOr 1868, 8. U f. die 
Notis: »lieber das Sddoss der Edlen TonEms zu Dombim« und in jenein fQr 1868, 
S» 11 f.: »Die Ueberreite ton Neu-lioirtfDrt sn GdWs«. 



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V 



Herrn ProfesstHr Christian fianser aus Langsslsbei im Faznami 
KU großem Danke yerpfficlitet; er nalim sieh mit imermfld- 

lichem Eifer der Sache an und förderte sie zu emer Zeit, in 
weicher ich duieh eine langwierige Angenkiankheit in meiner 
wissenschaftlichen Thätigkeit sehr gehemmt war. Er half auch 
getreulich bei der Ergänzung des Glossars mit. Die betreflfendeu 
Worterklänmgen sollen nicht den gelehrten Kreisen dienen, son- 
dern lediglich die Bedeutung der mundarflichen Ansdrflcke an- 
geben. Genauere Auskünfte sind ja leicht in Staub - Toblers 
, Schweizerischem Idiotikon * , in den verwandten Werken von 
Stalder und Tobler und in den WOrterbfichem von Sehmelier, 
Leier n. s. w. zu finden, die ohnehm den Geimauisten zur Hand 
sinn mflssen. 

Schwierig war die Beschaffung des Stoffes für die Lebens- 
beschreibung Vonbuns. Ba galt es, emen lebhaften Briefwechsel 

zu föhren, und doch wurde häufig nur wenig erreicht Außer 
der treuen Lebensgefährtin des Verewigten, Fran Lucretia 
Yonbnn in Balzers, und seinem Jugendfreunde, meinem hoch- 
verehrten Lehrer. Herru Kegierungsratli Professor Dr. J. V. 
Zingcrle in lunsbruck, verdanke ich besonders folgenden Herren 
eigiebige Mittheilungen: Karl Graf von Belrupt-Tissac, 
Landeshauptmann in Torarlberg, und Statthaltereirath Fidel 
ßitter von ßatz in Bregenz; Dr. J. G. Waibel, Bürger- 
meister und Beiohsrathsabgeordneter inDombim; Josef Elsen- 
sohn, k. k. Gymnasial-Director, und Dr. Tictor Perathoner, 
k. k. Professor in Feldkirch; Advocat Dr. J. B. Biedermann 
und A^juuct Caspar Moosbrugger in Bludanz; Franz Bole, 
Piefessor der Theologie in Brixen; J. 0. Yenbank, Welt- 
priester (damals in Mieders); Josef Waibel, Privat in Wüten; 
Dr. Emst Ritter von Bergmann, Dr. Ludwig Seeger (an 
der Lutz), Alfons Freiherr von Vesque-Fflttlingen und 



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VI 

Hr. Josef Vasbnn in Wian; endlMi itei Smennitiii Msyet 
Iii Selmitts. AUm- cüBMiit sd- biwBil der iMvdidbBte Bank aiuh ' 

Mdge dag'Bn^' in maäe^ ^rai^flngtei Gkstali difl aliea fiiieuni» 
sieh iMnrtbren und^ iMr mm Liser gewimien ! 

Ini;isbruck, Ostern 1889. 

H. Saiideiv 



Dr. F. J. Vonbnn, 

ein Lebensbild. 



,4^a8 Ges(^echt Vonbun gehört zu den ältesten im Oberau 
Vorarlberg und bat noch guten Klang*, sehrieb 1844 der bei- 
denileiEMt vararibergisehe Oeseluohtifeneher, Dr. Joeef Bn^' 
mmm« Ans dMseii ünteiraiielMingeii evglbt wUä ng^ek mit 
Sktehelt^ dav die Vonbun walseiiBcher Abstaunrang sind. Bin 
Pet»r vm Bqd eiiag am 20. April 1499 mÜ itliifi]]id?ifinj|f 
andern Kämpen aus dem Kirchspiele zu Sonntag nach hart^ 
näcliger (jecrenwehr in der Schlacht von Frastanz den Streichen 
der siegreich andringenden EidgeuGasen. Im 10, Jahrhundert 
ist das Geschlecht nicht nur im grolien Walserthal an der Lutz, 
sondefn auch im Montavon nnd in der Hemehaft Feldkirch 
nathgewieien; ein Jakob* war 1512 an der MentangOToUen 
Hodiachale von Wtttmbeig eingeeehrieben, ein J0ig beUaidete 
1541 za Sonntag die Wfiide eines Anmumas. In der beiregten 
2eit am finde dee fangen JabThnnderts batte Andreas alsLand- 
sctarelher von Sonnenberg und ständischer Deputieiler i ine ein- 
flussreiche Stellung, sein Sohn Anton aber sali lb48 als Ver- 
treter Vorarlbergs in der Paulskirche. Waren neben den ge- 
nannten noch andere Glieder des Geschlechtes zu Amt und 
Würden in den Städten Bindenz und F^dkirob oder im Kreise 
dir Geistlichkeit gekmgt, ao^ wmde bei weitem der namhafteste 
doek düjeniga, desaen Letten vir im ftklgend« Abtise in selt- 
nen vereoeken. 

was- Franz Jesef Vosbnn im bttrueilieben Alltags- 
getriebe gethan, lällt bei dieser Abschätzung ins Gewicht: ihn 
heben vielmehr die Liebe, der Eifer und die Ausdauer empor. 



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vm 



mit denen er als Schriftsteller seiner Heiiiiat uüvergessliche 
l'ieiisle erwies. Er war eui Schildeier ihrer landscbaftlicheu 
Schönheit, ein wissenschaftlicher Beobachter ihrer Sprache, der 
Sammler ihrer Märchen und Sagen; mit nimmermüdem Auge 
forschte er nach den Eigenthümlichkeiten der alenuuuuschen 
Bewohner Yorarlbeige in Sitte und Brauchf lauschte gespannt 
deren Liedern und Bäthseln und yerzeichnete sorgsam ihre be- 
lehrenden Sprüche und ihre abergläubischen Meinungen. Und 
was er vom Volke entlehnt, das erstattete er ihm reichlich 
zurück ; niemand hat bisher in ungebundener mundartlicher Rede 
einfacher und treuherziger und eb«i deshalb gefälliger und 
packender erzählt als unser Yonhun; aber auch den Vers ver- 
steht er 80 Tortieff lieh zu gestalten, dass er in rhythnusdier Kunst 
und wohltOnendem Heimspiel hinter keinem Dialectdichter zu- 
rfldcsteht. So schrieb er im wesentlichen unter dem Volke 
über das Volk und für das Volk und half nach seinem besten 
A ermögen redlich mit, unserem nationalen Schriftthum eine 
volksthfimlichere Grundlage und einen lebensfrischeren Ausdruck 
zu gewinnen. Dieses Ziel verfolgte er nicht etwa unbewusst, 
sondern mit planvoller Absicht Er war der berufenste Ver« 
treter seher Eennat im Kreise der Germanisten, suchte Fühlung 
mit bedeutenden Häuptern dieser Gruppe hochverdienter Männer 
und arbeitete an mehreren ihrer hervorragendsten Zeitschriften 
mit. 80 war sein Gesichtskreis nicht beengt durch die Berge 
der heimischen Thäler; schon früh dachte er darüber hinaus an 
«das ehemalige Herzogthum Alemannien", und die Liebe zum 
alemannisch-schwäbischen Stamme leitete ihn vermittelnd zu war- 
mer Gesinnung für das ganze deutsdie Volk und dessen reichen 
geistigen Besitz. Deutseh und frei schlug das Herz unseres 
Yonbun von seinen Studentenjahren an bis zu seinem allzufrflhen 
Q ode. deutsch und frei dachte und dichtete der Jün^fling, forschte 
und strebte der Mann. Die allmähliche Entwickhmg, die mehr- 
seitige Thätigkeit und die Gesammtheit der Leistungen dieser 
fesselnden £rscheiimng möge sich aus den folgenden Nachrichten 
ergeben, welche aus den erreichbaren Quellen leider mehr tropften 
als flössen. 



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IX 



Franz Josef Vonbun ward am 28. November 1824 in der 
Botte Läs der Gemeinde Nfiziders imweit Blndenz in Vorarlberg 
getioren. In der Familie ist die Erinnerung an ihre walseiiBclie 
Abstammnng ertosclien; es kam dies nmsoweniger befremden, 

als schon der ürji^rolhater unseres Vonbun. namens Franz, im 
Taufbuche von Nüziders am Begfinn des vorit^en Jahrhunderts 
sich verzeichnet findet. Trotzdem blieb die Sippe im engen 
Zusammenhange mit der alten Heimat, denn sowohl der genannte 
üigroßvater als dessen Sohn und £nkel freiten Walserinnen aus 
BaggfiL Dieser, der gleichnamige Tat er Franz Josefs, hauste 
als schlichter Bauersmann auf der bescheidenen Schoüe in Läz, 
die er als einziger Sohn von seinem Erzeuger ungetheilt ererbt 
hatte. Geistig weit entwickelter war seine Frau Maria Katha- 
rina Martin; sie galt allgemein für L« M heit und besal) schlag- 
fertigen Witz und anmuthige Heiterkeit : ihr begal)ter Sohn weihte 
ihr stets eine fast schwärmerische Verehrung. Franz Josef war 
das sechste in der Beihe seiner Geschwister, und drei folgten 
nocb anf ihn, so dass seiner Mutter Bruder vollkommen recht 
hatte, als er meinte, es würden noch genug esslustige Häupter 
dableiben, wenn er eines /u sich nach Kaggal nähme»). Diesen 
Antrag mussten die Eltern mit lificki^icht auf ihren Verhältnis- 
mäßig schmal heinesseneu Autheil an irdischem Besitz freudig 
begrülieu. und dem groi^mflthigen Helfer in der Noth wurde die 
Auswahl unter den SprOsslingen freigestellt In Reih und Glied 
sollen diese im entscheidenden Augenblick dagestanden sein, und 
nur der vieijähiige dicke Junge habe sich nach Möglichkeit hinter 
die andern zu Mcken gesucht, um nicht gesehen zu werden, 
denn der Gedanke, von den Lieben zu. scheiden, schien ihm ent- 
setzlich. Doch gerade er — unser Held — war ob seiner Auf- 



») K. W i n (1 f> r behauptet /^w:ir !n seiner AbhaiidUing^ : »Die Vorarlberg-er 
Dialect4icfataD^« Ü, 2"t {$^. tro^rnmvj des k. k. Gytunasiams in iiiOBÜruck für 
188S. S. ?) — 47), dor jutiire Vnnburi -ri wcgeu des Todes seiner Mnttpr Tom Vett**r 
iii Kafgäl aufgeuouiinen woidtsu ; ist lUcs jedoch utiricbtig. Dir Mutter störb erbt 
aui £u. Juni 1845, der Vater am Ü4. März 187S. — Ks »l i l eiii' rkt, dass der 
bidr gebotene Lebeu&abiis»^ Iku^at vor dem Erscheineu der Windei 'scheu Arbeit 
ralkiMlel war ood diese m Aenderungen keineu Aulass gab. 



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geräumtheit des Oheims Herzblatt, und so begann mm das 
zweite Hanptstück seines Lebens. Kasch wurde vm Ht ind und 
überdies maach ein unentbehrliches Stück in einen Handkorb 
gepfu^ und das BüisoMeiD, welches nach damaliger Walserart 
loIhger^Sekt war, musste gern odw ungern, geleitet Tom Vetl»r 
und der Üteeteii Sdbweater Magdalena^ die zeitweilig dafttr eoigte, 
dass sein Fuß an keinen Stein atiefi, zur lultigien Halde tob 
Baggäl emporwandern. 

Äütangs hatte Franz Josef im neuen Heim ein schmtiiz- 
liches Web nach dem alten zu bekämpfen; als er dies über- 
wunden, schwanden seine Kinderjahre in aller Annehmlichkeit 
dabin. Eine der unschuldigsten und nachhaltigeten Freuden 
seines Lebens ward Üun etwa ein halbes Jahr nach seiner Ueber- 
siedluBg breitet. Er erhiett eine Hose und zwar dno treffe 
liehe Lederhose, und nnn kmnte er sich mit den Hfimden niebt 
genug auf die Knie schlagen, denn das Idatsehte und patschte 
so prächtig! Um das Maß der Wonne ganz zu fdllen, 
hatte ihm der Vetter einen Groschen in den Sack gesteckt. 
Ueberhaupt war der Ohm Johann Martin ein seelenguter 
Mann, der den Kleinen tüchtig verhätschelte und ihm während 
des ganzen Aufenthaltes in seinem Hause nur einmal eine Ohr* 
feige verabreichte, ahs er uch zuviel mit der schwarzen Katse 
be&sete, die neben ihm des Vetters Liebling war. Soust stand 
das Bftbletn unter der Obhut der Ahne, die bei ihrem Sohne 
Johann wohnte. Das war eine Walserin ganz nadi dem alten. 
Schlage, tief eingeweiht in die Sagenwelt der Berge. Sie er* 
zählte ihm manches Märlcin und berichtete vom „>*arlitvolk'', 
an dessen Dasein sie selbst glaubte; steif und fest bekräftigte, 
sie, da^sselbe oft singen gehört zu haben, wenn es durch das 
Grattobel herunterzog; seine Musik sei von so wunderbarer 
Sch<taheit, dass man es sich nicht vorstellen kOnne« So wurde 
schon damals ihm eine Anregung auf dem Gehlste gegeben, das 
er spater mit rflfamücher Ausdauer h^gte. Sonst hielt er sich 
gerne an fließendem Wasser auf und verstand es vortreiflich, mit 
Schuhnägeln und einem Stück Holz sogenannte „Spickermühleu" 
einfachsten Gefüges herzurichten, welche ihm eine Masse voa 



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XI 



Spickern oder Schusseru ( wie mau anderswo sagt : Sclineükügel- 
cheo) drehteo, die er sodann an seine Gespielen verhandelte; bei 
cÜMer GeleginhMt offenbarte er Umi einen Geadiftftsgeist^ den 
«r aiAter nur zn wenig pflaf^ 

Yon aeineoi sechsten Jahre an besuchte Vonban die Yolks*» 
schule des Wals<»'dorfe8 Raggtt. Bei seiner vorzt! glichen Be> 
gabuug machte ihm das Leinen wenig Mühe, auch ertheilte mau 
damals auf dem Lande nur W intci Unterricht. Im Sommer war 
er mit dem Vetter viel auf dem Maisäß Froßla, wo er Schafe 
and Ziegen hütete und jene walserischen Lockrufe in der Aus- 
ftbong seines Ekteoamtes gebrauchte, die er nach Jahren in 
gelehrten Abhandtoi^gen vor dem wissenschaftUßhen Deutschland 
Terzeiofanete and vom Stan^mikte des Spirachforschers zu denten 
wagte. Dass er die Walser Mundart im Laufe der Zeit sich 
musterhaft aneignete, ist selbstverständlich: überhaupt erwarb 
er sich für alle Zukunft eine gi'oße Vorliebe für Sprache. Sitte, 
Glattben und Brauch des oberen Walserthales, in welche sich 
dieses fr^lißh allnjählieh mit dem Montavon theilen musste. Er 
war eia geselliger und yertp9gli<äier Kamerad und nfitzte gewiss 
mit der DorQugend alle Qbikben Spiele und Gebrftuehe ans. 
Vielleieht zog er auch am „Fasnaeht-Sonntag* morgens mit den 
Buben von Haus zu Ihiiis, ums ,Küechle" zu siugen^j, und 
schwang acht Tage spater um den , Funken" seine Fackel. 
Sicher ist, dass er zum Zeitvertreib auf den Maisäß gewöhnlich 
einige Mitschöl«: einlud, denen er dann manchmal von einer 
klemen Tanne herunter etwas vorpredigte. Dem Vetter war 
diese Neigung des Neffen zn salbungsvoller Beredsamkwt höchst 
aafßOlig, und er schloss daraus auf den Beruf desselben zum 
geistlichen Stande. Da die guten Fortschritte des Knaben in 
der Schule andauerten, so bekam auch der Pfarrer von liaggaly 



') Die Bubeo singen boi dieser rielt'K«'nhfit : 
I kuDUu her ga krochna, 
Pas kJl Fingerle ist uwr btocha, 
Es kä mers uieinet abfioza 
A's d' Hüsnmeter mit dem heißa KüechJe. 
(»VolkBsagen am Vorarlberg«. Innsbruck, ISoU, S. 66). 



YTT 

Johaim Baptist Binderer, die listigste Meinimg von Um, 
und als jener nun als Preis den «G^offine'^} erhielt^ verkfindete 
der geistliche Herr am Sonntag darauf von der Kanzel, man 
solle den Franz Josef Yonbnn studieren lassen, denn es ei^e 
ihm ein g^r gutes Talent. Die Eltern waren über diese Ehrung 
nicht wenig erfieut und bald für den Plan gewonnen, und das 
uuiäumehr, als für sie keine oder nur unbedeutende Kosten aus 
der Standeswahl des Sohnes erwachsen sollten. Man rechnete 
ja gewiss eicht ?eigebens auf den bekannten Wohlthätigkeitssinn 
der Bewohner des freundlichen Städtchens Feldkirch, und der 
gute Onkel aus Eaggäl versprach, den Best beizutragen. Um 
den hoffnungsvollen Jungen aber auch wisscuschaftlich besser 
auszustatten, bereitete ihn der envähnte Pfarrherr jede Woche 
durch zwei Stunden in den Gegenständen der Lateinschule vor. 

So kam Vonbuu in Begleitung seines Vaters, der den Sohn 
rasch mit den nöthigen Freitischen versorgte, im Herbst 1836 
nach Feldkirch. Das Gymnasium stand bis 1840 noch imter 
der Leitung des wegen seiner geschichtlichen Arbeiten bekannten 
Meinrad Merkle. In der ersten Classe lehrte mit Ausnahme 
der Religion, welche in sämmtiichen Jahigüugen von Lorenz 
Häfele vorgetragen wnrde, alle Gegenstände — neben Geogra- 
phie und Geschichte und Arithmetik das gefurchtete Latein — 
Ignaz Vonier aus Schruns. Vonier^), dem Aeußern nach scheu 
durch sein feuriges Auge und das stark gebräunte Gtesicht den 
Montavoner Komanen verrathend, besaß eine nicht gewöhnliche 

') »Ooiline» ist tm dnem £iff»ii- fl«ieliMiD ein Gattangsnaine. gawoid«ii ftr 
ebie ErUbrung dar EvanfeUm auf die vorschiedHim Tags das SrdieqiahrM, Um- 
Heb irie »Canisi» fttr einen Katechiamus der katbolischeo Lehre. Leonhard Goffiae, 
^pboren am 6. Duceinber 1648 In Köln, trat 1669 in die Pramonstratenser-Alitti 
Steiofeld in Westfalen und versah zu Oberstein und auf andern Pfarreien durch 
viele Jahre die Seelsorge. Er starb am 11. August 1719. Seine Schreibart fand 
allgemeiues Lob. 

*) Per Oeschlechtsname Vonier lantot« frflhpr Vinier, daher ist er aus dem 
Vornauieu Viutirius entstAnden und stellt sich zu diesem wit; Xavier zu Xaverius 
und Rudi^pr zuui latinisierten iüidig^er : Rudigferius. Dem hl. Vinerios ist ein 
uraltes Kiichlein zu Xüziders geweiht, und somit wird er im VVulncngau ehemals 
sonderlich verehrt worden sein. Es gab auch ein Edelg^hlecht von St» Viner. 



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phflologische und philosophische Bildung, die an einer Univei^ 
sHftt vielleicht hesser am Platze gewesen wäre als an der Mit- 
telschule. Hier galt er vor allem als , streng'' und erfreute sich 

daher nur geringer Beliebtheit. Am Beginn des Jahres zählte 
die erste (Jlasse vierzehn Schüler, und mit der Hälfte derselben 
räumte Vonier auf, so dass nur sieben in die zweite kamen. 
Auch Voubun musste anfänglich mühselig mit dem Latein ringen, 
und Vonier war sofort mit dem Bathe bei der Hand, er solle 
lieber imh Frankreich hinausgehen, den «Yogel" zu tragen^). 
Li ähnlicher harter Weise hatte der gestrenge Mann zwölf Jahre 
vorher Hermann von Gilm angeherrscht, und so misskaimte jener 
, erfahrene" JugeudbiJdncr zwei der befähigtesten Köpfe unter 
allen denen, die je vor seiner scharfen Znchtruthe baii<(teii. Er 
erinnerte sich, als er seine alten Tage zu Schrnns im Kuhestande 
verbrachte, uoch gar wolü dieser Begebenheit und meinte, er 
habe sich im Walserbüblein arg getäuscht. 

Vonbun entrann nämlich den Bänden des grimmigen Achilles 
und gelangte glficklich in den zweiten Ours, wenn auch sein 
Zeugnis fiher den ersten das schwächste war, welches er je er- 
hielt. Dasselbe weist nur im sittlichen Betragen und in der 
Keiigionslehre die Vorzugsnote, in allen übrigen einlach primam 
oder, wie wir jetzt sagen würden, „genügend** auf. In den bei- 
den folgenden Jahren unterrichtete die Classe der Supplent ^Vuni- 
baid Briem, ein sechs Schuh langer FeldUrcher und deshalb 
Ton den Schfilem «Gigas' genannt, ein eifriger, fhatkräftig ein- 
greifender Schulmann, übrigens kaum minder eine Eigenart als 
Vonier. In der vierten Grammatikalclasse trat wieder dieser in 
den Vordergrund, während der beiden „ Humanitätsjahre " aber kam 
der vom Brixner Gynmasmm berufene Dominicus Falkner an 
die Beihe. Derselbe lebt heute noch als der älteste der Pro- 
fessoren und der gesammten Priesterschaft des Sprengeis in 



') i Vog'cl« uuiudartli« h : »Brett mit zwei auf den Schultern gütrageutän Annen, 
auf welchem dor Handlanger dem Maurer den Mörtel zutrftgt«. S. Schweizerisches 
Idiotikon von Friedr. Staub und Ludwig Tobler I, 69S. — In Innsbruck ueuni mau 
dt» Werkzeug: »MOrtdadiiralbe«. 



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yiv 

Biixen und zwar in geistiger Ftiache uitd körperlichem Wohlsein. 
"Er wurde 1794 geboren, kam 1806 als Zögling der BrsiehuBgs- 

anstalt Cassiantum üü die Brixner Lateinschule und zog 1809 als 
Schreiber mit den Schützen seines Heimatortes Prutz ins Feld, 
welche sein Vater als Hauptmann befehligte. Während der 
achtunddreißig Jahre seines Lehramtes versäumte er Unwohl- 
seins wegen nicht eine Lehrstnnde. Er gencss den Knf eines 
guten Mathemaiakers unid Lateiners, die deutschen Schriftetetter 
aber betrachtete er mit misstrauischen Augen und bedadite selbst 
Schiller iind Goethe gelegentlich mit nicht schmeidtelhaften Titeln, 
üeberhaupt trug Falkner auch auf alemanniscliem Boden in Sprache 
und Gehaben ein gewisses urwüchsiges Tirolerthum zur Schau, 
während Josef Stocker, ein anderer Lehrer des Gymnasiums, 
ein feingearteter und hochgebildeter Mann war. der fleißig im 
Buche der Natur las und mit Aufmerksamkeit die Bewegung des 
deutschen Schriftthums auf gesdachtüchem, naturgeschichtlichem 
und dichterischem Gebiete verfolgte. Anch den Werken der Kunst 
brachte er eine stets liebevolle Betrachtung entgegen. Er hielt 
viel auf eine reine deutsche Aussprache und verrieth in dieser 
Hinsicht keineswegs seinen Geburtsort Brixen. Daneben pflegte 
er feinen Witz und launige Satire, wovon seine «Versuche" ein 
schönes Zeugnis abl^en^). Stocker gab Stein- und Pflanzen- 
kunde als Vreifächer, und auch Yonbun besuchte dieselben. 1640 
trat Merkle in den Ruhestand (gestorben 1846), und seine Stdle 
als PrÄfeet flbemahm der Innsbrucker Humanitäts-Professor Jo- 
hann Mavr. Der erstere hatte die Anstalt in löblichster Weise 

*-' 

geleitet, w^ar aber für die Studierenden unnaiibar: der letztere 
weilte gerne mitten unter ihnen und nahm im persönlichen Ver- 
kehre auf manche anregend, wegweisend und lenkend Einfluss. 
Unter diese gehörte auch Yonbun. Alle die hier genannten Lehrer 



') stocker, geboren am 11. Juli 1798 zu Brixen, starb am 18. Octobtr ISTi) 
sa Feldkircb. Seine »Versuche« erschienen 1869 zu Innsbruck unter dem Pseu» 
donjrm H. El. Meie und behandeln in humoristischer Weise die Schulfrage, die Ab- 
schaffung der Todesstrafe und die sociale Frage. Stocker gab auch ein Lehrbuch 
der Mineralogie fflr Untergymnanen heraus. 



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rv 

waren Geistiiehe; es befand sich damals fiberiiaiipt nur einweit- 
lieher F^feasinr am Felttiieher Gynuianiim. 

Votttim wolmte -wShmcl -seimsB ganeen aeohfljShi^n Auf- 
enüudtes in FelAiicih bei der betagten «Stodentemiinttor' Schü- 
ler in «nem der SKesten Häuser des Städk^ens, das die Mailrt^ 
gasse durch einen hübschen gothigchen Erker zierte, welcher jetzt 
einen ihm ziemlich ähnlichen Nactiiolger geiuudeii hat. Anfäng- 
lich war das Studentiem hauptsächlich auf Kosttage und Monats- 
g^er aogewiesen, hald jedoch wurde säne Lage durch die Er- 
langung des Berterschen Stipendiums, welches sich auf fünfzig 
OaMen Beidiswjllumng belief, yerbessert. Sein Fortgang in den 
Stadien ward nadi der ersten Classe än sehr erfrenlieber and 
'Cntfiiekdte sich, in je b($here Curse Vonbnn emporrfickte, nm 
«0 verheißungsvoller. Die Zeugnisse der Humanitätsjahre pran- 
gen in iiUeu Fächern fast ausschließlich mit .Eminenzen". So 
nahm er bald unter seinen Mitschülern den ersten Platz ein und 
war nicht nur durch seine Fähigkeiten, sondern auch durch Ge- 
sittung unfl Bildung eine Zierde der Anstalt. Er lenkte nnn 
die Aufmerksamkeit der Bewohner Feldkirchs auf sidi und ge- 
wann als «Ihstractor" Zntritt in den besten H&nsem. Seine 
YerhUtniflse hatten sich anf diese Weise naeh nnd nach redit 
ertrftglich gestaltet. 

Die Eigenschaft, welche ihn persönlich ganz besonders kenn- 
zeichnete, war eine sich stets grleiclie, glückliche Heiterkeit; es 
musst« ihm schon sehr knapp gehen, wenn seine Stimiimug 
nicht mehr standhalten wollte. In freien Stunden bereitete es 
ihm Yergnfigen, auf der Guitarre zu klimpern imd sich dazu 
ein Xied zu singen. Gea&nge gemeinen Schlages nnd Gassen- 
hanei biaehte er nieht Uber die Li]q^ er forderte vielmehr 
^hterisohfln Wert oder dentiuigsTollen Gehaii. Feierlich ge- 
hoben ftthlte er sich, wenn er die von Wehmnfh dnrehhanchten 
Verse von August Binzer sang; ^Wir hatten gebauet ein statt- 
liches Hans". Manchmal gab er zum Schlüsse sich nnd andern 
wohl auch ein heiteres Stückieiu zum besten. Das Verhältnis 
zu seinen MitscMlem war ein durchaus freundliches. Der be- 



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* 



XVI 

deutoüdste derselben, Franz Bole*), gegenwärtig Theologie- 
Professor in Brixen, sagt von ihm, dass er im Kreise seiner 
Kameraden beliebt war wegen seines heiteren und geachtet wegen 
seines ordenüichen Wesens; hei seiner glflcUichen Gemüthsyer- 
fassung sei er weniger in Gefohr gekommen als manche andere 
lebhafte junge Leute, merklich über die Schnur zu hauen. 

Vor solchen Aiissclireitimgen bewahrte ihn gewiss aucli seiua 
Meigimg zum Gesang, zur Dichtkunst und zur schönen iS'atur. 
Kr streifte an schulfreien Tagen stundenlang in den prächtigen 
Wäldenif auf den aussichtreichen Warten und in den weiten 
Thälem umher, die das reizend gelegene Feldkirch von allen 
Seiten umschließen. Die erhebenden Genüsse, welche ihm j«ie 
Wanderungen bereitet, suchte er später, wie wir sehen werden, 
durch eine Scluldeniug der herrlichen Gegend zu vergelten. In 
den großen Herbstferien verweilte er meistens auf Läz uud 
brachte heiteres Leben in das elterliche Haus. Auch dort er- 
scholl Gesang und Citherklang und fiel wie heller Sonnenschein 
in den grauen Ton des Alltagdebens. Aber jene freien Wochen 
waren auch die richtige Zeit ffir frische, frohe Wandei-schaft. 
Allein oder mit andern Studenten führten ihn kleinere Ausflüge 
nach allen Bichtnngen auf die lohnenden Höhen und in die 
fruchtbaren Tiefen des Wal^^us. In dor Xiihe seiner Heimat 
kaimte er wohl alle Röcker und Killen, alle Bleisen und Schneisen 
des Gebirges; er durchzog aber auch weiterhin die Thäler der 
Walser, sowie den Bregenzerwald, den Tannbeig und das 
Montavon. 

Als nun endlich nach sechs langen Jahren der Tag des 
Scheidens auf das Musenstädtchen an der Dl herabschwebte und 

') Franz Bole, geboren zu Feldkirch am 9. October 1824, Priester 1848, sp&t«r 
Professor am Gyinnasinm zu Feldkircb, seit 1860 Professor der Fundamental-Theologie, 
Litnr^k, Padagopili, Katcchetik und Methodik in Rrixt^n. Nsch einer Fahrt ins g-e- 
lobtc Land vcröffe?>tlirhto i r im »Boten für Tirol und Vorarlberg« 1857: - Pilger- 
briefü«. Kill Anisatz ühw dftH »jOnp^te Gerieht« von Cornelius ersdiicii 1885 in 
den Münclitier ^ Ilistoribch-politischen Blfittern -, einer Ober Rafaels Di-jmta 1887 
ebendaselbst. Kino andere Arbeit Roles bet'asst sich mit dem Organismus der Messo 
und des canonisohen Stuudeugebüttjä ; ^Diä hl. Miisse uud dws Breriergebet« 
(*2. Auflage, Brisen, 1888). 



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xvn 



die grauschwarzen Ziegel der hohen Satteldächer vergoldet«, 
koDüte Yonbun den Glanz der iinigen Sonne nur mit getheüten 
Gefühlen begrülien. Hinter ihm lag eine Frist treuer Arbeit 
and reicher £mte, verschmerzter Mühsal und nnvergessnen Glü- 
ckes, — Tor üim eine oft ersehnte Zukunft, deren Dunkel sich 
aber Tielleicht nie firetindlich erhellen sollte. Als der beste Sehfller 
des obersten Curses hatte er bei der Schlnssfeierlichkeit von der 
Esnsel der St. Johanneskirche die Abschiedsrede zu halten, 
welche gewiss niemanden tiefer rührte als seine zum Fest<^ her- 
beigeeilte Mutter, die rothrockige AValserin, obwohl dieselbe ver- 
muthlich nur wenig vom Inhalte verstand. Mit froher Zuver- 
sicht bemerkte sie hernach: „Mi^ Buebi würd geiftli\ 's cha 
scho gDot prediga!* Der gefQhlTolle Sohn irollte zunädist der 
guten Mutter den schdnen Wahn — bei uns ein Herzenswunsch 
fast aller Frauen vom Lande — nicht rauben, doch wies er 
darauf hin, dass bis zur Bemfswahl noch zwei Jahre zu ver- 
flieOen hätten und er sich erst dann entscheiden wolle. 

Nun galt es noch, dem vorzüglichen Leiter der Anstalt, dem 
nachmaligen Landesschulrathe Mayr, dessen Liebling Vonbun war, 
den Dank und den Schmerz der Trennung auszusprechen. Dieser 
that es an der Spitze seiner Mitschüler mit einem von ihm selbst 
Torfassten Gedichte, dessen Einleitung lautete: 
„So wäre unser Tagewerk vollendet, 
Der Abendstern, der still ersehnte, blinkt, 
Und nach der Feme steht der Blick gewendet, 
Wo uns die höhTe Pflicht entg^en winkt". 
Die folgenden Strophen haften memem Gewahrsmanne nicht 
dem Wortlaute, sondern nur dem Gedankengange nach im Ge- 
dSchtnisse, und sie besagten : Es f&llt uns schwer, von Dir, o 
Vater, zu scheiden; dtirftest Du mit uns durchs Leben ziehen! 
Und doch wäre ein solcher Wunsch grausam, denn er entzöge 
Dich den jringern Brüdern. So bleibst Du hier, doch geht mit 
uns Dein äegen, Dein theures Bild, Deine Lehre. Mit all dem 
Schönen, was die Griechen und Börner enthalten, hast Da uns 
aufgenährt. Du hast uns nicht todten Formenkram und nackte 
Splitter Yom grünen Baume mitgetheilt, vielmehr ereilte, uns 

Dr. F. J. VoDlmn, Safen Vorarlbergs. b 



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xvni 



zum Spaß, Dein Lächeln stets die tapfem Bitter mit ihr^m 
Schwert von Holz. Du hast nie Geschmack verlangt zum Ena- 
gertod auf dfirrer Heide oder selbst Lust dazu gezeigt, solang 
für Aug' und Herz die schönste Weide von Baum und Blume 
uiokte. T>ov Schluss klang etwa so: 

Des habe Dank! Wir tragen Deinen Samen 
BegeisteruDgsvoll liiuaus durch Kaum und Zeit^ 
Um beides so zu ehren; Deinen Namen 
Und der Antike Glanz nnd Herrlichkeit. 
Mit jeder Sonne, die wir morgens grflßen, 
Empfange Du den Wunsch, von uns gesandt: 
Kur Bosen sollen Demem Pfad entsprieOen, 
Und Engel tragen Dich auf ihrer Hand! 
Man wild zugeben müssen, dass der angehende ^Philosoph* 
seine »Saelie gut gemacht nnd sich zu weitenu Aulöchwung liin- 
länglich flügge gezeigt. GcA\is9 waren diese Verse lange nicht 
der erste dichterische Versuch desselben, sie fußen vielmehr auf 
früherer fleißiger Uebung; vielleicht waren Mayr oder Stocker 
^e Förderer oder Berather auf diesem Gebiete gewesen. 
•r9R9 Auf der Heimreise hatten die Hinterländer Gymnasiasten 
tjiuijvleines Abenteuer zn bestehen. Der Stellwagen, welcher da- 
mals zwischen Feldkircli und Bludeuz verkehrte, ein langer, hoher 
Kasten, stieß in der Frastanzer Au gar unsanft an einen ihm 
liegegnenden ])reiten Güterwagen und stürzte als der leichtere 
Theil, ob^^^ich er an zwtü l>utzend Studenüein führte, in die 
Grube. Nao»h und nach krochen die Insassen, von den Glas- 
AfterlM&^lT^^enfenster geritzt, mit blutigen Köpfen und zer- 
8§^qi9iflfle|lö/&J^en aus der gestrandeten Arche und schmählten 
(HiUfi^eni^'^ett^^yj^^r einer wusch sich Ifichelnd im GruboiwaBser 
l^^^Kßkm^r^t^^viijund blickte gemflthlich in das heiter-kUgliche 

Jim ^^),»h^U'i, n4yj,yqpl^un die erste Stufe wissenschaftlicher Aus- 

arbeitete sich in den beiden nächsten 
Sfjujjßhf^ftfl.^ftf.^ i|^44 mit gleicher Emsigkeit durch die 
aitM)i?sg£pe^(^a(»{tft^r^p,9k empor. Die namengebenden L^- 
§«ige^|pi4^ -A^iM^ JirhPlH^P^^^^^ »^ogik* und 



Üigiiiztiü by <jüOgIe 



«Fhyäk* ; neben jenem Fache mussten die Statoten Beligm« 
alte Spraeli^ Mathematik und Psychologie, neben diesem Beli* 

ginn. Pliilologie uud Metaphysik liöreü, u ahrend der Betrieb von 
Oescbiclite. Naturgeschichte und Aeathetik dem guten Willen dea 
EiQzelüeu anheimgegeben war. Unter den Professoren der Hoch- 
schiile ragten bedeutend der Philosoph Georg Schenach und 
der Philologe nnd Aesthetiker Alois Für hervor. Der letstcore 
verstand am besten, durch seine Yortr&ge nnd durch freimfli^ 
gen Verkehr die Jugend zu begeistern, und weder vor noch nach 
ihm durfte in Tirol ein Lehrer mächtiger auf die empfänglichen 
Gemüther gewirkt haben. Es waren die herrlichsten Gestalten 
aller Zeiten: die groUen Alten, Shakespeare, Goethe und Schiller 
und die hmreißende Gewalt ihrer Werke, welche er mit feinem 
Verständnisse darbot und dadurch seinen Zauberkreis zog. Auch 
ia onsemi Yonbun entwickelte sich unter FUrs ^) Einfluss die 
liebe znr Dichtkunst noch lebhafter, ja er ward der Grflnder 
and Mittelpunkt einer Yerbmdung junger Dichter und dichteriscli 
angehauchter Natiireu. 

Im Herbst 1848 scharte er die gleichstrebenden Geister um 
«ich uud nannte diese Vereinigung „Aurora" ; sie sollte also wohl 
die Morgeuröthe einer neuen Zeit für Tirol auf schriftsteUerischem 
Gebiete bedeuten. In der .Aurora* treffen wir Vonbuns alten 
IGtschOler Franz Bole, sowie den krftnldichen und höcke- 
rigen Freiherrn Gottfried v. Giovanelli (f 1852), einen son* 
dem Schwärmer für Heine, Gilm und Lenau ; dann den kurzen 



•) Alois Für wurde am 7. (kt^jtior 1805 in Landeck goboroii, niai ht*» seioe 
GymuasialbtudiuD zu Muiau und Brixeu uud Huiue ithilobuphi^chen leu Luii&bruck, 
ward 1826 Mediciner in Wien, 18S1-~188S Theolog« in BrixeD, 18&4 HUfspriesW 
n Sm im Puaftu mid 18&5 ProfeMOr der ütttMbM litacator «ni A«itii«ük an 
dnr Hodisebalft In lotiBbrack. 1848 ward er im deotsdie Parlamant fewiUl. 
185S kam er ala deutscher Prediger und Beetor der dentachew Natiottalldrch« 
a&' «liaia nach Bom und eihielt 1858 die Wftrde eiaea pApatlieben Banaprllaten ond 
d«e Uditore deUa Sota. Er atarh daaelbat am 7. UIr 1859. Ton Flir eisoMa^ 
aen folgende SehiiAm: »Bilder aua den Kriegszeitea Tirolac (1. Aufl. 1847, 2. ailfe 
«ine» Lehenabflde Fliia von Chr. Schneller 1878); »Die Uanoharter» (1853)1 ; 
»EiiefiB eher Shakea^arc» Hamlete (1865) ; Die Tragödie »Kegnar Lodbrog« (1865^; 
»Brief» ana Bom* (1864); »Briefe aua Innabmelc, Franlcfart und Wieoc (1866)« 

b* 



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XX 



und breitscbiiltrigen und deshalb ,AttQa' genannten ¥nm Xaver 
Kupperion, der 1882 als Pfarrer in Tsehars Terblich; dem 
geieflicben Stande wandten sieb sp&ter ancb Sebastian Jesacber, 

Jos. Wies er, ein Bauernsohn aus VöUan, und Georg Gschwari 
zu. Wieser befassto sich hauptsächlich mit Kritik und la^ fleißig 
über Lessiüg und Hegel. Gschwari. der Sohn eines Müllers aus 
Meran, trat in das Kloster Marienberg im Vinstgau, in welchem 
er den Möncbsnamen Cölestin erhielt, und endete schon am 
7. Mai 1847 seine irdische Laufbahn als Gleriker im Meraner 
Convicte des genannten Benedietineistütes. Im Jabre darauf gab 
J. y. Zingerle dessen binterlassene Gediebte in einem Bändehen 
heraus^). Tobias Wild an er beseb&ftigte sich eingebend mit 
alten Spraclion und Philosophie, errang sich 18C2 durch seine 
ßede auf dem Schützenfeßte zu Frankfurt einen in ganz Deutsch- 
land und Oesterreich bekannten Namen und theilt nun seit lange 
seine Zeit zwischen seinem Lehramt an der lunsbrucker Hoch- 
sehule und seiner Wirksamkeit auf dem Landtage und im Kcicbs^ 
rathe. An diesen Ereis mehr nnr angelehnt waren Paul v. 
GioTanelli, der Bmder Gottfrieds, und Ton Altmann, ge- 
genwärtig Notar in Schwaz. Dagegen stimmte mit Tonbun in 
Bezug auf geistige Bestrebungen vor allen andern IgnazVin- 
cenz Zin^^erle iiberein und trat deshalb auch in den vertrau- 
lichsten und iunigsteu Verkelir mit ihm. Die große liedeutung 
Ziugerles für Tirol braucht hier nicht erst betont zu werden^). 



') Die 2. gleichfaJls von J. V. Zingerle besorgte Ausgabe erschien 188S. 

*) J. V. Zingerle wurde am 6. Juni 1820 zu Meran poboron. Tr besuchte 
das Ovmnastnm seiner Vaterstadt und fnWu; sich besond'-rs diuch P. Beda Weber, 
sowie durch seiuen Oheim P. Pius Zhv^rrli- nn?Torept. l'iu : Logik« studierte er in 
Trient; d«*r Verlauf seiner sp?lt*>ren Studitn < r;ribt sich Ittr unseni Zwevk zur He- 
üüge aus uuscnn Lebenbabriss Vonbuns. Zingerle wurde 1848 Gyinniisiaiiehrer iu 
Innsbrack, 1S58 Bibliothekar und 1859 Uuiversitätsprofcssor daselbst. Von Zin- 
feri«8 saUreiefaen Workea erwähnen wir bi«r nor die folgenden: »Ton den Alpen«» 
sw«i Uedfltstiftiifle (1850. Der eiste Tbefl too V, v. Erhwt); »Sagen ans Tirol« 
(1850); »Tirol, Natur, GescUelite, Sage im Spiegel dentecber Dicbtung« (1858); 
»Kinder- nnd Haoamaieben ans Thni* (1852; 2. infl. Gen, 1870); »Gediebte« 
(1858); »Kinder- nnd HansmArchen an» Saddentsdiland« (Regenaborv, 1854); »Die 
Oawaldlegende nnd ihre Besiehnng zar dentecben Hrtbologie« (Stuttgart« 1856); 



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XXI 



Die Glieder der Gesellschalt erhielten Kitteruamen ; so z. B. hieß 
Vonbim Somieuberger» Kupperion Annenberger , Wieser Marien- 
berger. 

Die «Aurora" yersammelte sich wöchentlich zweimal, jeden 
Sonntag und Donnerstag vormittags. Anfänglich traf man sich 
auf Yonbuns Stabe im Hörtnagrschen Hanse auf dem Barg- 
graben, später bei Ziagerle imd Gsebwari, welche ein Zimmer 
im «neaen' Spitalgebftade bewohnten. Die Mitglieder brachten 
Gedichte oder AnMtze, die sie wechselseitig beurtheilten. Die 
literarischen Schai/A'. über welche die jungen Männer verfügten, 
bestanden in der Schlegel'schen Uebersetzung Shakespeares, in 
den Gedichten von Goethe, Schiller, ühland, Kerner, Schwab, 
Heine, Lenau und Treiligrath, in der bekannten eigenen Auswahl 



»SittoD, Artii«li« nad MeioiinffMi 4it TIraler Volk««« (18&7 ond 8. Aufl. 1871); 
>Sac«Dt JOrcheii vaA Gtlntach« m Tirol« (1859); »Boridit thn die WiltoiMr 

JlAi«t«J!<Aiif«rbandschrift« (Wien, 1861); »Johannissegen und Qertnidenminne, ein 
Beitrag zur deutschen Mythologie« fWirii, 1862); Ueh* r diu iiildliche Totttbkoof 
der Negation bei mittelhochdeutschen Dichtem« (Wien, 1862); >I)ie Sagen von Var- 
ffaretha dftr Maultaschet (18f)?): iPie Alliteration bei ntittelh'^Hbdcutsohen Dichtem« 
(Wien, 1804); »T'io deutschen Sprichwörtor im Mittflalter* (Wien. 1864); >Eine 
Geographie aus tlem dreizehnten JaUrhuaUejtt« (Wien, 1865); »Das deutsch« Kin- 
derspiel im Mittelalter« (Wien, 1868; 2. verm. Aufl. Iiirisbriuk, lö7y); >I)as 
Urbarbncb des Klosters zu Sounenburg* (Wien, IbüH): > LuseruiKcbes WOrterbuchc 
(1889); »Beitarlg« t»r tirollielieii Uteca ISbunibai h OntM von WotomtabK 
(Wien, 1810): IL »Hmm Vliitler» (Wien, 1871); »HetlMtbliiiik«», Bdtilge tinli. 
«eh«r SchriftateUer« «te. (1870); >Vto «in Mftller ll«l«r wntde« (Eioei«dein, 1871); 
»JohaoDftc (ebend., IST-l); »Die PliNMnon der Tugwit dos Bmo» Viotier« (1874); 
»Der Bauer roa Lonff«ll< (FraBlcftirt, 1874); »DfetiroUedieiiWeiMliftiiier« (4 Binde. 
Wien, seil 1875. Die entea Bind« mit K. Tik von Inama-SierneiK« der 
letzte mit Dr. Jos. Egger bearbeitet); »Schildereien aus Tirol« (I. Band 1876; 
2. 1888); ' KrzähliinfTpn aus dem nurp^rafenamtc< (1884); »Blätter der Erinneruof 
an das Burggrafenanit« (Gedirht,s;iiiiiiilung im Veroin« mit Hans v. Vintler her- 
ausgegeben. Meran, l^^Sö). Für Tirol linttft eino liosondern Wichtipkoit Zingerlea 
»Phönix«, ZeitKcbrift für Literatur, Kuust und Vatorlaiidskntide (1 8.t0 — 1858). 
Zahlreiche Aufs&tze Zingerles sitlion in Wolfs »Zeitschrift für deutstbü Mythologie«, 
in Pfeiffers »Germania«^, im »Anzeiger für Kunde deutscher Vorzeit», in der »Zeit- 
schrift für deutacbe Philologie«, im »Boten fOr Tirol and Torariberg« u. s. w, 
Wma in dl«eer Anmetkang oder «n «ndem SteÜMi dw Teriegaoit- eines Werke« 
iildit Mgegeben wurde, «o ist es in Innsbruek erschienen. 



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Riickerts aus seinen Liedern, in Anastn^iii- Grüns , letztem Rit- 
ter". i!i der Schwab-Eclitermeyer 'sehen Blumenlese aus Deutsch- 
lands Dichtern und in der Jenaer Literatiirzeitang, Von mund- 
aitlielLeii Gedichten wurden diejenigen KoheUs» yonflglich aber 
die Hebels gelesen. Goethes Werke standen in der Bflcherei 
lAer Hochselinle; einzelne derselben waren den Studenten zugäng- 
lich, andere als verderblich verboten; ersteres war z. B. mit 
Götz, letzteres mit E<^mont der Fall; da nun aber beide Dra- 
men zusammengebunden waren, so brauchte man nur jenes ZU 
verlangen, um auch in dieses einen Einblick zu gewinnen. 

An den Gedenktagen der Gebart oder des Todes großer 
Diebter begieng die «Aurora* ihre Feste. Da gab es Gelegen- 
beü^dichte, Beden, Declamationen, Gesang und mftnchmäL auch 
Ansflflge und heitere Zechgelage. Bei solchen Feiern wnrde 
Peter Senn, jetzt Curat in Umhausen, beigezogen, der über einen 
guten Tenor verfügte. Um den Geist der Gesdls haft zu kenn-^ 
zeichnen, wollen wir etliche Einzelheiten aoführcu. 

Am 10. NoTomber 1843 fand man sich abends in Zingerles 
Behausung snsammen. Gaehwari und Zingerk hatten FestgesAnge 
gedichtet, ersterer an «Schillers Leier' ; da hieß es: 

«AU Du erklangest, horchte der Erdkreis, 
Horchte der Aether den Tdnen entztickt; 

Säuselnde Weste, flfistemde Bäume 
Schwiegen und lauschten dem Sange beglückt. 

Glaube und Hoffuung kehrten da wieder 
Freundlich dem zagenden Menschengeschlecht; 
«Freiheit erklang es durch Deutschlands Gelilde, 
«Hoch lebe die Freiheit! hoch lebe das Becht!'" 

Und zum Schlüsse meinte Gschwari: 

„Dieh zu besingen, ein Staubgeborner, 
Fühl' ich, ist eitles und leeres Bemüh'n; 
Laast mich drum lieber lauschen den Kl&ngen, 
Lanschen den bimmlisdien Harmonien!'^ 



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XXlll 



Das war die AiiHortleruDg für Senn, die Guitarre zu süm- 
meu imd zu ihren Klän*^en Lieder Schillers zu singen. 

Am 24. April 1844 untenifthin die Gesellschaft einen Gang 
auf die Martinswaad und nach Zirl. Auf dem Kfickwege fiel 
es einem der Wanderer ein, dass hente das Fest St. Georgs nnd 
somit — Herw^hs Namenstag sei. Flugs beschloss man, im 
Wirtshaus zn KraneMtten elnzukebren. Dort hielt Gottfried 
V. GiovaneUi eine Stej^reifrede und brachte ein lautes Hoch auf 
den verfehmten schwäbischen Sänger aus, in welches die Gläser 
der Genossen freudig klangen. Man würde jedoch gewaltig irre 
gehen, wenn man die jungen , Physiker deshalb für L'msturz- 
männer ansehen wollte. Sie kannten von Herwegh nur das 
«Beiterlied^ und den »Gang um Mittemachf* ; wohl wussten sie 
aber, dass seine Gedichte verboten seien, und verbotene Frfichte 
fiben nicht nur auf die Jugend einen eigenen Beiz. 

Zwei Tage später feierte man durch einen Ausflug auf den 
Zenzenhof und an den Gärberbach, eine gastliclie Herberi^^e an 
der Brenneist ralJe, den rieburtstag L hlauds. Da scheint es aber 
nicht ohne Spötteleien von amierer Seite abgegangen zu sein, es 
hatten eben nicht alle Hörer der Hochschule eine so schwung- 
hafte Anlage. Gegen diese Naturen, die ^starren in des Nord- 
pols ew*gem Eis*, richtete tags darauf Gottfried v. GiovaneUi 
ein Gedicht, indem er ihr ürtheil, als aus Unkenntnis entsprun-? 
gen, brandmarkt, ihnen deutschen Geist abspricht und die Brfider 
%am Ausharren auf der betretenen Bahn auffordert. 

,Die Glatscherreihen und die Fichtenhdhen, 
Die in dem Abendgold geglfiht, 

Sie haben nur den stolzen Bund gesehen, 
Sie nur verstanden unser frohes Lied. 



Da hat das Glas so stürmisch angeklungen, 
Wie nur der Becher m WalhaUa klingt, 
Da ward dn Lied so ahnungsvoll gesungen, 
Wie man es der Geliebten singt. 



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XXIV 



Die Sterne siaDden an dem Himmelsbogen, 
Der Schmelz der Blumen war verblflht, 

Der Ta^, ein Ideal war er verflogen, 
Hell aber tlanimt's iu unserem Gemüth. 



So reicht eucli. Brüder, noch eiumal die Händel 
Uns knüpft ein Band, das keine Welt zerreißt, — 
Nur mit der Ewigkeit schaut es sein Ende: 
Die Freundschaft und der deutsche Geist!" 

Auch Ziugerle griff zur Abwehr in sein Saitenspiel 

, Schweigt. Uugeweihte! — HOhnet nimmer länger 

Der heiligen Begeist'iuug- YoUerguss I 

Es galt des deutselieu Liedes erstem Sänger 

Der Freude ungetrübter Eochgenuss. 

Ihr höhnet uns, als seien wir Bacchanten; — 
Kein Wahnsinn wars, dem unser Blick geglüht; 
Kann Sinnesrausch am Himmelsstrande landen 
Und Freude, Liebe thauen ins GemQth? 

Ihr Ungeweihte! MQge euch der hehre 

Gott strafen fflr den QbermQth'gen Hohn, 

Wie einst die Schiffer auf tyrrhen'schem Meere, 

Wo zum Delphine v\ard des Scliitfes Sohn! 

Auf dich, 0 ühland, den wir jubelnd grfißen, 

Und auf des Gottes fromme Priesterschar 
Mög er die Gabe süßer Labung gießen, 
Dass Freude glühe, lodre immerdar! 

Am 2. Mai gedachte man durch eine Festrede der Geburt 
des Romantikers Novalis, dessen „Heinrich von Oftcrdingen* in 
unserm Kreise viel gelesen ward. Am 9. Mai, an Schillers 
Todestag, wurde die Feier durch die Anwesenheit der Professoren 
Schenach und Für erhöht. Das SchüLerbild der Aurora war 
befaibizt, und yor demselben sprach Zingerle sein Gedicht 



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XXV 



Durch Simrocks „Rheinsagen' angeregt, hatte Ziugerle 
schon 1842, als er noch das Gymnasium seiner Vaterstadt 
Meraii lusuclite, begonnen, die Sagen Tirols zu sammeln, und 
setzte üuü diese Beschäftigung eifrig fort. Auch Vonbun bear- 
beitete bereits damals die mythischen Ueberliefenmgen seiner 
Heimat, denen er schon früher in Vorarlberg nachgegangen war. 

Ueber eine seiner Quellen (abgesehen yon der Ahne auf 
Saggäl) sind wir genauer unterrichtet Zu seinen Hausgenossen 
und Sehfilem hatte in Feldkireh u. a. auch Jakob Ammann, em 
Sohn des Hirschenwirts von Rankweil, gehört, und mit diesem 
war er wohl oft in dessen elterliches Haus gewandert. Damals 
wurde dort fleißig musiciert und gesungen, geplaudert und er- 
zählt oder auch im , Tirolerboten*' gelesen. Die Zeitung brachte 
das Gespräch auf das politische Gebiet, und der Hirschen- 
wirt berichtete dann mit Vorliebe über den russisch-französischen 
reldzug. Andererseits war die Großmutter eine wahre Fund- 
grube für Vonbun, der yon ihr Tiele alte Gebräuche und Geister- 
geschichten erfuhr. Bei jedem Besuche brachte er das Gespräch 
auf diese Dinge, so dass die alte Ahne des Hauses sich darüber 
wunderte; sie fragte ihn einmal, warum er gerade solclie vSachen 
wissen moehlp, die doch nicht als wahr gölten, Avähreüd sonst 
die Leute ji t/t so gescheit seien, dass sie den Teufel am liebsten 
um die HöUe brächten. Auch die Geschichte TOm «Klushund*" 
erfuhr Vonbun im , Hirschen", und die Rahmenerzählung, die er 
diesem gab, indem er ihn durch den Wirt dem verstörten Melkif 
einem leibhaftigen Nachbar, erzählen lässt, beruht daher gewisser- 
maßen auf der Wirkliehkeit Er bearbeitete diese geschichtliche 
Sage wie die mythische von den „drei Schwestern von Frastanz" 
nach dem Muster des „ Karfunkels ^ dos „Statthalters von 
Schopfheim" und anderer Er/älduugeü Hebels in Hexametern, 
Die „drei Schwestern* erschienen am 27. Juni, der ,Klushuüd** 
am 16. December 1844 im „Boten*. Diese Gediclite hatten in 
der «Aurora* und in der Oeffentlichkeit vielen BeiM gefunden. 
Der Hirschenwirt von Bankweü war jedoch Aber den »Klushund" 
nicht erbaut; er memte, es sei Uberflflssig gewesen, dass ihn 
Tonbun als den Erzähler der Sage in die Zeitung gebracht Erst 



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XXVI 



als der studierondo Sohn ihn und die Seinen über die literarischen 
Gebräuche aufklärte, ließ er sich die Ehrung geMlen. Im Jahr- 
gange 1844 des «Boten' begegnen uns überdies Zingerles, Heim- 
kehr* und «der Sennin Sluch', sowie Gilms »Bleib daheim!" 
imd desselben ireiSiehe «Georgme'. 

Vonbun war auch ein eifriger Dichti r aleiiianuischer Lieder, 
wobei er wieder auf Hebel als seineu Leitstern blickte. Leider 
scheint die Mehrzahl dieser sicherlich recht anmuthigeu Erzeug- 
nisse verloren. Zwei derselben findet der Leser in dieses Lebens^ 
bild verflochten; sie reichen hin, um ihr Gepräge zu erkennen» 
Einer spätem, leider sehr unTollständig gebliebenen Zusammen- 
stellung seiner Gedichte, setzte er das Wort voran; «Erfreuen 
sie der Kinder Herz und ^hneu verwandte Seelen, so sind sie^ 
wohl gesungen". 

Die „Aurora'' genoss jedoch nicht nur von einzelnen Profe«;- 
soren der Hochschule aufmunternde Förderung, soudern sie suchte 
auch anderwärts einen Kückhalt. Hierin konnte Zingerle am 
besten vermitteln. £r stand mit seinem Oheim, dem anspruchs- 
losen Dichter und gelehrten Orientalisten P. Pius Zingerle^), 



0 Piiw Anteile mivfle «ml?. Miti ISOl ta Hmn geboren, »mM« ^aaallwt 
die GjinBBiial- and in InnibiadE die phüoeopÜMhen «ad ÜieokigiMlieii Stadien nad 
tiat 1620 in das Benedictinentift Xaiienlieif ; 1S24 woide «r in Brixen som 
FHester geweiht, «irlrte dun dnreli sechs Jahn in der Sedsorge m Platt vnd in 
SL Martin in Paaseyer und nntenricbtete hemaeh his 1S52 als Professor und bia 
1S68 als Ditector am QTmtmiDm seiner Tataistadt. Wegen seiner gtiehrlm Kennt- 
msaein den semitischen Sprachen nnd Literaturen ward er 1868 fon Papst Pias IX. 
nach Rom berufen nnd lehrte dort durch sieben Semester an der »S^ienza« dio 
arabische Sprache. Da er sich an die rOmische Luft nicht gewöhnen konnte, Icebrte 
er in sein Kloster ziiröclr, erhielt die Würde eines Snperiors nnd unterwies die 
Geriker Ins 1 87 8 in den thpolognsihon Fächern. J*'r starb in Marionberg am 
10. Jänner 1881. — Die wichtigsten der zahlreichen Werke Zin£:erles sind ver- 
zeichnet in »Scriptores (»rdinis S. Benedicti, qui 1750 — 1880 foeront in inrperio 
Austriaco-Hungarico (Viadutioaae, 1881, snmptibns OrJiuis, in aedibus Leon. Wuerl)«. 
Wir können hier nur anführen: »ilarienkiange vum Libanon, aus dorn Syriscbeu 
Qbersetzt« (1840); »Gedichte« (184SJ; »Festlcr&nze aus Libanons Gärten, aus dem 
Syrischen Ohersetrt« (1S46); »Harieil*Boeen von DamaaltaRc, desgleichen (Innsbruck, 
1S$8, neieAoHiabe: Augaborg, 1855); »GedittMec (Maina, 1860); »Chreetomathia 



xxvn 

der am Gymnasium in Mcran wirkte, in lebhaftem BriefwechseU 
mid cUefler hatte seine Freude an des Neffen dichterischen Be- 
strebungen, wenn er ihn auch manohmal T&terlieh warnte, Uber 
denselben nicht der Schulstndien zn vergessen. «Uebrigens, 
mi earissime, cave*, schrieb er ihm schon am 20. October 1843» 
„dass es dir in der Physik nicht wie mir ^ehe! Tor lauter 
Dichterlesen studiert« ich so wenig, dass ich eine Prüfung repe- 
tieieii musste. Zur Strate las ich im Kloster zwei bis drei 
Jahre nichts Belletristisches mehr**. — Ein Brief vom 19. Novem- 
ber trftgt die üeberschrift: ^Lieber Neffe und Mitsteiger auf den 
Pamass, Strahl der Aurora!* Es ist diese neckische Anrede 
wohl die Erwiderung auf die Anzeige von der Grflndung des 
Bundes, denn es heißt ^ftter: ^^An die sämmUiche Aurora 
flherBende ich zum Danke für die Empfehlung eine Keimspieler«fi, 
worin freilich manches gesucht und gezwnni^cn klingen mag. 
Herzlich lachen mussic ich, da ich las, Du habest seit dem 
Aufenthalt in Innsbnick nicht mehr als sechs — sage sechs — 
Poeten gelesen. Ist das nicht borrendum, spaventevole ? Ich 
biinge im ganzen Jahre sechs nicht zusamm. Indes basta, wenn 
das andere Studieren ordentlich fortgeht* .... ,Dein in den 
Tiroler Boten eingerflcktes Gedicht hat mir beim Tische manchen 
Scherz Aber des poetische Familientalent des Hauses Zingerle 
zugezogen^). Me ne rallegro". 

Damals macht« eine in der ^Aupfsbur^er Allgemeinen 
Zeitung* erschienene Abhandlun^,^ über „poetisclio Reiriingea in 
Tirol" im Lande, namentlich in dessen schriftstellerischen Kreisen, 
ein gewaltiges Aufsehen, ja es' entzündete sich an ihr jeuer 



Syriacft emn IndiM voeabaktoiiit (BoibMi 1S71). Aafitt syrieclMii WeAea tlbet- 
nMb «r laMuMi«, ftnuMMb», qmiisdM, poitiifi«iiidM voA l^esonden HaliMiiiidift. 

*) IH««M GettcM iit tcMiie Bomaue ; »Die Orgd in Maria Maaüon 
in tUaofcc ^ota r84S 8. 864). Das Fanilianlalent Sngeila hat dcb qiMer 
a(Mh »ahr iMwUnt. Dr. Arnim» Ibyrs »Üroler Didiitarinieb« (18SS) bringt Oe- 
dichte einea jflngeren Braders unseres Ignaz, des rflhmlicbst bekannten Phflologie* 
Professors unserer Hochschule, Dr. Anton Zingerle, und die neuhochdeutsche Nacb- 
b9duner eines MumaUedaa det rm Hobln von dem Sohne des erstereo, Dr. Oswald 
Zinfeile. 



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xxvm 



^Sängerkrieg*, den der unvergleichliche Ludwig Steub in einem 
eigenen Werke geschildert^). In Innsbruck scheint man den 
harmlosea Lentuer als den Urheber genannt zu haben, aber 
P. Pius meldete am 26. December: Beda^) hat mir solche 
Gegenbeweise gebracht, dass ich den Lentner nicht für den Ver- 
fasser . . . halten kann ; es sei Steub als Koch der Ingredienzien 
und Br. Streiter'*)* ^'"^ einem späteren Briefe kommt er noch- 



') j Snuperkricg^ in Tirol. Erinnpnin?pn nm den Jahren 184 '3 — 1344«. Von 
Ludwig Stt'uli (Stuttgart. IS^'l). Duit tiiidet sich S. 157 der Artikel, der in iler 
Beilage zur » AUg-fineiueu Zeitung* vom ß. Decoinbor 184S stand*. »Poetisch« 
Regungen in Tinl^ abfedrackt: derselbe rührt von Streiter allein her. Man 
vergleiche »Sangt-rkrietf« S. 170. 

I) Beda Webet wini am 26. October 1798 an Lienx im PoatarUiale geboran, trat 
1821 in die Benedlctiiier'AUei Marienlmv micl kam 1826 ala Pi»f<aaor naeh Mann, 
'an dassen GjmmMimn er mit kuraer Untaibnobmif Ua 1848 lehrte. In dleaem 
Jahre wurde er in daa deutaehe Pariament gewliilt mid lilieb dann zu Franldtait ab 
Stadtpfirrer bis an seinem Tode am S8. Februar 1858. Sein besiea Werk, und 
trat« aUer langel ein sehr rerdienstroUeSf ist »das Land Tirol« (S Binde. Inna- 
brück, 1887— IS?] 8), als dessen Vorlaufer »Heran und seine Unisebungf (1886) 
angesehen werden kann. Als Geschichtsschreiber — »Tirol und die Reforinntion« 
(1841), »Oswald von Wolkonstein und Friedrich mit der leeren Tasche« (1850) — 
ist Weber höchst unzurerlAssig, als lUchtcr vielfach imrerstÄndlich und kcin<*swegK 
hervorragend. Die »Lieder ans Tirols hatten (ias tiliick, bei Cotta vtikgt zu wer- 
den (lb42), tamlcn aber gleichwohl fast nur Ueachtung seitens der Satiriker. Ohne 
den Namen des Verlassers erschienen die » rorm&rzlichcu Lieder aus Tirols (Jona, 
1850), die durch manchen kühnen und fieion Qed&nkeu fiberrascheu. — Hau ver- 
gehe außer Steuba »Sängerkrieg« Uoria BrOhla »Beda Weber, Lebena- und Literatur- 
bOd« (Bec«nsb«tv, 1858) und Edlingen Utocaturbtott II, 718 IT. Beda Weber 
Tereiniffte sidi mit Johannes Schul« , Joeef Streiter, Pina Snierle, Josef Tbaler, 
Ungarn Beyrer, Simon Strobl, Joeef Lama u. s. w. zur Herauagabe der »Alpen- 
blumen ans Tirol«, eines Diditerbudiea, das nur drei Jahrgftnga (1828—1880) er- 
lebte. Weber war lange Zeit in innigater Freundschaft Streit«r verbunden, bia aidi 
allmählich in ihren religiösen, politischen und literarischen Ansichten ein Gegensatz 
ausbildet«, der zum Bruche fahrte. In weiteren Kreisen wurde dei-selbe sichtbar 
durch Streitfr? oben erwähnten Aufsatz: Poetische Regungen in Tirol . Seither 
konnte die Klult zwischen Liberalismus und Clericalisirius in Tirol nicht mehr ȟber- 
brückt < werden. In der Zeit des beginneudea liLauipfes erklangen am vernehmlichstau 
die dichterischen Sturmglocken Senns und Gilms. 

*) Josef Streiter wurde 1804 m Paiersberg, einem Landsitze bei Bozen, 
geboren und starb dort ala Advoeat 187 S. Zu den »Al^eablumen« ateuerte er u. a. 



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XXIX 



mals auf den Aufsatz zurück: «Wie Lertha und ich in der 
«Aflgemeiiieii Zeitung' als Dichter in einer Zeile abgefertigt 
sind, wirst da schon gehOrt haben; wir sind mittelmäßig, d. h. 
schlecht. Ich vermuthe flbrigens wohl, dass dies das Ürtheü 

Tieler über meine Gedichte ist, werde aber demungeachtet später 
eine neue Sammlung druclipn lassen'*. 

Allmählich dachten die jugendlichen Dichter an die Heraus- 
gabe eines tirolischen «Almanachs', zu dem auch Pius, Beda 
und andere ältere Sänger beitragen sollten. Der kampflustige 
Beda ward leicht gewonnen; nach seiner Anschauung hatte das 
Buch nicht nur junge Talente zu ermuntern, sondern der «entgegen- 
gesetzten Partei** zu zeigen, dass man sich durch Aufsätze, wie den 
über die „poetischen Regungen'*, oder voraussichtliche ungünstige 



iBe Korelle »«Be Sehaospiderc nnd einigpe Anfbritte eines »Oswald tod Wolkenstein« 
bd; sonst nennen -wir »die Lebenwiiielle, dn dimutiaebes lUrdien« (18S9); »Dich- 
timgen« (unter dem angenonnnonen Namen Berengarius Ivo hermisjr^geben (184^), 
unter 'welchen sich das dramatische Mvsteriimt »Himmel und Erde« befindet); das 
Trauerspiel »Heinrich IV.« (aoonjTu, Heidelberg, 1846) ; das Loatspiel »der Assessor« 
anonym, Berlin. l^^flO). Wp] wichtiger '■itnl Streiter« pri^^inische Werk<> : ' Pi'^ 
Jesnifj^n in Tiinl- (HiidclIn^Tf,' IS I.'«), wokhes im Anliaii^f n'iiij-^? Zpitsrnflicht'' Ik-nii. 
T. Gilms bracht« (weder der Verfiosser der Abhandlung m ch der der Gedi'ht*- j-ind 
genannt); »Studien eines Tirolers« (Leipzig", 1862), <n<]li'li die »Blätter aus Tirol« 
(1868). Mit Streiter standen in r-ngt^v Verbindung Ludwig Stoub, Friedrich 
L e u t n 0 r , Johannes S c h u 1 e r und bis zu seiner Uebersiodlung nach Wien 
H. T. Gilm. Lentner gebOrt nach P. K. Roseggers Urthefl »zn mnem liesteii 
netfieesctaleliifteneRihkin.« Bosegfer gab dessen »Geschichten ans den Beigen« 
uitor dem Titel »Geschichten ans Tirol nnd Oberhsieni« neneidings herans (Hagde- 
hmg, 1876). Snen Lshensabiiss Lentaeis ans der Feder Stenhs bringt das Bnch: 
»Der Flattehner and seine ifinder. ErzUdnng ans dem Tiroler Volksleben tob J. F. 
Lentner« (Stnttgart» 1854). Stenb • handelt andi an msodien andern Stellea Ober 
den frflh (1852) verstorbenen Freund, s. B. in den »drei Sonunem in Tirol« (S. Anfl. 
in, 156), im Bndie »aas Tirol« (S. 69), in den »Wandemngen im bairisdien Ge- 
birge« (2. Aufl. S. 57) und selbstrerstAndlich im »Stogerkrieg«, der äberfaanpt 
reichen Stoff zur Beartheflnng des litsiarischen nnd poHti<;rhrn Tirols im T'<niinr^ 
liefert. Von >Schaler erschienen die »gesammelten Schriften« nach seinem T >(ie, 
^l1erau$^ro{r^»hf'n von seinen Kr-unden« (1861). Die demselben vorangesetzte Lel»ens- 
besclirt'ibunfr stammt aus der Feder A. Ritter v. Schnllern«. Das srhönste Erreugnis 
Scbnkrs ir.ift ^ wohl seine Novelle »Jakob Stainer« sein, die zuerst in den »Alpen- 
hlumen« erschien. 



XXX 



Besprcrhungeu nicht abscbreckeu lasse, „derade deswegen, meinte 
er, habo er Lust dazu*. Der milde und vorsichtige Pius war 
jedoch gegen die Betonung dieses zweiten Grundes, «um niobt 
schon im voraus Unwillen und Bitterkeit . . . gegen das Unter* 
nehmen zu erregen*. Er und Beda wollten, wenn Banoh in 
Innshruek den Yerhi^ Übernähme, die emhmfenden BeitrSge, 
prflfen und ordnen. Wftre nach tiberstandener Gensar das Er- 
scheinen bis Neujahr ]^^45 möglich, so sollte die dichtmache 
Gabe sich eine neue Folge der ^Alpenbluiuen aus Tirol" nennen, 
wenn es ^ich aber bis Ostern verzögerte, „Lerchenstimmen, 
i'rühliügöalmanach aus Tirol" heißen. Kitter von Gold egg, 
Dr. Ton üellriegl in Lana und Pfarrer Thaler (Lertha) in 
Kuens sagten ihre Unterstfltzung zu. Auch Simon Strobl 
sollte um Gedichte »zur Zierde des BQchleins'' ersucht werden % 
Dagegen lehnte Alois Meßmer, Studierender der Theologie 
in Brixen, in emem freundlichen Sehrelben an Ignaz Zingerle 
ab. Die Zeit schien ihm zu karg bemessen, um etwas Ordent- 
liches zu schatfen, und von seinen frühereu Arbeiten fühlte er 
sich nicht mehr befriedigt; er wollte daher den ^ersten Kitt 
gewandtere Kitter thun lassen und das übrige der Zukunft 
anheimsteUen" % 



') Aiitini Ritt. 1 V. Hu! (logg hatte unter dem Xaineii J. G. Lindtribui^ 184C 
die »Leyerkiängo aus Tirol« herausgegeben. — Jospf Thal er (?«b. am 15. Ortober 
1798 in ülten, gi storhen am 27. Dec. 187G als Pfarror von Kuens bei Morau) 
voröfti-Jitlidit« nnt-er .nuiorom eine Geschichte Tirols (1S.')4) und eiue GedichU>auiiii- 
liing; xKauliaulca von den Alpeu Tirolsc (1840); Simon Strobl (1802—1869) 
war ein Inosbrucker. 

'-) mm bemedieinweite Siäß» im Brief« M«ßiii«n (Brixen, 10. Mu 1S44) botet, 
wie folsi: »Noch etwas, worQber kb hrea Bafh baben mochte, soBeD Sie Temelmeo. 
Die Tage sind «war bOB«| wie man aUgemein deciamierl», allein es wicbst dtKli mandi 
guter Apfel, und wir in Tirol erhalten seRen die fkisehe Fmcht Sehen Sie, wir faHifen 
immer hinter der Zeit drein und hftren namentlich Ton der Poe^ der Gegenwart nur 
gana selten ^en verirrten Uaag. Wir sollten, m«nie ieh, doeh Ter allem die geistige 
Bestrebung der Gegenwart kennen lernen. Daher fiel mir ein, ob es unausfnbrbar 
wire, wenn etliche junge Leute sich zusammenf&nden, jeder sn beetimmien Zeiten 
etwas Geringes zahlte, um sich damit die neuesten Dichter anrnschaffen. Pen Vor- 
schlag dOrfte man freilich keinen Gelehrten hOren Jassea, denn der würde daraus 



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XXXI 



Diese Zuknuft aber iieLi den gauzen Plan sckeitern ; er hatte 
jedooh nicht uur unsere juugen Freunde, sondern auch die er- 
wähnte Gruppe älterer Schriftsteller zu neuer Thätigkeit gospornt. 
Aa«h ist 68 «in schönes Zeugnis für die dichterischen Bestrebun- 
gen jener, dass ue von diesen gewissermaßen als ebenhOrtig 
anerkannt wurden. So sdirieb Pius an den Neffen (17. Juni 
1844): „Yonbuns Voradberger Lieder Schemen mir sehr auf- 
nahmswürdiof. so wie deine Arbeiten" : und ein andermal hoflft 
er, auch Gbehwari werde seine lieblichen Gcisteskinder dem harm- 
losen Unternehmen Oberlassen; eine übergroße Bescheidenheit 
desselben, die dies vereitelte, könnte er nur bedauern. 

Die äußere Lage Yonbuns in Innsbruck war immerhin recht 
erträglieh. Der Präfect Mayr empfahl ihn an Für und andere 
Freunde und durch deren Yermittlung erhielt er eine Hofmeister- 
stelle bei Hieron VIII US Ton Scari, einem Professor der Rechts- 
Wissenschaft Scari verbrachte mit seiner Familie die große 
Freizeit auf seinen Gütern in Welsch-Metz, und Voubuu lernte 
so ein Stück Südtirol kinmu. 

Unter solchen Verhältnissen näherte sich der Zeitpunkt der 
Standeswahl. Während die Mehrzahl seiner Genossen der Lan- 
dessitte gemäß die Heihen der Geistlichkeit Terstärken wollte, 



keinon 'Sn^T^vt calciilieren. Wir werden allerdin^ nicht lauter Gold einhandeln, 
all^ Eniiutitennip ist das Onte wie das Geringen», und zudfm sind nicht alle 
Namen uli^-ur. Bedenken si<; diw! Da es aber enst das nächsre Jahr ausf ülirbar 
würde, aiüsst« man noili allrrlei wegen des nächstjährigen Aufentball«» der älit.gli<jdt>r 
etc. etc. bedenken und besprechen. Wir haben hier in Brixen einen ähnlichen 
Yercin fOr wissenschaftliche Werke ; &o genießt jeder das Beste in einem Umfang, 
alt «• «Mttl «ift StaiilnitMibeiitel nidil itets eHratit«. — Alois Meßmer wuide am 
11. Nov»DlMr 1S8S 10 Ntisneit yebonii, 1847 tum. Pridstor feweilit und im 
fiulMi 1848 nn FrofMaor das nmun Bundes und der griecUsolien Sprache an der 
ttarioftaehen Lehnnstalt in Btiien eniaant; er starb in Albane am 28. Angnst 
1861. Seine Gedidite aoUen in Bilde TerOffentiidit werden. Von seinen ezsoldflnenen 
Sebitfbsn erwihnenirir: »Saiseblittar«, 4 Bde. (Innsbmek, 185S— ISSS); »Beügfon 
und Kunst« (Innsbruck, 1862). Haa Vgl.: J. G. Vonbank »Alois Meßmer, 
PiofesEor der Theologie so Brizen a. i. w. £in Lebensbild, gezoichnet nach dem 
Tafobucho, Hri<fen n. s. w.< Heransffefeben von Dr. J. C. Mitterrutsner. 
2 BAuddien (BcixeOt ISttO). 



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XXXII 



fQhlte VoDbun sehon ISogst keineii Predigertrieb mehr in giclk^ 
und da ihn ein Leben im Aetenstanb auch niebt loclrte, ao kflrte 
er den Beruf des Arztes. Am besten b&tte er sich vobl als 
Lehrer an einer höhem Schnle behagt, aber der Weg zn einer 

solchen Stelliincr führte dazumal in Oesterreich über schwer zu 
bewältigende Hindernisse und durch die Geduldheide schier end- 
losen Harrens. 

Bevor Yonbun nach Wien zog, quälten ihn die Gedanken 
an sein Kind .Aurora" und an seine nicht Tomrtheilslosen 
£ltem. Um die Znetimmnng der letzteren tu seinem Leb^s- 
entwarf zu erlangen, reiste er gleieh nach Schloss des Schnl- 
jahres m die Heimat. Aber dort wollte es ihn gar schwer 
bedtlnlcen, der Mutter langgehc^es Tranmgebilde von seinem 
künftigen rriestorthum zu zertrümmern. Er warb deshalb um 
die Vermittlung^ Josef F esslers, der seit 1841 als Professor 
der Kirchengescliichte und des Kirchenreehtes in Rrixen lebte, 
während der Ferien jedoch nach Vorarlberg kam und einige 
Zeit in Nüziders weilte. Nachdem Vonbnn von Eltern und 
Geschwistern anf eine vielleicht lange Daner schmerzlichen Ab- 
schied genommen, IcUbrte Fessler jene anf, dass der Sohn nicht 
in Brixen der Gottesgelehrtheit*, sondern in Wien der Eeilkunst 
sich widmen werde. Dem Einflüsse des klugen nnd angesehenen 
Fürsprechers gelang es endlich, alle iJcticükcu zu zerstreuen*). 

') Josef Ff-pplfr. poborfn um 9. "Docemher 181^ m l.oclmn ht-i Bn'ironz, 
studierte das Gymnasium in Foldkirch. dif Phiiosoj»hio in Salzluirg und Innsbruck, 
war am letztgenannten Orte Jurist, trat ISÜC in die Theologie zu Brixen, wurde 
1887 Priester, dann Präfect im Theresianam zu Innsbruck, 18S8 Supplent der 
Kirchengescbicbte und des Kirchenreehtes in Brixen, war 1889 bis 1841 im höhera 
Fri«stflrbUdiins8-In«tttat Frinttneam in Wien, erhielt dann den theologischen Doctorhnt 
und Ittbit» bis lS5ä «]s wirUicKer Professor in Brixen. 1848 war er ab Abfeord- 
netor in Frankfart 1852 Us 1856 lehrte er XirchenBeeclucbte nnd bis 1861 
canonisdieB Reebt an der Wiener Unirersitilt. 1856 giens er benrlanbt nach Rom. 
1858 wurde er Ebrencanonieos de» Wiener Capitels, am 81. Mirz 186S vom Bfecbof 
Vineenz Oasser «im Genendvicar von Vorariberg emannt, am 7. Apcü lom Bisehof 
von Nyssa i. p. i. prftconisierfc und am 2t. September 1864 vom Kuaer inmKsehof 
von St. Pölten ernannt. Am SO. April 1805 fand die Inthronisation statt. Auf 
dem vaticanischen Coocil versah er die Stelle eines Secretbs. Fesaler war ebne 



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xxxin 



Vonbun war indessen Aber Meran, wo er Zingerle und 
Gschwan besuchte nnd des ersteren Eltern sowie P. Pius ken- 
nen lernte, nach Welseh-Metz gewandert, um noch för kurze 
Zeit seinen Hofmeisterposten einzunehmen. Von dort aus gab 
er sich brieflich alle MCbe, das weitere Gedeihen des zarten 
Sprössliügs „Auiuia'' durch dessen Versetzung nach Brixen zu 
sichern. 

Die Zuschriften, die er aus diesem Anlass an Zinoerle 
nchtet, zeigen ihn umsichtig und fürsorglich und gewähren einen 
anziehenden Blick auf manche seiner Eigenschaften. Neben 
emem unermfldlichen Eifer offenbart sich uns eme jugendlich- 
stflrmische Heftigkeit, aber zugleich die voHc Warme freund- 
schaftlicher Empfindung. Auch seine ilaluin- gegen die großen 
Prägen der Zeit ergibt sich klipp und klar aus diesen liriefen. 
Wir theilen deshalb einige Stelleu umsomehr mit, als nur wenige 
vertrauliche Ergösse seines Herzens vorliegen. 

Er schreibt am 3. September 1844: »Theuerster aller 
Theuren! Diesen Augenblick habe ich Deinen und des Jörgs 
( Gschwaris) Bhef bekommen und mit freudigem Entzücken ge- 
lesen, weil beide liebeathmend der Brust meiner zwei ewig unver- 
gesslichen Freunde entstiegen. Dem Brief trug außer dem Stem- 
pel der Freundschaft auch noch klar und deutlich das Bild Deines 
feurigen poetischen Geistes . . . Dem Jörg sage, er möchte in 
Zukunft die Zweifel, z. B. .wie Du sie autnehmen wirst?* 



Zweifel der golehrtost.j Priest€r, den Vorarlberg nclcn Jodok Stülz liorvorgebracht 
Sein Hauptw.Tk sind die Institntiones Patrolofiao, 2 Bände (1850— 1851). Außerdem 
mögen hier erwähnt werden: »Süidion üh-r fJas österr. Concordat vom 18. Angvi^t 
1855« (Wien, 1856); »Geschichte d. r Kirdie Christi als Relifionslehrbuch für das 
Obwgymnasiam« (Wien, 1857); »Das letzte und das nächste allgemeine Concil« 
(Fnibaiiff, 1868); »Sammlung vtriuischtür Sthrifton über Kirchengeschicbt^ und 
Bw*«lWCiht€ (P^ibnrg, 1860); »Die wahre und die faisehe Uuf^hJLarküit dw Püpste, 
snr Abwehr gegen Dr. Schalte« (Wien, 1871); »Das Tatieaniscbe ConcD, dessen 
inßer» Bedeutung nnd innerer Verlauf (Wien, 1871). Feeder starb am 25. AprÜ 1872 
in St Pfilten. Uan vgl. über ihn: >Dr. Josef Fessler» Bischof von St. P<nteo nnd 
Seeretir des Taticanisehen Condto. Eni Lebensbfld von Anton Erdinger, Birector dee 
bischOA. aerieal-Senlnars in St Pölten« (Brixen, 1874); Mitteinitsner in Wetter 
und Weltes Kirchenlatihon, 2. Aufl., 41. Heft, S. 1S88 t. (Freibotg, 1886). 
Or. F. J. Yonbon, Sagen Vorarlbergs. o 



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XXXIV 



beiseite lassen und sich die Ueberzeugung beibringen, dass alle 
«etlicheu Zeilen'', die ich von ihm erhalte, mich unendlich 
treuen. 

Dass die Giovanelli und Altmann weder Dir noch mir 
sehreiben, ärgert mich verflucht. Doch diese drei Herren sollen 
etwa Didbt glanhen, dasB durch ihre Sprödigkeit und ihren erkal- 
teten £ifer ,lnrora* nicht fortbestehen werde . . . Und sollten 
alle abfoUen bis Du, Jörg und ich, so werden wir durch unsem 
Fleili die kleine Zahl ersetzeu* . . . 

Nun schließt er einen Entwurf von Satzungen der „Aurora" 
bei^). Endlich verspricht er. dem nächsten Briefe eine Sage und 
zwei oder drei Lieder beizulegen. „Etwas Prosaisches werde ich 
in Gottes Namen bis Ende September zusammenstoppeln. Ich 
lese Schillers Aufsatz : .lieber naive und sentimentale Dichtung*. 
Ich mache einen Auszug daraus. — Schreibe mir, wer und warum 
num meine Mitarbeitung am Yolkskalender missbilligte. Ent- 
schließe Dich, wohin Du das nächste Jahr gehesi Dein Zaudern 
konnte einem bestimmten Plane über den l'ortbestand der 



*) Wir beVeii bier nur j«iM Pnnkte hervor, weklie tuu Uber YonbaoB ISnlen- 
Iiist and Plane belehren: 

»1. In Brixen, als dem Uauptsitze, rersanimelii sidi di« dort anwesenden 
Mitglieder, um ordin^ alphfibctico AnfsStze vorzutragen. Jeder Aufsatz wird im all- 

getn<»inf*n Vritis-rcrt. <l:iiin liiicin Mit;jlied*.' nach Haiisf mitpefrebpn, tun ihn liSnger 
überdenktii und am näcbsteu Yersammluugstage eine schriftUche Kritik hierüber 
bringen zu können. 

2. Jedes der currehpondioreudcn Mitgliedei boudet muuaüich 4 — sage vier 
— AulsKtse ein . . . 

8. Diese AaÜB&tze werden in Brixen wie Aofettce doitifer llitgUeder gelesen 
und kritinert, dann binterlegt, nm sie bei der Hand su haben, wenn sie der Anctor 
surOekfordam sollte. 

4. Die hetrscbende Meinong über einen Aufsatz wird dem Anctor in demselben 
Monate, in dem er abfeliefert wurde, snrfickgeschrieben. Kaduichten und ein 
schöner Auftatz eines der Mitglieder s<dlen beigeffigt werden. 

5. Es soU in Brixen ein Tagebuch gehalten werden, in das die sehOosten Auf» 
süt/o cini,'otragen worden ; denn diese Sammlung könnte Materialien zum Almanach 
de«; iiri(:1is,t> n ' Jahrs und, so Qott will, noch und nach zu einem literarischen Blatte 
»Auror.i aus Tirol« üefi'rn. 

ti. Der i^'ortschritt der «Aurora« soll iu eigenen Anuuleu vorgemerkt werden«. 



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XXXV 

^Aurora' nachtheilig seiu. GrQße an alle Freunde der Wissen- 
schaft !• 

Ein zweiter Brief datiert vom 17. September: 
»Theuerster! Nie fühlt der Jüngling die Nothwendigkeit, 
«n einen treuen Gefährten sich ansuschUeßen, mehr, als wenn 
4f dnmal eine theure Seele gefunden hat, aber durch ein widngf^ 
■Sdiieksal von Ihr getrennt leben ninsB. Deshalb, mein Thenerster, 
ifundcre Dich nicht, daas ich sogleich immer Dir antworte", isun 
;ichlägt er eine Zusammenkunft in Bozen vor und fahrt dann 
fort: „Als ich in Vorarlberg war, erhielt ich aus Wien vop 
unbekannter Hand einen Brief über das Gedicht: .Die drei 
&hwe8tem ron Frastanz*. Nachdem der Unbekannte s^ine 
Ironde darüber ansgedrückt hatte, dass die «Yolkspoesie* wieder 
2a Ehren komme und mich hoch und theuer aufgefordert, wieder 
etwas drudcen zu lassen, sagte er: „Doch meine ich, sollten ^ 
■Sie viele, recht viek Adnotationen hinzufügen, damit man's in 
Wien versteht. Schreiben Sie mir unter der Adresse: Dr. Friedr. 
Witram!" Ich habe aber nicht gesdirieben. Ich glaube, dies 
sind schon Anzeichen, dass wir manchen Gegner noch finden 
werden. — Die drei Herren auf dem Bitten haben also immer 
]ioch einen Maulkorb an, die armseligen! Schöne Freiherren, die 
von ihrem Adelstolze so beherrscht werden, dass sie nicht der 
innern bessern Stimme zu gehorchen sich getrauen'. Man musö 
ihnen ein Billet schicken, worin man sie ermahnt, sich immer 
Barone zu schreiben, i. e. Lastträger von ßdpo?:, gdpeo<;. — Mit 
diesen Giovancllis und Altmanns ist's sehr bedenklich. Unsere 
Gesdlschaft tritt allmählich in die OefTentUchkeit zu einer Zeit, 
wo Urol in zwei Parteien getheilt ist, ih die jesuitische nnd 
antijesuitische; erstere möchte Tirol rückwärts, letztere 
vorwärts schreiten sehen. An der Spitze der ersteren steht der 
Adel, i. e. ein dununer Adel, an der Spitze der letzteren Bene- 
dictiner zwar, aber kemhaite, geistreiche Männer^). Zu welchen 



^) Tonbim denkt hier an Pius und Beda, paa beaondere jedoch an P. Albert 
Jicer, der am 8. Ifftre 1844 im Maseum einen Vortrag Aber die Geschichte Tirols 
in 17. und 18. Jahrhundert gehalten und dabei die Wirksamkeit der Jesuiten \m. 



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XXXVI 

Ton beiden Parteien sich , Aurora" halte, ist entschieden. Tritt 
nun der jnnge Adel Tirols auf unsere Seite, so ist zu hoffen, 
dass diese Spaltung gehoben werde; wenn nicht, so wird der 
unselige, dem Fortschritte des Landes immer sch&dliche Hader 
wieder neu und vielleicht energischer und verheerender entflam- 
men. Dass aber ein ^emehischaftlich vereintes Streben und 
limgeii nach Veredlung und Bildung unter dem Adel sowohl 
als unter den Bürgerlichen einem unglückseligen Streite und end- 
losen Wirren vorzuziehen sei, ist klar. Aber die Gr. und A, 
zeigen bereits, wie sein man sich auf den Adel verlassen kann; 
sie waren die ersten, die zum Treueschwur die Hand an die 
Brust legten, und sind nun auch die ersten, die, in ihren Stolz 
bemahe bis zur Ehrstickung versunken, mit Hohn auf das Winden 
und Eegen eines plebejischen Worms hemiederschauen. Aber 
bei Gott, dieser Wurm könnte wohl eine Schlange werden, die 
diesen süßen Herren ihre leeren hochtrabenden Köpfe mürbe 
beißt! Wohlan denn, alea jacta est! Krieg dem verrätherischen 
Adel!« 

Die Zusammenkunft mit Zingerle in Bozen kam nicht mehr 
zustande. Mit sehr geringen Mitteln ausgestattet, machte sich 

Voubun auf den Weg nach Wien. Als er sich auf der Donau, 
wahrscheinlich in Linz, einschiffen wollte, besaß er nur noch 
vier Zwanziger. Er zeigte dem Capitan offen diese Barschaft 



Lande sehr (mfenaibiig lenrtheilt. hatte. SchiikT lühuit« von dem Redner, dass er 
»ebenso reiches historisches Wissen als aiim seltene Freimfithigkuit mit wahrhaft 
JphüoMqthitcber Geschichtsbetrachtung veiband«. Vgl. Steubs »Sängerkrieg«, S. 198 1t, 
— P. Anbert J ft g e r , «in« der verdienteifceD Gesehiditafiiindier Tirols, nvci» am 
8. Deeembw 1801 in Seh««« gabcmn, trat 1885 in das Stift Harienlterr, \M» 
1845—1849 allgemeine Getciiiehte an der UniversitiUr Innabroek und seit 1850 an 
der in Wien. Er lebt nas im Rabestaade in lansbraek. Von seinen Werken nennen 
vir folgende: »Der Engedelner Krieg im Jahre 1499« (18S8); »Ttrot mid der 
baierisdi-AamOeiscbe Einfall im Jahre 1708« (1844); »Der Streit des Cardinals 
Ificolaus von Cusa mit dem Herzoge Sigmund von Oesterreich« (1861); »Ge- 
schichte der landstandischen Verfassung Tirols« (2 Bände 1881 — 1885). — Infolge 
des Yortragi> vom 8. M&rz 1844 widmete H. Gilm Jftger ein Gedicht (Güms 
Gedichte II, 150). • 



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xxxvn 



und fragte, ob er ihn am die geringe Summe mitnehmen könne. 
Jener Iwjahte dies nickt nmr, sondern gab ihm, von Mitleid be- 
'bewegt, noch die HUfte zurfick. Indes betrat Yonbun trots 
seiner kärglichen Habe nicht ohne ZuTorsicht das granitne 

Pflaster der Hauptstadt. Er hoffte bei seiner Base Anna Maria 
Burtsc Ii er aus Nüziders, der Frau des Kammerheizers der 
Kaiserin Maria Auua, Unterschlupf zn erlangen. Jene emptieng 
nun den Vetter zwar freundlich, allem am dritten Tage gab sie 
ihm fünf Gulden .Scheinwährang'' und forderte ihn auf. weiter 
eelbst für sich zu sorgen. Nmi folgten Wochen bitterster Noth 
ohne Geld nnd ohne Bekannte In der fremden großen Stadt! 
Da konnte Yonbun in der That «das Studentenelend in seinem 
TOllen Umfange" durchkosten 0- 

Kiüiiial lag er in der DaminiTung voU Heimwell^ lu einem 
Stadtgraben und gab seinem Gefühle in einem schönen Gedichte 
an den Abendstem Ausdruck^): 

Se lueg ma decht seil Sternli a! 
Ei gelt, wia ^s lieble blinzla kf, 
Und wia-n*es dört am Fürmament 
So mnsle^till si Liechtli brennt! . 

I säg es dütsch: i sieh-n-a gern 
De Schöna goldna Abed^tem, 
Und dechter will mer 's Heimweh kd, 
So oft en siech am Himmel ^toh. 

I mein, i süch mis Ättls HOs; 

£s gügglet ?tUl zem Bomgert tis, 

Und 's $tigt der BOeh Tom Schindladach 

Zum Abedhimmel ül aligmach. 



^ Haa v|i himllber den AnfMti von A. Balla Tramosa: »Dto volbh 
Utamlicben Dielitdr dei Ostemichiscben BheinlandM« in der »DeutaelMB Zaitanf« 
fm. 14. nnd 17. Jnnl 1SS7. 

*) U«1»er die Beieiehnimr der mnndarUidieii Laute den SeUnas der Mn- 
Jeitanr Tonbnaa ra Minen Sagen; a. onten S. 16 f. 



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XXX vm 

I mein, i sich noch d's SOlderli, 

Es schimmret wiü im Abedschi, 
Und d' Hüsehr i?t drüf zcmmakö 
Und will a bitz si z'rueba Id. 

Der Ätti zündt si Pfifli a. 
Und d' Mueter setzt si nebedra 
Und hebt de jüng^ta noch im Arm 
So sargsam deckt ö und so wärm. 

Und aha Inegt vom Himmelsrand, 
Wia hienicht da im Schwabaland 
Der Abed^tem in ^tiller Kiieh 
Und winkt dem z'Mdna Ydlkli zue. 

0 lieba Stern! Du wandlest hüt 
Am Himmel dorn, weiß Gott wia wit, 
Und söttest i mi Heimet kd, 
So thue sie frflndle grfieza 161 

Diese lieblichen Verse sandte er an den Bischof Bernhard 
Galura von Brixen, einen hochgebildeten Schwaben von weli- 
mftonischer Sitte und welterfklumem Blicke. Der verstand des 
jungen Dichters Absicht und schickte ihm rasch ein paar aus- 
giebige Goldfflchse. Die edle Spende frischte den gesunkenen 
Mutli Voubuns wieder auf. Er stellte sich seinem Landsmanne, 
dem hochverdienten Geschichtsforscher Dr. Josef Bergmann vor, 
der sich seiner sofort warm annahm. Als ausgezeichneter Ge- 
lehrter und erprobter Schulmann überzeugte sich Bergmann 
rasch von der ui^wGhnlichen Begabung und den tüchtigen 
Kenntnissen des Ank<(mmling8. Er lieB ihn zuv<(rderst alte 
Handsduiften der Ambraser Sammlung abschreiben und ver- 
schaffte ihm einige Ptivatstanden; unter anderm soll Tonbun, 
welcher der griechischen Sprache vorzüglich mächtig war, auch 
dem siebzigjährigen Präsidenten des Appellationsgerichtes, dem 
Freiherm von Pratobevera, Unterricht in derselben ertheilt haben. 

Für Bergmann war der junge Landsmann gerade recht 
l^kommen. Jener verMentlichte damals nämlich eine seiner 



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XXXIX 



anziehendaten Arbeiten, die «ünterrachungen Ober die freien 
Walliser oder Walser in Graubflnden nnd Vorarlberg mit 
einigen diese Gebiete betreffenden bistoriscben Erl&tttenmgen* 

und fand Gelegenheit, an drei Stollen Yonbuns Unterstützung zu 
erwähnen; denn dieser hatte ihm mehrere Mittheilungen über 
die obem Walser, besonders über ihre sprachlichen Eigcnthüm- 
liclikeiton gemacht und die Erzählung: ,Der nene Herrgott" in 
die Mundart ron NOziders übersetzt; außerdem fügte Bergmann 
an den Scblnss seiner Abhandlung das Gedicht: .Des Walsers 
Heimkehr", welches, wie er bemerkt, ,Ton dem talentreichen 
Med. Stud. Franz Vonbun, der die Märchen und Si^en der 
Walser zu sammeln begonnen", verfasst war. Wenn manchmal 
behauptet wurde. Bergmann habe ihn erst auf das (Erbiet der 
Sagenforschung gewiesen, so ist das, wie wir gesehen, nicht 
lichtig, wohl aber wird ihn jener aufgemuntert haben, fleißig in 
seiner Birscb fortzufahren und die einsclü&gigen Werke der Ger- 
manisten zu studieren. Auch die BeschSft^ng mit den Hand- 
schriften war für Vonbun sehr nützlich, indem er schon durch 
dieselbe die alte deutsche Sprache und Dichtung genauer kennen 
lernte und einen wissenschaftlichen Einblick in die Bedeutung 
von Mundart und Sage gewann. So wurde er durch seinen 
Gönner in mannigfacher Kichtung gefördert, und er hat dessen 
bis an seines Lebens £nde stets mit warmer Anerkennung ge- 
dacht. 

Mit Zingerle blieb Vonbun in ziemlich lebhaftem brieflichen 

Verkehr, wtDu auch die , Aurora^ in Brixen nicht gedeihen 
wollte. Jeuer schickte an den Freund ab und zu Gedichte, 
welche dieser ebenso wie die eigenen Erzeugnisse in Wiener 
Blättern unterzubringen strebte. Er wandte sich zuerst an 
Ferdinand Bitter von Sejfried, der seit 1844 die Leitung des 
.Wanderers* übernommen hatte und den Abdruck zweier Gedichte 
Zingerles in seinem Blatte zusagte. Doch Vonbun »harrte und 
harrte, und nichts erschien". Endlich gieng er wieder zu 
Seyfried, der ihn höflich emptieng und erklärte, die Gedichte, 
seien ihm zu lang. Da gerieth jener in Hitze und schied mit 
dem Bedeuten, er solle in Zukunft nicht mehr viel über «Lunge 



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XL 



von Tiroler Producten" zu klagen haben. Auch in dieser Noth 
trat (Justös Bergmann hilfreich ein, indem er ihre „Sachen" an 
Josef Siegmund Ebersberg, den Herausgeber des „Oester- 
reichischen Zuschauers'' zu übermitteln versprach. Deshalb heischte 
nun Yonbun vom Freunde Aufsatze in ungebundener Kede, denn 
solche seien immer willkommener als Verse und brächen aucli 
diesen die Bahn. «Bann versuche auch euiige Trinklieder! Es 
wül nämlich ein Studio hier, der selbst ein bedeutender Dichter 
i^t und große Bekanntschaften hat. ein Commersbuch heraus- 
geben. Vogl, Stelzhamer und Studenten arbeiten daran. Auch 
soll an Uhland eine Bitte um Mitwirkung gestellt werden. 
Vielleicht, dass auch Beda dazu beitragen würde. Die Qediclite 
werden von den eisten Oomponisten in Wien m Noten gesetzt 
weiden. Ich werde Dir darllber nach und nach schon bestimmtere 
Nachricht geben. Schicke vorerst etwa zwei Trinklieder, damit 
ich sie dem Midgard, der das Liederbuch veröffentlicht, geben 
kann". Weiter ersucht er Zingerle, ihm das ürtheil Meßmers 
über seine , Volkssage" zu schreiben oder diesen zu bewegen, 
ihm eine Besprechung, aus der er etwas lernen könnte, zu sen- 
den. — „Sonst gibt's nichts Neues. Hr. Pich 1er hatte in der 
Wiener Zeitschrift ,Beise eines Studenten aus Tirol*, worin 
Jäger, Senn, Güm bedeutend gelobt waren. Wie steht's mit 
dem Almanach und Deinen Sagen?" 

lieber die medicinische Facultät von Wien in jenen Jahren 
braucht nichts gesagt zu werden; sie stand damals bekanntlich 
in ihrer schönsten Blüte. Ein Theil der Studentenschaft warf 
sich, angeregt durch die meisterhaften Vorträge der berühmten 
Lehrer, mit jugendlichem Feuer auf die Wissenschaft, unter 
diesen auch unser Vonbun. Einer seiner vertrautesten Genossen 
war Späth, gegenwärtig Hofrath und TJniversitätsprofessor im 
Ruhestände zu Wien. Die Beutel dieser guten Kameraden 
waren selten gefüllt, und so wanderten sie denn mittags oft vor 
die ,Lmie" hinaus, um in den Vororten billiger zu essen. Nach 
Späths Erinnerung hatte Vonbun den Wahlspruch: „Nulla dies 
sine linea*, der sich auf seine literarische Thätigkeit bezogen 
haben könnte, ohne dass sie sich ins einzelne Terfolgen liefie; 



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XLI 



Tielleicht dachte er aber dabei in der ihm eigenen witzigen 
Weise nur an jene Ausflüge über die „Linie". So verrauschte 
unter wissenschaftlicher Be^-fhäftigung und unter Arheiten, die 
des Lebens Nothdurft verlangtet das erste Jahr in der Kaiser- 
stadt. 

Gerne wäre Vonbiiii am Schlüsse desselben nach Hause 
geeilt, an der AusfÜhmng dieses YorhabeDs hemmte ihn aber 
wohl der Mangel eines hinreichenden Reisepfennigs. - So blieb 

«r missgestimmt und schatiensunlustig in Wien. Ueber sein 
Treiben berichtet ein Brief an Zim: rle vom 16. August 1845, 
aus dem wir einige Steilen wiedergeben. 

^Bester Freund! Du glaubtest vielleicht, ich wäre längst 
schon in Vorarlberg, hast wohl gar die Beise nach Innsbrack 
unternommen mid mich nidit getroffen. Ein ZnM hinderte 
mich Mder an der vorgehabten Heimreise, und ich muss nnn 
noch ein Jahr in Wien bleiben, bevor ich Dich, Theurer, und 
meine liebe Heimat wieder sehe. Es würde mir die Zeit in 
diesem ewigen Gerassel und diesem bunten Gewühle manchmal 
zu lang Vierden, wenn mir nicht die Muße geboten wäre, die 
verschiedenen reichen Sammlungen der Kesidenz zu beschauen. 
Denn wShrend des Seha]|jahres fehlte es mir an Zeit, indem ich 
oft weit zu gehen habe und man mit dem bloßen Ansehen sich 
nicht begnügen kann. Besonders interessiert mich die Ambraser 
Sammluug ; ich war drum auch bereits mehreremale darin. 
Außer diesem ästhetischen Treiben (, ästhetisches Bummeln* 
nennen es hier die Studenten) thue ich wenig . . . Icli hatte 
mir wohl vorgenommen, bis zum nächsten Winter alemannische 
Gedichte nnd Sagen zu sehreibett und sie dmcken zu lassen; 
doch ein bOser Genius, Trägheit genannt, lieO den, ich weiß 
nicht lobens- oder tadelnswerten Bntschluss bisher nicht zur 
Keife kommen. Vielleicht geben es doch die Götter, dass 
letzterer siegt. — Dass ich mich bisweilen auch mit Märchen 
befasse, weiiit Du. Endlich besuche ich auch das Burgtheater, 
wenn mir das gewisse Etwas nicht fehlt. 

.Nun mdchtest Du halt Neuigkeiten wissen? Die Tiroler 



XLII 



i*rflhlieder^) wirst Da gelesen haben. Die Gedichte yon 
Partscher, Meflmer und Güm sind nnstreitig sehr schön. Auch 
die Epigramme (auf Beda Weher?) sind sinnreich und witzig. 

— Herr Bergmann hat, wie Du wieder wissen wirst, durch 
Steiermark, Tirol, Vorarlberg, AVürtemberg (wo er in Stuttgart 
den ihm befreundeten ühland besuclite) und Haiem eine Reise 
unternommen. Die nächsten Tage wird er hier cintreti'en. Von 
ihm wird nächstens auch eine Sammlung altdeutscher Lieder 
erscheinen: .Ambraser Liederbuch*« Ich habe sie aus emem 
uralten Buche in der Amhraser Sammlung abgeschrieben und 
zusammengestellt. (Die Verse waren nämlich in einem Continuo 
fortgescbriebcn ; manches musstc aucli ergänzt werden.) In 
Stuttgart werden sie gedruckt; ühland wird wahrsclieiulich 
Noten beifügen, wie Bergmann sprachliche Erläuterungen dazu 
geschrieben hat. — Im Stuttgarter Morgenblatt ist die Reise 
des Erzherzogs Johann durch Tirol im letzten Mai sehr schön 
beschrieben 0 . . . Hast du prosaische Erzählungen, Sagen etc., 
so schicke sie, ich werde sie drucken lassen. Auch gute Ge- 
dichte wfisste ich nun anzubringen. Herr Seidl nälme auf das 
küDitige Frühjahr sehr gerne Beiträge in sein Taschenbuch auf. 
Von „Aurora** und so luftigem Zeug werde ich nicht mehr 
sprechen dürfen. Schade!" 

Im nächsten Jahre kam Vonbun durch den Einfluss Berg- 
manns als Hofmeister in das Haus des Hofratbes der Staats* 



>) »FrQhlieder aas Tirol. Gesammelt und herMtSfegebea von Adolph 
Picbler. Wien., 1846«. Zo dicMC Sammlontr hatten beigetnim: .Alois Meß me r, 
Ernst Freiherr von Benz, Vincenz von Ehrhardt, Hermann von Gilm, Caspar 

Hapen (ans Bregonz), Franz Iloehegger, Josef Huber, Bernhard Moser, 
H. l'erthaler, Ado!*" p u r t s c h o r , Sie^nnund S c h 1 u rap f , Josff von Schnell, 
Ludw. von Schnell, Karl Freiherr von S »• y f f o r t i tz , Caspar Speckbacher, 
Josef Tschofen (ein Moutavuncr ; ar gibt ein Gedicht in der he^misch(^n Mundart), 
Alois Schiern (A. Freiherr ron Mag es). Die oben »Epigramme* genannten 
üatiriüchea Gedichte, deren Verfasser im BQchlein als Autoii *r bezeichnet wird, sollen 
von Pichl er herrühren. 

M Von Lentner, der «Is Fejftordnor der Morancr aich vi^e AnerkeimttDf 
erworben hatte. Man vgl. Steub im »Plattebnerc, S. 26 ff. 



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XLIII 



kaiuilei Jolmnn Vesqne von Pflttlingen. Ward durch dkse 

Stellung die Zeit des jungen Mediciners nun auch stark in An- 
spruch jrenommen, so fühlte sich derselbe doch recht behaglich 
und erhielt in der noiipn rmirebung die inannigtachsfpn An- 
regungen. Vesque war im dainalif,'eü Wien eine hervorragende 
Persönlichkeit, vielseitig und gründlich gebildet, auf den Gebieten 
der Ennat nnd Wissenschaft thfttig, ein Mann Ton feinstem 6e- 
schmacke nnd hilchster Liebenswflrdigkeitf ebenso freisinnig als 
Tornrtheilslos. Als heranwachsender JQngling hatte er sich leb- 
haft mit den alten Sprachen, aber auch mit der Kunde der 
Kerfe und Pflanzen beschäftigt, daneben die deutschen und fran- 
zösischen Classiker gelesen, nicht minder gemalt, gezeichnet und 
radiert und in jugendlicher Begeisterung ffir die dramatische 
Knnst auch gedichtet Seine rechtswissenschaftlichen Studien 
vollendete Vesque in glSnsender Weise, indem er 1827 ,suh 
auspicüs imperatoiis* promovierte. Bie auf diesem Felde in 
ihn gesetzten Hoffnungen erfüllte er durch eine Heihe sehr dan- 
kenswerter Werke. Aber er fand in seiner gelehrten und amt- 
lichen Wirksamkeit nicht volle Befriedigung für sein künstlerisch 
yeranlagtes Wesen. Wenn er -recht im Amte ziehen" musste, 
80 erfrischte er sich sein Gemfith durch einen herrlichen Dicht«. 
Am meistmi jedoch fflhlte er sich zur Tonkunst hingezogen. Er 
war ein tflchtiger Clavierspieler und angenehmer S&nger und 
unter dem Namen J. Hoven ein in ganz Deutschland geschätzter 
Componist. Seine Opern fanden auf den ersten Bühnen Eingang 
und Beifall, und seine Lieder, zumal die heitern, wurden viel gesun- 
gen. Heine war der Dichter, dessen Versen Hoven aru liebsten die 
Schwingen seiner Weisen lieh. FQr die „ Heimkehr % eine 1851 
ersdiienene Sammlung von achtundachtzig Liedern Heines, erhielt 
er die „goldene Medaille fOr Kunst und Wissenschaft*, und aus 
Paris sandte äm der Dichter von dem bekannten Siechenbette 
ein Schreiben, das „etwas Besseres als eme gew<)hnliche H((flich- 
keit, liäiiilich ein sympathetisches Vertrauen" aussprach. „kJi 
bin mit solchen Briefen in meinem Leben üiclit freigebig gewesen",, 
meinte der kranke Sänger der reizendsten deutschen Lieder am 
Schlüsse seiner Danksagung. Auf seinen fieisen in Deutschland« 



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XLIV 



den Niederlanden, Frankreich, England und Italien knüpfte Vesqne 
eine Menge der anziehendsten Yerbindungen ; in Wien war seine 
gagiüche nnd doch angpmchslose Häuslichkeit ein Mittelpunkt des 

sehriftstellerischen und musikalischen Lebeus. Träger bedeut- 
samer, ja zum Theile gläuzender Namen fublttu si('b zu dem 
liebenswürdigen, wohlwollenden und dienstbereiten Manne dauernd 
hiiif^ezogen; so Musiker wie Schubert. Moschcles. Nicolai, Men- 
delssohn, Hüler, Babert Schumann, Karl Löwe, Berlioz, Liszt- 
und Bichard Wagner und nicht mmder Schriftsteller wie Grill- 
parzer, Holtei, Frecfatler, Mosenthal, Franld, Walter Yon Goethe 
und Hanslick. Yesque war seit 1832 mit der blendend schönen 
Unguiiii Marie Markus von Eör vermählt, einer geistreicben Frau, 
welcbe den kiijistlenscheu Neigungeu ihres Gemahls mit Ver- 
ständnis folgte^). 

Tonbun unterrichtete drei Söhne und eine Tochter des 
Hauses in den Gegenständen der untern Classen des Gymnasiums 
mit dem besten Erfolge. Einer semer ZOglmge, der Freiherr 
Alfons YonVesque, schreibt mir: «Meine Eltern schenkten Tonbun, 



') Man vgl. das Buch : >Johann Vesqne ron Püttlingt'n (J. Hoven). Kine 
Lelxnsskizze aus Bn'fft^n und Tagobucbhlftttcni ziisainineiiK«stollt, mit Briefen von 
Nicolai, Löw«, Berlioz, Liszt n. a.* {Wion, ISST). — Vfsqup war gobon'i» am 
.Tuli 180" in Opule iu Puioü, knin aber schon im orsUni L«ljcnsjahro nach 
Wien und starl» daselbst am 99. Ootnlu i ISSr.. — 1866 wurde er in den Frei- 
h«'rrnstand eiliuhen. 187'.) «Tlungt»* t » die Würd»? i'iuns (Jeheiuien Rathes ; einige 
Jahr> vorher war er in das H«Trenhaus berufen word«>n, wo vt sich der Verfassungs- 
partei anschloss. Unter seinen musikali-scheu SchOpfnugen urw&bnea wir hier dio 
Opern: »Be&ft« (ISSO), »Die Belagerung Wien» «hireh die Tttsken«, »Tanadofc« 
(tSSS), «Johftinift d*AKc (1S40), »Liebesitnberc (1845), »Das Abeotener Kuls II.« 
(1S49), »Der Imtife RbHi« (1851) and »Lips Tollian« ; dann zwei Meesen nnd eine 
große Zahl von Ltedern. deren Texte er, wie crw&hntf mit Vorliebe aus Feines 
»Buch der Lieder«, aber anch ans den Werken Goethes, Schillers, Körners, IHilaads, 
Keniers, Lenoos, ZedUti*, Reinieks, Seidls, FfSoUs n. s. w. nahm. — Yon seinen 
rechtswinenaehaftliehen Arbeiten nennen wir nur folgende : »Daisfeetttnng der literatur 
des ösierreichiseben allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches« (I8S7); »Darstellung der 
Literatur des österreichischen Gesetzbuches Ohi-r V rliri'fln'u und schwere Polizei- 
l'ebertretungen* (ISSS); »Die gesetzliche Behandlung der Ausländer in Oesterreich« 
(194'2) : endlich das Hauptweric »Handbuch des in Ovstorreich geltenden inter 
nationalen Priratrechts« (1860). 



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XLV 



wie mir ineine Mutter sagte, das größte Vertrauen, und wir 
Kinder liebten und verehrten ihn: beides hat er auch im vollen 
Maße verdient, denn Vonbun war ein püicbteifriger, biederer 
Mensch in des Wortes bester Bedeutung*. Diese Zuneigung war 
eine gegenseitige und dauernde. Noch in seinen leisten Jahren 
blickte Yonbiin mit großer BefHedigimg auf sein mühevolles, 
aber gelungenes Wirken als Hofmeister zurfick und sagte, wenn 
er im Leben etwas Gutes Yollbracht so sei es die Erziehung 
der Vesque'sclien Kinder i^ewesen. Andererseits bewiesen diese 
ihm auch nach langer Zeit eine treue Anhänglichkeit und pflegen 
noch heute sein Gedächtnis. 

Die Verbindung mit dem Innsbrucker Busenfreund Zingerle 
ward im zweiten Jahre des Aufenthaltes Vonbuns in Wien sehr 
gelockert. Jener war n&mlich in das Kloster Marienberg em- 
getretoi und durfte sich als Novize nicht den Aufwand eines 
regen Briefwechsels gestatten; nur nach Hause, nach Brixen und 
Trient erlaubte man ihm zu schreiben, aber auch das nicht gerne. 
Den Eindruck, den diese öchweigbiiinkeil auf Vonbun machte, 
ersehen wir aus einem Schreiben desselben vom 27. März 1846, 
welches in seiner ganzen Haltung unsem Helden kennzeichnet: 
»Der Lenz entflieht, die Blume siduefit in Samen, 
Und keine bleibt von allen, welche kamen. 

Was diese paar Zeilen fflr einen Eindruck machen werden, 
weiß ich nicht. Wären Sie jener schwärmerische und liebe- 
glühende junge Poet, jener warme, offene Freund, als den ich 
Sie in Innsbruck kennen gelernt habe, dann dürfte ich hoffen, 
dass dieses Brieflein Ihnen ein recht liebes, theures Brieflein sein 
werde. Doch Poesie und SVeundschafb sind Blumen, die der 
Jugend Lens gebiert und des Mannesalters eisiger Nord bleidit. 
Aber wenn auch des Frflhlings Kinder sterben, nimmt Ceres des 
Samens goldnes Korn und senkt es in die Erde, und „führt der 
gleiche Tanz der Hören freudig nun den Lenz zurück, — Wird 

das Todt« neu geboren". So keimen auch in mir gar oft 

noch selige Erinnerungen an unsere alte Freundschaft, die Sie, 
Götter wissen warum, gelöst. Alle jene Gefühle und Ahnungen, 
dieSiegetödtet zu haben glauben, blühen auf frisch und jugendlich. 



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XLVl 



Doch genngr dieser dunklen, schwärmeriflchen Phnsn 

— Ich möchte Sie nur ersucheu, mir die l isachc ihres Stillrj 
schwcig'ens zu sa^eii; — doch diese weili ich ja schon: — Hffll 
Zmgeiie ist Mönch gewordeu und mag von der alten Freuni- 
Schaft nichts mehr wissen. — Daher ersuche ich Sie, mir a 
aagea, warum Sie nichts mehr Ton der alten Freimdachaft nvm 
wollen? — Ich verlange hiemit nicht, als soUten Sie mir ebl 
verblfimten, ansschweifeuden Brief schreiben; — o nein! 6a 
kömige Prosa, aus der ich die Ursache ersehe, genügt mir! J 
Pflrrhten Sie sich ja nicht, mich zu ha,it zu trefleu; ich hm m 
alles gefasst; haben Sie mich einmal vcrwuudtt, so möi^en 
mir auch den Dolch volieuds ins Herz stolten. In Erwartuil 
dessen Ihr F. J. Vonbun, Mediciner''. 1 

Zingerles Beruf war jedoch nicht das Kloster; er yerül 
d^selbe und gieng noch auf zwei Jähre nach Brizen, bis 1 
1848, nachdem die Jesuiten vertrieben worden, als Supplent I 
das Innsbrucker Gymnasium kam. In jener Zeit entwickelte sil 
der Gedankenaustausch der Freunde lebhafter, und durch ütiJ 
selben, sowie wobl aurh durch den Einfluss liergraanns vvuil 
Vonbun beaümmt, mit seiner lange vorbereiteten SagensammluM 
endlich herauszurücken. I 

Das einfach ausgestattete, schmftchtige Bändchen erschid 
in der ersten HUfte 1847 unter dem Titel: «Yolkssagen vi 
Vorarlberg, gesammelt von J. P. Vonbun*. Gedruckt ist es ^ 
Wien bei den FW Mcchitharisteu, als A erleger jedoch wir 
Wagner in Innsbruck genannt. An die Spitze des Büchleins ii 
der Spruch gesetzt: „Ma schwätzt, wie eim der Schnab 
gwachsen isch". Ein Vorwort führt zunächst aus, dass das Vo 
in Vorarlberg, besonders im Süden und Osten, ,,wo, von mächtig« 
in den rhätischen Alpengnrt eingreifenden Gebirgsreihen abg^ 
schlössen, alte Art und Sitte am wenigsten von fremdem Ui 
kraut überwuchert wurde", noch einen Scliatz von „schöu< 
Geschichten'* bewahrt habe. ,unt.i- Ionen manche für Volk 
kuude und Sagenthum nicht olme alle ücdcutung" seien; die mi 
getheilten Ei-zählungen sollen als Proben solcher Volkssag« 
dienen und werden in der Mundait der Gegend, in welcher d 



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xLvn 



Sage lebt, wiedergegeben; nar für eiuige schien die Anwendung 
der Schriftsprache passender. 

Nun folgen Bemerkuiigeu über die Eiutheiluug der vorarl- 
bergischen Mundarten und eine freundliche Danksagung an 
mehrere junge Landsleute, welche beim Niederschreiben der 
Sagen .»hflfreiche Hand boten*. Im ganzen bringt das Bäod- 
chen sechsonddreißig Sagen, welche in vier Häuflein gesondert 
sind: Sagen in den Mmidarten des Oberlandes, in den Mnnd* 
arten der Walser, in den iklundarten des üuteriuüdes, und in 
deutscher Schriftsprache. 

Das unansehnliche Heft sollte somit nur eme vorläufige 
Probe sein. Sie fand in der Heimat sowohl als auswärts eine 
durdians frenndliche Aufnahme, wie eine solche auch den frfiber 
TerOffentlichten mundartiicben Sagengedicbten zntheil geworden. 
Dass z. B. «der Slnsbnnd*, als er in einem Kalender abge- 
druckt war, sich auch trotz seines Hexametergewandes Ein^^ang 
in die Kreise des bäuerlichen Volkes verschaffte, beweist dessen 
Einbürgerung in der Familie Felders zu Schopperuau und der 
Eifer , mit welchem der neunjährige Franz Michel denselben 
allenthalben im Dorfe vortrugt). 

In den «Boten von und fflr Tirol und Vorarlberg' wurde 
im Juni 1847 «gleich in der ersten Freude über die herzige 
Oabe* yon einem ungenannten Benrtheiler eine warme Begrüßung 
derselben eingerückt. Er betont, duss die mundartlichen Sagen 
,^^anz aus dem Geiste und aus der Sitte des Volkes gegriffen* 
seien, und sie dünken ihn , wirklich in jeder licziehung . . . 
meisterhaft vorgetragen". Die letzten in die Schriftsprache ge- 
kleideten Erzählungen erinnern ihn dagegen an Hebels in das 
Hochdeutsche übertragene Lieder, ,,welche . . . hinter den Origi- 
nalen soweit zurficicstehen, als es nur bei irgend einer XJeber- 
setzung sein kann". Die Farben der drei ausgeschiedenen 
Mundarten findet er recht gut getroffen und „die Einlachheit, 



Man rti. mcia Bucli: >Da« Leben Feidon, des Bauen, Dichten nnd 
Tidkamaanes aus dem Bregenzerwaldec (Innsbnxck, 1S7S) S. 16. — £8 sei bier 
beueridi» dass Ich an jeuer Stelle Vonbnn alknfrOh zum Aixt in Sebrnns machte. 



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XLVIU 



Sinmgkeit und Herzlichkeit unseres schon benannten, lieben 
alemannisciien Saugers nicht etwa naehge&fft» sondern aas inner* 
ster Natur und tiefster Auffassung hervorgegangen**. Dagegen 
wundert er sich, „dass das eine oder andere Stfickchen, in seinem 
Stoffe schon ganz poetisch, nicht auch in dichterische Form ge- 
bracht wui'de% da der iSammier doch schon Proben seiner Kunst, 
„auch im Versmaße die Sprache seines Volkes lland/Alhaben'^ ge- 
geben I^) Traun, die Liedchen müssten ganz lustig geklungen 
haben! Wer weiß aber, ob nicht schon solche in Bereitschaft 
stehen, um den prosaischen Vorgängern nachzutreten, da unseres 
BedUnkens der Schatz noch nicht erschöpft ist^ deesen kleiner 
Theü uns schon nach mehrerm Itistem macht". 

Die ausführlichste Besprechung erfuhr das Büchlein durch 
Be l g mann in den „Oesterreichischen Blättern für Literatur und 
Kunst". Er gibt zuerst den Unterschied von Sage, l^lärchen 
und Legende an, ordnet dann Vonbuns Yolkssageu nach ihrer 
Verschiedenheit, bringt je eine Probe der Montavoner, Walser 
und Hinterwälder Mundart und verbindet damit Bemerkungen 
über dieselben und Wortauslegungen. „Die Erzählungen sind'% 
80 urtheüt der berühmte Gelehrte, ,,wie es der Stoff erfordert^ 
em&ch und natürlich gehalten. Am schwächsten und zum 
genauen Verständnis kaum genügend sind die angehängten 
Worterklärungeu ... Da die Bewohner Vorarlbergs, besonders 
die auf dem Gebirge und iu den Alpenthälern, gewiss noch 
manche Sagen bewahren, die vermöge ihres Inhalts aufzuzeichnen 
wert sind, so möge Herr Vonbun, der durch seine Geburt dem 
obem Vorarlberg angehört und diese Gabe als literarischen 
Erstling mittheilt, von semer jugraidlichen Lust nicht ablassen, 
solche allmfthlich Terschwindende fieste zu sammefai und sie uns 
im schlichten Tone des Volkes, dessen Munde er sie eninommen, 
vorführen, zumal sich aus dem Munde des an althergebrachter 



Dabei flberaah der woUwoDeiide Bearthdler, dui werngstens >D* Bailt- 
rnetha« (S. 7) fevwst und gereimt^ wenn ««dl gans wie die pnwaiiclien Stück« 
fedrackk ist 



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XLIX 



Redeweise treu häogenden Volkes auch das eine oder andeie 
GoldkdniclieiL fdr imsere Schriftsprache gewinnen lässt'^ 

Diese günstigen L iilieile sowie mehrfache Aufmunterungen, 
auf deui oingc'Süblagtueu Pfade tortzuschreiteu, reiften in \ uubuii 
den entsprechenden Entschiuss. In hoher Verehrung für Jakob 
Glimm, dem er das Bu^ein auch zugesandt, ersuchte er deor 
selben, ihm eine neue, vermehrte Ausgabe sueigiiea zu dürfoB. 
Der große Gelehrte antwortete am 22, Deeember 11^47 freimdlich 
aus Berlin, er nehme das gerne an, da er vielleicht besser als 
andere wisse, welcher Dienst nnserer Literator „durdi solßhd 
einfache und treue Sammlungen" geleistet werde 

Im Herhst lb47 kam Vonhim wieder in die Heimat. Er 
reiste mit Vesque und zwei S lim ü desselben durch Kärnten 
und das Pusterthal nacli Bozen. Uort trennte sich der Vater 
von seinen Begleitern, und die Knaben wallten unter der Führung 
Vonbans zunJkihst nach Mecan, wo Zingerle begrfißt wurde, und 
dam nach Voradberg. Während die ZOglinge als Sprossen einer 
Großstadt sich in den nftehsiien Wochen an den nngewohntea 
Freuden des einsamen Bergweüers Lte ergötzte mid noch 
jetzt an die Spiele mit den Jüngern Geschwistern ihres llut- 
meisters, an die Eiclihörnehenia^^den und die l^flege eines 
Schneckengartens, an einen Austing auf den Pfannenknecht und 
ähnliche \ ei*gnügimgen gern erumem, wanderte Vonbun auch 
allein viel in den Gethalen der Heimat unher, besuchte seine 
Sohnlfioeamde und SGhichtete neue Sagen auf die alte Beige. 
Einmal pilgsrta sie anich zu einer Frimia, verrnnüilidi ia den 
Bregenierwald, ba der es gav hioch hefgieng. 

Das mignisreiche Jahr Achtundvierzig traf Vonbun noch 
in seiner Stellung bei Vesque. Wie der Hofratli war auch des- 
sen Holineister freiheitbegeistert, und beide nalniK^n Antheil an 
der Märzbewegung, wenn auch der erstere in ganz anderer Weise 
and viel eingräfender als der letetere. CHei6hw<^ kdonen wir es 



Der Bvtof Jikob erimns mit «Ddem -wkhtifen SchnibM sni ScUqm* 
dieses Lebensabiteses voUsttndig verttffenlilidit. 

Dr. F. J. YoDbon, Sagen Tonurlbergs. d 



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uns mcht versagen, einige Stellen aus dem Briefe Vonbims an 

Zingerle (vom 22. März) über jene denkwürdigen Tage liier eiu- 
zufOgen. 

„Ich kuiiiife Dir diesmal, lieber Xaz, wenn ich Zeit und 
Lust hätte, ganze Bögen, mit JNeuigiLeiten überschrieben, mit- 
theüen, denn ich habe in der vergangenen Woche eine gefürchtete 
Monarchie stürzen gesehen, ja ich habe sogar selbst zur Ent- 
stehung und Fortfttbroiig dieser umgestaltenden Bewegung ein 
Scherflein, fireilich ein Ideines, beigetragen, könnte somit als 
Iii) t errichteter Augen- und Ohrenzeuge reden . . . Die Ent- 
thi(*iniMSf Philipps, die Beweg-unefen, die sich in Deutschland, 
namentlich in Baden, Würtemberg, Baieru u. s. w. kundgegeben, 
hatten auf die Bürger und Studenten Wiens einen mächtigen 
Eindruck gemacht. Die Studenten besuchten schon bei Tages^ 
anbruch nun Kaffeehftuser und hisen begeistert die Beden der 
Herren Lamartine, Eossuih und anderer VoUcsmärnier. In der 
medicinischen nnd chirurgischen Klinik sah man wohl Kranke, 
aber keine Ordinarü, und selbst die gegenwärtigen sprachen nur 
von Ketbrm, Constitution, Prutisfreiheit u. s. w. Dasselbe offenbarte 
sich gleichzeitig in den juridischen, philosophischen und polytech- 
nischen (theologischen?) Hörsälen. So reifte denn nach und 
nach der Entschluss unter den Studierenden, einmal eine Demon- 
stration gegen die bestehenden Institutionen zu machen. Das 
glimpflichste und geeignetste Mittel hierzu schien uns, eine 
Petition an Se. Majestät zu richten. Am 11. abends (Samstag) 
versammelten sich daher in einem Privathause Abgeordnete der 
medicinischen und juridischen Facultät und des Polytechnikums 
(meine Wenigkeit war auch zugegen) und verfassten in sehr 
loyalem Tone eme Petition um Lehr- und Lemfreiheit, Press* 
und Bedefreiheit, Oeffimtliehkeit und Mfindlichkeit im Gerichts* 
Ter&hren, Yertietnng aller Stftnde und aller F^vinzen, Gleich- 
stellung aller Confessionen in staatsbürgerlichen Bechten, Hebung 
des Volksunterrichtes u. s. w. Diese Bittschrift sollte am andern 
Tage von den Studierenden unterschiieben und Sr. Majestät vor- 
gelegt werden''. 



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LI 



Die folgende ScMderung enthält keinen Zug, der nicht 
schon bekannt wäre, oder der Yonl)un allein heträfe. Der Brief 
schliefit mit den Worten: ,,Sanistag: Organisation des Studen- 
tenooips — Sonntag detto — Montag, Dienstag detto. Rente 
Ifittvroeh: Exerderen^^ 

Die sftafttlielien Wirren brachten damala denStndentoi eine 
lange Freizeit. Vonbun scheint 1848 mindestens vier Monate iu 
Vorarlberg geweilt zu haben, wohin ihm lieiguiann seinen Sohn 
K"arl mitga]>. Es fehlte dort nicht au heiteren Stunden. Unter 
den Feldkircher Gymnasiasten, die zu jener Zeit mit Vonbun 
bekannt wurden, nennen wir Ludwig Seeger. der sich iu unaem 
Tagen dnrch aeine Gedichtaammlmig ,^it ingg lö'* im Ländchen 
verdiente Anerkennnng erworben. Unser Held trug nach Seegers 
Yersiehenmg die ümform der Wiener Akademischen Legion und 
erregte schon dadurch großes Aufsehen. Seeger blickte zu jenem 
wie zu einem Halbgott auf. wenn er ihn etwa im liiauhause zn 
Ludesch in Gesellschaft, wie sie sich eben auf dem Lande zu- 
sammenfand — Seegers Vater, jüngere und ältere lustige Geist- 
liche, der sangesfrohe Lehrer Burtseher aus Bludesch, einer oder 
der andere Qememderorsteher und etliche Gymnasiasten — 
Stndentenlieder smgen hörte, die er in unerschöpflicher Menge 
bot und mit einem angenehmen Bariton und guter Schulung 
vortrug. 

Im Winterhalbjahre 1848/9 bilden wir Voubuii in München. 
£r bewohnte mit zwei studierenden Laadsleuten aus Feldkirch 
ein Zimmer. Mit großem Eifer warf er sich neuerdings nach 
den Zerstreuungen, welche der stflrmische Verlauf der letzten 
Zeit bedingt hatte, auf die HeOkunst, obwohl ihm die Ringseis, 
Gietl und Rothmund ihrsn Wiener Amtsgenossen nicht eben- 
ljüiti<,^ däuchten. Auch seine schriftstellerische Thätigkeit griff 
er wieder auf; er beschäftigte sich mit Vorbereitungen zur zweiten 
Ausgabe seiner Sagen und schrieb mancherlei kleinere Arbeiten 
fta yerschiedene Blätter. Selbst einem literarischen Vereine soll 
er angehört und su einem namhaften Germanisten in näherer 
Besiehung gestanden haben. Mit seinen schrütstellerisehen Be« 



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in 



strebimg^ wollte suh ToAlum wohl auch die Nahrungssorgen 

vetscheucheu, denn auf die fetten Jahre seiner Hofmeistersehatt 
war nun ein mageres gefolgt. Hiedurch war er zu einem sebr 
eingezogenen Leben genöthigt. Dennoch gründete er für seine 
engern und weitem Laadaleute eine akademische VerhinduBg 
„Alpinia" zur FMmxiag der GeseUigleoit und gcgensdtiger 
moEatiaclier üntefstütsnuig; er selbst ftUute den Yorsitz mit 
Klugheit und Umsieht und verstand es, seiner QeüoIgSGhafls 
durch Schwarz-roth-sdiwarz sich kennzeichnete^ in der Studenten- 
weit eine geachtete Stellung zu \ erschaüen. Einer seiner Kame- 
raden in jener Zeit schildert ihn als einen geMligen, olfeneu, 
grundehrlichen und walirheitsüebenden jungen Mann; in heiterer 
Gesellsehaft war er ungemeia gesprächig, im ganzen ein liebenä- 
wUr^er Gtemttthsmensek; er basste jeglidien Streit und atte 
Gemeinheit; ein grobes Wort oder eine Zote konnten ihm eisen 
Abend glozlioh verderben. 

Nach Ablauf des genannten Halbjahres reiste Vonbun wieder 
nach Wien, wo die Verhältnisse jetzt geregelt waren und der 
Unterricht wieder begonnen hatte. Zwar war er unterdessen mit 
den jungen Vesques brieflich in Verkehr geblieben, allein er kam 
doch niobt mehr in seine frühere Stellung, da vermuthlich ein 
anderer dieselbe bekleidete und Yonbun auch alle Zeit auf seine 
Studien verwenden wollte, um ehestens mit dem Studentenlebea 
abzusehließen. Es gelang ihm auch firflber als den meisten 
seiner Genossen, das Doctordiplom zn erringen. Dasselbe datiert 
vom letzten Tage des Jahres 1849. 

Den ersten Versuch in der Ausübung der Arzneiwissenschaft 
machte Vonbun zu Feldkirol^i, doch blieb er daselbst nicht 
eismal völlig ein balbes Jahr, weäl er i^ur gerjoge E^undsebafb 
gewann und tdch ü^n aofvdi^fifts eäne bessere AusBlcht eröffinete. 
Dennoch verdient ^es(Bfi? knrs bemesseane Aufenthalt an einer ihm 
längst liebgewordenen Statte um zweier Ereignisse willen beson,- 
dere Erwähnung. 

Einmal musste er jetzt Enist mit der zweiten Ausgabe der 
Sagen ma^hea, wekohe dijprch die Ungunst der Zeiten bish^if 
gehemmt worden war. Vonbun wandte sich an Zingerle, der 



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LIU 

Jamale bereits am Gymnasium in Innsbruck lehi*te, damit er 
Witting als Verleger gewinne. Im betreffenden Schreiben vom 
27. März 1850 drückt sich unser Forscher mit merkwürdiger 
Bescheidenheit aus. „Ich würde^\ sagt er, „nicht daran denken, 
noch als Schriftsteller au&uketen, wenn es nicht gälte, ein ge- 
Wort fsa l9seiL S<^<n im Jahrft 47 tohiieb ick Herrn 
Jakol» Grimm, eb es^B eqIami wflrde, vor e^ie Bweite, Termelirte 
Altflage meiner 8egeii (wotou er ein EKemplsr Imt) Beinen Niiteen 
m setzen, fih- sehrieb mir iilsogl^eh znrück, er nehme das eefar 
ofernc au . . . Du siehst daher wohl ein. dass ich schandenhalber, 
wie man zu sagen pflegt, eine zweite Ausgabe besorgen muss". 

Die Vermittelung des alten Freuüdes führte rasch ans Ziel. 
Kileiclisam als Vorläufer des Büchleins erschienen in der Nummer 
•des MPii^m]:'% eines von Zingerle herausgegebenen literarischen 
^ttee, 9Qm 1. August 1860: ,,Ab6iglAabe& und Gebritocho in 
Vorarlbesg*^ Bald folgte dae Game. 

Das Tonrort der Eweiten Anflige isl bedentand linger md 
unterrichtender als das der frfillkem. Vonbun glwoM; mdä, die 
Veröffentlich ring der Sagen nicht rechtfertigen zu dürfen, denn 
Jakob Grimm, dem er das Büchlein als geringes Zeichen seiner 
Hochachtung widme, habe Volkssagen und Volksmärchen zu 
Ehren gebracht, und sie dürften nun in jedes deutsche Haus 
«itttreten, ohne sich bücken zu müssen; doch brauche er über 
den wiiMneehaflliohen Wert ,,der TolkaMaüchen ^ab^'' niebts 
weiter m sagen. DalSir bringt er zunftohst die ndifaigen Auf- 
aMtsse tiMir Land und Volk von Vekarlberg, Uber des leictem 
Abstammung und einige Eigenheiten seiner Muniarten, da die 
^schichten diesmal auschließlich in solcher Tracht auftreten; 
sie alle sind ja „beinahe durchweg" den eigentlichen Trägem 
unverfälschter Sagen und Märchen, den Bauern, Hirten, Aelplerin- 
nen ,und andern gut^ Leuten, welche abseits von StraÜen und 
Iteken in ünMi das Leben fristen, abgelauscht" und so treu 
ale mOgHch nacherzäMt. Die Schreibung der Mundart macht 
Jtfm eimge Pedep)ce^; er entephei^^t siicli jetdoch für die BJiiweg- 
lassung zu vieler besondei^ Lautzdc^en und fEijamlich genauen 
Anschluss an die gewöhnliche Bechtschreibung, da er das Büch- 



Üigiiizeü by i^üOgle 



MV 

lein am liebsten in den H&nden seiner LanMenie wtaie. Zuletet 
gibt er eine korze WArdigang des Gehaltes seiner Sagen, indem 

er z. B. die Butschifenken den Zwergen und die Fenken den 
wilden Leuten anreiht und andere Verglelchungen zieht. Sollte 
die kleine Sammlung Anklang finden, so verspricht er, ,,wenii es 
Zeit und Umstände gÄtatten", eine ähnliche aus einem andern 
Theile des ehemaligen Herzogthums Alemannien zu veröffent- 
liehen. £s ist wohl kaum zweifelhaft, dass er mit diesem Aus-» 
drucke auf GraubUnden hinweist, dessen Sagenschats er also 
damals bereits bis zu einem gewissen Grade kennen musste; die 
zugesagte Yer^MTentlitäiung desselben ließ aber noeh ein Dutzend 
Jahi'e auf sich warten. 

Die Vermehrung der neuen Auflage war nur eine mäßige. 
Die wichtigste Bereicherung erhielt sie durch die Sagen von den 
Butschifenken, dem öchrättlig und dem Venedigermännlein. Im 
ganzen betrug der Zuwachs acht&^ Stück; dagegen wurden 
die schdftdetttschen Legenden der ersten Auflage, die sich auf 
die Fiauenkodiie in^ Bankweil und den Bethen Brunnen im 
Walserthale bezogen, gestrichen 0* Hinter den Sagen steht die 
oben erwähnte Abtheilung „Aberglauben und GebrftUGshe*^ und 
kurze „^Vorterklämugen'^ bilden den Schluss. 

Von den Besprechungen der neuen Auflage hertlhren wir nur 
die vom „Phönix'' gebrachte^). Der Beurtheüer will einer der Lands- 
leute Vonbuns sein und dem „Sammler*' den „aufrichtigsten Dank^* 
für die Gabe ausspieohen. £r theilt die Sagen in zwei Gruppen: in 
solche, die aus einer gar alten Zeit herfibertOoen mit yemefambaren 
AnUftngen an den G<Mierglauben unserer Altr&ter (wie die Er- 
zählungen Ton den FiHiken, dem SchrftttUg, dem Nachtrolke, den 



0 Außerdem fiel weg die Erz&hlung: D' Kornähera (S. 2S der erst«!) Auflage). 
Neu aofgenoramen wurden außer den oben erw&hnten : 's Bßeble and 's Mftddele ; 
W Fräule Ida ; 's verwünscht Fräule ; 's BQfble und d" Schianga ; Der Krönle- 
schelni (S. 22 — 24, alle aus Feldkirch) ; s goldi Kegulspiol (S. 28, aus Rankweü). 
D' Chatz (S. 29, ans Küggäl) ; D' Goldquella (S. 57, aus Bregenz) : D' Senne üf 
Spullers (S. 11, aus Küziders); Der Bitter (S. 18, aus Düus); eudlicb wurden auch 
die Sagen vran »Kadifevokh« um dm Tomehrt (S. 84). 

>) 1661, Nr. 6, 8. S8. 



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LV 

Schätze hütendeu Thieren ii. s. w.) und in andere, die zwar 
einer neuem, aber doch von der Gegenwart bedeutend entfernten 
Zeit ihren Ursprung verdanken und sich nicht nur deswegen, 
weil sie sieh im Volke erhielten, als wahre Volkssagen ausweisen, 
sondem TOizflglich dadurch, dass aie so vielfältig der leibhaftige 
Anadnudc jenes Yo&es selbst sind, in dessen Mond sie noch fort- 
leben. So bezeichne die Sage vom Manne, welcher die Hand 
der Fenkin in den gespaltene Banm klemme (K, 6), treffend 
jene schalkhafte Verschmitztheit, die man gerne dem Montavoner 
zuschreibe; die Geschichten vom Tanzen, vom VV^alsermännlein 
und vom Bäuerleiu (XIX, XXIH und XXIV) malten den Walser- 
thaler mit seiner Tanzlust and Drolligkeit. Vonbun hat nach 
des Kritikers Ansicht nicht nnr mit Fleiiß nnd Geschicklichkeit 
gesammelt nnd sich nm die Wissenschaft verdient gemacht, son- 
dern anch nm sein „Yateri&ndchen^S dessen Mundarten er die Ehre 
des Druckes erwiesen, und dessen Volk er ein bleibendes Denkmal 
der Ehrenhaftigkeit gesetzt, indem es „durchgängig BechÜichkeit 
und Ehrlichkeit" anstrebe. 

Weniger einverstanden als mit diesen etwas hausbackenen 
Ausfahmngen des heimatlichen Beurtheilers sind wir mit dessen 
Vergleichnng der beiden Auflagen. Er findet, dass die Sagen in 
der froheren Gestalt m sehr eine Nachahmung der mnndartlich<»i 
Gedichte Hebels gewesen, nnd dadurch habe das Natflriiche und 
Einfache der Sache durch die Form der Darstellung verloren, 
„indem sich dem Objectiven zuviel Subjectives aus dem Innern 
des Dichters beigemischt''; ja, imter der angreifenden Hand sei 
der Blütenstaub verflogen, und die Blätter der Blumen hätten 
sich gekrflmmt. Dieser Umstand habe ohne Zweifel den Sammler 
bewogen, die Sagen in anderer Fonn heranssugehen, in ihrer 
jetzigen Einftchheii 

Um die Ungereimtheit dieser Behauptungen darzuthun, bemer- 
ken wir nur, dasa die Sagen der ersten Auflage mit einer einziofen 
Ausnahme, wie wir früher angeführt, nicht in gebundener Rede 
prangten und also schwer mit den Heberschen Wiesenblumen 
verglichen werden konnten; das Gedicht von der Haselruthe steht 
aber auch in der zweiten Ausgabe. Ueberhaupt lauten die beiden 



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LYI 



Büchlein gemeinsamen Stücke fast stets wörtlich gleich. Der 
namhafteste Unterschied liegt darin, äm^ an einer oder der an- 
dern Stelle ein minder passender Schlussatz oder eine Lehre 
^reg><]fehlieben^). Vielleicht hatte der Kiitiker die hexametrischea 
iäizSlilimgeii vom „Klushttnd^' md ron dea ,,dcei SefaweBtem'' 
ftoch in Eriimenmg und glavibta, dass dieBeiben in dto mie Aus- 
gabe asfgenoimnm worden. Niebt immer bat man eben Zeit, 
neuerdings zu vergleichen, und wenn man es thäte, liefe man 
Gefahr, manche scheinbar geistreiche Behauptung uimmer an- 
bringen zu köimeu. 

Während des Aufenthaltes in Feldkirch erfolgte auch Von- 
buiifl Verlobung. £r wohnte im Mederfrininger^soben Hause in 
der Herrengasse bei Frau Hieß und trank ab und au seinen 
Schoppen Bier im „0eb8en*^ Dieses Gasthaus geborte einem 
Herrn Wolfinger, der frflber als Postmeister in Balzers ge- 
wirkt hatte; um dessen überaus junge, aber schlank aufgeschos- 
sene Tochter Lucret ia bewarb sich Yonbun, und die Eltern 
hatten gegen die gewünschte Heirat nur das genn^e Alter der 
auserlesenen Braut einzuwenden, denn sie war am 11. März 1836 
geboren und z&Ute somit weii% über vierzehn Jahre. Da jedoch 
Vonbun unter der Bedingmig, dasa Lueietia der „fQr ein junges 
und gewecictes M&dohen^ an Leib und Seele naebtbeiligen XeU* 
nerei entruckt werde, in einen längern lirautstaud willigt-e, so 
wurde die Verlobung kurz vor dessen Uebersiedelung nach 
Schruus gefeiert. Es war nämlich damals die Stelle eines 
Arztes des „Standes*' Montavon frei geworden, mit der sich 
allerdings nur ein kUigliches Gehalt ron hundertsechzig Gulden 
veiband. Yonbun war jedoch, wie bereits enfthlt, in Feldkirch 
als Anst wenig begehrt, hingegen rerq^rach das berldkerte und 
zum Theil wohlhabende MontaTon lohnende Bescb&ftigung. So 
zog denn der junge Doctor in das auch durch laudscliafi liehen 
Reiz ausgezeichnete Thal. Anfangs Juni 1850 traf er im Hauja- 
orte Schruns ein. Er hatte seinem Vorfahrer, einem Dr. Kuber, 
der als Bezirksarst nach Landeck gekommen war, ein Haus links 



«) So Ut II, 1 and 6. 



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Lvn 



an der ÖtraÜe gegen Tsehagguns abgekauft und wohnte dann 
daselbst bis an seinen Tod^). Vor seiner Heirat, die erst nach 
Pfingsten 1852 stattted, besorgte seine Sohw^ster Magdalena 
das Hauswesen. Trotz deren Tüditigk^t scbeiiit ihm die Zeit 
bis znr ersehnten Yerbindimg man^^mal lang gedtocht tn haben. 

Die Briefe Vonbuiis an seine Braut nii(i iliipii Vater liefern 
einige bemerkensweiie Striche für uiiMie Zeichnung. Seine 
treifende Meinung von der „Keilnerei"' haben wir oben mitge- 
theilt. Sie stimmt ganz zur Reinheit seines GemOthes. Der 
Vatier hegte den ^an, Lucretien in St. Gailen, Zftrich oder 
lindan weiter anMden zu lassen, nnd Vonbun erU&rte sieh mit 
jedem dkser Orte emvefrstanden, »vorausgesetzt, dass sie zn sitt- 
ifehen Leuten kommt, wo sie ihr jetziges harmloses, jung- 
fräuliches Wesen einzubüßen nicht Gefahr läuft*. 

Auch der erfahrene i^ädagoge reet sich bei dieser Gelegen- 
heit in V<mbun. In den beiden erstgenannten Städten waren 
für Lucretias Unterkunft PriTathänser, in Lindau dagegen ein 
lBBtil«t atnersehen. „leh wüi Aber Institate nieht gerade den 
9tab brechen^', sdhretbt er, „doch kann leh nioht umhin zn erin- 
nem, dass nicht selten Midchen mit den trefnichsten Anlagen 
in solchen Treibhäusern statt gebildet verbildet wurden"; er 
würde somit seine Braut viel lieber in einer Familie als in einer 
derartigen Anstalt sehen. Dann fährt er fort: ,Dass bei der 
Ausbildung unseres lieben Mädchens vor allem darauf zu sehen 
»t, ihr ehie grfindliche Würdigmig und K^intnis der ernsten 
Pflichten ehicr Hausthtu bdzahringen, versteht sieh von sdbst. 
Datm mag als Beigabe, flreilioh als sehr wünschenswerte, die 



') Gegonw&rtig gehört dasselbe dem Gutsbesitzer Peter Steu. — Dem Monta- 
vtnpr Oesehlechte Steu entstammte auch Ludwig Steub, der treffliche Schrift- 
steller, der am 16. MErt 1888 zu Mfinchen ans dem Leben schied. Strubs Urt.'rnfi- 
vator war nach RavenBlnirg ausgewandert und -wurde dort Kupferschinied . St«n}>s 
Vat<!r wnndt« sich xuui Jjehrfaoh und ändeit« di« alte Schieibuog »StöUK t in ».Steulir. 
lia Icein deutsches Wort auf ein »w« endige; richtiger wilre es freilich geweseu, den 
anstöliijron Halbvocal einfach abzuwerfen. Man ygl. »Mein Leboui von Ludw. Steub 
('Deutsche Bücherei XXXI), S. 7 und moinea Nachruf »Ludwig Steub* im »Boten 
i. T. u. V.€ 1888, i\r. 70—72, 



Lvm 



sogf^iiaimte literarische Ausliiiduüg folgen. Bezüglich der Wahl 
der Lehrgegenstäade sollte nach meiner Ansicht zumeist auf die 
Neigung des Mädchens Bücksicht genommen werden; findet sie 
Ereade an Spiaehen, gut; sagt ihr das Studinm der Geschichte, 
Botanik etc. mehr zu, anch gut!* 

Sehüeßlieh fiel des Vaters Entseheidung für keinen dieser 
Orte, Lucretia wurde vielmehr Mitte Decembers an die T(H5hter- 
schnle in Altstätten im schweizerischen RheiniliLLl geschickt. 
Vonbun nahm die Sache nicht leicht. Er äußerte sich am 
4. November gegen jenen über das Vorhaben, er hatte zwar in 
dessen letztem Sehreiben eine genauere Schilderung der Anstalt 
gewünscht, um sich ein Urtheil fiber deren Zweckmäßigkeit bil- 
den zu kamen, indessen biete die Yeisichenmg Trost, dass die 
' Einrichtung vortrefflich sei. ,Jch glaube, dura Ihr Yaterauge 
gewiss Gebrechen und Schäden entdeckt hatte, wenn solche da 
wären, und ich gebe daher in Gottes Namen die Einwilligung. 
. . . Von Ihrer väterlichen Fürsorge erwarte ich, dass Sie hie 
und da Lucretien während ihres Aufenthaltes in Altstätten be- 
suchen ... Sie werden mir mehie Zudring^chkeit und meine 
ängstliche Besorgnis yergehen; es erscheint mir unsere Ange- 
legenheit einmal zu wichtig, denn es hängt Bur, Lucrettas und 
mem LebensglOck davon ab''. 

Die Briefe, welche Lucretien gewidmet sind, tragen das 
Gepräge der Zurückhaltung, gewissenhafter Fürsorge und manch- 
mal auch aufmunternder Belehrung. In einem .Briefsteller für 
Liebende" dürfte keiner einen Platz beanspruchen; doch vermag 
der Ausdrude warmer Empfindung, je weniger er sieh durch das 
Geranke blofier Schwärmerei durehzuaibeiten hat, in seiner nfich- 
temen Umgebung um so leichter zu voller Geltung zu gelangen. 
Am 11. Juni 1850 schreibt er: ,',Brauchen wir in Zukunft 
gegenseitig das vertrauliche Du!" und schließt wie nicht selten 
mit der Formel: ,,Tn Eile und Liebe". Vor der Abreise seiner 
Verlobten kam er noch nach Feldkirch und schickte am nächsten 
Tage sein „leider nicht gelungenes Porträt*^ Es war ein Wachs^ 
bild, wie sie damals von wandernden „Efinstlem^* nicht selten 



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LIX 

gemacht wurden. Hänge es zu Hanse in irgend einem Winkel 
auf!" fügt er hinzu. Als es Lucretien in der Anstalt getiel. 
freut er sich und hoÜ't, dass sie unter den achtzehn Schülerinnen 
eine wahre Freundin finden werde, mit der sie Freud und Leid 
theilen kömie. £nde April stattete Vonbim einen Besuch m 
Altatätten ab, und der darauf folgende Brief Tom 1. Mai 1851 
zeigt emen bewegteren Hersflcblag. „In der That, die ümgebung 
Ton SohroiM in ihrem FrUhlingSBcbmuclc ist wunderlieblicb! 
Dessenungeachtet muss ich gestehen, dass mich in den ersten 
Tagen nach meinem Ausflüge ein Gefühl beschlich, da» fast 
Heimweh zu nennen ist. Du üppige Grastülle, die großartige 
Blütenpracht der Obstbäume, der jugendfrische Kheiustrom, die 
treoberzigen Leute m und um Altst&tten schwebten mir noch 
vor und lockten bei der Erinnerung jenes eanftsehmeraende Ge* 
ffibL Dasfl noch das Bewusstsein, eine gewisse gute, treue Seele 
Tielleiebt Monate lang wieder missen zu mflssen« mich auch nicht 
recht froh werden ließ, darfet Du mir glauben . . . Belebend 
und aufrichtend ist mir besonders der Gedanke an Dich und, so 
Gott will, an unser künftiges Lebensglück. — Liebe Lucretia, 
ich pflege nicht zu schmeicheln, besonders jenen Leuten nicht, 
deuen ich V erstand und einen gewissen Lebensemst zutraue, und 
ich glaube daher. Du werdest es nicht als eine bloße Schmeichelei 
ansehen, wenn ich bemerke, dsas Derne Erscheinung bei unserm 
letzten Zusammensem mir sehr viel Freude machte; ich fühle, 
in memer Wahl gltteklich gewesen zu sein'*. Am Ende dieses 
Schreibens tritt auch zum erstenmale der Kuss neben dem Gruß 
m stm Kecht. 

Im Herbste 1851 kehrte Lucretia nach Hause zurück und 
kam dann wieder für einige Zeit in die Mühle zu Balzers, ein 
einsames Gehöfte, das einem guten Oheim gehörte. Vonbun 
freute sich des Wechsels in der Hoffiinng, sie werde dort ein 
angenehmeres Leben und auch mehr Gelegenheit finden, sich in 
h&uslichen Gesdiaften auszubilden. „Yergiss jedoch oh all den 
Arbeiten nicht, dass Du noch jung bist, und dass Dir auch eme 
Unterhaltung ansteht; sei fröhlich, die schöne Jugendzeit kehrt 



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LX 

nimmer!" — Ein Besuch Voubuus erfolgte im Horimug und 
brachte heitern Wechsel in das Einerlei jenrn Tage. Hernach 
weilte die Braut noch einige Wochen als Gast einer verheirateten 
Schwester in Chunvalden. Am 7. Juni 1862 ward in Köthis 
4iirch den greisen Pfarrer Anton Vonbun, einen Vetter des 
Brftati^ms, die Trauung voUEOge». Die Eochaeitsreiw führte 
das junge Paar iber Stuttgart und Heldelberg bii Frankikrt am 
Maiii. Wohlbebalten langte ee uwch Ablauf zweier Weeben zu 
Sobruns an, in dessen Verhältnisse sich Vonbun wftbxead aeiues 
langen Brautstandes schon völlig eingelebt hatte. 

Wir wollen nun zunächst eine Uebersicht der schrift- 
stellerischen Thätigkeit Vonbuns während seines Aufenthaltes lu 
SchrouB geben. Da muss billiger Weise hervorgehoben werden, 
dass er zwar im V^e selbst den Gegeuetaud seiner Forschung 
üuid, sonst Jedoeh Jeder Anregung durch mitndliohen Verkehr mit 
gleiehstrebenden und sacblich gebildeten Männern entbelirte. Auch 
des gelehrten Werkzeuge betafi er so gut wie nsehts, und zur 
Anschaffung einer nennenswerten Bücherei fehlten ihm die Mittel. 
Aufmunterung von außen jedoch mangelte nicht gänzlich und 
bereitete dem einsamen Forscher sttts 0:11 »lif Freude. 

Wenn wir von der Verbindung mit Zingerle absehen, so 
müssen wir zuvörderst J. w. Wolfs erwähnen, der Vonbun von 
Jugenheim aus am 28. April 1868 einlud, sich an seinem neuen 
Untemebmen, der „Zeitsebrift für deutsche Myth^gie und Sitteii- 
kunde^\ au betheOigen. Er wies auf die „trofflkhen Vottasagen 
aus Vorarlberg** hin, durch welche der Sammlnr einen so edidnen 
Beweis seiner Liebe „zu einem der theuersten Güter des Volkes" 
gegeben. Die neue Zeitschrift soll neben einzelnen Abhandlungen 
ausgewählten Stoff aus dem Volksmunde bringen, also neue 
Legenden, Sagen. Märchen, Gebräuehe, Beschwörungen oder 
8egenssprüche, Aberglauben u. s. w. — „Schon einmal haben 
die durch Ihre Tbitagkieit eine sweifeUialte Frage enMiedon, 
einen Zug des nordisoban ThüimiytheB für DantioUand nach- 
gewiesen ... 80 lassen Sie ileb denn das Verdieut nicbt ent- 
gehen, jenem eratan schteen Stein zum Aufbau uasetur Alter- 



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thumswisseDschaft noch manchea Eckstein folgen zvl lassen'*!^) 
Auf diMcn eindringlichen Zamf verspraeh Vonbim, sein Scheiflein 
beistiBteaeni, und Wolf dankte am 30. Mai fttr die Freiuid- 
üdikeit, mit der er die BetheUlgong zugesagt; er sehe ,,init 
fipevdiger £^Mumung'' den Beiträgen entgegen. — Erst ein Jahr 
später trafen diese zu Jugenheim ein, imd Wolf bestätigte den 
Empfang um 15. Mai 1854; mit dem Spruche: „Schön und Gut 
kommt nie zu 3pät'\ 

Vonbuns Gaben fanden im zweiten Bande der genannteu 
„Zeitschrift" ihren Platz. Er bringt eine neue Fenkengeschichte» 
eine Erzfthlung vom Naehtvolk, zwei M&rohen und eine Abtheiloi^ 
„YeiBehiadeBee'S weklie GeMucbe, ferner abergliubiscbe Udeinan» 
gen und einige mundartliche PianBennamen enthftlt. Wer die 
Kunst einfadier Wiedergabe volksthflnilielier üebeilieferung m 
schätzen versteht, wird miL Wolfs Urtheü — „schöu uutl gut" 
— emverstanden sein^). 

Am 27. August 1854 wanderte üiiri.h Sehruus auf einer 
fieise nach Tirol ein damals vielgeinanuter Dichter, Uebersetzer 
und Germanist, der unsem Sagenforscher gerne kennen gelernt 
bAtle, ihn jedooh n»^t daheim fand. I>«r Fremde ließ ein Blatt 
Fftpier mit einigen Zeilen surttek, die wÖrUich also lauteten: 
«Piofesflor Karl Simroek von Bonn hat sehr bedauert, Herrn 
Dr. Von Buhn, den er aus den Yorarlberger Sagen kennen und 
schätzen ifck'rut. uieht angetroffen zu haben". Die Kntscheiduug 
dürfte scliwer fallen, db die Freude über die hierin sfelegene 
Anerkennung den Unmuth, dui'ch die Missgunst irgend eines 
ZutaUee um die anziehende persönliche Bekanntschaft gekommen 
zu sem, aufgewogen habe; Vonbun benütate aber im nächsten 
Jahre die lose gesohürzte Verbindnng, um aa jenen eme Bütte 



*) Auf die Mjtiien von Thor vorweist Vonltun boi der Sage vom Nachtvolk, 
welches die Kuh verschmaust (1. Ausgabe, S. 27, 2. Aasg., S. 84). & nutea S. 29. 
— Srei Briefe WoUb thölen wir outen in den »Beikfen« mit. 

^ Die mene Fenggagseliielit« stoht unten S. 46: »Die bOse Penldn«, die 
Eizalilanff vom NedutToUc S. $0: >Dfls nftebUielie Qeltgec vallt 'ttarWutlm 
S. 185 : »Du Bugfxftnlein nnf lUMenegg« nnd S. 900 : »Der Ecfthkoff«. 



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Lxn 



zu richten. Er hatte nfimlich schon damals ein nenes Btodel von 
Torarlbeiger Sagen zusammengestellt, und J^mrock sollte nun 
einen Verlag Temütteln. Trotz mehrfacher Versuche gelang 
dies nicht, aber Shnrock schrieb am 5. August 1855 einen 

liebenswürdigen Brief und wies dem wcltfeniru Porsclier solche 
W ege, die doch schließlich zum Ziele führen mussten. Er meint, 
Professor Haupt in Berlin werde die noch ungedruckten Sagen 
gewiss gerne in meiner , Zeitschrift fftr deutsches Alterthum" 
yeröfifientlichen ; Wilhelm Grimm woUe, wenn er ans dem Bade 
zu Soden nach Hause zurflckgekehrt, mit Haupt deshalb sprechen, 
und um so weniger würde eine Abweisung zu beftBrcbten sein; 
auch Franz Pfeiffer in Stuttgart kündige eine neue Zeitschrift 
an und v\ ürde g^\^ iss erfreut sein, das erste Heft mit so treu 
und sorgfältig aus dem Volksmunde aufgeschriebenen Sagen, wie 
die Vonhuns seien, beginnen zu können. Doch scheine der zuerst 
gezeigte Weg der sicherste wegen des Einflusses Wilhelm Grimms. 
„Sie wissen selbst, wie gflnstig beide Brüder Uber Ihre erste 
Sammlung urtheiLen**; auch Umen in Haupts Zeitschrift die 
Sagen am ehesten „den Pflegern der Wissenschaft;^* zu Oesicht. 
Außer dem Käthe, Volksgehräuche, Volksiiithsel und Sprich- 
wörter gleichfalls zu berücksichtigen, gibt Simrock noch die 
Bemerkung, dass Vonbuns erste Sammlung um so öfter citiert 
werde, je mehr die Urtheilsfähigen deren Wert anerkennten; 
dessen Schreiben habe ihn einigermaßen für den verfehlten Besuch 
in Schruns entschädigt» indem es ihm doch die Freude briefiicher 
Bekanntschaft gebracht^). 

Vonbun wandte sich zuvörderst an Pfeiffer. Dessen Er- 
widerung (3. September 1855) lautet ebenso freundlich als aner- 
kemiend. Er hat die drei VolkcjsaLn n. „die bedeutsam und ohne 
Zweifel de^* Druckes vollkommen wert sind", mit großem Antheil 
gelesen, glaubt aber, sie würden sich besser für Wolfs, nun durch 
Dr. Mannhardt in Danzig fortgesetzte Zeitschrift oder für 
„Deutschlands Mundarten von Frommann'* eignen, da seine 
„Qermania*' weniger Stoff au&peichem als selbstftnd^e Abband- 



') Den Brief Siuirocks ä. uutöu iu dtiu » Beilagen 



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LXUI 



lungeo üefem soll. £r legt ihm das Programm seineB Unter- 
nehmens bei mit der Bitte, ihm ziunaenden, was er etwa dem- 
selben Entsprechendes habe. Endlich erbietet rieh Ffeiifer, die 
Voftssagen an Ftommann za schidren, dem rie gewiss wilikom- 

men seien. 

Diesem Vorschlag scheint Vonbim zugestimmt zu haben, 
wenigstens sind im zweiten Jakigang (1855) von Dr. (y. Karl 
Frommanns „Deutschen Mundarten" genau drei „Volkssagen 
aus Vorarlberg'' abgedruckt. Wir finden da: ,J>iB goldene S(dilange 
in Wolfort'S Jochrampia vom Samangerbeig^^ und ^ie 
Sennin im Veigalda"^). Unter diesen Stacken können wir das 
ersi^fenannte deshalb das beaditenswerteste nennen« weil ee in 
Versen abgefasst ist, wfthrend Vonbnn mehrere Jahre hindurch 
die gebundene liede vermieden /u haben scheint. Er wandte sich 
ntm derselben neuerdings mehr /-u, auch holt er seine Dichtungen 
älterer Zeit wieder aus dem Dunkel der Vergessenlieit hervor 
oder macht sie weitereu Kreisen bekannt. So enthält schon der 
dritte Band von Fromm anns Zeitschrift (1856) mehrere Sagen- 
gedichte, von denen der „Klushond^* bereits zwölf Jahre früher 
entstanden war. ,J)ie Mutter Gottes in den Erdbeeren'^ steht 
msk in den beiden ersten Antlageu als Gedicht, erscheint aber 
hier ganz umgearbeitet. ,,Da8 Bflblem und die ScMange^S 
„Die Predigt am Lüuer See*' und „Der Kiiiaug'' belegen aufs 
neue die tüchtige Begabung Vonbuns Diesen schließt sich noch 
an im vierten Jahrgange 1857 die trefliich behandelte G-eschichte: 
„Herzog Friedrich mit der leeren Tasche und der Thorwächter 
in Bludenz^^ und im sechsten (1859) der oben mitgetheilte 
vAbendstera^*'). Neben diesen Sagen in Versen imd Prosa be- 

r 

*) Sie stehoi anten ia der Ausgab« der Sag*<n S. 102, 51 und 150. 

*) »Die Matter Gottes In den Erdbeeren« hioß in den beiden ersten Auf- 
lagen: "Pie Hasclrathot (S. 8 und 15), spätor : »Die Schlanpo und die Matter- 
gottes* (S. 177J. »Des Geistes Predig am LQner See« steht nuten S. 21 
»Der liauaug« S. 87, »Die ÖcUauge und das Bültiein« S. 170. Dieses Stück 
hatte bereits im »Vorarlberger Volkskalender« für 1854 einen Plat2 gt-lundtn. 
»Herzog Friediicli luit der luüreu Tasche in Bludeuz« ist unten zu lesen S. 220. 



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LXIV 



dachte Vonbuü seine Lieblingszcitschrift noch mit auderer Be» 
soherimg. So bringt er (III, 394): Volkslieder und Käthüdi asas 
Yorarlberg^S You den arstern, die fast überraschend konuim, 
veiaiobert cor, dasa sie „noch heatentage^* im Montav<m v<moi 
Volke gesungen vflrden, also „wabre Volkslieder^* seien, und 
daaa er sie gerade so xnittlieile, wie er sie vernommen; ea gelte 
aneli vom Volkdiede, was J. Grimm von der Volkssage meint: 
„iu ihr isktkt em solcher i-uiid reicher i:.iiiialtuug und Blüte, 
daas er auch unyoUständig mitgetheilt in seinem natürlichen 
Schmuck genug thut, aber durch fremden Zusatz gestört und 
beeinträchtigt wäre*'^). Auf die ,,liäthäel * hatte Simrock un&«ctt 
Sammler hingewiesen, und er stellte hier ein Fähnlein Yon 
zwanzig sokher heiteren Gesellen, denen man gar imsdiwer 
ansieht, wohinaus sie wollen. 

Vom dritten Jahrgimge ah sind in Frommanns Zeitschrift 
Vonhuns sprachwissenschaftliche Abhandlungen eingeschaltet. 
G. Friedricli Stertzings Aufsätze über bemerkenswerte Beson- 
derheiteu der heuiiebergisch-fräiikischen IVIuiulart veranlassten ihn 
üuuächst zu ähnlichen Untersuchungen über deu Sprachschatz der 
heimischen Thäier. Wie jener stöbert er die „Synonymen von 
Sprechen'' auf und erklärt die genauere Bedeutung von beiläufig 
dreißig dahin gehörigen Zetiwörtem und deren sttbstaoiiivischflB 
und a^jecttfischen Ahkfem, eme Zahl, deren Höhe bei der 
rednerischen Begabung der Vorailberger kaum übenrasehen dürfte. 
Ebenso wurde die Sammlung: „Die Verba auf ela mit den 
Adjectiven und Adverbien auf = elig** (deren Grundbedeulung 
eine Hiuneigung zu etwas, eine Aimälieruiig an etwas ist) durch 
den Vorgang Sterzings veiursacht Zwischen diesen Arbeiten 
findet sich eine Lese der »Verba diminutiva^^ eingeschoben, 



Wir halten die Prodigt am I^taer See« an4 »dm Benog FtMxkUk* Ar Vonbnas 

aUeri)C8te Gedicht«. 

•) Es werden uns drei Volkslieder geboten: »D'r Jiger und d* SchöHeri«, 
>D'r Bna und d' Sennen« und >Der Schatz«. Das erste war schon in Bflschings 
Sammitni? ilcut'jchcr Volkslieder abgedruckt, doeh trägt (^s bei Vonbuu »ein zumal 
mondartUcb goiu anderes und . . . fOr den Sprachforscher interessantes QeprAge«. 



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LXV 



welche mit andern Eigenthümlidikeiteu unseren ^limdarteu em 
gewisses gefälliges und zutrauliches Gejjräge verleihen. 

YonbuBB Doppelst^lung als Arzt und JSigründer des Volks* 
lebeii8 entsprang die Abhandlung (lY, 1): »Elgenthümliche, die 
GesimdheltBverbSltmsae betreffende Ausdrtteke und JKedensarten''; 
später (T, 479) folgte eine Fortsetzung. Es konnte bei der gfin- 
stigen Fügung der Umstände hierüber wohl iiiciiiiiiid uuterrich- 
teüder schreiben als uii-er Schrunser Doctor. Weil er aber von 

• 

den Tagen der Kindheit an die landwirtschaftlichen Verhältnisse 
der Bergbewohner kannte und nunmehr im Mittelpunkte eines 
durch seine Yiebzucbt weithin berOhmten Gebietes lebte, ver- 
öffentüehte er in erschöpfender Weise auch: «EHgenthümliche 
auf die Yieh* und Alpenwirtechaft bezügliche Wörter und 
Redensarten" (V, 484). Der Aufsatz gliedert sich in drei Theile, 
welche Ober die „Thiere", die durch die ^Tilchwirtschaft gewon- 
nenen ,,Erzeugni9j^e" und die .,Geräthscliahcn'* handeln. 

Umfassendere Gegenstände berühren die zumeist erwähnten 
uud Yon Bergmann besonders hervorgehobenes Ausftthrungen: 
,JSo]ge Bemeitnngen tlber die Mnndart im voiarlbeigisehfin 
Thale Montavon" und ,,Üei»er die Mundart der Walser in Yor- 
artberg'' (lY, 319, 323). Dem letztem Aufsatze sind als Proben 
die Sagen: „Der wilde ^ianu" und ,Die drei Stande" beige- 
geben i). 

Diesen verdienstvollen Darlegungen scMießt sich im sechsten 
Bande (1859, S. 218) an: Einiges aus der Lautlehre des aleman- 
lUBoh-fldiwftbischan Dialeetes in Tirol und Yorarlberg^'. Erst in 
Mcrer 2^ ist man dnrdi die BemtUiungen Weinholds, Birlin- 
gers und besonders Ferathoners auf diesem Gebiete weiter Tor- 
gedrungen. 

üeber den Wert der Einsenduiigen Voubuus für Frommanns 
Zeitschrift sprach sicli deren Herausgeber wiederholt ?jchr aner- 
kennend aus und nannte sie ,,sehr willkommen''. Am 22. Juni 
1857 meint er mit Becht: „Gewiss mnss Sie freuen, was Jae. 



>I>er wiidu Manu« ä. auteu S. 61 ; >l>ie «Irei 8tÄDdö« tibüuil. S. 
sowie die erste Aasgabe S. 84, die zweite S. Sl. 

nr. F. J. Tonbim, Sagen YonurllMEgB. » 



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LXVI 



Grimm mir unlängst geschrieben: „Ausgezeichnet sind die Bei- 
träge von Woeste, lobenswert die von Lexer und Vonbun"-. 
Einem solchen Lobe, welches seinen Ursprung dem größten 
Meister deutscher Alterthumskunde verdankt und unsem Forscher 
über manchen mitstrebenden Genossen emporhiebt, bianchen wir 
wobl nichts weiter hinzuzufflgen^). 

Simroek hatte Yonbun in seiner frflher mitgetheüten Zn- 
•Bchrift audi an Wilhelm Orimm und Moriz Hanpt ge- 
wiesen. Er befolgte den Rath nnd schickte fiist zu gleicher Zeit 
wie an Pfeiffer einige Sagen an Grimm. Dieser antwortete am 
19. December 1855, er habe die Sagen mit Vergnügen gelesen 
und Haupt übergeben, der sie in seiner Zeitschrift erscheinen 
lassen werde; auch weitere Mittheilungeu würden willkommen 
sein. Daran sehließt sich die Mahnung, Vonbun m9ge in 
seinen Bemtlhimgen, die üeberlieferungen der Heimat au&u- 
&8sen, nicht ermüden^. 

Trotz dieser Zusidierung gieng aber nuinches Jahr zur 
Bfkste, bis der Beitrag kam. Erst der elfte Band von Haupts 
„Zeitschrift für deutsches Altertlium •. der 1859 abgeschlossen 
wurde, l)rachte denselben unter der Ueberschrift : „Abergiauben 
und Sagen in Vorarlberg". Eme Einleitung bespricht das Wesen 
der Bfltze mid die Verzweigung dieses Geschlechtes; hieran knüpft 
sich ein halbes Dutzend einschlägiger Sagen 

Indessen hatte Vonbmi den Drang gefühlt, die stattlieh an- 
gewachsene Schar erbeuteter Sag^ in Bidht und Beihe zu stellen 
und durch eine Neuausgabe der Heimat und Fremde yorzuftthren. 
Das Buch wurde unter dem Titel: „Die Sagen Vorarlbergs ' 1858 



*) S. Frommanns Brief unter den »Beilagen» Nr. 7. 

') S. den Brief Wilhelm Grimms aJs Beilage Nr. 6. 

*) Einleitung und Sagen Labon Ihren Platz güfuudeu iu don > Sagen Vomrl- 
horfe'Si S. 20 ff. und unten S. 57. In Haupts Zoitschrift stehen die Ausföhmngeu 
über das »Uoggi« und die Ki-zahluugeu von den BüUeu auf der Walser Alpe 
Fladriga (hier in Mundart), auf der tannberyiscben JOrgenalpe, auf Spaliers und auf 
d«r Namenalpe, sovi« die m Klliidm Iwinlidie QeadiloU» von ihn BRatbolie und 
dsin Sdraster* 



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Lxvn 

in Innsbniek bei Wagner verlegt, ohne sich ak dritte Auflage 
zu bekennen. Es sollte dnrch diese Yerleugnung der Yoi&hren 
woU angedeutet werden, dass das Werk ein wesoitlieh neues sei. 

In der That kann es auch als solches gölten. Dies zeigt schon 
sein ünifaiiL''; die Zahl der Sagen ist mehr als verdoppelt, so 
dass (iir frühern Ausgaben nur Hefte brachten, während wir jetzt 
ein wirkliches Buch vor uns sehen, wenn auch nur ein zienodich 
schmalrückiges. Anch die Gruppierung und Behandlung des 
Gebotenen ist strenger und wissenschaftlicher geworden. Ein 
kurzes ,,Yorwort** belehrt über Vorarlbeig, sehi Yerhllltiiis zur 
Sagenwelt und seine Mundarten, in deren alterthflmlicher Wat 
auch jetzt ein großer Thefl der Erzftblungen einhersehreitet. 

Diese selbst bilden zwei Trelleu: Märchen'" (oder wie man 
sie häufig nennt: ..Mythen") und „Sagen und Legenden". Die 
„Märchen" sind nach der Verwandtschaft ihres Inhaltes in neun 
Abtheilungen gesondert. Durch Einleitungen zu diesen und durch 
Bemerkungen zu den einzelnen Stücken soll für den Leser ein 
allgemeinerer Standpunkt und gelegentlich ein Einblick in die 
mythologische Bedeutung der Sagen gewonnen werden. Die 
mundartlichen Mftrchen smd in der alten röhrenden Einfachheit 
erz&hlt, auch die dichterisch eingekleideten durch volksthümliche 
Haltung ausgezeichnet. Wenn ein Kritiker lieber alle Sagen in 
ungebundener Rede gewünscht hätte, so muss man fragen, welche 
Störte denn ein Dialectdichter wohl passender wählen könnte? 
Die Bezeichnung der mundartlichen Laute wird nun von Yonbun 
im Anscbluss an Frommanns Zeitschrift viel genauer genommen 
als frflher, doch gieng er darin wohl zu weit und schreckte 
dadurch und durch etliche andere Eigenheiten semer Wort- 
sehreibung die Leser aus den eigentlichen Yolkskreisen ab. Den 
Schluss des Buches bildet ein Glossar, das sich mit den „Wort- 
erklänmgen" der Hefte nicht mehr vergleichen lässt, fleißig ge- 
arbeitet ist und mannigfache sprachliche Auskunft ertheilt. 

Die Beurtheilung des Buches in den hiezu berufenen Blättern 
war denn auch eine günstige. Wir erwähnen nur etliche. From- 
mann selbst zeigte in seinen f,Deutschen Mundarten^* (Y, 234) 
die neue Sammlung des» um die Sagenforschung semes Heimat- 



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landes auch sonst noch** verdienten itf annes an und betonte, dass 
„der große Wert^ den diese gut gewählten Stfleke an und f&i^ 
mh h^ben**, dnqrdi erklftrende SuileitaDgen und Anmerkangen 
und Yomehmlieh durch die ElnMeidnng sehr vieler Sugen in das 

(Jewand der Volkssprache erhöht werde; das Buch habe eine 
Cranz besondere sprachliche Bedeutung. — Pfeiffer h/Mt zu- 
ilüciist, dass dem Bügriffe „Märchen" ein so weiter Umfang ein- 
geräumt worden. ,.ünter den schönen Mittheilnngen bis Kr. 74 
sind etwa fünf Märehen im gewöhnüchen Sinne zu finden, alle 
Ubi^en sind trefflich erzählte ebnige Sagen. Panggen und 
wilde Leute, Bergmännlein und Yenediger, Bütze und Teufel^ 
das Nachtvolk und Geister, weiße Frauen, Schätze und Schlangen 
werden uns vorgeführt. Die Sagen äiml mit Umsicht in Gruppen 
geordnet und mit kurzen und treifenden Bemerkuns^en versehen. 
Grimms Mythologie dient als SchlOesel ... Es würde uns ein 
näheres Eingehen auf einzelne Sagen zu weit führen. Yonbun 
erzählt vieles sehr tre£Qich im Dialecte aemer Heimat, wodncdi 
das Buch neuen Beiz und einen doppelten Wert erhält. Wir 
wünschen, dass er seme Sammlungen fleißig fortsetze und auch 
eine Lese doitiger Kinderreime und Volkslieder bald veranstalte". 

Dass auch in den heimischen Blättern sich lobende Stimmen 
vernehmen ließen, ist selbstverständlich. Der »Bote für Tirol 
und Vorarlberg" brachte eine längere Besprechung, wohl aus der 
Feder Zingerles. Naeh ihm hat Yonbun durch seine frflhem 
Sagensammlungen und seine Beiträge in den ohen erwihnten 
Zeitschiiften so Schätzenswertes geleistet, „dass sein Name m 
ganz Deutschland einen sehr hellen Klang hat'S — «in ürtheil, 
das wir erst dann unterschreiben können, wenn es sich nur auf 
Vonhuns Würdigimg im gelehrten Kreis der Germanisten beziehen 
80}L «Mit rastlosem Eifer strej)t er vorwärts und zeigt einen 
unverkepnbaren Fortschritt in seinen Schriften. Der vorliegenden 
Sagensapiinlung , gebart vaaiapc ihnen die .Krone und ein ehreür 
voUer Platz in der Beihe ähnI|ekier .Swm4irod»"* Nun wird 
noch die feilte Wahl und Ordnung der Sages^ ihr. Goldgehalt för 
den Mythologeu imd die Meisterschaft in der Erzählungskunst 
gerühmt. 



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LXIX 



Di© Ausstellungen, welche die Kritiker vorbringen, berüliren 
diisfat den eigentlichen Wert des Buches und sind entweder un- 
begründet, oder eiMftren sii^ aus dem entlegenen Wohnorte des 
Verfssders. — So rttgt Frommaim mandie Mcken im Glossar, 
fordert aber dabei Y^'hoehdeatsehungen von WiSrteni, die wohl 
jMer versteht, weil sie schon längst in die Schriftsprache über- 
peganp* 11 sind. Wer wird z. B. Ausdi iii ken wie Herzkäferle, 
Jochialirer, Schrofen, Schnappsack u. s. w. erst im Wörterver- 
zeichnisse nachspüren? Pfeiffer und Zingerle wünschen eine 
gtöQere Berftckaichtignng der einschlägigen Sagenliteratar m den 
Anmerkungen und heben herror, dass Stdbers Sagen des Elsaßes 
am fleifiigsten henfltzt wurden; aber der entere fügt hinzu, 
(Kcöes Gebresten möge „theilweise" durch den abgeschiedenen Land- 
aufenthalt des Verfassers entschuldigt werden, und der letztere 
will den Mangel nur deshalb nicht verschweigen, „da Vonbims 
Werk sonst so große Vorztige besitzt und möglichste Vollendung 
anstrebt". — Ein aufmerksamer Torarlbergischer Leser wflrde 
efaditen, dass der Norden des Landes wat weniger berück* 
süftt^ wurde als der SAden. Auch ^eser Umstand erUfixt sich 
leicht aus Yonbnns iyer80n!i<!fhen Yerhftltniflaen ; er hauste ja durch 
sein ganzes Leben mit Ausnahme der lunsbrucker, Münchner und 
Wiener üniversitätsjahro im südlichen Landestheile und ]^i»uute 
sich von Schruns wegen seines ärztlichen Berufes nur selten ent- 
fernen; es dürfte ihm aber schwer gefallen sein, in den audem 
Ölenden der Heimst passende Mitarbeiter zu gewinnen. Später 
haben YernalekeB, Felder und Elsensohn diesen Ausfiall zu decken 
getrachtet^). 



Die Sagen Vomrlber?:« setzen sich zusammen aas 45 Stocken ans dem 
Walgaa, 2*2 aus dem Montavon, 15 aus dorn großen Walsertlial, 5 aus doni Klost»»r- 
thal, 2 aus DamQls, 1 aus Laterns und 1 aus Liechtoustein, dann 12 aus di-iu 
rtit4?rlami, 4 aus dom hintern Hreg:enzerwald, 4 aus dem kleinen VValserthal, Ü aus 
4em Vordorwald und 1 vom Tannberp : somit stehen 91 Ba^en des Südens 2f) ans 
d«B Norden gegenüber, — Ist es dem Schreiber dieser Zeilon ppstatt^t, zn b»»mpr- 
keo, dass er Yonbnns „Sa^enc schon 1858 als junger Gjnmasiaät in Salzburg kenneu 
htAbf waä ihM Ii» ton dort xa Mtoea liebli^gshOehern gehörten ? Durch Vonbun 
flim die erste OffenbAron« «btr daa WeiM »der Tolkswele« sotbefl. Er las 



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LXX 



Vonbun selbst überschätzte sein Bucli nicht; er sah viel- 
mehr die Sammlung- als „einer sorglichen Nachlese höchst be- 
dürftig'' an und fuhr unermüdet in der Erfüllung s* iiiej- Aiügabe 
fort. Schon der sechste Band (1859) von Frommanna Zeitschrift 
brachte neue Venediger- und Nachtvolksagen, und bereits 1862 
trat er abermals mit einem Werke hervor. Die „Beiträge zur 
deutschen Mythologie^^ (Chur, Eitz) wurden „gesammelt in 
Chnrrhatien'S und die ziemlich stofiroiche Gabe haben wir wohl 
als die Lösung des alten Yerspreehens anzusehen, die Forschung 
auch auf einen andern Theil „des ehemaligen Herzogtliums 
Alemannicn" zu erstrecken. Das Fürstenthum Liechtenstein war 
bis dahin in der Sageuliteratur gar nicht und Graubünden ,.nur 
apäilich" vertreten. Diesen Gebieten hatte Vonbun sein Augen- 
merk zugewandt und daneben auch fleißig in Vorarlberg geschürft. 
Um den Stoff aus jenen noch schier jungfräulichen Gebieten em- 
zuheunseut durchlas er Ulrich Oampels „Zwei Bücher rhätischer 
Geschichte", Tschamers „Canton Graubflnden", Alfons von Flngla 
„GrauhUndner S^n*, Kaisers „Geschichte des Fflrstenthnma 
Liechtenstein"' sowie Leonhardis „Bündnerische Monatsschrift" 
und den Ünterhaltungstheil der „Wochenzeitung' \ Er wandte sich 
auch mit brieliichen Anfragen, die freundlichst eiividert wurden, 
an graubündnerische Persönlichkeiten, und da scheint besonders 
Fortunat Sprecher von Bemeggf Bundesstatthalter in Jenins, reich- 
liche Ausktlnfte gegeben zu haben, auch den Pfarrer Kind in 
Saas nennt er an einer Stelle des Buches. Endlich ffpridii 
Yonbun von „Wanderungen durch diese Beviere", ohne daas sieh, 
wenn wir Graubünden ins Auge fassen, der Zeitpunkt derselben 
genauer bestimmen ließe. Seit seiner Vermählung war er mcht 
mehr dort, somit mflsste man an die kurze Weile seines Aufent- 
halts als Arzt in Feldkirch oder gar an die Studentenjahre 
denken. 



manche Stande mit seinem Freunde Anton Rußegger, jetzt Eergwerksdirector 
im obcrösterreichischt'ü Wolfsogg, im Bnch»», und als sie noch im gleichen Jahre 
eine Jb'ußreise nach Bregenz unternahmen, 1 ctinchteten die Wanderer in jugendlicher 
Begeisterung manchen Punkt des schönen Luiiilua Vorarlberg, an den sich eine ihnen 
durch Yonbun venuittelto Vulküüberliuferung knüpfte. 



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LXXI 



Abgesehen tob der Erfreitening des Schauplatzes der Er» 
zählungeu unterscheiden sich die „B^^^g^"' frfiheren Werke 
durch die Art der Darstellung. In diesem waren die Si^en ein- 
lach geboten, nach dem Inhalte geschart und durch kurze Ein- 
leitungen und Anmerkungen erklärt.; in jenem finden wir eine 
Reihe von Abhandlungen, welche an der Hand von Jakob Grimms 
grundlegendem Meisterwerke und Wilhelm Mannhardts bedeut- 
samer „Götterwelt'' gleichsam eine Mythologie Churrhätiens 
liefern, so dass die Sagen Tollständig in das Gewehe yerflochten 
sind und die Belege ftlr die aoi^estellten Behauptungen hüden. 
Durch diese Anh^ wird es dem Verfasser unmöglich, die mund** 
artiiche Darstellung in ausgedehntem Maße zu verwenden ; gewiss 
ein Verlust, obgleich seine gewandte Feder auch hochdeutsch 
nach dem Ausspruche eines scharfen Kritikers ..ungemein treu- 
herzig und anschaulich erzählt". Dagegen ist es ein Vorzug, dass 
auf Kinderlied und Kinderspiel, Glauben und Aberglauben, Volks- 
gebräuche und Volksrathsel mehr als frfiher geadbitet wird. Am 
meisten gelungen scheinen uns die Ahschnitte über die elbischen 
Wesen: den Schr&ttiig, das Doggi, die Dialen, hesonders aber 
die Fenken und Blitze, dann auch die Ahtheilung üher das 
Hexenwesen. Im ganzen würde nach unserer Ansicht die 
frühere Behandlungsweise gleichwohl den Vorzug verdienen, 
indem hei ihr dar, Hauptgewicht auf den Sagenschatz >t ll*st 
fällt imd dieser Ausfluss ewig frischer Volkspoesie nimmer ver- 
alten kann, während das aufgeführte mythologische Gebäude 
der Verwitterung unterliegt, und da es auf dem* schwanken 
Boden einer annoch jungen Wissenschaft errichtet ist, leicht 
gänzlich in Trflmmer follen kann. 

Die germanistische Welt nahm auch die „Beiträge" freund- 
lich auf Von Zingerles Besprechung in Pfeiffers „Germaiiia ^ 
(VII. 383) erwälinen wir nur, dass sie trotz einzeber Bemäkelun- 
cren das Ganze „mit feinem Sinne, großer Wärme und ^'ielem 
ijeschmacke'^ geschrieben nennt. 8ehr anerkennend berichtet der 
verdienstvolle A(dalbert). K(uhn) in Zamckes „Litei-arischem 
Centraiblatt'' (1862, 727). Er deutet zunächst auf Vonhuns 
Irfihere Sagensammlungen hm, durch die sich der Terfasser emen 



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Lxxn 



gnten Namen gemacht, „da seine Mitüieihmgeii sowohl üi Fonn 
als Inhalt trefflich waren'*. In der neuen Schrift snche er, .den 

Züsammenliang der in den einzelnen Sagen auitietenden Gestalten 
mit anderweitigen mythischen Persönlichkeiten naclizu weisen", 
wobei er ,,im ganzen mit Besonnenheit und Umsicht'' vertahre 
und sich „meist eng" an Grimm anschließe. Auch diesmal 
bringe er wieder eine Menge trefflicher Züge. Besonders w^e 
der Baichterstatter den Abschnitt über die Fenken rfihmen, der 
sehr viel Nenes herbeischalfe. Auch die flbrigen Oaintel ent- 
hielten noeh vieles Bemerkenswerte, und er wolle das Büchlein 
bestens empfohlen haben. 

Tn den folgenden Jahren blieb Vonbun nicht minder seinen 
anf die Erforschung des Volk.sthums hinzielenden Bestrebungen 
treu und stellte gegen das Ende seines Lebens die Sammlung 
von «Sagen Vonirlbergs" druckfertig, die erst jetzt ansgegeben 
wird. Mit dem 1858 erschienenen Buche vergliehen, zeigt das 
nene Werk einen mehr als verzwei&chten Um&ng. Qleiohwohl 
wurde die »Nachlese** mit der nOtfaigen Sorgfiedt betrieben. Bei 
der Darlegung der bezeichnenden Züge der einzeken Gruppen 
mythischer und sagenhafter Wesen sowie bei der erläuternden 
Deutung verleugnet er nicht die von seinen P^urtheilern mehr- 
mals gepriesene Vorsicht. Da er von der in den „Beiträgen** 
beliebten Berichterstattung in fortlaufender Rede abgeht, so 
treffen wir auch wieder die schönen mundartlichen Erzählungen, 
welche wie die hochdeutschen Geschichten, losgelöst von ein- 
schränkender Betrachtung, neuerdings ihre erfireuUche Selbst9n- 
digkeit erringen. 

Beschäftigten sich die bisher aufgesShlten Schriften Vonhuns 
mit seiner Landsleute Mundart und Ueberlieferungen, so tritt 
bei der zweiten Gruppe derselben das Land in den Vordergi'und. 
Der früheste Versuch landschaftlicher Schilderung und mit dieser 
verbundener culturgeschichtlicher Betrachtung fand seinen Platz 
1864 m der weitverbreiteten „Gartenlaube" (S. 794 ff.) unter 
der üeberechnft: „Der Mrende Erautsehnei^*. Unter diesem 
Krautschneider haben wir uns einen aus dem Montaron zu 
denken. Ein zweiter Aufsatz stand in tanelben Blatte 18^5 



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(S. 652 ff.) und führte den verlockenden Titel: „Ein verstecktes 
Paradies*'. Gemeint ist das MontaycNOf jenes reizende Hochthal, 
das taomaL nooh so wmg hmuiht war, seit etwa siebsehn Jahren 
«bei; fftr yieie gemOthliehe Sommeifeiachler und rascher enteitende 
Wanderer heheilMigt hat Mathias Sehmid, der damals 
iMHsh schier unbekannte, heute jedoch hochgeschätzte Maler aus 
Paznaun, verbrachte in den Sechziger Jahren manchen Summer 
in Schruns und gehörte somit zu den guten Bekannten Vonbuns. 
Er heferte für dessen Aufefitze Bilder, welche einen Kraut- 
schneider und Montavonerinnen, letetere im f eststaat und in der 
AUtagstraeht Teranschaulj^hten^. 

1868 eischien das BfleiUem: „Feltkirdi und seine 
Usigebiingen.* Yonbun nennt es eine ^histonsch- topo- 
graphische Skizze'', einen ..Fiüikm für Einheimische und Fremde". 
Er benützte als Gnmdlagu für seine Arbeit, abgesehen von 
eigener Forschung und Anschauung, die geschichtlichen Werke 
\on Bergmann und Kaiser und die Sehilderungen von Staub, 
Sehnars und andern. Die «^Ungebiuigen^^ Feldkirchs begreifen 
hier das ganze obere Verarlberg und das Fflrstenthiun Liecditen- 
stein In sieb; so werden wir nicht nur auf die HoheDemser 
ScU^^sser, in das Walserthal und in das Montayon, sondern auch 
tiif die länderbeherrschenden Warten der Hohen Kugel, des Hohen 
Fräschens und der Scesaplaua geführt. Da Vonbun das ge- 
flammte Gebiet und zwar an manchen Stellen vom Grund bis 
zum Grate kannte, so möchte man eine yoUkommene Selbstän- 
d^keit.der Bescfareibong und Erzählung erhoffen; in dieser Hin- 
sicht ist jedoch die Ueine Gabe nicht gleichndßig geiatben. 
Manche Seite ist fi^n mundender „Eigenbau'', zumal in der Be- 
handlung des Montavons und des Walsertliaieü ; ander wäi'ts ließ sich 



Der zweit« dieser Aafsfttze bringt den Namen des Verfassers nicht, ^ 
wurde aber mit Recht allenthalben im Lande Vmibttn solcher renniithet und 
genannt. Konner Vonbim'scber Schreibweise kamj es indes nicht fjnt(rehen, dass 

in das sch'Jne von ihm entworfene Bild ein offenbar von der Leitung des Blattes 
0«nifener, jedenMIs aber nicht Berufener etli«he ziemlich unglückliche Züge hiaein- 
K^UMket tmd das ganze recht misäUch übertüncht h&t. 



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LXXIY 



der Verfasser durcli das Boispiel von Schnars verleiten, sich bis 
in die Einzelheit des Ausdrucks seinen Vorläufern anzuschmiegen, 
80 dass man an einigen Stellen in Ermangelung von Anführungs- 
zeichen nicht weiß, wo „Steub" aufhört und ,.Vonbun" beginnt- 
Bass eine Bolche Benützung der Yoigänger durch deren Nennung 
im Vorworte gerechtfertigt Bei, wird niemand behaupten woJleiu 
Im ganzen ist aber das Büchlein wohlgeordnet und liefert auch 
vielen geschichtlichen Stoff, der nicht ohne Mühe aufzutreiben 
war; einzelne Irrthümer können nicht Verwunderung erwecken. 

Als durch den 1869 genehmigten Bau der Vorarlberger 
Bahn von Lindau nach Biudenz ein regerer Fmii li nverkehr zu 
erwarten stand, woUfe Vonbun einer voi-aussichtlichen Frage 
nach einer neuen SchUderung des Landes entgegenkommen und 
beschäftigte sich mit einem Werke, das hauptsächlich den Natur- 
Schönheiten der Heimat huldigen sollte. Er hatte auch einen 
betrachtlichen Theil desselben voUendet, als der Tod ihn abrief. 
Amthor in Gera, der 1870 die reichhaltige Zeitschrift: „I>er 
Alpenfreund'' herauszugeben begann, wollte den Verlag über- 
nehmen. Da das Buch, so zeitgemäß es auch schien, von nieman- 
den vervollständigt und gefeilt wurde, so traten nur zwei Bruch- 
stücke im frAlpeofreund'' in die Oeffentiichkeit^). 



*) »Auf der Vallölla« : »Alpenfrennd* I, 145 fif. ; »Der Piz Buiu« II, "ü7 ff. 
Außerdem treffen wir in dieser Zeitschrift aus »Feldkirch und seine Uiugel>ungeu< 
abgedradtt: »Yon UnfleiB Mf die Seeuptana« l, 8S4 und »IHe MratoToner Kraut- 
selmfl(d«r« I, 69. — Ein koner SvSuvt an den Tmteriwnan itehfe I, 866. — Auch 
an den LandeBhlftttem var Vonlnm ein seitwdligor Bfit&rh^tter. Seioer Betheiligtuif 
am »nittiilxc mirde aebon ledaclit. Yiellddtt itammt ans nm«r Feder der Anftals 
von Fhilalethee Aroiao: »Wie werden Bfldier gemeelit?« (I, 218) and »Ana "Vw- 
adbeiv« (Fankenbrennen am KfledUe-^nntagv 1851, S. 94). Jedenfilla ist die 
Beortheilung von Schnars, »Der Bodensee und seine UmgehmiBen« im »Boten f. T. 
n. V.« (18ö6, S. !-:?n) von ihm. — Auch in der »Vorarlherger Landesieitung« 
und in d^r »Feltlkircher Zeitung« stehen kloino Aufsitze Vonhuns. Wir erinnern 
hier an seine Kzitik von F. M. Felders »NümniainüUers und das ^'^hwarzukaspule« 
(Landeszeitung 1864, Nr. 29 und SO), gegen welche Caspar Moosbrugrijer (in Nr. 4ü) 
auftrat. Dieser war damals als Boanikir in Schruns, und nachdem Vonbun dessen 
KiwnJerung gelesen, kam er iaciiond zu ihm, erklärte sich för besiegt, lobte des 
Gegners gefällige Sprache und lud ihn ein, mit ihm das »Feuilleton« der Landes» 



Üigiiiztiü by <-3ÜOgIe 

I 



LXXV 



Manchmal hatte sich Vonbun mit Anfragen an J. S. 
Douglass, Fabriksbesitzer im walgäuisehen Thüringen gewandt, 
der ein Torztlglicher Kenner und einer der kühnsten Bergsteiger 
des Landes war. Der vielseitig gebildete Schotte stellte sein 
Wissen gerne znr Yerfflgnng. Mi gleich groBer GefiUügkelt 
nnterstfitzte ihn F. J. Battlogg, damals FrOhmesser in Ga- 
schum, ein namhafter Verehrer und Bezwinger der schroffsten 
Höhen der Silvretta und des Rhätikons. 

Eine dritte Seite der schriftstellerischen Thätigjteit V'onbuns 
kann hier nur gestreift werden. 1862 war in Vorarlberg ein 
»Landwirtschafts-Verein" entstanden, der gar bald unter der um- 
sichtigen Leitung seines Vorstandes, des gegenwärtigen Landes- 
hauptmannes Karl Grafen Ton Belrnpt-Tissac, einetOch- 
tige Wirksamkeit entfaltete. In den Ansschnss war auch Yonbnn 
gewählt worden. Da wurde nun geplant, belehrend auf die 
Jugend und die bildsamen Leute späterer Altersstufen emzu- 
wirken. Zu diesem Zwecke sollte ein alle Theile der Landwirt- 
schaft nmtassendes und durchaus volksthüiulich gehaltenes Hand- 
buch geschafleu werden und einzelne Mitglieder des Ausschusses 
die für sie bestimmten Hauptstücke bearbeiten. In Vonbuns 
Bereich ward die „Viehzucht'* gewiesen, ausgenommen die 
Pferdezncht, welche Belmpt behandelte, und diese Abtheilnng 
des Werkes erschien denn auch 1864 in einigen Hef ton, während 
der Best niemals geliefert werden konnte, da die meisten der 
aufgestellten Mitarbeiter ihre Aufgaben nicht lösten. Vonbun 
besprach Rind. Schaf, Ziege, Schwein und Federvieh (Huhn. 
Ente, Gans) und lehrte die ßeurtheilung. Züchtung. Haltung 
und Nutzung dieser Thiere. Als im Jahre lb69 eme Zeitschrift: 
»Mittheilungen des vorarlbergischen Land wirtschafts -Vereines an 
seine Mitgliedern entstand, musste auf das Drängen Belrupts 
znn&ehst wieder Yonbnn seine Feder zur YerfOgung stellen und 
manche Seite IQllen. Der Gegenstand, den er zum allgemeinen 
Frommen beleuchtete, waren «Die Bindvieh-Bacen des 



zeitang zti iMirbtitaii. »Sioher ein ftdiOner Zag von ihm«, neint Mooebragger 

mit Recht. 



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LXXVI 



europäischen Continents*. Das Ackerbau - Ministerium 
hatte dem Yoreins-Ausschusse Staskait6d»lli6n fflr landwirtschaft- 
liehe Verdienste überlaaeen, xmd dioBer eitamte m seiner Sitzung 
vom 28. September 1869 zu GfMsis die erste denelben einstim- 
mig YoDbmi txi ,,für dessen schon wiederholt bewiesenen fiifer 
in Fördenincf der Vereinszwecke auf dem Gebiete des landwirt- 
scbaiüiclieu Wissens''^). Graf Belnipt, der zu jener Zeit öfters 
mit Vonbun in Berübruiiu kam. bat ihm ein gutes Andenken 
bewahrt; er«uemit ihn einen Vorarlberg mit Leib uud Seele er- 
gebenen Mann, der allen Bestrebungen, das wirtschaftliche Wohl 
des Landes su fördern, seine lebhaiteste Theänahme zuwandte. 

Diese gewShrte Yonbun ftberhaupt Jedem, der sieh in irgend 
einer KfbHcben Weise als Schriftsteller oder Forscher nut Vor- 
arlberg beschäfti^rte. Hierin unterschied er sich zu seinem Vor- 
theile ganz wesentlich von jenen gelehrten Neidhammeln, die ein 
Land als ihr ausschließliches Gebiet betrachten, ihre Vorgänger 
bei jeder guten oder Übeln Gelegenheit verkleinem, mitstrebende 
Zeitgenossen begeifern und anrückende Nadif(^6r absusohiecken 
suchen. Vonbun war vielmehr bereit, sich gldchsam in die 
Dienste anderer zu steHen und für dieselben zu forschen und zu 
fragen. Wir erwähnen nur, wie er läeAk in dieser Hhisidit 
Lorinser und Bergmann L^otdllig erwies. 

Dr. Friedlich Wilhelm L u r i n s e r , Primararzt am Allgemeinen 
Krankenhause auf der Wieden in Wien, wurde zwar 1817 zu 
Mernes in Böhmen geboren, entstammt jedoch einem montavonisch^ 
Gesdilechte. Als ihn 1864 durch den Tod semes einzigen Sohnes 
der härteste Schlag sehMs Lebens traf, fknd er nach scker eigenen 
Darstellung „nur in angestrengter und ununterbrochener Thätig- 
keit das Mittel", seinen Schmerz zu bemeistem. Der schon 
früher vielfach auf dem Gebiete der Heilkuusl und l'Hanzciikuade 
schriftstelh lisch thätige (Tolehrte sammelte nun auch geschicht- 
liche Nachlichten über seine Familie, nach deren Herkunft und 
Schicksal der Verstorbene skh oft lebhalt erkundigt hatte. Um 



') Man v^l. Nr. 10 der oben erwfthnten »Mittheilongen« ^Norember 1869), 

s. HS. 



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Lxxvir 



musa Zweck zu erreidien, mnsste Loriiuer ia den nfti^Btim 

Jahren wiederholt nach Vorarlberg reisen, durchspähte die Archive 
in BIikIi'üz uud fahndete anderwärts nach urkundlichen Belegen- 
Bei diesen Musterungen gewann er allmählich auch Kenntnis 
von den übrigen heinüsclien Greschiechiern und von Einrichtungen 
and Begebenheiten, die eine gewisse cuiturhistorische Bedeutung 
bälgen. Auch solche Nachriahten sollten dem Werke heigegeben 
weiden, und so reiften die „Gedenidilfitter der Familie Loxinser 
mit cnltargesehiehtliehen Bemerkungen Uber Blndenz, Sonnenberg 
und Moutavon in Vorarlberg, Schussenried in Würtemberg uud 
Niemes in Üöbinen'' (Wien, 1868). Das sehr beachtenswerte 
Buch enthält auch mehr als hundert walgäuische und monta- 
vonische Wappen und mühsam zusammengetragene Nachrichten 
aber die betreffenden Sippen. In dieser Angelegenheit erprobte 
sich nun Yonbon als ein vonUgUcher Helfer. Er empfieng 
Lorinser, als er nach Schnms kam, mü der größten FreundÜeh* 
kdt, wies demselben Mittel und Wege zur Verfolgung seines 
Zweckes und ermüdete aucii nach der Kückkehr des Gelehrten 
nicht in der Förderung!" des Unternehmens. Er stöberte Urkun- 
den und Wappenbriefe auf, und manche wertvolle Sendung gieng 
nach Wien. Aus vollster Ueberzeugong schrieb ihm denn Lo- 
nnser: «Sie sind nnd bleiben meine wichtigste Stfltze in Vor* 
aiibergt nehmen Sie meinen besten nnd aufinehtigaten Dank 
dafDrI* Anch jetzt noch erinnert er sich gerne seines YerhSlt» 
nisses zu Vonbnn. Sie machten, wie er erzählt, selbander oft 
große Gänge, uud der schlichte Landarzt bewährte sich als an- 
ziehender Gesellschafter. Er sprach gern und gut in römischer 
und griechischer Zunge und las mit Freude die Alten. Homer 
geleitete ihn häufig auf den manchmal weiten Fahrten zn kran- 
ken Bergbewohnern. 

VonbnDS frfibare Beziehmigen zn Bergmann sind oben dar- 
gestellt. 1848 gieng des letzteren Sohn Karl, wie anch berüts 
erzählt ward, mit jenem auf vier Monate nach Vorarlberg; es 
trat aber dann eine Entfremdung zwischen beiden Männern ein, 
die jedoch nicht auf die Dauer anhielt. Der Briefwechsel dieser 
heimischen Forscher ist leider fast ganz verschwunden; es liegen 



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mir nur drei Schreiben Bergmanns vor, welehe indessen genügen, 
um den herzlichen Ton und den ziemlich regen Verkehr, der 

zwischen beiden herrsclite, nachzuweisen. Im Sommer 1858 
muss Berg-mann in Schruns g-ewesen sein. Am 14. December 
berichtet er aus Wien übei seine lieimreise. Er war von Feld- 
kirch aus über Näfels nach Zürich zu Meyer von Knonan, dann 
nach Einsiedeln zu Gallus Morell und nach Solothum zur Yer- 
sammlnng der schweizerischen Historiker gegangen und hierauf 
liher Basel, Freiburg, Stuttgart, München und Salzburg nach 
Si Florian geeilt, wo sein Karl als Chorherr lebt. Am 2S. Sep- 
tember fühl' er mit diesem „stromab"' zur Philologenversamm- 
lung. Viele Geschäfte ließen ihn seit der Heimkehr nur selten 
an seiner Geschichte der Emser arbeiten. Xach Beendigung der- 
selben will er sich dem vorarlbergischen Idiotikon zuwenden. Auf 
Vonbuns Wunsch sendet er ihm eine Abschrift von Pfeiffers 
ürtheil in der «Germania" über die „Sagen". In wenigen 
Wochen seit der Bfickkunft nach Wien hatte Bergmann acht 
ihm näher oder femer stehende Freunde verloren^ unter diesen 
Meyer von Knonau, besonders aber Chmel, dessen Tod ihn am 
schmerzlichsten berührte. Dieser gelehrte Florianer Chorherr 
hatte den Freund mit seiner Frau Luise getraut und dessen 
Kinder Johanna und Emst getauft. Die Botschaft schließt mit 
NeigahrswISnschen und Grüßen und der liebenewfirdigen Unter* 
Schrift: .Wie immer Ihr alter B — an*. 

Der zweite Brief vom 20. Kovember 1867 erwähnt zuerst 
eines schmerzlichen Purunculus an der rechten Hand, welchen 
Dr. Lorinser, „ein eingefleischter V orarlb erger " , behandelte. 
Vonhim hatte an Berg-mann Auszüge aus den älteren Schreiben 
zur Erinnerung an frühere Jahre geschickt. Sie erpressen diesem 
den Seufzer: »Ach, wie die Zeiten sich ändern, ad deteriora 
ruimus*^. Tags yorher hatte er in semem Hause ein Jubilftom 
gefeiert, da er vor fünfzig Jahren hei Br. Wagner als Hof- 
meister eingetreten war und seither „die verwandte Familie von 
Pratobdvera" kaunte. Unter deu zwölf Anwesenden war er mit 
seinen einundsiebzig Jahren (geb. 13. November 1796) der 



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Uteste. Ein ron ihm firflher verfassteB lateiniBches Disticlioii 
finderfe er mit Rfielraicht auf die entfesselte Parteiwnfh: 

Fervescunt animi, discors concordia regiiat, 
Omnia concurrunt, ut nint Imperium, 
,was Gott verhüten möge l"* — Nach einer kurzen Meldimg über den 
Lcbonsgang seijies Sohnes Ernst kommt er auf seine „ Landeskunde 
Yorarlbeigs'' zn spreehen. Sie war schon Tor einem Jahre dmck- 
fertig, er hat sie aber nochmals nmgearbeitet nnd am die Hälfte 
besonders im topographischen Theile erweitert Dabei bedauert 
er, Uber das ^Montavon* den wenigsten Stoff zn besitzen, nnd 
stellt Anirugen über Patennen, Valoastiel und die Mundart des 
Thaies. Tra December soll das Setzen begnmeu. — Seüieu 
Urlaub hatte er größtentheils im Bregenzerwalde genossen, wo 
es der Frau und Tochter ,sehr wohl'' gefiel. „Von feldkirch 
kamen wir nicht weiter in den Walhengan hinein w^gen der 
enormen Httise . . . Das nflchstemal!* 

Die letzte Zuschrift Bergmanns an Yonbnn stammt yom 
20. Februar 1870 und beginnt mit dem bezeichnenden Eingang: 
,Seit mehr als einem Jahre haben wir keine Zeile gewechselt 
und mich treibt die Sehnsucht, wieder etwas von Ihnen zu hören, 
wie es Ihnen und den Ihi-igen geht". Nach einer kurzen Er- 
wähnung des eigenen Befindens, der Studien und der Stellung 
Emsts und der Sommerfrische im «reizenden EitzblUiel'' ftußert 
er die Absicht, «bei ISogerem Tage* das Idiotikon zur Hand zu 
nehmen, und wül in Zweifehi sißh an des Adressaten „freund- 
liche Güte" wenden. Mit den Urtheilen über die , Landeskunde* 
kann er zufrieden sein; er bereitet nach und nach eine vermehrte 
Ausgabe vor, in welcher besonders die dritte Abthciluug zu 
größerer Geltung gelangen soll. — „Oefter ist von Ihnen die 
Bede, wenn idi mit Frau Felicie von Hafilinger, geb. Baronin 
Ton Yesque, Ihrer Sehtllann, bei memem Schwager, dem Land- 
marschaU von Fratob^vera, . . . zusammenkomme. Hie und da 
sehe ich sie auch im Belvedere. Sie lässt sich freundlich in Ihr 
Gedächtnis zurückrufen. — Unsere Zeiten liegen im Argen; 
nehmen Sie mein Distidion: 



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FemBcmit amnii, in castna erraiar atrisque, 
Ooncilium sapiens eordn reconeiliet! 
Ein weises ConaQ mdge beide Lager, das clericale und das 
der Laien Tersölmen, aber: 

Concilium insipiens non corda reconciHabit* . 

Die Unterstützimg, welche Vonbun seinem alten (iönner 
angedeiheu üeli, bezog sich namentlich auf das laog ausgeheckte, 
aber nicht vollendete Idiotikon. Wenn nun seine handschrift- 
liciien Beiträge nicht so reichhaltig waren, als man vielleicht 
T6nnn£ben mOefate, so hat das wohl seinen Gnmd in dem üm* 
Stande; daes er die wichtigsten Ergebnisse semee Sammeleifers 
ja^ schon früher im Bracke erscheinen lassen. Die obigen Briefe 
Bergmanns aber zeigen, dass der sp&tere Verkehr der beiden 
^lämier nicht et^a nur auf wissenschaftliche Forschung sich 
bezog, sondern der Ausdruck alter Zuneigung und edler freund- 
schaftlicher Gesinnung war. 

Widmen wir noch Vonbun, wie er sich im bürgerlichen 
Leben an Schrons gehabte, einige Zeilen! Dass er die Heilkunde 
sieh nidit ans mnenn Triebe snr Lebensaufgabe wfthlle, wurde 
bereits erwfthni Auf geweckte, freishmig denkende Opfe 
konnten damals die andern akademischen Beruüsarten in Oester- 
reich keine Anziehungskraft ausüben, und so war Vonbun mehr 
aus Abneigung gegen diese als aus Vorliebe für jene Arzt 
geworden. Er hatte sich indes als Schüler Skodas c'ewisse 
Grundsätze angeeignet, die er zum Heile seiner Schutzbefohlenen 
nimmer Tedeugnete, wenn auch darob mit dem alten Herkom- 
men mancher Strauß au bestehen war. Seine Yorgiager haltten 
das Yoük an den flbermlfiigen Qebrauch Ton Arfenefien gew<Iliiit{ 
davon wollte Yoobun nichts wissen, sondern em^lähl vielmehr 
eine naturgemftße Lehmweise; nahtiiafte Eost, Rehdichkeit, 
frische Luft mv\ gutes Wasser. Auch der Aderlass war bei den 
Leuten mdi sehr beliebt, und er sollte nach einem im MontÄVon 
allenthallicn \ i ilireiteten Aberglauben besonders um Gliarfreitasf 
eraprielilich wirken. Es kostete Mühe, die zuströmende Menge 
über diesen Unsinn aufzuklftren, und m^ als eine alte Schrum* 
pel belferte gegen Vonbun, wozu er denn dann eigentUeh da sei. 



LXXXI 



Freilich suchten nun gar manche auswärts oder bei Curpiuschcru 
Zuflucht, alieiu andere ließen sich belehren und bewahren ihm 
noch jetzt ein dankbares Gedächtnis. Vonbun errang übrigens 
bald eine ziemlich bedeutende und anstrengende Kundschaft. Bei 
T^f mA N«eht wacd er oft gmg auf die entlegeoBtea GeliOfte ge> 
rafen, und es eteUten tißk mkt bloß Kcaaln ans dem.guusen Moih 
tavüB, sondern auch aas den benaidibarteD ThSlefn'TiMli in sehie 
Behandlnng. Babel'war et fn seinen Ansprüchen beseheidai und 
gegen Arme ungemein menschenfreundlich. Dieser Umstand und 
die oben gescliilderte Art seines Heilverfahrens konnten ihn im ht 
bereichem. j,^üi einen guten Kath zahlt der Bauei: nicht vieii 
lieber für eine schlechte Medicin*". schreibt mir eine Frewidiit 
Vonbuns ans Schnms, qmI sie fOgfc hinan« dass er, wenn sie 
diesen Pmkt berilhfte, in seiaer ihm ^genen lieiteren lAune 
eiAgegMi^: ^Deshalb thuonmer *8 B^^ngftcäe nech.nit yerhAla*. 
Er besaß nämlich bei seinem Hause ein schönes Baumgärtleiii 
snd hatte sein Vergnügen daran. 

Wenn er al^o auch von der Ausübung seiner Kunst sich 
den Lebensunterhalt verschaft'en musste, so lag ihm doch eine 
rücksichtskee Ausbeutung deraelbai Ydlhg ferne. Da£Qr be- 
leiteten ihm gnte Heflerfelge große Befiriedigung^ So sehxeibt 
er am 1. Mai 1851 seiner Braut: «Mein Beruf; wenn auch 
bemhwerlich, ist denn doch schite; eine eimdge glOckliohe Cur 
erftllt mit so freudiger Stimmung, dass man alle beschwerlichen 
Gänge und anderes Mühsal \\ ieder vergisst*. Diese Vornehmheit 
der Gesinnung bewahrte Vonbun auch im Verkehr mit seinen 
Bemfsgenossen ; offen und redlich verh^delte er mit ihnen^. 
wihvend Heimttieke, Neid und Feindseligkeit ihm fernab lagen. 
So ist es lei(dit eddftcUch, dass sich das »Landddcterle^, 
YebtOe'' — nie man ihn gewi^hnlich hoste — bei der Bevöl- 
kerung des Thaies trotz einzelner zeitweilig hervortretender 
Schwächen eines unaerstörbaren Zutrauens erfreute. 

Wie der Arzt war auch der Gesellschafter beliebt. Vonbun 
fühlte sich m den: engen Verhältnissen von Schruns bald traoUch 
sog^eimelt und wusste bei seiner Kenntnis des Volkes und. 
sdner Zuneigung zu demselben in jedem Kreise den richtigen 

Dr. F. J, Tottbnn, Sb|Mi Tonulbaris, f 



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Lxxxn 



Ton ansTiscUBgeiL Einseliie 8telkii in den Bnefen an Lueretia 
belehieD miB Ober dieaeB raaehe Einleben in die neue ümgebung. 
So sebi^t er am 5. Jftnner 1851 : «Am beHigra Christabend 

hatte ich einen Ohristbaum aufgerichtet, zu dem ich die iviiider 
meiner Nachbarschaft, den Bör^enneister mit Frau, einige Beamte 
hiesigen (ierichteä etc. einlud. Es gieng sehr geiuütiilich zu bis 
12 ühr. Das Leben hier ist gegenwärtig sehr gesellschaftlich; 
Feste, freilich keine großartigen, daför aber nm so herzlichere, 
gab es in letater Zeit Wenn uns der Htnunel gfinatig ist, 
d. h. wenn es bessern Schlittnireg gibt, werden wir Schranaer 
« Aristokraten eine Fahrt nach Lndesoh nntsmehmen*. — Am 
21. Februar berichtet er, wie folgt: ,Auch ich hatte mittler- 
weile mit Schninseru und SchrunRerinnen eine Fastnachtfahrt 
nach Ludesoh gemacht. Wir waren siebeninKi /wanzig Gäste und 
wurden von der Kronenwirtin vortrefflich tractiert. Vor vierzehn 
Tagen hatten wir Ledige auch einen Ball, und wenn ich hierbei 
einem oder dem andern Montaroner Mftdoheii netkiSsk thaib, ao wird 
Dich das nieht ärgern. — Du siehst wohl, dass es in Schrons 
nicht so langweilig ist, als Da Tielleieht meinai Usn hilt gut 
znaammen nnd bringt dnreb diesen sehOnen Emklang manobmal 
Vergnügungen zuwege, die an größeren Orten, wo es immer 
Parteien gibt, kaum möglich sind. Dann wisse auch noch: wir 
Sehnmser sind keine Egoisten nnd lassen Frauen auch thoil- 
nehmen. Aus diesem allem folgt, dass Du nicht zu lange war- 
ten sollst, nach Schruns zu kommen und Dieb dort anzusiedeln^'. 

So kam V onbun den Monta?oneni entgegen nnd diese wiedemm 
ihm. Seine Gabe mannigthlttger IJnteihaltimg, seme Gemüi^- 
Uchkeit und sein Witz erhoben ihn bald anm Mittelpunkte des 
geselligen Lebens von Schruns. Dasselbe wurde durch politisches 
Parteiwesen nicht gestört, denn in den Fünfziger Jahren konnte 
sich ein solches überhaupt nicht entwickehi. und als 1861 Volks- 
vertretungen geschaffen wurden, hatte der Hauptort des Mon- 
tavons noch fQr lange seinen alten Decan KudolfFrick als 
geistlichen Hirten, einen friedliebenden, Toratibidigen und leut** 
seligen Herrn, der sein großes Ansehen m keiner Weise miss* 



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Lxxxm 



brauchte^). ^Das Docterie ist recht*, ptlegte der brave Prif ^^ter 
zu sagen, wenn auf Vonbun die Bede kam. Die Stunde des 
Frühschoppens oder die heitmn Abende, welche dieser im kleinen 
Kreise verbrachte, benutzte er auch zur Eiforsehnng des Sagen« 
Schatzes nnd der Mundart. Er verstand es meisterhaft, die 
Schuppe auf diesem Boden zu gebrauchen. Enie Kede gab die 
andere, und so impfte Vonbun den Genossen seiner ratV'huude 
ein gewisses Behagen an diesen OfTenbarungen des ^ olksofeigtes 
ein, das dann fortzeugend neue Funde für den Anreger zutage 
förderte. Der Yorarlberger bekrittelt gerne die Geschehnisse des 
{^ffentUchen, zumal des staatlichen Lebens; auch Vonbun pflegte 
diese Liebhaberei und beurtheflte die Tagesnemgkeiten oft kurz, 
aber nicht ohne beiflende Bemerkungen. Die »Aogsburger All- 
gemeine" war sein Leibblatt, und es mag für den künftigen 
Oulturhistoriker hier die Bemerkung stehen, dass diese Zeitung 
schon seit 1844 in der , Taube* zu Sehnins autiag. Ans allem 
ergibt sich, dass Vonbun ein Vertreter freier Gesinnung war, 
voll Begeisterung für das Gute, Wahre und Schöne, das er in den 
Werken unserer großen Dichtnr niedeigelegt fand. £r widmete 
eine besondere Anfinerksamkeit der Beldbrang des Volkes auf 
verschiedenen Gebieten, wie wir dies bereits berflhrt; auch die 
Hebung des Schulunterrichtes lag ihm am Herfen, und als im 
Jahre 1869 die neuen Volksschulgesetze in Wirksamkeit traten, 
ward er zum Vorsitzenden des Ortsschulrathes gewählt. Semer 
geistigen Ueberlegenheit stand ein reicher Witz zur Seite, dessen 
Sch&rfe jedoch gewöhnlich durch eine Beigabe von Gutmüthig- 
keit so gemildert wurde, dass er nicht verletzte. Bei solchen 
gelegentlichen .Walserhieben*, wie et seine witzigen AusftUe 
nannte, zuckte er bedeutungsvoll mit der linken Achsel und ver- 
zog schnippisch den .Mund. Dabei verschonte er wohl seine 
eigene Person auch nicht immer, so wenn er z. B. lachend 



>) Frick war am 10. October 180S ta Sah In Vorarlberg geboren, wurde 
1S64 zam Piieeter gciwdbt und hatte Tom 18. ApiÜ 1888 bis zn aeinem am 
26. Noranber 1878 «ifolKton Tode die Stelle ehiea Pfimei« nm Sdurnns inne. 

f 



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LXXXIV 



sagte, er müsse jetzt über Viehzucht schreiben und habe selbst 
fünf Hennen nnd eine Katze; oder wenn er in übtiäglicher 
Stimmung seine Heilkunst einen .Guttrahandel" nannte^). Bei 
solcher Bewandtnis ließen sich denn auch die Leute seine scherz- 
lialten. Neckereien gern gefallen. Selbst die geistlichen Herren, 
BDter denen nun im Tiuüe manchen stareitbitfen Hünen afthite, 
ertragen ?on ihm etwekhe satirische Aenllenuigen, durch die er 
flmen, seine In Tiden StQctei tob der ihrigen sehr wesentlich 
a]l>ireiehende Meinung deutlich genug zu verstehen gab. Dagegen 
lagen ihm Reli^onsspöttereien völlig ferne, und er behauptete, 
so viel als das ^Walserwible*', d. h. seine Mutter, erlaube er 
immer noch. Manchmal aber schien iliiii eine kleine HüTiselei 
auch auf dem Boden der Wissenschaft unschädlich zu sein, und 
& konnte dem Kitzel, eine solche boshafte Ausgeburt seines 
eifinderischen Walserkopfes an den Mann an bringen, nicht 
widentehen. So handette es sich einmal um die Herkunft des 
liamens der im Gargellenthale gelegenen Alpe Yalzifenz, und 
Yonhun meldete hierüber eines Tages dem ihn befragenden 
Gelehrten, ein gewisser Valentin Veut habe laut einer Urkunde 
bei Beginn des achtzehnten Jalirhunderts die Al})e besessen, und 
daher riüire dio romanisch klingende Ortsbe Zeichnung, — eine 
schon au und für sich sonderbare Auskunft, die jedoch zur 
freude des schadenfrohen Erfinders derselben gläubig aufgenom- 
men ward« j,So geht es denen hin und wieder« die gar so 
gescheit sein wollen*, spöttelte Yoabun hierflher im Kreise semer 
Yertnuteii. 

Aus alledem ergibt sich Idar, dass Vonbun sich ganz in die 

Verhältnisse des Montavons einfügte. Bei der Begeisterung, mit 
welcher ihn die Schönheit des Thaies erfüllte, und bei der war- 
men Zuneigung zu dessen BovölkeninG' war auch der Aufschwung 
des Fremdenverkehrs ein Punkt seiner Sorge. Was er 
hiefQr als Schriftsteller geleistet, wurde oben gewflrdigt; vielleicht 



') Dass die sonderbaren Ansohaunngon vieler Thalbewobner aber die Krank* 
beiten und deren Heilong Vonbun scherzhafte Beiuerkuugen entlockten, ist leicht 
begreiflich. — Gatkahaudel — Flaflebenhaiidel. 



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LXXXV 



«bensoYiel wirkte er im persönlichen Umgange für tliesen Zweck. 
In den Fünfziirer und auch noch in den Sechziger Jahren kamen 
die Wanderer mehr Tereinzelt nach Schruns ; da holte man denn 
den „Doctor'' nicht selten in das betreffende Gasthaus, «mul er 
war stets boreit, die verscbiedeiisteiL Anfscliltese zn geben und 
ak guter QeseUscbafter den Abend zu wfiiaen. Br pries Ltnd 
und Leute und forderte die ZiiliOrer auf, m ibrer fieunat dte 
Beize des stüloü Thaies zu verkünden. Uebrigens schlug nicht 
bloß Simrock den Weg ins Montavon ein, um Yonbun zu be- 
grüßen, sondern mancher andere Fremde hegte die gleiche Ab- 
sicht. Wie er im Umgange den Auswärtigen erschien, darüber 
lie^ifen uns m^rere Urtheile aus Terschiedenen Jahren Tor. Statt- 
baltereirath von Bais« der jetzt In Br^ena sieb des Bufaestandes 
er&eui, amteie in der enten H&lfte der Fflnfs%er Jahre als 
zirkseommissftr in Bludenz und lernte Yonbun genauer kennen. Ehr 
fasste für ihn „eine sehr giito -Mt iiiuiig-, indem der junge Arzt ihn 
sowohl als fröhlicher (t( scllscliaiier „wie als cliaraktervoller Mann 
seines Berufes und als Forscher und Freund heimischer Sitten, Mund- 
art, Sagen und Gebräuche" lebhaft anzog. — Der Buchhändler 
Ousta? Mayer aus Leipzig hielt etwa l&bS seine Sommerfrisdie 
in Sehmns und erinnerte sich nodh eimlge Jabre spftter gerne der 
dortigen Gesellscbaft. So schreibt er am 10. Februar 1861 an 
Vonbun: „Kommen Sie noch allabendlich zum rothen Feld- 
kircher bei Biedermann zusammen? Sie. der Herr Einnehmer, 
der Herr Förster, der Schullehrer mit der Nelke hinterm Ohr?* 
— Im Jahre 1802 weilte durch einige Zeit Caspar Moosbrugger, 
der Schwager des vorarlbergischen Dichters Felder, als Beamter 
in Scbruns. fir traf Vonbun h&ufig in der «Taube'', und sie 
besprachen emsig die mannigfiütigsten Gegenstfinde. Naeh Moos- 
brugger war der Tortrag unseres Helden , immer geistreicb, toU 
Witz und Humor", und jener behagte sich in dessen (iesellsehaft 
am besten. Eine philosophische Äusfühiaug einer vielbehandelten 
Frage gipfelte in Vonbuns Satze: „Die Tugend ist das SchilÜoin, 
das auf unsem Blutweilen schwimmt". — Wie Lorinser Vonbun 
scbfttate, ihaben wir oben erzählt. Noch später kam Otto Welter, 
der Mannte Alpemruidflrerf ins Tbal, der im fQnffcen Bande 



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LXXXVI 



yon Amthors ^Alpenfretuid'' jenem einen warmen Nachruf weihte. 
Er rühmt dessen Liebcuswürdigkeit, sein anregendes Gespräch, 
seinen ideaieü jugendlichen Schwung, seine Begeisterung für 
deutsches Wesen. ,UiiTerge8alich% sagt Welter, «ist mir der 
gute und brave Mann, unvergesslich die vielen yergnügten Stan- 
den im tranUchen HmterBtabchen des «LOwen" in Sehrnna. 
Xeben ihm &nd neh ab^ds nooh andere nnd lustige GeseUschaft 
zusammen, an geistiger Bedeutung unendlich unter Ihm stehend, 
mit denen er aber in dem gieichen liebenswürdigen Tone ver- 
kehrte*. 

Vonbuns Familienleben war im ganzen ein glückliches. Er 
war ein treuer, gemüthvoller und liebenswürdiger Gatte und 
Vater, der wusste, welchen Hort er in seiner f*raa, der Seele 
des Hauses, besafi, nnd dies gerne betonte. Es hatte fftr ihn 
in der That eine sSldenreiche Stunde geschlagen, als er sich 
Lnoretiens ordnungsliebende und taktvoll waltende Hand gewann. 
Seiner Ehe entsprossen vier Söhne, von denen die altern noch 
hei Lebzeiten des Vaters einen Theil des Gymnasiums zurück- 
legten. Wenn sie in den Ferien heimkehrten, suchte er sie zu 
regem Eifer anzuspornen und trug ihnen auswendig manche 
Ode des Horaz vor, um sie fttr die Alten zu begeistern. 

Yonbun hatte höchstens Mittelgröße und war nicht beson- 
ders kräftig gebaut. Ben Hauptschmuck seiner ftufiem Er- 
scheinung bildete die hochstrebende, prächtig gewölbte Stime 
und darunter ein Paar mild und ireundlich, aber zugleich geist- 
voll und tief blickender grauer Augen. Das etwas breite Gesicht 
zeigte ein bestechendes Profil und trug ein schwaches Ohr- und 
Schnurrbärtchen ; auch das Haupthaar war schitter und zog sich 
in glänzend dunkein B&ndem von der Seite über den kahlen 
Scheitel. Im Ghmge hielt er den Kopf etwas gebeugt 

Schon im Herbste 1869 befiel unsem Forscher ein Nerven- 
leiden, das sich stetig verschlimmerte. Am 17. Marz 1870 um 
10 Uhr abeiids erlag er einem Schlaganfalle. So endete m 
einer hellen Prühlingsnacht sein irdisches Dasein, wie er dies 
einst als junger Student m einem schönen Liede ahnungsvoll 
vermuthet hatte. Zwei Tage spftter, gerade an seinem Namens- 



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LXXXVU 



feste, das sonst i minor im häuslicheu Zirkel traulich gefeiert 
wurde, senkte man ihu in das Grab. Der Verlust hatte nicht 
nur seine ü'amilie. sondern das gause Land schwer getroffen; 
mitten aus fruchtbarer Thätigkeit war er jßßk hiaweggerissen 
worden; sein Andenken wird jedoeb. im engeni Eneise seiner 
Angehörigen nnd im weitem der Landslente immer hoch gehalten 
werden. Das erw&bnte (Gedieht aber, welehes er 1845 von Wien 
aus an den liebäteu Jugcudfreuud sandte, lautet wie folgt: 

Im Himmel gwiss der Ätti wacht, 
So ift deeht hüt e schöne Nacht; 
's i^t m^sleftUl uf Feld nnd Au, 
's ist *s Ffirmament so heU und blau, 
ünd nieiia, weder wft noch n&h, 
Sieht ma-ü-e Wölkli tüslet kö. 

Und wo ma luegt. nu* Stern a Stern! 
No jo, sie b'schauen d' Xacht 6' gern, 
Drum ^tonds' der gar so frundli d& 
MüUonawfs der Beihe näh 
Und fünkelen, es ift e Pracht, 

weiß net, wer's am sebGn^ta macht! 

Ii lii'bi Zit. wie gfaUft mer guet. 

Wie würd's mer decht so g?pä8sig z'mueth! 

Je länger i lialt schau und schau 

De Stoma n&h am Himmelsblau, 

So möcht mer 's Herz fa^t tlberg6h, 

Es zncht mi lUbnm* wie Heimwdh näh. 

Es ift halt 6' so tüsig scho 
Dort domma i der wite Höh. 
Es schimmeret so müd und klär, 
öo rüebig ^till und wunderbär, 
Und 's müeßt dmm so liebli' si 
Im sella Bhiu bim Stemaschi! 



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IiXXXVIU 



Villicht ist 's 6' e Stemanacht, 

Wo mal mi letschtes Stündü aeUackt, 

Und liali* sefamrebt an Bngeli 

Jm goldm Oirand i d's Kftminvli 

Und rfieft: »Waeh t£, wi liebe Bue, 

Her niadlen jetz de Slema zne!* 



BEILAGEN. 



Briefe mn Vt»iibnsu 

1. 

Geehrter herr, 

schon hin ich Ihnen dank schuldig für ühersendmig Ihrer vor- 
ailbergieGhen aagen, die mir sehr wilikommen waroi, und Sie 
wollen mieh Ihnen noch mehr verbinden, indem Sie mir die ehre 
erweisen, meinen namen vor die nene uid vermehrte ausgäbe 

des bllchleins zu setzen, ich nehme das gerne an, da ich viel- 
leicht hesser als andere weiß, welcher dienst uusrer Literatur 
geleistet wird durch solche einfache und treue Sammlungen. 

Vorigen herbst fand ich mich zwei wochen in Wien. Ihr 
landamann herr Bergmann, den ich zu grüßen bitte, war ver- 
reist und das hat mich auch um das vergnügen gebracht, Sie 
persönlich kennen zn lernen, da er mich gewis zu Urnen geführt 
haben würde. 

Hochachtend mid ergebenst 

Berlin 22. dec. 1847. Jac. Grimm. 

2. 

Verehrter herr; 

Sie haben durch Ihre treffliehen volkssagen aus Vorarlberg ein€fn 
so schönen beweis von Ihrer liebe zu einem der theuersten güter 



xc 



des Volkes gegeben, daß ich wohl hoffen kann, Sie verschmihen 

es nicht, auf die bitte um Ihre betheiligiiug bei einem unter- 
nehmen einzugehen, welches sich die pflege der tradition und 
ihre ausbeutung für die ^\ issuuschaft zum hauptziel setzt. 

Mit dem ersten july soll im veriag der Diethehachen buch- 
handlung in Göttiugeu das erste quartalhefb einer unter meiner 
redaction stehenden «Zeitschrift für deutsehe mythologie, 
rechts- und sittenkunde" erscheinen, in der ich neben em- 
seinen abhandlnngen besonders reiches nnd schönes, d. h. aus- 
gewähltes materiiil aus dem volksmunde su bringen wünschte, 
also neue legenden, sagen, märchen. gebrauche, be schwö- 
rungen oder segeusspüche, aberglauben u. s. w. bricht 
diese Zeitschrift, an der unsere tüchtigsten forscher mitwirken, 
sich bahn, dann ist f&r die allgemeinere anerkennimg der sage, 
damit für diejenige unserer deutschen mythologie yor allem ein 
grofier schritt weiter gethan. Dies ist aber nur dann möglich, 
wenn aUe forscher und Sammler sich der sache warm annehmen 
nnd mir den lieistand ihres talentes und ihres eifers nicht ver- 
sagen bei diesem nntoi-nolimeu. das ich wohl als ein echt vater- 
landisches bezeichuf ii I n f. und so darf ich denn auch wohl 
auf Ihre gütige hülfe hoffen, die Ign. Zingerle mir wenigstens 
in sichere aussieht stellte. Sie leben in einem an traditionen 
noch so reichen lande, unter einem noch so gesunden volk, 
in dem der alte sagenstamm noch unahgestorben steht mit grünem 
laub und saftigen blättern, schon einmal haben Sie durch Ihre 
thätigkeit eine zweifelhaft« frage entschieden, einen zug des 
nordischen Thorrsmythos für Deutschland nachgewiesen; wohlan 
denn, noch mancher dunkeln j&age Idsung harrt auf licht aus 
Ihren bergen und thiUem, deren stimmen nur Sie dem gesammt- 
vaterland vermittehi können — wer soUte es anders? so lassen 
sie sich denn das verdienst nicht entgehen, jenem ersten schönen 
stein snm anfbau unserer alterthumswissenschaft noch manchen 
eckstein folgen zu lassen und gedeiikcn Sie dabei denn auch 
meiner Zeitschrift recht oft und in reichem maas. da sie weniger 
unter das groüe publicum kommt* sondern sich mehr in den 



^ kjui^uo i.y Google 



XCl 

kreisen der gelehrten und freunde der sache hält, deren zahl 
leider noch nicht legio ist, so können Sie die beiträte, welche 
Ihre i^iite mir zuwenden sollte, imnier ^^ieder in einer apatern 
Sammlung abdrucken lassen. 

In der angenehmen hoffimog ei^ier geneigten antwort beehre 
ich mich m zeidmen mit vonfiglicher hochachtung 

Ihr ergebenster 
J. W, Wolf. 

Jugenheim Bergstraße 23. april 1855. 

1>. r. Zvviugenberg. 

3. 

Geehrtester herr; 

Ich habe Ihnen meinen besten dank zu bringen für die freund- 
üefakeit^ mit weldier Sie auf meine bitte um betheilignng an 
meiner neuen zeltachrift eingiogen. Bure ausbeute kann nur 
eine grofie werden und idi sehe Ihren gütigen mittheilungen mit 

freudiger Spannung entgeti^en. haben Sie die gefäUigkeit mir die- 
selben nur in packetform durch die fahrj)ost und uüüaukirt zu 
übersenden, da^ erste heft wiid Ihueu sofort nach dem erscheinen 
zugesandt werden. 

Empfangen Sie die erneuerte Versicherung meiner besondern 
hochachtung, mit der ich zeichne 

Ihr ergebenster 
J. W. Wolf. 

Jugenheim Bergstraße 30. mal 1853. 
poste rest. Zwingenberg. 

4. 

Verehrtester herr, 

Schön und gut kommt nie zu spät, heißt es bei uns und so 
yfwemk denn auch ihre lieben beitrage mir ein sehr willkommener 
gast^ der gleich im 1. hefte des II. bandes seine herberge &nd 



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xcn 

und in ihr ein paar liebe landleute. Tiroler überhaupt öster- 
reichische beitrage sind mir immer die liebsten und wie viele 
mir deren auch zugehen, ich möclite immer mehr haben, demi 
fde gehören zu den werthTollsten. 

Empfimgen Sie für Ihre sehOne gäbe inohien warmen dank 
nnd seien Sie in Terohrong und liebe gegrOBt. 

Ihr ergebenster 
J. W. Wolf. 

Jugenheim Bergstraße 15. mai 1854. 
Das betreffende bett wird Urnen zugehen. 

5. 

Geehrtester Herr Doctor! 

Mein Bedauern, Sie auf der Beiae nach Tyrol nicht dalieim 
getroffen zn haben, hat Bmen mein snrflckgelalknes BiUet bereite 
ansgedtfiekt; leider mnß ich Ihnen jetzt anch meldoi, daß ich 
es vergebens versucht habe, f&r Ihre neue Sammlung vorarl- 

berger Sagen hier bei uns einen Verleger zu finden. Theils sind 
div gegenwärtigen Zeitverhältniße für den Buchhandel ent- 
mutbigeud. theils stand im Wege, daß Ihre erste Sammlung, 
die um so öfter citiert wird, je mehr ihi* Werth von den Urtheils- 
fILbigen anerkannt wird, in einem andern Verlage erschienen ist 
und dieser neuen Sammlung nicht mehr einverleibt werddn 
könnte. Diefi darf Sie indes nicht entmuthigen, da die Zeit- 
verhältniße sich vielleicht bald beßem und jenes andere Hinder- 
niß sich wohl auch beseitigen läßt, ünterdeflen findet sich ja 
wohl Gelegenheit, die noch ungedmckten Sagen zu veröffent- 
lichen, soweit sie nicht schon in Zingerles Phönix und Wolfs 
Zeitscbrift mitgetheili waren. Gewil? würde Profeßor Haupt in 
Berlin in seiner Zeitschrift für deutsches Altertbum gerne das 
noch Ungedruckte veröffentlichen und Ihnen auch noch das 
kleinere Honorar dafür zahlen, das seine Mitarbeiter zu beziehen 
pflegen. Piofeflor Wilhelm Grimm aus Berlin, der gerade hier 
war, und dem ich Ihr AnHegen mittheüte, hat mich in dem 



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Vorhaben bestärkt, Ihnen zu dieser Auskunft za rathen, er salber 
will auch, wenn er ans dem Bade zu Boden zurflekkehit, wo er 
fflch jetzt befindet, mit Frofefior Haupt deshalb Rücksprache 
nehmen, und um so weniger dflrfen Sie fOrchten, daß Ihr Beitrag 

nicht aufgenommen würde, üeberdieß kündigt auch soeben 
ProfeÜor Pfeiffer in Stuttgart eine Zeitschrift für deutsches 
Alterthum an. in welcher gleiciilalls Sagen und Gebräuche, die 
im deutscheu Volke leben, Aufnahme tinden sollen und ich 
zweifle nicht, daß der Herausgeber erfreut sein würde, das erste 
Heft mit so treu und sorgfältig aus dem Yolksmunde aufge- 
scbriebenen Sagen wie die Ihngen sind, eröffnen zu können. Bas 
Honorar ist hier auf 6 Thlr. ^ 10 fl. 30 kr. p. Druckbogen 
festgesetzt; der Beitrag inüstc aber spätestens Ende October 
p. Adreße der J. H. Met'/I ergeben Buclihaudluug in Stuttgart 
an Herrn Prof. Pfeifter gelangen. Für Prof. Haupt in Berlin 
bestimmte Beiträge können Sie direct an ihn oder an Hm. Prof. 
Wilhehn Grimm Lmkatiaße No. 7 gelangen laßen. Der letzte 
Weg soheiiit mir der gSdierste, Wilb. Grimm wird dami 
sehen das Weitere vermitteln. Sie dflrfen Sidi deshalb auf 
m^e Mittheilung beziehen. Sie wißen Selbst, wie gfinstig 
beide Brüder über Ihre erste Sammlung urtheilen. In Haupts 
Zeitschrüt ünden Ihre Sagen auch siduuei- den Weg zu den 
Pflegern der Wißenschaft aiA bei jeder andern Art der Ver- 
öffentüd^p^. Spftterhin, wemi Ihr Schatz erschöpft ist, bleibt 
Ihnen dann immer noch unbenommen, eine Gesammtanogabe 
aUer von Omen aa^enlohiietea Sagen zu yerOffentliehen« Yid.- 
leieht wftre es gut, wenn Sie außer den Sagen auch Yolksge- 
bräuchc aufzeichnen wollten, die in Ihrem verborgenen Monta- 
fimer llial sich länger als anderwärtB lebendig erhalt<?n haben 
mögen, wie es sich auch die eigenthümliche Volkstracht zu 
bewahren gewust hat. Yeigeßen Sie auch Yolksräthsel und 
-^pdchwMer nicht; mit jenen weiden Si» mich noch gana beson- 
ders TOrpffiehten. 

Idi sciiließe mit hendiehem Dank fQr Ihr fteundliehes 
Schreiben, das mich einigermaßau lür den verfehlten Besuch in 



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XCIV 



Schruns entschädigt Uat, da mir nuu doch die Fronde werngstens 
«iner brieflichen Bekanntschafk zn Theü ward. 
Mit vorzQglicher Hochachtung 

Ihr 

ganz ergebener 

B(onD) öten August 1855. K. Simrock. 

6. 

Stuttgart 3. Sept. 1855. 

Geehrter Herr Doctor! 
EmpfSmgen Sie meinen besten Dank fOr Ikre freundliche 
Zusendung und das mir dadurch bewiesene gflt^ Zutrauen. 
Ich habe die drei Yolkssagen ans Vorarlberg, die bedeutsam und 

ohne Zweifel des Druckes vollkommen werth sind, mit großem 
Interesse gelesen, glaube aber, dass sie sich besser für Wolfs 
Zeitschrift, die nun durch Dr. Mannbardt in Dan/.ig fortgesetzt 
wird, oder für Deutschlands Mundarten von Frommann in Nürn- 
berg eignen würden, als für meine Zeitschrift, die weniger Material 
als selbständige Abhandlungen zn liefern sich zur Aufgabe ge- 
setzt hat. Da Sie den Prospectus meines Unternehmens noch 
nicht durch eigene Einsicht kennoi werden, so bin ich so frei, 
denselben hier beizulegen mit der Bitte mir zuzuwenden, was 
Sie etwa für den Kreis der Germania passendes haben. Jede 
solcher Arbeiten soll mir willkommen sein. Das, gleich nach 
Erscheinen oines Heftes zahlbare Honorar beträgt 6 Tbl. per 
Druckbogen in 8". Von jedem Beitrag stehen dem Verfasser 
em paar Sonderabdrücke mit Vergnügen zn Dienst. Freiexem- 
plare dagegen, diese Klippe für jede der Natur der Sache mtk 
auf einen lümm Käufer- und Leserkreis beschribokte Zeitschrift, 
können nicht abgegeben werden. Vielmehr ist zu hoffen, dass 
die verehrten Mitarbdter auch durch Abnahme der Zeitschrift 
das junge aber schwierige Unternehmen werden fördern belfen. 

Mit Dr. Fromraann stehe ich in liäutigem Verkelir. Wenn 
es Ihnen recht ist, so bin ich bereit, ihm die Volkssagen zu 
senden ; ich zweifle nicht, dass pe ihm willkommen sein werden. 
Die Honorarrerhältniflse sind bei ihm dieselben wie bei mir. 



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xcv 



In Erwartung einer baldigen fiwnndUehen Bfleldnßening bin 

ich mit dem Ausdruck aufrichtiger Hochachtang 

Ihr ergebener 

Franz Ffeifler. 

7. 

Ew. Wolgeboren 

juir zugesendete sagen habe ich mit vergnügen gelesen und im. 
Professor Hanpt tibergeben, der sie in sdner Zeitschrift wird 
erscheinen lassen, auch der bnchhandlnng den anftrag geben, 
Ihnen einen abdmck davon zukommen zn lassen, weitere mit- 
theOungen werden willkommen sein nnd hoffentlieh werden Sie 
in Ihren bemühungcn die Überlieferungen Ihrer heimat auizu- 
fassen nicht ermüden. 
Hochachtungsvoll 

Ew. Wolgeboren 

ergebenster 

Berlin 19. Bee. 1855. Wilhelm Grimm. 

8. 

Nürnberg, d. 22. juni, 1857. 
Hochgeehrter henr! 

Daö jüngst vollendete neue heft der Zeitschrift brina-t Ihren 
-poetischen heitrag mit: möge er Ihnen im dnicke gefallen! 

Ihre mittheilungen über die muudarteu der Walser und in 
Montavon soll, so weit m(^lich, das nächste heft bringen. Vor- 
läufig meinen besten dank fOr beide sehr willkommene beHrSge. 

Die anliegende sendmig an Ihren hm. collegen H(agen) in 
Hard empfehle ich Ihrer gütigen Weiterbeförderung. Er hat mir 
ein paar alemannische lieder eingesendet, deren bezeichnung jedoch 
nicht genüsrt. 

Lesen Sie Zarucke's nothschiäi auf dem umschlage des neuen 
heftes und sehen Sie zn, daß Sie noch einen abnehmer gewin- 



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■ 



XOVJL 

nen, dem dann zur erleichterung die jahrgäoge — 56 um 
8 fl. 45 kr. geliefert werden soUea. 
Mit deatflcheia große 

Ihr 

dr. FromniftniL 

N. s. Gewiß muß Sie freuen, was Jac. Grimm mir unlängst 
gesehrieben: «Au^geseichnet sind die beitrage Ton Woeste, 
lobenswertii die von Lexer und Yonbnn*. 



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DIE 



SAGEN VORARLBERGS, 



VON 



IH^ P. J. VONBÜN. 



f,Die Märchen sind, wie sieh fniliMr 

unzweifelhafter hfiaiisstellt, die wunder- 
baren letzten Nachklänge uralter Mythen, 
die ülwr ganz Ennpa Un Wund gmeUa- 

^n haben, und geben reichhaltigen, um so 
unorwartetern Anfschliiss f^b'^r verschüttet 
geglaubte Gätjge uail Verwandtschai'teu der 
Fab«l iiMg«nMia**> 

„W«r die Yolkmafe hart angreift, dem 
ivlrd sie die Bl&tter krQmmeu und ihrea 
eigensten Duft roronthalten". 

Jac. Grimm. 



Üigiiizeü by i^üOgle 



EINLEITUNG. 



In dieser Sageüsammluug ist vertreten das bergige Gebiet 
im Westen der Grafschaft Tirol zwischen dem Arll)erg und dem 
juDgen Khein, das jetzt den Namen Vorarlberg führt. Das- 
selbe zählt in seinem dermaligen Umfange 47-27 geographische 
Geviertmeüen [260018 km«] mit 107,373 Einwohnern [nach der 
Zählung vom 31. December 1880] i). Die Hauptthaier liegen 
in den westlichen Ansläufem seiner Gebirgsketten. 

1. Das Kheinthal bildet die Ebene des Landes und läuft 
von Bangs, wo der Rhein in Vorarlberg eintritt, bis zu seiner 
Mündung in den Bodensee 5Va Meilen [63*4 km]. 

2. Bas längste Thal ist das IllthsL Der innerste TheO 
beim Ursprünge der lU heist Ochsen-, dann Termontfhal; Ton 
Patenen (auch Partennen), wo das Thal fahrbar wird, bis znm 

Einüussse der xVIfeuz, die vom Arlberg das Klosterthiil durch- 
strömt, das Thal Moutavon; von St. Peter bei Bludeuz bis 
zur inneren Brücke von Feldkirch der Walgan. in den rechts 
das obere Walserthal und links das Brauduerthal mit 
schmalen Thalsohlen einmünden ; nach dem Durchbruche zwischen 
den beiden Käpfen bei Feldkirch tritt die Bl in das Bheinthal. 
Bas mthal ist Aber 8 Meilen lang. 

3. Der Bregenzerwald, der durch die Subcrs oder 
EggerAchin den vorderen und inneren getheilt wird. 



[Vgl. CoDst. Werkowitsch, Dm Lftod Vorarlborg (Inusbruck, 1887), 
S. S5 und 57.] 



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4 



4. Die beiden Thäler Mittelberg — von seiner Lage und 
seinen Bewohnern auch das untere Walserthal genannt — 
und Tannberg. 

In der Fbene ist das Volk schon längst aus dem Zauber- 
kreise der Sage herausgetreten und hat sein Sinnen nnd Trachten 
industriellen üntemehmmigen zugewendet, so dass nunmehr fast 
ausschließlich nur der Bauer in den ThSlem, besonders im obem 
Walserthale und Montayon der Erz- und Erbschatzmeister des 
mythischen Kleinods geblieben ist. Die Ausbeute kann sohin 
nie eine sehr reichliche sein, imraerliin aber bietet das kleine 
Ländcheu in seinen wenigen Sagen, Märehen nnd Legenden wert- 
volle Goldkömer für deutsche Mythologie, wie auch für die 
Kenntnis der Geschichte, der Sitten und Gebräuche des Torarl- 
bergischen Volkes. 

Die Sammlung ist auch in dieser neuen vermehrten Auflage 
nach Terwandten Gruppen geordnet (jedoch konnten einzeke 
Sagen auch einer andern Gruppe zugetheflt werden) und mit 
erläuternden Einleitungen und Anmerkungen versehen. Die bei- 
gefügten Verweisungen bezichen sich auf folgende Werke : 

I'ie deutsche Mythologie von J. Grimm, 3. Auflage, 1854. 
— Handbuch der deutschen Mythologie von C. Simrock, 
2. Auflage, 1868. — Die deutsche GOtterlehre von J. W. Wolf. 
Gottingen, 1862. Alpensagen von Theodor Yernaleken. 
Wien, 1858. — Sagen, Mftrehen und Gebrauche aus Tirol Ton 
Ig. Yinc. Zingerle. Innsbruck, 1859. — Deutsche Sagen von 
den Gebrfidem Grimm. — Deutsche Alpensagen von Job. Nep. 
Ritter von Alpenburg. Wien, 1861. — Schweizersagen aus dem 
Aargau von Ludwig Rochholz, zwei Bände. Aarau, 1857. — 
Sagenbuch von Böhmen und Mähren von Dr. J. Virgil G roh- 
mann. Prag, 1863. — Sagen und Volksglauben im innern 
Br^enzerwalde von Jos. Elsensohn (im Programm des k. k. 
Gymnasiums in Teschen für das Si^u^ahr 1866). — Meine 
Beiträge zur deutschen Mythologie. Ghur, 1862, Hit der 
Au&eichnung der volksthfimlichen Fabeln meiner Heimat ward 
auch eine schickliche Gelegenheit geboten, eine Probe unseres 
Volksdialectes zu geben; es ist daher ein großer Theil der 



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Sagen, besondera in der eisto Abtbeflung, im Volksidiome er- 
zSUt und zwar getreu, olme Znthat und Sehmnck. Zum nähern 

Verständnisse dieser mundartlichen Erzählungen folge eine kurze 
Notiz über Abstammung und Sprache der vorarlbergischen Be- 
völkerung. 

Die Bewohaer Vorarlbergs sind: a) grdßtentheils aleman- 
nischen Stammes, noch in großer Beinheit im Bregenzerwalde, 
besonders im innem; b) Bomanen (Bhfttier) im Walgan nnd 
im Hude Montavon; c) Walliser oder Walser. 

Zu Ende des dritten Jahrhunderts erscheinen die Alemannen 
am Bodensee. Oonstantins Chlonis (f 308) kämpft gegen sie 
siegreich bei \ iinlonissa (Windisch im Thurgau) und gründet das 
nach ihm genannte (.\«iistanz auf helvetischer Seite. Sein Enkel 
Constantius TT. schlägt im Jahre 355 die Lcntienser Alemannen 
in erbittertem Kampfe zwischen Hohenems und Lustenau. Der 
hl. Gallus zertrümmert in Bregenz um das Jahr 609 drei eherne 
Götzenbilder der Alemannen. Im nennten Jabrhundert erscheinen 
anf dem rechten (Tonurlbergischen) Bheinnfer die alemannischen 
Ansiedelnngen Höchst, Lustenau nnd Torrenbllren. Im Jahre 
1086 tritt Andelsbttch mit der Sage des dort mhenden frommen 
Kiiisiedlers Diedo aius Dämmerlicht. Das Andelsbucher Feld, ein 
schöner Wiesenteppich, ist der erste alemannische Culturpunkt 
im innem Bregenzerwalde, 

Im Walgau (d. i. in der Landschaft von Bludenz bis hinab 
zur Götzner Klause unterhalb Feldkirch) und im Montaron war 
ehedem die Bevölkemng rh&to-romanischen Blutes und romaoi* 
scher Zunge. Qnler Ton Weinedc, Landanomann anf J>a?d8, sagt 
in semer „Raetia^' im Jahre 1616, S. 221: „ich habe noch alte 
leuthe im Walgöuw gekennt, die grob rätisch (d. i. romanisch) 
reden konten. SonSten ist an jetzo allein 'die Deutsche sprach 
bei ihnen breuchlich''. Tm Walgau war also beim Beginne des 
17. Jahrhunderts die romanische Sprache nahezu erstorben. Für 
Montavon jedoch ist anzunehmen, dass, zumal in seinen innem 
Gemeinden, nicht nur etliche alte Leute, sondern noch ein gnter 
Theil der Bevölkerung nm diese Zeit romanisch spradL Im 
Walgan, mit den Stidten Bludenz nnd Feldkirch, mit mancherlei 



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6 



alemaimiaclieB BittersdilOsseni und dem liegen Verkehre an der 
Landstaraße, fand unsere Sprache leichter nnd schneller Schnts 
und Anfiishme als in dem von mftchtigen in den rtAtifiehen 

Alpengurt eingreifenden Gebii'gsreilien abgeschlossenen Hochthale» 
wo das romanisclie Volks- und Sprachelement länger fortblühen 
konnte, olme von fremder Pflanzung ilberwuchert m werden. 
Gewiss aber hatte beim Beginne des siebzehnten Jahrhunderts 
der deutsch -alemannische Sprachstamm, im mitem Vorarlberg 
längs den Ufern des Bheins nnd der Ach, wie audi nach obigem 
Zeugnisse Gnlers im Walgan, nm Feldkirch und Blndenz, zn 
ToUer markiger EraA erwachsen, auch schon im Montavon feste 
Worzel j^&sst, imd neben der damals noch herrschenden Sprache 
verstand mun daselbst auch vieltaltig schon die deutsche. Im 
Laufe des 17. Jahrhmiderts aber entwelscbte das Deutsche mit 
still wuchernder Kraft allmählich das ganze Thal hinan und 
hinauf bis zu den Füßen des riesigen Vermontgletschers und 
den Quellen der III, und heute ist die ganze reizende Bergland- 
schaft so ganz deutsch, dass im Volke seihst die Erinnerung an 
die frühere Sprache untergegangen ist 

Li dem schönen Alpenrevier an den Flüssen Lutas, Ach 
(Bregenz), lUer nnd Lech shid die Walser — dermale an 6400 
^kuschen — sesshaft. Bieseiben bebauen und beweiden auch 
das Frutzthal (Latems) und die grasreichen 11^ hon von Düns 
über den Ludescherberg und Läz bis zum Muttersberge. Ihre 
Vorfahren sind etwa vor fünf Jahrhunderten als Hirten und 
Holzarbeiter eingewandert. Diese Walser, wie die in Graubünden, 
hat man lange Zeit für rhito-romanische Abkömmlinge gehalten 
und ihren Namen aus derselben Wurzel abgeleitet, aus welcher 
man jene für alle nicbt-germanisdien Völker in der langen Linie 
von dem englischen Herzogthum Wales bis in die daco-romanische 
Walachei gebildet bat. In neuester Zeit aber haben bündncrische 
Histunker, Ludwig Steub uud vor allen Jos. Bergmann interes- 
sante Forschungen über ihre Abstammung angestellt, und als 
Kesultat derselben ergibt sich schweizerisch-waUisiscber, also echt 
deutscher Ursprung slmmtlicher Walser -Sporaden. Dafür 
spricht neben Documenten und Sagen vorzüglich die überraschende 



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7 



Parallele, die Herr Bergmann zwischen unscrn Waisern und den 
heutigen Wallisern im zehnten fiaroD in Oberwallis bezüglich 
der Mundart^ der Geschlechtanamen und des religiSsen Oultas 
(St. Theodiü — Walser Patron) gezogen hat. Bergmann schliefit 
weiter: „Wenn die BerOlkenmg und Sprache in Oherwallis nacli 
Albert Schotts gewonnener IJeberzeugung Reste des altbnrgnn- 
dischen. den Alemannen benachbarten oder gar blutsverwandten 
Stammes sind, der unter austrasischem Scepter sein tiermanen- 
thum bewahrt hat, so gehört auch der Kern unserer von daher 
eingewanderten aiser, wie der deutschzüngigen Silvier am 
Monte Bosa, dem hurgundischen Yolksstamme an". 

Da der Walgan nnd Montavon, wie oben bemerkt wnrde, 
schon seit beinahe zwei Jahrhunderten alemannidert ist, so lind 
in Torarlberg jetzt nnr mehr zwei Sprachelemente zu unter- 
scheiden: das alemannische im Bregenzerwalde, Bhemtfaal, 
Wal2fau. Kloster- und liiaudnertbal^), Montavou und das bur- 
g u n d i ^ c b e der Walser. Das alemannische Vorarlberg bietet 
eine kleine Mnstorkarte von Mundaiien manrigf altiger Schat- 
tierungen, die sich ziemlich genau nach der politischen und 
kirchlichen Eintheilung des Landes (nach Bezirksämtern und 
Decanaten) ordnen lassen. Das nachfolgende kurze Schema zeigt 
Boldie Schattierungen einzeher Wortformen in den Terschiedenen 
Bezirken, verglichen mit dem burgundischen Walser Idiome. 

*) [üeb« du mdseriaclie Elanant in dme HwWkimsog von Bnnd vsl. mm 
Dr. F. W. Lorin »er, CtodmkUitter d«r Familie Lorimer (Wi«o, 18S8>, & 11 Ü 



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9 



Zu den Mundarten ina Montavon, in den Walserthälem. im 
Bregeuzerwalde und an der nördlichen Grenze lassen sich noch 
specielle Bemerkungen machen. 

Im Montavon ist das früher dagewesene Sprachelement auch 
heute noch lücht ohne «llen Nachhall verklungen; der auf merk- 
eame Lauscher hOrt üeherhIeibMl, die unstreiiäg romanlBch sind. 
Zu diesen ist yor allen zu zShlen das Wort-MontaTon (der 
Name des Thaies) selbst. Bergmann leitet es ab von mont 
und dem romanisclien davo oder davon (hinten), d. i. in den 
Bergen hinten. Nicht minder gemahnen an eine vordeutsche 
Zeit die üblichen Benennungen der Fluren und Auen, der Wiesen 
und Halden, der Weiler mid Dörfer. Die meisten dieser Namen 
sind unverkennbar romanisch, ein^e derselben nach L. Bteub 
(Üeher die Urbewohner Bh&tiens und ihren Zusammenhang mit 
den Etruskem. Mflnchen, 1848) gar altrh&tisch, z. B. das roma- 
nische Gamprez («»ca en [em] prez, Haus auf der Wiese) 
neben dem rasenischen Alpennamen Tilisuna. Neben den 
sichtlich undeutschen, südlich - braunen Gesichtern (zumal beim 
schönen Geschlechte) der Montavoner kommt endlich hier auch 
noch die Zahl der romanischen Geschleclit.Miamen in Betracht, 
welche jene der deutsch klingenden mehr als um das Doppelte 
überwiegt. Die Geschlechtsnamen Garn dl (Fleisch), Tschan- 
hänz (Hans Heinrich),- Tsehanun (Oiannone) u. s. w. sind 
bei den Montavonem herrsehend und bezeugen heute noch deren 
romanische AbbmfL — Auch die jetzt allgemein herrschende 
alemannische Mundart Montavons hat durch ihre Vorgänge lin^ 
die romanische Sprache, einige Schattierungen erlitten. So linden 
sich in derselben wie eingesprengt noch zahlreiche Romanismen 
vor, die entweder fast in ihrer ursprünglichen Reinheit auftreten 
oder aber durch angehängte alemaunische Endnngssilben sichtlich 
verdeutscht sind. Man hört z. B. Bal6ri, ein dummer Mensch; 
rom. baluord, itaL balordo, span.palurdo, franz. balourd, 
dumm, plump, tölpelhaft; Spausa, die Braut (rom. spusa, 
itaL sposa, franz. dpouse etc. aus lat. sponsa) neben dem 
deutsch lautraden Sp&uslig, Brautagam, rom. spus. 



L)igiiize<3 by LiüOgle 



10 



Der Montavoner Mundart ist auch eigen der Quetschlaut 
tsch für einfaches t iu etscha, etschas für etwa und etwas, 
io etschmer, etwelcher, etschwie, auf irgend eine Weise; 
femer tritt er auch für ch im Anslaate auf, z. B. Männtschi, 
Hirtaehi, M&gdtschi, Mftmiehen, Hirtelieii, Mägdchen. — 
Den an die Stelle emes auagefUlenen n tretenden Nasenlaut O 
fheÜt Mostavon mit dem ganzen Walgau. WIhrend im Unter- 
lande ans den mhd. Infinitiven gestn, stän, län, gän u.dgl. 
n ganz ohne Nachhall fortfällt und rein und klar gsi, ^toh. Id, 
göh gesprochen wird, spricht man im Montavon und im Walgau 
gsi, ?toh, 16, goh mit deutlich hörbarem Nasenlaute. 

Eigenthümlioh der Montavoner Mundart ist auch, dass sie 
in vielen W(}rtem ein langes helles e e) spricht, in wel- 
chen die andern Mundarten Vorarlbergs und sum Theü auch die 
Schriffa^rache ein langes getrübtes e (^^ h) oder i hOren 
lassen, z. B. bl^ra, bldlron, gel, gelb, h§l (sonst in Vorarl- 
berg hal). glatt schlüpfrig, W e g , z'weg, Weg, zuwege, w6ch 
(sonst wach), schön gekleidet, schmuck, zierlich, stolz, w§r, 
weri^t, wer. weren für den Conj. des impf. w4r, wärest 
u. 8. w.. zech für z4ch, zähe u. a. 

Die drei Haupteigenheiten der Walser Mundart, die sie 
aus der Heimat ihrer Väter, aus Oberwallis her, seit beinahe 
fünf Jahrhunderten beibehalten haben, sind: 1) der Guigellant 
ch statt k, besonders im Anlaute, s. B. Chi et 2, Chrueg, 
ch^Jnna, Bloch fdr Klotz, Krug, können, Block; 2) as fttr 
den unbestimmten Artikel ein (emes), z. B. as Hüs, as Obind, 
as gotzigs Mal für: ein Haus, ein Kind, ein einziges Mal; 
3) der Zischlaut sch (= 9) für einfaches s. z. B. §is Vater? 
Hüs, ?ie gond, ^ie chommen, chommen^'? für: seines 
Vaters Haus, sie gehen, sie kommen, kommen sie? Vgl. mit 
diesem Zischlaute das englische sh. 

Oememsam dem watoerischen Idiome und dem um- und an- 
grenzenden alemannischen Sprachelemente ist die Vorliebe, hodi- 
deutsche SubstantiTa, die zwischen e und en schwanken, im Singular 
vocalisch in a zu bilden, z. B. Frida, Chella, Garta, Friede, 
Kelle, Garten. Der Walser Dialect greift aber noch weiter und 



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lS8st Substantiva, die im Hochdentscben oansonantisch schließen, 
im Singalar in a aaslauten, tmd diese Eigenthflmliehkeit kehrt 
wieder bei den stammverwandten Schweizern, nur mit dem Unter* 

schiede, dass bei letztem der auslautende Yocal o-ist, z. B. 

C h u 1 11 ; 1 . S i u r II a . C h i ni a . M 5 n a , Kern, Stern, Keim. Mond ; 
hieher gelioi tii vorzfiglicli Feminiiia mit den Abloitiingeii 1 und r: 
GeiRla, Aclisla. Schilfla, Trommla, Leitera. Keitara, 
Schiiägera, Geißel, Achsel. Schaufel, Trommel, Leiter, üeiter 
(gröberes Sieb), Schnäger (Kussel des Schweines). 

Analog diesen Bildungen und ftir die Walser Mundart 
charaUeristiBch ist die verlängerte Form einer Idemen hoch- 
deutschen WOrtergruppe als: Horn, Korn, Zorn, Morn 
(Morgen), Born, Garn und dergleichen in: Höra, ChÖra, 
Z 0 r a , M 0 r a , D 6 r a , G a r a , auch E i c h o r a, Eichhorn, A h ö r a , 
Ahorn, übermöra. ftbermom^). 

Jene cilfVcrba, welche der Schweizer Sprache eigenthiiiulich 
sind imd das Präsens, die erstcPerson, den Imperativ und ebenso 
das zweite Particip (mit Ausnahme zweier Formen) einsilbig 
bilden, finden sich auch im Walser Idiome. 





Infinitiv. 


Imperativ. 


Praesens. 


Particip 


1. 


§1, sein, 


bis 


b! 




2. 


ha, haben, 


bab 


b4 


gcha 


3. 


goh, gehen. 


gang 




gganga 


4. 


foh, fan<;ei), 


foh 


föh 


gfoh 


5. 


ftoh, stehen. 


^toh 


§t6h 


g^tanda 


6. 


16, lassen. 


läss 


lö 




7. 


schl6h, schlagen, 


schlach 


schiöh 


gscbloh 


8. 


thua, thun, 


thua 


thua 


thua 


9. 


gg, geben, 


gib 


gib 




10. 


n§h, nehmen, 


nöm 


nOm 


gnö 


11. 


chö, kommen, 


chomm 


chomm 


chd 



Si wird so flectiei-t: ich bi, du hif^t, eri?t, mer 
9ind, er säid, ^ie^ind; Prät. Conj.: ich wer, duwerijt, 
er wer, mer weren etc. 



0 Ber MontovoiMr würde sagon: Hftra, KAra, Z4rA a. a. w. 



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12 



Hä: ich ha, du he^t, er hed, iiier hond, er häid, 
§ie heiid; Vv'di. (,'onj. : ich hätt, du hätte i>t, er hätt etxs. 

Uoli: ich goh, du gäi§t, er gäid, mer gond, er 
gdnd, 9ie gond; Prät. Oonj.: ich g^ng, du geng^t etc. 
Genau so wird auch $t^h flectiert. 

Fdh: ich föh, du fachet, er facht, mer fiheuetc. 

Lo: ich lo, du lä9t, er lad, mer Und, ier 16nd, 
9ie 16nd; Prät. Conj.: ich du Ußi^t, er l§ß, mer 
leßen etc. 

Schloh: ich schlöh, duschläh?t. er schlahd, mer 
Schlund etc.; Prät Couj. nur mit Umäckreibung : ich thet 
schloh. 

Thua: ich thua, du thua^t, erthuad, merthuand, 
er thuand, fiethuand; Prät Conj.: ichth§t, duth§t$t, 
er th€t etc. 

6d: ich gib, du gi^t, er gid, mer gend, er gend, 
fie gend; Prät Conj.: ich geb etc. 

Neh; ich nöm, du nö m§t etc. ; Prät Coiy.; ich nehm, 
du nehmst etc. 

Chu: ich chomm, du chon^t, er chond, mer 
chömmen, er chömmet, ^ie chOmmen; Prät Coi\j.: ich 
ch&m, du chami^t etc. 

Von den Ahlautongen der nhd. DoppeUaute ei und au war 
oben die Bede. — Das nhd. eu lautet öfters äi, z. B. Fräid, 
Freude, läigna, leugnen, 9 träia, streuen (sonst in Vorarlberg: 
Fr6d, lögna, §tröa); wo aber dieses nhd- eu uu8 altem iu er- 
wachsen ist. lautet es wie ü, z. B. Lüt, Leute, dutsch. deutsch. 
Für, Jt'euer etc. — Das nhd. ie geht ebenfalls theils iu äi, theils 
in ü über, z. B. Chnäi, Knie, chnäia, knien, Pläiga, Pliege, 
täif, tief; in ü geht ie über in früra, frieren, züha, ziehen, 
nilßa, niesen u. a., also in den Fällen, in welchen nhd. ie altem 
iu entspricht, welches Gesetz auch für die andern vorarlbergi* 
sehen Mundarten gilt. 

Bas altlange a = ä hat auch bei den Walsem eine starke 
Hinneigung g*-'gen langes dumpfes 6 (=ä). z. B. Ja Iii, Jahr, 
Schlaf, Schlaf. Diese Eigeuthümlichkeit theilen die Walser 



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nicht mit ihren Vätern in Wallis, indem daselbst nach dem 
ZeugnisBO Stalders das alüange a noch TöUig rein gesprochen wird. 

Einen reichen Schatz altehrwürdiger Worte und Wortformen 
hewahrt die Mundart des Bregenzerwaldes, besonders die im 
Innern, um Au, Schnepfau, Andelsbuch etc. Solauten daselbst 
nicht nur die Substantiva und Adjectiva. sondern auch die Ver- 
ben im Infinitiv in o aus. also: Hexo, Hoso. i dar diinklo 
§ t i 1 1 0 N ä hl . H exe, Hose, in der dunkeln, stillen Nacht ; b i ii d o , 
p f i f 0 , binden, pfeifen ; auch in der dritten Person Sing. Praes. 
tritt bei Verben an die Stelle des abgeschwächten, tonlosen et 
das vollere, wohllaatende ot, also hindot, pftfol Dieser 
Ausgang ot ist em interessanter Nachklang ans uralter Zeit; so 
heißt es in emer althochdeutschen Üebersetzung der Psahnen: 
,4iSrro ist sin namo — des si Got kelobot — 8(1 
offen ot er sina stimma". — An das vorige Näht, die 
Nacht, lässt sich die Bemerkung knüpfen, dass der Hauchlaut 
ch, welcher sich etwa in dem 14. Jahrhunderte durch das vor- 
tretende c verstärkte, im Bregenzerwalde noch häufig in alter, 
reiner Form gefunden wird; also: Näht, N achte, Nacht, 
Nächte, r^ht, recht, noh, noch, Nahpür, Nachbauer, er 
heaVs briht, er bat*8 gebracht u. s. f. 

Das getrübte, dem ä sich nähernde nhd. e geht im Bre- 
genzerwalde fast ohne Ausnahme in ea über; das nhd. Besen, 
lesen, selb (selbst). Weg, Bettler u. s. w. lautet also: Beaso, 
ieaso, sealb. Weag, Beatler. 

Das nhd. kurze a nähert der Bregenzerwälder (auch der 
Walser) in der Aussprache dem dumpfen o = ä, also Haida, 
bald, kält, Wäld, Halde (abschfissige Wiese), bald, kalt, 
Wald, während der Bauer hn Montavon, üa Walgau und Bhem- 
gau kurzes nhd. a mit seltener, beneidenswerter Beinheit spridit. 

Nhd. i, besonders vor n und nn Inlaute, geht fast regel- 
mäßig in ea über, also: gweaß, Beand, Keand, seand u. s. f., 
gewiss, Eind. Kind. sind. 

Der Vortrag, besonders der Frauen, hat etwas Seltsames, 
Smgendes, ein eigenes Wiegen und Tragen der Silben, auf wel- 
chem der Nachdruck liegt — Sprachforscher wollen die Stanmi- 



Üigiiizeü by i^üOgle 



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Wörter, Formen und die Ausdrucksweisc des Nibcli^ngeuliedes in 
der Wäldprsjtraehe wiedertiiiden. Vgl. Zeitschrift des Ferdi- 
nandeums [eigentlich: Beiträge zur Geschichte, Statistik, Natur- 
kunde und Kunst von Tirol und Vorarlberg] 1827, Ul, 2(38. — 
Sei dem, wie ihm wolle, so viel ist gewiss, dass sich viele Wörter 
weder in den NibelimgeD noch in andern oberdeutschen Mund- 
arten finden. Kinder z.B. werden Gdbe, GÖbel, aueh Gdge 
genannt, Drätt und Damm heißen Vater und Mutter, aus d^r 
Ätt und d'Amm. Smelgen, Fei, Sputtel, Mätel heißen 
Mädchen, Jungfrauen, vielleicht durch Liiisieliung von 's Mägdlc. 
iiglia, Sputen oder Spatl (/iegc), Mädel und durch den beüebten 
üebergang des ä in ä - Mädel, Mätel. 

Der Dialect des Vorderwälders ähnelt ganz dem ober- 
schwäbischen; diesen schwäbischen Anstrich gibt ihm besonders 
die Ablautung des nhd. Doppellautes ei in oi und ui (im innem 
Walde in &). YgL obiges Schema, also Stoi, hui, hnim, 
Stein, heim (in die Heimat, nach Hause). — Charakteristisch 
für den vordem Wald ist die Erweichung der Liquida 1 und n 
in u. man spricht daher aut für alt, Autar, baud, Statt- 
tirilier, S a u z , G a u d statt Altar , bald . Statthalter , Salz, 
(lold^), feruers anderer, auders, Mantel, Saud, Waud, 
sieud, Kieud für anderer, anders, Mantel, Sand, Wand, siend 
(sind), Kiend (Kind) u. s. w. 

Die Sprache an der nördlichen Grenze des Landes um 
*Br^6nz, Edrbranz, Hohenwefler, Sulzberg, Mfensbeig u. s. w. 
ist durch zahlreiche oberschwäbische Worte und Wortformen 
versetzt; da hört man z. B. briegga, weinen, allad, allezeit, 
immer, iht, eht (ii)iht, (n)eht, nicht, dann den Ablnt des 
nhd. ei in oi, loisle, leislich, leise, n o iß a s , neißas, nt iz was, 
ich weiß nicht was, Goißbock, Geiübock, ferners den Uebergaug 

Unter den uachf olgenden Sogen sind erzählt in der Montavoner Mund- 
art die Nummern: A I, 1, 17c; II, 1, nii, 4, 6, 7a, b, c, e ; IV, 6: VIII, 2; 
X, 8, 15a, b; in der Walser Miindait dio Xunimern: A T, 11, 12; II, 11; 
III, le, f; X, 1 : XI, 4; in der Wäldor ^[uiidart a) in dor des vordem Waldes: 
A VI, 1; YII. 4: b) itt der des innern Waldes; AI, 10; III, 12; IV, 2, 16, 
17, 2oc; Viii, 7. 



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15 



des nbd. eu iu ei, Freile, Fräulein, Kueiel, Kneuel u. s. w. 
Dieses obeischwäbische Element dringt sogar nicht aur in den 
vordem (wie oben bemerkt), sondern auch in den innern 
Wald; so hdrt man um Au: dernan\ nau' und nan*, 
laut, amaul, d. i. darnach, nach und nach, lasst (mhd. Iftt), 
einmaL 

Um m dem Vortrage der dialectisehen Sagen den volks- 

thümlichen Klang zu erhalten, wurde [der Hauptsache nach] das 
von Dr. PromDianii in seiner Monatsschrift: ,,Die deutschen 
Mundarten*' (i\ürn])erg, 1854 — 57) aufgestellte System zur Be- 
zeichnung mundartlicher Laute festgehalten. 

I. Vocale. 

1. Lange, rein hochdeutsche Vocale: i, d, 6, i&. 

2. Enrze, rein hochdeutsche Vocale: a, e, i, o, n; ä, 0, ü. 

3. ä der abwIrts sinkende, dem o sich nShemde kmze 
Miachlaut zwischen a und o: er hät. 

4. ä der dem vorigcu entsprechende lange Laut (engl, a^): 
währ, klär. gAht, ?taht. 

5. e der helle, scharfe, dem französischen 4 entsprechende 
kurze Laut des hochd. wenn, Elle. 

6. e dessen Länge hochd.: ewig, jeder. 

7. h der getrübte, meist gedehnte, dem franz. h ent- 
sprechende Laut des hochd. wer. 

8. äu bezeichnet diejenige diphthongische Mischung dieser 
Laute, in welcher das längere ft (=- %) das kürzere u (= Vb) 
über\viegt, wie dies ausscliließlicb nur in der Walser Mundart 
vorkommt. 

[9. Das Pronomen sie und der Artikel die werden diph- 
thongisch geschrieben, aber nicht so gesprochen,] 

[10. Bei den Majuskeln der Vocale finden keine weiteren 
Lautbezeichnungen statt; die betreffenden WOrter sind im Glossar 
nachzuschlagen, wo ihre Aussprache näher angegeben ist, wenn 
dies Oberhaupt nöthig schien. Ebenso fehlt bei S unten der 
Haken, welcher den Zischlaut Tor Consonanten anzeigen sollte. 



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16 



Eine Aufnahme der betreffenden Wörter in das Glossar war 
nnndthig.]^) 

n. Consonanten. 

11. Mit 9 wird die oben erwähnte Eigenthümlichkeit der 
Walser Mundai-t ausgedrückt, die fast alle s wie sch (vgl. das 
engl, sh) zischt; das walserische schie g6nd = sie gehen, 
Bchis Yatersch Hüs = seines Vaters Hans, wird also gege- 
ben dnich: ^ie gönd, ^{s Vater? Efts. 

12. * steht für ein ausgefallenes r, wie: nn* nur. 

13. Das Häkchen ^ unter einem Vocsl vor anageMienem n, 
namentlich wenn durch (.Uesen Ausfall jener na^saliert wird, z. B. 

= Mann, gsi, - gesin, gewesen. 

14. Der Apostroph * sieht für andere ausgefallene Laute, 
auch in Verbindung mit einem Vocale wie: 's Wib, das Weib. 

[15. Sagen, Anmerkungen oder emzelne Einfügungen, welche 
zwischen eckigen Klammem [] stehen, rflbien nicht ron Yonbnn, 
sondern vom Herausgeber her.] 



^) {Seit Tonbnmi Tode iuA die TerdtonsiToDaten FofscbniifBii ab«r tte Laut- 
lehre miserar einbeimiBdiai MimdarteD angestellt Dr. Y. Perathoner in seiner 
Sdirift: „Ueber den TocaUsmus einiger Mundarten Tonrlbergs". Innsbruck, 1SS8.] 



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A. 



MYTHEN UND MJlßCHEN. 



Dr. F. J. VoobuD, Sageu Vorarlbergs. S 



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L Wuotan. — Wuotans Heer. 

110 tan. Irr höchste Gott bei allen deutschen Stämmen, 
war Leiter und Lenker des Krieges und der Schlacht, Vater des 
Heeres, des Sieges nnd der Gefallenen. Als solchen dachte man 
sich ihn in voller Waffenherrlichkeit, mit Helm, Brflnne, Sehweit 
und Speer auf hohem, weißem, die Lfifte dnrclifliegendem imd 
die Wasser tlbersclireitendem Bosse. 

Von diesem schimmelreitenden Gotte haben sieh in unserer 
Sage nur wenige und undeutliche Spuren erhalten. 

War Wuotan hauptsächlich der reitende Gott, so stand ihm 
doch auch ein Wagen zu Gebote, der Woenswaofen. wie die 
^Niederländer sagen, d. i. Wodanswagen, das Gestirn des üären. 

Er stieg auch öfters zu den Menschen hernieder und erschien 
gfitig und freundlich in ihrer Mitte ohne seine giftuzende Bfistnng, 
sondern mit einem Mantel und einem breifkrftmpigen Hute an- 
gethan. 

Ben alten Deutschen galt Wnotan auch als alldurchdrin- 

Ifeuder Geist der Natur, Wenn der Sturm durch die AVii>fel 
der Bäume brauste, so glaubten sie, ihr höchster Gott ziehe mit 
seinem Gefolge segueud durch die Lüfte, und warfen sich ehr- 
fürchtig mit dem Gesichte zu Boden und ließen den Gott über 
ihrem Haupte hinziehen. Das ist das, was man das wüthende 
Hew nennt, welches in jeder Nacht, besonders aber in der heiligen 
Zeit der Zwölften, d. i. Ton Weihnachten bis Dreik((nigen, Wäl- 
der und Schluchten durchtobt. 

8* 



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20 



WnotiiL — Wttotai» Heer. 



Um Bregenz und Dombim nennt man das wüthende Heer 
Wuethas^), im Bregenzerwalde Mnotas. Im Oberlande, be- 
sonders im Walserthale, tritl; das wliihende Heer unter dem 
Namen NachtTolk atif. Dasselbe erscheint, wie schon ans 
dem Namen zu entnehmen, immer zuhauf als Volk und bei 
Nacht. 

Das Snuspü und Brausen des Muotas wird öfters noch als 
entzückende Musik geschildert, und auch die Züge des Nacht- 
volkes geschehen unter Trommel- und Pfeifenklang und sogar 
durch die Hausflur. 

Der alte Gott verlor aber unter dem Einflüsse des Ofaristen- 
übxaaB sein zntnudiches Wesen, seine nahen Zfige, und g^eng in 
den Begriif einer finstern, schreckenden Gewalt Uber, welcher 
immer noch gewisse Einwirkung verblieb. Den Menschen und 
ihrem Dienste gleichsam abgestorben, irrt und schwebt er in den 
Lüften, teuflisch und gespenstisch. Grimm, M}i^h. 870. 

Der Bregenzer Wälder hört daher in seinem Muotas meistens 
einen grauenerregenden Lärm, der von den Berghöhen sich ins 
Thal herabzieht und dann wieder die Richtung nach den Gebirgen 
und Tdblem einschlagt. Man glaubt, daas es durch die Lflfte 
r^tttMle, b<^8e Geister und Hexen sind, die dieses Gesaus und 
Gebraus auf ihrer n&chtlichen Fahrt verursachen. Bloß Sonntags- 
kinder können etwas von ihren Gestalten wahrnehmen, die andern 
Menschen sind nur auf das Hören angewiesen. Wer bei dera 
Erscheinen dieser bösen Geistor auf dem Wege oder im Felde 
ist, soll das Kreuz machen, ihnen ausweichen und sie ruhig 
Torftberziehen lassen, zu Hause aber die Haus- und Stallthüren 
sorgsam verschließen; denn wo sie hineükkommen, bringen sie 
sowohl dem Menschen als besonders den Hausthieren Krank- 
heiten und andere UebeL 

Der Oberlftnder versetzt die stationSre Behausung des Naeht- 
volkes auf Alpenhölien und Berggräte, von wo es bisweilen mit 
fürchterlichem Tosen durch Töbler und Klüfte auf die von Men- 



Maa mitWBdwidet dudbit dw gttB und klen Wnethti« EnteiM 
fUirt mtt TOll«r Musik, l«tet6M« nur mit «iunliwn Imtnunenton diucli iä» lAfta. 



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WnotaiL — WufitMM H««r. 



21 



sehen bebauten Niederungen herabführt. In demselbea ziehen 
scheufiliche, abschreckende Oestalten, und man ist auf Mittel 
besoDnen, tot ihrem bösen Einflüsse sich zu wahren. 

Bern wflthenden Heere gehört wie Wuotan auch Fran 
Holda (oder die in imsem Gegenden öfters an ihre Stelle ge- 
tretene Fran Bertha) an. Begleitet wird ne hei ihrem ümznge 
mit dem Wtitenheere Ton Eckhart, dem getreuen Pförtner am 
Eingänge des Venusberges. Beide uralten mythologischen Ge- 
stalten treten auch im Nachtvolke auf. 

1. 

Die Prediget am LVner See^). 

(MflndUcb. Sehrniw.) 

Am Part vom grüena Lüner S6, 
Hoch übrem Darflc Brand, 
Dk houd amal si' Hirta zwö 
YerwÜet nütanand; 
Am nser Franatag^ g4 
Bim frfiiha Margagnnnaflcht. 

Im Innem des Brandnerthaies, 4680 Fuß [1984 m] über der Meeresfl&che, 
>jreitet sich der LQner See »ns. Sein tiefgrüner Spiegel bat fast zwei Standen im 
Umfange xmä ist ringsum ron hoben wilden F<jls\vfiii(leri uingeTien, die nnr eine 
schmale Oeffnung nach Norden haben. Aus ihm bricht unterirdisch clor Alvierbach 
hervor. Dieser See e-ilt dem g^etiieineri Manne als ein ?rehoimmsvollos, unergründlich 
tiefes Wasser. Ais einmal einer eiu Senkblei in denselben warf, so rief ihm aus der 
Tiefe eine Stimme entgegen: >ErgrQnd^t du mich, &q v«>r8chlioge ich dichU £s 
ist also dieser See fOr Vorarlberg [wo man allerdings auch vom Sondeidatiber and 
Kftrber See dMielbe endUt], wie der Egelsee auf dem Btftenberge dem Cuton 
Ainn öder der Hanmflbee dem Scbmnwnlde, der Arber See dem BObmerwelde. 
Ja ihm Imiuea nadi der ToreteUnnir des Volkes msodieilel üntethflme, and viele 
Geister wnrdeo von Kapnsineni nnd aadem fironnen Fdesten in deaedben terbannft; 
aneh «tweldie Priester selbst sitMn in demielbeB nad fsialeiiL Es gebt ancb die 
Piopheceinag, er werde einmal «Mbredien, sein Wasser verde slsdann bei der 
Bludenzer Kirchenstiege bis zur siebenten Stufe hinanreichen, und der ganze innere 
Walgaa werde Oberschwemmt sein; bisher sei sein Ausbmch nnr noch durch einen 
tingeheuren Felsblock gehemmt, der mit mAcbtiBtn eisernen Klammem an die nnter* 
irdische Oeffnung angeschmiedet sei. 

^ Am Feste Maria-Himmelfahrt, den 16. Aognst. 



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Wnotan. — Wootans Heer. 



üf §niäl h6m tie*8 Bnmdner GlAt» 

Vom Thal dim bis zcm Se, 

So ftrle und so hell wia hut 

Klingt's, r4thi\ seltamph. 

Es rüeft de Därfler allasammt 

Zer Predig und 26m heü'gapn-Amt 

J>k 8dt der e: ,£s i^t d^t nött 

A 80 en Glockaklangf 

Doch wUrd, a^s weimi* H§mwSh MU, 

Her flchw^ derbd und bang: 

r mOcht drum d' am Ftrtig hut 

Zer Predig goh wia ander Lüt". 

Der ander lacht: «Ja, fehlt net meh, 

Se Tväßi^ bald en Rath: 

Es galten Hera da im Se, 

Wia d'Sag im Ländle gaht, 

Es Söll vo denna ener kd 

Und üs a FSrtig-Predig h$«. 

Und wia der Spötüer das Mt gredt, 
Se rüscht's un S§ — was i$? — 
En HSr i Clidirock und Barett 
Kunnt gschwumma wia en Fisch; 

Er ritt en Schümniel, setzt a d's Land, 
A guldis Lätsal i der Hand. 

Der Riter schwenkt dem Böswicht zue 

Und hebt den Arm i d' Höh 

Und prediget dem Hirtabue, 

Es hillt TO Fels und St$; 

Und .Amen' gellt's — en l^rong in Sd 

Und Boss nnd Mfk siehst niena m&L 

Der Hirt liitt aber nia nüt gschwltzt, 
Was Sprilch nnd gaeti L%hi 



Waotan. — Wuotaufi Heer. 



28 



Hei adUmM usanandergfletzt 
Am Lflner B% der H^r ; 
Er hat si Predig bald tlornä' 
Met untra gwichta Boda gnö. 

2. 

Per Schimmelreiter. 

(^liutlüch. Bludesch.) 

Im Ried zwischen Bludesch und Schlina gehen die Geister 
um. Der Yomehmste derselbeii ist der »SchtlmmeMter'' ; ein 
Mann in schwarzem Mantel und didecligem Hute, einen Brief 
in den Hftnden haltend, reitet das Bied auf nnd ab, ans und 
ein, aber nur zu gewissen Zeiten und nur wenigen besondem 
Leuten sichtbar. Jener Brief enthält das ungerechte Urtheil, 
das vor uraltem in einer Streitsache geßJlt wurde. 

Bludesch und Schling lagen lange im Hader wegen einer 
Waldung, ohne dass die Sache zum Austrag kam. Da ergriff 
der Zwingherr, der auf dem Schlosse Blumen^ hauste, die 
Partei des Bludescher, bestach den Richter, und die Schünser 
verloren den Prozess bei Putz und Stiel. Seit jener Zeit aber 
geistert der verruchte Zwingheir von Blumenegg als «Schflmmel- 
rtfcer* auf dem Biede zwischen dem SeUinser und Bludescher 
,Hölzle^ 

3. 

Der Pf er dehoeker« 

(Tenaleken, S. 80.) 

Yon alten Leuten h<(rt man in Lustenau oft erzUilen, dass 
damals, als die Landstraße noch durch den Wiesenrain (Dörfchoi 

bei Lustenau) den Hhein entlang lief, einmal ein feuriger Mann 
im Nu auf die Wagenpferde sich gesetzt habe. Zwar hat er 
weder dem Rosse noch dem Mann etwas zuleid gethau, auch 
kein Wort geredet und ist dann plötzlich wieder verschwunden. 
Oft Imt er sich auch auf den Wagen gesetzt, und dann haben 
die Pferde nicht mehr vermocht, denselben von der Stelle zu 



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24 



Wnotaiu ^ Wootais Bmv. 



ziehen; sie haben plötzlich Am ganzen Leibe geschwitzt und wie 
bei der grODten Hitze aus dem Monde geiehftami Wemi auch 
der Fuhrmann den Geist noeh so oft vom Wagen henmterwies, 
80 ist er doch nur weggegangen, wann es ihm beliebte. 

4. 

Der C^ir^awagen^)* 

{TennlekAiif 8. 69 miil 70.) 

Im Dorfe Lustenaii erzählen die alten Loiite noch, das? alle 
sieben eJahre einmal der Giren wagen vom iümmel herabkomme 
und über die Erde fahre. Wenn er vorbeißhrt, 80 yemichtet 
or jeden, der nicht schnell sein Schnupftuch herausniumit, es auf 
den Boden wirft und sich darauf setet Dabei muss er spueehen: 
«Ich bin auf meiner Sache', und so bum er einem nichts an* 
haben. Der Girenwagen macht ein soldies Gerassel, daas man 
ikü von weitem kommen hört. 

»Girenwagen" ist eine eiserne Maschine, ein kleiner 

Wagen auf vier Kädehcn, welche kleineu Sternen ähnlich sind. 
Auf einem solchen Wagen wird das Obst zum Dörren in den 
Ofen «•e>;choben. Unter dem ohigeu Girenwageu nun verstehen 
die Bauern jener Gegend das Sternbild des großen Bären, wel- 
ches große Aehnlichkeit mit jenem Wagen hat. 

Die Benennung „Girenwageu" ist Tielleicht zurfickzufOhren 
auf „giren" (gähren, wie man sagt: der Girkeller, s. Schmeller, 
Bair. Wörterb. II. S. 62) oder auf unser mundartliches „gfra", 
girren, Gerftusch machen. 

In dem Dorfe Lustenau erzählt man auch Folgendes. Un- 
bekannte Zauberer hielten einmal mit dem Girenwnf^en vor einem 
Bauernhause. Im Stalle war ein Böble mit einem weißen Käpple. 
Die Unholde hatten aber auf ihrem Wagen ein gleich großes 
Bühle mit einem rothen Käpple. Beide Knaben fangen an mit- 
einander zu spieten, und während des Spielens vertauschten sie 



>) 1» TMgMdieii: Kuhn, Kordd. Stgen, Nr. 265, 1. S. 498 (SSfi). Nr. It7. 
OriMU, H7II1. 188. 164 664. 667. 



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WnotaD. — WaotBDi Hmt. 25 

ihre Käpple. Als nun der Girenwa^en mit der ganzen wilden 
Gesellschaft aufbricht, die Fahrt fortzusetzen, nehmen aie das 
Bflble mit dem rothen Käpple mit» in der Memung, es gehöre 
ihnen an. 

6. 

Die drei SUnde. 

En Bür i?äid amäl i d' Stadt und erwüscht uf der Straß 
en Afechät und en OhäufDi(i, dia äu' uf *em ?ella Wäg gs§ ^ind, 
und gid 'na 's Gleit. Dia dreu Ma wandren scho a pär gueti 
8tond, und an jiedwedera meint, jetz und de werden^' i d' Stadt 
ehd, aber was nM t| nem seh Ud, ift ^ba d' Stadt, und der 
Bdr 9teUd 9!* iimaos vi d* Zdba, um va vitem fttta Tflm oder 
Chftmmi z' seh, er ch^ mit cbem Aug a Gltchni^t gwihma. Es 
ohont *na drom alla dreua bäld dddderla, und fie meinen 
■dioh, d' Stral} häi §i' ätta theild, und §ie liäien'§ im ifriga 
Schwätza ned gmercht und ?eien ^0 fehl gganga. i^t freile 
gueta Rath thiira gse; der öur meint, ma sott noch as Wüe 
witer göh uf der Straß, der Afechät aber lärmet: „Ich göh ken 
Schritt meh witer uf dem Teifelswäg^S „und icb du' ned'S cMbet 
der Ohr6mer drd. Der Btr lAd aber ned fibwendig macba 
und gdid allei uf der BtM witer; die andm zwei ehönd neißa« 
B-ftu' ned Ober e^ eb6, und der ei gAid feldfis, der ander feldt. 
Näcb und n^h g&id d* Sonna ähi, es dimeret und nachtet bäld, 
und onder der Zit i^ mim Bör 's Göh erleidet, zum Glück aber 
§täid nebet der Straß as Chapällele, und dä, jäder zue ^i' selb: 
„I d' Stadt chommi' hüt, schätd', nömma, so blibi' grad i dem 
Chiichlfi öber Nacht''. Er betet drüf noch 's Abedgebet, nömt 
Wichwaaser us 'em Chessele, leid ^i' de L^ngawäg uf 'neu B^t- 
stuehl und TertsebläfL 

Aber ned so guet bend'§f die andera zwei ertroffa. 

Der Ghr6mer gäid ned lang uf ^em Feldwäg, so chond er 
in as G§tüd ihi und verwich elt ^i' dre, dass vam üssercbö che 
Bed meh i^t; er rißt und rupft wohl us Libschräfta a de Stüda 
. und Gretzga om, es hilft em aber ze nüd, a s ze na pär Chrätz 



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26 



Wttotao. — Wuotans Heer. 



i d' Hand und d' Bagga, und z'le^t verleidet's em, und er nömt 
hält schlecht verlieb mit ^im Nachtlager. 

Der Afechät ^äid äu' as Wile und drdlet uf eimäl in a 
Öülla-n-ihi; er gompet und hoppet z'erft greusele, es hütt aber 
äu' nüd, er ^prützt $i' nu^ Gtülawasser i *8 Gsicht und nömt 
desglfoha Schicht rerlieb. 

Es ülget wfder^ und frOndle Ineget d* Sonna vam Grit i d'» 
ThSl, und dik erwacht der Bür im GhapaUele, ifbt 9!* de SchUf 
X» den Auga, macht fi* wider zVag und bdtet *8 M()rge<gebH 
vor m |he. Er gäid ned lang, se siehd er va witem die gol- 
dena Chreuz i der Mörgetsonna cflitzgela, und 's lacht em d's 
Herz im Lib, und er schreitet so licht und guetma uf der Straß 
witer wia as Gitzi uf Ta Haida und erwüscht bald $ma ge^triga 
Gspöna, den Afechät und de Chromer. Dia sägen em surrig und 
üsöd ^,Gneta M^liget^S yerzellen» wia ^ie's nichtig ertrofia hüen, 
nnd der Chr6mer wüBcht derbei mit dem Fazan§dle bluetige 
Chintz % HSnd mid Bagga-n-ib, und der Afechftt putzt fffne 
Sttfel a de Wfegw&rtena vor'm |he. Wia die dreu so gond und 
der Stadt zueilen, so chont Gottvater a's as grouwbärtigs Männdle 
im a blappeta Huet zue 'na (chein hed chönna säga, wohär es 
einermäl cbo f?ei) und jdd: „L6u mi' äu' mit", und gäid rait'na. 
Der Bür schwätzt mit dem Mäundle (denn der Afechät und 
der Ohrömer find neißa ned gär gschwatzber gse) und verzelld 
em, was *na nächtig bigegnet fei. 'S Mäandle loset und loset 
und jäd drüf, wo der Bür hed usgschwätzt g«^: „Mercht, thi 
Wanderer, äier ge^triga ZuiBfall hed dia Bedat%: Der Büra^tand 
ift z^nlhft bim Ehnmel, der Ohrömer^tand z*n$h?t bim F^gfär 
und der Afechitat^tand z'neh^t bi der HeU". So hed 's Mäinullö 
gsäid, und due i§ 's wider verschwonda, die dieu hend ned 
gwisst wehe. 

Vergleiche damit das Erscheinen Mercurs und Odins auf 
Erden, um die drei Stände zu gründen. 



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WoolaiL — Waotaos He«r. 



27 



6. 

Der Pfarrer. ' 

(Eliensohn, S. 16.) 

An der Büdlichen Seite des Dorfe» Bezan flieBt vor demsel- 
ben der Grabenbach yorflber. Am linken IJfer desselb^ im 

sogenannten Ueberi ist es bisweilen zur Nachtzeit nicht ganz 
geheuer. Denn man begegnet einem Manne im schwarzen Talare 
mit einem großen Schlapphute auf dem Kopfe und einem Brevier 
unter dem Arme. Es soll diese nächtliche Erscheinung ein ehe- 
maliger Pfarrer des Dorfes sein, der, weil er mehr Geld für 
Messen aimalim, als er dafür lesen konnte, znr Strafe auf diesem 
Wege, wo er seinen gewöhnlichen Spazieigang machte, nnn 
geistern mnss. Aber niemand soll es bisher gewagt haben, ihn 
anzureden. Seit &isäg&i Jabien hört man mehts mehr von seinem 
Erscheinen; er dürfte daher seine Strafe ausgebüßt haben und 
erlöst sein. 

7. 

Der Manu auf Sulundi. 

(MOndlkh. Bürb.j 

In der Bflrseralp Salundi, im innem Walgau, geht nach 
Erenzerhöhmig ein geisterhafter Mann um. Ein Jäger traf ihn 
einmal mittlen im Winter: es war ein großer schwarzer Mann 
in einer „Fueterscblntta, en blappeta Hnet nf ^em Kopf und en 
Mietsack mn a Lfb''^), der schlotternd und zitternd der Deihja 
zuwankte, kläglich wimmernd: ,,Tschuderi hü, mi' frürti" Auf 
die Frairc des Jäefers, was er um diese Zeit noch in Salundi 
schalle, seulzte der Mann: „r mueß den arma Lüta 's Väh 
mietna, den richa hon is sch9 gmietnat.'* 

Dieser gespenstige, butzbafte Mann in dem breitkrftm- 
pigen Hut ist Wnotan, der hier offenbar als Qott der Yieh- 



*j 1). i. im Futterspenser, mit breitkrämpigeiii Hut und eiuem Sack voll Salz 
und Kleien am den Leib; Mieta f. — daher mietiia, verb. txans., dem Tieh 
«in Oemiieh von Sab und Kleieii Beb«n. 



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28 



Wnotan. Waotans Heer. 



Zucht erscheint. HackeLberg kami kein Salz bringen. Ygl. 
Yemaleken,^S. 78. 

8. 

Bas NaelitTolk. 

(HOadlleh.) 

a) In Satt eins fuhr das Nachtvolk neben der Burgruine 
Schwarzhorn durch die HoUa^sse herab unter herrlicher Musik, 
unter &\itenspiel und Heitenklang, Trommel- und Paukenschlag, 
sehen konnte man aber nichts als nur einen Wind. Im Dorfe 
herunter zog es neben Sepples HauB — es steht dasselbe an 
einer Ereuzgasse — vorbei. Neben Sepples Haus war ein großer 
Misthaufien, und wenn das Nacbtrolk durch die Gasse herabkam 
und In gerader Linie weiter wollte, so mnsste es Uber diesen 
Misthaufen ziehen. Da gieng das Sepple und schrotete ein Stück 
von dem großen Misthaufen fort, damit das Nachtvolk einen 
bessern Weg bekäme. 

b) Tn der Zalöchera bei Bürs sind es vier einsame im 
Quadrat stehende Häuser, zwischen welchen es nächtlicher Weile 
kreuz und quer hin und wieder fährt. 

c) In Schruns steht ein Haus, in dessen Atrium vier 
Thoren im Kreuze angebracht sind, und dieses Haus war Tor 
alters viel vom Nachtrolke besucht, wie daselbst jedermann weiß. 

d) lieber Frastanz auf dem Kläslefeld hatte dieses nacht- 
liche Volk seinen Zug in dem daselbst einsam stehenden Hause 
durch den Hausgang. man musste deswegen bei Nachtzeit immer 
die Haus- und Hinterthüre offen lassen, um ihm den gewohnten 
AVeg nicht zu rersperren. Biegelte man aus Vergessenheit die 
Thflren, so machten die späten fremden Ankömmlinge einen sol- 
chen LSrm und ein solches Getöse, dass kein Hausmsasse mehr 
schlafen konnte. 

e) Auf Raggäl hörte der alte KOng das Nachtvolk gar 
manche Xacht durch das Grattobel neben seinem Hause „aher- 
schellna". 



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Wnotaa. — Wnotai» Heer. 



29 



9. 

Die Yerschmansang der Kuli. 

(L. Steub, Dr«i Sonmer io Tirol, 1. Aafl., S. 82.) 

Einmal stellte das Nachtvolk auf dem vordem Boden im 
kleinen Walserthale am hellen Tage, an einem Apostel- oder 
Maria-Feste, wiUirend des Gottesdienstes einen pr&chtigen S<diinaas 
an. Es nahm die schönste £uh aus dem Stalle, machte sieh 
viel Geschäft, sie zu achkchten, zu sieden, zu braten und ver«- 
zehrte sie unter Tanzen und Springen, Singen und Jauchzen und 
unter dem angeutliuisten Troinnul- und SaitcnspieL Es gab 
auch deu Kindern des Hauses gar medlich zu essen, verbot ihnen 
aber, einen Knochen zu zernagen oder zu verlieren. Endlich suchte 
es die Knochen sorgsam zusammen, konnte aber trotz allen 
Fleißes einen nicht mehr finden. Nun wickelte es die übrigen 
in die Haut und sagte, es mflsse die £uh gleichwohl hinken 
lassen, was sich auch in der That so befand; denn dieselbe stand 
im Sialle, so brauchbar als zum, nur dass sie den einen FuB 
etwas nachschleppte. 

Donar oder Thdrr, der Sohn Wuotans und der Erde, liest 
die abgegessenen Knochen der Bdcke beiseite legen und aufheben, 

damit er sie neu beleben und Yor seineu Donnerwagen spanneu 
könne. J. Grimm, Myth. I, 168. Vgl. auch die Mythen von 
Thdir, lY. MjÜuis: Ihialü, gesammelt von L. ü bland. 

10. 

'S Mnotas^). 

OBlsensoIni, S. 7.) 

Nüd mit da be§ta Gedanko seand amaul zwo Mätla vu 
Schrecko (ein Weiler bei Au) gi E&mo (ein Dorf ganz in der 
Nähe von Schrecken). Oaimaul hinds eaz gh6rt in LUfko, wia 



<) Es bat ein Uebevsaoff ton W in M, Wntu In HntM Heer stettgefimden 
(Btovock, S. 185), «o wie mm im Brefeuenralde fut li^vmetai mir ttttt 
wir, ao statt wo spxidit nnd hinflf sduKÜit. 



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30 



Wuotan. — Wuotaus Heer. 



a himtnlisclie Müsi*, wii]ider8ch((a! Allad n^hor 19t as kü und 

allad grällor hat as gndhot: zei^t wia Elapporo, din wia Häls- 
ling, din wia Katzogschrö, und allad wüo^ter. Het ob do Mätla 
i?t as ussigfarrot, und as wär eaua schiebt ggango, wenn sie si' 
üüd dduckt und 's Eruz gmachot hettod. Asd abor i^t as widor 
sehöanor woado, und d' M&üa bind nix wittor donrütreit a's a 
gschwoUoa Qtmht 

11. 

Die Hnsik und das Weib. 

(MOniUioh. Bagsfll.) 

Amäl i^t as Wib in 'ra m5hälla Nacht vor 'em Hüs g^tanda 
und hed zem Zitvertrtb i d' Welt ussiglueget Uf eimäl hört 
fie US der Wite bär a so 'na lieblige Musig, wia ^ie ihrer Lebtig 
noch Cheine gh6rd hed, grad a*8 thdten Engel ü^püla, und gäid, 
um Musig besBor z* höra, vam Hüs w^g und drdf noch aa 
StOcIde ivtter, und je Mngeri wfter fie chond, om so liebüger 
t6nt's, und z'le?t cha mi W!b gär nömma ftöh bliba und gäid 
und gäid und chond vor lauter Losa-ü- und Losa bis an as 
Grattübei; dort siehd §ie 's Nachtvolch wia im a Chreuzgang 
dür' 's Tobel aherfahra und vüprächtig musiziera, dass dem 
närrscha Wib würd, a's chönnt ?ic nümma gnue losa; aber uf 
e^mäl heben die Schwarza Musichanta as teifelmeßigs Gschrei ^ 
dass dem Wib dflr* Märch und gftid und dass 1^* fiüha- 
hleieh hei springt und im Hüs noch über de Thürschweller ihi- 
trdlet. Stdeijd i^t das Wfb nia m§h r^cht gsond und hantli' 
gs§, und dassell Gschrei hed 'ra bis in Tod i den Ohra ttösct. 

12. 

Bas nSehtllelKe C^elage« 

En Jeger §ei amal onder 'ma dörra tschudriga Bömle öber 
Kacht gse. Ora Mittemacht verwach er amäl us 'em Schlaf und 
Behe 's Nachtvolch uf en zueohd; dä deich er ^i* bei em sMb, 
mit dklei Yokh j$t ma am gschtd^ta manierli* lind gäng as 



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Wuotan. — Wuotaus Heer. 



31 



biizle nf Sita. *S Nachtvokh cb&mm diia nkhec und Itfngeri 
n&ber und stelle fi* onder *em B6m\e nf, nnd dk fange *8 Bömle 

uf eimal ä vain s^lb gui liulili" iifs])illci, das t4 Ä^tle blase d' 
Flöte, as anders d's Glarinet uud as Zwigle das chl! Pflfle, und 
's Xachtvolch, ned ft], läss a und tanzi omme om 's Bömle, 
Pär om Pär, dass der Stäub dervffläige. Wia der Jeger churz- 
wilig dem Nachtvolch bün Tanza znelueget, h6rt er uf eimäl de 
Berg andern^* uffer mi&na, und via er fi* as bitzle fttrfi* bflckt 
und Ober as Bübele ftbflu^get, ao debd er as TscbUbele QiatEa 
mit ama greusliga Gacbrei uffercbrabla, und a jiedwMere z4cbt 
a L%l6 W! n&bi am Sebwanz. Wo dne dia Fnebr zom T&nnele 
chö §ei, liii der Tauz as End gno, und jetz werde azäpft und 
igscheicht, aber no' i Küehtscbaggi und auander zueprouffa. Bim 
Taga ^eien NacbtTolch und Chatza mit de gl§rta Lägiena ab- 
gfahra. 

Tn andern (regenden wiid erzählt, dass beim Annähern des 
wütheudcu Heeres das Gras der Matten und das Laub der 
Buchenwälder woge und sich neige; m unserer Sage fängt, wie 
das NachtTolk seinen Beigen beginnt^ ein Tannenbaum plGtz- 
licb an, seinen Wipfel und seine Aeste zu sebUtteln und berdich 
zu musizieren: ein Ast bläst die Flöte, ein anderer Claiinette 
und ein Zwogehen das Ideine Pfeiflein. Wemi nnser NacbtroUc 
nichts anderes ist als das wüthende Heer (Wuotaus Heer) auderer 
Gegenden, letzteres aber häufig nichts anderes als die Deutung 
des durch Luft und Wipfel der Bäume heulenden Sturmwindes, 
so ist diese Sage vom musizierenden Tannenbaum gewiss von 
tiefpoetischer Schönheit. Das Knarren sturmgepeitschter Eichen- 
stämme oder das leise geheimnisvolle Bauseben windbewegten 
Tannenreisigs ist fOrwabr berrlicbe Musik 

13. 

Der Maultrommler. 

(MOndMch. Tscbagguns.) 

Im Montayon war einmal ein Bauer nocb sp&t in einer 
mondbeUen Nacbt auf d^ Bemen. Der Weg fflbrte Arn zum 



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82 



WaDtu. — Wnotu» H«er. 



Müioertobel, dort setete er sich auf einer Steinplatte eine Weüe 
zur Rast, zog eine Maultrommel ans der Westentasehe und fieng 

zum Zeitvertreib gar zierlich zu trommeln an. Wie der Bauer 
auf der Skinplatte in die mondhelle Nacht hinaustrommelte, kam 
auf emmal das NaclitM lk in lang"em schwarzem Zuge durch das 
Tobel herunter, und einer aus dem Haufen schritt auf den ein- 
samen Maultrommler zu und sagte zu ihm: „Wenn da willst, 
so irill ich dich noch zierlicher und lustiger trommeln lehren, 
so zwar, dass die Tannpfttsdien an den Tannen ringsumher zu 
tanzen anfangen**. Jtk freilich will ich^S sagte der Bauer. Aher 
hevor der üntcrricht begann, kam aus dem Haufen ein Weibs- 
bild herbei, zog den schwarzen Musiklehrer beim Arme: „Komm, 
mit dem Bauer ist nichts anzufangen, der hat heute das Weih- 
wasser genommen".^) 

14. 

Der Schwegelpfeifer. 

(MOndlioh. TBohigyans.) 

Schlimmer wäre es bald einem audcru Muntavoner in der 
Kreuzgasse zu Tschagguns ergangen. Der stellte sich dort auf, 
als eben das Nachtvolk mit herrlicher Musik herunterfuhr, und 
ersuchte einen aus dem schwarzen Zuge, er möchte ihn die 
Schwegelpfeife blasen lehren; der aus dem Nachtvolke aber 
erfasste dem Bittsteller den Daumen und drückte ihn mit solcher 
Gewalt in die Mündung der Schwegelpfeife, dass das Blut unter 
dem Nagel heryorspritzte. Der Montavoner hatte auf das hin 
keine Lust mehr, die Schwegelpfeife zu blasen, und warf sie weit 
von sich. Als er später zufällig wieder einmal eine Schwegel- 
pfeife in die Hände bekam, siehe, da konnte er sie so lieblich 
blasen, wie er seiner Lebtag so was nicht gehört hatte. 



1) [Diese Sage ver61f>nitliohto Vunban im 6. Jahrgänge TOn FrommAimt 
„Deutschen Maadarten" S. 155 in der Montavoner Mondart] 



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Wiioten. Wußtest fl««r. 



33 



15. 

Bte Beding:u]i{^. 

(Mflndlich. TBcbaerm«.) 

Ein Tschaggiinser wollte vom i^acUtvolke, von dessen musi- 
kalischer Kunstfertigkeit er schon Wunder gehört hatte, die 
Fldte blasen lernen. Er postierte sich daher einmal an der 
Krenzgasse, als eben das Nachtvolk vorbeizog, und stellte sein 
Ansuchen. Da ward ihm die Antwort, er solle mch bei der 
nächsten Falirt <les Naehtvolkes wieder au dur Kieiizgasse auf- 
stellen, dalu'i aber ja nicht huluMi oder reden, überhaupt keinen 
Laut von sich geben, was immer er auch zu sehen [»«^»kame; 
bestehe er diese Probe, so werde er fürderhiu die Flöte meister- 
lich blasen können. Der vorsprach, wie ihm gesagt wurde, 
und stellte sich auch wirklich bei der nächsten Fahrt des Nacht- 
volkes an der Krenzgasse auf. Der Zug nahte — scheußliche 
und abschreckende Gestalten! Der eme hatte gar kernen Kopf 0« 
der andere trag ihn unter dem Arme, wieder andere, welche die 
Köpfe regelrecht zwischen den Srlmlttni hatten, machten ehicn 
Lärm, dass es einem (liucb .Mark und Beui gionir. und /u allem 
dem sah der Zuschauer über sich einen großmäclitigen Mühlstein 
an einem Faden hängen: er blieb aber standhaft, muckste sich 
nicht und stand da wie eine laut- und sprachlose Bildsaule. Der 
Zug rauschte allmählich vorüber« und zuletzt lief noch eine nach, 
die hatte eine Kochkelle im After stecken und brummte zu sich 
selber: „Sie ftecket i der Itahma!" Bei diesem Anblicke aber 
musste der Mann unwillkürlich lachen, bestand also die Probe 
nicht, und mit dem Flöteublasen war es aus. 



t) In Ibnafelder lande fahr daa wOthende Heer alle Jabre auf Fastnacbt 
Torflber; damnter liefen «iniBe kopflos oder trnsen ihre Schenkel auf 
4eo Aehiela. Grimm, Myth. U, 887. 

Dr. F. J. Vonbon, Säten VoraribMS». S 



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34 



WooteiL — WootMW Hmv. 



16. 

Das NachtTolk warnt. 

(MOndUcb.) 

a) Eimnal kam naclits beim Heimgehen ein Mann znm 

Mnstergielbach bei Vandans und hörte plötzlich ein Stück 
im Tobel droben eine prächtige Musik, blieb auf das stehen und 
horchte zu. Ueber einer Weile kam ein großer schwarzer Mann 
mit einer Pfeife und einem Taktierstock in der Hand durch das 
Tobel herunter auf den Horcher zu und sagte zn ihm: ..Höre, 
gnter Freund, stehe etwas auf die rechte Seite und lüfte ein 
wenig das Strumpfband unter dem rechten Knie, denn es kom- 
men noch mehrere Leute nach**. Der Horcher that, wie man 
ihm gesagt, und alsbald rauschte das Nachtrolk mit Trommel 
und Pfeifen windschnell an ihm vorüber, und der letzte von der 
Musikbande trug eine Kochkelle in der Hand. 

b) Einmal stand ein Mann nachts beim Moiuischeiii an 
einem Grattobel und schaute dem Nachtvolk zu, das gerade 
durch das Tobel heruntergefahren kam. Wie er da so schaute 
und schaute, kam unversehens einer aus dem Nachtvolk auf ihn 
zu und sagte: „Qötti, gang witer nlfi*\ Da fuhr aber ein 
Grausen in den Mann, und er sprang davon. 

c) Durch das Fronatobel, welches die Gemeinden Außer- 
und luiierbartholoraäberg im Moiitavou scheidet, fuhr auch vor 
Zeiten das Nachtvolk mit zierlicher Musik auf und ab. und kam 
man in die Nähe, so rief es aus dem Volke: „Nothnagel^), oba 

Dieses Wort Nothnagel kehrt in folgender Sa^o vom Nftchtvolko wieder: 
Einmal wachte eine Magd um Mittoniarht aus dem Schlafe auf und sah im benach- 
barten Katbhfiuse drüben hellen Feiistorschuin. „Dort ist schon Licht*', dachte sie, 
„es irnjss Morgfiii sfin, und ich habe mich vfirschlafen". Sie stand eilends auf, 
wollte Licht uiaoheu, konnte aber unmöglich Stahl und Feuerstein finden. Sie lief 
mm in das Bathhaas hinQber, um Wmn so botet. Im Kathhanse alwr vw das 
Naehtvolk vmsaomMlt and fteate lidi des Bechen ond dee UaUes. Mmh kann 
sieh das Entietsen der Miffd denken, ds sie, in den Saal «Ingetreten, (B» te^en' 
stifen Giste sab. Kanm hatte de daa Han, ihr BegehitB um UdA an stellen. Da 
lief eber ans dem V<dke: „WOasten idr nidit, dasa dn K<^t1iiiaffel wlreat, frir 



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Wuotao. — Wuotaus Hedr. 



35 



weg, oba weg, oder met", und würde man kluger Weise niebt 
ob den Weg gegangen sein, so hätte man ohne Widerrede mit- 

faiiren müssen. 

d) Sepples Leute in Satteins hjftten an Frohnfasten eine 
Wäsche und waren gerade mit „Büha^* (Einlangen) beschäftigt; 
da fuhr das Nachtvolk Ton Schwarzhom herab und rief den 
W&8cheri2meii zu: „Hätten vir nkht erfiilireii, dass ihr gute, 
dienstfertige Leute seid, und wüssten wir nicht, dass ihr Wer- 
muet uid Büta (Baute) im Hause habet, so würdet ihr nicht 
ungestraft an Frohnfasten büha^'. So aber geschah Sepples 
Leuten nichts: sie ließen sich's aber gesagt sein und stellten 
seit derselben Zeit an Frohnfasten nie mehr eine Wäsche an. 

Diese warnende Stimme, die aus dem Nachtrolk mfk, ist 

wohl die des getreuen Eckhart, der besonders in der thürin- 
gischen und mansfeldischen Sage vom wüthenden Heere eine Rolle 
spielt Er tritt daselbst vor dem Geisterhaufen einher als ein 
alter Mann mit weißem Stabe (vgl. den Taktierstock unserer 
Sage), heiüt die Leute aus dem Wege weichen, einige auch 
heimgehen, damit sie nicht Schaden nehmen. Jener letzte, wel- 
cher den Zug der MnsOEbaiide im Mnstergielbach beschließt, ist 
die verkappte Fran Holda (Bertha), die wie Wnotan dem wüthenr 
den Heere angehört; wenigstens weist die Eochkelle, ein gewiss 
weibliches Attribut, auf die Göttin und Beschützerin des Haus- 
wesens hin. Die letzte etwas possierliche Figur, die in der Sage 
dem Nachtvolke nachläuft, erinnert an die geschwänzte Waldfrau 
Huldra der dänischen und norwegischen Volkssage. — Bie 
Stimme, die Sepples Leuten zuruft, ist die der Holda oder 

wurden dich sermalmen so klein als du OeitrOpp anter der Sonne'S — Diese Be- 
lebenheHi fiel vor im Bnthlianse xn Feldkireli. Darf man das beMheidene 
Mxfediebe Raflihanit ala liodigewAlbten fcddatnUenden Saal, ab WalhaUa nnd das 
ff^ensUfe NaebtTolk als bdie GMtarremmmlimg denten!? — > Der Sterbliebe 
naht aidi Tenneesen, nm daa Feaer vom Hinunel sa bolen (Piometlieae). — Es sbid 
daa kobne Yeigleiehe; aber es ist nmn ebmial lockend, weil in den meisten Fillen 
lobnend, in fast jeglicher Sage einen heidnischen T'ebeirest sn sneben ; dabei lioft 
dann freUidi manchm&l die Anekdote Gefahr, zur Mjrthe zu weiden, nnd der fsmeine 
rotfae Habn mnss gewftrtig sein, sa gOttticben £hren za Icommen. 



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36 



Wuotan. — Wuotans Heer. 



Bertlia, iüe beide Heiügimg ihrer Fdertage finräm und an dem 

Frevler grauhaiiie Süafe vollziehen. 

17. 

Das NaehtTolk straft* 

a) Ein l.iebhaber der Musik gieng (U'iu lustigen Nachtvolk 
einstens auf den Bru inienberg iii) kleinen Walserthale nach, 
horchte seines Saitenspiels und schaute seinem Tanz und anderer 
Kurzweil die ganze Nacht hindurch zu. Gegen Morgen macht 
sich eins nach dem andern davon, aber das letzte steckte noch 
ein Messer, wie es dem Zuschauer bedfinkte, ober die Thür der 
Tanzhfttte; in der WirUichkeit aber betod sieh solches in einem 
Knie des Ffirwitzigen. Es konnte leider von niemandem heraus- 
gezogen werden, und der Unghickliclie trug den Schnitzer in 
seinem Fuße ein ganzes Jahr, ]i ohne Schmerzen herum. Als 
aber das Jahr voriilar war. gieng er abermals auf denselben 
Plats, wo er die Versammlung wieder richtig fand. Ks wird wie 
vormals prächtig gezecht, muthig gesprungen und bei anbrechen- 
der MorgeniGthe fOrsichtig abgefahren. Dabei langte der letzte 
nodi Uber die Thttre, sagte: „Will doch mein Messer wieder 
miilassen^, und der Zuschaue gieng von dann^ ohne den 
Schnitzer im Knie weiter zn gewahren^). (Dieselbe Sage erzählt 
man auch in Riingiletsch bei Frastanz .) 

b) Einmal stand bei Sepples Hiiiis in Satteins ein Mann 
aus der Gemeinde, da fuhr gerade das Nachtvolk vorbei, und 
einer aus demselben schlug dem Manne ein Beil in die Achsel. 
Niemand konnte dem armen Manne das Beü herausziehen, und 
derselbe musste es zu eigener Unbequemlichkeit und zum Ge- 
spötte anderer eine geraume Zeit in der Achsel herumtragen, 
bis er sich auf den Rath eines alten Mannes wieder bei Sepples 
Haus aufstellte. L)us IS'achtvolk zog wlidu suibei. und einer aus 
demselben sagte : „Ich habe da das letztemal mein Beil in einen 



1) L. Stenb, Drei Sommer, 1. Aafl., S. 82 t 



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WwrtaB, — WnotuiB Hmt. 



87 



Stock gesclilageu, das muss ich beute wieder mitnehmen", und als 
der Manu von daimdii gieug, hatte er kein Beil mehr in der 
Achsel. 

c) Es i§t a Hüs am Hasaveibach gsi, 
'S hkt j&hrwis sch9 ke 8^1 mSh gschntfet dii, 
Bis ama Samstig s^Nacht bim YoUmoglanz 
Bört *8 Naehtrolk tk^hrt zum an Abedtatts. 

Und ju^tament se ftlehrt am Easavei 
Der W@g en bim seUa Hüs voibeif 
Und wian er d^ so luftig tanza hört, 
Se hat 's em naßa gnoth de Wunder gftort. 

Sin Amer wachst, und *8 ziicht en schier mit GhrUt 

Der Hütta zue, ga gügghi bim a Spalt; • 

Ei gelt! wia tanzt das Volk so flingg und nett, 

A's wenn es Fegga-n-a de Eüeßa hätt. 

Er lue^^et lang, y/lo?t wflrd's em dechtert z'^pat, 
Er sumt si' hematzue, und wian er gabt, 
Se lat er enermal en Schrei: 0 web! 
I* sach am dna-n-Og ke Sückle mdh. 

Und gsaba hät er nÄt, *9 it?t >\ ürkle wahr. 
Und |ög i$t er gsi a ganzes Jahr, 
Und was er nu' hät aUs probiert und thd, 
Am sMla^n- Og i^t 's Lieeht halt nflmma kd. 

Wia^s Jähr i^t endle nmma gsi, se gäbt 
Der Wimderwitz z'Ueb ama gneta Bäth 
Zer näDili' Ztt, wia's fto z'Nacht ift gsi, 
Zern Ba«aveier-TobeI-Huale hf. 

S^U Volk i9t wtder luftig d^rt im Gang 
Und tanzt bi Tmmmla und bi Pfifiddang; 

Min Eög luegt em aili läugi zue 

Und mentf er luege ai\6' hur net gnue. 



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d8 Waotan. — Waotans Heer. 

Z1e§t set er zue em selb: „Es würd mer z'^pat, 
r mueß ga z'weg und beiii'\ und wian er gäht, 
Se-n-i§'8, a's wenn er neugibora war, 
Er 6|cht a bSda-n-Oga wia Torhk. 

(Uiiidlioii. TsehaBtuuiO 

Das alles erfährt man auch in den Sagen von Bertha. An 
der Orla hieb sie mit ihrem Beil einem Burschen in die Schul- 
ter; ein anderesmal blies de ein leichtfertiges Mädchen an, dass 
es auf der Stelle erblindete. Erst ein Jähr darauf als sie das 
blinde Mädchen wieder traf; sprach sie gütig: „Voriges Jahr 
blies ich hier ein Paar Lichtlein aus, so will ich hener sie wieder 
anblasen", und bei diesen Worten blies sie der Magd in die 
Augen, welche alsbald wieder sehend wurden. Grimm, 
Myth. I, 254. 



IL Fenken'). 

Allenthalben im rhätischen Gebirge spricht man von wil- 
den Leuten, Waldleuten, Gannes in Enneberg, Salyangs 

(Silvani) ebendaselbst und in Schnak, Fenken, Kutacbifen- 
ken, Waldfenken, Fanggen, Wildfanggen mehr im 
alemannischen Theile in Vorarlberg (im Montavon und im 
KlosterthaleX in Graubünden (in den deutschen Thälem Prätigäu, 
Schalfik, Davös, Savien und Rheinwald), in Tirol (im Paznaun, 
im Stanzer- nnd Oberinnthale). 

In Tirol smd die Fanggen WHdfiraaen, von der Sage nicht 
selten den Riesen als deren Weiber zngetlieilt, aber eigentlich 
doch eine Sippe fSr sich bildend, auf eigene Hand lebend nnd 
erscheinend ; ihr ganzes Wesen ist so recht eigeutlicb unhold und 



») Vgl. Grimm, M>^b., S. 40;;, 451 ff.; Rochholz, Aarg. Sag., S. 818 
und 882; Wolfs Zeitechrift für deutsche Myth. III, 2, S. 196—200; Pröhle, 
Haraeagen, S. 257 ; meine Beitr&ge z. d, Myth., S. 44 — 65. 



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Fenkm. 



39 



ihr Erscheinen grauenhaft. Sie heißen auch Wildfan^g, wilde 
Weiber, in der Einzahl Fang^pra. Panggin, böses Wald- 
weib Ihre Gestalt schildert die Sage schauerlich, nesengroß, 
am ganzen Körper behaart, beboistot, das Antlitz verzerrt, der 
Mund TOD einem Ohr zun andern gezogen, das schwarae Haupt- 
haar hängt ToU Banmbart (Altergfleehte — liehen barhatiu L.) 
nnd reidit rauh nnd struppig Aber den Bftci^en herab ; im Zorne 
strftabt 8ich*8 wüd empor ifie Fnriengelock. Die Augen sind 
dunkel und nacMschwüiT, wie Koiilen, glüiieu aber auch zu 
Zeiten und sprühen Blitze; die Stimme ist Mannesstimme, rauh 
und ungefüge. Ihre Kleidung sind Schurze von Wildkatzen- 
pelzen, Joppen von Baumrinden und Zottelschuize von Füchsen 
nnd anderm Gethier. Die Fangg ist stets hungrig, absonderlich 
nach dem fleische der Maischenkinderf die holt sie sich, wie es 
nni gehen wilL 

So schauerlich imd prägnant wie dieses Bild, das Herr von 
Alpenburg von der Wüdfangg Tirols entworfen, ist das der 
Waldfenken m Graubüuden uüd der Fenken in Vorarlberg 
freilich nicht. 

Die Sage misst den graubündnerischen Waldfenken auch 
gewaltige Stärke, Körpergewandtheit, Schalkhaftigkeit, genaue 
Wetter- und Kräuterkenntnisse wie auch den Besitz von Geheim- 
nissen der Viehzucht zu, welche den zahmen Bewohneni des 
Landes theils verloren gegangen sind, theOs nie zum Wissen 
gelaogten. Ihre Kleidung bestand in umgeworfenen Fellen von 
Fttchsen, Dachsen, Mardern und andern Thieren, und meist 
kleideten sich nur die weiblithen W aldfenken damit. Letztere 
bereiteten auch aus dem Fetle, dem Knochenmarke und der 
(ialie verschiedener Vii ifflßler und Zweibeiner emen Firnis, mit 
welchem sie sich bestrichen, und der sie im Winter gegen Kälte 
schützte. Die männlichen Waldfenken schildert die Sage über 
und über behaart und mit Eichenhiub bekrftnzt^). 



*) Schmeller I, 54 S kennt ein FÄnlccl. Hex»«, T'nhnlrliii. 
^1 1 IM solch hehanrt4^s, mit Eichenlaub bekränztes Bild eines Waldtenken pranj^ 
la dem VVappeu des Zehngerichtebandes, 



» 



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40 



Die vorarlberpfiRche Sag-e ist über Gestalt imd Aussehen der 
Fenken ziemlich scliweigsam, sie meldet eiiifiich. dieselben seien 
wil li Leute gewesen, Männer und Weiber, am ganzen Körper 
mit struppigen Haaren bedeckt, so dats nur an den Wangen die 
^eiseyarbe kfimmwlioh duidisdiiiiiiiieirte. Die graubfiiidi&eriselieD 
WaldfenkiD und die Fenken MontaFone eracheinen alao entgegen 
den nur veibHchen WOdfirnggen Tirala in mftnnUehen Gestalten 
sowohl als in weiblichen. Im Prfttigftu werden die weiblichen 
öfters auch sehr bezeichnend „VVuldmutern" (Waldmütter) ge- 
nannt, und ihre (lomahlc sind die „wilden Männer" wie die 
L'iesen die der Wildian^^i^eu Tirols. Fenken und Waldfenkeu 
erscheinen wie die ihnen verwandten Waldleute Grimms 
(S. 451) als ein in Wäldern zusammenhausendes Volk, treten 
aber auch, besonders die weiblichen, einzeln anf, Hure Behausnng 
ist gewöhnlich der Wald; bekannt sind in dieser Besieihnsg in 
Tirol: der große Urwald im Urgthal zwischen Landeck imd 
Ladis, dami ein anderer Urwald am PiHerberg im Oberinnthal, 
im Präti,«,^äu die Wälder um Conters, im Mimtavou die Wälder 
von Galleukirch und der .Kiikuerwald" in Gaschum. 

Die Fenken tragen außer dem allgemein bezeichnenden 
Namen noch einen besondem eigenen, ihrer Gewandung, ihrem 
Wohnorte oder einer AehnUchkeit entnommen, z. B. in Tirol: 

„Stuzza-Muzza^ (Stutzkatzej, „llochrinta* (hohe Kinde), „Stutz- 
Forche** (Stutzföhre), „Struzzi-Buzzi* ; im ^rontav^on hört man 
die weiblichen Namen: ^ Jochrumpia „J<k hrin<^<xla''. ,Stutzel*, 
„Muggastutz" , „Kohrinda" , die männlichen „Urbans" und 
„Hansel", in Graubünden den weiblichen „Büchrinden'' und die 
männlichen ,Giki-6&ki'' und «Uzy"^). 

üuter den bekannten mythologischen Gestalten sind es vor- 
nehmlich auch diu wildiu AVip und die rauhen W^aldgeister, die 
Grimm, Myth., S. 403 und 447 — 454 abhandelt, denen sich 
unsere Fenken, weibliche und männliche, besonders wenn sie ein- 



') Vfl. die reimoDdoQ Formeo altDordiscber Zwergnuuitsu : Vitr-Litr, Fili- 
Kili, Fiularr-Galarr, Finnr-Ginnr, Anar-Onar u. s. w. 



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F0iik«B. 



41 



zelu auttreteu, aü die Seite bttlUn lassen; und wie zwischen 
ddDfielben und lüesea sich keine acharfe Grens&e ziehen lässt, so 
auch Hiebt zwischen unsem Fenken und Kiesen. 

Die sp&tere Zeit sehwftohte das hocbgeiraltige, flbennfltfaige 
Wesen der Fenken in Graubflnden und Yorarlberg bedeutend ab. 

Aus den riesigen Waldmutern wurden kleine Waldweibchen, und 
statt des {i^ewaltigen Waldfenken-Geililer, dessen Stab eine gaaize 
laiiüe war, begegnet man nuiiinelir einem winzigen „wilden 
Fenken-Mannli". das um ein Näpfchen Milch dem Bauer die 
Kühe hütet. Diese wilden Feukenmannli Graubttndens sollen 
sieb noch im 16. Jabrhundert den Kenachen angeacblossen 
baben. Sie erreichten kaum die Größe von SVs Sohnb, die 
W^lein blieben noch etwas kleioerf waren aber sehr scb<(n 
und sangen Keblicb. Ihre heUblenden, oft fast silberweiikm, 
etwas straücu Haare lieüeu sie frei waobscn. Kinder, die neben 
ihnen herliefen, banden sie an ihren Aermlcin fest. Auf diese 
Weise kounten sie die steilsten Bergwände erklimuieu. Sowohl 
Männlein als Weiblein waren sehr schnell im Laufe. Sie schnit- 
ten zu diesem Zwecke den Kindern die MHz ans. Man ließ die 
Kinder an gezibmten Gemsen saugen, und der Genuss. dieser 
Milob nahm ihnen den ScbwindeL Diese abgeschwächten und 
verkfimmerten Fenken vertauschten denn auch ihre frflberen 
ursprünglichen Wohnsitze, die mftchtigen TJrwftlder mit finstem 
Höhlen (in Graubüuden „Baiiiia" gt iiuiint) und Luchem, daher 
die Ausdrücke : „Fenkatöbler", „Fenkalocher* und „'s wild Mannlis 
Balma". Aber auch weit über dem Wald wüchse, auf luftigen lier- 
gesspitzen und hohen Alpenrevieren schlugen einige ihre Be- 
hausung auf, horte man ja emmal einen Fenk im Montavon rufen: 

„Dom uf der Bitrioler^pitz, (9000y) 
Da hon ich min Sitz, 
Dä bon ich m( HÜs, 
Dä s^hi' dberaU Os!« 



*) [Patteriolspiti im Yenraltthaie, 805d m]. 



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42 Fraken. 

Es verwirrten sich sohin die Eenkensagen allinählich so 
miteinander, dass man die dämonischen Wesen, die unter dem 
Kamen Fenken in bftuerüclien Sagen begegnen, zn den Zweigen, 
Elben, Hansgeistem n. s. w. zählen rnnas. (VgL n. 2, 4, 5, 
7, 8; dann aaeh m, le.) 

Die Fenken hat man schon mit den ehemals in den Alpen 
goldsuchenden Venedig-em und sogar mit den Phöniciern in Ver- 
bindung gebracht ; häufiger aber wurden die Fenkensagen auf die 
alten Urbewohner zu deuten versucht. Merkwürdig bleibt immer- 
hin eine Stelle in Plioins dem Jlbgem (libr. 7, cap. 23). die 
ohne großen Zwang anf die zweigartigen und koboldiscihen Wald- 
fenken bezogen werden kann. Sie lautet: .Summae et prae- 
eipites Bhaeticarum alpium vertiGes partim indigenis inoo- 
luntur, nunquam connubüs aliarum gentium mixtis. Parvuli 
sunt, ignari et imbelles, fugaces velocesque veluti rupicaprae, 
quia infantes illarum uberibus aluntur. Snbterra- 
neos specus aperire solent veluti mures alpini sullugia hiemi 
et receptacula cibis" etc. — Ein ungenannter Geschichtschreiber 
(Pez, lerum anstriacarum I) sagt in Bezug auf die Zeit Kdnig 
Helniicbs (f 1335): «In montanis snae regionis gern gnana in 
cavenus montium habitavit: cum bomimbus Tescebantor, ludebant, 
bibebant, cboreae ducebant* etc. (Vgl. die Bemerkung zu Sage 8 
dieser Abtheil iing.) 

Werfen wir nun noch einen Blick auf die geographische • 
Verbreitung all der Gestalten, die unter den Namen Fangga, 
Wildfangga, Waldfenken, Fenken und Kutscbifenken 
auftreten. 

# In Tirol hausen die Wildfangga im Uberinuthal und den 

angrenzenden beiteuliiaiern im Stanzerthal, Paznaunerthal und 
Urgtbal (zwischen Landeck und Ladis). 

in Granbfinden hausen die Wildfenken im Prfttig&u, des- 
sen meisten Ortscbaften Ton Wsldfenken za, erzfthlen wissen, 
ganz besonders aber Fuma, Luzdn, Centers, Saas, Klosters, 

Monbiel ; 

In Schal fik und dem durch den Strela von ihm getrennten 



Üigiiiztiü by <-3ÜOgIe 



Fenken. 



Davöserthal und dem imfern von Maladers in dasselbe einmün- 
denden Churwaldenthal ; 

In Savien, zumal in Tanna, Camana (einer schönen Alpe 
bei Platz in der Mitte des TMes) iind auf Yalifttseha (ebenfalls 
einer Alpe znhinterst im Thale). 

In Torarlberg geben Fenkenaagen ansschließlicb in zwei 
Tbälem und zwar im HontaTon (Hauptniederlassungen der 
Fenken daselbst waren Partennen, Gaschum, Gallenkirch und 
Tschagguns) und im Klosterthal um Braz. 

Also die Thäler, die in näherer oder weiterer Entfernung 
YOm Wurzelstocke der Selvretta zwischen Prätigäu, Ünterengadin 
und Montavon auslaufen, sind die eigentliehen Heimatsitze der 
Fenken. Eine Ausnabme davon macbt das untere Eogadln mü 
rbätiscber Zunge; es ist sebr bemerkenswert, dass die Fenken 
nur in deutsehen TbSlem vorkommen. 

Da CLünliätien eine weit ältere und zumül rein italieiiische 
Cultur besaß als Germanien, so brachen und verdichteten sich 
eben namentlich in seinem nördlichen Theile die mythologischen 
Strömungen dos alemannischen Geistes, und es waren vorzugs- 
weise die Walser Colouien des cburrhfttisohen Gebietes, in denen 
als Bewobnem staller Gebitgskammem sidi treue Bewabrer ale- 
manniseber (buigundiscber) Mythologie darboten. 

1. 

Das Alt^r des Fenken. 

• (MOndlictu OMchorn.) 

Amal sind a pär Knecht in Kilknerwald gganga und hond 
dert wella a Tanna fölla ; wia sie aber iit ahen schröta, könnt an 
Fenk dor' da Wald hergloffa-n- und rüeft: 

sich bin grad nett jetz aövel Jähr scho alt, 
A's Nädla hat dia Tanna da im Wald; 
Drom sind so gnet und thuan mer sie net fälla, 
Sos könnt ich ja mi Alter nömma zäUa". 



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44 



Fenk«!. 



In dieser Sage sehen wii- ein nahes Band der Brüderschaft 
zwischen Fenken imd Riesen. Bekanntlich betrachten die Riesen 
die Wälder als ihr Eigenthum, in dem sie den Menschen frei zu 
hantieren nnr ungern gestatten. So waren auch in Tirol die in 
einem und demselben Walde beisamixten liausenden Fanggen an 
diesen Wald gebunden; wurde der Wald geschlagen, so schwan* 
den sie; starb ein Baum, oder wurde er gefällt, von dem eine 
Fanggin den Namen tru«^. so war auch ihr Dasein dahin. — 
Das hohe Alter theilt der Montavouer Fpiik mit einem wilden 
Mann im Gasteiner Thaie, der sah den »Sallesenwald neunmal 
Meier werden'', d. i. absterben und wieder aufgrünen. 

2. 

Der Wechselbalg. 

[In einem Dorfe Vorarlbergs hatte eines heißen Naehmittags 

eine Mutter sehr viel Feldarbeit zu verrichten. Sie nahm daher 
ihr kleiues Kind mit aufs Feld hinaus und legte es in dessen 
Nähe in einem Bettleiu an einen schattigen Ort und gieng ihrer 
Arbeit nach. Nachdem sie sich geraume Zeit gehörig angeskengt 
hatte und endlich mit der Arbeit fertig geworden war, sah sie 
sich nach ihrem Kinde um. Doch wie erschrak die arme Mat- 
ter, als sie für ihr eigenes schönes Kind ein fremdes in dem 
Betüein erblickte, mit langem spindelförmigem Leibe und unver- 
hältnismäßig großem, dickem Kopfe! Wenn auch ungern, trug 
sie dennoch dieses hässliche Kind mit nach Hause und ernährte 
es wie ihr eigenes sieben Jahre hindurch. Da aber dieses Wesen 
während dieser langen Zeit sonderbarer Weise gar keinen Laut 
von sich gab, so befremdete dies die gute Frau, und sie erzählte 
daher den ganzen Sachverhalt dem Herrn Pfarrer. Dieser rieth 
ihr, möglichst viele Eierschalen, so viele sie im Hause nur auf- 
treiben könnte, vor das Kind auf den Herd zu legen, wenn es 
schliefe. Sobald es dann erwache und beim Gewahrwerden dieser 
Eierschalen in laute Verwunderung darüber ausbreche, solle sie 
eilends aus dem Verstecke, iu den sie sich zur Beobachtung des 



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Fenken. 



45 



Eiades begeben, hinzulaufen und dasselbe mit einer Buthe züch- 
tigen ; auf diese Weise könnte sie wieder zn ihrem eigenen Einde 
kommen. Die Fian befolgte den Bath des Hm. Pfarrers, legte 
eine große Menge Eierschalen vor das auf dem Herde schlafende 
Kind imd veibarg sich dann in einer Ecke der Küche. Wie nun 
das sonderbare Geschöpf rrwnchte und die vielen Eierschalen er- 
blickte, rief es voll Staunen aus: 

,r biu so alt a's Bühlerwald. Xüumäl ghackt und wider 
Wald; aber so vil «Hifele*, ,Häfele" hon i' iaz noch nia gseh". 
— Wie das Kind dies sagte, rannte die Frau herbei und züch- 
tigte es tüchtig mit der Ruthe. Da erschien pldtzlich ein altes 
Weib mit dem indessen bedeutend herangewachsenen Einde der 
Frau in der Eflche und jammerte: «Sieben Jahre schon pflegte 
ich dein Eind und that ihm nie etwas zuleide, und du schlägst 
mein Kind so unbarmherzig I** Darauf entfernte sich die Alte 
mit ihrem garstigen Kinde und ließ das mitgebrachte wieder 
semer Mutter zurück.]^) 

3. 

Die Fenken und die Kinder. 

a) Ein Büeble und ein Mädchen, die, um Krdbeereu zu 
pflücken , auscre^rangen uaren . verirrten im Kilknenvald. Es 
fiel die Nacht ein. und die zwei armen Tröpfe wnssten nun t^ar 
nicht, wo aus und wo an. Plötzlich schimmerte ihnen ein Licht 
entgegen, und sie liefen eilends über Stock und Stein auf das- 
selbe zu und kamen in die Hütte der Waldfenkin. Sie klagten 
der wilden Frau, dass sie sich beim Erdheerenpflücken im Walde 
verirrt hätten und in äet dunkeln Nacht weder Steg noch Weg 
heim zur Mutter wüssten. Die Waldfenkin, die aufmerksam 
zugehorcht hatte, erfasste die beiden Kleinen und sperrte sie in 
die Heuueukrippe. lieber einer Weile kam der wilde Mann, 
der Gemahl der Wald lenk in, in die Hütte und schnupperte aus 
weit geöll'ueten ^Nasenlöchern, sein unförmliches breites Gesicht 



I) Mttgeth«ilt von Horra Professor Chr. Haas er. 



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46 



Fdokea. 



gegen die Hennenkrippe gewendet: schmeck, f schmeck 
Menschenfleiseh'', grinste er. ,Du Narr", entgegnete die Wald- 

fenkin, »du schmecket nu' Hennadreck''. Der wilde Mann gab 
sich des zufrieden und trottete brnmmend aus der Hütte. Darauf 
t^tliiete die WaidAmkin dir Heuneukrippe, ließ die Kinder aus und 
führte sie zum Walde hinaus bis auf den Weg, der sie schnur- 
stracks hehn zur Mutter führte. (Mündlich. Oaschurn.) 

b) Bä sind am&l a Bfleble und a Meiggele im a Wald bim 
Erdbdma an ara Fenki Terkd, und d* Fenki ^talit ^ schwätzt 
frundle mit'na nnd TeizöUet sie, dass sie mit*ra gdnd Ts Fenka- 
Hüs; dert sie aber die arma TrOpfle in Schwi^tall und 

wiU sie mäi^ta und mit der Zit metzga, brata-n- und essa. 'S 
dürt. a Wil, und d' Fenki will luega, ob d' Kind afaha libig 
gnue seien. I der Thür zem Schwi^tall i|t an A§tloch gsi, und 
dä rüeft sie derdur' ihi: „Büeble, gang, heb amäl di Zägfin- 
gerle ussa dä dur' das Löchle, i' gib der a Kromle", und derwfl 
9t&ht sie mit dem offiia Messer unter der Schdß acho grfiftt^ i 
d's Fingerle zliaua. *S Bfleble — en Allafanz gst — hlkt 
en Schwizfh uf *em Beda funda ghett, und dft ^teckt's zum 
Löeble ussi: «Se, Fenki, dä w6r mi ZAgerle*". D* FenM 
merkt's net, dass 's en Z^h i§t, nümt d's Messer füra und will 
Speck und Fliisch ab'm Fingerle probiera; aber, lieber Gott! ab 
dem Fingerle sind halt lützel Lempa z'schnida gsi. .,'S i?t 
noch lüter Be**, jömeret sie, „dä mag's Mä;9ta noch lida". 'S 
Büeble zücbt sin b§nema Zager z'ruck, und d' Fenki facht uf a 
nens | faetera und hebt de Kinda noch m§h zue a's früiher. 
Jetzt amäl vergisst sie, bim Fnetera d* Thür z' bsehl^a, und 
g&ht drfif fürt a Wü dem Wald zue; *s Bfleble merkt's, dmckt 
*8 FflUele, macht off: «Knmm wSdle, Schwö^terle, mer springen 
hem«. Frönd und übikannt sind sie gsi, und Ah gond si', dia 
zwa arma Kind balba z' töd i dem Wald, und zem Uglück kond 
sie dua noch zem a brata, tüfa Bach, wo sie net Obere künd; 
ka ma si' denka, wia sie jetz dri sind: var 'ua sahen sie weder 
wit noch nach a Brugg oder en St^g und hinder 'na hond sie 
d* Fenki z* fafara. Aber uf dmal sind 'na d' Schutzengele z' 
Hilf kd und hond a jetwMers saigsam dber de Bach trAga. 



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47 



Grad sind sie öberdert gst, se kuimt henna d' Fenki gloffa, aber 
dm* de Bach 2* watta tnuit sie si* halt net Sie will's noch 
liftig fgi^ und rfleft de Einda frAndle zne: ,Ja nf der ganza 
lieba Wdt, sSgen mer, ihr Hersklferle, nia sind fhi dhne W^g 
und Steg öber das wild Wasser ka?" *S Bfleble, albis noch der 
alt Phantast, rüeft: ,Ja, mi gueti Fenki, mir liond is a iirett 
ufs Födele gnaglet und sind euaweg hergfschwumma*, D' Fenki 
i?t so nän-sch und globt, was ara 's Bueble fürgft. und naglet 
sl' richtig a Brett ufs Hinterquartier und setzt si' dermit uÜB 
Wasser und ment, sie kunn mit dem Agricht öbere schwimma; 
aber der Wildbach itßt sie &hi derdor*, wia sie di' zahlet nnd 
weichet, und Schlacht sie im rOha Binnsal halt mi^terle nm. 

Bfteble am Part lacht derbei, dass es de Büch heba mueß, 
irad nflmt dna sf Schwö^terle an Arm, gäbt guets Mneths sfs 
W^gß witer und kuiiiit uiii sammt dem Schwö^terle glückle hem 
zem Ätti. (MOndlicb. Tscbagguns.) 

4. 

Selbst thnn, selbst haben. 

(Müudlich. Ga&uburu.) 

An M| ist am&l z* Wald gganga, ga MüsLa fpalta. Wia 
er i der be^ta-n- Arbet i^t, kennt a Fenki zue-n-em ond hocket 
n^bet en of da Beda ond ficht ^ met em z* schwfttza ond en 
öber allerlei üsz'fräga. Der Holzma git z' er^t ädili' of alls 

Ked ond Antwurt. Aber d' Fenki hat a gruseligs Mond§tuck 
ghett ond sövol gschwätzt ond gfraget, dass dem Ma das 
Gschnäder erUdet ond d' Geduld afäha-n- osganga-n- ist; er 
s^t drom 6' ke Wahrchet meh, ond wia sie wissa will, wia er 
hftßi, s§t er, sin Nama sei Selb, ond ghäßa hät er Hannes. Die 
nftnsch Fenki globt's ofs Wfirt ond lu^terlet etschas anderem 
n&'. left $t%t aber dem gaeta Hannes der Bdth i *8 Gsicht 
Tor Zfiia^ ond er schndrzt: «Eoga an Uda, da klhmte^t d^cht 
dl Mül aföha verschoppa". D' Fenki aber git nüt om üw^rt 
ond wonderet witer ond bringt iiäüa-n- im Ifer d' Hand i dia 
äpalta, dia der Hannes met der Äxt ond met dem Wegga i d' 



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48 



Fenkm. 



MUBla hät gmahat ghett. I>er Haimes gwihrjiet'a ond ropft 
w&dH^ Äit ond Wegga-n- osser ond fprengt dar?o. D* Spatta 
sdineUt z^ma ond klemmt d* Hand der Fenki t, dass ara 
*s Blnet onter de NSgel schößt ond sie Oberlüt rdrapn* fLföebt. 

Of ihr (ischrei komit an Fenk os 'em Wald zue 'ra gloflfa, sacht 
sie zabla oud fraget, wer ara das thö hei. D' Feiiki set: ,0 
Selb tho«. Drof lacht der Fenk ond set: „SMb thö, selb ho^ 
ond gakt weder dem Wald zue ond lat d' Fenki a der Müsla 
zabla. 

In der \ orij^a n und in dieser Sage unterliegt der Peak dem 
Menseben. Auch der Ki(se vermag trotz seiner gewaltigen 
Kraft nnd Unbändigkeit nichts gegen den Menschen, nnd dieser 
geht aus allen Kämpfen mit den Biesen als Sieger hervor. Der 
auf das GefQhl ihrer sinnlichen Gewalt und Kraft trotzenden 
Kiesennatur ge^^enflber steht dem Mensehen die Gewalt und 
Kraft der Götter und die Schlauhtii und Weisheit der Zwerge 
zur Seite. 

5. 

Ber Pflege Lohn. 

(BfOndUcb. TsehaCTans.) 

As hat amal a Magd im a Kara-n- acker j^j 'itat. \mä wia 
sie so den Usat zwüsche da grüeua 8tirte fisrißt. könnt a glärö- 
giinti. dickbuchige Krotta zua-n-ara hergwadlat. D' Jätari grüsat 
si' ab dem läda Thier ond ftupffc's fürt ond sdt: «Gang, ich 
will der ga pflega kd, wenn d* Ts Bett kunn§t*, und drof ift 
d' Krotta dor' 'an Acker witer ghopft. A Wucha, zw& demä* 
könnt denn an Fenk zor Magd i's Hils ond set: «Gelt, dawärt 
noch, was kürzli' im Kära-n- acker zou-ara Krotta gset hä§t: 
Gang, ich will der ga pflega kö, wenn d' i's Bett kunnst; da 
mue^t wissa, diaselb Krotta i^t mi Wibli gsi. ond jetz brücht's 
grad a Pflegari, es i^t i's Bett kö, ond der Sanikläs^) hkt em a 



*) In der Ausgabe von 1858 folgt hier die Anmerkung: »SaodtüSs, d. i. 
St. NicoUoB, der an vielen Orten Voraill>erg8 boehverelurte Biselief von Myra. 



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Fenken. 



49 



Büeble bracht*. So 9%t der Fenk zor Magd, r!ßt sie bim 
T8ch6pa-ii- ärinel, schUpft sie zVeg, ond sie mueß bigotts met. 



[Er nU drai TCditer «ines innen BAigwrs ansgeBtwMtt luibeti; dfther.sairfc nm von 
lidxatefiUiigen MAdcben: >Si6 k«niiflii den SaniUts«.] Während in andern deutschen 
Oe^nden der Storeh die nengebonien Kinder zum Kamine des Hanses hineinreicht, 
bringt sie in Vorarlberg: der heil. Nicolans aus dem Paradiese, daher die Redens* 
arten : der Kläsistkö, es ist mn Kind zur Welt g-ekommen, dem KI°"a beta, 
schwanger gehen. St. Nicolaos ist es auch, der statt des heiligen Wciluiachts- 
kindleias die Christgaben beschert, daher die besonders im obern Walserthale so 
gebräuchliche Redensart: de Chlasa störa. Zum richtigen VerstAuduiwe dieses 
oberwal&erischen „Chlasa atön" Folgendes: Der Familienvater geht nach der n&chst 
selegenni Stadt Bodem «nf den % Nicolai- oder boD. AbenAnailt (fi. Deeemlier) 
ond »at5rtc, d. L WMi den htSL Bifdiof, der wa dlesev Zelt jaSk Oeeehenkeii aller 
irt auf einen Eael oder Soeee terade ana dem Faiadieae fokonanen let, adne Kfan 
der nkbt n TarKOseen. IHese bet«n n ihm roll kindUdier Erwartont durch etüche 
Woehea jeden Abend Soaenkilnie und beceichnea deren AnzaU mit Eioachnitten in 
«in BrettdMQ (KerUiob). Au Yoiabende dea St lOcolaltagea min weiden TOn den 
Kindern für die öbemächtige BeschernDg SchOsseln, zu welchen sie jenes maildierlie 
Holz leg«D, [mit einem ceeduriebenen Tetadien} auf den üaeh geetettt. [Daa 
Tflnchen lantet: 

Heiliger sanct Nicolaus, 
Komm i mis Yaters Uaus, 
Leg mir sdiöne Sachen ein 
In möiu kleios ScbQsselein ; 

Ich will nicht viel begehr' u, ^ 
Senat kSnot aanefe Nieotana nmriBig wer^] 
fttr daa Pferd abor oder den Esel dea »kostreieban« (d. i. nd Ettbarea mit deb 
lUirenden) llaaiiea atattt man efai BQndel Heu niid emen EinMr toU Waaaer m de 
BanaUillr, md dann verden am frtbeeton Morgen ^ Gaben an Aeplaln, Birnen, Nda 
len, Ba^^erken ele. mit nnbeaebrelbliober Freude in Enqpfanf fenommen. — > Unvw- 
keonbar iat Uer der aüigennaniwbe Wnotan^Cuttna anf dea duteUiehen BItdkof 
flbertragen. Wie nach der hentigen kindlichen Anschauung im Walserthale alle 
Jabre beim Beginne der Zwölften oin Bischof mit Mitra, Kreuz nud Tunica hoch za 
Boss nnd mit Geschenken aller Art ans dem Paradiese kommt, so fuhr nach dem 
Glauhon unscrtT Väter Wuotan oder nipdf>rdm]tseh Wodan idnäagig, mit breitkrämpigem 
Hute nnd wpit<'m Mnntpl (wodurch Sormo, Wnlki-n und Himmelsgewölbe symbolisiert. 
wnrdf>n) als Gebor alles Guten und Wünschenswerten nach der Wintersonnenwende 
auf einem achtfftßigcn Kosse einher. — Wenn mau in Sulzberg znr Zeit des 
Micolaitages iu der Frühe den Nebol aufsteigen sieht, so sagt mau den Kindern: 
>Btt Iat dw Baocb, den St Nicolans beim Backen der Zelten ond Kloße macbt«. 
— bi rraatans enlblt man den Xindem, all die Tersehiedenen Figuren, die anf 
Dt, F. J. Toutnm, Sagen Toiarlberga. 4 



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^0 



F«Dkaii. 



Dor' .grusfelige TaWer und Wälder füehrt sie der Fenk bis zon ara 
grdßa E^iUi, and das i$t d's If'enke Hüs gsi. Magdseliickt 
dii, iädit I plldga ond pfl^^ a pfir Wucha, hät 'b derbd wttera net 
sehlklit, hät esaa und trbka viarnra Gröfi. Wia d* Ffl^ta . 
om i?t, git aia d* PeoH « pSr Sdbla i d' Sdidfi: „Se, dä hä^t 
6' eischas flVr d's Pfl^iga«. D' Magd'denkt: ,Nu Köhla hätt ich 
diiheiuat 6*", \ arl)ißt aber de Zära ond gäbt met de KöMa i der 
Schöli witer. Wia sir a Slückle vom l- mkahüs gsT i^t. luaerat aie 
z'rock, ob ara d" Feiiki net etscha nächlua^. ond wia sie niamat 
s^cht, würft sie d' Köhla gäflawis fiirt; aber d' Fenki gügglat hemli' 
W a LdchU ussi, kiagat axa zne ond raeft: ,Wia zneh a's da 



iita. Mm dili vadtndMi, bäbe der EM das htfll. XiMlaaB aifr dm Bafatom iin- 

getreten. — In Balzers (im benachbarten Vftxitootiimne IteoUenstein) pfi«fea di« 
Kinder in die ScbQssel, die sie in AnhofTunf? einer flbcrnftchtigeQ BeschearoiC dm 
St. Nkolans in der Christnaeht anfateUen, auch ein StOcklein Geld zu logen«. — 
In den Beitragon, S. 17 f. heißt es: »Wie hoch St. Nicolaus Oberhaupt m der 
Andacht dos Volkes steht, bezeugen die viflf^n Kirchen, die ilmi in Vorarlberg und 
Liechtenstein geweiht sind. Ich zahle in Vuriail»erg allein z w ö 1 1 dorn heü. Bisohof 
von Myra geweihte Kirchen [in F e 1 d k i r c h (Stadtpfarre), Altach, Laterns, 
Wolfurt, Fußacb, Egg, Damals, Kaggäl, Braz, Lech, Silberthal, 
OortipohlJ. Wamm nmattli^ä m;h firai im Kloatavfiial« den Imü* Niootons 
zum Klfchftii^Ktnm dch «riwxen, mHdl alM 8»9ßi St war vor Ungan Jahvan, 
Brat war noch kein atattlidm Dorf, «a atond nur «lafe «ine kleine bescheidene 
HHanaenrappe. Da adnroU einanl bei ainm Ungeniftter ein Bach fOieUedieh an, 
ziaa booh oban im^Qebiiva aina famlUfa »fifllb« loa, die lefbbzdroheod a«f die 
nntan gdageiM Bmar BtamanP" laaatAista, Bin bOaviUigar Mann liaf tptef 
8chadenAx>hem, teoflisdimi O^lffhtnr dem tosenden, ofengroße SteinblOcko mit sich 
reißenden Wüdbache an: »Lass nu^ wacker laufen«. Da scholl ihm aber aus der 
ROfl die Stimme entfepen : »Der Saniklas hebt«. Dieser Kurückhaltenden und hem- 
menden Kruft des heiligen Mannes hatten es dann auch die Häuser zu verdaukea, 
dass sie nicht ganz (iber^chottut wurden. A]'^, ilnnn im Laufe der Zeit das ver- 
giOOertti Braz sicsh eine Kirche gebaut hatte, wuiiiiü es, eingedenk der wundersamen 
Kraft des heil. Nicolau&, denselben zum Kirch^upatrun und stellte sein Büdui^ zier- 
lich gemalt am Hochaltar auf. In dieser Sage eraebeint also Nicolaus rOfi- und 
mOanbeaftnftigend. Andh Odin ttbt nlcbt nnr die Haindinit Aber dan Wbid ana, 
lendani aiaehaint n^aiah ala Maeigoiafc und Waaaerbowilttier ond f&hit deabalb 
naeh Snoni den Behamen Nikerr oder Hnikerrc. <T0. Grimm I, 457.) 
(Man TOfgleicbe bimit die Sege » l a benl ria Mi -Joa« in Joaaf Orabberra »Danlls, 
Bin! und lebtt« im 86. JebfeaMcbt dae « . . Ileaean-Teseiaa in Bngem • « • 
1887, 8. 44 f.] 



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FMkpn. 



mdtari^t, om eo minder Ukft*. Of l>liftlt.d' JCigd iui^l 
M «EdUa i .dcr SchM ond trtfgtiißAitetape. iWia«e dahlpiaat 

dber d^s SOMerli offigaht, meiftrl aie nifia etsohas klkgla, <nid 

wia sie i d' Schoß iliiluagat, sind för d' XOliia iirei rötlii Gold- 
kiümpü (in; dä gaht sie frili' wadl^' wMer z' rock, die ?ei- 
¥iu±ia EM& außcha, finlt ftber, li^^er iGtt^l tklue .jn^gh. 

Das klingt .ganz nach einer Zwergsage. Auch die Zwerefe 
hedürl'en des Rathes und Beistandes der Menschen; sie Ii Itii 
Ilame^tLic)l Frauen imd Jiebmm^ um keil^Aeji 'Aw&fgumw. 
Hilfe. ZQ .gewfthren. 

6. 

^er gjate E^t h. 

^fflvdlicb. Partennen.) 

As hkt tmiX >a Wib im Partenna Bebet dem Braßle gmäht, 
und da Jcnnnt vo 6a8<di]iia a Seoki und Mg»i: «Haut 
d' SAgoß-^* ^8 Wtb .flü: ,1* l$2s üBiikl», dar il?Bclili9a vffl 
nAia net haBa*. üf du .sdt d* mMi»: ^Um .a Badia 

SpM imd a pär JBkr wSi der .an Biih ge, nnd mm d* am 

folgeft, se der guet^töh, d' Sägeß haut wia Güt*. Bas 
närrsch Wib gäbt und holt a, Bacha Speck und a pär Eier und 
bringt sie der Fenki, und dia ruckt uasa mit dem gueta Käth 
mid set: „Dengla-n- amal, wetz araäl, denuV würd's schmda", 
und ifringt mit Speek uibd Eier dervo. 'S Wib keget ara fäiig- 
tdb n^ and aaera a^: .Jiaa bfiM isk aoa gvrissfe*.. 

•7. 

Fenken in Aer Hen^lieii Bienate« 

(Mftndlicli.) 

a) Zum liaiisLa^per in Maisäß kunnt amäl am en Abed a 
Fenki, d' Jocliiunipla vom Samangerb erg. und bittet und 
bettlet, er möcht sie a's Magd in Dienst neb, wil aie dahem 
nümma bliba künn w^ga Kib und Ufrida lait dem M|b. A Piracht- 
iqaii0c)L 8^*a gsi dia Jo<}|iniB^la, hiaag <iib?r .und <U»«r am 

4 



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'52 



F«BkeD. 



ganzs Lib, aber glideiig und ftark wia en BSsa. Der Hana- 
'ca^per fteUt sie f a's Magd, und drei J&hi hkt sie bd em 
dlanet nhd zwAr trea und redli*, was ma ka säga. WiQig 
vmd bereit tmd aller BthraHiHirbet kttndig sei sie gsi z* Tmtz 

a jedbici i der Giii§. Na' drei Jähra i?'s amal z' Nacht zum 
Fenster bim Hansca^per ga klocka-n- und ga rtlefe ko: ^D' 
Jochrumpia söU hemkö, der Mugga§tutz sei tdd*, und uf 
das gaht d' Jochrumpla us 'em Dienst und springt wider dem 
Samangerberg zue. — Und amäl i^t 6^ a Feoki im Marliniscbe 
Htls Jähr und Tag lang Magd gsi, bis es am&l am en Abed 
ga Idocka-n- und ga rfiefit kd ift, d' Jocfaringgla sOU h&nkd, 
Mugga^utE sei tdd; drüf 19t d' Magd fort und nümma kd. 
(St. Gallenkiich.) 

b) Amäl i^t 6' a FenM im a Bürahös Magd gsi, und da 
gaht der Bür met a pfir Knecht in Waid ga holza, und wia sie 
i der be?ta-n- Arbet smd, könnt an Fenk zue na und sei: ,0 
Ma, sägen ihr üolzm|b, der Mugga^tutz soll kd, Urbans sei tdd". 
Wia d' Helzmänner bemkond, so verzellen sie bim Essa, was sie 
im Wald vemO beien. D' Magd sitst met am Tiscli nnd loset 
und ficht drof | lacba nnd fpr^ngt of und dervö, und wMer 
Stdb noch Flidcb ift T9 der Fenki m$h a* saha gst. ^schaggons.) 

c) Im Garndra-Thal ist das I'enka^Tobel mit gerftumigen 
Höhlen, den ehemaligen Behausungen der Fenken. Unter diesem 
Tobel, im Weiler Trantraues, war einmal eine Fcukm Magd, 
ein ÜeiJjiges, geschicktes Mädchen. Ihr Dienst i^clicr, der aus dem 
Gam§ra-Thal gekommen war, sagte zu ihr beim Mittagessen: 
„Der Hansel lät di' grüeiia; d' Stutzel sei g?tärba**. Auf das 
lief die Magd fort nnd ließ sieb nicht mehr sehen. (Gaschnm.) 

d) Amil bim a Würt z* Briz a Butschi-Fenka-Meiggi 
Jdlur nnd Tag lang Magd g^, mit brdna, krüsa H&ra und ama 
Gsichtli wia Mileh und Bluet. Musig und Tanz sei n^bet der 
Arbet si Pr6d gsi, und um de Maibom vor 'em Hös hei's denn 
doch ebbanamäl tanzet, ma hei em gern nahigluoget, und kene 
im Darf hätt em's agho. Jetzt amal IvTlirt üsagfahr im s^lla 
Würtshüs en Fuehrma zue, Ut a Sciiuppli kö und verzellt, er 
kämme fs Gangs üb 'em Tirol, und uf der Köhl vom Arlaberg 



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F^okni. 58 

hei er yo irttem ghört rüefa: »Jochfährer, o Jochfahrer, B&g, 
ircmi de ga Br^ kmuiit, d* Bohrinda sAU hdmkd, üihans sei 
g^ttofoa". D'8 W&riB Magd ladht und sK;: «Ja, iriaru-i* merk, 
gäht das mi* f und lauft drüf ttf und daT^ dem Arlaberg zne 

und i$t nia m§h kd. (Braz.) 

e) A Feuka-Männtschi hat si' amal of ara-n- Alp im a 
Sommer atrega, d' Küeh z' büeta und zwar ohne Ko?t und Loh. 
I)' Gm§nder hond früe a Fröd ghett mit ama so wulfliga H^rta 
lind hond's flingat; 's Männtscbi i^t ig§tanda und hkf 6' guet 
•|gl|^ und 81 Hab flißig und ädili' ghtletet, und 's Yech i$t derbei 
Hbig gat und hät wacker Milk ggd. Aber nißas bsundari Fi^te 
hät das H^schi dicht ghett: es ift nia i d* Dielga kd, bät *8 
Y^h nia wtter a^s bis an Stdfel zum gW)ßa, gmäata Krox tr$ba 
und ift denn wädli' dem Wald zue, am Märgat aber hkt's sch^ 
wdder bim er^ta Dimmara ufs Uslä gwärtat. Lgführ um Mich§li 
om hkt em dua d' Senui a roths Schlüttli gmahat ond em's 
ober da St&fel of ana St^platta glet, und wia 's Männtscbi das 
rdth Schlüttli sacht, so facht's OberlÜt a z' lacba, schläft i dä 
neoa Stftt, draht si' im KrAs om of 'em Stf ond rfleft: 

«A 80 an Bchdua« wScba M(k, 
Nömma hüeta ka*, 

sprängt of ond darvo, ond weder Stob noch iiöch i§t vom seUa 
Männtscbi m§h z' B$ha gsi. (Tschaggims.) 

Zu a) Der Samaugerberg ist nicht nur als Wohnsitz der 
Fenken, sondern auch als berüchtigter Hexenplatz bekannt. (8iehe 
Vni, 5.) Die Kraft der Jochrumpia wird von der Sage geradezu 
als «riesig*' bezeichnet; das Wesen einer Biesin spricht übrigens 
schon aus ihrem Namen. 

Zu d) Die bildschöne, braunlockige Bohxinda mit ihrer 
Fertigkeit in Arbeit und Tanz ist eine Elbin. Dieselbe Sage 
erzählt man auch in Luzein im Prätigäu ; daselbst war aber das 
Waldfenkenmädchen, das als Magd dieiiie, von riesiger Kraft. 
Als ihr Dienstgeber, aus dem Berge zurückgekehrt, beim Abend- 
brot berichtete, eine Stimme habe ihm zugerufen: „Jochträger, 
Bag der Bohrinden, äiki-öäki sei tdd ut Eurgerhom". Da warf 



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diB FeiiEiil* iMMnd' dm EdiM weg, jlEH&iiicrte, üir Yafter sei gi^- 
8torbeiH< «iid vMwIliNüdi Inf dM Wegi teQebüig «hlMdin«» 

Iffinn« dDflfl^ M> &af BM» g«l>Mtt lllileiK mit eltteoii SM 

in den Abgrund. (Beiträge z. d. Myth,^ S. 48.) 

Zu d) Das fremdle BirtenmSnnleifli treibt seine Herde nur 
biä zum großen, ifr-rnalton Kreuze; beim Kreuze, dorn Sriö- 
bole des Cbtistenthums, bat Macht imd Hi^Iickkeit hMduisehet 
i^toitte Ufa ^ AMto^ 

8. 

Vor langen Jahren haben im Klostertbale die Butachi-- 
fenken gehaiiset; das wären ^rotbhftßigö* Heine, Weine Leutchen; 
Itäimleili und Weiblean, de hattei^ 9ir^ Wobniuig^ in HdhlfiH, 
dSai sog^nftiüiM Batsi^ifkilEeh-LddiMill', Und^ ^ tSfeicli« Httd 
Bbike und adl iltf SfiehiAageflteluMr ime^i tofaiBfSicIl liiis iKfrnMl^ 
stein gelianen. Einfi^ BMipMedft)*liimDfli(|< MÜm diese Leute im 
Rutschifenka-Loch über dem Dorfe Braz, einer heute noch vorhan- 
deilen geräumifiren Felsenhöhle mit weitem buschumwachsenem 
Eingange. Aus derselben sticgön sie bisweilen auch auf die 
Oberwelt an das liebe Somienücbt und hängten blütenweiße 
Wäsche mvf\ Trockäen äils, oder sie kamen zur Zeit der Heu» 
erUlie auf Widfran und Salden ütld' halfed den BiiäiaA mtiteü 
nnif ifeclkn, imd die' Arbdif giedg* ihiM tm Sf^msA flink 
Aüdenv und' wenn sie aücÜ' deh' ganzen liebeln Ifag nnverdross^ 
gearbeitet hatten, wollten sie abends doeh nie einen 1*aglo1in 
annehmen. Von Zeit zu Zeit unteniahTnen auch diese kleinen 
rothbäßigen Leute Ziige durch den Flechsen auf den Tannberg 
und Uber dien Arlberg nach feol. Seit' ungei^hr Vier Menschen- 
altem gibt es kdne KutschifenJcen mehr. 



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Ftekm. 



5^ 



9. 

B^r bestrafte Ffirwitz. 

(MOndlkh. Bims.) 

A Burameiggi ift amal bim a Rutschifenkawible Pfl^gere 
gsi, und da hat denn d's Männdle vo d^r Kindbettere en Gang 
Tif d* Oberwelt maha gho, und vor*s uf da Weg i?t, s§fs 
zum Büraraciggi; „Unterstand di* net und gang mar in KUeh- 
9tall, derwil T fürt bi", und da« set dröber : .Näbüeib«. Sobald 
aber d*8 MSnndle igt fürt gaf, so i$t em dier Wunderwit» kd; und 
es i^t ggang» und hät d* Stiditlktlr hdMB offthue und in Stall 
l^^gügglet, und dä hkVfi denn a Häb vom 8ch((ii9ta Vlh gsaAia, 
alle Stückle vom klina Kälble bis zer Schellkueh so schö Mbig, 
dass ma ke Bele hätt grffa könna. Es lueget und Incget, aber 
uf ömal sachtes zwüscha da Küeh en Menscb (ibuii la a der 
Ma^tig ?tah, und kridawiß vor Schricka schlacht's d StaUthür 
wider zue und springt dftvö. Am Abed' kuaati df» Rutschifenka- 
Männdle wfder h%m und gabt in Stall, ga d' Kteb melka, d* 
Ktleh band aber idtbe Milk gg§, und dä dttA bät*B gmerkt; dasa 
d^ Pfli&gere im Stall i^t g^, und bät sie dtes^ll Nacbt necb 
fbrtgjagt. 

Tisdto, BM» ttMl Kflobingefftlii«' den UntRnlriftnkwi wnm« 
ans MaimelBtein. Bocbbols» Frofeesor in Aaran, der kmidiglte 
Piltfindur ib* dem ürwaide- d^ Vorzeiti wciil in den voA. ibm 

börausgegebcnen Jahresschrift ^Argovia** (V. Band. 1886. Aarau) 
nach, wie in den Zwergsagen überall einer im Verschwinden, im. 
Zu nick weichen vor gTöÜem und culturüberlegeneu Siedlern be- 
griltenen Kaee gedacht wird, welofae sich, statt metalleoMH' nur 
steibetnen Oerdtbes bedientf von schmächtigem Gliedbaui nid. 
BtHäm^ Weaaü und' bebaaiter (ImAiiwiiiiiiiiiiffli TTiiUfhiliiii iln- 
Ulf ä0» Ekd» & LMmh und HfOhlm, Aia mä* kui Wasaer 
wMIMi immeb ibte Mldtiihan M ijannhüwl zn dnil Tanae^ 
d^ M^kiBclieli Uttttt dm« I^KlIinde aMflem. ( VgL otar dib Bl^ 
tschifeukin iiuhnnda.) 



üigiiiz 



56 



Fenkan. 



10. 

Die Bergmlniileln Tom Henberg Im kleinen 

Walsertiiale. 

(L. Steab, Brd Sommer, S. 81 f.) 

Von dfin Beigmännlem schemt seiner Zeit auch im Walser* 
thale viel Bede gewesen zu sein. Sie kamen ehedem zur Fast» 
nacht, wo niemand Instiger war als sie, mit ihren ansehnUcheti 
Weibern vom Henberg henmter ins Öffentliche Tanzhaus, tum- 

iiielteü sich bis Sounenuutergang muthig heniiii und zogen abends 
mit Troramel und Pfeifen wieder auf den Oänstclberg, wo sie 
jäblin^s unsichtbar wurden. Sie waren Heiden, hatten ihre 
Wohnung in Höhlen und lebten von Wurzeln. Ihr Alter stieg 
wie das vieler andrer fSinwohner weit Aber hundert Jahre. 

11. 

Die wilden ]?>aueu auf dem Tannberg. 

[üf 'am (Jhilchaplatz am Läch, wämma vom Freitliof übara 
Isagätter ussachond z' rächtar Hand, wo iaz gega da Pfarrhof 
hi an Balisatazu vo der Freithofmüra bis uf d's Egg ommi gaid, 
i$t vor alta Zita-n-a Tanzhluba g^tanda. Da hdnd di jonga Lüt 
am Sonntig Nommittag n&h der Vä^bar tanzat bis am Abat, was 
gifd, was hefd. 

Wia d* Tanzlftdba noch g9tanda-n-ift ond d* Buaba-n- ond 
Maika midnand tanzet händ: Walzer, „us der Hand* ond Appi- 
tüHer — vom Polgger hed dört ka Männsch nüd gwissa: g&d 
80 wenig a's vom frönda Haß — da send dii bim schona AV' al- 
ter Sommer? Zita vo da Flüer Scbröfa-n-aba, cherzagrad aha, 
prächtigi, wunderschöni Wibsbilder chö ond band §i' uf der Tanz- 
länba-n-uf da Hoha nidergsetzt ond händ dem Tanza zuegluagat 
wia ander Lüt ftu\ Ond ma hätt mfiga gl4nba, es wör 'na fsujfi 
ftn*' as bitdi i d' FfleO ch^, wän d' SplUöt rieht luftig Ofi|rmaebat 
ond d' Bnaba-n-am&l rieht didedat ond g^tampfot ond mit 
heda Hinda nf da Lidarhosa titsehat bind. 



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F«nken. 



57 



Si häud aber niamada äbbas Liabs oder dbbas Laids thö, 
ond ena hed äu' niamad äbbas tbo ; ma hed §a grad aso agluagat, 
wia 9' wißa oud zdrta sia. Ond da am Abat, wäa d' Sonna-n- 
ahi ganga-n- i^t, da biinddiwilda Jongfiräua gsaid: „D' Sonna 
gaid z* gsAda, ->iiHaa mflaßa mar vider da Grftda!" Oad d& 
seaäif fartt gritzgrad affi bis ganz onder d' SchiOfai ond dört 
möjf vf eimü wia Terscliwoiida. 

So send dia wflda Jongfrftoa oft ond yflm&l ch6 ond bind 
dem Tiin/a ziiLgluagat. i.imai hed ein vo dä Buaba eini vo deiia 
schüiia Joügfiäua bi der Hand gno ond lied 9a wella zem Taoza 
tlfzia. Vo dört a iss-es üsgse. Am sälla-n- Abad send?' uffi 
gaoga wia frfier, aber cbo send^' uömma, oud ka M^Uuiach bed 
sider wüd Jongfr&na gs^b.]^) 



m. B u t z e. 

ünaer mnndarüicbes Bntz, Flur. Bütz , bedeutet nrepiitaig- 
lieb wie das nbd. bnzo Sehreckgestalt; daher Aekerpntz, 

die Vogelscheucbe im Acker , Fasnacbtbutz, eine scbrcck- 
liche Fascbingsmaske ; „derBntz (oder Butzibeu) kommt", sagt 
man, um die Kmder zu schweigen, noch heute fast in <i-^m. 
Deutschland bis an die £ider hinab. Bützel, Butzele, 
kosend oder veräcbtlicb von kurzen, dicken Kindern, bedeuten 
aber ancb nodas, nodnlus, Knoten oder Knötchen, deigleicben 
anf der Haut entstehen, wenn man ?on einem Hätz ange- 
blasen wnrd. 

In dem Tbale Montayon hört man die Form Boiz, Phir. 

Bötz, was auf daa mhd. bözen, pochen, lärmeii, tülnt. Butz, 



*) Aus H. Saodor, Beiträge xur Geschichte de« rorarlbergischon Gerichtes 
lannherg (Innsbruck, ISS 6) I, 125. — Die Sagü wurde dem Verfasser voa Hörm 
F. J. Oafiner, Redactear das »Inntbnicker Tacblattes«, einem gebfirtifen Tum- 
lierger, mitgetheffit — £ Iwniduul Mer «tnen huAf dfx nrisobia a «nd I steht. 



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5^ 



- — 



Botz bedctitet zuvörderst einen pochenden, klopfenden Geist, gilt 
ab«r in seiner Bittdfom tiMrfaaupt aneh aia allg«iMinslo Be^ 
Tjjmmg aller J«B»r aufleiweniieblie^n Weami, weldie^* dw ToQe 
raxä deikt Aufgfefeleft des QhMibens an GMbt und HaibgMer ale 
eltt' altes Stadt HetdentKina zwiselieii d^ OsVUieil nid' sieb Ini^ 
ateliCRi' llss^. VoBSffltf^ sewü diM Wort* B'tits vM Steift 
griechischen Sai^wv oder genauer mit dem lateinischen genius 
überein. Zunächst ist ntin unter die Bütze m rechnen jene 
ganze Reilie von Wesen, welche sich von den verpfAtt^rt^n und 
ktVlbrröttlichen Naturen hauptsäcMieh darin echeid&t, dass sie, 
während jene ron dto' MeoBchen ausgehen oder menschlicieai 
TTuigaiBig Sttdien; eine gseeuderte GeseUeelMift; mm kitetfto engiMi 
ein eigenes Beidi fOr sieh bilden und- nar äusesä 2nfflffi oder 
Drang der Umstände bewogen werden, mit Menschen zu ver- 
kehren. (Grimm, Myth., S. 408.) 

Also Wichte, Elbe, Zwerge, Feld-, Holz- und \V asserleute, 
Haus-, Berg- und Waldi^t iäter u. s. w.. von denen in andern 
deutschen Gauen soviel Kedens g^ht, belogt das Volk in Vorarl- 
berg mit dem gemeinsamen Namen „Bütz* ; ja selbst der Teufel 
wird in einigen Gegenden des Ländchens mit Anszeifihnnng der 
But« oder Butzomft genannt. Im Grunde genommen wtren 
alsaanch die Fenggen, ButsDhifenggen und Yenediger 
unserer Sage alfr suf dm Bützan gfhMg hier einzureOien. 

Unter ihren gewöhnlichen Tummelplätzen, nach denen sie 
vom Volke auch näher bezeichnet und benannt werd^^ sind 
heiTorzuheben: einsame Häuser und Gemache (Hüsbütz), Tobel. 
(Tobelbütz), Walder (Waldbütz), Sümpfe und Seen (Was- 
s.erbat2>X Burgruinen (Schlossbütz), verfallene Kapellen, hohle 
Baumst&mme u. s. w., und alle diese Orte gelten als nicht 
«kaosdha* (nicht geheuer, unheiiidich). Man seg^ d& hüset 
en^Butz, dA buizet'a^. b&ufig)Br aber, da in unserer auijo^ 
Uftrten Zeit der Glaube an Bftmone rasch zn sehwinden beginnt, 
unbestimmter: dähüse en Butz, dä thü6;is butza. Gar 
oft heißt es auch von den aufgezählten nicht kauöohen Orten: 
da gei^tefs, gleichwohl aber untprschpidet das Volk zwiechen 
Geist und Butz. (Siehe die Sageugruppe: «Geister''.) 



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^ohr ^ele BQtze haben sicli aus der frivolea imd unglStibi- 
g«l& Niederang imd am dem gerftQBchvoUeii Leben und Treiben 
der Mdsobhr BuiMif in di« liifßger Bergft^ibeit dier MaienBBße 
(Voralpen) ifiid' fiocbalpen geflttefatet; mid das- sind die Alpa^ 
blitz, dief den ffirten und Sennerinnen unerschöpflichen Stöff' zu 
Sagen und Märchen bieten. 

Die vornehmsten und gefeiertesten bleiben immerhin der 
Hansbnh und der Alpbutz, von denen allein hier hauptsächlich 
die Bede sein wird. 

üeber Gestalt, Aussehen und l!racht der HaUs- und Alp- 
bfltze iflt die Sage ziemlich schweigsaiu, ed- hat' den Anaeheki, 
als ha^ man sibh nie reeht gettent, diese nnheindlchen Wesen 
seliarf ins^ ilugi» zit fistsseh. Sovid weiß man aber zuTerlSssig, 
dass' etwelehcr derselben dem Meuscheu leiblich nicht gewachsen 
sind, also wie die Zwerge klein erscheinen, daher die Deminutiv-- 
form ihrer Namen: Männdle, Wtbli. Fueterknechtli, 
Hanscü?perli, Klifinj^erhänsli; andere sind langohrig 
oder buckelt, aber sehr schnellfüßig, katzgrau oder kohlschwarz, 
splitternackt oder mit weißem Kopftuch und weißen Handärmehi 
angethan; wieder andere erscheinen in der Gestalt einer Katze, 
eines Strohhalms odev MsuHueA mh vnatehtbar. Der Hausbntz 
zeigt sieh in Hans und Stall, gerne beim Ofen oder am Herde, 
in den Geschäften flink und zuthiHig. Br schaukelt das neu- 
gebome Kind in der Wiege, mit den größem Kindern spielt er 
auf Wies und Feld, fegt uud putzt die Geschirre, füttert, tränkt 
und striegelt das Vieh in sauberster Art. Als getreuer Knecht 
hält er es mit dem Hausherrn, dem er einmal zugethan ist, aus 
in IVeud und Leid nnd folgt ihm beim Weehsel der Wohnung. 
JSs genfigt ihm sa geringem Xrohn, eines gesehenkten gfUnen 
odtt* fotüen Eitfdehens'firettt er sieh ttnb9ii%, dass er ans lanler 
Sieh und Tr^^ dstoidäaft und nicht mehr kommt wie dfe 
Wi^dlenlfehen und Unterirdischen. Oefters aber erscheöit er 
mehr teuflisch und gespenstisch als elbisch ; seine Gutmüthigkeit 
wandelt sich in Neckerei und Schadenfreude, uud er wird zum 
Quälgeist und Plaggeist. An diese feindseligen Hausbütze reihen 
sieh das Std'hawfbli, der SchrättHg, das Doggi und' der 



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60 



BQtse. 



Butzomä — der Teufel. Die Alpbütze hausen iu Deihjen 
entweder einzeln und liiliren dann den Namen der Alpe; so er- 
zählt man vom Y alzifenzerwible, vom Salundibutz 
u. 8. w. nach den Alpen Yalzifenz und Salundi so genannt; 
oder aber sie ziehea in Haufen und Banden in die im Herbst 
verlassenen Alpenhfitten ein, kochen, siedeii und braten, dass 
man den ganzen Winter über den Hütten einen dicken Baucb 
aufqualmen siebt, oder sie machen mit Blashömem, Schw egel- 
pfeifen und wildem Tanzen einen Teufelslärm, wie Jäger, die im 

• 

Winter auf diese Höhen auf Anstand gehen, hoch und theuer 
versichern. Interessant ist die Erklärung, welche die Walser 
über die Abstammung der Alpbütze geben: Als Gottvater 
die gefallenen Engel aus dem Himmel warf, so fielen nicht alle 
in die Hdlle, etwekhe derselben sind auf Beiggr&ten und Alpen 
hftngen geblieben und zu Alpbützen geworden. 

Oefters bricht noch in den Butzsagen eine nahe Verwandt- 
schaft durch zwischen Bützen, Gittern, weißen Frauen und 
Genien, wie bei den einzelnen Erzählungen angeführt werden wird. 

1. 

Bie ftremden Knechtleln. 

a) Ein Bergmämilein wurde einmal vor Jahren zur Som- 
merszeit auf der Bärenweid (im Idemen Walserthal), einer 
hohen Alpenrevier, sichtbar und bot sich dem Hirten als Frei- 
williger zum Yiehhüten au. Dem Hirten war es recht, und das 

Männlein bewies sich so fleißig in seinem Dienste, dass ihm der 
andere eines Tages, nachdem es einen Sommer gedient, üU Lohn 
und Aufmunterung ein grünes Röckchen hinlinte. Das Mäntilem 
zieht das Böckchen an, besieht sich darin ganz wohlgefällig, 
ruft: „Wenn, ich gewusst, dass ich ein solcher Kerl bin, hätt' 
ich nicht so lang gehütet'' — lauft davon und kommt nicht 
wieder. (L. Steub, Drei Sommw, S. 82.) 

b) Auf dem Longa bei Satteins kam auch einmal ein Beig- 
mftnnlein in den Stall und fütterte, trftnkte und striegelte dem 
Eigenthümei desselben das Vieh nach schönster Ait und zwar 



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Baue. 



61 



iagt&glich den ganzen Winter Uber. G^n Frflhling legt der 
Eigentfatbner seinem fremden FntterkneehÜein als Lohn ein 

rothes „Tschöple'* (Jäckchen) hin. Das Longamännlein zieht da» 
Tschople an, schaut ein paarmal stolz über sich ab, ruft: 

,,r hübsch hübsch 
Y bui bui Ma, 
r neos Tschöple 
r fnrl^b, 
r nnmma 

nnd lauft davon und kummt nicht wieder. (Mündlich.) 

c) In Oft Tis hat auch einmal ein kleines, fremdes Mtam^ 
lein einem Baner die Schweine gehtltet. Das Mftnnlein trag ein 
ganz schlechtes, abgenfltstes Tschople, war aber übrigens ein 
Schweinbirt, wie es keinen zweiten mehr gibt. Der Bauer wellte 

sich nun einmal seinem trefflichen Sauhirten erktnntlich zeigen 
und ließ ihm ein neues Tschöple machen. Das Männiein schlieft 
alsogleich in den neuen Staat, ruft: 

„r bib! Bue, 

r nnmma Schwt hfieta thne, 
r göh" 

und lauft davon und kommt nicht wieder. (Mündlich.) 

d) Auf Profatscheng bei Schdn (Liechtenstein) wohnte 
ein wildes Mftnnlein, weLches den Landlenien das Vieh hfltete. 
Da es ganz nackt war, hatten die Leute MiÜeid mit ihm, zumal 
in Winterszeit, und verehrten ihm dn SleM. Aber das MSon* 

lern gab den gutta Leuten zur Antwort: 

„Wildo Mä 

Cbleid net Uda ch&'' 

und lief davon, und niemand hat es seitdem mehr gesehen. 
(MllndHch.) 

e) I der Alp Lagüz i§ gse, me heißt 's uf *em „Dinga- 
büel'S dä i^t a pSr J4hr hinteranand bi der Alpfahrt neißes as 
ivilds Jkl&nnle ehd, und das hend d* Alpldt zem Eüeta dinget 
En vHrdra Hirt fei *8 g8$: Biser tS und &b fei 's gfähra, ma 



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62 



BQtn. 



üäi n^mma luega d&vfa, und dächt ^ei em w as HOptle er£p^]jjk. 
'S Yeh hed^s aber am Abed bis uf de DwgabOel ttnba, 
am Mdrget bed!8 läOrt irtd^r ttf d's Ujsili^ gw&rtet; ip a Deflbja 
hed's.to leiig^t Ztt ned olid weUa, bis 3Ji mü^ dä i^ont^s jn 
a Hütta zer Semd z* H^oi^ert. Senni grad am Senna gs§ 
und hed noch d' Schotta-n- im Chessi gcha. Das wild Männle 
hocket uf der Chuchiplatta, hieget i d's Ohessi ihi und j^d zer 
Senni: ..Wia-ii-i' merch, se he^t das Be?t noch im Chessi''. 
D' Semu aber lachet und j^d: „Du bi§t dächt as närrsches 
Männle, i' ha ja nu' Schotta meh dre und gid ma ön?er Lebtig 
nu' de Schwina''. Das wild Männle lad §V 's aber ned nSh und 
will der 8emii hcimli* verzdla, via ma d' fidiatta a gaet Theil 
1l»e880r z^ nntza z&ha, jä, iria ma g&r gnets 6kAl drfia fluda 
eh0BB; aber wia will d's Ifül dfthue und tenoka 'Bit 4er 
Sprach, so röeft as ander? wilds Männle i d' Hütta-n- iM: 
Fürio ! Gottfrid, der Bach brinnt", und uf das i?t das wild 
Hirtie ussi zer Deihja und dervag^pronga, a's wenn ma's bissa 
hätt. — Das nämli' wild Müunle hü ganz schlechts Häß g&h^ 
und da legen em d' Alplüt amäl as roths Wnbprtschöple (wia 
ma vor ältem hed tFdga) uf de Diqgabfte}, due bäi's aber grüeft : 
, Jetz bin i* &eili' zem Hfleta z' wdcb", nnd ?a dersäUa Stand 
I hed iiaia*8 mit ehern Aug m§b gseh. (Mündlich. Baggäl.) 

f) [Es i^t ha Wender, dass ma vorhi besser ghüset hed a's 
iaz, d' Chnächt^) ond Mägd hdnd äu' mcndcr ko?tat a's hütigs- 
tag9, ond Hirta hed ma-n-(i mängera Ort gar kei bröcht; di 
wilda Lüt händ eim d's Veh ghüatt ond kdn Ohreiizcr dpifiir irnö. 

Asou händ§' am Bür^tig doppa vil Jähr an Jürta gh| 
fa^t ommasus. All Jähr i§t us da Wända-n-aha, ma weißt nia 
wohfir, as MänndÜ ch$ bis näeh zu da HAsara, ma hed im d' 
Ohtiah no* brficht er^gega z' tralba as StflekU ussi, d^ i9t er 
soit '«9 uf d' Waid gfihra ein TAg in 'n andara ond hedi^a 
iada^n- Abat wider ftriba wia an-ag^te11dna Hirt, scbh end drdili\ 
ond d's Yeh i^t versorgat gse üs ond aba, ond d' Chüah händ 
wöhl ^ch gf^ ond solang das wild Männdli ghuatt hed, i^t nia 



') Ober die Annpraclie d« i S. 57, Anfuu 



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em 6rfal)9, ond das :viid Männdli hed 9» derzua asiamäl uffi 
g}M$, da0B dnfen^ grürat faätt oiid.ma giMiiid bed, flBidayta- 
M0 te Eid faUft. 

Oiid fttr die ganz Mflah ond Arbat lied ma dem idlda 

Mdmidli gär nüd z' gf brOcht, no gega-n- Abat händ em d* 
Wlber uf der Eöd ommanand as Stückli Ohas und Bröd ond an 
bitz Butter asO uf an größa Stei ussar da Husara dussa higläid; 
des i^t allimäl am andara Tag furt gse. 

Amäl ama Herbst, wia das wild Männdli wider so guat 
gbüatt gha bed, send d^ Büra rätbig worda, ffi müaßa dem 
moM ^06h ia' Mm tm dbawfc'a iU» aa audio« 
nAmma ob^, oad Mnd im H&ß mit anoa riHha Kapalmk natha 
1^ ond Uod am des Z4g z' Michäi uf de Stei gl^, wo *8 sob 
fdlig d^ Aesa-n-awäggno bed. Am Abat bed d's Männdli wia 
;illbig d' Obaab heitriba. Wia's des Haß gsfb bed, hed's es 
güO ond bed'g agläid, ond wia-'s-es ägha hed — an Bür ond 
fi6 Wib händ des vo-n-am Scberem i der Nibi as6 üsfpekiüerd 
^ da bed das wild Männdli uf alla Sita über §V 4hi g^uagad 
ond bed ga&id: »Hübscba Mf, w^ba Mf, nflVina }Ma dif'. 
Ond am nAg^ta VrOahlig ift d*s WmDM tl8Un>a ond JM|i* 
^^dter nift m$b sfb If]^) 

2. 

Der S t u t z 1 l-> 

(MOiuUielu Schrana.) 

£m ganz gatmfifhiges nnd zutrauliches Wesen zeigte in 
SebninB ein Hftsbutz, der Stntzli genannt. Sein Lieblings- 

plätzcben war die Ofenbank. Da kam in dem Hause, wo aidi 



') Vgl. n. Sande r, Boitrüfro zur Oeschiclite des TOrarlbergischen Gerichtes 
Tannberg I, 12i f. — Die Sage wurde dem Henraacober von HemF. J. Gaßiier 
mitfethcilt 

Grimm I, 488 meldet ron einem scbweizerischea Schttiiltli und lAsst 
es dahißge&teilt, ob dieser Nsme et«» Uo6 nach dem schmakigeii, rnfi^Mi Anssehsn 
zn deaten sei. 



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64 Bfitse. 

StatKÜ aiifliielt, dn Kindlein zur Welt, und wenn man da» 
Eindleuk in der Wiege zur Ofenbank stellte, so wiegte es der 
Stutzli ungeheißen die längste Zeit. Nach und nach verschwand 
der Stutzli. ,,Er wurde erlöst durch das unschuldige Kindlein 
bemerkte der Erzähler^), 

3. 

Der C^ranmanii, 

(Muuüücb. Schrons.) 

Nicht minder freundlicli und zuili&t% erwies mh ein But& 
in einem Hause auf der Orista bei Tschagguna. Dieser Butz 
war zwar wüst toh Ausseben, denn er war ganz grau, dafOr 

war er aber ein besonderer Kinderfreund. Wenn die Kinder des- 
Hauses hinter dem Ofen oder am Tische oder auch auf Wies 
und Feld spielten, so kam er allemal zu ihnen und spielte mit 
zur größten Belustigung der Kleinen, die den Graumann ganz 
gut leiden mochten. Nun geschah es, dass die Hauseigenthümer 
auf Grista ihr Anwesen verkauften und ins Grüth beim benaeh- 
harten Dorfe Sehruns ziehen wollten. Da ward der graue Butz 
auf einmal sehwermfltbig und nadidenkend, und als ihn die 
Hausfirau wegen seines Trübsinnes zur Rede stellte, so seufzte 
er: .,Ach! ihr zieht aus, und ich darf nicht mitziehen''. ,,Ja 
freilich darfst du mitziehen'^ entgegnete die Hausfrau, und da 
hüpfte der Butz auf voll Freude und rief: 

„Jetz nümi' mi Hüder und Gmüder 

Und züch seil mit hinüber!'' 
und als sofort die Familie mit ihrer Fahrnis im Grftth anlangte» 
so schaute der Butz schon zum Giebel des Daches heraus und 
jauchzte, dass es eine Freude war. Nicht lange darnach, als die 
Leute von der Crista das neue Haus im Grüth bezogen hatteti, 
starb ihnen ein Kind, und nach diesem TodfaU war der graue 
Butz auf einmal schneeweiß und verschwand für immer. 



*) Aaeh 8 im rock, Hyfb., 8. 478 lillt ai« Bfite« fQr edftnmgsHUc. 



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Bfltn. 



65 



4 

Der Badbntz, 

(Möudlich. Tschagguos.) 

Im Bade Schönau zu Tschagguns ward neuerlich noch der 
Badbutz gesehen. Derselbe ist nach der Aussage dortiger Our- 
gäste a Wibsbild i w!ßa Hemdarmel und in 'ra wtSa 
Schdß. Sein Eauptgescbftft hat er mit den Badewannen, die 
er putzt und fegt, fOllt und leert, mit großem Gerftusch hin 
und wieder kehrt und deren Zapfen er mit solcher Gewalt aus- 
und einschlägt, dass das ganze Badgebäude davon erliiilt; seine 
Freude ist es auch, eine oder die andere Thüre mit solcher Ge- 
walt zuzuschnellen, dass die gegenüberstehende Thüre aus der 
Klinke fällt. OurgHste versichern auch, es habe der Badbutz 
öfters schon als Brustbild in weißen, aufgeblasenen fiemd&rmeln 
bei gedffiietem Fenster gar zimpfer und zumpfer in die Gast- 
stube hereingeschaut 

5. 

Die Wette. 

(Muudlicl). XQziders.) 

* Es 8@t ama Wiehnicht^Abed amäl en Ma zum en andera: 
„Los, Nachher, i* wetta mi Zltgdß, du trauet di' net, mer wSn 
Sdimalzkfibelzolfit hinet 79 Spullers z* hoUa^'. Der N&chber 
8%t: „WoU Mle, d* Wett gilt'S nnd nflmt en fäf?p6riga Hund, 
Stahel, Fürste und Schwamm und gabt Spullers zue.' Wia-n-er 
an Stafel kunnt. bringt era der Butz vo Spullers de Zolfa a 
gnets Stuck sciio etgega, aber der Nachher set zuenem: „Los, 
gueta Fruad, 

Thue du de Zolfa hi, 
Wo-n-eri^t früiher gsi, 
I' wiU en sMber holla'*. 

üf das springt der Butz mit dem Zolfa wider i d' Diehja z'ruck, 
und der Nachher gabt em na' und kunnt na' ama Wüe 6' i d' 

Br. f . J. Yonbuu, Sagen Yoraxlbeigs. 5 



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66 



Bütze. 



Hfltta; dÖTi nUmt er d' Fümi^tig u8 'cm Sact, schlaeht Pnr, 

wil's boda duiikul gsi i§t, uuiiit mier mit, dier nnt de Zolfa z' 
Handa und gäht drüf sis W^a witer. Der Butz aber rüeft 
em uä': 

„Hättest net Hert und Haß, 

Wett di' lehra j^winna d' Zitgaß^^ 

(Nach einer andern Version: 
JBAt^ net Grandbeiß nnd FArheiß, 
Wett r di' l^hra gwinna d* Zttgeiß'S) 
Gk>ttmei-^prich. hättest net Stahel und PÄr bei der, kirnest d^ 
Zitgiiß net ober. So aber liät der Butz mit an em gho. und 
der Xachber hat dem de Zolfa brächt und d' Zitgaß gwunna. 

Donar melkte mit schimmerndem Blitzstrahle die vollen Kuter 
der Wolkenkflhe oder Wolkeuziegeu. ^'ach und nach Idldctc sich 
von ihm auch die Vorstellung aus, dass er mit dem Blitzstrahl 
als Stoliholz die Milch im himmlischen Buttertass umrühre. 
(Mannhardt I, 195.) Daher schreibt der Volksglaube in 
Holstein Tor, das Stoßholz des Butterfasses aus dem Holz des 
den Blitz yeisinnbildlichenden Vogelbeerbaumes zu machen; daher 
melkt man in Schwaben und der Schweiz die Ktlhe durch das 
Loch emes angeblich aus dem Gewitter gefallenen Steins, der 
üuvoii Kubstein lieißt. (Vgl. das Melken der Ziegen durch den 
Doggi-Steiu.) Merkwürdiger Weise nun sind in unserer Butzsage 
all die Attribute, die das Volk zu verschiedenen Zeiten Donar 
beilegte, in buntem Wirrwarr neben einander: die Ziege (Bock) 
igt Donars heiliges Thier, mit Stahl und Stein pflegte er die 
Gewitterflanmien anzufachen und mit dem Zolfa die Milch im 
himmlischen Butterfass umzuiühren. 

6. 

Bas Schclmapiifle. 

(MODtUieh. BOrs.) 

Das i^t vom Grdß- und EHhirt. Der GrÖß hät uf 'em 
Nunnen&Lpde am Herb|t hi der AbflUirt mit Miß a Kueh dehinna- 
glo und schickt am andera Moiga de KÜna zVeg, go d' Eueh 



Üigiiiztiü by <-3ÜOgIe 



BOtte. 



67 



bolla. Der Groß hat drum eba de Klihirt net lida kilnua und 
hat si' denkt: ..Wenn der kli Niitiiutz so Diuetorselaalla. i d* 
Alp kunnt, so würd en woll der Butz i d' Finger iieh''. Der 
Jüi gaht und kunnt i d' Alp zer Hütta und findt d' Kueh grad 
am Stafel ll^a und gamefla; er setzt am St&fel und padEt 
sin Schnappsack Iis und ffcht ^ a bitsle z' mVenda. üeber 'na 
Wile se könnt richtig der Alpabutz, hocket zuenem und haltt 
manierli* mit em. Bim Gib git er dua dem Kithirt noch a 
Schelmapfifle a's Krom mit in Sack. Wia dua am Abed der 
Kli mit der Jvueh und mit dem Schelmapfifle hamkunnt, se 
lueget der Größhirt verftünt dri und denkt si' bei em selb: 
^,Der Butz mucß uet so letz si, wia d' Lüt mänan, und bo a 
Kifle möcht V 6'''. Kicbtig gäbt er 6' alla dem Nunnaälpele 
ane, aber vom Größhirt ij^t nüt mih z^ruckkd. 

7. 

Der gesottene Kuhhirt. 

(ElMnsoliii, 8, 9.) 

Die Knechte der Alpe Schiedlen saßen eines Abends um 
das Feuer lieruin in dor Sennhütte und erzählten abwechbelud 
Geistergeschichteu. Emer darunter schüttelte von Zeit zu Zeit 
den Kopf und hef lächelnd: f,Pah, pah, pab! ich glaub 's halt 
nit''. ,^an wenn du so ungläubig bisf^ sagten die andern, 
,,nnd den Muth hast, so probier*s und gehe jetzt in die obere 
Alpe, von der wur heute früh gezogen sind^ hmauf und hole den 
großen MelkkUbel, der nebst dem Kessel noch oben ist, herab*'. 
Hans ließ sich das nicht zweimal sagen, sondern n.ihm den Stock 
und verschwand bald aus ihren Augen. Von Zeit zu Zeit und 
in immer größerer Eutlernuug vernahmen die Knechte noch einen 
lustigen Jüchzer. Nach einer halben Stunde wurde aber alles 
still. Lange warteten die Knechte auf Hansens ROckkehr, doch 
ragehens. £ndlioh legten sie sich ins Heu. Aber anch am an- 
dern Morgen war von Hana nichts zu sehen und zn heren. Dies 
kam den Kneohtm etwas sooderbar rot, nnd sie almten ni(dits 
Gutes. £s gicngen daJier zwei von ihnen auf die etwa eine 

5 



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68 



BQtec. 



halbe Stunde weiter oben gelegene Alpe hinauf, öffneten die 
Thüre und schrien nach Hansen. Endlich fanden sie ihn im 
Kessel todt liegen. Seine Kaut war ganz verbrüht und abofe- 
sotten. So verfuhren mit ihm die Bütze, die er üb^rmütliig iii 
ihrem Treiben gestört 

8. 

IHe Beeke weggenommen. 

(Elaensohn, S. 10.) 

Es schliefen ibro vier Knechte auf der Diele. Plötzlich 
wurde ihnen allen auf einen Zug die Decke bis zu den Fuß- 
spitzen hinabgezogen. Sie fuhren alle ärgerlich auf, um zu 
schauen, welcher Knecht sich diesen dummen Spass erlaubt 
habe. Allem keiner wollte es gethan haben, und so zogen sie 
die Decke wieder herauf und schliefen ein. Aber plötzlich ge- 
schah dasselbe wieder, und obwohl alle flilbhend sogleich auf den 
Beinen standen, um dem Störenfried das Handwerk zu legen, so 
war doch der Thäter nicht ausfindig zu machen; denn jeder be- 
hauptete seine Unschuld. Und so wiederholte es sich in der- 
selben Nacht noch eiiiigemale. Sie klagten dann dem Besitzer 
der Alpe, und dieser gab ihnen den Bath, sie sollten das Bett- 
lager Ton der jetzigen Stelle wegnehmen und nach der entgegen- 
gesetzten Seite bringen; denn er habe von seinem Großvater 
gehört, dass in jener Ecke der Diele, wo sie bisher geschlafen, 
der Alpbutz seine auserkorene Schlafetätte habe. Sie befolgten 
den Rath des Alpenbesitzers und hatten seitdem Buhe. 

9. 

Der Hftnalmtz und der Selmater. 

(HOndlieL Kflziden.) 

Da wurde einmal ein Schuster von einem Bauer für acht 
Tage auf die „Stör'* gedungen. Am ersten Abende seines Ein- 
standes sagte der Schuster: „Ich lege mich diese Kacht nicht 
ins Bett^ sondern bleibe auf der Bank beim wannen Ofen'S Der 
Bauer wollte ihm das ausreden und bemerkte, auf diese Ofen- 



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69 



1)ank komme allnächtlich der Hüsbutz zum Schlafen. Der 
Schuster aber legte aich dennoch auf der Ofenbank zur ßuhe. 
Um Mitternacht kam wirklich der aogekflndigte Hüsbutz und 
weckte den Schuster gar unsanft, indem er ihn von der Bank 
henmterzuzerren suchte. Dieser aber setzte sich muthig zur 
Wehre und behauptete mit Gewalt seine erwählte Schlafstätte 
gegen den Hüsbutz. Ganz so ergieng es die nächsten Abende. 
Als aber die Störzeit ans war und der Schuster bei einbrechen- 
der Nacht des Bauers Haus verließ, da packte ihn vor der Hans- 
thüre schon der Butz und schnarrte: „Jetzt bin ich Meister'', 
und darauf lief er da?on. Da wusste der Schuster auf einmal 
iücht mehr, wie ihm geschah: es trieb und drängte ihn, dass er 
unwillkürlich dedi vorauseilenden Butze nachspringen musste. 
Der Butz lief aber Stock und Stein, wie eme Gemse hinweg- 
setzend, einen steilen Berg hinauf. Der nachkeuchende Schuster 
bekam auf dieser eiligen Ber^eise bald wunde Fußsohlen und 
iammcrte kläglich; aber je mehr er winselte, desto sclmeller 
liet der Butz voraus, und desto schneller musste er auch nach- 
laufen, und als sie auf die Spitze des Berges gekommen waren, 
da hatte sich der arme Schuster auf dem rauhen Wege seine 
beiden Ffifle bis auf die EhOchel abgenützt, und zu guter Letzt 
bängte ihn noch der Butz an diesen rerstümmelten Füßen auf 
der Bergspitze an einem Tannenbaume auf und ließ ihn zappeln, 
bis er verendete.^) 

10. 

Der Bargabutz. 

(MOndJich. Schmitt.) 

Ein Herr übernachtete mit semem Kameraden in euier 
Barga auf dem Henstocke, ließ, mit Erlaubnis vor Eueren Ehren 

es zu sagen, einen Furz und lachte: „Der tr'hört dem Burga- 
butz!'' Auf einmal rauschte es rückwärts im Heustocke, und 
als der Spötter sich umkeUite und zurückschaute, sah er, wie 



') [Eine ähnliche Sago von einem »Qeiste«, der auf dem Hofe Bregem in 
Damals haust, steht bei Grabherr a. a. 0., & 44.] 



70 



Blltw. 



ein schwarzer Eosskopf mit feuersprüheaden Augen ekk sachte 
ans Heustoeke hob, und erschrocken kuschte er von fleiner 
Lagerstfttte und brach axä Hala und Bein. 

11. 

Ein anderer, der von Macht und Gewalt der Bütze auch 
nichts wiö;-?eü wollte, gieng einmal nachts iil^er ein Tobel, das 
wetzen eines Butzes weit und breit verrufen war; mitten im 
Tobel jauohzte er voll Muthwillen: 

„Schwiser Ganiser 

Mit de langen Ohra, 

£o]nm*, mer vend metanander gdla!^* 
Aber alsogleioh war der Bntz Ganteer bei der Hand und zerrte 
den Jauchzer das Tobel liiiumter über alle Stück und Stein, 
das9 er blutete wie eine gestochene Sau. Er konnte des Bntzes 
nur dadurch los werden, dass er eine Wegkapelle zu bauen ver- 
sprach. Diese Kapelle steht heutigstags noch auf dem linken 
litzufer hart an dem W^e, deir von Schruns ins Silberthal 
ansteigt. 

12. 

T i z 0 t u tu. 

(Elsensohn, S. 9.) 

Ucber Ohboro ussi bis zur Wöormsül i?t as vilmal nüd 
reht gwärli' und z' Näht nam Lutto ist ?till, wer döt ka boß 
Mül wiU. Bemaeh Lfltt, die überal redo und wOndoro wind, 
bind achu TÜmauL a läriga Bad gseaho; da Femachfta Uhrt as 
nau\ Wer beatot, der hat nie nix z' g&nhro vom Yizotum. 

An am z* N&ht hmd d* Alpkn§ht z* Ohboro a da Kanis* 
fluoh do Pfi^tur an Fützlar ghalia. Wie grob dear si' utglau 
hat mit sinor Herzhäfti, si hind mit om gwettot, ar hei 's Go- 
raschi nüd, an Kübel voll Wasser z' holo. Wi da Dteixel d* 
Judo und d' Bado de Speak hat der Ph§tor do Kübel gnü, i$t 



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BQtce. 



71 



ussipfüonnot /;ura Bniiinu imd hat gkärot: ..Vizotnm. Vi/ 'turn, 
kehr mor d' Naso im Füdla nm'^ Druf a ilack. \vie wiiiu as 
blickt, a roths fürigs Kad i^t iif o Pfi^tor heigfanot, imd ma 
hat ka Staub iiod net ka Fioug meh ma vuuom gseaho a's a 
GU&hOBO. (Au.) 

13. 

Dfts .WalsermSniilelii. 

(L. Steub, Drei Sommer, S. 81.) 

Bas Walsermännle meldete sich gegen Ausgaog des Jahres 
1772 in Straußberg der Pfarre Biezlem bei der Witfrau 
Satharma Msasserin. Es nahm ihr die Milch im Stalle, das 

Mus auf dem Tische und verhinderte die Hausgenossen im Ar- 
beiten. Sichtbar war os nur einem einzigen Sohne, mit dem es 
öfter scherzte, andern Leuten machte es sich vernehmlich durch 
Murmeln, Pfeifen, Klatschen. Christoph Bader, lange Zeit uner- 
schrockener preuUischer Soldat, hörte es auf der Straße zischen,« 
und ein anderer merkte es mit solcher Schwere auf dem Wagen 
liegen, dass er ihn kaum mehr von der Stelle bringen konnte. 
1775 in der Fasten meldete es sich bei Victorinus Müller auf 
Bödmen mit Zuschlagung der Läden, langte auch durch das 
Fenster hinein und klopfte der Tochter des Hauses auf die Achsel, 
so dass es alle Anwesenden hörten, doch nicht sehen konnten. 
Insbesotidere war es einem armen Kinde aufsässi^^ welches in 
dem Hause erzogen wurde. Es schlug dasselbe, zerzauste ihm 
die Haare und begleitete es auf allen semen Wegen, sprach auch 
ärgerliche Heden aus ihm. Nach zwei Jahren verschwand das 
Ungemach. 

14 

Die Pfaff^ nkellerin. 

(Mündlich. Gui-tis.) 

In Gurtis geht ein weiblicher Butz um, die Ff äff en- 
keller in. Sie hat ihre eigenen Wege und Stege. Meistens 
butzet sie an Tobein, Bächen und Gräben. Ihr Bumpf hat die 



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72 



BittM. 



Gestalt emer „Sehaffreite*' O^QelieiuchniDk), und an den Füfien 
tr&gt sie Bosseisen. ünter ihren Tritten erdrdlint die Erde, und 

wenn sie so geisterhaft herumtrabt, so hört man ein Gellen und 
Schreien wie von kleinen Kindern, 1 liohsen oder Schwciuchen. 
Es ist nicht gerathen, ihrer zu spotten. Als einer einst nachts 
beim Heimgeben ilir spöttisch Pfaft'enkcUerin nachrief, thut's einen 
Trab und einen Schrei hinter ihm, hockt ihm auf den Bücken, 
und er muss sich schier zutode tragen bis unter die Dachtraufen 
daheim. Am Moigen hatte er einen gescliwollenen Kopf wie ein 
Inunenkorb. 

Biese Pfafifenkellerin ist sicherlich Frau Perahta; die 
Stempfe, die eiserne Bertha mit dem Heimcbengefolge, die er- 
zflmt Bacbe übt S. Grimm, Myth. I, 250 u. s. f. 

15. 

B»8 Stahawible'). 

(MOndUch. Sehroos.) 

Das Stühawible ist em Weiblein, das Haupt in ein weiOes, 
leinenes Tiiclilcin gebunden. Es hauset im Kirchthurme und 
trägt einen Besen oder auch einen Stecken in der Hand; abends 
verlässt es seine Behausung im Kirchthurme. zeigt sich auf der 
Gasse und fährt unter schrillendem Pfeifen ungerathenen Kindern 
nach, wenn solche beim Dämmerlicht noch aulier Hause sind. 

Bedeutsam erscheint das Stühawible im Kinderspiele. Üines 
der Mädchen wird durch Abzählen Stühawible. Als solchem gibt 
man ihm emen Besen oder einen Stecken in die Hand; mit dem 
Besen oder Stecken zeichnet es ein Viereck in das Erdreich. 



') n. i. das Wi'iMoin mit der Staucho. Stüche, Stauche (auch der Stücha, 
uihd. stücbe) ist ein Kopftuch oder Schleier von düuijer, woißor Leiuwand, von 
Frauen besondais b«im Gottesdietute und bei Ldchenbcgleltaii? iretrageu ; dann dioser 
Stoff sdbRt nnd eine ScbQne davoa. Noch in neuerer Zeit pflegte in Schnana bei 
BegrftboisRen nnd Traaeisottesdienaten die trauerfBbrende Weibsperson als Zeichen 
tieftter Tnaer ein weißes TQchlein nach Art der Nonnen am das Haupt zu le^en 
and darflber einen niederen breitlctflinpigen Mftnnerhnt zu setzen; diesen sonderbaren 
Kopfjputi nannte man »Sturz und Stfieha«. 



Üigiiiztiü by <-3ÜOgIe 



BQtM. 



73 



Dieses Vierefk bedeutet einen Garten ; denselben tbeilt es zier- 
lich in Beete ab uud wendet sich dami zur Kiuderschar: „Geht^ 
holt mir Samen zum Säen''. Die Kinder gehen, und jedes ein- 
zelne bringt eine Handvoll Sand: ,,Da habe ieh gelbe Büben^S 
sagt das eine, ,,da Petersü^S das zweite, „da Eohlraben^S das 
dritte n. s. f. „Nun säet mir die Beete meines 6ari»ns an'^ 
sagt das Stfihawfble, ,,ich lege mich mittlerweile seUafen^S und 
legt sich auf die Erde nieder. Während aber das Stfihawible 
schlummert, zerstören die andeiTi Kinder die zierliclieu Beetchen 
des Gartens und rufen dann: „Stuhawible, stand üf, es hat Ave 
M'reia glutt'*. Das Stuhawible föhrt auf diesen Buf auf aus 
dem Schlafe und jagt, nachdem es die Verheerung in seinem 
Garten wahrgenommen, den Kindern mit dem Besen oder Stocke 
nach; das erste, das erwischt wird, muss StQhawtble sein. 

Dieses weißhauptige Weiblein mit dem Zanberstab in der 
Hand, mittelst dessen es den Garten absteclrt und die Beeteben 

zurecht richtet, weist auf eine niiittcrliche Gottheit hin, welche 
die Oberaufsicht über den Feldltau und die wesentlichen Ge- 
schäfte der Hausfrau als Flachsbau, Syimieu. iiärtuerL'i führt, 
also auf Holda, Berchta. Wie aus den Göttinnen Holda, Berchta 
und Ostara, um mit Grinun zu reden, sich die weiße Frau 
und zuletzt die Nonne niederschlagen konnte, so das emer 
Nonne ähnliche Montavoner Weibchen mit der Stauche. 

Beim Hervors^en nehmen die Wöchnerinnen deshalb die 
neugebomen Kinder mit in die Kirche, damit diese nicht der 
Gewalt des Stühawible anheimfallen. Die unsfesegneten Kinder 
müssen dem Stfiliawible, wenn es pfeift, foigeu. Das schmeckt 
ganz nach dem Heidenthum und setzt die Identität des Stüha- 
wibles mit Berchta außer Zweifel. Den Hauptbestandtheü im 
Heere der Berchta bilden die Seelen der ungetauft verstorbenen 
Kinder, die,- als Elementargeister aufgefasst, in Thfliingen Heim* 
chen heißen. Mit diesen sofgt sie fQr die Fruchtbarkeit der 
Aecker. (Mannhardt I, 289.) 



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Bntie. 
16. 

F r a u l\ 0 s a. 

(.MinuUjt'h. iSchruiis.) 

Eine der Frau Holda-Berchta schier identische Göttin ist 
auch Frau Bosa, die heute noch im Einderspiele auftritt Das 
Spiel wird zu Schrnns im Montavon von Mädchen gespielt. 
Eines der Mädchen, das die Rolle der Frau Bosa übernimmt, 

sitzt am iioden; ihm auf den Schoß setzeu sich eines über das 
andere der anderen mitspielenden bis auf eines, z. B. Amreile. 
Dieses letztere geht um die Eeihe der sitzenden Kinder herum 
und fragt das oberste Kind: .."Wo ist d' Trau Rosa?" — 
,,f,DehinDa dra"" — antwortet das gefragte — „Was hat sie 
&" — „«WiÖ und schwarze Krusele"" (Röllele) — lautet die 
Antwort. Bann geht Amreile auf Frau Bosa zu und . verlangt 
von ihr, ihm ein Kind zu geben. Fiau Bosa weigert sich zuerst; 
die Bittstellerin aber verspricht, das Kind, in Baumwolle zierlich 
eingewickelt oder in einer Schachtel von Gold und Silber ^vohl 
verpackt, /.chiispäimig in den Himmel zu führen. Nun willigt 
Frau liosa ein. Die Bittstelieiin trägt nun das erhaltene Kind 
auf die Seite und kommt dann wieder zu Frau Eosa und begehrt 
ein anderes Kind. Sind alle Kinder abgeholt, so kommt Amreilo 
zum letztenmale zu Frau Bosa und ladet sie zu den Kindern 
auf Mittag. Frau Bosa, der Einladung folgend, erhebt sich vom 
Boden; aber wie sie sich der Kinderschar nähert, so fährt diese 
unter Hundegebell und unter den Geberden des Zerrelßens über 
sie los. — Ks stcUt dieses Spiel den Glavibeu dt r Alten bildlich 
dar. (lass die Seelen der Sterlieiuleu vermöge ihrer Natur als 
Lufthauch ^) zur Wolke entschweben und hier als Kinder der 

1) Aaf dno wbr plastische nnd drastische Art wird hier im Kinderspiele die 
aas deg Leibes Fesiehi gdOste Seele als weißer BaomwoUkniael oder gar als gol- 
dene Schaditel «higestellt! Das steht in grellem Gegensatz zu den anmvfbigen Vor- 
stellungen, dass die entweichende Seele sls Lnftbauch entschwebe oder als Blume 
aufblühe oder als weiße Taube auffliege. Griinui II. TS^»,) Die Uoberfahrt 

geschieht im Biuimiiandc natariicher Weise nicht zu Schiit', soad«im sm Wagen. 



74 

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Bais«. 



75 



mdUerlichen Göttin Aoiiiabine finden. Zam Wind anschwellend 
oder, mythisch ausgedrückt, in Hönde verwandelt, verlassen sie 
die WoUce und verfolgen nnn im Sturmgebell die Itfutter seihst, 

das heißt mit einem prosaischeren und nach unseren jetzigen 
Vorstellungen verständlicheren Ausdrucke: die sausenden W'indo 
zerreißen den Schleier der imitterlicheu Wolke. (Vgl. Maim- 
hardt I, 274.) Nach Mannhurdt wird dasselbe Spiel auch in 
der friegnitz gespielt; aber statt Frau Rosa fuhrt dns Kind den 
Namen Frau Göde. Letztere aber gleicht nach Grimm (II, 
880) in gar vielen Zügen der Frau Holda und Berchta, also 
dürfen wir auch unsere Frau Rosa ohne Bedenken der Holda- 
Berchta an die Seite stellen. Frau Rosa hat auffallender Weise 
wiße und schwarze Krüsele, d. i. Haarlocken; das gemahnt 
an die eine der baierischen Schicksalsgöttinnen, an Held, die 
wie Hei halb weil), halb schwarz ist. Frau Rosa ist also halb 
Holda-Berchta. lialb iSchicksalsgöttin. Das Aussehen und Ge- 
baren der Schicksalsgöttümen trilft überhaupt fast durchgehends 
mit den Vorstellungen des Alterthums von Holda, Berchta und 
ähnLieben Odttinnen zusammen. 

17. 

Der Batz mit der fenri{2:eu Baad» 

(Bfitra^e. S. 78.) 

Viel Gerede geht vom Butz in einem einsamen Hause zu 
Schruns. Derselbe zeigt sieb zu gewissen Zeiten den Blicken 
der Sterblichen, in einen schwarzen Pelzmantel gehüllt, und bat 
eine feurige Hand, mit der er den Begegnenden drohend 

winkt. Nacli anderen ist dieser Butz ein s(fhwarzer Mann ohne 
lioi>i und trägt einen Fensterrahmen um den „Stumpa** (^Rumpf). 

18. 

Der Kellerbntz. 

(Beitrftfe, S. 7S.) 

Im Keller desselben Hauses in S c h r u n s ist es auch nicht 
geheuer, denn dort treibt der Kellerbutz sein Unwesen, ein 



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Bfitie. 



Weibsbild mit einem Kindlein im Arm. Des Ktiierbutzes Freude 
ist es, jedes Goräusch, jeden Laut und jedes Wort, so in den 
Keller dringt, «^sz'antera'^ (nachzuahmen). 

19. 

(BeUartgo s. d. Blyth,, S. 41.) 

Die krankhafte liekleiiimoug Sclilaft ii ii r und Träumender 
verursachten in mythischer Zeit elbische Mare und Nach t mar e. 
Der Ausdnick Nachtmar begegnet in Vorarlberg nicht, er ist 
mehr im deutschen Norden und an den Nordküsten heünisch. 
Die bdse Handlung der Nachtmar, das pemliche Drücken, voll- 
führen un benachbarten Tirol die Truden; in Vorarlberg theilt 
sich in dieses Geschäft mit dem Schrättlig das sogemuinte 
l^oggi, von dem man aiicli anderwärts Kunde hat. So führt 
es August Stöber in seinen .,Safen des Elsasses". S. :)0 auf: 
..In Illzach erscheint oft ein Dorfgespeust, das Doggele genannt, 
welches mitten in der Nacht den Kindern zentnerschwer auf die 
Brust sich setzt und dieselben zu erdrücken scheint. Es ist 
eine Art Vampyr von unbestimmter znsammengeknäulter Thier- 
form*^ In Graubünden wurd*s Toggeli als ein hässliches Ge- 
schöpf mit großem Kopf, hässlichem Menschengesicht, ohne Arme 
und Beine geschildert. Es setze sich des Nachts dem Menschen 
auf die Brust und verursache die bekannte An^st und Beklom- 
menheit. Auch Hausthiere, besonders Hühner quäle es iiu<l dies 
alles nicht aus Bosheit, sondern es falle aus einer UnbeliiÜüch- 
keit so über einen i^r. 

In Vorarlberg geberdet sich das Doggi als milchliebender 
Hausgeist, aber böser Natur. Es schleicht nachts durch das 
Schlüsselloch m Schlafgem&cher, legt sich über Emder und ver- 
sucht an denselben zu saugen, so dass die Brustwarzen der ar- 
men Geschöpfe am Morgen roth und ganz geschwollen aussehen. 
Vorzüglich aber in ^tülle kommt es. saugt an den Kitz lein und 
zieht gr()l)eru Ziegen die Hileh Vis auf den letzten Troiifen aus 
den Eutern. Ein Feuerstahl um den Hals des Kindes oder Kitz- 



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Bütze. 



77 



leins gehängt, gichert letztere gegen die Gewalt dieses Dämom. 
Wenn man die Geiß durch einen sogenannten Doggi-Stein 
melkt, so ist sie für immer vor dem Doggi sicher. Der Doggi- 
Stein ist von mäßiger Größe, plattruml und hat in der Mitte ein 
rundes Loch; gefunden wird er nur von einem Glückskinde. 

a) Eine eigene Affaire hat einmal der alte Winkler im 
Moütayon mit dem Doggi gehabt. Winkler ist nun Ifti^st 
gestorben, war aber bei Lebzeiten ein baumstarker Hann. Er 
erwartete einmal eines Abends das Doggi und sagte daher zu 
seinem Weibe: ,3^te lege dich mm Ofen und halte ein Licht 
bereit; ich lege mich ius Bett und erwarte das Doggi; kommt 
es. 80 packe ich es. und du eile dann mit dem Liebte herbei 
und „zünde", wie das Ding ausschaut". Winkler legte sich zu 
Bett und sein eheliches Gemahl zum Ofen. Nach einer Weile 
kam wirklich das Doggi zu Winklers Bett, krabbelte vom Fuß- 
brette des Bettes hinauf zn Winklers Brust, der aber, nicht faul, 
ei^Etsst es mit beiden Händen mid merkt alsogleich, dass er es 
an zwei großen Zöpfen erwischt habe, und ruft dem Weibe; als 
aber das Weib mit dem Lichte znm Bette kam, yermoehte 
Winkler das Doggi unmöglicli mehr zu halten und musste es 
laufen lassen. Es huschte vMudschnell zur Thüre hinaus, und 
man sah noeh. wie es seine zwei fliegenden Eieseuzöpfe auf der 
eiligen Flucht um die Thürpfosten schlug. 

b) In Gallenkirch, auch im Moutavon, kroch vor Zeiten 
das Doggi dnrch ein Astloch in die Kammer eines Baners. Der 
Bauer, der es merkte, war flugs bei der Hand und sehlug einen 
Zapfen in das Astloch, und da stand pldtzlieh ein prfichlagschGnes 
Weibsbild Tor ihm. Br stellte es als Magd an, und die Magd 
diente ümi viele Jahre treu und redlich. Im Laufe d"r Zeit 
wurde der Zapfen in der Kammerwand locker und immer lockerer 
und fiel endlich ganz heraus. Da schlüpfte lüe Doggimagd wieder 
zum Astloch hinaus und ward von der Stund' au nicht motu: 
gesehen. 

c) Ein Herr hatte einmal eine Magd, die bleichen Aussehens 
war und bekfimmerten Herzens schien. Der Herr, dem endlich 
das zerstörte Wesen seiner Birne auffiel, fragte sie um die ür- 



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78 



Bfttie. 



saclie ihres Herzeleids, und sie klagte, sie müsse Doggi sein und 
aUnS^^litlich einen oder den andern menschlieben S<düäfer im 
Bette diflcken; erlöst könnte sie nur werden, wenn sie sein 
schönstes Boss zutode drücken dürfte. Der Herr gestattete das, 
und die Dirne gieng in den Pferdestall und drückte das schönste 
Koss ihres Dienstgt'bers zutode und durfte von der Zeit aii iiickt 
mehr Doggi sein. 

Allem Anscheine nach steht das Doggi in Beziehung zu 
Donar, üeberhaiipt muss nach Grimm (Mytli.. I. 429) ein näherer 
Bezug der Elbe zu dem Doiinergotte dagewesen sein, liuiuerliin 
bleibt die Vorliebe des vorarlbergischen Doggis zu Donars heili- 
gem Thiere, zur Geiß (Bock) bemerkenswert, und gemahnt nicht 
auch das Melken der Geiß durch den Doggi-Stein an Donars 
Heiken der Wolkenziegen? 

Das Volk schreibt den Elben die Astlöcher im Holz zu 
und glaubt, dass sie selbst hindurch kriechen. (Grimm, Myth., 
I, 430 ) 

AVährend in Vorarlberg das Doggi nur einzeln auftritt und 
meistens das Geschäft des Alps übt, heißen nach der Versiche- 
rung A. Jahns („Der Canton Bern", S. 279) in Boltigen die 
zwerghaften Bergmännchen Toggel i, d. i. kleine Leutchen. Eine 
Höhle, worin sich eine natürlich ausgehöhlte Kanzel befindet, 
heißt Toggeli-Khrche ; eine in der Kirchgemeinde Zweisimmen 
gelegene Waldung heißt Toggeli-Oraben. 

20. 

Der {Schrättlig. 

(Beitrage z..d. Mjrth.« S. S9.) 

Wie der Scbr&ttlig eigentlich aussieht, weiß man nicht, wohl 
aber, dass er ein launiger, „leidwerchiger" Hausgeist ist, der wie 

das Doggi seine Freude daran bat, nachts in Schlafgadeu zu 
schleichen und die Leute im Bette zu drücken, dass ihnen der 
Atliein fast vergeht und sie nichts anderes glauben, als es liege 
ein Zcütuerge wicht auf ihnen. In der Schweiz heißt an vielen 
Orten der Alp auch Schritte L In Mfihlbach im Elsasse und den 



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BQtee. 



79 



benachbarten Ortschaften ist das Schrätzmännel em Kinder- 
popanz, der den schlafenden Eindem auf das Herz sieb setzt 
und sie zu erdrücken scheint Bei diesem nächtlichen Manöver 
kommt ihm das Vermögen, seine Gestalt zu wandeln, vortrefflich 

zustatten. Oefteis schiebt er als Katzt mit der rechten vordem 
Pfote ^aiiz nieiUich den Fensterläufer zuiück und hupft in das 

' Schhifzimmer, oder er windet sich als Strohhalm zum Sclilüssel- 
loch hinein, oder er schneidet sich selbst den Bauch auf und 
haspelt die Gedärme aus dem Leibe, dass ei, ganz dünn gewor- 
den, sich durch jede Wandspalte durchdrängen kann. Beides ist 
ihm einmal übel bekommen. Es fasste einer den Schr&ttlig, da 
er sieh just als Strohhalm zum SchlfisseUoch hereinwand, und 
nagelte ihn fest an die Zimmerwand, und als er morgens er- 
wachte, gewahrte er ein altes Wciblein an der Wand hängen, 
und das war der todte Schrättlig. Ein anderer fand die heraus- 
gehaspelteii Gedärme des Schrättligs vor der Kammerthür, und 

• er gieng und mischte Harz und Sägmehl darunter, so dass der 
Unhold sie nicht mehr in die Bauchhöhle einzupacken vermochte 
und draufgehen musste. 

Ein Messer in die Wand des Sehlafgemacbes gesteckt, ein 
Glas voU Urin wohl verstopft und unter das Bett gestellt und 
ganz besonders eine Hechel oder .Kartatsche" uiiigf ktlirt auf 
die Brust gelegt, schützt gegen den vSchrättlig. Hat mau eine 
schwarze Henne im Stall und merkt nachts den Schrättlig kom- 
men, so sage man zu ihm : „Geh\ drück' lieber meine schwarze 
Henne im Stall*', und dann fiUirt er gutwillig ab, geht in d^ 
Stall und drückt dort die schwarze Henne zutod. In Liechten- 
stein sagt man, man wiege nie eine leere Wiege, geschehe dies, 
so wiege man den Schrättlig. 

Dieser Vorarlberger Schrättlig scheint in Beziehung zu 
Fronwa zu stehen; die Katze, in die der Schrättlig sich 
'svami'li. ist Frouwas heiliges Thier; aber auch zu Berchta. 
Seine Stellung zu der erhabenen leuchtenden Göttin bezeichnete 
man deutlich in Baiern; dort nannte man ehemals das Elfen- 
gefolge der Berchta «die Schretzlein* und pflegte in der 



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80 



Bfttte. 



Berchtnacht einen Tisch anzaricbten, der Berchi and den Sebietz- 
lein Speise zu opfern. (Mannhardt I, 291.) Der aiif«reschnittene 

Bauch, die horausgehaspclton Gedärme und das daruiitor gestreute 
Säfifmehl und Harz t'ülireu wieder unwillkürlich auf lierchta. Die- 
selbe erscheint in Kärnten um WcihTiachten als eine Frau mit 
zottigen Haaren und schneidet dem, der andere Speisen als ihr 
Pestgericht genossen hat, den Bauch auf und füllt ihn mit Hacker-' 
ling nnd fiaekateinen. (Mannhardt I, 289.) So tief also sank 
Macht und Ansehen der hohen Göttin in der Yoistellung des 
Volkes, dass die Bache, die sie in ihrem Zorne am Menschen 
flbte, nun umgekehrt der Mensch an ihr oder doch an einem 
aus ihrem Gefolge nimmt. 

21. 

Der B utzomft. 

(Elseusohn, S. 12.) 

a) Eine Matter drohte oft ihren Kindern, wenn sie unfolg- 
sam oder nnartig waren, mit den Worten: .Wartet, ich mfe 
den Bntzomft, nnd dieser nimmt euch mit*. Die Kleinen ge- 
wöhnten sieh nach nnd nach an diese Drohworte nnd ließen sich 

dadurcli in ihrem Benehmen nicht stören. Als nun in einer 
rabenschwarzen Nacht wieder eines der Kinder sich sclilimm auf- 
führte, ergriff es die zornige Mutter, machte das Fenster auf, 
hielt es vor dasselbe hinaus und rief: .Butzomä, Butzomä. 
konam und nimm's!* Und in demselben Augenblicke wurde der 
Mntter das Kind ans den Händen gerissen nnd dnreh die Lüfte 
entfuhrt Am andern Morgen sah man an den n&chstooi Bftumen 
einige Fetzäi ron dem Kleide des Kindes hängen, von ihm selbst 
aber war keine Spur mehr zu entdecken. 

b) Es lebte einmal ein Mann geizig und überhaupt sclikchi. 
Als es nun zum Sterben kam. habe man m den letzten drei 
Nächten vor seinem Tode einen kohlschwarzen Hund, dessen 
Mund Feuer ausspie, sein Haus umkreisen gesehen; derselbe sei 
nach dem letzten Athenusnge des Mannes sofort verschwunden 
nnd der Leichnam auf der Stelle schwarz geworden. Daher be- 



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Bftteo. 



81 



hauptete das Volk, dieser Hund sei der Butsornft selbst gewesen 
und habe den Mann geholt. 

22. 

Der Dreizehnte« 

(MQDtUich. Lateins.) 

Es waren einmal an einem Winterabende ihre zwQlf in 
einem einsamen nnd Terrofenen Hause hoch ob der Kirehe zu 

Lateins im Heimgarteu, und dabei gieng es wohl lustig und 
laut. a])er nicht ehrhar uiul sittsam her. Erst nach .Mitternacht 
schickten sie sich au, nach Hanse zu gelieu, und weil es eine 
schöne Mondscheinnacht uud der Schnee hart gefroren war, so 
Icnripn sie fiberein, auf einem Schlitten munter heimzufahren; 
die Kirche soUte ihnen als Merlaeichen gelten, wo still zu halten 
wäre. Sie stiegen auf den Schlitten, einer nach dem andern, 
nnd als der Zwölfte droben saß, gewahrten sie noch emen, einen 
Dreizehnten, aber gänzlich ünbelcannten neben dem Schlitten 
stehen, und sie riefen ihm zu: „Sit// auch auf". Der ünbe- 
karmte aber entge<Tnete: „Es sind schon euer zwölf, es ist jr'nupf 
geladen, fahrt zu". Sie fuhren ab, und der Schlitten glitt schnell 
wie die Kugel aus dem Kohr den Bergesabhang herab ; von der 
Kirche, dii' sie im Auge behalten wollten, sahen sie aber keine 
Spur, und sie fuhren Über den Kirchweg aus und stürzten über 
emen Schrofen hinunter in das Frutztobel, dass sich aUe zwölfe 
Hals und Bein brachen. Seit dieser Zeit heißt jener Schrofen 
der , Fluchschrofen Jener uubekannte Dreizehnte war der — 
jjomer", d. i. der Teufel. 

Ausgehend von der Ansicht, dass an jeder Sage eine Sache 

sei, forschte ich nach einem iiiutstehungsgrunde für diese Er- 
zählung und (glaubte, denselben zunächst in einer (^nglücksge- 
schichte suchen zu müssen, die auf den abschüssigen lierghalden 
des Lateruser Thaies zur Winterszeit sich nur zu leicht ereignet 
haben mochte. Niemand aber in Latems wollte weder aus neuer 
noch alter Zeit Yon einer Begebenheit wissen, wo je ihro zwölf 
verunglückten. Es wül nüch daher fast bedünken, als wftre diese 

Dr. F. J. Vonbmif Siifeii Voraribergs. 6 



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Bfttee. 



Sage noch ein letzter Nachhall vom Sturze der zwölf Asen, die 
der Maclit des Teufels erliegen, die Kirche (das Christenthum) 
nicht sehen und zugrunde gehen?! 

23. 

Der 8eehst6« 

(Nach Dr. Spiegebt AubeiduraiiK. Dorabini.) 

[Es waren einmal sechs Strolche im Dorfe, die sich leicht 
zusainiiieni^^cfuuden : denn ^wenn zwei Kogen auf dem Hied sind, 
so treffen sie einander'*, sagt das Sprichwort. Der älteste dieser 
Lotterbursche zählte nicht viel über dreißig Jahre. Sie waren 
eins in aller Schlechtigkeit. Eine entlegene Kneipe, in der jahr- 
aus jahrein kein ordentlicher Mensch verkehrte, hatten sie zum 
Hauptquartier gewählt. Dort gieng es gar wüst zu; bei Wein 
und Spiel achtete ihre freche Zunge auch das Heiligste nicht, ja 
der Alhiiäclitige selbst ward von den berauschten Oesellen heraus- 
gefordert; Hölle und Teufel wurden verhöhnt und geleugnet, das 
Menschenleben sollte eben mit dem letzten Athemzuge vollstän- 
dig zu Ende sein. Wieder hatten sie eines Abends in frevel- 
hafter Trunkenheit ihre gotteslästerlichen Keden gegenseitig ge- 
steigert, als sie zum Schlüsse sich vornahmen, durch den Besuch 
des einzigen schlechten Hauses im Dorfe, in dem drei liederliche 
Weibsbilder wohnten, ihre venrorfene Ausgelassenheit zu krOnen. 
Bald standen alle sechs in stiller, iiiclit sehr dunkler Nacht vor 
dem veiiufenen Hause. Einer verliell die Bande, um irgendwo 
eine Leiter zu erliasclien. Tu dessen Abwesenheit iiel es plötz- 
lich dem jüngsten Gesellen auf, dass gleichwohl ihrer sechs auf 
dem Platze harrten. Wild auffahrend wies er seine Gespanen 
auf den Zuwachs hin, es waren jedoch nur ihre alten bekannte 
Gesichter da, und unterdessen kam der Leiterträger. Auch die- 
sem verkündeten sie den Spass. Er zählte die Anwesenden, es 
waren nur sechs. Deshalb lachte er die Genossen aus und stieg 
die Leiter zum Kanunertenstcr empor, wo er bald Kinlass fand. 
Aber siehe da, jetzt standen dueli wieder sechs vur deai üause! 
Nun begami der trotzige üebermuth gar rasch zusammeuzusin- 



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Btttio. 



83 



ken wie vor dem Fölm die hohe Schneelast. Die freclien Bursche 
blickten einander mit entsetzten Gesichtern an und stoben^ von 
bleicher Furcht gejagt, von dannen ; selbst der Waraungspfiff für 
den Eingestiegenen war ihnen in der Kehle stecken geblieben. 

Des andern Tages am frflhen Morgen läutete die Todten- 
glocke. Der Anführer der Bande war nicht mehr; man hatte 
ihn todt in seinem Bette gefunden mit dunkelhlau-rothem 6e- 
siclite und hervorgequollenen Augen. Die fünf Kameraden kamen 
nicht mehr zusammen, sie liiii hteten, der sechste möchte sich 
bei iiineu wuMler eintiiideii. Der Schauder jener Nacht wich 
nicht mehr von ihnen. Einer nach dem andern verlieü zerütteten 
Gemüthes die Heimat und verdarb und starb in der ferne,] 

24. 

Alpeubiitze im Bregenzerwalde. 

Sie hausen hauptsichlich den Herbst und Winter über in 

den Sennhütten und treiben dort ihr Unwesen, erscheinen jedoch 
auch in jeuer Zeit, wo die Knecht« und das Vieh auf den Alpen 
sind. Wer ihnen nichts zuleide thut oder wer sie nur unfrei- 
willig beobachtet, hat von ihnen wenig zu fürchten; wenn man 
sie aber reizt, werden sie bösartig und sogar grausam. 

a) Auf der Alpe O^tergunto waren der Menge nach 
Alpenbfitze. Denn oft hörten die Knechte mitten in der Nacht, 
während sie auf der Diele im Heu lagen, dass es unten in der 
Hfitte auf einmal lebendig wurde. Die Kühe wurden unter 
vielem Lärm in den Stall getrieben und gemolken, die Gebseu 
(Milchgeschirre) hin- und her<:feworfen, der Kessel ü))er das Feuer 
gerückt, die Kenne hineini^e^eben, der Käse herausgenommen, 
die Butter gerührt, endlich abgewaschen und alles an seinen Ort 
gebracht. Dann ward es nach und nach wieder still, und am 
folgenden Morgen befimd sieh alles an seiner alten Stelle, als ob 
während der Nacht gar nichts Torgefallen wäre. (Elsensohn, S. 11.) 

b) Auf der Alpe Diedams vernahmen die Knechte auf der 
Diele nachts oft das GerOlle und Scbellenklingeln von heran- 
kommenden Saumpferden. In der Alphütte angelangt, wurden 



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84 



die Kisten mit vielem Gepolter abgeladen, die Käslaibe aus dem 
Keller geholt, auff^eladeu und weggeführt, alles aul' dieselbe 
Weise, wie es die Säumer im Herbste auf den Alpen zu machen 
pflegen. Am andern Morgen aber war alles in der alten bflb« 
sehen Ordnung und von einein Abhaadenkommen von Käsen 
keine Spur. (Elsensohn a. a. 0.) 

c) Ein Senne war einmal auf Dicdams hinaufgekommen, 
um etliche Käselaibe zu holen, und blieb oben über Nacht. 
Kaum war es nämlich dunkel geworden, so hoben sich die Bütze 
langsam aus dem Boden heraus, senkten sich von der Decke 
herab und huschten zum Fenster herein. Als sie alle beisammen 
waren, fiengen sie zu semien an, melkten etliche Geisterkfihe, 
rflhrten Butter und bereiteten KSse. Der Semie schaute ihnen 
etwas befangen zu, ließ sie aber gewähren. DafQr thaten ihm 
jene auch kein Leid an, äondem halfen in aller Frühe sein Saum- 
pferd laden und ließen ihn wohlbehalten ziehen. (L. Bteub, Drei 
Sommer, S, 62.) i) 

d) Becht hösariag, ohne gereizt zu sein, benahmen sich öfters 
auch die sogenannten Elbbtltz oder Elb putzen. Wenn die 
Semien am St. Eilianstage auf die Alpen fahren, welche auf dem 

Bergzuge liegen, der vom Rothhorn sich rechts vom großen 
W alserthale bis gegen den Rhein hin erstreckt und im Besitze 
der Gemeinden Schwarzeuherg, Bezan und Mellau sind, werden 
sie von einer Procession mit Kreuz und Fahnen begleitet. Es 
geschieht dies, um die Weiden zu weihen, welche von den Elb- 
putzen arg heimgesucht werden, so dass oft in einer Nacht die 
Quellen yersiegen, Gras und Kraut Terdorret und Vieh und Men- 
schen elend dahinsie<^en. Manchmal mnss auch ein frommer 
Kapuziner in solcher Noth gerufen werden, dessen kräftigem 
Segensspruch es eher gelingt, die boshaften Kobolde zu bannen, 
welche öfter Menschen und Vieh in Abgründe locken, wo sie 
jämmerlich umkommen. (Yemaleken, S. 227.) 



[1) Von fthnliftlMWi dieitttbeflissenen Alpengeistero berichtet Qnbhartt S. 46.] 



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BftfeM. 



85 



25. 

Alpenbfttze im IT »IserUiAle* 

(Hflndlieh. lUggflL) 

Der Yomehmste unter den Alpenbfltzen des obem Walser- 
thales ist unstreitig jenes geisterhafte weibliche Wesen, das nnter 
dem Namen Alpmneter in den Hütten yon Lagüz Behaltet 
und waltet. Diese Alpmneter erinnert an Berchta, die Köni- 
gin der Heimchen, noch mehr aber an die nordische Hülle, 
Huldra. der Viehweiden nnd de-s Melkens hohe Beschützerin, 
an die Königin und Herrin des Huldrefolks. 

Ob unter diesem Namen eine Mutter der Vieh- und Melk- 
alpen oder eine Matter der Albs, Alpen (geniorum) zu ver- 
stehen sei, ist schwer zu entscheiden. Soviel ist aber gewiss, 
dass, sobald die Hirten im Herbste heimziehen, die Alpmneter 

von den Sennhütten Besitz ergreift und mit ihrem Gesinde den 
ganzi'ii Winter über in denselben hauset. Sie macht sich gar 
viel Ocscbäft: zu seunen, zu käsen, die Brenteii (MilchkObel) zu 
brühen, die Kessel zu fegen und die Kuhketten herumzuwerfen. 

a) Einmal gieng ein Jäger iin Spfttherbste in Lagüz an 

einer Alphütte vorbei und hörte iu derselben ein ganz sonder- 
bares Geräusch und Getuiumel, nicht anders, als wenn es noch 
HochaoniijR'r und Sonn und Bisenn vollauf beschäftigt wären. 
Die Neugierde lockte den Weidjnuüu, und er gieng und schaute 
durch ein Astloch in die Alphütte hinein und gewahrte in der- 
selben die leibhaftige Alpmneter. Es war ein altes buckeltes 
Weiblein, das am Herde stand, eifrig mit Kochen beschäftigt. 
Bings um den Herd und die buckelte Kdcbin herum tanzte eine 
Schar kleiner Thierchen, das eine em Salzbüchschen, das andere 
eine Kochkelle, das dritte einen Seihwisch und das vierte noch 
ein anderes Küchengeiäth in den vordem Pfoten haltend; eines 
der tanzenden Thierchen aber war leer ausgegangen und trug 
nichts in den Pfoten. Zu diesem wendete sich plötzlich das 
Weiblein und knurrte: »Hanschäf perle, chots mer Schmälz*, 



Üigiiizeü by <jüOgle 



86 



und siehe da, das Hanschä^perle erbrach Schmak iu Hülle und 
Falle. 

b) In einer andern Hfitte hauste der Lagtlzerbutz. Er 
wurde auch zuerst von emem Jäger gesehen. Dieser Jäger gieng 
einmal im Spätherbst« nach Lagfiz auf die Jagd, und als er 
hvi der durch ihren liutz verrufenen Deihju vorbeikam, schaute * 
er durch ein Astloch in das Deihjasifihchen hinein; da saß mit- 
ten in der Diele eine kohleuschwarze Katze auf den hiiitoru 
Füßen, hielt zierlich mit der vordem linken Pfote eine Maul- 
trommel an die «Goscha* und spielte mit der rechten gar lustig 
auf, und diese musizierende schwarze Katze war der Lagüzerbutz. 

c) Im Fludriga hat einmal ein Jäger mitten im Winter 
zwei landstVtMiide Sennerinnen getrolVcii. die im heftigen Streite 
waren ujid mit fe u i' i <^ c n ^ N ü c s c Ii c ii " zusammenschlugen, 
und das werden wohl auch Üützo gewesen sein. 

d) Daselbst, aber in einer andern Hütte, zündete öfters em 
Butz zur Naehtzeit die Hfitte an, dass fiber einer Weüe sie in 
Feuer und Flammen stand, und gleichwohl war sie bei an- 
brechendem Tage unversehrt am alten Ort. 

e) In der Huttla ist's auch nicht ri<'litiir. doch mir in 
einer einzigen Hütte. Es leidet, wenn einmal Hirt und Vieh 
fort sind, niemanden mehr drin. Ein Mann in einem weißen 
«Tschdpa' geht nachts um die Hfitte herum und zur ThOr aus 
und ein. Einmal geht ein Jäger in die Hfitte und denkt sich, 
da bleibe ich fiber Nacht; der Butz wu*d mich nicht fressen. 
Er macht ein Feuer an und legt sich in ' die Pritsche hinein. 
Auf chimal aber loscht es ihm d;is Feuer aus, nimmt ihm das 
Dach im iSturm über dem Kopf weg, dass er die Sterne am Fir- 
mament sieht. Er springt auf und davon und legt sich in der 
Nähe unter einer ^Znndera**^) nieder. Am Morgen schaut er 
zuerst nach der Hütte, an derselben war aber keine Schindel 
yerrfickt. 



') Legföhre. 



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Batee. 



87 



26. 

Alpenbfitze im Hontarom 

(Uflndlicli. Sebrans.) 

a) Alle Jalir nach Heiligkrcuz-Erhöhuag (14. Sept.) bezieht 
ein Butz die Alpe Valzifeuz im Montayon; er nimmt Besitz 
von einer SennhUtte, siedet und bi^t darin, dass man von weitem 
schon den Bauch fiber der Hfitte aufsteigen sieht Viel Geschäft • 
macht er sich, wie es scheint, mit der Pflege und Füttcruu^^ der 
Schweine; deüu JäL^or. d'w auf jener Alpe im S[iätherl)ste auf 
Anstand waren, wollen von iimi den Lockruf hutscli. Iiutbch! 
vernommen und einige wollen ihn gar ^sehriltliger" auf rothem 
Schweine sitzend über den ,Stafel* jagen gesehen haben. 

Dieser Butz, der auf rothem Schweine über den Valzifenzer 
Stöfel dahinbraust, bringt den müden Frd, den Gott der Herden 
und der Fruchtbarkeit, oder den nordischen Freyr und seinen 
goldborstigen Eber ins Gedächtnis. DerLanihnann rief Frd 
besonders an, wenn unter dem Vieh Seuchen droliten oder gar 
f'iiilirachon : (hiiin entzfindete er ihm ein Feuer und trieb das 
Viel) hinzu, die ilim \ «»rzugswoise heiligen Schweine vdran; das 
zuerst durch die Flammen laufende Thier Mutete ihm ah» Opfer. 
Bei der jährlich wiederkehrenden Alpenbenediction wird im Mon- 
tavon em großer HolzstoÜ auf dem Stafel angerichtet. Während 
der Priester die Gebete spricht, wird der Holzstoß angezündet. 
Vor noch nicht langer Zeit wurde in der Alpe Spora die ganze 
Habe Vieh durch den Bauch getrieben, nm sie im voraus gegen 
küiUUge Seuchen und Krankheiten zu sicliern. 

b) Knie Deihja auf der (jäfner Alpe, zuhinterst im 
Montavon, war <^m/. besonders vernifen wegen ihres Uutzes, 
nichtsdestoweniger haben einmal zwei Gäfuer in dieser Deihja 
übernachtet und zwar nach Heiliglcreuz - Erhöhung, Die zwei 
Gäfner legten sich auf der Fritsche zur Bnhe. Sie lagen nicht 
lange, so wurden sie dnrch den Butz gestOrt. Sie hörten näm- 
lich anf einmal ein ganz unheimliches Geräusch im Keller drun- 
ten; nach einer Weile sahen sie eine landsfremde schöne Sen- 



Üigiiizeü by i^üOgle 



88 



nenn aus dem EeUer heraufkommen mit einem Licht in der 

Hand und Holz auf dem Arme; sie feuerte an und kochte ein 
Mus; als sie d.iuut bald fertig war, rief sie: .Kommt jetzt zum 
Esson*. Die Männer spürten es eiskalt in den Gliedern imd 
wollten nicht herbei. Sie rief zum zweitenmal recht eindring- 
lich, und die auf der Pritsche getrauten sich kaum mehr zu 
athmen; endlich sagte sie zum drittenmal: « Losen, i will ni 
ko ga hola*. Da erhohen sich die zweie und kamen zitternd 
vor Furcht herbei und halfen der landsfremden Sennerin Mus 
essen. Das Gerieht schmeckte ihnen vortrefflüch, sonderbar kam 
CS ihnen aber vor, dass das Mus dort, wo die Sennerin aß, kein 
Loch bekam. Nach dem .Mahle war die Sennerin verschwunden, 
und die Uüfnor letzten sich neuenliii<(s auf die Pritsche. 

c) In Gargeila flbernachtetc ein Futterkuecht in einer 
Maiensäßhütte auf dem Heustock. Gegen ^fTtternaclit kam ein 
Budel Bfltze und krabbelte den Heustock hinan. Der Knecht 
merkte es und verkroch sich wohlweislich im Heu. Nun fachten 
die BUtze Feuer an auf dem Heustock und begannen zu sieden 
und m braten, dass dem Knechte in sehiem Verstecke himmel- 
angst wurde, es möchte alles in Flammen aufgehen. Als tlie 
Mahlzeit l>ereit stand, so rief einer aus dorn Haufen: ,Los. 
Knecht da im Heu »hinnen, komm und halte mit!" Und der 
Knecht kroch hervor und hielt mit; es mundete ihm aber nicht 
aus lauter Furcht imd Angst vor den fremden Leuten, und er 
verzehrte a «gotzig^s" Stfickle Fleisch. Nach dem Mahle er- 
g^Jtzten sich die Bfltze noch recht weidlich mit Spiel und Tanz 
und machten einen Lärm wie der „ang^tlig Teifel", fuhren aber 
bei des Morgens erstem Dämmern füi*sichtig wieder ab. Als dann 
der Knecht in den Stall kam. merkte er, dass ein schwarz- 
braunes I{ind ein ziemlich ,(,n-olles Loch in der Hüfte habe, und 
als er das Loch näher untersuchte, so kam's ihm gerade vor, als 
hätte man das Stück Fleisch herausgeschnitten, das er bei der 
nächtlichen Schmauserei mit den Bfltzen zu Leibe genommen 
hatte. 

d) Ein Montavoner Hiri; war emes Abends spät noch auf 
die Alpe Latonz gekommen, um eine schwarze Kuh, die bei 



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BlItM. 



89 



der Abfahrt zurückgeblieben war, zu holen. Er blieb auf der 
Pritsche in der Alphütte über Nacht, nachdem er zuvor die Kuh 
in den Stall gestellt hatte. Um Mitternacht zogen in dieselbe 
Hütte die Alpenbtttze ein und fiengen unter einem Teufelslärm 
in dem BeQgagemadi an zu kochen, sieden und braten. Der 
Hirt erwachte und schaute ganz verdutzt eine Weile zu. 
Plötzlich rief aber ein Butz: „Komm herab da von der 
Pritsche", und er iiiusste herab von seiner Lagerstätte und mit- 
halten; auf ciiiiiml merkte er aber, dass seine s« h\\ arze Kuh im 
Stall draußen ein ungeheures Loch im Leibe habe, und dachte; 
„Die Kerle haben das rieisch meiner Kuh aus dem Leibe ge- 
schnitten, und bis zum Morgenroth fressen sie dieselbe ganz 
auf*. Nach der Mahlzeit fiengen die Bfitze an zu musizieren 
und zu tanzen, dass die Alphtitte &st aus den Fugen gieng. 
Bei des Ti^s Grauen fuhren die Fremden alle ab. Der Hirt 
schaute ihnen noch nach, und dabei sah er au der Thüre der 
Alphütte eine Haut ausgespannt, die er fast als die seiner 
schwarzen Kuh zu erkennen vermeinte. Als es volU^nds Tag ge- 
worden war, 80 war die Kuhhaut an der Thüre verschwunden, 
und die schwarze Kuh stand unversehrt im Stalle draußen. 

e) Auf Mansaura, hoch oben über Tscbagguns, versorgte 
eine Futtermagd eine Habe Vieh in einer Maiensäßhfltte. In 
diese Hütte zog nun einmal um Mitternacht eine ganze Bande 
von Bützen ein und fieng an zu sieden und zu braten, zu 
schmausen und zu zechen. Am frühen Morgen fuhren sie wieder 
ab, und einer der Bande rief: „Es fehlt a Bfle, schnätzen a 
Hölzle". Die Magd fand nach dem Abzüge dieser unheimlichen 
nächtUchen Gäste in dem Stflbchen, dem Schauplätze des Ge- 
lages, weiter nicht« als — Rossdreck; als sie aber dann in 
den Stall kam und schmeichelnd mit der Hand über den Bücken 
ihrer Lieblingskuh fuhr mit den Worten: ,B*hüet di* Gott und 
b*Beg*n di^ Gott*, so stürzte die Euh plötzlich zusammen, wurde 
immer kh^iner und kleiner, weil sonderbarer Weise ihr Fleisch 
und ihre Eingeweide in ras<'heni V erzehr ungsprocesse verschwan- 
den. Zuletzt lag nur noch die leere Haut am Boden, wie man 



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90 



Botce. 



sie zum (»erber trägt, darin waren die Kuochen eingewickelt, 
und bei den^eiben la^ ein »g'schnätzet's Kölzle". 

Tn diesen Sagen von der schwarzen Kuh wird eine Natur- 
erscheinung erklärt und versrnnbildlicht. Diese schwarze Kuh 
ist die Regenwolke, von der die Windgeister zehren, indem sie 
den liegen derselben auf die Krde ergießen. Nur ein kleines 
Wölkchen, die Haut, bleibt übrig, und ans dieser ersteht und 
wächst die Kuh zu neuem Leben. 



IV. Geister. 

Ein stehender Artikel im Aberglauben unseres Volkes ist 

das Geisten, mundartlich auch Gä§ta, Goa§ta undGä§ta, 
das ist das A\'underu und Wallen, das Treiben und Thun abge- 
schiedener Geister, welche weisen im Leben begangener Frevel, 
im Gegensatze zu den beruhigten, in die Unterwelt oder in den 
Himmel aufgenommenen Seelen, nicht oder nicht vollkommen der 
Seligkeit und Buhe theilhaftig geworden sind. Die Erevel wer- 
den in unserer Sage gewöhnlich stark betont, und nur selten mel- 
det sie von Geistern, ohne dass sie die Missethat, wegen welcher 
dieselben geisten, mitnennt. Es erscheinen zum Geisten verur- 
thcilt vorzüglich diejenigen, welche unredlich waren in Maß und Ge- 
wicht, Marksteine verrikkten. entlehntes Gut nicht erstatteten, dann 
sorglose Hirten und Sennerinnen, die das ihnen anvertrautt» Vieh 
vernachlässigten, (ieizhälse, Hauernschinder, Vaterlands verriither 
u. a. Sie erscheinen unter gar mannigfaltigen Gestalten, bald 
als die leibhaften Menschen, die sie im Leben waren, bald in 
weiße Gewände gehüllt, mit schwarzen, die begangene Unthat 
bedeutenden Flecken an denselben, bald als feurige funken- 
sprOhende Wesen, oder sie treten in Thiergestalt auf: als Hönde, 
Schlangen. Böcke u. s. w. So mannigfaltig die (Jestalt der 
Geister, so verschieden ist auch ihr Gebaren; bald ist es nur 



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91 



ein plötzliches Erscheinen und Yerschwindon. bald ein unstetes 
nächtliches Umherirren, ein Jammern und Stöhnen, ein Poltern 
und Klopfen an der Stelle des verflbten Frevele, oder sie sind 
2Qr Hut von Sehätssen oder zu einer sanren Arbeit wie zu gra^ 
ben und tragen Terurtbeilt. Den Menschen erweisen sie sich 
meistens sehrecMich und schädlich, nur selten freundlich und 
ziiihati^. Die Stätte der Untliat, um derenwillen sie f]^eisten, ist 
crew öhnlich auch ihr Tummelplatz : der den Markstein rückte, 
wandert nachts als „furiger Man lier * die l iureu und Wiesen ent- 
lang lind schlagt unter schrillendem Gelächter mit gewichtigem 
Schlägel auf die Köpfe der Grenzsteine; die Uausfrau, die unter 
Fluch- und Scheltworten den Bettler abwies, wird vom „Frau- 
ik?tenkind**0 HausthflrschweUe gesehen, mit einem 

Stflckchen Brot in der Hand. Die Geister können bisweilen yon 
den Menschen erlöst oder durch fromme J*riester gehannt, d. h. 
an einen bestimmten JMatz hin versetzt werden, wo sie der Zeit 
ihrer Erlösung harren. Erlöst werden (leisleiuie durch lieltet und 
Segenssprüche, durch Ersetzen des vou ihnen angerichteten Scha- 
dens, durch Vollendung der ihnen auferlegten Arbeit, aber auch 
durch das bloße Danken ffir einen von ihnen geleisteten Dienst 
und unter vielen andern besondem Bedingungen. Jedenfalls ist 
es zu rathen, wenn man einen Geistenden erlösen will, ihn zu 
fhigen: „Was fehlt mir?*' Da wird er antworten: „Dir fehlt 
nichts, wohl aber mir'\ und nun wird er erzählen, warum er 
geiüten müsse, und wie er zu erlösen sei. Ivuft der Geist: 
„Wo soll ieirs hintliunV" so hat man zu antworten: „Wo du 
es hergenommen imt'\ oder wenn man nachts im Freien jemau- 
den niesen hört, so sage man: „Helf Gott", oder spreche laut: 
„Alle guten Geister loben Gott den Herm'S An Geistersagen 
ist Vorarlberg verhältnismäßig reich, ich habe jedoch v<m den 



*) In Schwaben, Vorarlberv nnd der Schweiz hat man aua FfMmlkaten, d. L 
den Quatembem eine Fran Faste, gleichsam eine Penoniftcation der Fastenzeit 
senacht. Wer nm diese Zeit, besonders aber in der Frdhnfastennaelit, mittwochs 
▼or Wenmachten, geboren wnrde, ist ein »Fraufaatenkindc nnd sieht afle Geister 
BMoe und Ge^oister, steht mit ihnen wohl auch im Veikehr, weefaalb man seinen 
firOhzeitigea Tod wünscht. 



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92 



Geister. 



vielen nur die nachfolgenden aufgenommen, da sie die eigen- 

thümlichen Züge dieser Sagengattung 

scheinen. 

1. 

]>ie Sennerin ftuf Spniiers. 

(Hfinaii«li. Bns.) 

Uf der Alp Spul 1er s dorn ist amal a Senne gsi, dia hat 
nu' dem Vach vo de riclia Liita '/iioL^licbl und arma Lüta Yach 
Hunger lida lo, und so hat sie's ttriba vil Sümmer. Jetz 
amal im Winter, wo ma lang scbo vo Alp i^t gsl, gäht en 
Jeger Spuliers zua nf Jagd, und da bigegnet em dia Senne, 
V9 der i* yerzell, de Kopf wia verbrämt mit Eiss und Schn§, 
die rdth Juppa Stf und Be gfröra und am Arm en Emer. Der 
Jeger ka si' net gnua verwundera und fr&get: „Ja, Senne, bi?t 
du 6' um d' Weg und weit d' ebba uiii dia Zft z' Alp?" „Ja", 
set sie, ,,i' muaß uf Spullers uffi, den arma Liita d' Schwi 
fuetera, de richa hon i' sie scho gfuateret", und gabt ihr's Wegs 
witer. Der Jeger luaget ara ver^tünt noch n4' und denkt für 
81* selb: „Das ift d' net kauscba'S und wia er g^ga-n- Abed 
b4m i d's Dirf kannte b6rt er rem Tum d's Todtagiöckle lAta, 
und uf si Frag, wem *8 d^rmäl gelte, git man em zer Antwurt^ 
der Senne T9 SpuUers. 

2. 

Der Belst auf der KanlslLuhO* 

(Mnudlich. Au.) 

As i^t amal a Miftndle am N&hpür nidig gsin um die 
BOhona Etleb, und fa^ft g&l und grfia heat's kondo wearo, weun 



V Id Imwni d«i BregennrwaldM lieht ddi aQdUeb tob Sdutepfm und in 
westlicher Bichtuw von d«r Ach Ut mm Kanithaeh die Ktnitflnh« ein weit- 
wendises Felsengobirge, nuijestttiBeh inponienoid, besonder« an seiner Nordseite 
(«ffen das Dorf Schaepfim, wo es eine steile vom Fuße hie rar höcbston HAhe 



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Gebtor. 



93 



as die schweara Stuck uf der Wad gseaha heat. Nau' und nau' 
i^t um aber 's Ntdhifele dbeigango, und as gäbt und leit boamli* 
ni^bilte Tannareando m Weag, uf dem grad *8 N&bpdia KUeb 
2ur Tiinke seand ggango, und wau dernau* oane iru de Eliebna 
uf d' Reando i^t kü, so i? sie gschlipft und Ober de Weag üs- 
drölot, öber a Bühele abe und beat si' 's Kruz l)bvocho. 'S 
Miändle ist drüf filharkü und heat weallo liiego, ob d' Kueli 
ou' gweaß müstüd si, gabt aber üverseabas ou* uf diaseil Reando 
und drölot öber de Weag üs und öber a Bübele abe und briclit 
si' ou' 's Krnz. Wau as drdf vnrs Grickt Gottes kü ift, beat 
um Gottvater 's Urtel g^procho, dass as die TerftUt Kueh all 
Nfibt uf d' Eanisflueh trägo und deraau* wider abedrolo mflefi, 
und SH dear m treit's ou' flißig d' Kueh aU Nftbt uf d' Kanis- 
fluob und pfnea^tot derbi . dass rna's /itowis bis zum Doaf 
Scbnepfou bort., und wenn as mit siner Bürde uf da Speaz vur 
Kanisflueh kü i^t, lacbt's öberltit und droit sie wtder abe. An 
ji^unaul, wenn as sie wider dorn beat, tar as ur a Häurle Ü8z§ro, 
und wenn d' Kueb gir ka gotzigs Häurle m§b beat uf der ganze 
Hüt, i^t as arlöst. 

3. 

Yom Alphirt and dem weissen Boss. 

(TenudekeD, S. 77 f.) 

In Lustenau erzäblt man: Es war ein Hirt auf einer 
Galtalpe ^) und weidete dort seine jungen Stiere. Einer von 
diesen Tersnehte immer aber den Zaun und die Felsen zu steigen. 
Als Ihm der Hirtenbub dieses nicht abwebren konnte, so streute 
er Ihm einst gescbttte Binden auf den Weg, damit er darauf 
tretend in die Tiefe stUrze und so die andern nicht mehr auf 
den gefahi liehen Weg verbu'ke. Wie nun der Stior koiuint. tritt 
er auf die Kmdeu uud stürzt uieder. Er will zurück, kann aber 



reidieiide relsenmiul mit weniien A1)iiti6ii bOdefe, dMsen Udtile Spiti« mint 
[8041 m]. S. Tirol und ToiadWf von Staffier II, 44. 
^ 6«ltalpe, wo nnr jmife Süoro goweUtot werdon 



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94 



Gdater. 



niclit mnhr, weil es zu schlüpfri;^^ ist. Da fUllt er auf die Knie 
' meder und Üeht den HirUububen an. er möge iiin zurücklassen. 
Doch er muss einmal hinüber und fällt in die Tiefe hinab. Von 
der Zeit an ist dem Hirtenbuben nicht mehr wohl sein Leben- 
hmg, und bald musste er sterben. Seitdem aber der Stier so 
elend umgekommen, sieht man oft einen Schimmel in den Zun- 
derc^) herumsteigen und sich dann in die Tiefe hinabstürzen. 
Dabei liGrt man jedesmal i'in starkes, seltsames Pfeifen oder so 
ehieii Ton, wie wenn es stark reguete. — Oft ist's kein Schim- 
mel, sondern ein Mönch oder ein Pudel. 

Auf derselben Alp grub ein Mann Jünzianwurzeln und fand 
auf dem Keimweg ein Haus, welches sonst nie dort gesehen 
worden. Darin war einer, der kochte. Er fragte ihn, was er 
hier mache. — Ich koche, wie du siehst. Er heikannte ihm 
noch weiter, dass er ein Geist sei und hier zu bleiben habe so 
lange, bis er erlöst werde. Dann gab ihm der Kochende einen 
Stein vom Boden, und als der andere ihn in die Haiid uahm, 
wurde er in demselben Augeid)licke ganz glühend. Dieses aber 
wäre, wie die Leute sagen, nicht geschehen, wenn die Alp vor 
dem Viehauftrfeb wäre eingesegnet worden. Ofk, wenn dieses 
nicht geschehen ist^ fand man auch die Stiere an dem eisernen 
Gldckeliing erwürgt und den Bmg selbst ganz verdreht. 

4. 

Der Rosshirt geistert. 

j (i^lütiusubu, S. IG f.) 

Ein Knecht sollte ein Pferd auf einer Alpe hflten, ließ es 

aber aus Gleichgiltigkeit über eine jälie Stelle hinunterstürzen und 
lachte noch dazu. Nach seinem Tode hörte man ihn oft au der- 
selben Stelle ängstlich stöhnen und wie unter einer schweren 
Bürde keuchen und dann plötzlich in ein gellendes Gelächter 
ausbrechen. 



Legfölireugestrüpp. 



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Geistor. 



95 



5. 

Der BteM auf der Alpe Hintern. 

(Elsensohn, S. 16.) 

Ein Senn in der Alpe Hintern nicht weit TOn Damtfls 

hatte eine Kuh, welche ihm immer ausriss und nur an solche 
Stellen hinwollte, welche recht steil und abschüssig waren. Da 
stieß er sie einmal im Zorne hinunter und gab dem Eigenthümer 
vor, sie sei selbst hinab- und todtgefallen. Nach seinem Tode 
aber musste er geistern. Man sah ihn die Kuh zu der steilen 
Stelle hinauftragen und hörte ihn dabei weinen, beim Herunter- 
werfen aber laut anflachen, Ais ihn einmal ein Alpknecht an- 
redete und fragte, wie man ihm helfen könne, sagte er, wenn 
man dem Eigenthflmer den Schaden ersetze. Dieses geschah, 
und der (ieist hatte seitdem Uuhe^). 

»er Gleist auf 0 weil 2), 

(MQodUch. GalleiUnrcb.) 

Uf der Alp Gweil hä.t amäl en nfltnutziga Hirt si Häb 
uf *nen gf5hrliga Wddgang ttriba, und dä i$t a ko^tlige Euch 
gschlipft, dor' na Ganda ähidrölet und erfalla. Der Hirt i^t g4r 

net grüseli' drab erschrocka, er hat amal noc h siiga möga: „Drol 
zue, du ghor^t ama Richa'\ Bald druf i^t der Hirt g^tarba. 
und vo dort a i§ es uf Gweil nümma recht kauscha gsi. Ufter- 
mäl hei ma 7/ Naelit bim Möschi en Ma a Kueh müchsam dur' 

c I i c 

dias^ll Ganda ufßtrAga gsaha, und sei er amal mit siner Bnrde 



•) [Ganz dieselbe Sage hei Grabherr, S. 46.] 

') Der Naim fw«iar lUynn (Vorder» und Hlniergwtiil) sOdweatlicli ton St. Qal- 
leokirch am Faß» eine» mAditiffen Joches. Dieses Joch wird von der [altenj Mer- 
rddiieehen Genenüstthekarte nnd WOrles Spedallurte inihllmlich ah »(taeUeiijoehc 
beseiehnet. Der Bauer nennt dieses Joch vie die Alpe Gweil (Owajrl, Kweil) von 
romanischer Wnntel : vielleidit verwandt mit Caval, Oafsll, Gapfahl, einem ApeUativ, 
das sieh inuner an ein Joch oder eine Spitze hlaft. 



• 



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96 



CMfltor. 



iif d' Holii ko gsi, so hei er sie abgwarfa und gjAhzt und a 
gelligs Giäeliter ghett, und mittlerwil sei d' Kueh dur' d' Ganda 
wider ähidrOlet, dass alls erhillt hei vor Lärma-n-und G^tos. 
Jetz am&l füehrt ma an Her uf dia Alp, und der passet dem 
G&$t üf ond fraget en, wo-n-er kmmt^ wanua er denn z* Naeht 
Alplüt oftermäi so i d* TJnieb bringe, und ob ma-n-em mit 
etschas yerMlfli* s! Icflnnt. Der €Mift git zer Antwort, er bei bi 
Lebzita-n-a ko!<tlige Kueh vcrlallt und kcü Schada-n-ersatz gge, 
und derfür müelJ er jetz nä' 'em TM ga?ta und d' Kueh dur* 
d' Ganda uffitraga, bis die ganz Summa, dia d' Kueh unter 
Brüedei wir wert gsi, bim Pfennig fiszallt sei; all Jahr künn 
er, wenn er flißig trage, en Groscha drä abzalla. Uf das hat 
ma dne mit den £rba Tom Agathümer der Eneh abgmahat, und 
dmr* das ift der GA^t uf Gweil erlöst gsiO- 

7. 

Der Geist in dem Kuialocb, 

Ihr kennt den Eniakopf in Bflfensberg? Ton diesem 
Kopfe fUlt eine Felswand steil ab, und im nntem Theile dieser 
Wand ist ein großes Loch, das Knialocb. Nun war einmal eine 

Seimtuiii iu Hüfcnsberg, die wollte liutterii. kounte aber uumög- 
lich Schmalz zuwpi»o bringen. Sie wurde darüber zornig und 

brach in den greuiicben Fluch aus: „Himmel Herrgott Sac , 

es ist gewiss wieder der Geißbock schuld daran I** Sie gieng in 
den Stall, erfasste den GeiÜbock, zerrte ihn auf den Kuiakopf 
und stfirzte ibn Aber die Felswand hinunter. Der Geißbock aber 
hatte sieb mit einem Horn im ,Hdttel* (Jnppe) der Sennerin 



') Vgl. mit dieser und der roriveii Saie die grieclüflehe Mythe vom RAuber 
Sisyplitts. Elsensobn (S. 18, Anm. 18) Irameilct su den GeiBtersafen aue 
Alpen: »Da die mdston Alpen vom nächsten Dorfe eine, awei bi« drei Stunden 
entfernt aiod, so ist ee bei dieser Abgeseliiedfliiheit unmOglichi das Thun und Treiben 
dmr meiBtens yadungenen AlpenloMNihte m flberwachen. Ihr Gelkarsn mnas alao Sirem 
eigenen GowJseen ttberiaaaen werden. Dassellte in seh&rfon und ihnen die Folgen 
bOser Handlungen zu vergegenw&rtigeu, waren Geistersagen bei der reUgiOeen und 
glAubigen Sichtung des Volkes besonders geeignet«. 



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Tenfrickt und riss dieselbe im Sturze mit si<di fort Weder Tom 
Geißbock noch tod der Sennerm kam je wieder etwas zum Yor- 

scliem; die Sennerin, heißt es, geiste im Kuialoch und sei ver- 
urtheüt, auf ewige Zeiten dort zu buttern. 

8. 

Der ewige Jude. 

(Yeraalekea, S. 81 ff.) 

Von Zeit zu Zeit kommt der „ewig Jud*^ ins Land, so 
erzSblt das Yolk um Lustenau. Zwar fragen die Jungen, 
wenn sie es von den Alten erzäJilen hören: ^Wann ist er denn 
das letztemal dagewesen, und wann wird er etwa wieder kom- 
men?" Man merkt's dann, sie möchten halt den steinalten 
Mann, wie er mit seinem langen weißen Bart in seiner seltsamen 
Tracht am Wanderstab daherlauft, auch einmal sehen. Wann, 
entgegnen darauf die alten Leute, welche ihn gesehen haben, dar 
ewig Jud wieder durch unser Dorf wandern wird, das Iftsst sich 
schwerlich sagen; denn er muss in der ganzen Welt herum- 
laufen, soweit es Cfaristenmenschen gibt, zur Strafe dafür, dass 
er Christum von seiner Thüre weggewiesen hat. Denn als die 
Juden nnsern Herrn auf den Calvarienbcrg führten, wollte er, 
ermattet von dem schweren Kreuztragen, vor der Hausthüre 
dieses Juden ein wenig niedersitzen und ausrasten. Wie ihn 
aber Christus darum bat, trieb ihn der Jude unbarmherzig von 
der ThUre weg. Darauf hat der Heir zu ihm gesagt: «Weil 
du mir diese Bast nicht gegdnnt hast, so sollst du von der 
Stund' an wandern, solange die Welt steht^ bis zum jtlngsten 
Tag*^. Und noch in derselbigen Stund* hat der Jude, welcher ein 
Schuhmacher war, sein Kind vom Arme weg und auf den Boden, 
gestellt und ist, ohne von seinem Weibe Abschied zu nehmen, 
alsogieicli auf und davon in die A\ elt hinaus und muss jetzt 
laufen und wandern bis zum Ende der Welt. 

Damit er aber zehren könne, so hat er immer einen Gro- 
schen im Sack, und so oft er diesen ausgibt, läuft er nur drei- 
mal Tiiii den Tisch herum, und ein Groschen ist wieder im Sack. 

Dr. F. J. Tonbim, Sagmi Toiailbercs. 7 



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98 



Q«Mer. 



Diesen GroBoheii weeheelt er nie imd verzehrt tfteiail, wo 
er hinkemini, nur diesen imd nicht mehr. Das Idtetemal, als 
er in Lnstenan war, blieb er bei G«viitler Jolnibs fber Niu^t. 

Da ist ihm denn auch, und gewiss nicht das erstemal, ein Cru- 
cifix vorgekommeu, welches die Leute, wie i^ebräuchlich, im 
Herrenwmkel aufgehängt hatten. Wie das der Jude sieht, ist 
er in Entsetzen und Wuth verfalleu. Jä w4hrli'! die ganze 
große Sünde, wie er sie einmal begangen hat, muss ihm zentner- 
schwer anf sein dewissen gefallen sei]\i sonst hätte er nie in so 
entBetaliche Wnth kommen können, wie's daxomal geschehen ist 
Endlidi hat's den Jaden wieder fortgetrieben anf seine ewige 
Wanderung, nnd die Lente sind gewiss von Hemn Mk gewesen, 
wie er einmal aus der Thüre drauiien war^). 

9. 

Das TlurSneabltokieiii« 

(MflndSdi.) 

Auf dem Wege von Bludenz im Walgau nach dem Thale 
Montavon erscheint nicht Aveit von Lorüns eine grüne Halde von 
gleichmäßiger Senkung und gekrönt von der kleinen Kirche 
St. Anton, daher im Munde des Volkes „Santantöner Alma" 
genannt. Auf dieser Alma soll in uralter Zeit eine Stadt gestan- 



^) Vgl. Nürdd. Safeu, S. 451 (387). Der Woej&ger muss ewig jagen. S. 
Kahn, 824, 1. Anm. 824, Nr. 151 (der ewige Jflger). TgL W<dfr 2eiMr. flr 
MjÜL I, 484. 

Die Legende vom ewigen Juden entstand irahrsbhelnlicli im 18. Jahiiinndert, 
mo flfte Hfttfihiiis P«Hsi«nii raerst cnllilfe, und ist waf das jQdische, in 11167 W«lt 
Mtrinm^ nkgtuh Yolk m draten. Nftdi dtr gewOhnlklMii Sag« ist dw 

«vife Jude der Sdndmiwte Ahaarerai sa Jerasalem, der, als doiatiia auf dam 
Wage naah Golgatha var seinem Banae rohen wollte^ ihn forttrieb. Ein Yolkshndi, 
"welcliea die Gesabicfate dea enrigen Joden ausfUuUeh eolUt, führt den Titel: »Won- 
derhadicber Bandit von einem Joden ans Jeronlem httrt^ ond AhasTems geniinnt, 
veleher fdrgi^t, or sc! bei der Kreuzigung Christi gewesen«. Auch wurde die Legende 
in neneier Zeit vieliach jpoMtiadi JbeailMitet T<m Qoethei Jnliiu Mosen n. a. 



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Qttitter. 



dm InbAD, nameoB PrasaUni^X wi4 imLamfe der Zeit tlber- 
flofaitUM worden acü*). 



') Prazalnnz (iont^Ti r-Miir--- p r :i de z a 1 ii n z , Wit'sf von Zalauz, 
•Ohereinstiminend mit einer feago, die dou eisttn F.rhauGT einer Kirche im houtigien 
kleinen Pfarrdorfe St. Antoo Otto von Zai&xa neuat und vou einer Burg der Herren 
von ZaI&tu uieiUet, die einst hier gestanden. iVudere sagen : Prazaiuu/ ist 
80 viel ais pras als ogns oder ons ~ prata alnis con&ita, d. i. unsei; 
Erkoh, EiIav. 

*) [Man Tgl. F. Job. Baptista (B a u r) Ord. Cap., Prazalanz (im XIX. Eechen« 
schflfts-Bericht des Ausschusses des Vorarlberger Museum-Tereins in Bregenz Ober den 
Vereins-Jaiufc'aug 1879, S. 57 ff.). — Nacb P. Baur sei der Pfarrer eben traurig 
Tor dem Pfarrbofe gesesaeOf w&hread sich die Einwohner der Stadt Prasalane m m- 
miftgw und trtAn Wtb« te Tandiuk otgabm. D« lialie das HOnddiea im PfStt- 
ren in elaemfort gewinselt md dondi sein Kn- und HeiUnfen den Fflum ans dpr 
Stadt liinamfelodtt iJs er dnuißea war, mi die Stadt durch den BeifBtan nae- 
sdmttet worden. — Et wdten nneh vor dem ünleigftDge der flpp^gen Stadt» weldie 
sofv mit dem henlklaten Weisenbiote den alMdienlicfastea Knfliwülea getrieben, 
Geifilnxten üftan feigebene nnf den flbcvtaftngenden Bei^ hingewieien haben. 

Thataadie iat, daaa St inte» früher Zelans Ueß, und daaa daselbst «in Adela- 
geediledit hanate. Aue diesem waren Otto and Bfldi von Zalaaa Hanptelifter illr 
die Kapelle des bl. Anton des Einsiedlers zn Zalaai. Die älteste Stiftang fOr die- 
selbe $;tamnit nadi dem Urbnr nns dem Jabr 1407 und ist beet&tigt durch Claß ob 
der Kirchen, >zu disen Zeiten «o^ttman in Montafuu«. Es ist dies jene merkwür- 
dige Persönlifhkeit, Ton der eine den Zustand des Walpatis vor nnd mch dem 
Appenzeller Krieg beUandeltide Schiift (Zell weger, Urkunden (1S£1) I, 2., 149 ff.; 
Neue Zeitschrift des Ferdinandeums (1886) II, 109 fT.) sagt : >Vnd do saß ainer 
ze HliKlontz, der hieß ('Jaus Sabett genant ob der Küchen, der viel ze Bludentz über 
<Ue Mut uß vud luff zu deuea vou Montafau, vad der wa& ier hoptman vnd ir 
amnan in Nontafio, diewil der punt veret» do si T<m irem hem abgefallen winnd. 
Saat weder vor noch naeh haben si in Montsfnn va» hsin amman geheptc. 

Merkwürdig ist ein im Innsbrucker Statthalterei-Archlv (Post-Archir, Urfconden 
n, 880) üegender Brief rem St. Jörgentag 1458, nach welchem H&nnBÜ Waldner, 
•esabaft sn Zabw im Blndenier Kircbspel, und Qn/äa, seine ^nsfran mit WfUen 
lienhavt Kaien, dee Giafen Wilhelm Ton Werdsnberf Ammamis im Walgan, ihrem 
lieben Bimder tmd Schwager Eons Waldner und dessen Weihe Anna um 800 Pfand 
Pfennice einen evigeii jlhzlichea Zins TOn 10 Pf. Pf. Constanser Hflnie 
Blndeaser Wlhmng ans ihrem Beaits im Blndenier ^rchspel Terschreiben. In diesem 
Schuldbriefe findet sich dw FInmame Fro-nzelanns, von dem es nicht mehr 
weit bis Prasalanz ist. 



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100 



CMsIw. 



Gtegen Nordost«! ist dio grOne Schutthalde abgescbloBseii 
durch eine schroffe, steil abfEJlende Gipswand, der ein Bftchkia 
entströmt, das über die Alma fließend der Hl zueilt und jahnms 

jahrein trübe geht, was der nüchterne Verstand vom Gipsgehalte 
ableiten will, die Phantasie des Yolke3 aber viel poetischer deutet 
An der Quelle des Bächleins geistert nämlich seit undenklicher 
Zeit eine Jungfrau, einen kostbaren Schatz hütend und schmerz- 
lich ihrer Erlösung harrend. TTm die Jungfrau zu erlösen und 
den Schatz zu heben, BoUte man eine ungeheure, grausenhafte 
Eröte, die auf dem Deckel der Schatzkiste sitzt, dreimal auf den 
Mund küssen. Biesen Mnth wollte aber bisher noch niranand 
haben, und die Jungfrau, an ihrer Erlösung verzagend, ^thrftchnat* 
(weint), dass ihre Thräm ii stromweis in das Bächlein lallen, wes- 
halb dasselbe so trübe geht und .Thrächnabächle'^ (Thränen- 
bäcblein) genannt wird. 

10. 

Das Fräulein im Walde. 

(Mandlich. Feldkircb.) 

As hat amäl a ganz wißkloadts Fräule im a Wald goa§tet, 
und das Fräule i^t amäl ama Holzschröter bigegnet und 8§t 
firündle zuenem, er aöU's erlösa. D*r Holz8chr6ter (es sei sos a 
bitz en Lappe gsi) gtt zer Antimrt: ,Jä yo Herza gern, wlßes 
Irftule, wenni' 's nn* kf*. Drüf sdt *8 Frftule: „Du mua^t 
h^t a grüsige Schlanga dreimal ufs Mül küssa, und denn würi' 
erlost". Dem Holzschröter i§t jetz aber nut meh um erlösa 



Am 28. April 1457 yerechreibt Lienhart Adelber Zalanz in Montaron dem 
Jörg ZschOttscher einen Zins von i Pf. Pf. von seinotn Eigenthame zn Zalanz 
zu St. Antonieu. So treteu beidu Namen unscror Ortschaft uebeuoinauder auf, bis 
endlidi der swdte den enfeaa Twnbftngt. Dies geschah TolUt&ndig, als 1646 St. Anton 
ton der Stadl^forre Blndenx getrennt «nrde. 

Nehen dem AdelscescUeGlite »von Zalaiu« es edn liaxfeilleheB GeecUeekfe 
»ZiduM««. Am 5. Deeember 1576 winde Katiutrina ZtHamMaSn^ Frau dea Oeoif 
Kraft, dnröh Qtmtg Zelff, Wnnd&rst und Scherer in Montafon^ ermozdet 

Ibn tfL Aber Zalan and St Aaton andi J. Bergmann, Landedmnde von 
Yoiailbeqr (Innshnick, 1S68), S. 79.] 



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Gebter. 



101 



gsi; ^8 iUole aber fangt due a gräza: ,JetE mueß i' noch 
flo lang goa^ta^ bis das Tftmiela d& a Taima wo», bis mf dia 
Tanna gfiOlt, gsäget und tB de BietAer a Wiega gmacbt bat, 
und bis an er^tgiboxes Bfieble i der Wiega gUgap-n- und bis 
das Bflable an HSr wora-n- i^t und die §r$t Mess gl^sa llat^ 

11. 

FrSulelnlda. 

(MQndUch. Feldkirch.) 

In uralter Zeit bat auf dem Scblosse Sebattenburg ein 
Frftnlem Ida ibr Sind umgebiaeht. Kacb dem Tode mnssto sie 
geisteni nnd wandelt nim alle Samstag naehts vom Sehlosse 
benmter, tlber den St Leonbards-Platz imd neben dem Convict- 
Ocbäudc vorbei hinab zur Hl, um dort ihre blutigen Hände zu 
waschen. 

12, 

Mutter und Und« 

a) Es i$t amäl a Mueter gsi, und dia bat a Büeble gh|i, 
und das Bfleble ift ara lieb gsi, wia sos nfint nf der Welt, und 
^8 Büeble w&r sHier Mueter dur* *na Für g^pronga. Aber d* 
Mueter erkranket und stirbt, und d& ii^ dem Büeble gst, a*8 
gUret's nümma z* leba, und de ganza Tag hat's gräret und 6* 
d' Nacht noch, wo 's hat wella soLUra, i§t em d' Mueter in 
Simi und 's Wasser i d' Oga kö. Wia 's aber gega Mitternacht 
gabt und 's Büeble noch allawü wach und trürig i sim Bettle 
lit, gäbt oanormäl d' Thür vom Schläfkänmierle böfele üt. und 
wia *8 Büeble erschrocka lu^ well, wer kämm, $taht eine 
g^torba Mueter a*s Goa^t vor em, im a scbndwtßa Eload, no* 
am an Ärmel sei a schwarzes Tüpfle gsi. Eründle sdt sie zum 
Kind: «Gttt, Hannesie, du kennft mi* noch?" „Ja frlle, kennt* 
di' noch*. »Se gang", s§t d' Mueter wider, „und wüsch der 
d' Oga-E-Üs und hht für mi' andächtig en Rosakranz, dass mer 
da mi Tüpüe am rechta-n-Ärmel vergäht, demä' bini' öhne 



102 (Mftar. 

Makel und kumm in Himmel; jetz muaßi' noek giMyta, wü i' 
amü nftmma-iHi ULM» Gär^ta TerüSka imd sftnmia z^mckggd 
fa| ^ iiiei!k% ftdsiA €Kiet timet ke guii". — 8p alt 8l6 und 
Tersckwindet drftf. *S Hannwle springt gndfh M Bett und 
b^tet kneuliga en Bosakranz, und w!a *s mit dem ktste StflcUe 
i§t fertig gsi, so eracMnt em d" Muetcr noch amal, aber dlmö 
Tüpfle am rechta-n-Ärmel, Ober und über wiß wia Sehne, und 
lieble wia en Engel dütet sie gega Himmel und set: ^ Hannesie, 
jetz kummi' uöi*, und verschwindet, und dem Hannesie würd 
wöhl ums Herz, und es vertschläft rüöbig. (Mündlich. Feldkirch.) 

b) [Es war einmaL eine alte Whfi»u, und die hatte einen 
einzigen Sohn, den sie mit vollster Z&rilichkiit liebte. Da eis 
krankte der 8ohn und starb. Wae die Alte da Tor und naeh 
dem Tode zusammengeweint, kann sieb jeder leicht denken. Nim 
erscheint ihr nachts, als sie wiederum in Thränen auf ihrem 
Bette saß, der Verstorbene und bringt ein „Ständele* voll VVaa- 
scr mit. „Soviel, beste Mutter!* sagte er, ,habt Ihr für mich 
bereits geweint, und doch hat es mir nicht das geringste genützt. 
Betet für mich, auf dass ich zur Eube komme!'' Die Erschei- 
nung wich nach diesen Worten. Die arme Frau aber vedegte 
sich hierauf mit aller Kraft, wddie ihr die Liehe zum Todtea 
einflößte, aufs Gebet, und dieses drang ans dem tiefsten Chrunde 
des Mutterberzens mächtig zum Himmel empor. Kach kurzer 
Frist erschien ihr der Sohn wieder in nächtlicher Weile und 
dankte, da er durch das Gebet seine Bube gefunden.] (^acb 
Dr. Spiegels Aufzeichnung. Dombim.) 

13. 

Die goldene Schlange in Welfiirt. 

(MOndlieh. Wolfturt.0 

Ob WolAirt ift a Zwii^bm:g gst, 
Sie i^t jetz Me z^mmakclt, 
TTnd nu* yerw^ets M^werk 

19t d* Läibeta der Henligkeit. 

*) Bio Mandart um Wolfart ist mir nidil geULnHirt weriialb diese Sefs In 
gangbenm Oberlioder Dialeete enaiilt ist 



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m 



Und uf dem aita grawa Gmür, 
Dik i^t a goldne Schlanga Ghüs, 
Sie schlaft ddrt, an a Eugla grollt, 
De ganza Herbft und Winter te. 

Es bumt der Langsa n&eh nnd nUak, 
Es lacht der Himmel frnndle blan, 
Es schwanken hei im Snnnascb! 

Milliona Biüenüe uf der Au. 

Da bi der lieba Früehligszit 

Erleblet d' Schlanga uf der Höh, 

Sie re^, sie ^treckt si', schlicht i's Thäl 

Und will fli' Büunela-n- im Kle. 

Und wandelt drüf i dem Revier 
A chrigftlis Sunntigkind verbl, 
So siecht es d* Schlanga fnnUa heU 
I nnd M aiasunnaschi. 

Dä flochVs, yerseihocht ab'm Wnnderäder, 
Wil's weiß, es i?t — biwfthris Gott — 

Der Gei^t vom sella Rittersmä, 
Der zle^t uf Wolfurt ghüset bät^). 

En Bürabläger sei es gsi, 
En richa Githals noch derzne. 
Hei Maltersäck, mit Tbäler gfüllt, 
I d' KeUerböda abethue. 



0 Die Mkema Baram d«s SdiloeM6 Wolfarti d«itai Bnlnen fib« dflinlhnf* 
mf «m« «tuM w twt m dwi F«I«waiMl tiflli iriwban, fehOrton «tetm Mbr alten 
Adel8g«ftddechte «n, das «ns Sebottland stammen soll. — ünweit davon lag daa 
ScUms Knian, tod diesem itfe aber nieUs mehr vorhanden, doch erzählt die SafO, 
dass es eine sehr stattliche Bnrg gewesen, nnd dass in Hoadsdnimiiehten eine gol- 
dene Schlange Ober die Felsenwand bArabgtsdMMaaa Mi, nm ««• d«n ToriMoflieflendeik 
Bikenhach zu schlOxfea. 



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104 



Gtnter. 



Z'le§t i^t er s^b in Boda ko. 
Und sine StOmpa Gold und Geld, 
A's wlien 's döna Habei^pranl, 
Yerflattem ivtt und breit i d* Wdi 

Es düiet drdf na* koize ZSt, 
Ift d* Zwingbnig noch z^mmakelt, 
Und Tda-n-i* Big, nu* Mürawerk 
StAht TO der alta Herrligkaii 

Und Herbst und Winter mneß er jetz 

IX^rt gei^ta-n-im a goldna Gwand, 

Im Früehlig i-^t si einzig Fr6d, 
Si' sQunela-u-im Ackerland. 

14. 

Der Sehatzgräber. 

(jMLfindUch. Bregens.) 

Uf 'em Breagezer Schlossberg i§t an Gnmpa voll Bimsa, 
Pröscha-n-uiid Müclia. und det flimmeret zer Nachtzit nomma-n-a 
Liechtli. Des Liechtli kimnt allad, wenn as vom Tom i d'r 
Pfarr z' Nacht zwölfe hat gschlaga, bald däher, bald dorther 
UBse Tannarn- und Buecha, bald bim Hexaplatz uffar bi den 
Oacba vorbei und bald us *em Oerawäldele über a Oelroa uffe dur' 
d* L^xcha zum Gumpa, dert blSbt's ift&h und brennt bis um zwoa. 
Des ijft 's Goa^ta vom s^ Hallunk, der Breagez a d' ScbwMa 
hät verr&tha. D' ScbwMa sind, wla i der Chronik i^t z' leasa, 
im drlß'gjahrige Krieg go Breagez kü^) und hond gsengt und 
brennt und gnüelet wia 's Wuetas^). Zwar bond si* z'er§t d' 



') Siflhe die fMchiclitiidw TorbeaMikiuf snr nldisllblfMiden 3m* i »Der 
XlAdiaiidc, 

>) Bw Aiudni«sk: »wias *s Wuetos«, d. i. wie Wodan» H««r, irird um Bn> 

gcnz noch hRuflg gehört. Der Wodans-Dienst hat in diesen Qegenden nodi gegen 
das Knde des VI. Jahrhunderts in Blfltlie ^standen. St. Colomban, ein Irländer 
(geh. Ü60), serstOrte in Bregn» drd vei«oldete 64HienbUder und nickt weit damu 



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Gäster. 



105 



Borger tu Breagez, wo Schw^da vu Linda sind dgruckt, 
waoker gwdhrt, und hVi UniHh hond d* Schw^ holops mfleßa 
ftSbA 2*ni€]c gega Locba; aber Loeha könnt bfr Nadit an M| 
i das schwidiflch Lager und ver^piidit dem Oeneral Onftay 

* Wrangel (hoaßt as in Büecher), wia-n-er d* Schweda hoamli* nf 
Ab- und ümw&g well füehra i d's Breagezer Städüe, aber ver- 
ftäht 8i\ nu* um an gueta Löh. D' Schweda gond's i, und drüf 
füehrt sie der Spitzbue über a Hoagga und Pfänder abi i d^s 
Thäl vor d's StädUe. Etzeda kunnt der Verräther zum Wrangel 
und beatlet: «Goi mer min Löh!" Aber der Schwäd schütüet 
de Kopf nnd seit eniftli' zxun Lumpa: »Der Taglöh sOll der it 
fi^ila; nf W Sdiloflsbeig hinter *eiQ Fetearn-i^t an Sumpf, dert 
hond, wia mer ho siga 15, die Herra GiAfo tq Breagez im 
Appazellar Krieg a guldis Kegel^pü vergraba, und des i§t din 
Loh; se gang mit Spata-n— und Schtlfla-n-und suech 's", Nu 
dear gabt zum Sumpf und grabt und grabt allad zue, findt aber 
frile ko guldis Kegel^pü ; au' ko Eueh hat ar nä' 'am Töd m§h 
fonda» und goa§ta mueß er jetz noch zer Stund dert und zu 
§higa-n- Zita graba>n- und graha. Allad um Mittemacht wankt 
der KerU, i der Hand a Schfifla nnd a Latema, trüebselig a d* 
Arbet nnd grabt, bis as zwoa schiebt, dä verldscbt em d 
Idechtli, nnd was er bät ggiaba, Mt wtder z^mmai 

15. 

Der Elüskuud. 

{UandUcb. BaokwQiJU) 

Historische Yorbemerknng. In der Nftbe von Bre- 
genz, sfldUch yon der Stadt, befindet sich auf einem gegen den 

See vorspringenden Felsenrücken des Pfänderberges die Bre- 
genzer Klause (mundartlich Klüs), ein ehemals stark befestig- 
ter B*'i>i[>;isö, durch welchen bis 1831 die Straße aus Scliwaben 
nach Vorarlberg und Tirol führte. Diese Bregenzer Klause war 



(in Tn'onia in capite lacns Tifurini) eine ungeheure Bierkufe (cupa), aus der man 
ebeu dem Wodan Trankopfer brachte. S. Walafried Strabo: >Vit& st. GalU«, S. 78; 
Tgl. «ach die legende: »St. Colomhoii« etc. in dieser Sammlang. 



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106 



Gdster. 



olme Zweifel ein alter BGmeipses und tob jeher toeh Natur 
und Kunst Ufnr des Sees bis hocii anf die Spitee des 

Pf&ndenrs befestigt. WShmd des dreißigjährigen Krieges wnrte 
er nach allen ßichtungeii mit neuen Werken umgürtet. So erhob 
sich außerhalb der Klause die in der vorigen Sage (der Schatz- 
gräber) erwähnte Schanze ünoth mit vielen Bastionen, welche 
sich bis in die Gegend von Lochau erstreckten. Bregenz galt 
daker damals als der festeste Ort der ganaen Un^gend, und 
die schw&bis^en Dynasten nnd KlOeter beeilten sidi, ihre Sdifttie 
anher in vermeintliclie Sieherheit zu bringen. Dnses AnbiUifen 
von Schätzen und Kostbarkeiten, vielleicht auch die 6i«*de nacb 
dem Ruhm, den trotzenden Pass bezwungen zu haben, reizte die 
schwediarhen Kriegsvölker, und Karl Gustav Wrangel erschien 
im Winter des Jahres 1646/47, nachdem er Kempten den Bre- 
genzerwäldem, die es tlberrumpelt^ entrissen und Bavensboig rein 
ansgepiflndert batte, mit Heeresmacbt vor der Bregenzer Brause. 
Die Kaiserlichen stellten sieh zur W^re unter Oberst Aescbev. 
An einem nebliebten Wintertage ließ Wrangel einen Scheinangriff 
gegen die Klause machen, während er mit der Hauptmacht, 
8000 Mann stark, in Begleitung eines ortskundigen Führers 
diesen Pass umgieng, alle Verhaue mit Blitzesschnelle stürmte 
und rasch in die Thalsohle von Bregenz eindrang, das alsbald 
mit einer unermesslicben Beute in seine fiSnde fiel. Bauern 
und Soldaten warfen sich m den stOrmiscben See, um sieb auf 
die Schiffe zu retten, aber yiele Tausende kamen in der Bran- 
dung um; die kleine Besatzung der Klause vertheidigte sieb 
tapfer, aber endlich wurde auch sie von zwei Seiten überwältigt. 
Unter den Gtfaugeuen, welche die Schweden gemacht, war auch 
der Stadtcommandant, Oberst Aeschcr; diesen schickte Wrangel 
auf das Schloas Hohenbregenz, das durch Natur und JS^unst fast 
unbezwinglicb ?on einem dunkehi Kranze Ton Tannenwäldern 
umschlungen zuthale blickte. Auf den Bath des Obersten, das 
Scbloss, ebne Blut zu vergießen, zu übergeben, (Iffbete dasselbe 
ohne Widerstand seine Thore, und so war am Abende desselben 
Tages noch auch dieser Platz in schwedischer Gewalt. — Jener 
ortskundige Jb'ührer war, wie die Sage geht, aus Lochau (einem 



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107 



sdiOn gelegenen Dorfe anßerbalb Bregenz) gebttitig, und derselbe 
bftdt nnn seinen scbündlichen Terrath am Yaterlande dun^ ein 

nächtliches mühevolles Graben auf dem Bregenzer Schlossberge 
(s. die vorige Sage). Nach einer andern Version wurde aber der 
Yerräther zur Sühne seiner Schuld in einen schwarzen Hund ver- 
wandelt, der nun unter dem Namen Klüshund die nächtliche 
Bonde madii yon Feldposten zu Feldposten, sich auch bisweilen 
anf die Wagen setet, welche die Steigung znm Elansthore hinan- 
fahren, nnd dnich sein Qewieht das Fortsdiaffen derselben fast 
tmmöglieh macht« was ihm jedesmal ein hdhmsches Gelftehter 
entlockt. Bisweilen wird er auch oberhalb der öötzner Klanse 
anf den Predriser Wiesen bei Eankweü gesehen, wie die 
nachfolgende metrische Erzählung meldet^). 

Ama-n-Abed ^pat (so ^bba^n-nf zehni i^'s ggauga) 
Sitzt der Hirschawürt vo Rankwü alloa i der Stuba, 
Nümt noch d' Brattig zer Hand und schaut, was für Zoacha 

und Mo sei; 

'S heat em drum hüt nomma ken Schlaf i d' Oga ko wella. 
Wia-n-er da so sitzt und blättert und bi-umlat zue 'm s^ber, 
Hort er uf oamal Tritt anandemi* ?bA dur's Vorhüs, 
N&thig noch derzue. — kunnt 0* hSnecht noch z* Hdngert ? — 



*) (Mao vgl. hiemit die im »XIV. fisdienachafts-Bericht des Museums-Yereia» 
&i Bregenz« (Bregenz, 1874), S. 8 C f«rtfliBiitUclite Abhandlttiif Robert Byrs: 
»Die EiniMliiDe der Stadt, des Passes und Sebloeset BiegiMW dnrcli die Schweden 
im Jilire 1647«. Die Ton B^r bttgebraditeii Betete «ts dem kgl. selnredieebea 
Beidn&rddre sa SkoekkoUa Stetten die Thstsaehe des TerraÜMs fast Ein Beridit- 
entetter ans ESUm (Beilag« H, S. 14 f.) «nihlt in seinem Sckeibett vmn 80. Jta- 
ner 1647, dass «Sie Schweden »dnreh «inen Heiadihaner, weleher tot diesem einiger 
Misshandlung halber aus Brogantz weichen müssen, sichere Kundschaflt erlangt, wel- 
cher Gestald über die Bei^ etliche Völcher zn bringen wehren«. — Kin anderer 
herifhtft aus Aiipsliurg (Beilflgo G, S. 1" f.) am 14. Jänner, die Schworlen hätten 
nach der Erohening' vdii Wolfeek viele Bauern niedei^Pinafht und andere gefangen 
und ihnen gedroht, >das, wofern sie ihnen nicht einen Weg weißen, dass sie die 
Stadt Bregauz sauiLt der Schantz ohn sonders Schaden erobern kOnneu, üio alle auf- 
gehenckt, gespißot vndt schendlich hingcricht werdten sollen«. Die armen Get'augeneu 
sollen dann aus Todesfurcht den Schweden den Weg und alle Vortheile eröffnet 
haben.] 



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108 



Ln^ ma, der Melki git is noch d' Ehr; — se bismer gottwillka! 
Aber was 19 der? w&a heaft? de bi^t ftüchawiß, ^ isf der Abel? 
NUm a SehOppIe z' U) und setz di* hmtera Tiseh hir, 
Dass der d* Uebli yerg&bt, z* versüma hea§t Mneebt 80 nAt mlb*. 

'S Melkli setzt si' und set: „A Schöpple, seil magi", und übel 
I? mer ju?t net; doch denk der min Schricka: dun uf de Wisa 
I9 mer der Klüshund verkö! — Wü's gir so en Uebliga-n-Abed 
Gsl i^t, häni' denkt, es war a pur^ntige Füle, 
So a Mndlige Zit i Pflüm und Tem6rla; — 
Gahft noch z* jirhg und abe nf d* Wie, en Abedscbmtz z* maha. 
NUm mt FMe i d*8 MM und gab mit SAgeß und Stoafoss 
Abe de Wisa zue und röch und denk grad a n&ti. 
Dunna mah i' net lang, se sclilacht's, i' moana, halb zebni, 
Und ?täh a bitzle fi und gab und will wetza, 
Aber, Herr Jesischrift! da tappet en Hund zue mer hera, 
Hoch wia-n-a j&brigs Kalb, mit Schwarza, zottliga Hära, 
Jä (und i' lug 808 net) a PSr Oga wi| furige Scbiba. 
Wo-n-en $fall 9t9b sieb und mit slna Bratza im Beda 
Scbarra, und wo-n-en b6r wia en Mensch so j6merle winsla, 
Dass 's oan grad erginzt, so denk i': Holla, der goa^tat! 
r, net föl, verwürf mi Sägeß und gmg ana Laufa, 
Was i' laufa kS, dem Dorf zue, und wo-n-i' im Schricka 
Da ze-n-euerem Hüs kumm g^prunga, se sieh-n-i' a Liiicbt noch 
Hinna brenna und denk: T mach noch a Gängle in Hirscba, 
Trink a Schöpple, zwoa, de Jaft a bitzle z' yer^püela; 
Guet 19 8^ noch gs! — er i^t mer endli* net nahkö". 
„Währ i§ 's* — sgt der Wilrt — „er mag de LÄta net znekö" ; 
Bringt drüf Wi ulla Tisch, a Schöpple gueta Veltliner: 
«Gseg'n der's Gott!" und verzellt: .A hidürlige Sach mit dem 

Klüshund 

I§ es. Frile Geld und Git heat menga scho z'ruckbrächt, 
Und de Locbaumr d\ sos bätt er 's Land net verratha. — 
Böse Zita sind 's gst, mi gueter MelM! Vor altem 
Bend sie duss im Bich ditß'g Jäbr krieget und gschlaga 

Wega der Religio, und i' f^hra, ua Nid und us Habr^bt, — 
Was woaß i', — de Größa ka§t net Ts Raderwerk luega. 



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CtoMer. 109 

* 

DrOf ii^ noeh en frOnda Ga^t, der Kfinig to SchwMa, 
Mit de Manna kd, nnd der wiJl d' tanzarn-a der Hdbftig. 
Arems dü^toches Landl wia hend di* d* SchwMa yemüelet 

Sellmäl! de Boda schwarz vertrampet und d' Säta vertretta, 
Ja, was sag i' — Städt üsplünderet, Wüer und Dörfer. 
Zle§t sind d' Trög und d' Kä$ta im Bich duss duraweg 

grümt gst, 

D' Zoana ift höher ghangt und z' b!ßa um nnd um nut gst, 
Und der Schwad bricht und l&t si* dnr's AUge dem Sd sne ; 
Füre ge Eempta gäbt *s und wtter ge Linda und Breagez. 

Ii Breagez hend sie de Bricht grad zitle gnue noch erhalta, 

Und wia Wetterloach gschwind gäht's ana Rü§ta und Wä&a; 

'S dürt a kurze Zit, se ?taht scho a propere Mannschait, 

Und der Hauptmä set: „Jetz 's Herz us de Mosa i d' Hand gnö, 

Und i Gotts Nama dra! mer ztihen gega de I'&ad Üs, 

W Schw^da wennig z' üb, es gabt ama jeda um d* Hüb^. 

Alle z'w^g, bi der Elfis duss wemmer is zdrftes poftiera** 

— S^lhn^ Melki, i|t d* Elfis noeh fe^t vermtrt und ver- 

schanzt gsi. — 
D' Schweda rucken a und stürmen Müra und Schanza, 
Aber üsere Lüt, dia §tellen de Mä und gend Antwnrt. 
X Hurtig näha mit Stoa!" commediert und gellet der Hauptmä« 

würd 'na scho vergdb'' ; und en ganza Hagel vo Stoana 
IWt de Hlettrer uf d' Köpf, und Ltcha uf Ltcba sind Mbigt. 
Fortzue düneret's g^t&t, würd allawÜ dünkler, und d' Scbw^ 
Gend afanga lugg und zühen si' z'ruck und TerschnöfMi. 

— Melki, gang, trink ilg, i' hol der noch a iialbs Schöpple. — 
Wüe^te JNacht sei's gsi, koa Sternle hei gfunklet dassMlmal, 
Schwarzes Gwölk sei üs und i am Himmel dorn ghanget, 

Und dä fähr über d' Breagezer Stadt im a mächtiga BOga, 
Wia en Stern am Himmel schAßt, en farigSrn-Engel 
Mit ama bluetiga Schwert — a schlechte Bidütig! 
Ifittlerwll hend sie noch Bith beianand im ftudliga Lager: 
,Gschider, schätzi', würd si, mcr gängeu, vo wo mer er^t 

ko sind*, 

S§t der General, — „denn d' Breagezer baschgen mer scbwerli". 



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110 



Set's, und über 'na Wil, so tüslat oaner vo Locha 
Zttena Ts Zelt und sdt: «Ihr tapfera scliwädiBciha Harra, 
Wenn f dfiif m^da mit Gnn^t, V bätt nodi a Wort mitiii 

schwfttza. 

Guete-n-Abed z'er^t! er hend en grüsiga Tag ghä, 
Wacker hender gschwitzt und wacker gschnüfet und g§treblet 
Und mit euerem Biuet das dütscli Land ordele dünget. 
Wenn 's nu* hattet hätt! doch d' Arbet hend er noch vomi, — 
Stark sind d' Müra nm d' Klda und gwa&et d' Breagezer 

Bürger; 

Aber TiUSclit kOnnt V mit fi&th und Th&t ni a d' Hand gdh: 
Ihr Terfprechen bim Oed zwoahundert Cofbiitzer Sefaillig — 
*S i^t fßr eu* a Baggatell — und i' füehmi noch Mnecht 

Umme um d' iüüs uf oajisij uiem Weg Ts Breagezer Städtle ; 
Ba i$t d' Band!'' Der Schwed schlacht I, und der Handel i^t 

gschlossa. 

— MeUd, TergisB net de Wi vor lauter L6sa-n- und Losal — 
'S i$t um Taga gst, a guet Thoal schnarchet noch z' Breagez; 
Aber es bricht *na de Schl&f, wia *8 oanermäl Iftimt i de Gassa: 
Mordio! d* SohwMa sind kdl Bald gähfs an a HfUidra und 

Breuna, 

Bhüet is Gott und üsre Frau ^ 's i$t gar net z' crsdga; 
Hei! wia braschlet 's Für ün Dach! wia schieit da a Mueter 
Um ihr Kind, dört en Ätti ums Hüs! — 'S i?t a lauteres 

Briegga. — 

Wo würd der Loehauer si? Der schlicht zum schw^discha 

J^ehrer: 

»Losen, gneta Eründ, wia ftaht's mit dem dingeta Tagldh?" 
Aber der SehwM glt knrza Bricht: ,Er sOll der net föhla, 
Scherr di\ du Lump, und suech der*n s^er mit Spata-n-und 

Schülia 

üf 'em Breagezer Schloss; die alta Grafa vu Breagez 
Heien vor Zit a Kegel^pil dört domma vergraba, 
D' Kegel vu purem Gold und d' Kugla vu tribenem Silber: 
Das diu Ldh; 's i^t füruehm zählt, du kä$t di' net klagaS 
'S dunkt di' sMber so, g^lt MeM, a propere Zttüjg! 



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. CWster. 



III 



War HO* *s £egel9pil aet tuf im Boda Y«ffteckt ggf. 
Zw&r j^t er drdf a pfir Nftßlit zVIg mit Spatarn-mid Schtkfla 
Und heat ggraba und gsehwitzt und gscküfiet und piktet bim 

Mdliecht; 

Aber Gold kuunt koas zc Tag, und warf er bi'r Kachtzit 
Müehsam grabt, das fallt am andera Morga driU zänimet. 
'S darf oan drum net Wunder neh, i?t cm d' Arbet vertloadefc. 
Kurze Zit nu' sei er verschdcbt i der Gegni noch umtüst 
Und due niena meh gst, — und sider geartet der Elüshund 
Z'moa^t im Unterland und se ZSt uf de Predriser Wtsa, 
Hea^t en jit sMber Ht gliort und gseba am Abed bim Mftba . 
Goa$ta und bift, wia d* sS^t, net Ifttzel abem eracbroeka; 
Aber der Wi heat di' g^tärkt, und de bi^t 6' wider z' Färb ko. — 
Schlaf jetz wöbl! morn net z' früeh und veigias net di Sageß". 

16. 

Der Siiumer und der O^eist. 

(Von J. FeldkircherO. Au.) 

A Sdmar will tu Kanis huo 
Und kä du S&m nüd uobiduo, 

Ar pfna^tot, git si* Mtlob und lupft, 
Bis naßfts uf sinn Alisol dupft. 
Ar kehrt si' um und lät an Blä§t 
Und sieht an grüailicho Ga$t» 



0 [Jos. Fcldkireher, m Andelsbneh am 8. lUi^ 1812 geboren, studierte 
1828—1884 in Constenz, später Ttieolo^e in TQbingon, wo 18 88 seine schrifV 
deutschen »Gedichte« erschienen, und seit 1840 im Seminarium in Mainz. £r be- 
kleidet« nn Torsehiedencn Ortoii des Mainzer Sprenpols Stellen in dor Scolsorpe, seit 
1849 als Kaplan zu Hii'schhorn am Neckar. Kr starb iu Bamberg am 2. Soptoniber 
1851 auf einer Eeise in seine Heimat. Er besali ein entschieden poetischös Talent. 
Man T^. seine jGcdichto in der Mundart von AndülsLucli « , die mit biographischer 
Kinleitung und Worterklilrung herausgegeben wurden von H. Sau der. (Innsbruck, 
1877.) — Femer: A. Dalla Tramosa, Die volksthOnilichen Dichter des öster- 
rd«bi8Chea Bheinlandes (Deotacbe Zeitm« 1887, Kr. 6549 nnfl 5652). — E. Win- 
der, Die YorMlb«[fw BlaleetdiditDiig. EnUr Theü ^ Prognmm des k. k. Gjm- 
luuiiims üi Imubmek, 1687, 5. 40^48).] 



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112 



Dear hltt koaa Kopf uf Binnam Hals, 
Und 8d eas i^t lialt on* nfld alls. 
Dur Gi^t nfld fftl und paekot ft 

Und licaltt um lupfo wie a Mä, 

I fünf Minuto weardod's grab, — 

Nünz gabt so gnöth wie 's Gatter- W4h. 

Dur Ga^t blibt ^tumm a's wie a Sül 

^ Red oanar ongHm Kopf und Mfil! — 

Doch wia ar endle wittor wül, 

Sa j^t ar oaszmäl nflnima f tili \ 

Ar duot zum S6mar no' die Red: 

,r bean a d6ta gfallna Schwedt). 

r hea koau Kopf, und du lia^t oan; — 

Wenn d' a mi' gl5b$t, sa ba$t ou' koan!''^) 

17. 

Der Mann im Mond. 

(UandUch. A,a.) 

A Bflr heat amäl anam Simnotag d' Mess Tersnmt und ii^t 
in Wald ggango, Beaso beando. Wau er aber wacker Beaso 
beandot und derzue pfifot, küt an Engel zuenam und seit: 
„i1re§t du aso da Sunnotag? Los, jetz hea§t d' Wäbl: witt 
liaber zer Straf i der Sunno breanno oder im Mau £ruro uf ebige 
Ztt?^^ Per Beasobeander maehot a sürs Gsicht und denkt^ liaber 
wetfci* kois m bida; aber mit *am Engel laut ai* nflnz gifpasso, 
mid er seit: „Wenn am Ind das oitwMer smn mueB, irill i' 
nau' liaber im Mau fruro!" Dernau' niet a der Engel und flügt 
mit am in Mau. Döt früt as a iez, und er treit da Beaso uf 
'um Kopf. 



^) Die Sehweden drangou im dreifiig&lirigen l&iegtt tocli Mi in den Bkegenier» 
waM vor. Tfl. unten B, Nr. 81. 

^ Der Schluss dieser Soge liefert den Beweis, dass die Geistorsagen bereite 
ein Gegenstand des Yolkshnmors geworden sind. 



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Geister. 

In der Grafschaft Mark in Westfalen erzählt man sich : Ein 
Mann \vollte stehlen, aber der Mond schien und war iimi im 
T\ ege. Da verfluchte er den Mond und rief: „Willst du weg- 
gehen!'' Als Gott das hörte, gab er dem Mann die Wahl, ent- 
weder in der Sonne zu verbrennen oder im Monde za eiMeren. 
Da ließ der Mann sich in den Mond setzen. 

Die aiiBciiaiiliclie Aelmlichkeit der Flecken im Monde mit 
einem menscMielien Gesichte oder gar mit einer ganzen mensch- 
lichen Gestalt mag von jeher die Einbildungskraft des Volkes 
beschäftigt haben ; es sind daher auch Sagen von einem Monds- 
mann über ganz Deutschland verbreitet. Die meisten stimmen 
überein, der Mann im Mond sei ein Holzdieb (dieser bedeut- 
same Zag fehlt der Vonurlberger Sage), dar am heiligen Sonntag 
onter der Kirehe Waldfrevel verfibt habe und nun zur Strafe in 
den Mond Terwünacht worden sei: da erscheint er mit der Axt 
anf dem Bücken und dem Beisholzbflndel in der Hand. Jakob 
Grimm hat dieser Sage ein Bett noch auf heidnischem Grund 
und Boden unterlneitet. Eine altüord. Fabel erzählt: ,,Mäni 
(der Mond) nahm zwei Kinder Bil und Uiuki von der Erde weg, 
als sie eben aus dem Brunnen Bvrgir Wasser schöpften und den 
Eimer Saegr an der Stange Simul auf ihren Achseln trugen. 
Diese Einder gehen hinter dem Mfini her« wie man noch ron 
der Erde aus sehen kann. — Ganz deutlich hat sich die Wasser- 
stange des heidnischen Märchens in den Axtstiel, der getragene 
Eimer in das Eeisholzbündel umgewandelt; die Tdee des Dieb- 
stahls wurde beibehalten, vorzüglich aber Heilighaltuug des christ- 
lichen ^Feiertages eingeschärft''. Giimm, Myth., S. 680. 

18. 

Der Stier im Sünser See. 

^ach Dr. Spiegels Anfzekhnntig. Dombini.) 

[Im kleinen See der Alpe Süns haust der gefürchtete 
Sünser Stier. Er taucht jeweils aus der Flut hervor, schwimmt 
ans Ufer und schreckt das Alpvioh, das in wilder Flucht davon- 
rennt. Bann hat der Kühbub einen harten Tag, bis er die zer- 

Dr. F. J. Tonbtia, Saeen Torarlbergs. S 



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114 



GMBtar. 



streute Herde wieder vollzählig gesammelt, wenn nicht gar ein 
oder das andere Stück in eiuen Abgrund stürzt. Einst kamen 
Fremde auf die Alpe, und einer der Sennen erzählte den fröhli- 
ohen Gästen im traulichen Gesprftche vom Getriebe jenes Unholds. 
Als die Besucher abzogen, warfen sie im ungläubigen üebermntiie 
Steine in den See und riefen dem Stier allerlei Schm&worte zu. 
Alles blieb ruhig. In der Nacht jedoch wurden die Alpleute 
durch ein(Mi wahren Höllenlärm aus dem ersten Schlafe aufge- 
schreckt. Das Dach der Sennhütte erbebte unter furchtbaren 
Stößen und gewaltigem Getramjel und drohte einzustürzen. Der 
Stier tobte oben und wollte, da die Thüre gut verschlossen und 
gesegnet war, sieh einen Eingang durch chis Dach verschaffen. 
Bei dieser großen Gefahr bebeuzten sich die Alpknechte und 
verließen nach kurzer Berathung in aller Stille die Hfitte, um 
sich mit mächtigen Stangen zu bewaffnen und deu Feind abzu- 
weisen. Als der Stier die staugenbewehrte Mannschaft ent- 
schlossen zum Angriif vorrücken sah, brach er in ein Grebrüll 
aus, dass die Berge ringsum wiederhallien, sprang in einem Satze 
vom Dache und verschwand in den sch&umenden Wellen. In 
jenem Jahre verfiel jedoch am meisten Vieh, obgleich der Stier 
nicht so bald wieder erschien.] 

19, 

Der aeist beim Pestbild. 

(Nach i>r. bpiegvlb Aul'zeichuuug. Durubuu.j 

[Auf dem Wege ins Oberdorf steht an der Ereuzstraße 
ein Pestbild. Wenn eui Betrunkener dort in nächtlicher Weile 
vorbeigeht, springt ihm ein zentnerschwerer Kerl auf den Bficken, 

den er nothgedi ungen zweihundert Schritte weit tragen muss; 
dami iasst ihn jener laufen, und der Eausch ist aucli dahin. 
Niichteru, stiU und einfältigen Gesichtes schleicht der Gezüch- 
tigte seinem Lager zu. Wer nicht ein »Schöpple* über den 
Durst getnmken oder zusehr dem Feuerwasser zugesetzt, wird 
am Pestbilde unbehelligt vorflberkommen; er sieht dann auf der 



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Geister. 



115 



flauer nur eine schwarze Katze sitzen, deren Augen wie feurige 
Kohlen glühen.]^) 

20. 

Der Ueist im Hohlweg. 

(Naeh Dr. Spiegels Aafattchnimg. Dornbinu) 

[Auf dem hintern Berge bei Donihirn gibt es allerlei 
Wunderbares. An efaier SteUe Iftnft neben der gewöhnlichen 

guten Fahrstraße ein langer, tiefer Hohlweg. Die Holzschlitten 
haben durch denselben im Winter eine cisfene Bahn. Im Hoch- 
sommer jedoch hört man um Mitternackt im Hohlwege ein Ge- 
töse wie von einem schweren rollenden Fasse und dazwischen 
Ton Zeit zu Zeit einen xnarkdnrehdringenden SchreL Selbst den 
mutiiigsten Mann schflttelt, wenn er dies hört, kaltes Entsetzen. 
So rollt und gellt es durch den Hohlweg herab bis zo dessen 
Ende, und dann ist alles wieder stille. Vor Jahrhunderten ragte 
in der Xähe dieser Geisterstraße eine Kitterburg empor, und die 
Einöde dort herum heißt noch heute „auf Burg". Was aber 
der erzählte gespenstische Spuk bedeutet, vermag niemand mehr 
zu sagen.] 

21. 

Der Bfintlittenbock. 

(Nach Dr. Spiegels Atafreidmniig. Dombim.) 

[In der Bflntlitten bei Dombirn zeigt sich nachts oft ein 
feuriger Bock, der darum auch der „Büntlittenbock" genannt 
wird. Er springt, im hellen Feuerschein erglühend, von der 
Höhe herab, dann wieder hinan und hin und her, ein unheim- 
licher Anblick! So muss er glühen und springen, bis seine 
Stunde yerronnen, worauf er hinter dem Hügel verschwindet 
Dieser Geist wird schon zweihundert Jahre gesehen, und man ver- 
muthet, dasB er Feldfrevel verabt oder Marksteme versetzt habe.] 

^) Mni Tfl. mit dieser Sace n. ft. Hebels bekanntes Gedicht: »Das Ge- 
spenst au der Kauderer Straße ^ : obenso: »'S ?rfr6ra Wlble» (am hangenden Stein 
bei Nfiziden) in: >Xit lugg lö!« Mundartliche Gedichte alemanniadien Stammes TOn 
Seefer an 4er Latz» (Innsbruck, 1886), S. 80 ff. 



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116 



Geister. 



22. 

Her Pf ifer. 

(Nach Dr. ^i^* AnfteicliiuniK. Donibin.) 

[Au einsamen Orten stehen oft „BiWstöckle" und bezeichnen 
die Stelle, wo ein Mensch von ruchloser Hand gemordet worden. 
Da ist es nachts manchmal nicht geheuer, denn der gerechte 
Gott verurtheilte den Mörder, auf dem Schauplatze seiner Unthat 
zur eigenen Qual und mm abschreibenden Beispiele ffir jeder- 
mann nach dem Tode zu geistern. An einer Grenzmarke Dom- 
binis stand früher ein Wäldchen und in demselben ein solches 
BfldstöcÜein. Gieng man wm Mittemacht dort vorüber, so ver- 
nalim luaii auf eine lange Strecke ein duiolidriiigendes Pieifeu, 
bald ferne, bald unmittelbar vor den Obren gellend, jetzt links, 
dann rechts, nun aus den Lüften kommend, hierauf wieder im 
Kücken ertönend. Auch der Beherzteste wurde dadurch in Furcht 
gesetzt. Das Volk nennt darum diesen Geist auch den i,Pfifer'', 
und er haust schon seit undenklichen Zeiten an jenem Büd- 
st<k$klein.] 

23. 

Die Alte ans der Kehlen^). 

(Nach Dr. ^i«g«l8 AnlMehiinnr' ]>oni1:H]ii.) 

[Merkwürdig ist es, wie Sterbende ihren Tod „künden". Zu 

einer zablreichcn Fainilie in Dorrhirn kam fleißig jede Woche 
ein altes krummes \\ eib, das darm die Wäsche und Kleider der 
Kinder zur Ausbesserung erhielt. Einmal blieb die arme Frau 
vier Wochen aus, denn sie war krank. Nach dieser Zeit, als 
eben die Mutter und ein Söhnlein an einem schdnen Sommer- 
tage im Zimmer saßen, hörten sie dieselbe langsam die Stiege 
heraufkommen. Sie war am Gange leicht zu erkennen, da sie 
hinkte; in der ganzen Gemeinde konnte nur sie so die Stiege 
auf- und abgehen. Sie klopfte an, kam aber nicht herein, son- 



'J Kiu zu Dorobira gehöriger Weiler. 



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Geister. 



117 



dem gieng langsam wieder die Treppe hinab. Die Mutter, die 
schon früher bemerkt hatte: -Hörst du, die Alte aus der Kehlen 
Jtanmit wieder l"" schickte den Knaben hinaus, sie zurückzurufen ; 
mochte diaselbe ja, da sie schlecht hörte, das „Herein* nicht 
Temommen und gedaeht hibeii, es sei luemaad au Hiuue. Aber 
ireder auf der Sti€{ge noch im Vorhause noeh avfler dem Hauae 
mrar jemand m finden. Als am n&disten Morgen die Todten- 
glocke geläutet wurde, galt es der Alten aus der Kehlen.] 

24. 

Crebaiiute Geister. 

a) [Auf Gamp^) geisterte es Yor Zeiten, dass man in keiner 
Htitte mehr bleiben konnte; der Spnk duldete weder Menschen 

noch Vieh. Man holte „Hera" (Geistliche), aber keiner yer- 
mochte den (-Jeist m bannen. Ein ganz frommer brachte es 
zuletzt doch zuwp<rp. aber er l)üßte dabei das rechte Auge ein. 
Der Geist warf ihm nämlich vor: „Du bist auch nicht ganz 
«auber, du hast einmal als Bube „a Bäba'^ (eine weiße Rflbe) 
gestohlen, darum thue ich dir etwas an^'.] (MflndlidL. Nenziiiger 

b) [Auf dem Elsenälpele bei Bamflls geht ein Geist, 
snmeist in Gestalt eines Fuchses um. kühnsten Leuten 

tritt er entgegen und weicht trotz reichlichen Stockschlägtii ni« ht 
aus, wenn mau ihm auf seinem V)estimmten Wege rings um die 
Alpe bis über das Fad und zurück in die Hütte begegnet. Ein- 
mal wollte jemand im Herbste, nachdem das Vieh schon zuthal 
gefahren, in der Hütte den zurückgelassenen Kftse holen. An 
der Thflrsehwelle versperrte ihm der Fuchs den fiüigang und 
konnte erst nach langer Zeit mit harter Mtihe mittelst Stock- 
Schläge Tertrieben werden. Da es unterdessen schon spat abends 
geworden, der Mann einerseits schon müde war, andererseits aber 
noch einen weiten Rilckweg vor sich hatte, beschloss er, in der 
Hütte zu übernachten und den Morgen 2a erwarten. Um Mitter- 

Em Alpe in eiiem 3eileiitluae das QainpeitoiiM bei Keadnff. 



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118 



Geiltor. 



nacht wachte er auf und sah zu seiner größten üeberraschuug 
am Herde Molken bereiten, vie wenn die Alpe noch befahren 
wSre. wahrend er so schaute, kaom seinen Angen trauend, kam 
ein MiEkmi anf ihn zn und fragte, ob er „SW* wolle. Zntode 
ersohrocken, Temeinte er nnd eOte leichenblass nach Hause. 
Diesem Treiben des Aelpcle - Fuchses trat Pfarrer Mathis ent- 
gegen, indem er ihn auf 101 Jahre bannte. Nach Verlauf dieser 
Zeit darf jedoch der Fuchs sein altea Unwesen von neuem be- 
ginnen.] (Grabherr, iS. 45.) 

25. 

£relster werden erlöst. 

a) Eni braves, muthiges, aber böswilliges Mädchen aus 
Hohenweiler gieng einmal eines Abends mit Spinnrad und 

Kunkel in des Nachbars Haus in den Heimgarten. Der Weg 
führte es an einem Bucheuhimie vorbei, von dem allgemein die 
Sage war, er sei nicht gkauscha", weil seit Jahren schon ein 
Geist darinnen hans^. Wirklich sah das Mädchen heute Abend, 
als es an dem Haine . Torbeikam, eine dunkle Menschengestalt 
dort unstet auf- und niederschreiten, UftgHch wimmernd: „Wo 
soll ich*8 hinthun?'* Die derbe schwäbische Jungfrau ohne 
Furcht und Tadel rief: „Du Nanr! wo es herhast*S Kaum 
hatte sie das gesprochen, so sprang die Gestalt last in einem 
Satze auf sie zu. fasste die Kunkel an, und der Flachs an der- 
selben gicng alsbald in lichterlohen Flammen auf. Aul' diesen 
plötzlichen Ueberiall war die sonst beherzte Jungfrau denn doch 
nicht genug gefasst, und sie lief erschrocken über Stock und 
Steui in des Nachbars Haus, und als sie dort bei Kerzenlicht 
ihre nackte Kunkel besah, so war das Mal Ton fttnf Fingern 
in derselben eingebrannt. Seit der Zeit aber spukte es nicht 
mehr in dem Bucheuhaine, denn der Geist war erlöst. (Mündlich. 
Hohenweiler.) 

b) Auf der rvvei Stunden von dem Dorfe Au gegen Damüls 
hin gelegenen Alpe Böden hörten die Knechte, so oft sie spät 
in der Nacht vor die Hütte hinausgiengen, den wehmüthigen Huf 



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Geist«. 



119 



von weitem: „Wo soll ich sie hinthnn?'' Allmählich kam es 
dann näher und näher und wiederholte dieselbe Frage mit 
ganz vernehmbarer Stimme. Die Knechte merkten zwar bald, 
dftss es ein Geist sei, der diesen Kuf ertönen lasse, wussten 
aber niebt, was sie thmi oder welche Antwort sie geben sollten, 
damit er seine Bube erlange. Da kebrte der Senn einmal spät 
in der Naebt von der Auer Eübe (Eirebmess) in etwas gehobener 
Stimmung in die Alpe zurück. Plötzlich ertönte vor ihm wieder 
der Ruf: .,Wo soll ich sie hinthun?" „Ei, Narr, wer wiid 
lang fraugo? Wo du sie hcrgnü hea§t"\ gab er schnell zur 
Autwort. Damit war der Geist erlöst. Er erschien dem Knechte 
jetzt als weiße Gestalt, bedankte sich bei ihm und erklärte ihm, 
dass er vor vielen Jahren der Eigenthflmer dieser Alpe gewesen 
und Marken yerraekt habe. Zur Strafe sei er d^mm von Gott 
vemrifaeilt worden, so lange aof dieser Alpe zu geistern, bis ihm 
jemand obige Antwort geben würde. Sodann befahl ihm der 
erlöste Geist, ihm das Nastuch hinzuhalten, auf djis er seine 
Hand, die noch von den GlutPTi f1es Fegefeuers gai»z lieill war, 
so eindrückte, dass man später noch alle fünf Finger deutlich 
darin bemerkte 0- (Elsensohn, S. 13 f.) 

c) Um a zehni z' Kdht hat a Neiare ab dor Stör to Bamo 
huo abiwello gi Schrecke. Sie h&tt g&r nüd nngto do Buor^t 
zum Q$pfino ghea i dar dnnklo ftillo Näht, aber bis zur Bimer^ 
Brugg hat si* sübor g&r nii gregt. Dan hat*s din a wnnderlis 
Pfüüso und Pftiizo ghort und hat dinkt : Ahä, it/ kunnt Chrea^ta ! 
Zei^t hat's gbichot. din abor i§t dor guoto ^läil«» s Guräschi 
nud alls giad sübor vorgango. „Helf dor Gott!" hat 's im 
Tumolmutach gharot. Ttz oarmaul i§t as am ringsum hei woada 
nnd gleasig und hübsch. A Mindle in am rötho Lible i^t Toar 
or gftando nnd hat gseit: „Itz bean V arlost! Füor das, dass 
i* din die Arno mit „Healf Gott'^ abg^peaso hea, han V mfioßo 
undor dar Brugg hncko und pfhfzo, bis i' dor' dl' mit am „Helf 
Gott" arlöst woada bea. (Elsensohn, S. 14. Kehmen.j 



•) lahar von Geistern verursacht- lliandmale siehe Zingerles Anmeriranf 20 
Nr. 804 und üpenburg, Hr. 166. Vcl. Ziugerie, Nr. 268—271. Alpenburg, 152. 



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120 



Geister. 



d) Von der Scblossruiiie Neuenbürg bei Götzis wird er- 
zählt, es seien vor Zeiten zwei verwünschte Fräulein nach einer 
Keihe von Jahren immer auf einige Stunden erschienen. Auf 
einem Steine der zer&Uenen Bnig haben sie so lange geisten 
mUssen, bia einmal jemand* käme nnd ihnen nnani^efordert von 
den Blumen abkaufte, welidie sie in Büschel gebunden in den 
Hftnden hielten. Zwei Grenzjäger nahmen zufallig den Weg 
dorthin. Und da die zwei Fräulein sie mit flehenden Blicken 
anschauten (denn anbieten dtlifeu die Fräulein nichts), so nahmen 
8ie ihnen die Büschel ab und gaben etwas dafür. Kaum hatten 
sie ihnen die Sträuße abgekauft, so dankten die Friolein für ihre 
Erlösung und yersehvanden. Die Blumen aber waren friseh, als 
wären sie eben im Garten gepfltkckt. (MUndliöh. Götsris.) 

e) fEs war ^nmal in Dombim ein Tischler, der hatte eine 
juDge iot!ihaarii2re Frau. Die Frau t'ikraükte. imd der Mann 
vei*sprach, an ihrem Bette sitzend, euie Wallfahrt nach Kinsiedeln, 
damit sie bald genese; alleiu sie starb nach einigen Wochen. 
Der Tischler gedachte nicht mehr seines Gelübdes, sondern freite 
um eine Freundin der Verstorbenen und führte sie bald zum 
Altare. Etwa Tierzehn Tage naeh der Hochzeit gieng die neue 
Frau in ein Zimmer des Erdgeschosses, um dort « Hobelscheiten 
für die Küche zu holen. Wie sie eintritt, sitzt ihre Vorgängerin 
auf den Hobelscheiten und redet die in sprachlosem Entsetzen 
erstarrte Freundin mit lauter Stimme au : ihr Mann, sagte sie, 
habe eine Wallfahrt nach Einsiedelu gelobt, und bis er dieselbe 
nicht ausgeführt, kdnne sie im Grabe nidit Rohe finden. Am 
nächsten Tage morgens um drei Uhr war der Tischler mit seiner 
zweiten Gattin schon auf dem Wege nach der Schweiz, rerrieh- 
tete sodann am erw&hnten Gnadenorte seine Andacht und ließ 
ein paar Messen lesen. Und siehe Ja ! seit der Kückkehr dari 
die Tischlerin ^jetrost Hobelscheiten holen, die rothe selicfe Frau 
lässt sich nicht mehr sehen.] (Nach Dr. Spiegels Auizeichnung. 
Dornbim.) 

f) [Wenn man nachts durchs Bied fährt^ sieht man in 
der sumpfigen Ebene kleine Lichter hin- und herwandem, welche 
die Gelehrten Irrlichter nennen. Es sind arme Seelen, die noch 



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Oeister. 



121 



nicht zur Buhe gekommen ond in dieser Gestalt wandeln mfis- 
Verbannt aus der Nähe des Hensehen, den m offenbar 
ffieben, sobald er sich nähert, haben sie im nebelfenehien Bied- 

lande einen traurigen Aufenthalt. Gewöhnlich dauert die Strafe 
eines Irrlichtes niclit gar zu lange. Wemi man durch mehrere 
Jahre an emer Stelle regelmäßig einen „Brenner" gesehen, so 
bleibt er plötzlich aus und eiacheiut nicht mehr; der liebe Gott 
hat ihn eingehen lassen znr ewigen Ruhe. Auch kami man 
einen Brenner „wegbeten", weil er durchs Gebet erlöst wird.] 
(Naeh Dr. Spiegels Aufeeicbnnng. Dombini.) 

g) [Am Samstag Nachmittag, so erzfthlt man in Schop- 
pernau und anderwärts im Brcgenzerwalde, geht die Mutter- 
gottes ins Fegfener und nimmt allemal die Seelen, die entweder 
durch fremde Fürbitte oder weil sie nun alles abgebüßt haben, 
erlöst sind, des Abends mit in den Himmel; die andern aber 
trdstet sie nnd irerspricht ihnen, bei ihrem Sohne fttr sie sa bit- 
ten.] (Franz Michael Felder, Nflmmamfillers nnd das Schwarzo- 
kaspale (Nene Ausgabe. Lindau, 1879.), S. 76 f.)*) 



V. Schätze. 

1. 

Yersekiedene Sehätze. 

Unsere Sagen von Terborgenen Schätzen haften zumeist an 

Schlossruineu, den ehemaligen Sitzen unserer min längst erlosche- 
nen Adelsgeschlechter. Es gibt wohl keine gebrochene Burg im 
ganzen Lande, in deren unterirdischen Gewölben nach der Vor- 
stellung oder wenigstens nach der Sage des Volkes nicht ein 

') In Felders Werken findeu sich mehrere Sagen, die hior Tiirht wiedergegeben 
werden, da die Srhriftcn diese«; heimischen Dichters in Vorarlberg allbekaimt sind; 
es genüge also dies« Hinweisuag. 



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122 



Sehttw. 



kostbarer Schatz verborgen liegt. Der Schatz erscheint als maa- 
aives Gold oder Silber oder aber als fiflssiges Gold. Wein-, 
Ackerbau, AlpeiiwiHschaft und Fisdierei glänzen in ihren Sym- 
bolen als masalYe Schätze; Nr. Ic, Ij, Im, Ii. Als besonders 
reich an yerborgenen Sdifttzen gelten folgende Ruinen: 

a) Rosen egg bei Bürs. In ihren unterirdischen Gewölben 
ist ein überaus kostbarer Schatz begraben, er ist in einer Kiste 
eingeschlossen, und ein schwarzer Eund, der auf dem Deckel 
der Eiste sitzt, und das Burgfräule im „blüehwißa Jüpple^* 
bewachen ihn. Aber auch das nächste Revier um Rosenegg ist 
derart reich an unterirdischen Schätzen, die nocli von den alten 
Kittern herstammen, dass daselbst an einem gewissen Plätzchen 
unter einem Steine zeitweise Gold in eine „Maßbudälla füra- 
tropfiiat^^ Das Plätzchen weiß zwar niemand genau anzugeben, 
aber soTiel ist gewiss, dass die „Maßbudälla'' bereits halb voll 
fltlssigen Goldes ist. 

b) Jagd her g bei Schlins. Zu dieser schönen, bnschura- 
wachsenen Ruine war einmal ein Mädchen hinaufgekommen und 
fand dort eine gute „Tuechaf- (d. i. ein großes Tuch voll) Laub 
aasgebreitet, das ganz rothgelb war und herrlich im Sonnen* 
schein erglänzte. Das Kind &nd Gefallen an den schimmernden 
Blättchen und nahm etwelche mit nach Hause und zeigte sie 
der Mutter. Die war böclilich erstaunt und sagte: ,,Ja, mein 
liebes Kind, das ist hinter pures Gold, wo liast du es denn 
herV'' Und als das Kind als Fundort Jagdberg nannte, so eilte 
sie mit ihm alsogleich dahin ; sie fanden aber an dem Orte auch 
nicht ein Blättchen mehr, und wie sie wieder nach Hause kamen, 
war auch das frühere Goldlaub Terschwunden. 

c) Bei der Ruine Schwarzhorn in Satteins fand einmal 
ein Knabe ein massiv goldenes „Rebmesser''; der Knabe war 
alsogleich bereit, es mit nach Hause zu nehmen, er vermochte 
aber leider nicht es von der Erde aufzuheben, geschweige denn 
nach Hause zu tragen. Er lief nun heim und erzählte es dem 
Yater; der gieng mit dem Söhnlem hinauf nach Schwarzhoin, 
fand aber kein goldenes Kebmesser mehr und sagte dann zum 



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SeUtce. 



123 



Enab^: ,Jeh denke, der Schatz hat sieh nur „gsflnnelaV' 
(gesonnt)^). 

d) Kamschwag bei Nenzing. Da hat man vor altem 
öfter ein «^Bi^tle Löb'^ gesehen. Einmal ist ein Nenzinger Mäd- 
chen dasu gekommen. Es denkt: „Wer hat doch auch im 
Sommer Laub, das ist sonderbar; ich rnuss ein paar Lftablein 
in Sack nehmen'*. Es thuf s, und wo es daheim in Sack greift, 
nimmt es lauter Eronenthaler heraus. Es will mehr solches 
Laub holen, findet aber keins mehr. 

e) Auf dem grünen, rebennmwachsenen Hügel, den nun die 
Ptokirche von Bankweil malerisch krönte stand ehemals die 
Burg HOrnlingen; yon dieser Burg, sagt das Volk, ist noch ein 
weitläufiges Gewölbe übrig, das sich nun unter dem Schiflfe der 

Kirche ausbreitet, und in diesem Gewölbe findet sich ein Kegel- 
spiel. Kugel und Kegel von purem Golde. Dort sollen auch 
zu gewissen Zeiten die alten Herren von Könilingen zusammen- 
kommen, um vornehm zu essen und zu trinken und sich mit 
dem güldenen Spielzeug weidlich zu ergötzen. 

f) Ein nicht minder kostbares Kegelspiel, die Kegel 
von purem Golde, die Kugel von getriebenem Silber 
liegt auch auf dem Bregenzcr Schlossberge begraben, wo 
einst die von dcu «Schweden^) gebrochene Burg der Grafen von 
Montfort-Br^enz gestanden. 

g) In der Kuine Schönstein bei Hohenweiler lag eine 
Kiste voll rothen Goldes. Eine ungeheure Kraft brauche es, und 
mäuschenstill zur Sache müsse man sein, um den Schatz zu 
heben, hieß es allgemein. Da wurde man in Hohenweiler räthig, 
sämmtlichc Pferde des Pieckens auf die Beine zu bringen und 
damit die Kiste fortzuführen. Man sammelte sich in dunkler 



'l V{r]. die Sage IV, IS. Die golden" Schlange in "Wolfurt sount sich 
auch iui wariueu Maiensonnenschein. Friedrich Faiuer erzählt S. 294 : »Steht die 
alte Surf Hohenschwangau im glanzend«n Sonnenlkilit, so safoi die Thalbewolmer : 
Der Sebats sonnt sich». 

Tfl. die Sasen IT, 14 f. 



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ScbAtee. 



Nacht in Schöiisteiu und Bpamite die Gäule an die Tragrinsfe 
der Schatzkiste, und nun Stille — einige Geilieiliiebe — und es 
sollte gehen, aber es gieng nicht. Da verschwatzte sich einer, 
dessen Schindmähre vergessen worden war, und rief heilaut auf 
gat nnterländisch: „Bigott, i mneß min alta Koga on* no' hole!'* 
Aber jetzt war es mit dem Heben des Schatzes aus, man brachte 
trotz des herbeigeholten alten ,,Koga^* die Schatzkiste nicht 
abstätt. 

h) In Gutenberg, der vielumstriitenen Eeste bei Balz^s, 
liegt ein unendlicher Hort geborgen, gehütet von einer weißen 
Jungfrau. Der Schatz hat sich einmal gesonnt; es war ein 
großer Haufe Scbneckenschalen, die von purem Golde waren und 
wunderherrlich im Sonnenschein erglänzten, üm den Schatz zu 
heben, sollte man vorerst die weiße Jungfrau erlösen. Einen 
Balzner Knaben, der um Beeren zu pflücken, bis zur alten 
Mauer hinaufgekommen war, sprach sie um Erlösunc^ an, indem 
er sie dreimal umschwinge, doch solle er dabei ja nicht auf 
ihre Haarzöpfe schauen und nicht ein Sterbens w örtclien verlauten 
lassen. Der Knabe fasste all sein Herz und alle seine Kraft 
zusammen und schwang die weiße Jungfrau, ohne ein Aug zu 
verwenden und ohne den Mund zu spalten, zweimal herum; das 
drittemal aber musste er, er konnte nicht anders, einen Blick 
aal' dir schönen goldglänzeinlen Zupfe werfen. Da hatte er auf 
einmal zwei Sclilangen in den Häudeu, und es entschlüpften ihm 
die Worte: „Jesis, wie kalt!" Die Jungfrau verschwand jam- 
mernd, nun müsse sie neue hundert Jahre geistern und des 
Schatzes hüten. 

i) Bei Gutenberg sah einmal ein Mädchen ein goldenes 

„Gützi*' (eine kupferne Kelle) an einem silbernen Kettlem m 
einen Forellenbach hineinhangen. 

j) Zu Vandans im Böschis, zu Fdßen der fabelhaften 
Feste Yaloastiel, ist eine Felsenhöhle, und in dieser sieht man 
zu gewissen Zeiten ein goldenes „Stdöbennarftdle" erglftnzen. 

k) Zu Damiils auf deu Bödmen, wo die ersten Hütten 
erbaut worden sein sollen, liegt noch ein Schate vergraben, der 



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125 



mitunter blanke Thaler m die Ltlfte wirft, die, obwohl sie im 
Soimenseheiu glänzen nnd behaglidi sich wiegen, niemand fan- 
gen kann. 

1) [Ein andersmal gieng ein Mann auf die Fuchsjagd ins 
Bömmert bei Damüls. Da er den ganzen Tag nicht heim- 
kam, wurde den Seinigen bange. Sie machten sich auf die 
Snche nach ihm. Wie sie nnn in die Moide zwisohen Bommert 
und Aelpele kamen, hört^ sie tiefer unter ihnen senfzen nnd 
webklagen. In der Meinung, es sei ein Unglück geachehen, liefen 
sie erschrocken abwärts imd fanden da den gesuchten Fncbsjägcr 
zwar k^^rperlich gesund, aber granz niedergeschlagen und weinend, 
unter einer Tanne sitzen. Auf dio Frage, was ihm denn fehle, 
klagte er : „Ach Gott, ist mii' cm Glück entgangen ! Kam da 
zur Dämmenmgszeit liieher unter diese Tanne, schaute hinanf 
und sah zu meiner Freude eine Unzahl Ton großen Thalem, an 
SchnUren gereiht, in den Aesten bii^n. Freudebebend löste 
ich die SohnUre aus dem Gellste und ließ sie nacheinander zu 
Boden gleiten. Aber o wehl wie ich die einzelnen Silberstücke 
von der Schnur lösen und vom Boden aufheben will, entgleitet 
eines um das andere meinen ijüinden auf Nimmersehen''.] (Grab- 
herr, S. 46 f.) 

m) Wenn man emen kupfernen Sennkessel hundert Jahre 
lang in die Erde veigr&bt^ so wird er zu purem Golde, und es 
blfihen alsdann gelbe Blumen an der Stelle. Ein solcher Kessel 

ist in der Alpe Klesenza eingegraben, und der ist längst schon 

zu Gold geworden, auch die gelben Blumen hat man einmal an 
der Stelle gesehen, aber am Nachgraben wurde man leider durch 
einen Felsensturz gehindert. 

2. 

Baa Bnrgfrftttleiii auf Kosenegg^^}. 

(KOndUoh. Bflrs.) 

Uf 'em Schlössle Rosenegg liat vor Zita-n-a Burgfränle 
gältet, das le§tmal hat's noch a Bürger Büeble gsaha. Das Büeble 

0 In der An^be Ton 1S5S stond diese Si^; in der Abtheilonf »Weiße 
Fr «neu« mit folgender £inleitiuiK: »Fast in jeder deutsdien Ssgensammlqng 



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126 



Sehitee. 



hat amäl am en Abed bim Zuenacbta hinter ^em SchlOssle a 
Bflrdele Holz afgnd ghett mid hftmatzue wella, mid dä 9t£ht em 
6ba *8 Bnrgfr&iüe im a blüeiiwißa Jüpple in Whg mä alt: 
„Ei, Bfleble, lad dt BOrdele noch am£l äb, dn %6iiQ^t mer a 
Dicn^tle thiie ; i' mutii drum scho jährwia dä gä^ta. imd du 
kümite^t mi' hüt erlösa; du wure§t grad der Ma derzue". 'S 
Büehle aber s§t: ,Es hät 8Cho Ave M'rcia glütt, und d' Mueter 
dahäm brücht Holz i d' Kuchi, i mueß drum g^h, aber na' 'em 
Nachtessa will i\ wil 's M^schi ift, noch a Sprflngle kd'', und 
's Fränle gtt em zer Antwnrt: «Se kämm }k gwiss und ver- 
giss bileib not drei gwitehne BQethle met der z* n§h*. Wt& dua 
*8 Büeble dahftm ggessa hät ghett, gäbt nf d' Oberdille und 
nümt di-ei Hüethle us 'em Palma und springt drüf Rosenegg 
zue; 's Bur(,rfräule kunnt em a guets Stückle etgega. läclilet 
früiidle zuenem mid ff) ehrt 's dem Schloss zue und dort über 
'na §täneme Stega zwöil, föfzeha Tritt abe in a Gwölb. Tm a 
Winkel vo dem Gwölb ^taht a grdße isene Ki?ta, und uf 'em 
Deckel hocket en Schwarza Hund ganz rüObig und tüsem. , Jetz 
lueg, Büeble', s$t due 's Fräule, „dem Hund mueft mit ama 
jedwMera BOethle en Strftch g@, n&' 'em dritta Strftch hoppet 
der Hund aha vom Lid, und i' gib der us mim SchlÜsselballa 
da de Schlfissel zer Ki§ta, und der Schatz, der dri ift. glv rt Ii, 
und i' wür eil-f. Uf das nümt 's Büeble a Küetlile und git 
dem Kund eu Sträch ; der Hund aber facht a z' surra, dass alls 
erhilld im Gwölb, stellt sine füriga-n- Oga-n-und würd fortzue 



iiid«ii sieb EnftUmgen von weifien PrAnen und Jongfrauen; die in den 
fiaaptiftgen snsanunmtieflfen. Sie orscheinou iii weißen, leuchtenden Gewtn> 
den, nipistoiis hei Tage mit einoni Schlüsselbund im GQrtel ; sie kommen 
lächelnd aus ihrem gewöhnlichen Aufenthaltsorte hervor, waschen sich Gesicht 
und Haare an Qiiclkni nnd Bilchcn nnci knhron wofncnd zurück; sie tragen Oe- 
se lim ei de an hi'-h und hnux] Si'hiltzt\ J, (iriinm f>haraktorisiert dieselben fol- 
gender Weise: -Ks sind ^'otüichis, halbgöttliche Wi:ts>ii des Ueidenthunis, die den 
Blicken der Sterblicheu uuch zu bestimmter Zeit sichtliar werden; am liebsten bei 
wanner Sonne erscheinen sie anueu Schäfern und Uirtt-iij äugen. Unsere Yolkssage 
ist olleuthalbcu voll anmuthiger Erzühlungen davon, die »ich wesentlich gleichen und 
^ festeste Wnnd Temäien«. Dentwstie Hytb., S. 914. — Siehe eudi Ang. 
atftber, nie Segen des EJsasseSf S. 12«. 



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großer und grtfler, a*B wenn er that gschwMla. Dem Bfieble 
dMderlet 's af%ha, doch aber. nUmt 's das zwät Rtlettale und 

Schlacht noch amal, aber gsegis Gott ! jetz surret der Hund so 
lüt, dass ma das äga Wärt nümma ver§talit, macht Oga wia 
furige Schiba und gschwillt fortzue, dass er mit dein Buggel 
fa^t |k der Dille vom Gwölb fgäht, und mi Büeble, net fül, lauft, 
das dritt Eflethle noch i der Hand, über Stock und Stfk hfimzue; 
hmder em hei 's 's Burgfrftnle bed^Ü' jdmera gh6rt: ,Jet2 
mueß i* neue hundert JShr gä^taU' 

Die drei Büthlein sind eine Anspielung auf die Wtlnschel- 
mthe des Heidenihums; dieselbe hat in unserer Sage den Segen 
des chiistlichen Priesters erhalten; die Zahl drei ist ebenfalls 
dem Christenthume entlehnt 

3. 

Eiu jSiiüil&teiiL rerseheucht den Schatzgräber. 

• 

a) Im a Wald i?t a Ki§ta gsi mit ama ko^tbara Schatz 
dri. D' Lüt hond zwar (iervo gwisst, wü ma-n-aber aUawil gset 
hat, es hocke a fürchtigo Krott uf 'em Deckel, und wer de 
Schatz well erwflscha, müeß dia Krott dreimal abeschlage, das 
$r|t- und das zwoatm&l wer sie wtder uffihoppa, und m| wer 
derbei Sacha seaha und höra, dass *8 om gwiss vergäng, das 
drittmal d' noch z' Schlaga: se hat 's jedem de Maeth gn6, und 
jeder hat liaber sin Guide rüöbig iin Sack gha, a's viUicht 91 
Leaba gwagat an a Ki^ta voll — i' woaß net was. Jetz amäl 
hört denn a jungs Bürschlc. aber en wäghalsiga Kerle, 6' vo der 
Ki^ta und Krott im Wald und set: ,.Bigok! i' hol de Schatz, 
r förcht mi' net Tor Blendwerk'S fiichtig nümt er *s Herz i 
^M Hftnd und g&ht mit ama Steacka dem Wald zue, und wia 
er zwQschat de Tanna fnrtschlenderet, h6rt er uf oamdl en wun- 
derliebliga Gsang us der Hohe, er set aber zue si' sealber : „F los 
net, bis i' de Schatz ha" und 16ft wiler und findt nä' ama Wile 
d' Schatzki!?ta und a förchtige Krott uf 'em Deckel; er bsinnt 
si' net lang, fasdt woaUe en Siroach und schlagt das grüsig 



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128 



Schitie. 



Thier abe vom LSd; derwü aber siogt *8 nodi liebHger a'e firüUier 
i der H6he, und d' KroÜ hoppet. wider uffi uf d* Kifta; docik 
mi Bürschle net fül und schlagt zum zwoatamäl, und d' Krott 

hoppet noch amäl uffi. Uf das nüiiii aber der Gsang Wisa-n-a, 
dass 's dem Bürschle tuf i sine junge Sei grift und er "s ümügli' 
mfih verheba ka und halt oberer iueget; da sieht er grad öber 
sim Kopf a sch6s Mäaddele im a schnewißa Höckle uf ama 
Neabele sitza und an MAhleftoa am a Grashalm heba, und ftfiba* 
bloach vor Schricka duckt er si* woaUe und Idft, waa er yerlöfa 
ka, dur* a Wald um. Hätt er us Wunderwitz net i d' H6he 
glueget und noch amäl — das drittmäl — gschlaga, so war er 
§toarich gsi. (Mundlich. Feldkirch.) 

b) In Götzis unweit der Kiiine Neuenburg lebte einst ein 
altes, armes Weib. Um Holz zu suchen, gieng es in die Kuine 
Neuenburg. Nach langem Suchen fand sie dort nur ein Häuf- 
chen Holz und Sägesp&ne, die sie in die Schfirze nahm und nach 
Hause trug. Sie sagte aber niemanden, woher sie's genommen. 
Am Morgen drauf kam sie in die KDche, um mit den Spänen 
das Feuer anzumachen ; sie fand aber zu ihrem ireudiu:en Er- 
staunen lauter Gold auf dieser Stelle, wo sie die Späne Umge- 
legt, vom Holze selbst war aber nirgend eine Spur mehr. Dies 
£ilebni8 hatte sie einem Fuhrmann erzählt, und der in seiner 
Gier wollte auch gesehwind reich werden. Er gieng nachher 
aufs Schloss, nahm Spaten und Haue mit, damit er gleich den 
ganzen Schatz heben könne. Weil aber der Mann vom Schatz^ 
graben etwas wusste, so wartete er bis nachts um zwölf Uhr, 
und damit er die scheußliche Kröte, welclie auf dem Schatze 
saß. entfernen könne, nahm er eine Haue mit sich. Er war 
bereits unter dem Schlossthor; da er so von ungefähr in die 
Höhe schaute, sah er einen ungcheuem Mühlstein an einem 
Kosshaar hängen. Alle Augenblicke glaubte er, jetzt werde er 
herab&llen, verlor gänzlich den Muth und floh ohne Spaten und 
Haue Aber Hals und Kopf den Berg hinunter. Dem Manne ist 
naclihcr nie mehr wohl zuuiutiie ije^vesen. und er erzählte oft 
noch, ^vie fürchterlich ihn die Kröte mit feurigen Augen ange- 
schaut habe. (Yernalekeu, S. 138.) 



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Scb&tse 



129 



Dass Thiere Schätze hüten, ist ein allgemein verbreiteter 
Volksglaube; diese Thiere sind vorzüglich Hunde, Böcke und 
Schlaugen sowohl in gemaoischen als sla vischen Sagen ; aua- 
nabmsweise ist in Vorarlberg auch der Kröte der Hort fiber- 
wiesen. An der Kröte haftet hiennlande überhaupt noch man- 
cher Aberglaube. Das abgeschnittene Haupthaar werfe man ja 
nicht an Orte, wo Kröten hinkommen, denn sonst würden die- 
selben daraus ein Nest machen, und der Mensch, dem das Haar 
angehörte, bekommt das „Hinfallende'' (epilejisia i. — Ge^^en das 
Schwinen (Schwinden, Abmagern eines (rliedes) ist nichts besser, 
als eine todte Kröte in ein Säckchen gebunden und am betref- 
fenden Gliede als Amulet getragen. Die Kröten aber, die als 
solche ,,Schwhuga^^ (d. i als solche Mittel gegen das Schwinden) 
benfitzt werden wollen, mfissen imFrauadrtßgni^t, das ist 
während der dreißig Tage von Maria-Himmelfahrt bis Heilig- 
kreuz-Erhöhung gefangen werden. 

4. 

Der Schatz aui dem Kläslefeld* 

(MOndlicb. Frastanz.) 

Ueber Frastanz erhob sich ernst der Bitter- oder Edelsitz 
FrastafSders, heute kaum mehr in seinen Tröramern erkenn- 
bar. Im Volke geht die Sage, es habe aut 1 lastateders einst 
ein ,.H4daschloss" (gestanden, und von demselben herrührend 
seien noch viele, viele Schätze dort begralien. Neben den Trüm- 
mern des ehemaligen Edelsitzes breitet sich das Kläslefeld aus, 
tmd darauf steht ein einsames Haus. In diesem Hause hat ein- 
mal an einem Weihnachtsonntage unter der Spätmesse eme ein- 
föltige Weibsperson ..gamat" (gäma verb., das Haus hfiten)/ Sie 
saß auf dem Tische, daj. Gesicht geiren das Fenster, und betete 
den lioseukranz. Auf einmal gewahrte sie draußen auf dem 
Schnee einen „Bieter" (d. i. auseinandergestreuten Haufen) Laub, 
das seidengelb war und prachtvoll im Morgensonnenschein fun- 
kdte. Die Weibsperson vergaß fast des Rosenkranzes, so schön 
war das Funkeln und Schimmern des gelben Laubes. Ueber 

Dr. F. J. Vonbon, Saveii Vorarlbergs. 9 



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130 



Scbltse. 



einer Weile aber kam eia Geist, machte mit dem Kochen den 
,,Bieter^' Laub zusammen und Tersebwand damit Als die ^fitB- 
^hr*^ nadi der Messe heimkam, so erzShlte die Weibsperson, was 
Schönes sie gesehen habe. Da sagte die Hansmutter: ,Jst ewig 
schade, das war lauter Goldlaub; du Lappa, hättest doch dein 
„Nobler" dreingeworfen, so hätte der Geist den „Bieter'* nicht 
zusammeiuecheu können, und der Schatz wäre unser gewesen". 

5. 

Die Grol4l quelle. 

(Mündlich. Bregeuz.) 

As i^t amal a Goldquella gsi, an Goa^t hät sie ghfleti, und 
dä knnnt am&L an M& zu der Quella und seit ganz mameiü' 
zum Goa§t, ob as it erloubt wi(r, a Kflbile voll Goldwasser mit 

hoam 7/ ueh. Der Goa§t seit : „Wenn d' nüiit ödiwätza witt, 
bis d' mit 'am Oold hoamkunust. so darfst der di Kiibile ftilla^^ 
Der Mä füllt si Kübile und loutt hoam, fallt aber uf 'em Weag 
und verschütt nomas tu sim Goldwasser. Dä seit ar zueemsealb : 
„'S i$t schäd!'^ Wia ar aber das hät gseit ghetfe, so i^t ko 
Tröpfle Goldwasser m§h im Enbfle gat. 

£s ist ein allgemein verbreiteter Volksglaube, dass ein schon 
gehobener Schatz alsobald wieder in die Erde versinkt, wenn 
dabei em Wort gesprochen wird: manche behaupten sogar, das 

dfirfe erst dann geschehen, wenn man den erworbenen Schatz 
unter die Dachtraufe des eigenen Hauses gebracht habe. Von 
Goldquellen, Goldwässerlein, Goldbrünnelein melden 
auch die Nummern A VI, 2, 4; V, la, 5. 

6. 

Der Böden-Schatz. 

(QniihBTr^ S. 46.) 

[Auf den Bdden zwischen Elsen-Aelpele und B(}mmert liegt 
ein Schatz begraben. Einstens kamen drei fremde Männer ins 
Schorle, begrüßten den Hauseigenthümer mit Nennung seines 



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131 



Namens und fordei-tea ihn auf, noch diese Nacht mit ihnen zu 
gehen, aber ja keinen Laut Ton sieh zu geben; sie hätten es 
«uf Hebung des Bdden-Schatzes abgesehen. Sie giengen nun 
selbriert hinauf. Brei davon stellten sich schweigend in der 

Peripherie eines eigens gemachten Kreises auf, während der 
vierte mit einem großeu Buclie in der Kreismitte stund und 
Beschwörungsformeln las. Bald hörten sie ein Geräusch wie von 
«iner stürzenden Tanne, der Schatz ward in einer großen eisernen 
Truhe sichtbar, aber ein gewaltiger, schwarzer Hund bewachte 
ihn. Der Schorlebesitzer erschrak, that einen Schrei, und ver- 
schwunden war Hund und Truhe.] 

7. 

Der SelwtB auf der Bezegg. 

(ElMBSohii, 8. 19.) 

A^Ttlirend eines Krieges soll ein Kessel voll Gold auf der 
zwischen Bezau und Andelsbuch gelegenen Höhe vergraben und 
auch, weil die Eigenthfimer bald das Zeitliche s^fneten, ganz 
vergessen worden sein. Nur ein alter Mann wusste noch den 

Ort, wo er lag, tlieilte es aber aus Neid keiner Seele mit und 
nahm das Geheimnis mit in das Grab. Zur Strafe musste er 
nun den Schatz nach dem Tode so lauge hüten, bis e9. jemandem 
gelänge, ihn zu heben. Oft sah man in den Mitternachtsstunden 
ein Flämmchen leuchten und hörte bisweilen auch ein ängst- 
liches Stöhnen. Da entschlossen sich zwei muthige, aber arme 
Bursche aus Andelsbuch, die von dem vergrabenen Schatze ge- 
hört hatten, denselben zu heben. Mit Hauen versehen, machten 
sie sich in einer stockfinsteren Nacht auf den Weg nach dem 
Platze, wo das T'lämmcheu gewöluüich zu sehen war. Um Mit- 
temacht erschien dasselbe wieder. Da üengen sie hastig an 
dieser Stelle zu graben an, ohne dabei ein Wort zu sprechen; 
denn nur unter dieser Bedingung, das wussten sie, war der 
Schatz zu heben. Es währte nicht lange, so stieflen sie mit 
ihren Hauen auf einen mit blinlcenden Goldmtlnzen geffiüten 
Kessel. Schweigend laugten sie nach dem Ringe desselben, 

•s 



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132 



Schätze. 



hoben Um herauf und glanbten, ihres Fundes schon ncher zu 

sein. Im üebermalie der Freude entschlüpften aber dem einen 
die Worte: ,.Bigopp, jetzt händ iiier ihn!" und ver.sch wunden 
war der Kessel mit den Goldmünzen. Nur der Hing desselben 
blieb ihnen in den Händen und soll noch jetzt an der untem 
Kirehenthür in Andelsbach zu sehen sein. 

8. 

Pas alte Xiltierlein auf der Spinnstiibet, 

(Nach Dr. Spiegets Aufteichnimg. Dombint) 

[Als in r)onii»irii jioch an den langen Winterabenden die 
Nachbarn in den „Spinnstubeten'* zusammenkamen — daa 
Weibervolk mit Kunkel und .Hädle", die Mannsleute mit der 
unvermeidlichen Tabakspfeife — erschien auf einer solchen Stubet 
allabendlich ein altes Mtttterlein und setzte sich mit seinem 
Spinnrade m die hinterste Ecke, wo es dann bis zum allge- 
meinen, oft erst sehr späten Aufbruche spann. Das Weiblein 
misrhte sich nie ins Gespräch, mochte noch soviel erzählt, ge- 
lacht und gescherzt werden. Eigentlich war das seltsame Wesen 
jedermann unbekannt, doch ließ man es unbefragt kommen und 
gehen. 

Unier den Mannsleuten befand sich ein junger Bursche, der 
Kopf und Herz auf dem rechten Fleck hatte. Während seine 
Altersgenossen sich mit den jugendlichen Dirnen unterhielten, 

schenkte er seine Äu{merk.^amkeit der alten hidu. Wie kam es 
doch, dass er stets in ihren Winkel schauen musste? Vielleicht 
zog ihn der unerklarbar milde und doch schmerzliche Ausdruck 
ihres Gesichtes an, vielleicht ihr stilles Wesen, ihre scheue 
Zurückgezi^enheit. £r hätte lachen mögen, dass er so dumm 
war, und gleich darauf, wenn er wieder einen Blick in den Win- 
kel geworfen, stand ihm das Wemen näher. 

So gieng es drei Jahre lang. Wieder war alles des Abends 
in der Spinnstubet beisammen, und der Bursche schaute still und 
sinnend der allen schweigsamen Spinnerin zu. Plötzlich beiiierkte 
er, dass sie das Spinnrad verkehrt drehe. Da setzte er sich 



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Schttase. 



1B3 



neben sie, schaute noch eine Zeitlang zu und sagte dann zu ihr : 
„Inuner links nm, Mütterle?'' Nun fuhr ein heller Strahl Aber 
das Leidensgesicht der Alten. Sie stand rasch auf und bedeutete 
dem Burschen mit freundlicher Miene, sie zu begleiten. Schwd* 

gend wanderten die beiden in die stille Nacht hinaus. Das Müt- 
terlein sdnitt voran Aber Acker und Wiese, bis sie zu einem 
einzeln stcheiKicn üebüsche kamen. Hier sprach es: „So ent- 
setzlich viele Jahre habe ich gesponnen und stets links um, und 
erst du hast es endlich zu meinem Glücke bemerkt Dafür 
Boll dir reichlicher Lohn werden! Grabe morgen an dieser Stelle l 
Was du findest, betrachte getrost als dein Eigenthum!* Nach 
diesen Worten war sie verschwunden. Der gute Bursche aber 
hob am uachsten Murgen .einen Hafen voller Tkalür aus der 
Erde. Der Schatz brachte ihm Glück, denn er starb im hohen 
Alter als des Dorfes reichster Bauer. 

Die alte Spinnerin war auch einmal jung gewesen und wird 
gar manche Stubet besucht haben, auf der es nicht sehr „sauber^^ 
liergegangen; ich meine, die Sache könnte von daher kommen.] 



VI. Venediger. 

In allen Ländern Mitteleuropas, wo der Bergbau betrieben 
wurde, erzahlt man yon den sogenannten Tenedigem, aber wohl 
am meisten in den Alpenlftndem. Diese Yolkssage ist wahr- 
scheinlich sehr alten Ursprunges. Früh im Mittelalter sollen 

Berg\verke iu Kämten von Venetianem betrieben worden sein. 
Am Sulzbacher „Yenediger' haben vermutklich die Goldsucher 
aus Italien — wie das Volk sagt — ihre Wünschelruthe ver- 
sucht. Von den Thalbewohnern Pinzgaus wird der Berg „Yene- 
diger** genannt, und in der ganzen Umgegend von Krimi meint 
das Volk, von diesem Berge aus könne man die Stadt Venedig 
«rbUeken. . 



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f 



Veoedii^r. 



Auch in Vorarlberg und Tirol geht die Sage von Venedigem 
im Schwange. Tirol kam nicht selten in sehr ernste Berührung 
mit der Eepublik Venedig, z. B. im Kriege unter Kaiser Max, 
bestäadig blieb es aber mit ihr im Handelsverkehr und war 
großentheils die Straße für ihre Waren nach Augsburg und 
Nfiraberg. So kamen Ton Zeit zn Zeit fahrende Leute hinab, 
ans deren Mnnde dann die Wander und Beichthfinier der Meer- 
stadt \na in die fernsten Thäler erzShlt wurden. Die dichtende 
Phantasie des Volkes erklärte sich die Sache nach ihrer Art. 
Mit den Berc^werken uirft sie die uralte Mytlie von den Berg- 
männlein (Zwergen) zusammen, neklie bekanntlicli kunstreiche 
Schmiede sind und die unterirdischen Schätze beherrschen. Gold 
und Zauber stehen in einer gewissen Wechselwirkung: Gold 
bezaubert, und Zauber soll das Gold gelockt haben. Die vene* 
taanisehen Kaufleute, die Gold, Achate, Jaspis^ Cameole und 
Krystalle aus Deutschland und ganz Europa holten, TCrwandelten 
sich in geheimnisvolle Gnomen mit dem Namen „Venediger" 
oder „Venedigentiäniiiein"'. Diese kommen von Zeit zu Zeit auf 
geheimen Wegen durch Gebirg und Wald, fassen an ihnen allein 
bekannten stellen den Goldsand in ihr Schnappsäckchen oder an 
heimlichen Quellen flüssiges Gold in ihr Krflglein oder werden 
Hirtenbuben auf einsamen Alpen als zwergartige, steinesuchende 
Mftnnlein sichtbar, und verborgen, wie sie gekommen, gehen sie 
wieder fort. Im Hittisberg im Bregenzerwalde wohnen die* 
Venediger bleibend im Innern der Erde, in Höhlen und Klfiften,. 
ausgerüstet mit geheimer Kunde der Steine und Fclsmassen.. 
Von Körper sind sie klein, von Gemüthsart fromm und fried- 
liebend, freundlich in ihrem Verkehr mit den Mensciieu, deren 
Hüfe auch sie zuweilen, namentlich bei Geburten, in Anspruch 
nehmen, und lohnen geleistete Dienste nicht selten durch gutes 
Gold, das sie als reiche Leute im Ueberflusse besitzen. Es sind 
also Yenediger, wenigstens die im Hittisbeig, trotz ihres nobeln 
der Lagunenstadt entlehnten Namens nur verkappte germanisohi» 
Zwerg i und im gauziü uichts vornehmer als die „rothhäf^en'*' 
Leutchen in Braz (s. II, 8). 



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13B 



1. 

Bie Yenedlger im Hittisberg;. 

Hiodam Hittisberg hieud vor uraLta Zita in Mühna und 
Höhla d* Yesediger gliQsat. Das siead Männdle imd Wible 
gsingf ganz Idinn Lut, fromm und gscMd. Im Hittisbeig in 
flAhna heat ma^s vflmdl kloeka-n- und bammera gbdrt, und di 

hieud sie Stoi ggraba. sie ^:ieu(l orad gsing wia Für^toi, und das 
soll Gaudärz gsiiig sing. Sobaud as aber Wiouter woaia-n-i§t, 
sa sieud sie furt, ma heat et gwiaßet wobi, und am Früehlig 
sieud sie wider ko, ma heat et g^viaßet woh^r. Jättanamal sieud 
sie in oischicbtige Hüser zer Stubete ggauga, Meud aber et vil 
gredat, tlsgnd sie bieud de Lüta-n-an gueta B&tb kunno gie, 
und das bieud sie d* g§ tbau; wenn ma aber gftrieta und Idbat 
beat, sa bieud sie all tiberanand gschrua: „Orla brennt, Orla 
brennt!'' und sieud dur'.s Hüs nüs, so gnoth sie hieud kuuuo. 
Wenn jätta-n-an Mä oder a A\'ib üban Weg gganga-n-i§t, so i§t 
meiigmäl daran Männdle zueem ko und i§t mit am gganga. aber 
denn wider uf uimal vcrschwunda gsing; und jättamäl sieud sie 
zun Büra uf 'e Stadel kd und bieud bert am Heubä gsotta-n- 
und br&ta, dass d*s Für am Heu uibegfära-n-ift und nflnz ver- 
brennt beat. Und amdl beat däran Wfble am Berg solla Eieud- 
bettere weara, und du beat d^s ^änndle a N&hbürawtb ghoUat, 
und das i§t kö und heat gholfa, was sie lieat kunno; Loh heat 
sie kuon wella, d's Venedigerw ible aber git ar Köhl i (Y Schoß 
und seit. ..Thue d' Schoß et üf und guck et ihe, l)is buikunu^f'. 
Wia's Bürawib a Stuck wit drüskö i§t, sa deigt sie: „Sie beat 
mer ja nünz a's Kohl ggie, dia mani' et huitraga", machat d' 
Scbdß ttf und lert d' K6bl üs. Wia sie buikunnt, so will sie d* 
Scbdß *rabtbue und siebt, dass sie im a Faut a Scbildisdubla 
beat; itz verscbrickt sie und deigt: „T bätt d^ E6bl et solla 
tsl^ra, d's Venedigerwible heat mer lutter Scbildisdubla ggie". 
Drüf heat sie umkehrt und i?t uf dan auta Platz gganga, wo 
sie d' Kohl heat üsglert, heat aber nünz meh fuuda. 



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Veuediger. 



2. 

Bas Yenedig^ermäniileio und die drei bckiresteni. 

(MOndUch. Fnstetu.) 

TJf der Garsella-n -Egg i?t vor ürdenklega Zitta 'na 
Guldwässerle us ama Felsa-u-ussagrumia, iin«i i d' Nohe vo dem 
kostbara Wässerle sind amäl am ana lioha Firieg onder der 
Spätmcss drei Fraschner Mäadla ko, die jiedweder a Kübile am 
Arm; ihr werden säga: ..Dia liond gwlss wella Gold schöpfa?'* 
Na, s^U net, zem Goldschöpfa w&ren dia drei noch a betzle z' 
nirrsch gst. Das Hantverk hatt no' der Venediger ver^tanda. 
Das ift a Männdle ^si, hät vor Zitta i üserem Lftndle tü 
Ständ und Gäiiy- ghä, und net selta i§ os uf d* GarsMia-u- Egg ko, 
hät Gold gschfipft und i^t furt dermit, ni:i liiit net recht gwisst 
wia. Nu amal hei 's en Hiert gseha 'na Kanta onder 's Qrold- 
wässerle heba bis zum Ühergoh und drüf dervoflüga wia en 
Yogel; der Hiert hei em noch nähglueget und hei beiemselb g8§t: 
„Das Männdle kfk m&x a's fufe s^Ua''. Ju^tament am s^lla 
itrteg, wo die drei Fraschner Mäadla zem Goldwässerle kd sind, 
ift der Venedi^^er 6' wider dort gsi und hät. schätze, wella Gold 
fassa. D' Mäadla hend a betzle absits gerdberet und derbei 
gschwätzt und glachet, a's wenn alls i der Arncg war, ■wo sie 
hätten solla i d' Kiercha göh, wia es si' ghort a Sunnteg und 
Firteg für Ohre^ta. Uf emäl kunnt der Venediger fürha und 
schnürst d^ Mäadla-n-^: „Was' thnender di?^* Dia sind ganz 
verdatterat und hend anand ganz verschmot figlneget und 
gset: „0 nät!" Drüf sIt der Venediger: „So söUender d* 
nüt anders weara a's drei Schröfa, dass i* mi Goldwässerle druu- 
der ver^tccka ka": und so i§ es gscheba: dia drei Mäadla sind 
ze drei garrega Schröfa wara, sie ^tond hutegstags noch ob'em 
Leuzug dorn, und ma set 'na im ganza Darf „die drei Schwö- 
9tera*^ 's Goldwässerle würd woll d' dründer verfteckt si, 
findf s amäl nnmme. 

Sagen von drei Schwestern sind namentlich in Baiem 
in Menge verbreitet, und ihre Fäden ziehen sich bis in die Zeiten 



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137 



des Heidenthums und lassen sich an den alten itisi, nornir, 
fatae, parcae, |io?pai anknüpfen. S. Fr. Panzer, Beitrag zur 
deutschen Mythologie (Mflnchen, 1848). Auch diese drei Schwe- 
stern von Frastanz hat Panzer den drei Nomen an die Seite 

gestellt. — Der Umsttiud, dass die drei ScliwesteiTi von Fnistanz 
über einem Goldwasser sich erheben, scheint mir bedeutsam ^ 
und einer uralten heidnischen Vorstellung entlehnt; saßen ja die 
Parcen der nordischen Mythologie ürd, Verdandi, Skuld (Ver- 
gangenheit, G^enwart und Zukunft) auch an einem Brunnen, 
dem ITrdarbrunnen. Oder vielleicht verdient der Umstand 
mehr hervorgehoben zu werden, dass die drei Schwestern unserer 
Sage vom Venedigermännleiu, einem Guomeii, ausgehen, analog 
jenen Nornen, welche neben de» drei großen Xornen vom tiötter- 
geschlechte von Alfen und Zwergen stammten. 

An die A^orneu gemahnen noch die Kiudeneime: 
„Kita rita ßössle, 

V Bludez i^t a Schldssle, 
Ii Nenzig i^t a Glockahfts, 
Es luegen drei Popa drüs; 

Die er^t spinnt Sida (den Lebensfaden), 
Die zwoat glorifigat (V), 
Die dritt thuet 's Thöarle üf 
Und lät 's hoalig Sünnele üs''. 

Oder: 

„Mta ilta BOssIe, 

V Wala^tadt a Schlüssle, 

Z' Chur dom a guldis Hüs, 
Es Inepfen drei Fraua drüs; 
Ene §pmnt Sida. 
Ene Bchnätzet Krida, 
Ene gaht i's Glockahüs, 
Lät die heilig Sunna-n-fls^S^) 



') (In Donil)irn wird das Schlössle uud das goldene Haus nach Wan^n ver- 
leg. Ks sihaurn c1r*'i »Jompfere« heraus, deren cUitte thoot \ lüorle üf uud Itit 
die bose Buobo-n'üs.J 



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138 



Teuediger. 



3. 

Ble Spteterel der Tenedtger* 

a) Das Venedig ermännlein auf Gapbäl und 

der Hirtenknabe. 

(MQndlich. SatteiDS.) 

Ein Yenedigennäimlein zeigfte sich ein paar Jahre hinter» 

einander auf der Alpe Gaplial, wo es in Künsten und Tobein 
sorgsam Steine zusammensuchte, mit denen es dann, plötzlich 
wieder verschwand. Einmal kam ein Hirtenknabe zu diesem 
Männlein, als es eben wieder mit dem Ordnen und Packen seiner 
Steine beschäftigt war, nnd schaute ihm eine gute Weile zn, 
mochte aber das ganze Treiben als thöncht ansehen, denn er 
sagte halblaut zu sich selbst: „'S git doch närrsche Lut uf der 
Welt"; darüber ergrimmte aber das Yenedigerrnftimlein \xnä 
brummte: ,,r)u blöder Bube, wirfst oft einer Kuh einen Stein 
nach, der mehr wert ist als die ganze Kuh". Diese Rede des 
Männchens fasste der Knabo gut ins Uhr und merkte sich auch 
genau das Aussehen der Steine, auf die der Yenediger so erpicht 
war, und las dann später neben dem Viehhfiten auch solche 
Sterne zusammen. Als er nun schon einen tachtigen Haufen 
solcher Steine zusammengebracht hatte, so gieng er damit in die 
eit, um sie .ui den Mann zu bringen, aber niemand wollte sie 
ihm abnehmen. Kudiieh kam er auf seiner AVanderung nach 
Venedig und bot dort einem vornehmen Herrn seine Steine zum 
Verkaufe an; der Herr hieß ihn mit seiner Ware ins Haus 
kommen. Der £nabe gieng und stieg mit dem nobehi Vene- 
ilaner eine breite Marmortreppe hinan und kam in einen großen 
goldprnnkenden Saal; dort Terschwand dann der Yenetianer in 
einem Nebengemach; über einer Weile kam aus demselben 
Gemache ein kleines Männlein heraus, das der Knabe alsogleich 
als das Venedigermännleiu von Gaphai erkannte. Das Männlein 
musterte den Knaben und die Steine mid sagte : „Du Spitzbube, 
du wärest nun in meiner Gewalt, und ich kOmie dich tödten, 
weil du mir mein Handwerk abgelauscht hast, doch für diesmal 



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Yeoeäiger. 



139 



will ich dir das Leben schenken, aber wehe dir, wenn du wieder 
kommst I'' Er zahlte ihm dann für die Steine eine grolie »Summe 
Gelder aas und stellte ihn beim Abschiede vor einen großen 
Spiegel and sagte: „Da kannst du noch schauen, was gerade 
jetzt deine Leute zu Hause machen^S Der Enabe schaute in 
den Spiegel und siehe, da gewahrte er sein väterliches Haus ; die 
ganze „Hüsehr'' saß vor demselben um einen Tisch herum und 
war gerade am Mittagessen; an den AVänden des Hauses waren 
Sensen, Rechen und Heugaijein angelehnt. Dieses idyllische Bild 
weckte in ihm fast Heimweh, und er eilte mit dem Erlös der 
Steine nach Hause und ward ein wohlhabender Mann. 

b) Das Yenedigermäuuleiu und der Hirte 

aus Glarus. 

Diese Geschichte habe icli m Glarus in der Schweiz gehört, 
als ich in guten jungen Jahren noch in die Fremde gieug. 

Ein Vcnedigermännlein kam alle Sonimer auf eine Hochaipe 
in Glarus, unterhielt sich freundschaftlich mit den Hirten und 
las nebenbei glänzende Steine zusammen, die es sorgfältig in 
Sfteke einfüllte; alle acht Tage fflUte es sieben Säcke mit sokhen 
Steinen und verschwand dann damit^ um wiederzukehren und 
neue sieben Säcke zu sammeln. Einmal wollten sich die Hirten 
einen Spass machen und versteckten dem Männlein einen Sack 
Steine. Als aber das Mänulcin von seiner Sammelarbeit in die 
Alphütte zurückkam, schnarrte es alsogleich die Hirten an : „Ihr 
habt mir, merke ich wohl, einen Sack Steine versteckt, und es 
handelt sich nun darum, ob ihr mir den Sack wieder zu Händen 
stellen wollt, oder ob ich ihn selber holen soU". Die Hirten 
si^n: „Hol* du ihn dir selber*, und auf das lief das Männ- 
lein eine Ganda hinauf und holte sich den Sack, den die Hirten 
dort versteckt hatten. — Gegen Herbst sagte es einmal zu den 
Hirten: Jetzt ziehe ich wieder nach Venedig, und wenn mich 
der eine oder andere von euch dort besuchen wird, so soll mir 
das eine £hr* sein, und ich werde ihm einen Sack voll Silber 
8ehienl:en^\ Diese Bede £asste einer der Hirten gar gut ins Ohr. 
Sr war ein armer, braver Mann und hatte Weib und Kinder, 



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140 



Veoediger. 



trnd der fasste den Entachluss, zum Yenedigermännlein in Venedig 
in den Heimgarten zu gehen und mit einem Sack yoU Silber, 
den er zn bekommen hoffte, seiner schweren Hanshaltung anfm- 
helfen. Der Hirt zog aus und kam glflcklich nach Venedig; 

dort war er aber doch uu lit wenig in Verlegenheit, denn er 
wusste weder Haus noch Hof, ja nicht einmal Geschlecht und 
Namen des Venedigermännleins. Doch seine Verlegenheit dauerte 
nicht lange, denn als er so raihlos durch eine Gasse hinschlen- 
derte, schritt auf einmal ein Tomehmer Herr auf Ihn zu, hieß 
ihn bei der Hand willkommen, fragte, wie es in Glarus stehe, 
und wie es den Hirten gehe, mit denen er aUe Sommer auf der 
Hochalpe zusammenzukommen pflege. Jetzt riss der Schwizer 
die Augen weit auf. denn er iikannte in dem Herrn das Vene- 
digerm an nlein, das er lange gesucht. Er folgte dann der Ein- 
ladung des Venetianers, quartierte sich in seinem Palaste ein und 
ließ sich einige Tage köstlich bewirten. Aber dieses noble Leben 
wollte dem Ghimer doch nicht recht behagen; bei all dem Glänze 
der herrlichen Wohnung, bei all der Fülle von Speise und Trank, 
war sein Sinnen und waren seine Gedanken weit tiber den Ber- 
gen in Glarus bei Weib und Kind. Emstmals saO er in solch 
sehnsüchtigen Gedanken vor dem Palaste des Venetianers auf 
enier Marmorbank, und er konnte es nicht wehren, dass ihm das 
helle Wasser in die Augen schoss, und wie er so trübselig da- 
saß, kam plötzlich der Venetianer, sah ibn weinen und sagte: 
«Mir scheint, du hast Langeweile oder Heimweh'. Der Hirt 
machte gar kern Hehl und sagte: ,Ja freilich plagt mich das 
Heimweh". Der Venetianer hieß ihn dann mitkommen und fnhrte 
ihn in em Gemach, stellte ihn dort vor eine Wand hin, die ein 
ganzer Spiegel war, und sagte; „Da schaue, wie es in (Glarus 
steht". Und meiner Seel! da sah der Hirt Glarus und fand 
«twas seitwärts sein bescheidenes Anwesen, Haus und Hof; das 
Weib sitzt vor dem Hause und «zwahet" ein Kind und hat auch 
die Augen Toll Wasser, weil sie wahrscheinlich an ihren Mann 
in der Fremde denkt Der Hirt konnte sich nicht mehr halten 
und weinte laut, der Venetianer aber sagte tröstend: „Jetzt 
gehe nur wieder heim, Zehrung will ich dir geben an Gold oder 



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Vonodiger. 



141 



Sflber; willst du Gold, so gebe icli*s dir selber; willst du Silber, 
so kanost du es aus meiner Scbatzkammer holen ^ Der Hirt 
sagte: „Ich will nur einen Sack voll Silber, wie Ihr in Glams 
versprochen habf. nnd er gieng mit Erlaubnis des Venotianers 
in dessen Scliatzkarnmei und füllte sich einen Sack voll mit 
Silber. Beim Abschiede sagte der Venetianer: „Gib ja recht 
acht auf den Sack auf der Heise, dass er dir etwa sieht gestohlen 
wird, und wenn du in einem Wirtshanse fibemaehtest, so nimm 
fleißig den Sack mit ins Bett und lege ihn unter den Kopf, dass 
er dir nicht abhanden kommt'. Der Hirt bedankte sich fttr 
„alls Guets* und zog heimwärts. Bei der ersten A'achtstution 
gedachte er des guten Käthes des Venetianers und nahm den 
Sack mit ins Bett und legte ihn unter den Kopf. . , Als er de^ 
Morgens erwachte, wusste er gar nicht, wie ihm war ; er lag in 
Giarus in seinem Hause und in dem wohlbekannten Schlafgaden 
neben seinem Weibe im Bette und hatte den Sack voll Silber 
unter dem Kopfe. Von der Zeit an war er ein wohlhabender 
Mann. Seine Nachkommen leben jetzt noch in Ehr* und An«- 
sehen in Giarus, num heifit sie ,d* Venediger-LAt* 

4. 

Das vogclfreie Yenedij^ermännlciD. 

(MQodlicb. öatteüis.) 

Einmal irrte auf den Hohen Uber Satteins ein Yenediger- 

männlein herum, das war aber von Venedig, seiner Heimat, aus 
als votrelfrei erklärt, und das wusste man in und um Satteina 
und <ti\'bte ihm nncli dem Leben. Endlich wurde man des 
Männchens habhaft und wollte es tödten: das Männchen jam- 
merte: ^Lasst mich am Leben, ich will euch dann zum Lohne ein 
Goldbrflnnelein zeigen oder, wenn ihr lieber wollt, eine lange, 
lange goldene Kette machen*. Bas alles half nichts, mantödtete 
das M&nnlein und schickte die Nachricht von seinem Tode nach 



') In Fvommanin »MundAitenc VI, 25 S ist diese Sage in der Vontovoner 
Hundart mitfethellt. 



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142 



Yenediger. 



Venedig. Als Autwort auf diese Todesanzeige kam von Venedig 
zurück: «Ihr habt den Vogel gehabt, hättet Ihr ihn gerupft*. 

Grimm (Myth., S. 481) bemerkt: „Es gibt auch Kobolde, 
die gleich den S'wcn oder AValdgcistern in keines Menschen Dienst 
stehen, sondern unabhängig leben ; wird ein solcher gefangen, so 
bietet er Geschenke an oder weissagt, um wieder in Freiheit ge- 
setzt zu werden. Von dieser Art ist der Butt im Kindermär- 
chen (S. 475) und der firansösische Folet, welcher drei Wünsche 
jgewfthrt. Ebenso thnt der gefangene Marmennill oder die 
Heeiliau*. 



VII. Biesen. — TeafeL 

Ueber Biesen sagt Simrock, Myth., S. 428: «Dass die 
Biesen das Steinräch bedeuten, das l^ter ist als Pflanzen und 
Thiere, tritt herror, wo sie Bergriesen h^ßen, in Felsenhdhlen 

hausen, Steinkeulen und Steinschilde, auch wohl Eisenstangen 
(Griram. Myth., S. 510) und Kolben zu Waften füliron. (Vgl. 
Vernaleken, Nr. 90.) Die Riesen sind überhaupt die wilden, 
maUlosen Naturkräfte, welche der Mensch bekämpfen, in Schran- 
ken bannen muss* ; und S. 429: «Da Berge bewaldet smd, so 
gehen die Berg- in Waldriesen Uber, in die wilden Männer, 
Wald-, Moos- und Holzleute*. Sagen dartlber b«i YemaLelron, 
Nr. 150 f. 

An die Stelle der alten Riesen tritt häulig der Teufel. 
, Zumal riesisch erscheint er, wo ihm das Volk ungeheure 
Bauten und Steinwiirte beilegt —Gleich dem Riesen zeigt 
er sich oft selbst als erlahmen Baumeister, welcher eine Burg, 
Brücke oder Kirche aufzuführen unternimmt und sich zum Lohn 
die Seele dessen ausbedingt, der den neuen Bau zuerst betritf". 
Grimm, Myth., S. 972. 



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£ie$ea. — Teufel. 143 



1. 

Wilde Leute. 

(Alpenbnfg, Nr. 916.) 

Ein ganz besonders unbändiges Wildengeschlecht hauste in 
-den furchtbar zerrissenen Gebirgen und Klüften, die das Dorf 
Schrecken (oder am Schrecken) umgehen. Weito: abw&rts 
igegen Scfanepfaa zn hrachen die Wilden den Stempfad durch die 
Felsen der Mittags- und Eanisfiuh, welche letztere auch an ihrer 
nördlichen Seite als senkrechte Wand aufsteigt und am Abhänge 
«ine vielbewmiderte Ireistehende Felsensäule zeigt, welche die 
Wildkirche heißt, aber auch Hexenthurm. Die Kiesen und Wil- 
den thürmten ibrerzeit den mächtigen ielskoloss auf, und die 
Hexen hielten darauf Tänze. Außerdem kündet die Sage, dass 
Jene in Vorarlberg und dessen Angrenzangen ihren Aufenthalt 
in Felshöhlen gehabt, Ton Leibesgestalt sehr groß, dabei rauh- 
haarig und mit Thierfellen bedeckt gewesen seien. Sie haben 
«ine starke Sprache geredet, die aber nur aus wenigen Worten 
bestand. 

2. 

Der steinerne Mann auf der Stoangarhöhe, 

(Elseusohu, S. 8.) 

Auf der etwa drei Stunden von dem Dorfe Bezau gelegenen 
jÜpe Stoangarhöhe ist ein großer Steinhaufen, der, von 

weitem angeschaut, einer Menschengestalt etwas äluilich sieht. 
Von diesem Steine sagt man, er sei einst ein Kiese gewesen, 
aber weil er viele Frevel verübt habe, in diesen Stein verwan- 
delt worden. Nodi habe dieser versteinerte Riese seine Mhem 
Sinne, und wenn man an ihn eine Frage richte, so sage er — 
^nichts*. 



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144 



BiwetL — T«af6l. 



3. 

Das Teufelsloeh. 

(MOodlidi. BendeiB.) 

Vom schweizerischen Sargans zieht sich eine mächtige 
Gebirgskette längs des Unken Kheinufers herab nach Werden- 
berg lind weiter nach Sennwald, wo sie sich in das Kamur- 
Gebirge fortsetzt. In der Gegend über Sax und Garns erhebt 
sich auf dem Bücken dieses Gebirgszuges wie ein riesiger Tafel- 
aufsatz eine senkrecht stehende f'elsenwand, in der Mitte mit 
einem Loche, das durch die ganze Dicke der Wand geht, so 
dass, wenn abends die Sonne hinter dieselbe zu stehen kommt, 
ihre Strahlen wie eine goldene Garbe durch die FelsenGffnung 
dringen, was einen sehr überraschenden Anblick gewährt. Vom 
rechten Rheinufer, namentlicli von der liechtensteinischen Pfarre 
BendeiTi aus, erscheint die Oefinung dem freien Auge rund und 
ungefähr sieben Zoll weit im Durchmesser, mit einem Fernrohre 
besehen, aber bei dreißig Schuh hoch und nach oben zngesintzt. 

Ueber die Entstehung dieser Oeflhung in der Felsenwand 
meldet die Sage: 

Ein Bauer verpfändete dem Teufel seine Seele, wenn er — 
der Teufel — das ganze S chaner-Kied in einem Tag abmähe 
und einfechse; doch sollte die Arbeit vor dem Abendläuten 
vollendet sein, widrief^nfalls der Vertrag keine Giltigkeit mehr 
hätte. Der Teufel war schon bis 2um Binden des letzten Fudera 
gekommen, als plötzlich und unerwartet die Abendglocke vom 
Benderer Kirchthurme ertdnte. Im größten Zorne Aber die mühe- 
volle, bemahe vollendete und doch vergebene Arbeit und in bit- 
torem Verdrusse, dass ihm des Bäuerleins arme christliche Seele 
entgangen, fasste der Teufel den Wiesbaum und schleuderte ihu 
iiiit solcher Gewalt von dannen, dass er wie ein mächtiger Pfeil 
die Breite des Thaies durchfuhr, über den Rheiustrom flog und 
im jenseitigen Gebirge die bezeichnete Oe&ung schlug, die mm 
von der Zeit an das »Teufelsloeh" nannte. 

In der Ausgabe vom Jahre 1858 folgt hier noch die Bemer- 
kung: «Wie der Teufel im Vertrage mit dem Maurer (s. die 



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JUesen. Teafel. 



145 



folgende Sage) den kürzeni zog, i^o auch hier. Dort wiaiie er 
äbervortheilt durch das Unterschieben eines Bockes, hier aber 
wurde er in seiner Arbeit unterbrochen durch den Klang der 
diristliclien Glocke. £0 ist Oberhaupt ein allgemein verbreiteter, 
in Sage häufig wiederkehrender Volksglaube, dass der Teufel 
und hdae Geister durch das Dazwischentreten himmlischer Ge- 
walten und Erscheinungen oder durch von Menschen ausgestoßene 
Ausnifiiii^Ton — Reif Gott! — Jesus Maria! — durch Giocken- 
geliiute, i^reuzzeichen u. s. w. gestört werden ^j. — Nicht zu 
übersehen ist in unserer äage auch der Zug vom Ingrimme des 
Teufels und der Biesengewalt, mit der er den Wiesbaum gegen 
das Gebirge schleuderte. Der als zorniger Gott von den Lappen 
geflDiehtete Tor den, d. L der skandinaTische Th5ir, dessen jtln- 
gerer Stellvertreter, wie schon einmal bemerkt wurde, der Teufel 
ist, riss nicht nur Bäume aus, sondern schlug in seinem Grimme 
auch große Stücke aus Felsen 

4. 

Der Baumeister. 

(MOndlicb. Bfifensberg.) 

As i§t amäl an äms Männdle gsin, as heat goat kdnni 
müra und zeammara und war ou' gieu a richa Mä woara; aber 
as heat fünf Kinder gbett, und da i^t as ümügli' gsin, a richa 
Mft z* weara. Dk am&l heat i sinar Pfarr d's Wassir a Brugga 
am Eükweag foart, und dia heat solla schnell gmacht sin. Ma 
kunnt zem IMQnndle und fragt, ob as um hundert Thftler i dear 
und dear Zit d' Brugga macha künn. 'S Männdle siaht w6hl f, 
as war a schona Loh, und beatat um an Tag Bedciikzit; ma 
giat ihm sie, und as bseannt si' de ganza Tag bis um zwölfi 
z' Nacht und siaht am End, dass as ihm 1 dear Zit nit mügli' 



') Dieter Aneduurancsweise entttammt auch die [oben] in dar Safe von 
Sdiatie auf dem KUslefeld [Y, 4] aneceepiodieDe Meinung, dass ein »Xoster« 
(Boeenkraiu) In das Ooldlanb geworfen, den Schatz der Macht des Geistes ent- 
aofsn hlite. 

Dr. F. 3s Vonbnn, Sagen Vorarlbergs, 10 



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146 



i§t. Scho will as trürigf i's Bett, aber oinermal klopft as ganz 
loiale a sinar Thür, und a kUnns Männdle kunnt inar. As 
wünscht a goati Zit ä und fragt de Mürer, wururn ar so trürig 
st. Der Murer virzeüt ümi alls, wia-n-as i§t. 'S klinn Männdle 
lacht und ieit: „Da i^t band gholfa: i' ^tell der d' Brugga i 
dar bfftßuomta ZU Iks^ do* die üf t Siel, dia tu dmam Bde 
Ober d* Brugg» gabt, ift mfn*. Dem Mfirer adhtldflrt *8 fifimgi, 
du ar merkt;, wea *s UW Hftmidle d, do* flllt !bm gW* noito 
t, und ar gibt de Tirbig t I dear Zti, wia *8 klimi Hlmi41e 
heat gseit, ^talit d" Brugga fix und fertig da, uud der Teifel 
wartet scho mitta drüf uf die ii*?t Siel vu d's Mürers Hils; der 
Mürer aber holt schnell de Goißbock us 'um Stall und jeicht a 
übir d' Brugga. Wia dua der Teifel de Goüibock herträppla 
siaht, so rißt ar ihm vor Zorn de Schwanz üs, und sit dersella 
Zit bAnd d' Goißa korze Sohwftnz. Der JMLOrer aber beat fanndedi 
Tbdler llberkü und ift boda-n-aa ifoba Mft gern* 

5. 

Der gloekentragende Teufel. 

(TffL J. B«ifmaiin, Walser, S. S2 u. 49.) 

In Hymisqvida wird besungen, wie Thorr einen großeu 
Kessel herbeiholt und auf seinem Haupte trägt, was an den 
starken Hans im Kindennftrcben gemabnt, der sich die Glocke 
als Mtttse auf das Hanpt setzt (Qrimm, Mjth. I, 160). Yielr 
leicbt lässt sich ein wertroUer Rest dieser uralten Mythe in der 
bei den allmithalben in Obnrrbftläen zerstreuten Walsem so oft 
gehörten Legende vom hl. Theodul, Theodor oder Jodor 
und Joder nachweisen. 

Fast in den meisten Pfarren der eingewanderten Walliser 
wird der hl. Theodul, gemeiniglich St. Joder genannt, verehrt. 
St. Theodul, nacli andern Theodor (daraus Jodor — Joder) war 
im sechsten Jahrhundert Bischof zu Sitten in Wallis, dessen 
Landespatron er nun ist, und dessen Andenken daselbst gleidiwie 
im Torarlbergischen obem Walsertbale zu Haggäl al|jiUirlicb 
am 16. August feierlich begangen wird. Nach der Legeiide 



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Bitten. — .T«af«L 



147 



bekam unser hl. Theodul vom Papste zu Kom eiuo Glocke zum 
Oeschenke. Unvermögend, durch monobliche fiü£e clios^lbe fort- 
zabiingen, habe er den Tenfel» den er uns eiiuBin BeseMeqeii aus- 
getrieben, gezwungen, das Gesdienk :tlber die Alpea imh Sitten 
2n tragen. IMber wkd beute nwk auf den Altftv^ d«r walse- 
riscben Kirchen St. Theodnl m bisdi/ffliehem Ornate vorgestellt, 
«inen Teufel mit einer Glocke auf dem Kopfe an der Seite oder 
ihn an einer Kette führend, und die Kirchenglocke zu Laterns 
ist der Sage nach ein Theil jener, weiche der böse Geist dem 
heiligen Bischof nachtragen musste^). — In der Kapelle auf 
Haslscha (einer Ortsabtheilung des Triesnerberges^) in Liech- 
tenstein) findet sich in dem linken Seitenaltare ein junger, 'blon- 
der, nnbärtager Bischof und neben ihm ein Teufel, der eme Oloeite 
trägt, die ihm recht schwer zn werden scheint und den Sopf 
herabdrückt. Der rechte Fuß dieses armen Teufels läuft m 
Greifenklauen, der linke in eineu I^ferdefuß aus^). 

Dieser glockeniragende Teufel ist sicberüch Thörr mit dem 
Ikessel auf dem Haupte oder der deutsche Donar, den die chnst- 
jjche Yorstellung vom Teufel so oft im Hinteigrunde hat. Das 

Ohristeuthum setzte also an die Stelle des Kessels auf dem 
Haupte des Donnergottes die St. Theoduls-Glocke, die nun unter 
allen Glocken die wundersamste Kraft ausübt gegen Donner- und 
Hagelwetter, das nach Yorstelluug der Alten Donar oder ThÖrr 
zu erregen pflegte. 



>) Auf <len Thaloni \x>n Sitten erschoint au«h hinter dem hl. Bischöfe ein 
^ockentragender Teufel ia den I«üfteii. 

*) Auch in der Uechtensteimscben Gemeinde Triesnerbers, ftoen Bewohner ia 
(ffa)«!» Spmhbriefe vom 80. Sept. 1516 nuter Rudolf V., Grafen von Sulz, Wal- 
Iiser genannt sind, findet sich das Bildnis des hl. Theodul ebenfalls vor, ein Beweis, 
wie all^ninoin und xlUie das wftlsedsche Volkselement an dem erw&blten Kii<ohen- 
patrone fcstiUUt. 

Merkwürdig ist auch, dass die Gemeinde Trieson alljährlich noch am 
16. August, am Festtage des hl. Rochus wie auch des hl. Theodul, mit Proceseion 
in dio Triesnerberger Pfarrkirche wandert, die aber sp&ter al3 die Masdscher Kapelle 
«aUttfc wnie, tan Sftniahr uMil Mumb ist S. B«iinittiin, Walser, S. 100 U 

10* 



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148 



BSeMO. — I«afel. 



Wann man die iilock anzit cben thut 

Und gabt nach ihrem Wüleii, 

Bass man si lut mit reinem Math, 

Das Wetter timt eioh stüleE; 

Gkur gniBamlkdi «cht maus in LafEtoi adiyben (liagelii)^ 

Die Gloek thnt es ▼ertriben, 

Mit ihrem Ton so rych, 

Uf Erd ißt nit ihr Gelyeh. 

(Yemalekeo, S. 315.) 

Die Sage erwähnt noch einer Begegnung des Teufels mit 
St. Joder. Der Teufel hatte den heiligen Mann einmal auf dea 
Bücken geladen und wollte ihn tiber einen See tragen. Als der 
Schwarze mit seiner Last in die Mitte des Sees gekommen war, 
80 lief er: «Jöderle, b'seg'n di\ oder i' wfiif ab" ; Jöderle aber 
entg^ete: «loh habe mich am Morgen schon gösset*. 

Wenn obiger Vergleich des glockentragenden Teufels mit 
dem kesseltragenden Donnergotte nicht zn gewagt Ist, so konnte 
man versucht sein, auch zwischen dieser Sage und dem Thörr- 
Mythus eine Analogie aufzustellen. Wie einst Thorr den Orvan- 
dill über die weiten winterlichen Eisströme trägt, so hier der 
Teufel den Bischof durch den See. 



Vin. Hexen. 

^Das Christenthum*, sagt Grimm, Myth. I, 997, ^hat den 
Begriff zauberflbender Weiber als heidnischen nicht bloß bei den 
BCmem und Griechen, sondern auch bei den Gelten und Oer- 
manen vorgefunden, aber vielfach ver&ndert; Vorstellungen der 

Ketzer und was man diesen zur Last legte, mischte sich darunter, 
und aus allem zusammen muss die Zauberei erklärt werden. Bis 
auf die jüngste Zeit ist im ganzen iiexeiiw esen oU'eübarer Zusam- 
hang mit den Opfern und der Geisterwelt der alten Deutschen 



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1 



Baifln. 149 

zn erkennen. Die Kexen (S. 1007) gehören zum Gefolge ehe- 
maliger Göttinnen, die von ihrem Stuhl gestfifst, aus gütigen, 
angebeteten Wesen in feindliclie, gefürchtete verwandelt, unstet 
l)ei nächtlicher Weile nmirren und statt der alten fleierlich^ 
tFmzüge nur heimliche Zusammenkflnfte mit ihren Anhängern 
«mterhalten*. Erst spät drängte sich statt der ehemaligen Gdt* 
tinnen der durch das Christenthum verbreitete Begrüf des Teufels 
in die Gesellschaft der Hexen. Wie ehemals die Frauen im 
•Geleite der Göttin Holda, so holt jetzt der Teufel die Weiber 
Ab nnd trägt sie über Berg und Thal (Elsensohn, S. 20)^). 

1. 

Hexen in Elsterngestalt. 

(Heitr&ge z. d. Mjrth., S. 79 f.) 

In Balz er B geht das Märchen: Ba war einmal ein armer 
ICann, der hatte einen reichen Bruder, von dem er aber nichts 
erhielt, so dass er betteln gehen musste. Einmal übernachtete 

«r in einer einsamen Hütte ; da kamen wohl bei hundert Ager§ta 
(Elstern) in die Hütte geflogen, und das waren Hexen (was 
4ie kleine Märchenerzählerin Laura hartnäckig behauptet), die 
fiengen ein Gespräch an und erzählten sich allerlei Neuig- 
keiten; unter anderem sagte eine, es sei die Königstochter 
hraoh, eme andere bemerkte dazu, der hüft kein Doctor, außer 
er l^e Ihr ein Jlgablatt*^ auf die Schläfe. Der arme Mann 
&88te das in ein Ohr, und als die Hexen foiigeflogen waren, 
schiitt er eilends der Königsburg zu und bot dort als Arzt 
seine Dienste an. Man gewährte ihm, die Cur vorzunehmen, 
und sie gelang, des Königs Mägdlein genas voükommen, 
und reich beschenkt gieng der Wunderdoctor TOn dannen. 



^) [UebfT das Uexeiiwest-a iu Vorarlbei^ uod Liechtenstein vgl. man Dr. F. J. 
Vonban, Beiträge, S. 79 ff.; Dr. F. W. LorinsAr. Gydeukblitter, S. 19 flf.: 
P. Kaiser, Gt^chichte des Fürstenthiinis Liechteusteixi, S. S9o ff.; Robort Byr, 
Bexeoprocesse iu Bregenz (in deo »Scliriftüu des Vereins für Geschichte des Bodeu- 
MW ond tfdner Umgebung« XV, 215—226).] 



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HtSfltta 



Ale sein Bruder das hörte, gieng er auch nach Hof woUt» 
als Arzt; flgarierai^ warde aber sohnd^ abgewiMeii. 

^Den Zauberinnen steht Vogelgestalt, Federkleid, namentlich 
das der Gang jn. Gebot" (Grimm II, 997). In unserem xVlärchea 
iBl es die Agerfta ^ Agkatert Elster, in die sich die Hexe 
wandelte. Jedenfidls änd diese Hexen in Elstemgestalt keines- 
wegs tenffische Zauberweibor-, sondern Schicksal verkfln-^ 
desde weis-e Flauen oder Priesterinnen. 

2. 

Die Hexe als Mek' herin. 

(MüDdlicli. ädirons.) 

Vor Jahr nnd Tag i^t im Vergalda a Senni gsi, nnd so- 
oft sie am Abcd ga melka gganga-n-i^t, hät sie d' Stalltbür 

liindera zuegschUiga und vom schlechte§ta Köehle de gröst Emer 
voll Miik gmolka, dass all Alplut mit anders gment heien, a's 
sie knnn hexna. Jetz amäl gabt en Älpme§ter und s§t: «Ei, 
senni, sägmer, wia milkst du dine Küeh?" Aber d' Senni will 
' z*er$t net nssa met der Spra«^, nnd nu*, wil er gär net nahgit 
tnbiliera, so 8§t sie: »Wenn d* die sch^n^t Kneh drä w4ge 
wett| so will der zäga, wia-n-r mine Ktteh mSk*. »Es sei a 
Wdrt*, git ara der AlpmS^r zer Antwort, „lueg dias^ flCh5, 
bru Kueh dort uf 'em Re dorn, sie hat a prächtige Singeßa-n-^ 
und schritet §tolz den andera förüs — dia wäg i* dra**. ()ber 
das set d' Senni: ,So will i' sie melka*. Der Alpme^ter will 
zVeg und will d' Kueh xum Melka vom Re ahahola, aber d' 
Senni set: „Das brücht si' alls net, laß d! Kueh dom% und 
Schlacht Tier Zdpfa i d' Stallwand und ficht k melka a do^a; 
Z&pfa, und Sh gelt! es könnt ns 'em Holz Milk grmina i vUst 
&igendicka Brflnnele, dass na net gnne Schiff und Gsdner i der 
Deihja hM Of brächt. N^h 'und nach s§t aber d* Hefrere: 
,Jetz sött ihii hora melka, es künnt sos Blnet kö" ; , macht 
nut**, set der Alpme^ter. «milk du zue", und d' Senni milkt 
und milkt, und richtig rinnt nach und nach Bluet för Milk u^ 



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H«MI1. 



151 



de Zäpfa, und ober 'ua Wile trOlet die scho, brft Kueh müstod 
aha vom 

Vgl. mit diesem Märchen die Ueberlieferung der Edda von 
der Kuh Audhumbla und den aus ihrem Euter fließenden vier 
gewaltigen Milehströmen, die Xmer Nahrung gaben. 

3. 

INle Hexe rerdirbt die Mileli. 

(HflndKeh. SdunuM.) 

Im Gauerthaie im Montavon hauste in einer Alphütte 
eine Heie, welche die Milch im Sennkessel behexte, so dass sie 
nicht »scheiden*, d. L gerinnen wollte und überhaupt unbrauch- 
bar wurde. Einmal sehüttete die Sennerin soleh behexte Milch 
am grflnen St&fel aus; die Milch war ganz roth, und der Fiats 
des StAfels, wo sie ausgeleert wurde, wollte drei Jalure nicht 
mehr grünen. 

4. 

C^egennitteL 

(Beitrag« z. d. Mytb., S. 81 IT.) 

Der Mensch ist nicht wehrlos der Gewalt des Zaubers 
anheimgegeben, es gibt Schutzmittel gegen den Ziiuber der 
Hexen. 

a) In eine Aiphütte im Gauerthaie wollte die Milch 
nicht scheiden. Da sagte die Sennerin erbost: «Wart\ dir (der 
Hexe) will inik sdien unter den Hintern feuern!* Sie legte nun 
ein Eisen (ich glaube einen «Kflechliq^') ins Fener, und siehe, 
als einmal der Spiss glfihendroth war, trat in dem überhän- 
genden Stuiikessel rasch die Scheidung ein, und das Wunderbare 
au der Sache war, dass unverhaituismäUig viel ,Bolma" (Zieger) 
ausgeschieden wurde, so dass die Sennerin jucht nur alle ihre 
«Kässger'' (Käsenäpfe mit Löchern) füllte, sondern ans der 
Nachbarhütte noch Schiff und G'scfairr entlehnen musste. 



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152 



Jüexeu. 



b) Uud einmal zog ein Fiiechtensteiner zu Schän den But- 
torkül)el, aber unmöglich wollte es schmalzen. Da gieiig der 
Maim und steckte zwei glühende eiserne Bundhaken ia 
den ButterkObel, und alsbald gab es Schnoalz in Hülle und Fülle. 
Es dauerte nicht lange, so kam zu dem Manne ein Nachban- 
weib, die ihn um etwas Rahm anbettelte; sie habe sich nämlicb 
vorbin beide H&nde verbraunt, und sie mOcbte mit dem Bahm 
den Brand löschen. Der Mann aber, nicht faul, jagte sie zur 
ThOre hinaus. — Die Xachl im war eine Hexe. 

Es wurde erwäkut, dass eiu Messer, in die Wand des Schlaf- 
gemaches gesteckt, gegen den Schrättiig schütze und ein Feuerstahl 
gegen die Gewalt des Doggi sichere. Stahl und Eisen brechen 
überhaupt die Gewalt der Elbe. Einer warf Stahl zwischen die 
Elbin und den Berg, wodurch sie verhindert wurde hineinzugehen. 
— Stahl und Eisen ist aber auch Schutzmittel gegen Hexen, 
wodurch die Verwandtschaft mancher Hexen mit Elben wahr- 
scheinlich wird. 

c) Ein andersmal, ich weiß nicht wo, zog auch ein Mann 
den Butterkübel und es wollte ihm auf keine Weise scheiden. 
Er gieng zum E§r (Geistlicher, Pfarrer) und klagte seine Noth; 
der H^r gab ihm den Bath, dmrch den Eflbel zu schießen, 
aber das Gewehr wohl tief am Kübel anzusetzen. Der Mann 
that, wie ihm gesagt wurde, und schosa durch den Kübel. Am 
selbigen Tage gab es im Dorfe eine weildiche Leiche, und als 
der Schütze zufällig dem Her begegnete, hob dieser bedeutsam 
den Zeigtinger gegen ihn auf^ ohne ein Wort zu sagen ; der 
Schütze wusste aber schon, woran er war : er mochte das Gewehr 
etwas zu hoch an den Kübel gesetzt und die Hexe, die in dem- 
selben war, statt durch die Füße, wie es Hemung des Geistlichen 
gewesen, durch den Oberleib getroflFen und erschossen haben. 

Wie nach uraltem Glauben Elbe, zumal Lichtelbe, auf Men- 
schen gefährliche Pfeile abschössen, so werden mm umge- 
kehrt der Elben Stell Vertreterinnen, die Hexen, von Menschen 
durch gut gezielten Schuss getödtet. Es tritt hier der schon 
beim Schrättiig berührte Fall ein, dass die Menschen im Laufe 
der Zeit und bei dem unaufhaltsamen Zurücktreten des Heiden- 



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H«xeii. 153 

thnins der alten Götter und elbischen Wesen Macht und Gewalt 
frech an sich rissen und gegen letztere selbst kehrten. 

d) Auf eine ganz sonderbare Weise wurde einmal eine be* 
«orgte Hausfrau einer Hexe ledig. Diese Hausfrau hatte eine 

Schar Hennen, die täglich Eier legten uud damit ihrer Meisterin 
gioße Freude machten. Auf einiual geschah es aber, dass die 
Hausmutter keines ^gotzigen" Eies mehr ansichtig wurde, und 
doch mussten die Hennen gelegt haben, weil sie täglich ^gatz- 
geten*^. In bitterem Terdniss ergiiff dann einmal die Mutter 
eine gatzgende Henne und warf sie in den Ofen hinein; kaum 
liatte sie *s gethan, so stand a Wibli in 'ra verbrennta Jnppa 
neben ihr in der KfiehCf das sieh dann eÜig da7on machte. Das 
WIbli war eine Hexe, und von der Zeit an haben die Hennen 
der Frau nicht mehr „verlegt**. 

e) In Balzers 70g eine Frau den Buttcrkübei, aber es 
wollte nicht scheiden; ihr Mann saß daneben am Tisch, nahm 
zufällig einen Strohhalm und störte im Docht des Kerzenlichtes, 
das Tor ihm stand; da trat plötzlich die Scheidung ein, und des 
andein Tages kam die Tochter der Nachharsfhiu und bat um 
etwas Butter für ihre Mutter, letztere habe sich nftmlich gestern 
4en Phiger verbrannt. — Die Nachbarin war eine Hexe. 

f) Wenn mau einem Thier durch schwarze Kunst die Milch 
entzieht, so soll man Milch von dem verliexten Thiere in Weih- 
wasser mischen und aufs Feuer stellen. Pa-: wird <lie Hexe 
brennen im Magen ; denn auch die Milch wird ihr daselbst erwar- 
men. Sollte die Hitze das Glas sprengen, so hat auch der Hexe 
letztes Stflndlein geschlagen. 

5. 

Windsbräute. 

a) Es heuete einmal ein Montavouer in der Nähe der Alpe 
Zamang-. Auf Zamanir ist ein im ganzen Thale Ijerüchtigter 
Heienpiatz; derselbe ist rund und mit schwarzem Moose be- 
kleidet, und daselbst haben oftmals Hexen lustig getanzt. Beson- 
ders waren es Hexen aus dem Elsasse, die hieher gefahren 



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154 Hfficen. 

kamen, um aui dieser gefeiten Stätte zu tanzen. Als nun ebea 
nahe dieser Stelle der Montavoner beuete. kam die „Windsbrüt" 
und wirbelte liim das dürre Heu weg; der Heuer erbost warf 
seinen Stil et in die Windsbrüt, die äiok nun alsbald legte. Am 
nächsten Herbate gieng der Montavoner «ins Elsiss'' auf den 
Krautscfanitt« und dort kam er einmal in ein Hans, in welchem 
er im Tiscfawinkel seinen StflSt stecken sah; anf sein Befiragen, 
wie denn dieser Stillt nach Elsass nnd gerade in diesen Tisch-^ 
Winkel gekommen sei, gab ihm der HauseigenthOmer zur Ant- 
.wort, dieser Stilet sei im vorigen Sommer seiner Tocbter im 
Montavon ins Knie gewintm worden. (Mündlich. Schruns.) 

b) [Als eines Nachmittags während der Heuerate im 
Scbröcker Älpele eine Familie auf der Wiese eifrigst damit be- 
schäftigt war, dtlrr gewordenes, zam Einbringen geeignetes Heu 
in die Schenne zu schaffen, drohte anf einmal wie nicht selten 
im Hochsommer an heißen Tagen ein Gewitter. Es erhob sich 
ein plötzlicher Wind, der sich in nnmittelbarster N&he nnserer 
Leute zu einem Wirbel gestaltete, in einen Raufen dürres Heu 
fuhr und dasselbe vor den Augen der Heuer hoch in die Lüfte 
emporwirbelte. Die munteren Arbeitsleute sahen dem gerade 
nicht seltenen Schauspiele mit um so lebhafterem Interesse zu, 
als sie wahrzunehmen glaubten, es befinde sich inmitten der 
dnrch die Windhose in die Lllfte geführten Heuwolke irgend ein 
dichter, ihnen jedoch nicht erkennbarer üremder E^bcper, eine 
Erscheinung, die ne vergebens za entAthseln Tersnchteo. 

Da zog einer der jimgen Bursche halb im Ernst, halb im 
Scherz das Messer aus seinem Besteck, welches er der örtlichen 
Tracht und Gewohnheit gemäiJ in der an der Iniken Seite seines 
Beinkleides hiezu angebrachten Tasche trug, und schleuderte es 
der allen etwas geheimnisvoll erscheinenden Heuwolke entgegen 
hoch in die Lflfte. Wie erstaunt waren sie jedoch, als das Mes- 
ser nicht znr Erde zmückfiel und ungeachtet vielen Snchens anf 
den Grasstoppeln nicht gefunden werden konnte, wShrend der 
Wirbelwind rasch vorfihergieng und sonst nichts Bemerkenswertes 
sich ereignete! 



0 



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Hexen. 



155 



Im nächsten Frühjahre zog wie prewöhnlich ein Trupp arbeits- 
kräftiger JOiigliniTP als Steinhauer, Maurer und Handlanger nach 
der , welschen Schweiz" oder dem an dieselbe gienzenden Theile 
Frankreichs auf Verdienst aus. Nicht mehr weit vom Orte ihrer 
Bestimmung kehrten sie eines Tages, um Bich fflr die Weiterreise 
m fltMen, in einem Wirtshaiise ein. Hier nun gewahrte to Tor- 
jfthrige Measenrerfer, irekher sich nnier der BeSsegtseUsohafb befimd, 
offen «]# dem Penstenimfl liegend, em Messer, das er wegen der 
eigenthümlichen, an solchen Stiletten nicht gewöhnlichen Fonn 
sofort als das seinige eikanute, welches er im vorigen Sommer 
in den aufsteigenden Heuwirbel geworteii hatte. Uebeirrascht, 
es hier zu finden, nahm er es in die Hand, um sich zu über- 
zeugen, ob er sich wohl nicht getäuscht habe. Koch während 
er in dieser Besichtigung begitfen war, kttm der Wirt in die 
Gaststube. Bas Messer in der Hand des jungen Mannes er- 
bUskend, trat er auf letssteren zu mit der Frage, ob er vielkicht 
dies Messer kenne. Der junge Tannberger, von einer beonnihi- 
genden dunkeln Ahnung beschlichen, verneinte dies und entgeg- 
nete, er habe es nur wegen der Ungewohulichkeit der Form und 
Ausstattung betrachtet und nachsehen wollen, ob er nicht das in 
dasselbe emgeprägte Wappen (Marke des Messerschmiedes) er- 
kennen kdane. Darauf entgegnete 4er Wirt^ er hätte mit dem 
Eigenihflmer dieses Jnstrumentes noch «ein ernstes Wort zu 
sprechen*, wenn er einmal Gelegenheit finden sollte, denselben 
Kennen zu lernen, und fuhr dann fort: „Dieses Messer hat im 
vorigen Sommer meine Tochter mit nach Hause gebracht. Sie 
war auf die „freie Kunst" ausgefahren: da ward ihr dies Messer 
in den ^hohlen Leib'' geworfen. Sie wurde davon so schwer 
getroffen, dass sie nur noch das vätmliohe Haus zu errreichai 
und ihr Unglück kurz mitzufiieilen vermochte, worauf sie ihr 
^ges Leben lassen musste. Das Messer habe ich auf da^ 
Fenstergesims gelegt^ damit vielleicht eiper der vielen hier Durch- 
»isendfln bei der Einkehr es erkenne und sich als Sigenthfimer 
nd damit zugleich als Mörder meiner Tochter verrathe*. 

Selbstverständlich gelüstete es jetzt den Bauarbeiter vom 
Schröcker Älpele erst recht nicht, das Messer als sein Eigenthum 



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156 



HexAD. 



in Anspruch zu nehmen ; er hatte nunmehr aber Aufklärung über 
jenen dunkeln Pnnkt In dem Ton der Windsbraut emporgetragenoi 
Beubflscbel und Aber das Abhandenkommen seines Besteckmessers 
«rhfllten.] ^) 

Grimm sagt (L, 599): «Die Windsbraut ist ein Wirbel- 
wind, bei dem unsere Mythologie die hiiclisten GOtter ins Spid 

bringt*'. Jedenfalls ist zu beachten, dass der Stillt (oder der 

Messer-Schnitzer) auch in den Sagen von den Zügen des Nacht- 
Yoikes oder W uotan- Heeres wiederkehrt (Siehe oben I, 17a.) 

6. 

Die Hexe will Donnerwetter maelien« 

(Tflnnlekmi, S. 181.) 

In Kappelefeld zu Lustenau war vor langer Zeit eine 
böse Hexe. Sie wollte einmal in der Ge^ifend, wo das Mutter- 
gottes^Eappele (ELapellchen) steht, ein großes Donnerwetter herauf- 
beschwören. Mit ihrer Teufels- und Hexenkunst w&r*s ihr auch 
beinahe gelungen. Das Wetter hatte sich schon zusammenge- 
zogen, so schwarz, dass, wcnn's losgobrochon wäre, gewiss alle 
Eeldsaaten in Grund und Boden hineingeschlagen worden wären. 



0 Müiefhaafc von Henrn F. J. Gafiii«r. — Ple oben mitfetbeilto Sa^e von 
4er Windsbraut auf Zamisf wurde Ton Prof. Cbr. Hanser aus dem Ibinde eines 
St. GaUenkircIien mit efnigen Abvdehuncen ron der Darstelluns Vonbnna TomonuneB 
and Ton Ann im »fiotm fbr Tfrd nnd Vorailbeif« r. J. 1880, Nt. 88 irieder 
«ndüt. Sie Ibnalt nun tehr der Sago Tom SehiOekar ilpela. Nur die EioMtrar 
lantet aaden. Der Hontovoner liatte sidi ans einem Thefl seines Henea mlkMit 
aines Seüs ein BQndel gescbnQrt und schwang dasselbe auf den Kopf, um es in den 
nabeo Stadel zu trafen. Ein plötzlicher Wirbelwind drehte den Träger nüt dem 
BQndel im Kreise herum und drohte, es ihm zu entreißen. Der Mann wehrte sich 
kräftig, er wurde aber von der Windsbraut etwas vom Boden ffcholipn und sah sich 
Endlich genöthigt, die Heubürdo fahren zn Iji^sen. Er warf seinen Schnitzer nach 
dem Böndel in dio Hohe. Da fiel das Seil herunter, aber Heu und Schnitzer waren 
verloren. Iru Herbst ^eng der Montavoner auf den Kra^tschnitt ins »Niederland«. 
In einem Wirtshause fand er am Balken der Docke, dem sog. »Durchzug« sein Messer 
stecken u. s. w. wie in der Sage vom Schröcker Alpele. 



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Htxen. 



15T 



Doch zur reehten Zeit fangen die zwei geweihteE Qlöckle im 
Hottergotteskiq^pele Ton selber za läuten an. Jetzt i3t*s mit 
der Hexe ausgewesen und ihrer ganzen Kunst «Das Wetter 

hat sieh verzogen'', sagte nachher die Hexe, „weil mir zwei 

Hündk zu früh gebellt haben''. Unter diesen „zwei iiüudle* 
verstand sie die zwei Glöckchen in der Kapelle, deren Tönen das 
dortige Landvolk noch immer eine eigene Kraft zuschreibt gegen- 
flber von .bösen Wettern" und gegen Schaden in Haus, Hag 
und Feld. 

Ueber Wettennachen vgl. Gnmm, Myth. II, 1021). — 
Ebenso vgl. Grimm, Myth. II, 1040. »In das höchste Alter- 
thum hinauf aller Völker beinahe reicht das zauberhafte Hagel- 
machen und Saatverderben. Wie von gtltigen Göttern 
Gedeihen der Früchte ausgeht^ wie von den Mahnen ihrer Bosse 
luftreitende Yalkjr^ hefisamen Thav auf das Gefilde nieder* 
triefen lassen, so trachten bösartige, zauberübende Wesen dar- 
nach, alles, waö grün ist, zu vernichten". — lieber den Wider- 
willen der Hexeu g^en Glocken vgl. Grimm, Myth. II, 1039, 

7. 

Der Fremdler ans An. 

(ElMOMlm, S. 81.) 

A Fründlar i^t wägo dem guoto Eaßo bin ar Hexo i dor 
Koft bleobo. Die hat amaul gseit, itz weU's um vu dahoam 
' seaho hiii^ was ar well, ar sfill's bldß seigo. Do hat ar gseit, 
itz mön a Moaigo um viere mftt ar seaho, was sin Minsch 
dahoam dtftt So söll ar nu* thu, hat d' H&x gseit. Und am 
Moandor^s hat 's o ghiBo dor' a Loch i der Stobendthfior 
ussfhiogo. Ear luog-ot und sioht richtig simio Schatz im bloßigo 
Himb am iiüohrkübol §tauh und dtribo wi verruckt. Ear heat 
nu Tag und Stund gmerkt, und am Heb?t, wil ar dahoam zu 
ihr uifo Strich i^t, hat ar de gaunzo Hergang arzelt. D' Mätol 
ift venroathot und hat gseit, d' Sacb si näd ohne; v!l- und vÜ- 
maul schu hei*s im Himb grQohrt. Winn ma z' Ndht fp&t as 



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158 



Hezm. 



* 



Bett kumm, so si ma moargo um viere no' ful. Gego 's Ffil- 
sinn abor si 's Fruro giiod. Winn a3 oas reht frür, dinn dink 
ma liobor as SchafTo a's as Schiaufio, und grad wägo deam 9i\ 
winn's aluo gsin si, im Himb a d* Arbot ggango. 

Also durch ein Loch der 8 1 ii b o n t h ü r (wohl ein Astloch 
sieht der Fremdler die komische Situation seiner Hei'zUfl^BUQ* 
i— »Das Volk sebreiht den £llMn die Astlöolier im Holz zu wd 
glaubt, dass sie selbst hindurchkriechen*. Grimm, Myfh. I, 480. 
Durch ein Astloch reicht der Enabe der Fenkm den Schwein- 
zahn, S. 46. Durch ein Astlocb kriecht das Doggi in die 
Kammer, S. 77. 

Hie Anna- Alp 6. 

(ElaensobD, S. 22.) 

Die größten drei Alpen in der Au, der Seckol, die Anna- 
alpe und der First gehOri«n einem Vater. Beim Theüen (Iber- 

vortheilte die Anna ihre beiden Schwestern, und seit dieser Zeit 
kommen alle Hexen beim Annaalper Strackli zusammen. Alle 
Hfmdimicii\), dio den Säuen den vSpeck und den Kühen den 
Pfützen wegnehmen, sind beim Vollmonde dort beieinander. Ein 
gewisser Kützler aus der Au bat in) Flsass gewoben und war in 
einem Hanse, iro man k^ StOek Yieh und doch Milch genug 
hatte. Der gute Stktzler heiübaehtete das Weib und bemerkte, 
dass die Hflndhi hlofi den Abvascibfetsen molk. Es grauste ihm, 
und er mochte keine Mileh mehr. Später kam es noch irger. 
An einem rauhen Tage sagte das Weib: ^Heut schneit es auf 
der Annalp*. , Kennst du die Amialp?* fragte der Kützler. 
„Ja, und das Strackli auch*, sagte die Hexe. Jetzt hatte unser 
Freund in der Fremde genug. Er mochte das gute Quartier 
sammt der Milch nicht mehr und zog Ton Henen gern in ein 
schlechteres. 



Eine Hexe nonnt das Volk auch Hfindia. 

I 



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Mcseu. 



159 



Dem weiblichen Heiennamen Strackli begegnet man auch 
anderwärts. Vgl. Sträggele in der Schweiz. 

So versciüedeu die Gestalt der Hexen und ihrer buhlenden 
Teufel ist, so verscliieden auch ihr Name. Ich schöpfe aus der 
ziemlich umfangreichen Sammlung von Hexenacten aus dem An- 
fange des XVII. Jh. (1609) im Vorarlberger Museum zu Bregenz 
folgende Eigennamen: »Jooß, Federhans, Federandres, TrfieOU 
(die Hexe Trahan), Tappi, Bneberli (die Hexe Weibli), C^perli 
(die Hexe Weibli), Scheiterle (die Hexe Griss), Mossi, Mossns, 
Elzenbock, Lucifer (die Hexe Iny) u. s. f. — Die Deminutiva: 
Wibli, Bneberli, Cä?perli, Scheiterle, Trüeßli. Taiipi sind keine 
Namen, weiche auf den Teufel oder schmutzige Hexen passen; 
diese kosende Deminutivfoim weist ihnen vielmehr einen Platz 
nnter den Hansgeistern an. Die federgeschmückten Hans 
nnd Andres gehören auch nicht der Sippe der Teufel, sondern 
der alten Elbe an. 

9. 

Die Hexe reitet umgekehrt auf einer Kuh, 

(Elsentobn, S. 24.) 

Auf der von ßezau nach Aadelsbuck iQhreudeu btraüe hat 
^mu oft schon zur JNachtzeit eine Hexe un^ekehrt auf einer Kuh 
•reilaa gesehen. 

Laut den erwähnten vorarlbergischen Hexenacten ritt der 
Teufel bei der AnsCEihrt zu nächtlichen Festen auf einem Bock 
oder hohem Boss, ihm zur Seite die Hexe auf einem Kalb, 
einer G-eiB, einer Sau, einer Katze. — Es fSUli auf, dass all 
die Thiere, in die sieh Teufel und Hexe wandehi odar deren sie 
mh bei ihren nftehtiiehen Ausfhhrten bedienen, hohen Göttern 
heilig waren. Das Boss ist Wuotans, der Bock Donars heüigeß 
Thier, die rothe Sau ist wohl Fröa guldborstiger lilber, Kühe 
waren vor der Nerthus Wagen, und Katzen zogen Uespann 
<kr UebieizendeA Frouwfk. 



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160 



10. 

Der Uexentanz auf Winterstaaden. 

(EboMoliii, S. SS.) 

Ein im iuneru Bregenzerwalde bekannter Hexenplatz ist die 
von Bezau ungefähr drei Stunden entfernte nach Osten gelegene 
Winterstaude. Ihre höchste Spitze hat, von der Feme ge- 
sehen, Aehnlichkeit mit der halben Sichel des Mondes. Auf 
dieser Höhe sollen die Hexen in gewissen Nächten ihre Znsam- 
menkOnfte halten, allerlei nngehürliche Tftnze aufführen, jaudizen^ 
essen und trinken. 

11. 

Hexenplatz in der WUdkirelie. 

* (JEatensoliiif & 84.) 

Ungefähr in der ersten Hälfte von Kanisflnh, emem 

"weitwendigen, majestätischen Felsengebirge, das an seiner Nord- 
seite gegen das Dorf Schnepfau eine steile vom Fuße bis zur 
höchsten Höhe reichende Felsenwand mit wenigen Absätzen bil- 
det, sieht man auf einem Absatz einen sehr hohen Kegel empor<> 
ragen, der die OestaLt eines Znckerhntes hat. Das Volk nennt 
ihn WiM-Eexen oder auch Geisterkirche. Es sollen in gewissen 
Nächten, besonders an den Vorabenden großer Feste die Hexen 
aul Besenstielen hinaufreiten und im Innern dieses Kegels ihre 
Zusammenkünfte und Tänze abhalten und dabei einen so gewal- 
tigen Lärm machen, dass ihn die Leute in dem etwa eine halbe 
Stande entfemten Dorfe Schnepfau hören können. 

Was die üeiilichkeit betrifft, so fahren die Hexen an lauter 
Plätze, wo vor alters Gericht gehalten wurde oder heilige Opfer 
geschahen. Meistens aber werden Berge als Ort ihrer Zusam- 
menkunft bezeichnet oder die höchsten Punkte der Gegend. 

Außer der Winter stau den und der Wildkirche im 
Bregenzerwalde werden sls Hauptorte, zu denen die Hexen mit 
ihren Buhlen die Ausfahrt hielten, von den Heienacteu im Vor- 



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Bdxeu. 



161 



arlbergfer Ünterlande genannt: das E Herrn o ob, auf der Karte 

von Blasius liubcr „Dellcnmoos'* geschrieben, südlich von Bild- 
steiii; das Wol flirte r Feld, Emser reute, ,zur Embsim 
Schlosse", amilozbach bei Schwarzach; Stiegiingeü, 
d. i, das heutige Haselstauden; St. Gallus-Stein, eine 
terrassenförm^ Erhöhung unter dem uralten Grenzachlosse Baben- 
woU bei Bregenz; endlich das Kloster Si Anna bei Bregenz. 

Im Oberlande ist der Zamangerberg im Montavon ein 
berühmter llexcn})latz. Oberhalb Bürs am I-^ingan^ ins Braudiier- 
thal liejgt ein gewaltiges, viereckiges D"«iuiiiii-Stack, der „Hexen- 
steiu" genainit. Auf demselben haben ehedem Hexen getanzt; 
mau sieht noch Fußspuren, 

In Liechtenstein waren die besuchtesten Orte : Lavfidina, 
das Balznerried, hinter dem Gnlmen und auf dem Habnen- 
spiel, auf dem Guggerboden und zu der Linden anf 
dem Platz zu Vaduz. 

Die Zeit der Ausfalirt war meist-ens die Mittemacht und 
zwar um Fastnacht mul Pfingsten oder an den i'esltageu 
des hl. (Ja 11 US, Johannes uud Jacob us (wahrscheinlich die 
Tage großer heidnischer Feste, der f r&hliugsfeuer , Maifeuer, 
Sunwentfeuer, Herbstfeuer). 

Die Hexen fuhren auf einem Besenstiel mit den Worten: 
«Oben hinaus und nirgends an<* zum Kamin hinaus; oder die 
Hexe strich eine !Sal])e an ihren Fiil^, nalmi t inen Stecken 
zwischen die Fülie und sagte ^hiii aus und anl^ und dann ist 
es gegangen; oder sie setzte sich auf einen Stuhl, rief «huil" 
und es gieng auch. 

Der Hexentanz war so «hurtig und geschwind'^, dass es 
schlechterdings unmöglich war, die Mittanzenden zu erkennen. 
Dabei wurde kein Wort gesprochen, denn «wann eins im Tanze 
rede, so müsse es zu Boden fallen". 

Nach dem 'l'auze oder auch vor demselben geht's zum 
Mahle. Aufgetragen wird allerlei: gesottenes und gebra- 
tenes Fleisch, aber kein Brot noch Salz dazu, oder Bratis 
und Küechlin, aber kein Brot und kein Wein. Die Mahl- 
zeit sättigt nicht und nährt nicht: «Sie haben vermeint, sie 

Dr. F. J. VonbuD, SaKen VorailberKB. 11 



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162 



Hexen. 



essen Fleisch und trinken Wein, es sei aber so lind hinabgegan- 
gen, dass es ihnen keine Kraft gegeben — es sei alles gewesen 
wie Luft". Den ältesten Nachrichten zufolge war bei der Zu- 
sammenkunft der Zauberinnen die JlLiui'tsaciie kuchtMi, welches 
in einem geiiiciusamon u-i'ußen Kessel gescliah. Diese Versamm- 
lungen hätten keinen c^mu gehabt, würde nur gewöhnliche Speise 
dabei gekocht worden sein, musste iimeu also etwas anderes 
zugrunde gelegen, das Kochen hier wie bei den Üpfennahkeiten 
ein heiliges Geschäft gewesen sein. Die gekochten Gegenstände 
aber waren neben Pferdefleisch (unser Bratis) das heilige, 
allen nothwendige und unentbehrliche Salz, um dessen Quellen 
eLüsl die Deutschen unter sich blutige Kriege fülirteu. Da auch 
Christeji Kraft iimi Nothweiidigkcit des Sal/es anerkannten, so 
begreift es sich, wie nun umgekehrt den teutlischen Hexeu- 
versammhmgen das wohlthätige Salz abgesprochen werden konnte, 
denn der Hexenküche und den teuflischen Mahlzeiten fehlt gerade 
das Salz. Ebenso lasst man ihnen das gleich nothwendige Brot, 
abgehen. 



IX, Vergletscherung., 

Yemaleken sagt (S. 1): Der Mythus von emem goldenen 
Zeitalter in den Alpen und ftber die allmähliche Verwilderung 
derselben ist der Alpenwelt eigenthümlich. 

„Mauclie vormals blumige Alpe hat das Andenken grauser 
Vergletschern ng aufbewahrt, die plötzlich hereingebruclieu. Da- 
mals, in jenen bessern Tagen, war noch überall auf den Alpen 
fruchtbare Weide, und ewiges Eis bedeckte noch nicht den schön- 
sten Theil derselben. Damals waren die jetzt so häufig yorkom- 
menden Giftpflanzen, das Disenhfitchen und andere dem Vieh 
gesund, dem Menschen nicht schädlich. Damals fraßen die Eflhe 
ohne Schaden die giftige Wolfsmilch, welche einige Alpen bemahe 
ganz überzieht, und gaben desto mehi* Milch. Dreimal des Tages 



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Yergietscherong, 



163 



wurden sie gemolken. Allein die Laster der Menschen machten 
den Zorn des Himmels re^e, und das ewige Eis der Gletscher 
überzog zur Strafe den ^iiiiieii Tep})ich des Alpenrasens". 

Der Damülser klagt nun mit melancholischem Witze : ,Wir 
wohnen sieben Stunden hinter öotterbann, und der Ort heißt 
Elend". In alter Zeit aber war es ganz anders; das Klima war 
mfld und der Boden fruchtbar; als Belege diene eine vor nicht gar 
lauger Zeit abgebrochene Dreschtenne, während jetzt nicht ein- 
mal mehr in den niedem, nun bewohnten Höfen oder Heimaten 
Gerste oder irgend eine andere Kornart gedeihen will. Ja die 
Sage gebt vielseitig, dass selbst am hohen Trista über Uga 
Weinreben gepflanzt gewesen seien, während nun eine rauhe Alpe 
denselben umgibt. In der Bergalp heilit es an einer Stelle ,bim 
Würtshös*, wo ein Wirtshaus gestanden haben soll, von dem man 
noch Veherbleibsel sieht AUentfaalben im Lande wurde ehedem 
weit in das Hochgebirg hinauf Qetreide gebaut. Damals hat 
jeder Komhahn äm, vier und noch mehr Aehren getragen und 
zwar so volle, dass sie bis auf den Buden liiengeu. Damals hat 
niaii iieilicb von einer l^heurung nichts gewusst, und Leute und 
Tögel hatten g-enug zu essen und zu picken. Aber die Menschen 
sind mit der schonen Gabe Gottes nielit ordentlich umgegangen ; 
da streute ein Knecht mit Aehrenbüscheln dem Vieh, dort fachte 
eine Magd damit ein Feuer an, und Drescher und Müller ver- 
sehUtteten und verzetteten die Edmer starweise. Das Gebaren 
ist dem guten Vater im Himmel nachgerade zu arg geworden; 
er gieug und machte, dass von derselben Zeit ein jeder Halm 
eine einzige Aehre trägt. Und seither ist Theunmg in das Land 
gekommen und sind Konisch nlden angewachsen. 

Auf dem Widder stein |^2ö31 m] und der Zimper- 
spitze [2640 m] lagen noch vor nicht langer Zeit zugehauene 
Balken, die Trümmer von üeubargen oder, wie einige wollen, 
Stücke der Arche Noahs. 

In jener großartigen Fernerwelt, wo aus dem Eismeere die 
Felsengräte: derPizBuin [3327 m], die Hennebergerspitzen und 
die Strohfettenspitze aufstarreii und sichtbar werden, herrschte 
in alt«r Zeit reges Leben; mau zeigt lücht weit vom Zeinlsjoch 

ir 



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164 



Vergletstlicrunj. 



bei Wirl die Mauern und (iewölbe eines ixrolien Wirtshauses, 
von den Engadinem erbaut, wo früher grolJe X'ichiuärkte lialten 
wui'deu, die man später nach Tirano in Veltlin verlegte. 

1. 

8äntiH. 

(Elsensohn, S. IB.) 

Wenn man von dem nordöstlich von Bezan gelegenen Vor- 
sah Sonder dach seinen Blick nach Südwesten wendet, so sielxt 
mau in weiter Ferne einen auch im Hochsommer mit Schnee 
bedeckten Berg, den das Volk Aldenalpe nennt. Es ist aber 
in Wirklichkeit der große Säntis in der Schweiz. Ueber die 
Entstehung dieser einst mit den fruchtbarsten Kräutern bewach- 
senen, jetzt aber mit ewigem Schnee bedeckten Alpe geht im 
Munde des BregenzerwSlder Volkes folgende Sage. Vor Zeiten 
war ^me Alpe gras- und kräuterreich wie kerne zweite. Die 
Kühe gaben doppelt soviel Milch als auf andern Alpen. Dieser 
übergroße Segen machte aber die Besitzer derselben übermüthig, 
hart und gottlos. Sie lebten in Saus und Braus, verschwendeten 
die Gaben Uottes und waren dabei gegen die Armen hart- und 
lieblos. Als unser fierrgt»tt lange genug die Klagen der Armen 
fiber dieses Thun und Treiben angehört hatte, wollte er sich in 
eigener Person von ihrem Frevelmuthe überzeugen nnd sodann 
mit ihnen zu Gerichte sitzen. £r nahm daher die Kleidung nnd 
Gestalt eines Bettlers an, trat in die Sennhütte und bat flehent- 
lich um ein Almosen. Die übermOthigen Knechte ließen sich 
von ihm das Näpfelien, das er mit sich trug, geben, eutferuten 
sich, füllten es unten mit Kuhmist an, legten oben eine Sclüchte 
Schmalz darauf und gaben das so gefüllte Geschirr dem ver- 
meintiichen Bettler zurück. Dieser nahm es mit strenger Miene 
und sprach beim Weggehen die Worte: 

.Ald6, Am (adieu) 
Di* sieh V nimma m^h*. 
Kaum war der Bettler aus der Hütte weg, so zog ein schwarzes 
Gewitter heran ; es tieng derart zu schneien au, dass weder Men- 



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Yergldtecbeniug. 



165 



sehen noch Thiere sich fltichten konnten, sondern auf eine elende 
Weise umkamen. Seit dieser Zeit liegt jahraus jahrein ti^Br 

Schiiee auf jeuer Aipc. 

Kamor^. 

(Vernalekeii, S. 5S.) 

Christus, unser Herr, kam einmal als Pilger in Gestalt eines 

alten Bettelinämichens auf den Berg K a m b r. Zu der Zeit aber, 
als dies geschah, war der Berg noch schon grün und bewohnt. 
Er kam dorthin, die Menschcu und ihre Frömmigkeii zu prüteu. 
Er gieng von Raus zu üauä, allein er bekam uirgeud eiue Gabe. 
Zulets^t betrat er das Haus eines bejahrten Ehepaars, welches 
ihm statt Schmalz (Butter) Kuhdreck in sein hingehaltenes Kübel- 
chen warf. Zur Strafe für diesen Spott yerwQnsdite der Herr 
die ganze Alp. Und plötzlich ward sie sammt Menschen und 
Vieh aul ewige Zeiten mit Schnee bedeckt. Andere sagen, 
Christus habe nur in v\mm Hause, dem letzten, in weichem er 
bettelte, eine Gabe erhalten. Es waren dort zwei alte Leute, 
Mann und Weib, und obgleich selbst sehr arm, theiiten sie ihm 
doch etwas von ihrem Wenigen mit. Dafür ist denn auch das 
Paar gerettet worden beim allgemeinen Untergang, 
und selbst die Stelle, auf der ihr Häusdien stand, bleibt bis zum 
heutigen Tage ohne Schnee. 

3. 

Mauren« 

(NQndlieta. SdiniiiB.) 

Mauren, eine Parcolle von Tschagguus im Montavon. ist 
jetzt eine weitgedehnte, unwirtliche, nur theilweise überwachseue 



•) Von den illt<>n'ii Leuten «les Dorfes L u s t '> ii a ii wird dicsor Berg, der ein 
negeu den Kboiu hia sich ?orstreckender hoLur Zweig des Säutis im Appcnzellor- 
laude ist, Kit mm erborg ^mumt. Auch der ganze Sftutisstock, der Iftogere Zeit 
weiß isti wild oft wo genannt. 



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166 



Vei^letscheruDg. 



Sclintihalde mit einem halben Dutzend tonliclier Bauernhfitten, 
war aber yor mtdenklicher Zeit ein prächtig^ner Wiesenplan 

mit liaus und Hof und Eigeuthum eines einzigen Bauers. Der 
Bauer lebte mit seiner Hausfrau auf dem schönen Anwesen wie 
ein Graf. Er trieb auch erheblichen Weinhandel und zog all- 
herbstlich mit einem mächtigen Trieb stattlicher Saumrosse über 
das Schlappiner Joch ins Welschland auf Einkauf. £r war 
es gewöhnt^ allemal bei seiner Bückkebr der Frau einen ,Krom* 
mitzubringen. Es war einmal wieder der Herbst da, und als 
der Bauer wieder gen Welscbland auszog, fragte er beim Ab- 
schiede sei» Ehegemahel. was für einen Krom er diesmal mit- 
bringen solle, und sie sagte: Jliaiger", um emnial recht mit 
Äi)petit zu essen. Als nach Wochen der Weinhändler wieder- 
kehrte, tand er sein herrliches Gut von einem Muhrbruche gänz- 
lich zugedeckt. Während seiner Abwesenheit war nämlich hoch 
oben im Gweiljoch eine Rüfi losgebrochen, die verheerend 
niederfuhr und die ganze Mauren mit Haus und Hof, mit Wies 
und Weide Uberschflttete. Die B&urin rettete mit genauer Noth 
nur das nackte Leben und war genöthif^t, um Gotteswillen in 
einer Nachbarhütte sich einzuthun. Daselbst wurde ihr von den 
armen Leuten die Kost derai*t '/uq-e messen, dass sie von einer 
Mahlzeit zur andern Hunger hatte. 

4. 

Scesa plan a^* 

(Maadücb. Ulndeiu.) 

Der Gldtscher oh Brand dom, der hAtigtags net amäl im 
hoha Summer s!n Winterschudpa mSh abl^i i^t vor Z!ta-n-a 
pi^htige Al|> gsi, brüahmt im ganza Ländle. Menge schwere 



0 Vom Lfluer See steigt man diu Felsen zur Scvsa plana odor dem 
Brandner Ferner empor; sie erreicht die Hölio von 9600 Wj<*ner FuO [2963 ml 
und ist einer der höchsfi'n Punkte in ymrr milchtigen Gebirgskette, welche vom 
Vermont-Gebirge \m Südost uii VorarUnnTs nnit-r dem Namen Khfltikon als Sch<'id<^- 
wall zwischen dem l'iatif:au (in Giauhiiiul-jn) und dem Illthale nordwestlich bis zum 
FaUmib und ^ur Guscha-Aipe luiwcit des Öt. Lucienüttiiges lüuziebt, wo m sich steil 



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Verglot«'-herung, 



167 



Kiieh h^t gwädat am Stöfel. und m^nga Zentner Molica hkt ma 

jalirli" Herbst i d's Tliäl uhagsomat. Da biit tVile noch 
nieniai vermiiothnt. dass aiiial die srliö grüa Wäd und der gräsig 
vStafcl in ;ni Isliemt schliila müeß, und da«*« *s döi*t im boha 
Summer net lützennil bischa werd, wo der Hirt im lieba Suuua- 
schi achöne Stückle bat dudlat. Aber es gft An ob de Siema, 
dem ift nut z*nind uf der Welt, und der i§t amäl a^s Bettler 
gwandlat uf Erda und i dia Alp kd, V9 der V verzell. A Kfibile 
i der Hand und a Käpple undar *am Arm i^t er g<?anga vo 
Hütta z' Hütta um a bitzle Srlmiak i d's Kübile der Gottswilla: 
aber d' Alplüt hond a Herz glielt wia Stu und dem arma Männdle 
mi i:;ie a's Uwärt: ,Scherr di'. du Spengler, und da hat der 
Zimmerma 's Loch gmacht**, A sennere hat gar noch d's Gh^pött 
mit em triba; sie nümt am d's Kübile us der Hand, wia wenn 
sie weit Schmalz holla, hät em *8 aber mit Bäscha gfüUt und 
obna-n-üf sebo drdele mit Schmalz ^a g^tricha, dass er *s ^bba 
net merk; aber der Bettler häts frfle gmerkt, er set zw&r mit, 
nürat der Sennere si Kflbile us der Hand und würft ara an vil- 
sagiga Blick zue. Drüt gabt w \ ()r die le§t Hütta \md heuschat 
noch amnl n l'it/le Schmalz um nser lieba Fratia willa. An 
Hirt und a iSennere hond i der Hütta ghüsat und d's Molka 
versärgat und 'em V4h abgwartat sch9 vil Sümmer; zw^r hkVa 
hi b§da-n im Har seho a bitzle gwiniarat, aber a Herz hond 
bgde im Lib triga wia die lieb Stund. Sie häßan das &rm 
Männdle frundle i d' Stuba ko, ^teilen z' essa-n-und trinka- 
n-üf: Milk, Butter und Kiis, wia 's halt uf da-n-Alpa der Brüch 
i§t, und laahan em Kurzwil bim Kssa mit Schwätza. D's Männdle 
ö' net fül, isst und ti iukt und lät si' net haüa und vcrzellt, was 
em vorig in ara Hütta bigeguet sei. Wo d' sennere das bort, 
sc gäbt sie gnöth und wascht d's Kübile Üs und füllt's mit 
Schmalz gschoehnatvoU. Nä' 'em Essa nümt d's Männdle si 



ins Kheiothai hinabsenkt. Den V*iid<;r;?runil d«r SCMa plana Mldon jont; gro|}».ii Eis- 
felder, w ell h*' sieh zum Hiandnert}uile iiiiial)neig*»n nnd selion Ton der PoststnÜe im 
Walgftu aus dentlich gesehen werden. Diese imposante Kisflur nun ist «s, VöU der 
obiges M&rcbcn erz&hlt, dass sie einst eine lustig grOne Alpe gewesen. 



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168 



VerfletochMimc. 



Kflbile z' Handa, ftöht üf und hebt de Zdgfinger i d' Höhe und 
set mit bedütsama Warta: ,Wil das Volk uf der Alp da d' 
Betüer yerachtat und yer^pottat, so wfird d* Str&f Gottes brecha, 

und verfluacht würd dia Alp si nf ebige Zita; kc Wurzle würd 
meh ti'ibu um Stäfel, ke Plätzle meh gruana ul ebig, ilrum, 
iahr guefa Lütlc, flnhan, wil 's Zit i^t*. So hat d's Männdle 
gset, und anarmal i§ es verscliwuuda gsi. Der Hirt und d' 
Sennere ^tünen änander h und sugan zt^mma : ^Das i^t a himm«- 
liscbe Schiekig*, und züglan mit Hab und FSbrnes fürt zem 
gr^^ta G^pdtt TO den andera-n- Alpluta. Net lang dernä' häVs 
a brannkdhlaschwarze Nacht gge, und V9 der Alp her hät ma's 
im Thal hun öberpf^chtig ghört tösa. a's wenn der Welt der 
Fada nett fisgob, und am Marga. wo d' Lüt im Thal luega 
wend. oh ebba-n-a KüOtc .ugauga sei, i^t d' Alp bim Bitza 
igschneit «,^si (und das i§t gsi um Jacobi um), und wia d's 
Münndlo hat gsöt, ke Wurzle hat rfdcr meh triba welln. ke 
Plätzle m#h gxfiana. Diasell Sennere, dia dem Bettler si Kübiie 
mit Ddscha hät gffillt, wattat z* Nacht im Schn§ umma a's 
Gdi^t und hunat; aber die andera zwä Lütle us der le^ta Hütta 
hond a pSr Jähr noch fromm und guetraa mitanand glebt imd 
mit der Zit a rüöbiges Plätzle uf 'cm Heilig-Ki üz gfuuda. 

Siehe Ovids schiene Erzählung von der Einkehr Juppiters 
und Mercurs bei Thilemou und IJaucis und vercrleit-he überhauitt 
die Wanderungen i'in/.eln(n\ zweier oder dreier (jölter durcli die 
Welt zur Prüfung des Meiischengt^schlechtes, zur Bestrafung 
wahrgenommener Frevel. — Eine auffallend ähnliche Sage geht 
auch vom Glämisch im Cantone Glanis; siehe die schöne Er- 
zählung: *S Yrenelis Gärüe oder Verwandlung des Glämisch, 
in Nr. 14 der illustrierten Zeitung för die Jugend. Leipzig, 1847. 



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169 



X. Mythische Thiere. 

Die Thiere, die frei und fesseUos herumscliweifend, Bewnsstr 
sein de^ Lebens zeigen, die an Kraft dem Menschen gleich, an 

andern Eigenschaften ihm gar überlegen sind, sich ihm innig 
ansehlielien und tluivli die Pflege, welche er ihnen utüit, theuer 
werden, crenossen bei unsern heidnischpii Vorfahreu eines aiisire- 
dehnten und wichtigen Cultus, welchem folgende Hauptursarhcn 
/Aigruude liegen. Die Thiere standen in der menschlidi j^cikcliten 
Götter Dienst, oder die Qötter hatten einst sich in eine Thier- 
gestalt verwandelt, wodurch alle Thiere derselben Gattung fortan 
höherer Ehre genossen. Eine geringere Axt der Verehrung ge- 
wisser Thiere mag in der Lehre von der Seelenwandernng be- 
gründet sein, von der wir in iiusorm Alterthiiiii unzweideutige 
S]»uron :intn'lV('n : in der als Strafe erf«d(/endon \ < rsetzun«" des 
Menscheiigeistes aus der edlern iMenschen- in die unedlere Thier- 
form. Dabei ist natürlich an einen eigentlichen Cultus nicht 
mehr zu denken, sondern nur an rücksichtsvollere, mit einer Art 
von frommer Scheu durchdrungene Behandlung der Thiere^). 

In Vorarlberg sind es vornehmlich folgende Thiere, denen 
der Bauer seine besondere Aufmerksamkeit widmet, von denen 
er ijocli aUi' Märchen und Sagen zu er/.ählen wcili. au die er 
mancherlei Ay)i'r<j;lanb('n knüpft und vor deueu er eine i^ewisse 
Achtung oder IScheu trägt, was auf deren uralte Heiligkeit hin- 
weist. 

Wuotans heiligem Thiere, dem weißen Kosse, begegnen wir 
in Sage A I, 1. 

Li einem Lande, dessen Beichthum zum großen Theüe in 
Viehzucht besteht, genießt das Thier, welches seit dem Antoge 
aller menschlichen Geschichte mehr als jedes andere zur fhdeich- 
terung und Verbesserung^ des Loses seines Herrn dadurch bei- 
getragen hat, dass es demselben im eigentlichsten Wortsinue 

0 Wd^ s. 90. 



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170 



Mythische Thiere. 



alles, was es besaß, zur Vorfü^nmg steUte, natürlicherweise der 
fi^rcM^ten Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Pflege. Der Bauer kennt 
daher nichts Theureres als seine Kuh, mit der er sich freund- 
lich unterredet und die er wie den Menschen mit festem Namen 
rufti 2. B. Alte, Grfscha, Hdtschla u. s. f. Wie die 
Mähnen der Pferde schmflckle man im Heidenthame die Hj^mer 
der Kuhe mit < lold. Noch heute ziert der Alpenhirt die Hörner 
der Her- und Meislerkuh mit Bändern und BUntRii. Sehr be- 
deutsam tritt in unserer Sage die schwarze Kuh auf. S. A 
Iii, 2Ü d, e. 

Eber and Bock waren heilige Opferthiere, der £her dem 
Frd, Böcke nnd Ziegen dem Donar gewidmet Unsere Sage er- 
wähnt des Schweins A III, 26a und bringt die Ziege in Verbin- 
dung mit Donars jüngerem Stellvertreter, dem Teufel und der 
Sippe der Bütze und Geister. 

Der Hund hockt als Hüter und Wächter auf geisterhalten 
Schatzkisten. S. A V, la, 2 [6]. Jir war aber bei den Alt^n 
nicht opferbar. Trotz seiner Treue und Klugheit liegt etwas 
Unedles nnd Unreines in ihm, weshalb mit seinem Namen ge- 
scholten wird. Unsere Yolkssage lässt daher auch die Seele des 
Verrftthers von Bregenz zur Strafe in einen schwarzen Hund * 
(Klualiiiinh fuhren. S. A IV, 15. 

Von den drei der alten 'i'hierfabel wesentlichen Thieren: 
Bär, Wolf und Fuchs meldet die Sage A X, 18. 

In der Katze, Frouwas heü'gpm Thiere, waltet eine ge- 
heimnisvolle Kraft. S. A X, 1. Eine Katzensehar schleppt 
dem Nachtvolke Wein den Berg hinauf. S. A I, 12, was das 
Gespann der liebreizenden Gdttin ins Gedächtnis ruft, die ja 
auch auf einem mit zwei Katzen bespannten Wagen fährt. In 
die Katze wandelt sich der Schrättlig. S. A III, 20, und in 
Katzeugestalt tritt der Alpbiitz auf A III. 2hh. 

Unter den Vögeln stehen die alten Grötterboten Habe, 
Storch und Schwalbe jetzt noch in Jähr' und Ansehen. 

Ein willkommener Gast ist der Kuckuck als iVühlingskfin- 
der und Weissager. 



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Hytbiselie Thiere. 



171 



Habergeiß, Knie und Elster sind (Tni^lficksvögel. 

An das Merzafülli (Specht), Kothkeiilchen uad den 
Zeisig knflpft sich mancherlei Glaube und Meinung. 

Vom Zaunkdnig und Kreuz vogel gehen anmuthige 
Märeh^ und Legenden. 8. n. Nr. 15 u. 16. 

Viel Kedens macht man von den Schlaugen, besonders 
einer kleinern (iattuug, den Nattern. 

, Schlangen scheinen durch die Schönheit ihrer Form, die 
Gefahr ihres Bisses vor den andern Thieren Sclicn und Ehrfurcht 
zu gebieten; eine Menge Sagen erzählt van Vertauschung der 
Gestalt zwischen Menschen und Schlangen: hierin liegt fast un- 
triii^^liches Zeichen des Cultus. Wesen, die aus menschlicher in 
thierische Tiildung übergegangen sind und den Umstanden nach 
in jene zui ückkehi'en können, ist das Heidenthum heilig zu halten 
geneigt* 

Tm Bregenzerwalde erscheint eine verwünschte Königstochter 
in Gestalt einer gekrönten Schlange (S. u. Nr. 2b) und ein 
reicher Kitter von Wolfurt-in Gestalt einer goldenen Schlange. 
(S. A IV, 15.) 

Schlangen sitzen einsam in Gewölben und Wäldern auf 

eisenien Kisten und hüten die darin eingeschlossenen Schätze, 
sie kommen aber auch zn Kindern in Haus oder Stall, saufen 
Milch mit ihnen aus der Schüssel und tragen Goldkronen. S. u. 
Nr. 4, 5. 

Diese reiche Hauptzier lassen sie öfters als Lohn und Dank 
für die genossene Gastfreundschaft zurück. 

Sie finden sich auch in Scharen ein mit einer K($nigin, die 
sitzt gekrönt in der Mitte und ist meistens weiß; steigt sie ins 
Bad. legt sie am Ufer des Brunnens oder Weihers ihr Diadom 
ab. Wer solch eine Schlanofenkrone trä.ij^t. ist steinreich, aber 
sehr schwer hält es, einer habhaft zu werden. Lässt man Schlan- 
gen ruhig gewähren, so bringen sie dem Hause Glück und Segen; 
misshandelt man sie, so ziehen sie ab, um nicht wieder zu kom- 



*) Griüuii, Mytb., 648. 



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172 



Mythische Thtere. 



men. und mit ihrem Verscli winden g-eht eiuc glückliche Zeit, eia 
goldenes Zeitalter zu Grabe. S. Xr. 4 u. Nr. 2 u. 3; 5. Aber 
nicht immer hat der Sierbliche Gewalt über sie, mancher, der 
freventlich auf ihren Untergang sann, hat mit dem Leben ge- 
büßt. (kS. u. Nr. 8.) Gegen böse Schlangen schfltzt die Wün- 
scbelruthe, die aus der dem obersten der Götter geheiligten 
Haselstaude gebrochen wird. (S. u. Nr. 6 u. 7.) 

Der geflügelten Schlange, dem Drachen, erliegt der ge- 
Avöhuliche Mensch, aber geheinmisvolle Gnomen bezwingen sie. 
iS. u. Nr. 10 u. 11. 

All dt'V ]\ i rite hat'Lt'l hierzulande noch mancher Aberglaube. 
S. Jieuierkung zu A V. 3. Sie ist ausnahmsweise auch Schatz- 
hüteiin. S. die /ulet/t erwähnte Sage. In ihrer Gestalt erscheint 
das s<:hwangere Fenkenweibchen. S. A II, 5. 

Das alte Zanberthierf die Eidechse, die in Hexenprocessen 
als von Hexen geboren vorkommt, hat in unserer Sage nichts 
Böses und Teuflisches an sich, sondern erscheint im Gegeutheile 
als unschuldiges, mildthätiges Keittil. S. u. Nr. 1'] u. 14. 

Wm dem einstigen Kälercultus ergeben sich noch dunkle 
Spuren iu dem Hirsch- uud Goldkäfer. [Den stattlichen 
bomtragenden Schröter nennt man in Vorarlberg Krampf- 
käfer, und seine fiömer werden nach Art eines Amulets gegen 
Krampf um den Hals getragen. Beiträge, S* 110.] 

4 

1. 

Bie schwarze Katze. 

(Handlich. Raggftl.) 

Amdl gäid on Mal z' Nacht bim Möschi im Lasanka- 
Tnhel über d' I'rfigga und siehd uf 'ma Bruggachopf a chohla- 
schwärze Chatz bocka. „Wart, Mauz% jied der Ma bei em 
selb, »dir will ich i d's Tobel ähizdnda!* und gid ara en Streich 
mit dem Stocka, dass 's chlepft hed. Aber d' CliatK hed 
uf 'em Pfofta ned ergraut. Dk fasset der Ma i der TäiT)e noch 
amäl und z'le^t zum drittamal eu Streich und schUhd schier us 



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Mythiücho Thicro. 



173 



ganza Lfbscbräfta nf Chatz zue. Aber d' Mauz l»ed 91' äu' 

ncd om das Sclnvaiz vaiii Nagel hiwegi. i^t aber urolirr und 
albis «^rnlMT worda und lied de Mfi niot füii<^a-n-AiiL^a-ii-?\c^läret, 
a's wcDu em i d's Gsicht §pringa wott. Da i?t dem Ma eü 
Grfisa chO, und er i^t de gnötha Weg heimatzue gfproDga und 
Sit derzälla Zit nia m%h rächt mufper gsd. 

Thorr soll in seinen Wettkämpten bei den Kiesen auch eine 
schwarze Katze vom Boden wegheben; allein er Itann ihr nur 
ein Hinterbein lüpfen. Da erbebten die Riesen, denn sie war 
das verzauberte Weltmeer, das dabei bereits über die Erde herein 

zu fluten drohte. Kochholz, S. 248. 

2. 

Krouselilaugen« 

(Mandlich. Frastanz.) 

a) Das Matta-Bäbele gieng einmal über einen einsamen 
Feldweg und gewahrte unweit des Weges etwas glänzoii. lUbele 
trat Dülier hinzu, und da sah es zwölf braune Schlangen im 
Grase im Kreise liegen und sich behaglich sonnen. In der 
Mitte dieses Kinges brauner Schlangen saß eine weiße, die hielt 
ihren Hals zierlich und kerzengerade in die Hohe und trug auf 
dem Haupte ein güldenes Erdnchen, das weithin leuchtenden 
Glanz warf. 

b) Von der Alpe Schadauna erzählen die Alpknechte, dass 
man auf einer Steinplatte eine schOno Xatter mit einer Goldkrone 
auf dem Kopfe gesehen habe. Die Natter habe einen Ring ge- 
bildet, um den eine Menge anderer Nattern zum Schutz ihrer 
Königin strahlenförmig lagen. Sie sei eine verwünschte KOnigs^ 
tochter gewesen. Wer es zustande gebracht hätte, ihr das gol- 
dene KrOnlein wegzunehmen, der würde sie erlOst haben und 
selbst steiiiieich gewurden sein. (Elsensohn, S. 31.) 



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174 



HytliiMshe Tliier«* 



3. 

SehlangeiikOiilgin und iCrondieb. 

(HOndlicb. Feldkircb.) 

a) Amal gabt an Mä am a Weiher ^paziera und sieht uf 
ama Stoa an isis Ki^tlc, und er praht und hebt bofeli' d's Lid 
üf, wil es eil wunderet, was i dem isena Ki^tle sei, und da findt 
er a achös goldis Kronele dil Er lueget und ^tünt und will 
den 0'^i\ z'er§t net rtn-ht traua, näcli und n&cb aber nünat er 
^8 Kroneie zart i d' Hand, lueget um, ob en niamet sähe, und 
lauft drüf Üf und derrf^ — lau^t d' net, so gilt *8 net. Aber 
das Kronele hat anara Schlangakfinige ghort, dia Ibba-n-am&l i 
dä Weiber ga bada ko, und vor sie i d's Wasser i^t gganga, 
*s Kronele i das Ki§tlc glOt bat, dass 's net nass wear. Grad 
um dicist^ll Zit. wo der Mä 's Kronele gfunda-n-und gstolla bat, 
i§ sie im Weiher im Bad gsi. Wia sie aber nä' ama Wile us 
*em Bad kunnt und im Ki^tle halt kc Kronele meh findt, lät 
sie en lauta Pfiff, und drüf sind vil hundert scbnSwiße Schlanga 
fOrakd und wia PfÜ dem Kiöneleschelm nähgsehossa. Sie hätten 
en bald erwfischt, er ift aber noch so gschfd und Terwflift 's 
Kronele und kunnt de Seblangap-n-ab: diasMla sind umkehrt 
und hond der Küiii^-e 'a Kronele wt'der // Ilaiula g^t^llt. 

Das üali^tmal gälit's ahor der Kröijcloschelm a bitzle 
gscbider a: er lät si' am Weiher a Hüttie baua met sibafacba- 
n-lsawäud und ama klina Fen?terle und passet dri, bis d' 
Schlanga wider kö i^t und vor 'em Bad 's Krdnele i d's Ki^tle 
gl§t hat. Brüf duslet er woalle fflra, nflmt 's Ki'önele i si isis 
Hütäe und i^let zue. D' Schlanga mucß aber das Ding gmerkt 
hfl; wo si9 as 'em Bad i^^t ko, i^t sie wia bs^sa ufe HütÜe 
losgscbossa, und sechs Wand hat sie ii^^scliossa: er?t bi der sibata 
bat sie si' (h^ Kopf verschmetteret, und der Mä i§t für albis zem 
Kroneie kö und !<toarich gsi. 

b) Zu Schnüfis erzählt man von „Odern" (Nattern), die 
goldene Kröneben auf dem Kopfe haben. Ein Hirtenbube soll 
einst ein ganzes Nest voll solcher Nattern entdeckt haben. Von 
weitem fiel ihm besonders ein Krdnchen ins Auge, das wie 



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HythiBche Thiere. 



175 



Diamanten funkelte. Die Nattern lagen gerade so flberdnander, 
dass sie ihn nicht bemerkten. Er sehleicht n&her heran, um 

das Krönchen der Ivüuigiu zu erhaschen, und sieht, wie diese 
zu einem Brunnen sich heo^iht und vor dem 'l iiuken das Krüu- 
chfii ablegt. Im ^u erhascht er die prächtige Krone und macht 
sich schnell auf und davon, den Berg hinunter nach Schnüfis zu. 
Als er schon weit unten war, bemerkt die Natter, dass ihre 
Krone fehlte und pfeilschnell schießt sie dem Buben nach. Es 
wÄre ihm übel gegangen, wenn er nicht schnell die Krone weg- 
geworfen hiitte luul davnngerauut wäre. So wenig als der 
Schnüfiser Bub hat sonst jemand ein ..goldis Krönele" erwischt. 
Die Nattern dürfen es nicht zurückla-^sen, sie wehreu sich auf 
Tod und Lebend. (Vemaleken, S. 241 f.) 

4. 

Die Sehlanse sehenkt eine Krone, 

(HQndhch. NOziden.) 

a) Es i9t amdl a Meiggi gsi, 
A g&r a lieblis, frondüs Kind, 
Ze dem 19t oft a Schlange kd 

A guldib Iviüüle uf 'em Grind. 

Und 's Meiggi hät das glanzig Thier 
Guet unter sine Obsicht gno 
Und allemal um M'rendzit um 
Milk US 'em Näpfle scbläppla gld. 

Mi Meiggi trfliht, mi Meiggi wadist, 
Will Melgga, nflmma Meiggi sj 
Und i^t, es ddrt a kurze ^t^ 

A propre, wahi G^pusa gsi. 



1) Tgl. Vwtudeken, Nr, 167—179. Zincerie, Nr. 405. Grohniami, S. 819 
U» 824. — Um einer solchen SeUengeiikrone babbaft xa werden, sei es gerafhen, 
ein feweibtos KeldttfleMein dannf zd deck«i. 



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176 



M)-thii»cb6 Thiere. 



Berr Hdh$tigta<,' i^t zuehagruckt 
und d* Kilka gniglat voUa Lut, 
Mi Brüt}»är knciilet am Altar, 
Derwil der Her es zämmagit. 

Und wia der Knopf i§t gmahat gsi, 
T^t zem Aliur a Schlaoga kö, 
Hät Tor der G^püsa a^s m Krdm 
A gnldis Kronle nfdeigl9. 

b) Im Walserthale erschien einst im Stalle, während 
man die Külie molk, eine Natter. Alle erschraken, jedoch zeigte 
sich dieselbe sflir gutmütbig. Sie kehrte von Zeit zu Zeit wieder, 
imd man gab ihi* Milch zu trinken. Dies \eraiilasste sie öfter 
wiederzukehren, und sie wurde sehr vertraut. Dann aber blieb 
m ^gere Zeit aus. Endlich zeigte sie sich wieder, als das 
Mädchen vor dem Stalle mit dem Kinde spielte; sie l^te dem- 
selben eine Krone in den Schoß, gleichsam zum Danke. Seit 
der Zeit kam sie nicht mehr. (Vernaleken, S. 247.) 

5. 

Die Seliiange und das Büblcin, 

(MfiDdlicli. Nftudm.) 

Noch i der alta gueta Zit 
H^t's allerwürtig Schlauga ggS 
A guldis Kronle uf 'em Kopf, 
Sos wiß am ganza Lib wia Sehne. 

üf Wts und Feld, i Hfis und Stall 
I§t so a Schlanga sWza gsi, 
Ma hat dnnii hha gwisst imd globt, 
Sie bringe Uiück und Sega dri. 

Amäl i§t aber vor 'ma Hüs 
A harsches Bürabüeble ghockt, 



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Mythisch« Thisra. 



Hat US ma Nä])tie ivuehmilk gschöpft, 
Mit Eierschnitteie ^brockt. 

Und wia-n-es sc)i ö]^rt und wia-n-es isst, 
Se schlicht a Eronleschlanga her 
Und sitzt derzue und haltet met, 
So TÜ, a's wenn sie glada w&r. 

Doch wo af&ha *8 Bfieble merkt, 

Es süt sin Ga?t nu' Milk aUe, 

Se schlaclit 's cm 's Kröulo ab >ra Kopf 

ü^d set: ,Du k|st Bröckle mh*. 

Und sider find'^t, gang wo de wett, 

Im ganza Land to Hfis ze Hüs, 

Ee w!ße Kronleschlanga meh, 

Und met dem Glück sacht *s gschmogner Üs. 

6. 

Die Sehilaiige und die Mattergottes. 

(VflndUcli. Ntaiders.) 

Es hat das heilig Jesuskind 
Im Gütschle mal a Schlafle thue, 
Und d' Mueter, dia dem^bet sitzt, 
Schaut fftUlTergnü^ sim Schn&fla zue. 

Drfif B§t «e Bs: ,r gj^h gndth z* Wald, 
M| Kind, derwÜ irerwaob mer net, 

r bring der, bis de mu^per wür^t, 
A Krättle volla-n-Erdb§r met^ 

Sie macht si' z'vveg und kuuut in Wald 
Und findt dört Erdber her und hi, 
Doch wia sie nä' 'ma Trüble langt, 
So i^t an Atra dninder gst 

Dr. F. J. Vonbon, Safan VomlbergB. 12 



178 



Mythische Tktan. 



Die arem Frau crdattrat z'er^t 
Zwär wäß sie bald en gneta Rath, 
Sie bricht a Hasel§teckle ab 
Und ützat d' Atra, bis sie g4ht. 

Druf bemat sie a, Wüe inicb 
Und lauft, a's hätt sie Für im. Schueh, 
Wo 's Krättle ^bayoll i^t gsi, 
Dem heil'ga Wiehnftebtkiiidle zue. 

Und stder i^t, es fehlt sV uet, 
A bsundre Eiaft i d' fiaala kd : 
A Hasel^töcUe i der Hand 
Kf9t ▼•or an Atra sicher göh. 

Und daas f Büeble net vergiss: 
Wia d' Mneter hlmaikunnt i's Hüs, 
Se-n-i? es ju^tament erwacht 
Und ^treckt si Aermle geg'ra-n-üs. 

7. 

Bie Mnttergottos unter der HaseUtaade. 

Im Bregenzerwalde eizSUt man: Als einst ein großes 
Donnerwetter wUthete nnd der BUtz an allen Dcken nnd Enden 
einseblug, war die Mntteigottes mit dem Jesuskinde auf der 
Flneht naeh Aegypten mitten auf freiem Felde. In der Angst 

und Besoigüia um deu Liebling ihres Herzeus uahm sie die 
Zuflucht unter eine Haselstaude. Hier blieb sie von deiu rin<,^3 
um sie tobenden Elemente verschont. Seit dieser Zeit steht die 
Easelstaude unter dem besonderen Schutze der Muttergottes, 
und um Tom Blitze yersckont zu bleiben, braucht man sich nur 
unter eine Haselstaude zu stellen. (Elsensohn, S. 36 f.) 

Den Inb^tiff von Heil und Segen, die Erfflllung aller 
Gaben drflekten die alten Deutschen mit dem einzigen Worte 
WuubcL aus (Grimm, Myth., S. 126) und uauntoii den zauber- 
haften Stab, duirch dessen Hilfe man in deu Besitz des Ge- 



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tfjthisclie Thier». 



179 



wünschten kam, Wflnschelruthe. Gewöhnlich brach man 
sie ans emer Haselstaude. Lange suchte das Heidenthum, gegen 
das aufblühende Christenthum Geltung zu behaupten, wie dieses 
zahlreiche Volkssagen beweisen, in welchen noch heidnisches 

Element an christliches sich anlehnt. So suchte donn auch das 
Volk, aeinvn althergebrachten niaiibcn an die hast'lne Wüiischcl- 
ruthe sich dadurch zu wahren, dass i?s ihn durch christliche 
Legenden motivierte. Diese Mischung von Heidnischem mit 
Christlichem zeichnet sehr prägnant der Aberglaube, dass ein 
Uaselstackchen (Wuotans Küthe) mit einem Zweige vom Holun- 
derbaume (dem Baume der Hulda, Holda) in em Kreuz (das 
Symbol des Christenthums) geformt, vor dem Emfiusse des 
Wuetas, d. i. des Wütenheeres schütze. — In dem Palm- 
busche, den mau um Palmsonntag vom Priester weihen lässt, 
um ihn im Sommer liti nahendem Ungewitter anzuzünden und 
dadurch Schaden von Haus und Hof abzuwenden, dürfen Hasel- 
zweige nicht fehlen. — Gegen das »Schwina'', d. i. Schwinden, 
Abmagern eines Gliedes (z. B. infolge von Lähmung), ist ein 
gutes Mittel neunerld Holz vor Tages Anbruch abgeschnitten, 
in ein Sückchen gebunden und als Amnlet getragen; da ist es 
nun wieder das Holz der Haselstaude, das in diesem Amnlete, 
soll aiukrh die Wirkung erzielt werden, nimmermehr fehlen darf. 
— Weim eine Haselruthe mit ihrer Spitze sich zur Erde neigt, 
30 zeigt das einen daselbst verborgeneu Schatz an. 

8. 

Ber Natternhanner. 

(MOndlich. Sebruns.) 

Vor alta Zita hat's im Vergalda ughur vil Atra gge, 
und Lüt und Yuli hat vil von 'na z' lida ghctt, und Tiia liätt 
nüt hebers? gwuscht, a's der Plag ab//kö. l;f emäl kunnt dua 
nilßes a frönds übikannts Männdlc i dia Alp, und wo das vo 
dena-n- Atra hört, se fräget's, ob ke wiße drunder sei; und wo 
d' Alplüt s&gen, sie heien nia a Mü$terle von ara wißa gsaha, 
so set's: ,Jä denn will T ni sehe dervohelfa*^. Es macht drOf 

1«' 



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180 



Mjthisdie Ihiere. 



niitla-n-uf 'ein SiAfcl a Furie a und brodlet iiaßos eii Sjuuch 
her. und da kuniit würkli' wahr us alla Löcher uud unter alla 
8te föher an öberpfächtigs Wesa-n- Atra, dia schußea alle dem 
Furie zae und verbrinnen dn. üf §mäl aber hört mf T9 der 
Hohe her en lüta, gelliga Pfiff, dass *8 em dar* Mark und Be 
gäbt, und der Atrabanner schreit: ,Jetz if 's ÜB met mer**, und 
im s^Ua^n- Ugablick hat a wiße Schlang das frönd Abikamit 
Mänudle diir- und dur'^^schossa. Uf 'em l*lal/Je, wo d's Furie 
hat bnmna, i$t ke gotzigs äüäe Uras meh gwachsa^). 

9. 

Der Drache im See Sonderdack* 

(Elsenaolm, 8. 28 f.) 

In dem ungeMr eine Stunde von Bezau nordöstlich gelege- 
nen Bergsee des VorsUßes Sonderda e h soll ein scheußlicher, 
ungeheurer Drache hausen Die Tiefe dieses Sees sei nicht zu 
ergründen. Als einmal Kneelite (>s versuchten und schon cmige 
Knäuel Zwirn, an dem ein h>tein gebunden war. , hinabgelassen 
hatten, ertOnten aus dem Wasser herauf die Worte'^)': 

Ergründest du mich, 
Verschluck ich dich. 

Seit dieser Zeit wurde kein Versuch mehr, den See zu mes- 
sen, angestellt. Wenn sich aber der Drache, von dem die Be- 
wohner von Bezau eine furchtbare Angst haben, emmal rOhrt 
und mit dem Schweife um sich schlägt, dann wird er leicht den 

Damm des Sees durchstoßen, das Waaser des Sees aber wird 
sammt dem Ungeheuer unter turchtbaiem Tosen und Brausen 



*) Quiz dieselbe Sa^e Elsensoho, S. 30 von der Alpe Schadauna; ebenso 
AlpeiiVur?, Nr. IH.^ und ^^70, mir dass in der letzteren Sage der NattombaiUMr 
nicht vaan Leben kam. Die deutschen Sagen von Giimni, Nr. 241. 

lu vielen Sagen kouinieu Drachen in Seen vor. Vgl. Zingerle, Nr. 167t 
ll>8, 159, 161, 164 nnd Alpenbuxg 150, 16^, 215. 

^ Qfinun, Myth., S. 564. »Ihre Tiefe an messen leiden die Seen nidit«. 
Grohmann, S. 341»— 361. Roehboli T, 8 und S2. 



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Myifaudie Tbiera. 



181 



in das Thai herabstürzen und das ganze schdne Dorf Bezau 
fiberschwemmen und verheeren 

Simrock, Mjth., S. 249. «Die Schlange, das Sinnbild des 
Wassers, bedeutet die fenchte, neblige Winterzeit'. Bochholz 
n, 12. «Alle Draehensagen s[)ielen an Gewässer und Snmpf. 

»Wenn ein Bach die Berge herunterrauscht sagt Schleuchzcr, 
„nnd große Steine und Baume mit sich führt, so pflesren die 
Aelpler zu sauren: Es ist eiu Drach ausgefahren". Dasselbe bei 
Grimm, Deutsche Sagen, Nr. 217. 

10. 

Der JoierblllieL 

(Elseosohn, 8. S9 f.) 

Am obem £nde des Doifes Bezau erhebt sich mitten im 
Felde der sogenannte Jolerbühel. lieber die Entstehung des- 
selben wird Folgendes erz&blt. Es kam einmal ein unbekannter 
Bettler in ein wohlhabendes Bauernhaus, das vor Zeiten an der 
Stelle des Hflgels stand und von einem schönen Felde umgeben 
war, uii'l bat den Bauer um eiu Almoseu. Doch dieser 
geizig und hartherzig und wies dem Bettler barsch die Thüre. 
Da drehte sicli das unbekannte Älännlcin noch einmal um und 
sagte mit drohender Miene: , Warte nur, ich werde dir etwas 
dafür bringen!" Doch der Bauer ließ sich durch diese Drohung 
nicht einschUchtern, sondern > die Worte zu einem Ohr hinein 
und zum andern hinaus. Kaum aber war das Männlein aus 
seinen Augen verschwunden, so schwärzte sich der bisher wolken- 
lose Himmel. Bald h^rte man vom Gebirge her, aus dem soge- 
nannten Gräboutubel. ein fiirchterliehes Tosen, und ehe man 
sieh's versah, stürzte das Wasser in Strömen aus jenem Tobel 
herab und führte große Steine und Tannen mit sich und über- 
schwemmte und flbersehtlttete damit die Felder. Und mitten in 



') Uebin- Verheerungen ausfalttrender Drachen vgl. Zingorlc, Nr. 214 f., Alpen- 
boif, Kr. 162. 



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182 UjUiltolie TUera. 

den tobenden fluten eraclden audi jenes unbekannte Männlein 
mit einem großen Dracben^), den es an einer reiben Scbnnr 
fflbrte, und blieb ober dem Hanse des Bauern stehen. Der 

Drache stieß alle von dem Wasser herabgerollten Felsblöcke 
und Baumstämme mit seinem Schweife ^e^en das Haus dessel- 
ben, so dass es mit Mann und Maus vcrschfittet wurde und 
dim nich darüber noch eine bedeutende Erderliöhung, ein ganzer 
Hügel, wie er jetzt besteht, bildete. Nachdem das Männlein 
auf solche Weise die an ihm yerflbte Lieblosigkeit gewicht hatte, 
führte es zur grüßten Verwunderung der Leute den Brachen an 
der reihen Schnur mitten durch das Dorf hinab, schlug dann 
den Weg über das irebirg gegen Andelsbuch ein und verschwand, 
und keine Seele konnte erfahren, \ve<ler wulier es gekomiiien. 
noch wohin es mit dem Drachen gezogen sei. Der Jolerbühel 
aber breitet sich mit langgestrecktem Rücken noch jetzt mitten 
im Felde aus als warnendes Beispiel, wie Lieblosigkeit und Geiz 
auch schon auf Erden bisweilen bestraft wird. 

Der reihe Faden ist im Volksglauben das Symbol der Be- 
sitzergreifung und dient dazu, dienstbar und leibeigen zu machen. 
Vgl. £ochholz II, Nr. 470 nebst Anmerkung. 

11. 

Der Drache und das Venedigeruiäimlein. 

(MQndUeh. Sonntag.) 

Vor Zeiten hat in der Gemeinde Sonntag, im obern Walser- 
tlnile, ein füivhteilicher Dradie gehausot. der unter Leut imd 
Vieh großen Schaden anrichtete. Kein Mensch wusste, wie der 
Plage abzukommen sei. Da kommt auf einmal ein Venediger- 
männlein, und das setzt sich ohne Furcht und Zagen auf das 
Ungethttm, reitet darauf durch das Lutztobel hinaus und 
schwenkt unter der LutzbrQcke lustig noch sein Hütchen, und 
von der Zeit au ward von dem Drachen nichts mehr gesehen. 



>) Vgl. Veroalekeu, Nr. (jo uud ^Upeuboi^, Nr. '21ö. 



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Mjrthüche Thiere. 



183 



12. 

Ber Drache im CialiinatobeL 

Beim Nesselbrunnen im Gallinatobel liegt ein groß- 
mächtiger Stein, der sogenannte ,Herahüs-Stf Erstandehedem 
auf drei andern Steinen, und man konnte unter demselben bequem 
ans* und einkriecheD. Ein Geißbub bat das oft practiziert und 
etfichemal blinkende Bießle und Batzen unter demselben gefun- 
den. Des Geißlers Tater, dem das schöne Geld in die Augen 
stach, kroch auch einmal unter den Herahüs^te; aber da ent- 
stand ein fürchterliches Wetter, es donnerte und blitzte, und der 
Regen floss in Strömen; der Bach gieng haushoch und wälzte 
.gewaltige Rüfimassen vor sich her, so dass der Geldsucher die 
hdcbste Zeit batte zu flieben. Seit jener Zeit ist die Höhlung 
unter dem Hlrabüs^tf yerscbwunden. Ein fabrender »Sebueler" 
bat daaelbst emen Scbatz verborgen, und ein Drache bfltet ibn; 
letzterer ist es auch, der jene fOrcbterlichen Wetter macht, die 
das Tobel heutzutage noch so oft durchtoben. Es geht auch die 
Prophezeiung, der Drache werde einst das Tobel hinausfahren 
bei schrecklichem „Unwetter*", dass die Umgebung (Läz, G am - 
pelün, Gadon) glaubt, es sei der Welt Ende gekommen. Wer 
dann auf der gedeckten BrtLcke bei Feldkireb steben bleiben dOrfe, 
werde steinreich werden. 

13. 

Die Eidechse und die Schlange. 

(Mfindlieh, ])<Mnbini.) 

As i§t amäl a selogueta Mä gsi, der 's nia fibers Herz beat 

briijgo künno, anam Thierli ebbas z' thua ohne Ursach; bsunders 
gern beat er aber d' Heggoaßa ghic. und as heat em ordili' 
web thö inwendig, wenn ma so a üscbuldigs HeggöäÜli, wo asd 



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184 



kaom Meoscho a LOMle thuat« ffirsätzli* gmarterat heat. Jet« 
am&l schl&ft der ThieiMnd uf *xii Feld under am dicko Born !. 

Da kut a Schlango herkrocho fibern Weag, siechto da schlafe 
und will en orabriiigo. Sie l upit mit 'em Mfil a fnfblätterigs 
Kleblatt us 'em Gräs, leit em 's döt ane, wo sis Zoacha 's Herz 
lit, kröcht uf 'o Bom und will dÖt äbarschüßo ufs Kleblatt imddem 
armo M& i die ander Welt verhealfo. Jetz düslat a Heggoal5 
woalle TIS am BOscba fttrar, nimt *8 Kidblatt, leit 's danöbed uf 
an Stoa ond 9prmgt w!der furt, so gndth, a*s sie kä. Scblango 
k^t derwfl uf Bom, k§hrt sie om und snecht uf 'em Mft das 
grüa Blättle, merkt aber ko Zöächele, dass 's Kleblatt uf 'em 
Stoa und uid uf 'em Mä lit, schnfit mit aller Gwalt drüt" äbar 
und verschxneattrat si' schützli' de iiupf. 

Ble Eld«eliBe und der Heiland. 

(Mündlich. Vgl. Yeraalukon, S. 260.) 

A kifs HeggO&ßli kunnt und Inegt so bang, 
Wia elend üser Herr am KrAz dorn hang; 
Bald kröcht 's und kr^blet 's uffi über d' Wind 
Und leckt das heilig Bluet vo Ftieß und Häud. 

Derfür ist sider d's Lida ('hri^ti jetz 

Dem Thierli i si Grippli iuegset/t: 

De Hammer, d' Nägel, d's Krüz und Domakr^ 

Hät *8 abbildt i de Beinli noch zum Löh. 

Drum läse dem Oöäfili aine Schlich und 
Dur' Müralöcher und dur' und Hig; 
Es wir net z' schelta-n- und net z' tadla gnue, 
So anra iromma S§1 a Leidle z' thue. 



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l^irthiKliB TUtn. 



15. 

Zaunkönig. 

(Mündlich. Schruns.) 

a. 

Wo z' Bethlehem Herr Jesus Christ 
Im Erippeli noch glegen i?t, 
Se hat a Spinna Webba gricbtt 
Dem Wiehnächtkindli grad vors Gsicht. 

Maria, ra0 ersehrocka drab, 

Wfischi mit de Hftnda d* Webba-n-ab, 

Sie förcht, es niöiht dein licba Soh 
Das G§püii5t noch gar i Oga kö. 

Doch d* Spimia facht Ton neuem & 
Und zwflrnet Fäda drflf nnd drft, 
Und Yor ma nn' recht fütfi zellt, 

I?t scbo eü andere Webba geteilt. 

Zloft iffi a Vögeli noch k6, 

Eki d* Spinna gndth in Schnabel gnö 

Und hkt sie mnnter zdmmapickt 

Und ähi i si Kröpfli gschickt. 

Und jetz i§t d's Kind im Knppeli 
Yo alla Webba sichior gst, 
Und d*B Ydgeli hät due zem Ldh 
De Kfinigstitel dberkd. 

' Ma häüt das kli, bni Pickerli 
Dmm allwil noch d's ttZAktlnigli"; 
Es hupft 80 tm dur* Stüd und Hag 
Und singt und rU»chlet, was es mag. 

b. 

Zükünig hät amal a Wett 

Vor Zita mit dem Adler ghett; 
Und gwunna — 's i^t 7/ losna wert, 
Ma sfcht, wie £^ oft Größes närrt. 



MylldMlM TU«n. 



Wer wlter mög bim Plug i d* H6h, 
Hond sie anander wetU gg§; 
Der Adler föcbt afaha-n-ä 
Und lupft si Pfecka wie en M.^. 

Der Kü due flugt em w&dli* D&* 
Und ift en noch 7/ erwüsclia ko 
Und krücfat cm hemli' i sin Pflum, 
Es waß der Größ ke Zacha drum. 

Und wahrhaft majestätisch schwebt 
Und h6her, allwil höher hebt 
Der Adler si' zem FOrmanipnt, 
Es hat ken Og en meh erkennt. 

Ei^t wo nem due der Himmelsglaft 

Si Oga blendt. de Kopf er fa?t 

Scho da und dort a d' Sterna Schlacht, 

Sc hat er höfle Stillstand gmacht. 

Jetz ^tigt der Kli flugs us 'em Ptlura 
Und ruedert noch a wackers Trum 
Anandcnia' im luft'ga Mer 
Und würd bigotts! dem Adler H^r. 

16. 

KreuzsclinftbeL 

(MOndlicli. Nftaden.) 

Wo üser Herr und Heiland Jesus Christ 
Uf Golgatha am Krüs noch ghanget i^t, 
Se hät en Vogel nf *em Eruz m* gsetzt 
Und a de N9gel flig grupft und gwetzi 

Doch hert i§t d's Isa üser L^btig g^ 

Drum Schlacht der Vogel d* veigdbeiis dri — 

A kurze ZIt nu' hlkt er ghackt und pi<^ 

Und lueg! sin Schnabel i^t sch9 krflnimt und blldrt. 



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Hftliiiclie Tlüere. 



187 



Krüzvogel^) h&ßt hüügstags ihn drum, 
Er tr^t de Selmabel noch verbückt und krumm, 
I^t aber nimma bliebt bi grdß und — 

Es fallt em halt das liebli* Gschichtli i. 

Wenn schon in früher christlicher Zeit der Kreuzesbaum 
mit dem eddischen \Velili<»um, der Himmel, Erde nnd Hölle ver- 
knüpft, verglichen werden konnte, so darf man wohl heim Kreiiz- 
vogel unseres ]\färeheiis an den Adler erinnern, der. ein kluger, 
irielwissender Vogel, duf den Aesteu des Yggdrasil sitzt. 

17. 

Bie Habergeis s. 

• 

Um Nflziders sagt man, die Haliiergäß sei ein Vogel mit 

gelbem (lefiodcr und der Stimme einer Geiii; derselbe werde 
beim Bcgiime der Maien/.eit nur den Blicken bevorzugter Sterb- 
lichen sichtbar, und seine meckernde Stimme sei ebenso gut ein 
Frühlingsbote als der ]{ui des Kuckucks. Die mehr prosaischen 
Leute daselbst aber glauben nicht an diesen gelbgefiedcrten, 
früblingkündenden Wundenrogel und sagen, die Haberg&ß sei 
nicht mehr als eine ganz gewöhnliche und gemeine Kachteule^). 
(Mündlich. Nüziders.) 

Oft hört man imBregenzerwalde in stillen Winternäch- 
ten in den nächst gelegenen Wäldern Töne, die dem Meckern einer 
Ziege beinahe gleichen. Dieses Meckern schreibt das Volk allgemein 
der sogenannten liabergeiß zu. Dieses Thier ist in der Wirk- 
lichkeit nichts anderes als eine Nachteule, bubo. Diesel 1)0 soll 
im ganzen die Gestalt einer Geiß (auch emer Katze), aber Pferde- 
fQße haben. Ihr Geschrei bedeutet ein bevorstehendes Unglück, 
besonders den nahen Tod einer Person des Dorfes^. (Elsen- 
Bohn, S. 31.) 



•) Vgl. (Irimiii, Myth , S. 1088. 

-) Vgl. aber die flabergciü in Baiern SchmcUer II, IST. Simiock, S. o4'J. 
In Bflrs fignrtert di« Haborgeifl meiur alt Bntat, nit dran mu die 
Kinder sa schrecken pflegt Sie hat im ganzen die Gestalt einer Geiß, aber Pferde- 



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I 



188 M7liii8cb« Thiec«. 

18. 

Die Ameise« 

(HlkDdlicli. Schruzu,) . 

Herr Reinoko , vom Anstand kommend, schloff in seine 
Höhle, fand aber in derselben einen haarigen, grauslichen Fenk 
liegen und grässlich schnarchen. Höchlich erschrocken ob dem 
nnwillkommenen Hausinsassen, gieng Beineke zum Bären mid 
bat ihn inständig, er möcMe ihm doch den zottelten Kerl aus 
dem Hause schaffen. Meister Petz willfahrte und schritt gravi- 
tätisch der Fuchsböhle zu; als ihn aber dort der erwachende 
Feuk wiM aüsolmanto : ^Fluch, oder i' friss di'*. entsank ihm 
li.tii/ licli der Muth, und er trottete brummend wieder von dannen. 
Keineke wandte sich nun in seiner Verlegenheit an ilerru Isegrim, 
den Wolf, dem ergieng's aber bei der Fuchshöhle um kein Haar 
besser als vorhin dem Bären. Da erbarmte sich endlich noch 
eine rothe Ameise des rathlosea Fuchses; sie kroch unvermerkt 
in die Höhle, postierte sich in den krausen Haaren von des Fen- 
ken Hinterquartier und fieng an. derart zu krabbeln und zappeln, 
zu beißen und kneipen und mitunter auch noch einen scharfen 
ätzenden Saft umberzuspritzen, dass der Keiii\ voll des unbehag- 
lichsten Gefühls sich allmählich hin- und herwälzte und endlich 
winsehd davonsprang und so Herrn Beineke die Höhle wieder 
räumte. 



fdUe und ein Maul, dns eintr halb geöffneten >(ii<iuilu< (ital. jraniola, Haufbreche) 
gleicht, lu Frastauz vorsttht man uator HabergeiÜ einen großen Kreißel, 
der, durch eine eisene Vorrichtung weggeachnellt, zur grOfitea Belustigung der Kindor 
auf dem Zimmerboden sausend herumtanzt. 



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Yorscbiedones. 



189 



XI. Verschiedenes* 

1. 

Der C^oidkäppler. 

Es i§t amäl en Schue?ter gsi, der hat i siner Werkstatt 
drei schone rothbackige Öpfel uf der Fen§tersimsa z' §toh ghö, 
und da hond denn nach und nach Fluga a der Stubadille deu 
Obsgrueh gmerkt .und sind ^hoppawSs dena-n- Öpfel zaegfloga. 
Der Sclme$ter bromlet z*lrft zue si^ silb: «Was hond denn d* 
dia Eoga Hüga nf mma-n-öpfel z' sehaffa?* und schAcht sie 
fiirt mit ama L^derlappa; aber d' Fluga sind halt nä^ ama 
Wile wt^der ko, ge schnagera. Z'le§t vertobt 's afäha de 
Seh liest er, und er nünit si Lederkäpple ab 'm Kopf und Schlacht 
tichtig uf d' Öpfel ihi, und wo-n-er d's Käpple weder üflupft, 
sind ihra zeha müstod a den Öpfel kläbat. Uf das M&fterfftuck 
bildet si* aber min Schue^ter ^bba net Idtzel |: er setzt s! 
Kftpple sch^lb uf de Kopf, stemmt den Arm hol^rtig i d* l^ta 
und rüeft: ,Bini' net en bom^tarke Kerle, honi* net zeka unter 
%m Strach crschlaga? Wenn das unter d' Lut kunnt, heißa! 
die werden luega-n-und losa". üf das lauft der Güdi zum a 
Goldschmid und git si Käpple i d' Arbet, dass er em hochdütsch 
mit Goldbuech^taba drüfschribe: „Zehn unter einem Streich 
erschlagen". Der Goldscbmid lueget z'Sr^t de Schue^ter grauO 
^ und denkt f(tr si' s^lb: ,Dem i^t 6' d*8 Badle 1lBglofira\ thnet 
aber net dergltcha und verspricht, die agfrümt Schrift firdele 
■i' uiaba. Zer b^timta Zit kunnt der Schue§tcr wöder zum 
Goldschmid und fraget sim Käpple nä', und 's i?t richtig 
fix und fertig gsi; er probiert 's, und es §taht em guet. 
und d' Goldbuech^taba funklen, dass es a Fr6d i^t. ma 
si' ibilda, dass das Funkla und Glanza dem Herr Marter de 
Kopf noch gär verdriht; er kunnt bald uf *e Gedanka, d*8 
Hantwerk ufe^ftecka, Suk Sula ^ z* 1$ und derfOr i der 



f 



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190 



Yenchied«iiM, 



wita Welt si' z' zage a's en andera Goliath. Er veisumt si' 
nümma lang, nfimt de Weg unter d' Füeß und wanderet dur' 
Darfer und Städt i alla Uerra L&nder. Jetaaiual let sF der 
Goldkäppler uf süier Wanderig am a Bflhel zuehi i d*8 Gras 
und vertschläft. Uf 'em nämliga Bühel i^t a SchloBs gftanda, 
und der Schlossherr lueget grad zum Fenster tis, aber ganz 
trürig und tüsim. Es bat drum näinina 1 siner 'ma Wald en 
Eghöm ghüset, das rni d" Ofieter vernuelet und scho mengs 
Stückle Väb hat ver^tocha ghö. A guet Thal Dubia bätt er 
dem gge, der das T^thier baschget bätt, und d' me'nger scho bat 
um das fibotta Oeld si arems Leba drfk irerwäget gh6. Das alls 
gabt halt dem gueta Herr Gr&f riß Herza; und drum Ineget 
er so trürig und tüsem, wia*n-f säg, zum Fenster üs. üf §mal 
§ticht cm nännna en Glanz i d' Oga, er waß z'er?t net recht 
wober, und er§t, wia-n-er d's Fazanedle nürat und si' d' üga-n- 
öswüscbt und näher lueget, so sacht er ani Öchlossbübel zuehi 
ebmer liga mit ara schiniga Kappa ut 'em Kopf, ,Wer das si 
naag?" sSt er zne si' sMb, nümt a 8pectiTe zer Hand und 
gügglet, und dä lit richtig en Mjk am Schlossbühel zuehi im 
Gras und schläft und trSt a L^derk&pple uf *em Kopf mit der 
Ufscbrift: ,,Ihro zehn unter einem Streich erschlagen'*. Der 
guet Graf nirnt. das seien ihro zeha Männer gsi, und lauft gnöth 
de Scblossbühel aba zum üoldkäppler, kri]>ft en a bitz bim an 
Ohr. bis er verwacbt, und set due zueneni : „Los, du §tai*ka 
M»b, nüt für üguet, dass i' di' weck, i' hält der en Aliga vor- 
z%äga; es hüset scho J&hr und Tag i miner 'ma Wald en 
Eghöm, das richtet mer überpföchtiga Schada-n-^ thuet mer d' 
Güeter yemüela und d*s Väh ver9tfecha ; a guet Thäl Dubia honi' 
ofterniiU sehn wella dem ge, der das Uthier baschget lüitt, und 
6' meuger scho hat um das abotta Geld si arems Leba dra ver- 
waget, und das i§t wahrhaftig bidörli'; wärest jetz du net der 
recht Ma und künnte^t mer dia Plag abneb? A miner Erkennt- 
ligkeit Söll *s net f^hla!*^ — Der Goldkäppler loset und bsinnt 
si* net lang und 8§t: ,Jä frfle, dä Gfalla lt& der scho thne, 
dem Bäfti bin i* ^s". Er hänkt due en neugsehliffna Säbel um 
und wanderet guets Mueths dem verruefna Wald zue. und wia-n-er 



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Terschlodaaes. 



191 



zwüscha den erijta Taima witer marschiert, se rüschet's im Ivriss, 
und 's E^duhii springt uf en lös; er aber, net ful, stellt si' 
guöth hinter 'na Tanna, und 's Egköru im volla Bisa ka si' 
nfimnia-n-erheba und bohret si' mit sim grada ?pitziga Harn a 
der Taiuia»n*a; der Goldk&ppler aber, de zogna Säbel i der Hand, 
fflehrt w&dle en mordsm&ßiga Strach umme um d* Tanna^n-nnd 
haut dem Eghöm de Grind ab. Drüf ntlmt er den abgschlagua 
Kopf a's Wihrzächa i d*s Schloss, und der guet Gräf voll Fr6da 
niaclii en zum a ^tericha ^la, bhaltt en für albi» im lius uud 
gil cm mit der Zit net noch 4 liebligs Töchterle zem Wib. 

Dieses Märchen enthält unverkennbare Züge der Siegfrieds- 
Sage. Der Schuster ist nkht mehr und nicht minder als ein 
später Epigone Siegfrieds, des Sohnes Siegmunds, aus dem auf 
Odin selbst zurfickgehenden Geschlechte der Welisunge. Siegfrieds 
unbezwingbare Kraft, Schwert und Tarnkappe sind auch dem 
Helden unseres iVlärchens eigen. Das Einhorn ist der Drache 
(Lindwurm) der Siej^'frieds-Sage und des Grafen Tüchterlein, 
Chricrahilt, das burgundische , schöne magedin", wie unsere 
Nachtigallen sangen. — £s werde hier nebenbei bemerkt, dass 
auch noch einige unserer Gesehlechtanamen an die Träger der 
deutschen Heldensagen erinnern, als: Seifried, mundartlich 
Sifrld, in und um Feldkirch, anhfirnen Siegfried, Hagen 
in Bregenz, an Hagen von Tronje; Albrieh in Dombim, 
an den Zwerg Alberich, Dietrich, im ganzen Lande zer- 
streut, besonders aber bei den Oberwalsem (burgundischeu Stam- 
mes) vorkommend, an Dietrich von Bern. Den Namen 
Dietrich, zumal Wolf Dietrich führten auch inehrere 
Glieder des ehemaligen leier- und waffenkundigen Geschlechtes 
der Bitter, spätem Freiherren und Grafen von Mohenems, in 
deren einstigem Wohnsitze bekanntlich die zwei ältesten Hand- 
schriften des Nibelungenliedes (die Hohenems - Lassber- 
gische C und die Hohenems-Münchner A) aufgefunden 
wurden. Ein Dietrich von Ems erscheint auf dem Turniere 
zu Köln am Rhein i. J. 1079: Wolf Dietrich, Sohn des 
ersten Freiherm von Ems, Marx Sittich, vermählte sich 



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I 



192 

im Jahre 1 530 mit Clara v o u M e d i c i s , der Scli wester Papst 
Pius IV., und starb im Jahre 1536; Wolf Dietrich, Sohn 
des ersten Grafen tod Ems, Jakob Kannibal, starb 1591 
zu Maüand. Diese Anklänge an die deatschen fieldensagea ge- 
winnen fast an Bedentang, seit Fr. Zarncke in den .Beiträgen 
zur firklftrtmg und Gesebichte des Nibelungenliedes' (Leipzig, 
1857) die Aufmerksamkeit auf Tirol mit den westlich und 
östlich angrenzenden Gebieten als die Heimat der 
deutschen Heldensage überhaupt, besonders aber des Nibelungen- 
liedes mit erprobtem Geschicke und Scharfiainne gelenkt hat^). 

2. 

Die drei Buben. 

(MündUch. Bürs.) 

Vor *ma Hüs i$t an Bierabom gftanda, der hät goldene 
Biera trgt, und der Ätü g&ht und sdt zu aim Älte^ta: »Los, 
gang und bring dem König Ö* a Mflfterle von ^isera Biera, ma 

hebt villii;lil an Ehr üf dermit, denn i' hur. er soll dervo Lieh- 
haber sj". Der Bue gnht mit ama Krätlla voll d^jra Hiera dem 
Künig zue und bigeguet unterwegs bi 'ma Brünnele ama §taalta 
Wible, und das Wible fraget : „ AVohi so nothig und mit Verlob 
z' fräga, was hä$t i dem KrätÜe?'* Und der Bue schnerzt: 
«Goh thueni* ge TripstrfiU, und ho thuenf im Eratta an — 
Dreck^ Drüf s§t 's Wible: »So söU *s Dr^ek si und blfba!« 
Wia due der Bue zum Künig kunnt und sin Kröm üspacka will, 
so i?t halt 's Krättle richtig volla Dreck, und der Künig macht, 
ka§t der ibilda. üuig große Oga-n-i das Krättle ihe und lat de 
Bue i der Tobi in Keller $pera. A Wil drüf set der Ätti zum 
Anderälte^ta: »Los, gang und uüm 5' a KrätÜe ToUa Biera 



') Bei d«m Geschlerhto dei Uoncu vuu Chuiuuuaten (deut;ii nach J. Zin- 
gerle A 1 b r e c h t v o ii K c ni c n a t e u angehört), den Dicastiuouuen der gewaltigeu 
Dynasten toh Täufers in Tirol, war der Name Volker (vgl. Volker tod Alsei int 
Nibelungenliede) Ulofig gebrtnclilich. Zingeile vefat nrkondlkb einen Volker m. nndi. 
Siehe den Tlrolerboten tom 11. Apiil 1S57. 



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T«n«1ki«dflBM. 



193 



und bring 's dem Künig und lueg, wo üser der Grröß blibe". 
Der AnderäUe^t g&ht und kunnt bim Bifinnele zum sMla-n-alta 
Wible und gft em de nämliga-n-Ubseh&d, bringt aber derfOr 6' 
*8 Krittle ToUa Drkk zum Kflnig und wflrd zer Sträf im Keller 
dun bim Bmeder iquartlert. Wtder a WO drOf s$t der Atti 
zum Jüng^ta (es sei sos a bitz en Lappe gsi): .Los, jetz raua§t 
halt du 0' noch //weg mit Biera und nahi. go luega. wo d' 
Brüeder seien: es will, schint's, ketwedera meh z'nickkö". Der 
Kli lat si' uet lang häßa und nümt alagmach de Weg unter d' 
Füeß a Krättlc volla BierarU-am Arm. Bim sella Brünnele 
friget en das alt Mfleterle: «Wob! so ndthig und mit Verlob 
firlga, was bä^t i dem Krattle?' ünd oifaberzig und bfir- 
wtlrdig s§t er: ^Göh tbueni' ge Hof, und h6 tbueni' im Krätüe 
a pär goldene Biera, dein Kiinig zum Kröm"*, und s' Wible set 
drüf: ,So söllen 's goldene Biera si und bliba!*' Wia er due 
bi Hof zum Künig kunnt und 's Krätüe mit de schona goldena 
liiera-n-üslert, so i§t er ünig selza kö, und der Künig lat us 
lauter Eröd die andera zwä Bueba-n-üs, gtt aUa mitnaud fümehm 
z* essa-n-und trinka und bim 0^ ama jeda nocb en Krdm 
in Sack zum Hftmn§b für den Ätü. 

3. 

Bm Frttnlein Ton Bnekburg. 

(HOndUeb. Bregeiu.) 

Uf der Kuckburg i?t vor Zita-n-a Freile gsi. das schonet i 
der Geged; menge Kitter hei's wella zur Frouw, aber 's Freile 
i^t nomma tÜ emfftii' gsi und hat iht wella manne. Amälc 
gibt as am en Abed $paziera und trifft a BeatLere dia ju^t 
am Weag dana stricket, und dia Uagt dem Freile d' NOtb und 
briegget und yerzellt, was sie scbo bei mitgmaebt im trüriga 
Leabe: .Ihr thatet 's iiit gloube, g?treng Freile, was i' miner 
Leabtair bo glitte! und Ihr wisset halt eba-n-iht, was Kummer 
und Sorg i^t*. Mi Freile sckmullelet: „Ei sag mar, was Kum- 
mer und t)org sei", und git dem Wible a Bießle. 'S Beatler- 
wible aber gft dem Freile de Kneiel Garn und seit: «Da 

Dr. F. J. VonbuD, Skgea Vurarlbeivs. Iti 



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194 



VendiiedenM. 



tr/isfct dä Kneirl in Taiincwald uft'e, bis Ihr d' Sei tiudet viim 
Kiif'icl, flenii et fahret Ihr b^tiiiimt, gijtreng Freile, was Kummer 
und Sorg i§t". Mi Freile nimt de Kneiel und gabt munter in 
Tannewald uü'c und windet Tor em &Di de Kneiel ab. Eteeda 
&ngt as ft langsam dtmera, und mit der Dfinlde gäbt de 
Kneiel Da, und mim Freile bltbt a Bomnnss, nf dia der Kneiel 
ift gwunda gsi, i der Hand, und dia fiomnnm i^t d* S^l vnm 
Kneiel, und mi Freile sieht etz frili' i, was Kummer uud Sorg 
ij<t; denn das zart Ding ^taht etzeda im a Schwarza Taniiew ald, 
moieiselgs alloa. wuaHt köii Weag, kön Steag znm Schloss z'ruck, 
hat Hunger und Dur§t, hat nix z' eaüe und nix z* trinke, möcht 
schlafe und hat kö Bett, möcht si' wanne und hat ko Stube; 
dä fangt as briegge und ver^priclit, wenn aa wider zn Lite 
kumm, gang as Ts Eld^ter. Drflf g&ht as allad wtter dur 
Tanna und Foahre und beatet vor em fini, und der kalt Nacht- 
Inft yerzuslet em d* Locke. Mit oam&l sieht as a Lieebtli dnr* 
d TuiHie flimmere und schreit üf vor Freude und gabt ni's 
Lici htli /Aie und kunnt zu 'nar Hfltte und klocket : an alts 
buckelegs VVible, a Liecht i der ilaud, thuet üf: «Hon mi' 
doch über Nacht", seit 's Freile, ,,i* bi verwirrt und find kon 
Weag meh hörn*. ,Nu so sei as*", seit 's Moterle und fflehrt 
's Freile i d' Stube, »aber*, seit as, »des Ding i$t it sicher, V 
fflt'cbt, der Jfiger kumm; des i^t an wilda, fidreaßene Kerle, der 
nix, was Mensch boaßt, Ilde will, nu* mir tbüt ar nix, i' sei 
sehe gschlage guue, seit ar, mit mim Huckel. Tägwis gäbt ar 
lurt und passet ufs Hochgwild. und a gnttwill kuunt ar hiueclit 
nirama"*. 'S Freile loset und schnufot voll Kummer und Sorge. 
Uf oamal hört ma's beallc und hine, und der Jäger i^t vo'r 
Hütta und fim-cbet. 'S Freile, ^tühawiü vor Schrecka, springt 
tf und will fliehe, aber unter der Thör verknnnt as dem Jäger, 
und der zieht sin S&bel und hont em das flatterig Har ab. 'S 
Freile i$t fr6h gst, dass em der Kopf noch i^t ^tdh blfba und 
ii?t im Wald witer gloffa. — Das Ift gscheaha im Herbst. Aber 
dem Jäger i§t vu der Zit ä ni]iiiüa meh wohl gsi; 's Bild vum 
sella Freile i?t em. wo sin Zorn ist verrocha gsi, aliwil vur d' 
Sei kO. Er macht Kräuzle und lilüemie us d's Freiles üir 



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Tenehieden«e. 



195 



und lueget sie ä und briegg-et. ^Wibl« -. seit ar uf oamal zu 
siüer WirtschäafUre, „Wible", seit ar, .m\ rißt as ctz witer, T 
gaog und suei li mer des Freile, ohne dea Engel käni' 's nimma 
prS^tiera*. Und der Jäger zieht furt mitta-n-im Winter und 
gaht wtslos vu Schloss ze Schloss, aber niena findt ar s! Schätzle. 
Endli* knimt ar im 8chwabeland zum a Klöster und beatlet a 
Suppa, und wer git em sie? — 0 's Freile vu Kuckburg, si 
Schätzle. — StüliewiO wearen beide, und d' K16§terfrou schlecht 
gschneall widei d' Thür zue; der Jäger aber Iii am andere 
Morga verfröra bi'r Pforta. 

Dieses Märchen ist eine seltsame Mischung der griechischen 
Mythe vom Faden der Ariadne, der grermanischen Sage 70m 
wilden Jäger und einer modernen Liebeägeschichte. 

4. 

Bas Bftnerlein« 

(MflndlMb. Ragcti.) 

'S i^t aniiil as Bürle gae. das hed as Hüs, as W ib und as 
Ohüehle gcha, aber che Handbreit Boda derzue. 'S Wib hält gära 
gmolha und gohet, und 's Chüehle hätt gara gfressa und wohär 
nßh und ned st^la? Aber '0 Burle weiß i^i' bmd en lUth und lad 
$f8 Chfiehle mir nöd, dir nud uf de GOeter va de Näebbüra u& 
Gflchand gob. De Näcbbüra i^t aber das bäld erleidet, und $ie 
gönd US Täibe, bringen *8 Ohtieble om und ven^^hen d' Hf)t, dass 
der Sclielm ^ie ned chOnn giirba lo. Wo duu am Abed 's Burle 
's Chuehlc heihola will, so tindt 's das arem Thier möst(3d im 
Gras ligga und va de Sticha i d' Hut gtinz voll Bluet, und gal 
und grüa vor Zöra schwerd 's, de Büra-ne amäl a Suppa z' 
chocha, dass gwnss all drf gnue ha sötten. Dua sehleipft 's 's 
Chfiehle hei, zacht em die yei^tocha Hüt ab und träid $ie am 
andera Mdrget zum Gärber; »TÜltcbt", meint % ,gtd er mer 
dächt a pdr Batza derffir*. BerGilrber ift ned graddehej, aber 
d' G4rberi hed äu' as bitzle va der Hantierig ver^tanda, und ?ie 
lueget d' Hüt jed abti bald: ^.Ja. iAlänndle, das i?t a Keitera 
und che Hüt, ich cha der nüd dertiir ge*". 'S Bürle jöuieret 



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196 



Tfttsdiiodenet. 



und jed. soll em sos ättes ge, der Gotis^illa. W Girberi 
gäid und holt em as Gfitterle Brantaw! und a pär döiri Bieia* 
flchmte. Wia dua Burle isst und aüft und sehmatzget, chnrz- 
wilet der Glrberi Bnebi uf der Läaba duss. üf der Lftnba-n- 
i^t ftn* en Uta Tro^ g^tanda, und *b Bnebi gäid, hebt 's Lid 
üf, schluft ihi und versteckt dre, wia halt die EÜdrkhzigd 
Bueba bim Ilusl i-Ti-aUevlei IWl hend. Da3 alls hed 's Bürie 
gseh, denn d' Stubathür i§t offa gse, aber d' Garberi hed derwil 
neißa büezt und nüd dervfl gwahmet. 'S Bürle süft noch as 
Wüe a 9ün Braotawi, lueget aber i eim furt uf dea^ Trc^, 
ob *s Buebi wtder uaserehdnun. *S Buebi i^t aber neißa nOmma 
fGrhercbd, und 's Burle beiemaMb: «Der i^t gwflaa vertr 
schläfa*. Bim Goh jed 's dua zer Garberi: „Wotteuder mer 
ned da Trog dört uf der Läuba ffe. ich thßten mangla zum 
Chöra", und d' Garberi lacht und je'd: ,Wenn der mit der 
älta Küttig dianet i^t. so nöm ?ie hält mit der*. Da nömt 's 
Bürle de Trog höfele uf de Buggel und gäid mit em derva und 
ftüd der G&rberi *8 Buebi, denn daa hed im Trog hert gaehlafi. 
*S Burle ^d as Wlle mit $her Bürde und chond uf en St^, 
der flber *na8 tftifs Tobet fOebrd; dä. achottlet 'a am Trog und 
rüeft: ^Ich würf de Trog i d's Wasser**. i>u ei-wacht der Bue 
im Trog und h6rt 's und rüeft i der Ang§t: ,Nei, nei! ich bi' 
im Trog"; aber 's Bürle thued ned derglicha und rüeft: „Ich 
würf de Trog i d's Wasser". Der Bue chond scho i Todsängfta 
und rüeft noch am&l: ,Der Gottawilla, ich bi' im Trog*, und 
dä j^d 'a Bürle: «Loa, Bue im Trog: D! Mueter hed mer dä 
Trog gscheicht, und jetz i^t er mi, und ich cha mit em thue, 
was ich gära will; wenn d' mer aber hondert bairisclie Thäler 
g§ Witt, so will di' üslo*. Der Bue verspricht 's, s' Burle ^telld 
ab, macht 's Lid üf, lad de Bue üs, gäid mit em hei und chond 
hondert bairische Thäler öber. Monter cbehrt 's drüf heimet- 
2ue, und iria *8 uf deaella Steg chond, ao $täid der Trog noch 
a'a a lera da, und es nGmt en und würft en holöpa i^s Tobel 
ähi und lacht: «Was brüch ich dia Ut Bu^tig ze m&ia hondert 
Thffler?* Wia 's heichond, zeiget 's de Nächbüra §in Hüfa 
Thäler und j^d, es bäi §ie för die ver§tocha Hüt öberchö, wil so 



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Verschiedenes. 



197 



a dureliflifihtige Hut ättos selzes ^ei. Bftra losen und luegea, 
und dia hondert SilberthSIer fQr an einzige Hüt ^chen 'na tmg 

i d' Äuga, uüd nach und uacli meinen:^*, Chüeh ^eien zwar nütz- 
lige Thier, aber so en Hüfa Geld für d' Hüt vam Tisch ^tricha 
w§r hält dächt äu' iied letz, und gond nnd metzgen d' Chüeh 
und verlöcheren d' Hut. 'S Bürle lacht $i' halba chrank derbei; 
aber d's Lacha wSr em bald verganga; denn wo d' Büra mit 
de verl(k$berta H&ta zem Gärber cbonunen und for die hondert 
Thiler wacker üaglacht werden, so fftigt 'na 's Bluet in Ohopf, 
und furtftub chommen?' bq und reden &b, i d'r Nacht zum 
Fejfter va d's Bürles Schläfe h am mera jhcy/lenj^m und om de 
Gärüa z* ge. Aber d's Bürle hed das neißa-u-erfahra, und am 
Abed jed 's zcni Wible: -Los. wotte^rt ned so gnet und 
hiniclit a's Feister z' ligga, ich as bitzle d' Sträucha, und da 
möcht mer de Luftzug ätta ned guot thue". 'S Wible thued 
em de Gfalla und leid ^i' a d's Fe^r. Om Mittemacht chom- 
men d' Büra, langen zem Fei^ ftd und veiftächen das ärem 
Wfb und hend gmemt, jetz feien?' dem Bürle äbchd. Aber 
dem Bürle i^t noch wohl gse onter der Bettdecki, und sobald 
d' Büra ^iiui iurtgse, so nömt 's das töd WIb, as Spinnrad und 
en Stuehl und träid die ganz Bürde nütta-n-uf d' Land^traü: 
dert setzt 's d' Lieh uf de Stuehl, $teUt 's Kad vor?' ahe und 
richtet ara d' Hand, a's thet^' §pinna. und drüf versteckt as 
§i' i der Ndhi und passet. Jetz am Mörget i^t en H&rra in ara 
Sehüsa im grü^ta Galopp uf der Land^träß gföhra chO, und 
wia-n-er d' Spinnere mitta-n-uf der Str&ß siehd, so rüeft er: 
„Flücb, fluch!* Aber 's Wible ift hklt ned ösg^vicha, und vor 
der liärr d' Boss z'ruckheba cha, fährt der Waga bcho drübeil 
üs. Der Harr, grcusele erschrocka, hebt 6he, stigt üa und zücht 
's Wible onder dem Waga-n-usser und mercht, dass 's möstöd 
fei. Käthlös und ^tühableich §täid er da und lueget om, ob 
en niemed s^e, dass er gschwöng derrffähra chGnn; aber im 
sWa^U'Augablick chond 's Bürle fürher und räsonierd mit dem 
BSim wia wüethig, dass er em ffs Wib Überfähra bfti, und es 
: werde bim Grieht d' Azeig maha. Der gnot Hftrr meint, er hfti 
scho de Galgastrick om de Hals und jdd: ,Lueg, Männdle, ich 



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198 



VerBcfaiedeoeR. 



will der die ganz Schesa mit de zwo liäpa 16. wenn d" mich 
i»ed bim Gricht azeige^t". 'S liurle jed: ,Nn. das >i' hora. 
und mir §iud Handels einig". Der Härr gäid tüsem witer, und 
's Bürle ?tigt i d' Schesa und fährt gravitetisch heimetzue. Wia 
'b dehei dur' 's Dorfle fahrt, machen d* Büra d* Feister t£ und 
luegen, wu dächt ffir en hoha HUrr gf&hra chomme. Aber wo 
^ie *8 Bürle wia en Gräf i der Sch^a sntza sehnd, d^ wissen?* 
nöiniiia, wiu im gschiehd; z'er^t meinen?' gär, es ?ei der Gei^t 
vam Bnrle, er?t wia 's fisfftit^t und ua gueta Morget ziierfieft, 
gläuben?', dass as der 11 aimes §ei, und näätnä' chommen§' zueher 
und wonderen, wia 's dacht zu der cho^tlicha Männi ch6 ^ei. 
'S Bürle verzelld 'na aUs härchlei. B' Büra losen und luegen, 
und z'le^t g^nd?*, tödten d' WIber und Qtellen d' LIcha uf der 
Landiträß n^bet de Spinnrftder üf und richten *na d* Hftnd, gotlr 
versprich, as thSten§' ?pinna; freile i?t hält chein so närrscha 
Härr gfähra cho. und d' Bftra ^inä wider agfOehrt gse. Das i^t 
de gueta Büra dächt afoh z' räß gse, und sie packen *s Männdle 
bim Chraga, binden 's in en Sack und wenn 's in a täife GüUa 
weife, vorhär g6nd§' aber noch mitnand hei und wennd bim a 
Gütterle Brantowi Guraschi üusa und 16nd 's Münndle im Sack 
ligga. Z'er^ hed's dr$ ünig g^perzt, um usserz^chd, 's hed aber 
nud gnfltst. will *s der Zuefall, dass en Sehwttrfber a Hab 
F§rle i dersella Gegni vorbeitribt; 's Burlo im Sack hord en 
neißa chö und rüet't öberlüt: „D' Chönigstochter gähr ich nüd*. 
Der Schwitriber hört 's und deicht: „Ich wott ^ie acho", und 
gäid und bindt de Sack üf. 'S Bürle chond usser, und wia der 
Schwitriber fraget, wia 's eigetle mit der Chönigstochter ^tande, 
so 's, der OhQnig häi as vthrars T<kshterle, und zu dem Töch- 
terle ^eien sotÜ Prinza zer Stubete chö, dass das seh6 Mäiggi 
ümügli' zun ara Wähl häi chö chönna; da ^ei der Chönig er- 
taubet und bäi verchönda lo, wer ^i' siba Stond lang in en Sack 
?pera läsa, dä müeß 's Töchteiie manna; as selb häi §i* «Ino 
z'er^t derzue abotta, es §ei em aber z'lengs worda. Wo der 
Schwitriber das hord, se jäd er gschwöng: ,Dia siba Stond 
kidt ich sehe üs, ^ei däidit so guet und pack mich in Sack }hi 
und thue dem Chönig brichta, ich will der g&ra die ganz Hab 



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TenoliiedoiieB. 



199 



Feiie lö". 'S Männdle j^d: „Ich will em scho brichta", und 
bindt de Schwitriber in Sack und fährt mit der Hab F§rle dervjk. 
MitCLerwÜ chommen d* Büra and werfen den Sehwitnber, der 
scho meint, G^püsa chomme, i d* GUlla und gond wider hef. 
Non ara Zit gäid 's Burle gravitetisch dui' 's Dortlt' und tribt 
§ine Hab Ferle vor em ahe. Wia 's d' Büra sehnd, so machen?' 
hält z'er?t wider as Unigs PAr Auga und drüf chommen?' ga 
wondera, wia 's Burla dächt zu dena Ferle chö ?ei. 'S ßürle 
verzelld: ,Ich bi' i der Gülla täif, täif ahigs^ba, und uf einer- 
mäl bin ich ^t^b bllba; ich hantier und fperz a Wfl im Sack, 
bis der Bändel üfgäid; ich chomma usser us *em Sack, und wo 
meinender, bin ich gs% — im Oflilawassa memender? Na hileib, 
in ara wonderliebliga Gegni bin ich gse. wo der Himmel iio(ih 
amal so blauwa und d' Rösa noch am^U so roth sind a's bi un?; 
ich ha gschwöng gmercht, dass das Outeiwelt i^t, und bi' as 
^y^h ^!>aziora gganga und hu mer 's Haß va der Sonna tröchna 
lo. Wia ich so g^h, siehni* nf ara Wisa a Hab ?am schdnfta 
Ylb: a pftr ^tolze güe Ghfleh mit wUSa Stenile nf der Stima, 
mit breita gfiE^beta Sch^llriema und Singdßa dr^ wia chleine 
Glöckle; witer hani' gseh en Fäsel propere Gäiß und Schaf mit 
Gitzi und Lämmle und Schwi mit Ferle. D' Schwi und Ferle 
hend mer am mei^ta gfalla, und ich h(i nirr drum a Hab mit 
mer gnn. Was de ^\hg i d' Onterwelt abelangt, so i§t der dur' 
d' GOlla der neh^t. Die ftoiza Ohfieh mit de breita gfärbeta 
Seh^lhriema machen d* Büra wider halba nftrrscb und xleft g&r 
nSirscb; fie werden einig, äu* as Gftnglei d* Onterwelt z* maha 
und Veh ufferz'holla. Dermal wenni?* aber d* Sach gsehfd agoli ; 
ein Söll förüs?pringa. mähen?' üs, und mercht er, dass d" Unter- 
welt chont. so Söll er niefe: „Sie chont!" Rüeft er aber nüd, 
so Söll man eu weidle usserzüha. Ma gäid zer GüUa, der Wäg- 
bals 9l>ringt und plomp — dre leid er. Die andere meinen, 
das «plomp" heiße , chont und $pnngen nä' und ersüfen. *S 
gsditd Börle ift dua Erb vam ganza Dorfle wdrda uiid en rk^ha, 
ilcha Ma gs§. 

Vgl. das Märchen unter derselben Ueberschrift in den Kin- 
der- und Hausmärchen der Brüder Grimm. 



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200 



TenddedeMS. 



5. 

Der Rotlikopf. 

(MQodUcb. Bfln.) 

Es sind amäl drei schöne QrÄfotöcbteni gsi, en richa Herr 
US der NAchberschaft, aber en Bdthkopf, i§t lang zne 'na 

Hengert ;;ganga. Mit der Zit ruckt der Holdcr^tock ussa mit 
der S])rH(*li und haltt um die altert Tochter (i. D' Tochter set 
net iiei. und der Graf \i> em 's o* net ah. kurz, os git eu Schick, 
und der Köthkopf fährt mit der neua Frau siin Schloss zue. A 
par Wucha drüf will er a Käs maha und set zer Frau: „T 
mueß i Gachaita-n-a Wüe fürt, und dä gib T der derwü d' 
Schltlssel zum ganza Scbloss und dä noch en Ei i d* Hand, 
aber los: Verbrich mer büelb das Ei net und gang mer net 
i d' Kammera Nr. u u u i , sos küunl 's rüch Wetter ge, wenn i* 
wider liauikumm'*. D' Frau nümt de SchlQsselballa und 's Ei 
und set: „Du ka§t di' uf mi' verlo* ; aber der Ma ist bioll zer 
Thür üsgsi, se hat sie soh9 der Wunderwitz öberno, und sie 
g&ht und macht d' Kammera Nr. nüui üf und gügglet ihi, 
aber, Herr Jesis! ift dia erschrooka; de Wflnde na' sieht sie 
lauter Menschakdpf a langa Spieß tfg^teekt; sie zittert und 
schnatteret an aüa Glider, und dä &Ilt ara uf fimdl *8 Ei us 
der Hand und verbricht uf 'em rüha Ä?trigboda. Wia due der 
Köthkopf hämkunnt. hat 's Wib halt keu Ei meh, und da hkt 
's due frile ruch Wetter gge : er guht und schlacht ara de Kopf 
ab und henkt en an en Spieß i d' Kammera Nr. nüni. — 
Es düret a kurze Zit, se g&ht er und kunnt zum Schw4her und 
Sit: »Die dr^t Frau i^ft mer g^tftrba, und jetz hätti^ gern Euer 
die andeitite^t Tochter*. Ma i$ em sie wider net ab, und der 
Bdtiikopf bringt das zw&t Wib i 's Hüs. Bald drOf thuet er, 
a^s wenn er wtder uf d' Bda mfleßt, und ^t bim Bhüetgott der 
Prau Schltissel und Ei i d' Hand und sIt: ^Gang mer net i*8 
Nro. nüni und verbrich mer da das Ei net, bis i' hämkumm'. 
Aber dem zwäta Wib gäbt 's ufs Düpfle wia dem er^ta: es gabt 
ga güggla, erschrickt öbematnrle, lÄt 's Ei falla und kunnt um 



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VemliiedeDes. 



201 



de Kopf, wo der Mfi i§t Mmkö. — Der Rothkopf kiinnt due 
das diittmal zum Schw&her: .1* h\ halt Bch9 wider Wittlig, 
jete gen mer 's J&wftrt flttr Euer die jdiig^t Tochter* (es sei d' 
a bitz a rdthleehte g^). Der Schwfiher 8$t: „Hon der zw& 

gge. se ka der die dritt 6' net absi**. Jetz will 's der Röthkopf 
bim dritta Wib mit Schlüssel imd Ei 6' probiera ; aber die dritt 
macht 's a bitzle gschider imd büezt 's Ei in a wuUis Blätzle. 
Zwar sie ka 's 6' net öberheba und lueget, wo der Ma ii^t furt- 
gsi, i d' Eammera Nr. nuni, sieht der Reiha n&' Menschaköpf, 
ond was sie gir Oberpföchtig eiginzt, zwft to den ftgna Schwd- 
9tera und erdatt;eret 6\ dass ara *s Ei yertschlipft nnd an Beda 
fallt, aber dem Ei hit *s d^rmäl nAt thne, wfl 's im a wullena 
Blätzlc gsi i^t. Wia due der Rothkopf hämknnnt und dem Ei 
nahfraget, trennt sie das wulli Blätzie uL und Ei ^täht da, 
ohne Kissle, ohne Sprüogle — ,a buudes Fässle ohne Rälie" 
wia 's Sprichwärt set, — und derfür i§t ara der Kopf §töh 
bliba; sie denkt si' aber beiraselb: «Wart, Ma, i* will der ^s 
giegaheiili* itdlnka*, und sdt denn amfil znenem, sie mOcht a 
Wfle zem Ätti hftm z* Hungert. Der Bdthkopf l&t sie (Ihne 
Widerred goh, und 's Wib kunnt ham und verzellt dem Ätti, 
was sie för 'neu Ma hei, und wia er mit ihrna Schwö§tera ver- 
fähra sei. Der Graf bi^imt uf dä Bricht üf im Zam, ruckt fis 
mit Knecht und schlacht dem rötha Toehtermä Hüs und Stall 
sämma, und ihn selber macht er um en Kopf kfirzer, wia *s 
billig und recht i^t gsi. 

Diese Erzchlnng ist ein Nachhall des ursprünglich firanzösi- 
schw Märchens Fom Blaubart. Der Ritter Raoul mit blauem 
Barte prfift die Neugier seiner Frau, indem er ihr, eine Reise 

vorschützend, den Schlüssel zu einem Zimmei aovertiaut, wel- 
ches sie nicht betreten soll. Da sie die i'robe nicht besteht, 
tödtet er sie. Gleiches Los theilen noch mehrere Frauen, bis 
endlich die siebente im letzten Augenblicke ?on ihren Brüdern 
gerettet und dagegen Blaubart getOdtet wird. 



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4 



B. 

SAGEN üiND LEGEiNDEN. 



I 



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I 



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1. 



SelYretta. 

(Nach 0. Theobald, Natorbilder tut d«n rhUäieheB Upen. fi.AiilL Chur, 1S62, 

S. 180 f.) 

Vor uralter Zeit kam fernher aus Welschland ein Fremder 
von litterlichem Anstand und gehoimniBvoUem Wesen mit Namen 
Alfonso Bareto. Terbaimt von der Heimat« suchte er eine Zu* 
flucht in dieser abgelegenen Alpenwelt und wohnte sich in emer 

Höhle ein, welche in der Nähe der jetzigen Stutzalp liegt und 
noch Barel ) Jlnlma genannt wird. Ihn begleiteten seine beiden 
Töchter Selvretia und Vareina. Das Volk erkaunte bald in 
Bareto einen Zauberer und fürchtete seinen düsteren Blick 
und seine geheimen Künste. Die beiden schönen Jungfrauen 
aber verehrten und liebten alle, und ihr Erscheinen brachte 
t&berall Glück und Segen. So gieng es lange; enpch starb 
Bareto. Seine Tochter gruben in der Höhle ein Grab, betteten 
den Alten in frischgepflflckte Blumen und bcgiuben ihn da. 
Dann kehrte Selvretta über iiie Eisgebirge in ilire Heimat zurück, 
Vareina blieb noch kurze Zeit, geheimnisvoll Berge und Thäler 
durchstreifend. Endlich ward sie gesehen, wie sie auf einer 
Felsenspitze stand, von wo man weit hinabsieht m das Prätigäu, 
sie streckte segnend ihre Arme gegen die Thäler und rief: 
«Glficklicbes Volk, ich schenke dir das zum ewigen jfrelen Eigen- 
thum". Dann folgte sie der Schwester und Terschwand. Nach 
ihr werden die Alpen genannt, Uber welche sie der sttdllchen 
Heimat zueilte. Der Name Selvretia lebt fort in den Alpen des 



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206 



Der Obenhein. 



andern Tliales der Landquart und in dem des hohen Gebir^^s- 
stockes, dessen schneeglduzeiide Firnen weit in das Thal herab- 
schauen, rein wie die Jungfrau, deren Namen sie tragen. 

Der poetische Name »Selyretta'' ist für den wichtigen 
Oentralstock zwischen Prätig&u, ünterengadin und Montavon von 
den Schweizer Geologen und von neuem Karten schon ange- 
nommen. 

2. 

Der 0 b e r r ii i i n. 

(Vernaleken, S. 297.) 

Vor undenklichen Zeiten, als Yorarlheig noch Wald nnd 
Sumpf war, sind in dar Gegend des heutigen Ems nnd Lnstenau 

bloß etliche zwanzig Hütten gestaniien für Jäger und Fischer. 
Auch wai en einige Grafenschlösser da. Zu der Zeit sagte eiumai 
der Sohn eines Grafen: „Vater, es wäre doch für unser Land 
viel besser, wenn ein Fluss hindurchflösse*. Darauf ist der Graf 
mit seinen Kindern in's Oberland gegangen nnd hat den Rhein, 
der frfiher dnrch den Zitxicher See floss, durch das Yorarlber- 
gische herpntergewiesen. Seit der Zeit verursacht er aber dem 
Lande tsist alle Jahre einen gro0en Schaden. 

Man spricht hie und da von einer großen, mächtigen aus 
Südcu nach Norden strömenden Meerflut, welche einst den ganzen 
jetzigen Luitlikessel, von Baden bis Schwanden im Canton Glarus, 
ferner die Thalflächen des Gaster und Sarganser Gebiets bis nach 
Chur hinauf ausgefüllt, den Lägerberg bei Baden, den Schollberg 
bei Sargans endlich durchbrochen und der ganzen Gegend eine 
andere Gestalt gegeben haben soll. Soviel ist gewiss, daas die 
Berge in der Gegend von Sargans, die Kuhfirsten an der Süd- 
seite u. s. w. deutliche Spuren eines einstigen um 900 Fuß 
höheren Wasserstandes zeigen. Vor der Zeit des eben erwähnten 
Durchbruciis beim SclioUberg würde der lihein keinen andern 
Abfluss als deujeuigcu durch den Walleustädter See, durch den 



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CMndnDK der Stadt PeldUieh. 



207 



Zürcher See nach Baden bis in die Gegend von Ziii zach und 
Waldshnt g-ehabt hal)en können. Noch jetzt ist die Scheide, 
welche den Ehein vom W allenstädter See trennt, die sogenannte 
Putzscheere, nur 19 Vs Fuß über dem Spiegel des Kheins er- 
haben, und bei den groB^n üeberschwemmungen der Jahre 1618, 
1817, 1821 verhinderten nur die ungeheuren Anstrengungen der 
Bewohner einen Durehbrueh nach Sargans in den WaUenetldter 
See. — Nach dem Durchbruche der großen Flut zwischen dem 
Scbollbertr und dem Fläscherberg (Falknis) nahm der Strom 
seinen \\v<^ durch das jetzige Kheinthal, das mit nördlicher 
Hauptnchtung sich bis an den Bodensee erstreckt. Er fließt in 
breitem Bette, nicht selten Fiussinseln, sogenannte Werder bil- 
dend, zwischen niedrigen, hin und wieder mit B&umen und 
Buschweik besetzten üfem, die er leider gar oft ttbertritt. 

3. 

eründung der Stadt Feldldreh. 

(Johttnti 6«oif Pragf er, Feldkirah. Daa ist Biitorie d«r L&büdtett 0. 0. vor 
dem Arlberv gelegenen Stadt Feldktrdi, S. 8.) 

,Als sich besagte Völker (Khätier) gemehrt und ihnen das 
obere Land (Graubündeu) zu eng go^vorden, haben sie sich auch 
in diese Landschaft (vorderer Walgau) herunter gelassen und 
nach Erschaflbng der Welt anno 2874 oder nicht hmge hernach, 
wie etliche schreiben, auf dem Feld, allwo jetzt Bankweil zu 
sehen ist, neben andern ylelen Wohnungen und Hofstatten einen 
Götzentempel oder einem erdichteten Gott zu J^lireii eine Kirche 
erbauet, ihren Sitz alldort geschlaoren. warum deun bedeutetes 
Ort von ihnen Fania oder Fauopolis, das ist zu deutsch: 
Kirche oder Kirchstatt benannt, nachgehends aber mit Zusetzung 
des Wortes Feld, in welchem es seinen Anfang genommen, sehr 
löblich Feldldreh intitutiert und gleichsam himmlisch getauft ist 
worden. In Bedenkung, nachdem diese abgöttischen Feldkircher 
an besimftem Orte ihre Stadt je länger je mehr gepflanzt und in 
sonderbaren Ituhui und Aufnahme gebracht, der Fürst aller 
Apostel, Petrus, sich dorthin begeben und in mehr angezogenem 



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208 



Qfftndmit der Stadt Ftldkinh. 



Fania oder Feldkirch nach Christi Geburt armo 51 die Lehre 
und Namen Christi und also den wahreu katholischen Glauben 
mit eifrigen Predigten anagesäet^ beste Frucht geschafft und den 
abg^^ttisoben Unglauben ansgemiutert bat: «bmn die Invobner 
und Benacbbarte dessen apostoUseben Eifer, wabie Lehre und 
ibren ebenen Febler erkannt mitbin das sflße Joeb Cbristi an- 
genommen haben; worauf die abgöttische Kirche dem wahren 
Gott consecriert, nachgeiiends zur ewigen Gedächtnis und Dank- 
barkeit dem heiligen Petro als einem höchst meritiorten Patron 
dediciert ist worden, welche Kirche heutiges Tages noch zu 
Bankweil in dem Dorf eine eigene, in wenigen Hänsern be- 
stebende Pfanr ist: wie dann gebörter Ursacbea wegen die 
WaKben, NiederlSnder, Engliscbe und Webebe dieses Ort, aucb 
die Stadt Feldkireb de dato, Campo di Santo Pietro oder 
St. Peters Feld nennen. 

Diesem allern nach, so ist alles VorgemeldeLe uuserei löb- 
lichen Stadt Feldkirch erster Fuß, Grund und Ursprung: 
mdem aber auch aUda eine große Menge der Mitbürger und 
Landsleute erwachsen, aucb der Platz ziemlicb eng worden, 
baben Öfters angezogene Feldkircber von dem ersten Fania ibre 
Stadt mit Bauen aufwärts gefordert, nämlicb nftber zu dem lU- 
fluss, gleich unten an dem Fuß dos Berges, Ardetzen genannt, 
allwo sie zwar eine nicht ganz vollkommene Stadt, doch einen 
stadtmäßigen und für dieselbe Zeit ziemlich großen und zur 
Nothdurft bequemlichen Flecken oder StUdtlein aufgeführt und 
also ungefähr nach Cbristi Geburt anno 227 in dem obem Feld 
sammt einer Eircbe das alte Feldkireb erneuert und erweitert 
baben; weswegen denn das jetztmalig alldort nocb liegende Dorf 
den Namen zu der Altenstadt behaltet^' 

Unstreitig war der Felskegel bei Rankweil, dessen Fuß und 
Gürtel jetzt zum Theil Weinreben umschlingen und dessen Haupt 
die Wallfahrtskircbe zu , unserer lieben Frau*^ maleriscb krOnt, 
frfibe schon besetzt und umwobnt, und als erster Ort in diesem 
Gaue — Clunia ausgenommen — taucht gescbicbtlicb Vinomna 
— das heutige Kankweü auf. — Dass in ünterrhätien das 



Üigilizeü by LiOOgle 



Ah tl t ammm g dar Grafen tob KanUinrt. 



209 



Christentirain auch Behr frfihe, wenn auch nicht gerade durch 
den Apostelfiarsten Petrus, doch von Italien her yerbreitet 

wurde, ist ebenfalls nicht zu bezweifelu. - Die Entstehung der 
eigentlichen heutigen Stadt Feldkirch, zu Füßen der Schatten- 
burg und am rechten Ufer der III, fällt ungefähr in den Beginn 
des dreizehnten Jahrhunderts. Als das reiche Erbe der Grafen 
Ton Bregenz durch die £rhtoehter Elisabeth an ihren Gemahl 
Hugo, Pfftlzgrafen von Tfibingen (f 1182X gekommen war, 
theilten dasselbe ihre beiden Söhne Rudolf und Hugo. Jener 
erhielt Tübingen, dieser Bregenz, Feldkirch, Werdenberg, Sargans 
und das Rheinthal. Dieser Hugo I., der Ahnherr der Grafen 
von Montfort rother Fahne und der Grafen von Werdeuberg 
schwarzer und weißer Fahne, nahm seinen Sitz auf der Schat- 
tenburg Über Feldkirch, die der Steinwald überragt. Für sein 
Qefolge, seine Knappen und Knechte erhoben sich unter der 
festen Borg schnell Wohnungen und fOr die Pferde Stallungen. 
Bald blflhte die Villa Yelchilch, d. i. Weiler oder Dorf 
(wie es noch in einer Bulle Papst Innocenz III., ddo. 6. Alai 
1208 g'enannt wird). Zehn Jahre später wird Feldkirch urkund- 
lich eine Stadt, civitas, genannt. S. J. Bergmanns Beiträge 
zu einer kritischen C^hichte Yorurlhergs, S. 64 f. 

4. 

]>ie Abstammung der Grafen Ton Montfort* 

(Thomas Lyrer am Baakirafl imd nach Aua L. Stenh, 8. 163 ff.) 

Schon frühe fanden sich belesene Männer, die den Mont- 
forten rühmend nachsagten, sie seien ein altetruskischer Königs- 
stamm und schon ein halb Jahrtausend vor Christi Geburt mit 
Herzog Bh&tus in Hohen-Bhätien eingewandert. — Fast noch 
mehr Ehre und Buhm wollte Thomas Lyier, ein sehreibknndiger 
Mann aus Bankweil 0, auf den Namen MontfoH häufen. Der- 



[Man vgl.: 3. ZOsm&ir, Ulrich Tränkle von Feldkirch und Thomas 
Lyrer, angeblich von Hf^nkwcil, zwei vorarlberjris« ho ChroDisteo des Mittelalters (in 
den »Schriften das Vereins t'Qr Geschichte des Bodeiue«8 waA «einer UraKehunv« 
Dr. F. J. Yonban, Sagen Yorarlbeifs. H 



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210 



AbstammoiiK der (Sntm von Honlfoft. 



selbe schrieb im Jahre 1486: «Kaiser Oorio za Rom wurde 
104 Jahre nach Chiistiis trotz der Ffirspraehe der Senatoren 
Amor imd Yentmm Ursenm wegen seines chrisfliehen Glanbo» 

mit seiner Gemahlin Docka, seinen eigenen Söhnen und den 
Söhnen seiner Schwester Jürgo und Hcgo vcrtrioben. Er floh 
über (las Hochgebirg in deutsche Länder und kam auf den Plan 
Dalfatz in Graubüuden. Kaiser Curio baute seinen Söhnen in 
Khätien und Schwaben verschiedene Burgen, und sie wurden 
Ahnherren mftehtiger Geschlechter. So baute er dem ältesten 
die Feste Holientrfns und nannte ihn Magnus von HOwen; dem 
andern die Feste Gntenberg nnd nannte Üm Eglof ?on Wartan; 
dem dritten gab er einen Berg, errichtete darauf die Feste Star- 
kenberg und gab ihm einen weißen Schild mit einer rothen Fahne 
zum "Wappen und zum Zeichen, dass er christliche Ordnung hal- 
ten und fechten soUe, wenn es noth thue. ^Dem Deutschen 
nach* — sagt Lyrer — »wird das Geschlecht geheißen: die 
7on dem rothen Fahnen; aber als sich die welschen Chnrwalhen 
gemehrt hatten, da war der Name welsch und geheißen: von 
Montfort*. Der vierte Sohn Ourioe war Wilpart von Leutldrcb, 
der fQnfte der Patriarch Burgundus, der ein selig Leben führte 
und ;iuf diiii Berge Hirschberg bei dem Dorfe Ulm wohnte. Der 
sechste Sohn erhielt die Stadt Bavenau, die jetzt Ravensburg 
heißt, und wurde Komiüus von Schwaben genannt. Jvaiser Curio 
baute sich selbst eine Feste, die er nach seiner Gemahlin Docka 
Dockenburg (Toggenbuig) nannte, wohnte daselbst, starb 172 und 
wurde im Kloster Fischingen begraben*. 

Man sieht, dass hier auf wunderliche Weise Wahrheit und 
Diditung durcheinander geworfen ist, darf aber Lyrers Streben, 



XV, 10 — 21), — Es möge hier erw&hot werden, dass seit Vanotti, Geschichte 

der Grafen von Montfort und ron Wordenberg (Belle Vue bei Cfin^-tauz, 184f)) und 
Bergmann (bes. Urkundon der vier rorarlb preschen Herrschalka und d'-r 'irafen 
von Moutfort (1848) und »Bciträg'e*) das Vi-rdicnstvollste über die vorarlbergischen 
Montforter geschrieben hat J. Zösmair: > Politische Geschichte Vorarlbergs im 
18. und 14. Jahrhundert unter deu Grafen von Moutfort und Werdenberg« (im XXII., 
XXIII. und XXIV, Jahresbericht der Staatsmittelschulc von Feldkirch).] 



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211 



das Haus Montfort zu verherrlichen und dessen Stammvater 
Cario in aUen dentschea Gauen sein Geschlecht anpflanzen nnd 
fort|»flanzen zu lassen, nicht flhersehen. — Das alemannische 
Herrengeschlecht der von Starkenfels oder Montfort hat sich erst 

lange nach der Völkerwanderimg unter den deutschen Kaisern 
an den Ufern des jungen Rheins aufgethan. Sie erwarben sich 
nach und nach fast all die Länder vor dem Arlberg: den Bre- 
genzerwald, die Walserthäler, den Walgau, Montavon, Feldkirch 
nnd Biudenz; dazu besaßen sie viel schönes Gebiet über dem 
Bhein und das reiche £rbe der Freiherren von Vatz in Gran- 
btnden; dann kamen anch noch die Herrschaften Heiligenberg 
nnd Tettnang, Flanneoberg und Stadeck an das Haus, und die 
Grafen von der Fahne, wie man sie von ihrem Wappen nannte, 
waren weit und breit geehrt unter den Herren in Rhätien, in 
Schwaben, Steiermark und im hl. römischen Reiche. - Es war 
dieses erlauchte Geschlecht eine jüngere Linie der Pfalzgrafen 
von Tübmgen, die durch Erbschaft im Anfange des dreizehnten 
Jahrhunderts in unsere Gegend verpflanzt wurde und der die im 
Jahre 1405 gebrochene Bnrg Altmontfort^ fiber dem Dorfe 
Weiler den romanischen ^ Namen Montfort lieh. — Ob vor 
diesen schw&hiseh-alemannischen schon altrhätische 
Monifi'ii die Fahne iin \\'appen führten, ist nicht nachgewiesen. 
Vgl. die Anmerkung zu der vorigen Nummer. 

5. 

KaiseriiL Eildegarde. 

(Wol^og Menxel, OeidoJelito der Devtsebeii, V. Aufl. I, 209.) 

Karl der Große hatte nacheinander fünf Frauen. Von der 
Schwäbin üüdegardf die er bald nach der Verstoßung der 



*) (Nen-Montfort liegt bei Q6tsi8. Maa rgl. Dr. F. Spiegel, Die Ueber- 
reite ▼<« Kea-Hontforft «i CMiiie. Vit Abidldniur. (VI. ReehenecliaAs-BeiieU ies 
• . . Mmewas-YereiDt i« BxegeiM flr 186S, 8. 11 I.) — J. Zesmair, Ueber die 
Borgen Alt* and Neo-Montfort in Voiudbeig. In »Schriften des Vereins für Ge* 
sebicbte des BodenBees und seiner Umgebnng. 10. Heft. Linden, 1880.1 



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212 



Ulrich T., Graf dos ArgcDg;aaes. 



LongobuFdin Desiderata ehelichte, meldet die Sage, ein nnge- 
treuer Diener, Taland, dem sie ihre Liebe verweigert, habe sie 

bei Karl verleumdet; von diesem verstoßen, habe sie lange in 
Rom ein efottcrgebenes Leben geführt und Kranke L''e]tfli'L:t ; da 
sei auch Taland als Blinder hingekommen, und sie habe ihn ge- 
heilt, und sehend habe er sie erkannt, alles gestanden nnd de 
dem Kaiser wieder zngeftthrt. 

Die sehOne nnd tugendsame Frankenkaiserm Hildegard ist 
wahrscheinlich eine LandsmSnnin aus Bregens, weshalb die be- 
kannte deutsche Sage hier platzfand. Die alte Burg (Castrum) 

Hohenbregenz, ursprünglich wohl ein römischer Bau, war im 
Mittelalter die zeitweilige Residenz der uralten Grafen von Buch- 
horn und Bregenz, welche von einem longobardischen Großen, 
der sich in den Schutz der Karolinger begeben, abstammen sollen. 
Als Kinder dieses Grafen und der Imma ans edlem alemaoniachem 
Geschlecht werden Hildegard, Genukhün Karl des GroOen, 
Gerold, Graf der Berchtholdsbar, der von semem gewaltigen 
kaiserlichen Schwager mit der bairischen Mark betraut wurde, 
und Ulrich I., Stammvater der Grafen des Argen- und Linz- 
gaues, genannt 

6. 

ülrleh 1^ Graf des iargengaaes* 

(W«iseiMnitr>lfMUe n, 7.) 

Unter den Nachkommen des erwähnten Grafen Ulrich I. 
nennt die Geschichte einen Ulrich V., Grafen des Argengaues. 
Derselbe erliielt seinen Namen vom Flusse Argen, zog sieh am 
Seenfer bis zur Br^mizerach hin nnd erstreckte sich aufwärts 
bis an die aUgftaisdie Landschaft. Die Gemahlin des genannten 
fSttffcen Ulrich war Wendelgai-de, eine Schwester Heinrich des 
rmklers. In dem Kriege gegen die Ungarn gerieth I i i ich im 
Jahre 916 in GefaiLL^euschaft. Nun meldet die Sage, seine (ie-t 
mahlin Wendelgarde habe ihn unter den Erschlagenen geglaubt 
und von dem Bischöfe Salome in Gonstanz bei der hL Wiborade 



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Heiorixsb Oas Findelkiiid. 



213 



in St Gallen deu Nonnenschleier genommen, miter der Bedin- 
gang, jährlieh ihrem H^n eine Trauerfeier in Bachhom halten 
nnd sich dahin begehen zu dttrfen. Bei dem vierten Jahrtage 
erschien ein Bettler, der sich bei der Almosenspende die Hand 

der Gräfin zu küssen erlaubte. Es war Ulrich selbst, der sich 
aus der Gefangenschaft losgemacht hatte. Salorao löste das 
Gelübde, und das liebende Paar vereinigte sich neuerdings. 

7. 

Heinrieh das Findelkind, 

der Gründer des Hospizes zu St. Christoph auf dem 

Arlberg. 

(VoUwkalender fQr VonilbeiK, 1854. — Bergmanii, Beitrflce, S. 11.) 

Die gegenwärtige schöne Kunststraße über den Arlberg ist 
ein Werk der neuesten Zeit. Die erste breite Straße für schweres 
Fuhrwerk über dieses hohe Gebirge, den ürenzpunkt zwischen 
Tirol und Vorarlberg, wurde erst nach der Mitte der zweiten 
Hälfte des TOrigen Jahrhunderts durch Absprengung bedeutender 
Felamassen angelegt nnd am St. Jakobstage des Jahres 1787 
eröfihet Früher führte nnr ein schmaler Weg für Saumrosse 
Über diese Felsen hin. Gewiss h&Üm der Grinmi strenger tmd 
lang andauernder Winter oder verschüttende Lawinen manchen 
Wanderer dahhigerafft oder das Ungemacli von W nid iiiul Wetter 
und der langgestreckte Weg über eine Höhe von [1802 m] man- 
chen mit dem Tode bedroht, als ein armer Jüngling, Heinrich 
das Findelkind, der als Hirt in dieser Gegend solche Unglück- 
. liehe gesehen hatte, im Drange ehristiicher N&chstenliebe anf 
Abhilfe sann nnd sie anch fluid. Der etn&che Natursohn erzählt 
seme schöne That selbst, wie folgt: 

«Ich Heinrich, Findelkind. Mein Vater, der mich fand, 
hieß der Maier von Kempten, der verdarb wegen Bfligschaft. 
Der hatte neun Kinder, und ich Heinrich, Findelkind, war das 
zehnte. Da that er uns halb aus dem Hause, dass wir giengen 

und dienen aoUten. JJa kam ick iieimich, iundelkind, zu zweien 



214 



Heiiiricb das Fiadelkind. 



Priestern, die wollten nach Rom; mit denen gieng ich aber den 
Arlbei^, und wir kamen zu JacMein ttber Bbein. Da sprach 

Jackloin: ^Wo wollt ihr mit dem Knaben hin?" Da sprachen 
die Herren: „Er ist zu uns kommen auf dem Felde". Da 
sprach Jacklein: , Wollt ihr ihn hier lassen, dass er uns die 
Schweine hüte?" Da sprachen sie: ,Wa8 er thut, ist uns Heb*. 
Und er dingte mich und gab mir das erste Jahr zwei Gulden. 
Da war ich bei dem genannten JacUein zehn Jahre und gieng 
mit ihm zur Kirche in dem Winter und trug ihm das Schwert 
nach. Da brachte man viel Leute, die waren auf dem Irlberg 
in dem Schnee verdorben: denen liatten die Vögel die Augen 
ausgetressen und die Kehlen al». Das erbarmte mich Heinrich, 
Findelkind, sosehr, und ich hatte fünfzehn Gulden verdient mit 
dem Hirtenstab. Da rufte ich und sprach, ob jemand nehmen 
wollte die fünfzehn Gulden und einen Anfang anheben auf demArl- 
berg zu bauen, dass die Leute nicht so verdarben. Das wollte 
niemand thnn; da nahm ich äen allrnftchtigen Gott zu Hilfe 
und den lieben hl. Cliiistophel, der ein grolier Nothhelfer ist, 
und fieng an mit den fünfzehn (iulden, die ich mit dem Hirten- 
stab verdient hatte, und den ersten Winter half ich sieben Men- 
schen mit dem heiligen Almosen. Seitdem haben mir Gott und 
ehrbare Leute geholfen, dass ich und meine Helfer des Lebens 
gerettet haben fün&ig Menschen, und den An&ng hub ich an 
im Anfang des Jahres 1386 un Tage Johannis des Täufers*. 

Der Segen des Herrn folgte einer so frommen Jühaunisfeier 
und erweckte christliche iiemüther zur Nachahmung. Heinrich 
durchzog bittend Deutschland, Böhmen, Polen und Oroatieu, 
Herzog Leopold IV., welchem der arme Knecht Heinrich seine 
Bitte vortrug, em Haus auf dem Arlberg zu bauen, damit die 
armen Leute Herberge lüitten, wenn sie vor Unwetter oder 
Krankheit nicht weiter kommen kdnnten, gab als LandesfiDrst 
Beihilfe und Erlaubnis, weil viel guter Dinge von einfältigen 
Leuten angefangen worden, und ermahnte in einem offenen Brief. 
Graz, den 27. December 1386, alle Nahegesessenen und lieisen- 
den, sich dem Werke mitzuunterziehen. £r selbst und noch drei 



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Hoinrieh du Findtlkind. 



215 



fürstliche Paare habsburgischen Stammes verbrüderten sich mit 
der yersicherang eines jährlichen Beitrages nnd ließen ihre 
Wappen prachtig in das pergamentene Braderbuch^) hinein- 
malen, welches bis zum Jahre 1414 viele der edelsten Ge- 
schlechter Deatsehlands aufführt; 17 Bisch<(fe gaben reichliche 
Steuer oder geistliche Vortheile der St. Christopliskapelle, welche 
in der elenden Herberge entstand. Wenn Heinrich um lieisteuer 
bat, redete er also : »Liebe Kinder, ihr sollt mir Almosen geben 
auf den Arlberg zu Weg und Steg und zu einer Herberge, darin 
man beherbergt arm und reich und aus dem ich mit meinen 
Knechten, jeglicher mit vier Sehneereifen alle Abende ausziehe 
und rufe, und wen wir im Schnee finden, den tragen wir in die 
Herberge und geben ihm Almosen \ 



DieMS interoMonte Denkmal des echt cbrisfticbeii Vereines wird unter den 
Manuseripteii des k. k. geheimen Hau»*, flof- nnd Stuteaidiives in Wien verwehrt. 
Herr J. Bergmann beschraiM; dasMlbe: „1386 SaieU Chlistophorl «!> Arl|Mrg 
Bmeiierseliaft Bveoh'*, mit 80e PergamentbUtteni in 4^ in hOkeme mit lotbom ' 
Sammt Qberzogene Deckel gebunden, mit silbernen Ecken, Spangen und Mittelstocken 
▼erziert, mit farbigen Abbildungen dar Wappen aller Mitglieder der Bruderschaft mit 
der AütMljo ihrer jährlichen Leiatangeo, an donen sie sich vorpfli« hU^teii. Auf der 
Rfickseit« des Titelblattes ist oin kleiner Kupferstieb niifgroklobt, (lt;r mit Farben 
boseliniiort den Iii. Christoph darstellt, wie er dns Jesukind durch den Strom trägst. 
Hierauf folgt ein im XVll. Jahrhunderte sedru' ktos ' L"hen des hl. Märtyrurs Christo- 
phori« auf drei Qnarts.-iteti. Baranf ein auf Fei-g.mient gut gemalter St. Christoph, 
den Heiland tratjend, den des Erzherzogs Leopold von Tirol Hofsecrotär, der edle 
Herr Julmnii Christoph von Piabon im Jahre IG: 0 hat malen lassen. Darauf 
folgen die Wappen : a) der ErzheriSogin Claudia mit ihrer eigenhändige» Unter- 
scbrift vom Jabre 1647 ; b) ihres Utem Sohnes des Erzherzogs Karl Ferdinand; 
e) daa Oaterreiddsdt - toecaidflcfae WappenscMM weitMt Gemablin J. Anna; d) der 
b«Men TSdtter der Eidieixogin Ciaodia (von HedidB) laabella Clara Eugenia 
nnd Maria Leopoldina, etomüieh von demielben Jabre 1647. Xa batte 
ntadieh Papet Innoeens X, dd. Rom, 18. Jnli 1647 die Indalgenten som beaten 
dieser Bmdencbaft emenert. Diesen BUttem rMhen sich S. 5 in alter Sebiift an : 
Herzog Älbrecht sa OeateiFeieh bat sich gebrfldert' zn sand ehriatofen anf dem 
Adelqietg cte. nnd alle andern matter mit ihren WoUtbiiem, wofans sieh tri^bi, 
dasB im Jshre 1647 diese Bmdersdtafi eine Benomtlon erlebt hat 



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216 



Die Stadtr«ttoriii Gato. 



8. 

Die 8tadtretteriii C^nta. 

(IfOiidliciw U«berii«i0rttng8ii. — ^ J. Berfmftiin, Die Balageniiif iumI d«r Eotwtat 
der Stedt Bngeiu. — Welxenef ger-Herkle m, 163. — t. Hormejr, 
Tiroler Merkwilidigkelteii (1808) II, 275 ff.) 

Geschichtliche Vorbemerkung, Es war um die 
Mitte (Irl iImt 1407, als die Appenzeller sich vor Bregen z auf 
dem liied gcgeu das Kloster Mehrerau hinah lagerten und die 
Stadt, die den Grafen vou Montfort gehörte, trotz des unge- 
w((hnlich strengen Winters beschossen und berannten. Der Adel 
k Oberschwaben, mit Boten beschickt und nach der etwaigen 
Einnahme der Stadt mit dem Aergsten bedroht, schloss beson- 
ders auf Betrieb des Grafen Rudolf von Montfort-Tettnaiig-Scheer 
am 21. November 14<'7 cioen Bund, bot seine Leute auf, nahm 
.Söldner an und sammelte sich unter dein Banner des St. Georgen- 
schUdes. Ihre Hauptfuhrer waren der genannte Graf Kudolf und 
der ({sterreicbische Hauptmann Hermann Graf von Sulz. In aller 
Stille nnd Schnelle rflckte die Bitterschaft mit ihrem Aufgebote 
und ihren Kriegsknechten hinauf nach Bregenz. Auf diese Kunde 
sandte der Hauptmann der Appenzeller nach Hause um Hilfe, 
versäumte aber, entweder aus Nachlässigkeit, oder weil das Volk 
zu übermüthig war, Wachsamkeit und gute Ordnung im Lager 
zu halten. So geschah es, dass ein Weib das Lager auskund- 
schaften uud dem Grafen über den Feind Bericht geben konnte. 
Ehe die Hilfe der Appenzeller anlangte« rückten ihre Feinde am 
St. Hilariustage (13. Jänner) 1408, ganz unerwartet und von 
dichtem Nebel begünstigt, zu Wasser und zu Land bei der 
strengsten Kälte heran und versetzten dem sorglosen Feinde 
eine völlige Niederlage. — Die Volkssagc nun nennt jenes Weib 
Guta nnd erzählt den Hergang der Sache des nähern, wie folgt: 
Männer aus der Schweiz und vom Bunde ob dem See^), die in 



*) »Der Bund ob dem See« nmfasst« jeaseit« des Rheins: die Stadt St. Gallen, 
Uuü luit«udu Haupt dos Buudeä, Appenzell, das Bbeintha], eiuen großeu Tbeii too 



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Die Stadtntterin Gute. 



217 



einer Taferne zu Kaakweü bei versperrter Thüre Rath hielten, 
beschlossen, Bregenz zu fiberrumpeln und dessen Bewohner zu 
ttirem Bunde g^n den stolzen schwäbischen Adel zu zwingen. 
Man bestimmte hiezn den Si HSaritftg. Die Eidgenossen, die 
sich in der Stube alleiu und unbelauscht wUmten, gewahrten 
hinter dem großen Ofen ein scheinbar schlafendes Weib. Dieses 
hatte den ganzen Anschlag auf die Stadt gehört. Mit dem Tode 
bedroht, erzählte sie den rauhen Mannern, wie sie halberfroren 
schon bei der Dämmerung hieher gekommen und hinter dem 
warmen Ofen vom tiefsten Schlafe überwältigt worden sei. Die 
Anne musste schworen, Ton dem, was sie etwa yemommen, keinem 
Menschen etwas zu sagen. Mit wilden Drohungen vor die Thüxe 
gestoßen, suchte sie im Stalle Zuflucht. Festen Entsehlussed, 
die Stadt Bregenz vor einem üeberfalle zu warnen, eilte sie auf 
tiefbeschneitem Wege bei der grinimigsten Kälte nach Brngeuz 
hinab, wo sie ganz entkräftet sogleich nach dem Stadtammann 
fragte, der gerade im Bathe war. Sie trat beinahe athemlos in 
die Rathsstube der rersammelten Herren und stellte sich Yor den 
Ofen hin. Von ihrem verrflckten Thun befremdet, fragten diese 
sie um ihr Begehreu. Sie antwortete, sie komme eflends von 
Kankweil und wolle, da sie von einem Eid gebunden sei, keinem 
Menschen zu sagen, was sie mit eisfenen Ohren gehört und mit 
eigenen Augen gesehen habe, dem Ofen erzählen. Nachdem sie 
das zu Kankweil Gehörte und Gesehene dem Ofen umständlich 
erzählt hatte, fragten sie die Herren um ihren Namen. «Ich heiße 
Guta, und alles n^t mich die alte Guta", war ihre Antwort Graf 
Wilhelm von Montfort-Bregenz, der dies alles vom Stadtammann 
gehört hatte, zeigte durch Eilboten dem schwäbischen Adel vom 
St. Georgenschild die dringendste Gefahr an. Achttausend Mann, 
Eitter und Knechte, waren bis zu St. Hilaritag gen Bregenz zur 
Kettung der Stadt eiügat herangezogen. Guta verlangte als Be- 
lohnung gute Nahrung und Obdach, jedoch soll die Nai^twache 



Toggenbuis, Gaster; diesseits: den Kschuörberg, Füldkiich, Bluduiu mit dem Thaio 
Hontfttan, den Waleraa, die Augehörlgon des Bannen von Kankweil, den innern 
Brefenzerwald, HOdut und Fnfiach. 



218 



Die SlidtnttNiD Oute. 



der Stadt von Martini bis Lichtmess die neunte Abendstunde 
mit dem Kufe anzeigen: «Ehret die Guta*"^), das im Yolks- 
miiDde in Ehregnota oder Ehi|fata ittsammenaohmolz und einigen 
Scbriftotellem Yenolassttng su dem Namen Heigotba gab. 
Eine Variante der Sage sagt: 

Nach der ZerstGrong der Schlösser und Festen der Hont- 

forter (irafon flüchtete sich Graf Wilhelm vnn iMuntfort-Bregenz 
mit seineu Uetreiien nach Bregeiiz. um sich mit Hilfe der 
schwäbischen Hüter vom St. Georgenschildc in der Stadt und 
auf dem Pfannenberge zu halten. Ihm folgte «^in junges Weib 
Hergotha tren zur Seite. Durch die sorglosen feinde flieht sie, 
in b&urische Tracht gehflllt, gen Bankweil, wo deren Hauptlente 
lagen, und lauscht, in dunkler Zechstnhe verborgen, nach Kund- 
schafi. Sie hörte von den Betrunkenen: uns werde die Nacht 
in Brugonz ein Mahl gewürzet, wie s keiner vermuthet, wie 
knner es träumt. Achtlos auf Schnee und strömenden Hegen, 
eilt sie auf geheimen Wegen landab, von der Feinde wildem 
Geschrei umtönt und dem Hufschlage der Bosse, und erreicht 
glficklich den Ffannenberg. Bald rauscht der sichere Feind in 
buntem Qewirre einher, der Graf und seine Helfer besetzten die 
Hohlwege und etOrzen wie Lawinen mit solcher Kflhnheit auf 
sie, dass nur drei euttiohen: 

„Ihr (der Gräfin) Bildnis verewigt die Kunde, 

Auch nennt ihren Namen der Wächter stets, 

Bevor er verkündet die Stunde, 

Und mahnet an sie. 

Die, als kmer mehr wachte, 

Fflr alle sich selber zum Opfer brachte*. 



') Diese AiKHdnmi? dus armen Weibe«? wnrde durch 404 Jahro getreu be- 
folgt, bis 1812 der damalige kpl. bairischc Landrichter Weber diese p'schichtliche 
Erinnenmg abscha£fte, im Jahre 1814 alter fand dieser Wftchterruf beim daiikbarcn 
Volke wieder nlsogleiche AufDahme, und heute noch wandern vor Mitternacht zwei 
Nachtwächt. 1 die obere und untJh-e Stadt durch und zwar in jener Richtung, wie sie 
sich selbst untereinander einvereteheu. Von Martini bis Lichtmess nift jeder nni 
neun I^hr auf allen Rofplatzen der obern und nntem Stadt: »Kbreguta, Kbreguta! 
felobt sei Jmus Christi» |« 



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Die Entsteliuiv des MoDtovoner WAppem. 



219 



Mit dem Bfldoia, Ton dem die Variante der Ehrgata^age 
meldet, ist das 18 Wiener Fuß [ungefähr 4 m] oberhalb der 

ThorMfbuDg, durch die man in die obere Stadt gelangt, in Relief 

gehauene Denkmal gemeint. Dasselbe stellt in einfacher und 
Schoner Gruppierung eine jugendliche Trauengestalt dar, die auf 
einem laugsam schreitenden, sattellosen und ungezäumt^n Pferde 
sitzt und mit den ausgestreckten Händen nahenden Pferden in 
einem sclialenförmigen Gefäße Futter zu reichen scheint. Herr 
J. Bergmann hat in einem Scbriftchen, »Die Belagerung und der 
Entsatz der Stadt Bregenz im Jahre 1408 und deren Retterin 
Ehiguta\ S. 16 If. nachgewiesen, dass dieses vermeintliche Ehr- 
guta-Mouument der römischen Göttin Epona angehöre. 

9. 

Die Entstehiiug de» Moutavoner Wappens* 

(Mflndlieta.) 

Ks war an einem Mittwoch des Jahres 1414, als Papst 
Johann XXJII. Gher das Joch Zeinis aus Tirol in das Thal 
Montavon kam, um von dort seine Heise nach Coustanz zur all- 
gemeinen Kirchenversammlnng fortzusetzen. Der heilige Vater 
wurde ron den Thalbewohnem mit allen seiner hohen Stellung 
gehörenden Ehren aufgenommen, und derselbe verlieh, hocherfreut 
fiber den festHehen Empfang, der ihm hi dnem so abgelegenen 
Thale i^eworden, der Landschaft ein Wappen, nämlich die zwei 
kreuzweise gelegten Schlüssel des Apostelfüisteii Petrus. Im 
Montavon suchte man hinwiederum das Andenken an den hohen 
Besuch des Kirchenfürsten dadurch zu erhalten, dass man den 
Brauch einfahrte, in den an der Straße gelegenen Kirchen jeden 
Mittwoch mit allen Glocken zu Mittsg zn läuten, welcher Brauch 
noch heute forid[>e8teht. 

So erzählt die im Montavon allgemein verbreitete Sage. 
Papst Johann zog aber erwiesenermaOen nicht über den Zeinis, 

sondern ritt zu Anfang des Winters 1414, vom Herzog Friedrich 
mit der leereu Tasche als General-Capitau der Kirche begleitet^ 



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220 H«nog Friedlich mit der leeren Taecfae in Blndeiiz. 

auf seinem Zelter dem Arlberg zu und fuhr von dort im Wagen 
znthal. In der Näho de» Dorfes Klösterle stürzte der Wagen 
des heiligen Vaters um, worüber sich dieser etwas unheilig aus- 
gedrückt haben solL («Hie iaceo in nomine diaboli*.) «Da er 
nun wider anff käme vnnd Tber das Eldsterlein herab käme', 
und man ihm ungefähr die Lage der fttr ihn so verhftngnisToUen 
Stadt Constanz angeben konnte, ^ sprach er inn latem: ^«Sic 
capiuntur vulpes"", ,vnd kam desselben tags gen Feldkirch vnd 
morgen gen Keineck, daniacli gen Costentz". Vgl. J. Bergmann, 
Beiträge, S. 12. — Das oben angetührte Schlüsselpaar zwischen 
den Buchstaben S-P (wie es ein noch vorhandenes altes Siegel 
zeigt) fahrt der Standesbezirk Monta?on glaubwflrdiger deshalb 
in seinem Wappen, weü seine Bewohner lange Zeit HoQflnger 
des Franenkiosters St. Peter (Conventna S.anc1i P.eiri F.raedi€»- 
turum) in der Nähe von Bludenz gewesen. 



10. 

Herzog Friedrieh mit der leeren Tasehe in 

Bludenz« 

(Mündlich. — Weizonegger-Merkle III, 17ö.) 

I. 

Vom f riedli mit der Ißra Tasch, 
Der Herr T9 toem Land 19t gsi, 
Und vom a Wftehter z* Blndez da 

Söll hüt m^ Liedli gsunga si. 

Es i§t der Friedli z' Con§tanz dun 
Mit Kaisei* Siegmund /' kiba k6, 
Und Siegmund i^t em Marter g&i 
Und hit em sine L&nder gn5. 

Druf litet FriedU mdsaU^ 
Und Underlos nnd TOgelftei 



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Benof Friedlieb mit der leeren Tasehe in Bladens. 



221 



Vo Con^tanz weck uf uflfa dae 
Anaiideni&' dur*8 Nebelgäu^). 

Und z' Bludez vor ein P^lkler Thör 
Staht z' Mitternacht der Friedli da; 
Er klockt a pärmld a der Thör 
Und rfleft^ söU en pifl^. 

Der Wächter aber uf 'em Thdr, 

Der flchnaust, dass 's lüt erbiUt: ,Wdr dft!* 

ünd Friedli M: «A NacbtqaartieT 

Hätt gern en arma liitersma''' 

,r bi 80 mfled vom Kita htt, 

Dass i' nu' schwer im Sattel siU, 
Drum, lieba, gueta WächtersmJ, 
Thue üf und tummla di' a bitz*. 

„ünd se^t mer Gschlecht und Nama net% 
Der Wächter surrt, ,se mue? es ho, 
Bis dass ma dütli^ dir i 's Gsicht 
Ea luega, duaa im Dunkel z* ft^h*. 

,r fäbia i dem ^äta Ga^t 

A 80 en blmlige Bpi$ 

Yom Toggaburg im Scbwizerland, 

Der gern d& mOoht ge scbnuffla kd*. 

,Mer hond de Bricht, der Kaiser hei 
Dem Herzog Friedli d' Lflnder gnd, 
Und *s Söll der Gräf vo Toggaburg 
Sj Land und Lüt jetz überkö\ 

«Doch z' Bludez schwätzt m| noch zer Sach, 
Se schar di* uu* und sig dim Herr: 



*) Nebelp&u wird schonwoi&o der v ü r d o r o Waldau gfenauat, der hAuiigoa 
X«be) wegen, die sich namentlich zur Herbstzeit Aber denselben lagern. 



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222 



Herzog Friedrieb mit der looren Tasebe in Bludeaz. 



Er Söll mit Mä und Wäfa ko, 
Ma luegi noch, wer Mä§ter werr*. 

^ünd vor ma-n-üsrem Städtle da 
A's neua Herr de Schwizer setzt, 
So würd bi Gott! mi Hellebard 
Neu gschaftet und der Säbel gwetzt*'. 

^Der Friedli i^t is, seil i$t wahr, 
En lieba, freia Herra gsi, 
Brom warn mer em i Eröz und Ndth 
0' äine tarena BQiger b!*. 

,Du bi^t en Mft', der Biter s§t, 
«Dir wiU i' mF erkenna g§, 
Se lueg: V b! der FriedU s^lb, 
Eumm gritta hör vom Bodase". 

Der Wächter loset fa§t wia närrsch, 

Er ^tünt und ?tünt — „und wenn er 's war — 

r mueÜ go doch dem Schedier zue, 

Der kennt en be^t T9 Miher b^*. 

Drnf 9pnngt er 2'wdg und bviiigt da Bricht: 
»Ei, Scbddler, kond dook mei som Thdr, 
£n Bftersmf um Hiß rfleft, 

Er sei der Herzog, git er vdr**. 

Der Sck^dkr gftht imd redt bim ThOr 

De liiter a, und na* 'ma Wärt 
Se rüeft er scho: .Der Herzog if, 
I' kenn en f. der Bedesärt*. 

Der Wächter ?tammelt i der Ang§t: 
»Herr Jesis na! er würd's net si", 
Und §t6ßt bim TUv de Rigel z'ruck. 
Und Herzog JPriedli ritet 1. 



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H«nof Frtodiidi mit 4«r Immu Ta«ebe In KiUtons. 



n. 

Was mag doch fOr 'na Gaude ai 
Bfr EiOna z* Bludez noch so ^p&t^ 

Ma merkt 's am hella Fen^terschi, 
Wia 's hinicht hoch uoch heragaht. 

Ei ja ! es sind halt Bürger hit 
Nä' Mittemacht uoch z^mmakö, 
Es hat 'na drum der Schedler dütt, 
£b sei der Herzog z' Hungert d&. 

Jetz ihnen si* Ffirft nnd BflrgeiBlüt 

Im lieba Fitde wdhl si 

Und bstmders schmeckt 's dem FriedU hÄt, 

Er lat a guet liial Schöpple kö. 

Und wia ma da so sitzt und trinkt, 
A ganze Tisehat müütre Gä?t, 
Der Friedli §till dem Schedler winkt 
Und 8dt: ,£b föhlt en bim Fe$t^ 

,Ei gang nnd bricht dem Wächter zue: 
r thtti em Mndle siga 1$, 
Er hei fOr hnt Nacfatwacht thue 
Und söU a bitz i d* Krdna kÖ*. 

Der Wächter diüf mit schwerem Mueth 
I d' Kr6na kunnt mid fallt uf d' Kneu: 
„Verzihen 's, Herzog, sind so guet, 
Dass i' so grob gsi htt met £u'!* 

Der Herzog aber gtt em d' Hand: 
«Schhig i, du bi^t en Btdermfi, 
Und h&tt i* TÜ 80 LU im Land, 
Der Kaiser hfttt mer lAt me 



224 Etnot Friedridi mit der leeiea Taaefae in BlndviiB* 

„Ja, Wächter, nu' hellüf und frisch, 

1* zflm der dine 6r6bi net, 

JJnA ftand doch tf und atz an Tisch ^ 

Und trink a SehOppIe Bdtha met*. 

.Denn vor d* in bluetiga Kampf und Strft 
Mit HeUebard tmd SSbel gah^t, 

Se räthi', dass zer rkhta Zit 
A Schöpple Wi der 2uekö la^t". 

Dia Ked hat gueti Lüna gmacht, 
Hoch würd der Friedli leba glo, 
Ja, sellmäl hat ma i der Nacht 
Noch m^nga Schoppa 9pzinga 1(. 

Uod wia na'm goldna Margardth 
D' Frau Sünna wäder z*w^g kd i? 
Und firändle ahaliiegt vom Grit, 
Se sitzt mi Gsellschaft noch am Tisch. 

Bdt der Friedli: ,Liebe Lüt, 
Es mnefi amAl halt dichter ^, 
r mach mi' zV^g, i' hö jetz ^t, 
Der Tag schaut scho zum Fenster !*. 

Druf hond em d' Bürger d's GlÄt noch ggS 

Dem Berß-^) zue d's Klo?terthäl duii, 
Und witeiJi wäß i' nümma meh, 
As seil sind bidre Zita gsi. 

Von dieser Affaire des flüchtigen Friedlich mit der leeren 
Tasche mit dem Thorwdchter in Bladenz und dem fröhlichen 
Gelage des Herzogs mit seinen getreuen Bürgern erzählt man 
im Walgan noch allerwegen. Die ganze Begebenheit scheint 



') »Der Berv< wird h&ufig in Vorarlberg schlechtweg der Arlberg genannti 
zu dessen Fflßen sieh diesseits das Ktosterthal, jenseits aber das St&nzerthal ans> 
breitet. 



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Httior VktoMdi mit der leetim Tuflii* In Btndei». 



225 



aber nicht in das Gebiet der Sage zu gehören, Bondeni ist nach 
einigen historische Thatsaehe und in neuerer Zeit wieder in einer 
alftn HandBchnffc aufgefunden worden^). Bindenz geh()rte ehedem 
den. Montforten von Werdenberg. Graf Albrecht von Werden- 
berg, der keinen Sohn hatte, ^erkaiiite die Herrschaft mit Vor- 
behalt lebenslänglichen Besitzes im Jahre 1894 an Herzog 
Albrecht von Oesterreich. Zweiundzwanzig Jalire nun nacliher 
kam nach der erwähnten Handschrift Herzog Friedrich, der Graf 
zu Tirol, in finstrer Nacht, der Haft zu Constanz entflohen, vor 
die Thore dieses St&dtchens, welches ihm erst wenige Jahre 
vorher zugeschworen hatte. Der Wächter verweigerte den Em- 
lass, wollte ihn auch dann nicht gewähren, als sich Friedrich 
genannt hatte, und meinte: .es seien schwer seltsame Lauf vor- 
handen; man lät nicht einen jeglichen gleich in**. Der Herzog 
berief sich auf einen Bludenzer Bürger, namens Schedler, der 
denn auch herbeikam und ihn erkannte. Als der Wächter sah, 



') [Dieselbe wurde bereite oben in der Aumerkung mm »ThrftnenblcWein« als 
in Zellwegors Urkunden I, 2., 149 ff. und in der »Neuen Zeitschrift des Fer- 
(liuaudeunis i II, 109 ff. gei^ruckt erwtlhnt. Die Trone der Bludenzer nuiss als eine 
geschichtliche Thateaohe auerkaunl werdtäo. Sie erprobte sich zuerst, als »die von 
Montflfuu nnd Runggalin« sofort in den Bund mit den Appenzellem trEten, während 
die Bludenzer dem Grafen Albrecbt von Werdenberg getreu blieben. Nachdem der 
sOlmelose Graf Albrecht Bludeiu an Oesterreich verkauft liatte »oiit gunst, wissen 
vnd viUen der von Blodenlz vnd der von Montafun«, schworen die Herrschaftsleirte 
Oesterreidi Treue nodi M Lebs«lt«i Albrediti, der «ie nt/oh d«n Tertrme Iiis nn 
■ein Leltensends regteen loDte. Als Heirsog Friediidi infolge der Voitince nnf dem 
Cottdl za Gonetnns gebannt nnd gelcbtefc wer, veilangfce Friedtidi Ton Toggenbnig, 
dan Bladenx dmn Beidie nnd dem J^idifi Siegmaad tchwAre. Die Btademer editugen 
dieies ab, seibat als man mit Gewalt drohte. Diese Naehiicbten jener altem Hand- 
schiift eriialten eine mericwQidige Bekrlftfgnng ^nrch die im Blndenser Stadtardilve 
liegendA üiknnde ddo. WIwierwKeaatBdt, 8. Hu 1420, dnrdi wdohe die FMiheltra 
der Blndeamr nnd MonAvnmer beetttigt wurden. Es beißt dort: »Haben wir b»> 
daeht Boleih treiw, frmnkait vnd erberkeit, die an in schelnper ist, wan sy sich altzeit 
gegen \'nsern TOidttn vnd vns als biderbo lewt hend lassen vinden, Tnd sunder wan 
sy sich in vnsem widerwertikeiten zu den zelten, als vns mser ^ediper hr. der 
rOmisch kflnig grosz krieg vnd vngnad zuzoch, als vestiklicb, manlich \-nd kecklich 
band widergohaldcn vnd bey ms als irem kflnftigen nat&rlidieD berren vnd erbs- 
f&xsten sind beUhon«.] 

Dr* F. J. Vonbun, Sagen Vorarlbergs. 15 



226 



Die a«a«kt Iwl FUnnte. 



was vorgieng, üel er dem Herzog zu Fflflea; dieser aber setzte 
flicli mit den getrenen fifltgeni ron Blttdenz zam Mahle, lud aiudi 
jenen als Gast und schenkte ihm fillr seine trene Bmghttt 4k» 
Gabe. 8. L. Steub, S. 107. — Durch diese Entweichnng hatte 

sich Friedrich alle Aussicht auf Aussöhnung mit dem Kaiser 
beuomiiieü, die Reichsacht wurde erneuert und von der heiligen 
Versammlung zu Coustauz auch der Kirchenbauu über ihn aus- 
gesprochen. Die Stände Tii'ols besorgten eine Trennung der 
gefürsteten Grafschaft von dem österreichischen Hause nnd be- 
riefen Ernest, den Broder des Geftohteten, zur Begierung des 
Landes. Zur AnsfiShrung des Entschlttsses, semen Bruder zu 
retten, gebrach es an Geld; darum Tersetzte Emest im Jahre 
1417 die Herrschaft Feldkirch au den Grafen Friedrich von 
Toggciil>uig. der sich trotz der Abneigung des Volkes gegen ihn 
in seinem ueuen Besitzthume mit Gewalt behauptete. Toggen- 
burg wollte auch Bludenz und Montavon sich unterwerfen, allein 
die Bfliger Ton Bludenz Tersehanzten sich und erklärten, nur 
dem Herzog Friedrich Treue geschworen zu haben, und diesen 
Eid werden sie halten bis in den Tod, worauf sie femer unan- 
gefochten blieben. 

IL 

Die Schlacht bei Frastanz. 

(Prugger idb. 6<M>rf, S. 49. — Weisanegor-Merkle III, 280 f.*) 

Es war am 20. April des Jahres 1499, als in Frastanz 
eine Hauptschlacht gesch1a*^ren wurde zwischen den schweize- 
rischen Eidgenossen und dem schwäbisch - kaiserlichen Heere. 
Letzteres war theils auf dem Lanzengast, einem Schenkel des 
Kojaberges, theils in der £bene zu Frastanz gelagert. Die 
schweizeriseheii Eidgenossen theilten ihr Heer in zwei Abtheüun- 
g&k\ w&hrend die eme Yon der Vaduzer Straße aus direct gegen 



') IMan ?fl. über die Schlacht besonders F. Kaiser, » Geschichte des FQrsteu- 
thum< Lifxhtansteio«, S. 289 ff, und W. Mijyer, »Die Schlacht bei Fraatenz im 
Jahre im Archiv fOr Schweiz. Geschichte XIV, 24— 118.J 



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Kaiser Max in Yaldona. 



227 



dca Feind vorrückte, die Höhe am Laiizengast eroberte uml die 
dortige Mannsehaft, der stählerne Haufe genannt, aufs schwäbische 
Hauptheer in der Ebene zurücktrieb, wurde die andere, aus zwei- 
tausend Mann bestehende Abtheilung von Ulrich Mariss, einem 
geldgierigen Bauer aus Schän, um bedungenen Lohn auf geheimen 
Bergpfaden bis auf Amerlflgen in die linke ganz sicher geglaubte 
Flanke des Feindes gefOhrt, was den Sieg der Eidgenossen ent- 
schied. — Nun erzählt die Sage, dass ein Hirtenknabe auf Amer- 
lflgen, als er die lieranzielienden zweitausend Schweizer bemerkte, 
um seinen Landsleuten auf dem Lanzengast und der Frastanzer 
Ebene ein Zeichen zu geben, so lange mit aller Kraft in sein 
Horn blies, bis er athemlos zur £rde sank. — Weiter behehtet 
sie, man habe dem Verrüber den bedungenen Lohn ausbezahlt, 
aber auf dem Stege über die Dl zwischen Frastanz und Gftvis 
soviele Spieße, Bfichsen und Rüstungen auf ihn gehäuft, dass er 
darunter ersticken musste. — Auch die Weiber von Gävis sollen 
an der Schlaclit männlichen Antheü genommen und sich das 
jetzt noch bestehende Recht crworljcn haben, das Rosenkranz- 
gebet in der Kirche anfangen zu dürfen, was sonst überall von 
Männern geschieht^). 

12. 

Der Kaiser Max i^t, ho mer säga 16, 
Amäl na' 'm Schwiz er krieg vo Feldkirch her 
Verschwitzt und dürftig ge Valdäna kd 
Und 8§t: Sdüückle Wi wir mi Begehr'. 



') An dioKo Schlacht bei Frastanz (wohl die blutigötö, di« aui vorarlbergischem 
Hoden gesvlilag^Mi wurilo) erianert eine au dor Straße nach Frastanz erbaute Kapelle, 
unter dereu Vordach ein Schlachtschwert, und eim- Hellebardu aufbewahrt werden ; 
auch wird noch iu unmia Tageu aui dritt«u Tage der Bittwoche bei Eiiuiegomig der 
FaUtor ein G«b«t ftr die GefaUeseo verrichtet. — Vgl. mit obigem die lOiBiMlie 
SefB TOD Tarpeia, welelM, erdrOcikt von der Last dea anf aie ffesefaleaderlen 
Sdimuc^i, Üir Twfanclien dea Yenailiaa der Tateratadt mit dem Tode boßte. 

15» 



228 



Kall« Mix InTaMuift. 



Und d' Freire g&ht imd holt a Schdpple W! 
ünd stellt *8 a bits verdattrat uf *e Tisdi: 
«Nend halt verlieb, *8 i^t no* Ardetmer Wf^) 

Mit wenig Färb und sMecht, aber frisch". 

Der Kaiser trinkt si Sch^ple tapfer ts, 

Verzucht zwär Mle d's Mül, set aber doch: 
,r hä hüt Diir^t, und honder meh im Hüs, 
So möchti^ so ne Schdpple Krätzer noch". 

Das ander Schöpple kunnt, a dritts dema', 
Z'le?t macht zum gueta-n-End das viert a Miß, 
Doch wia Hen Max will fortzue witer göh, 
So trOmlet er, wenn d' 's säga darfi^t^ grad rAfi. 

Nach einigen war es im Jaiire 1506, als Kaiser Maximilian I. 
Yaldima beanchte, daselbst einen Imbiss und ein Mittagsschläf- 
chen hielt und es darauf mit der Ffiurrei Satteins beschenkte. 
Kaiser Mai liebte überhaupt Feldkirch und die Umgebung und 

hielt sich 6ftei% auf seinen Ztlgen in die Vorlande oder anf der 
Kückkehr aus denselben dort auf. Der alte ehrliche Chroiüöt 
Pragger erzählt: Als der Kaiser 1510 TOn Innsbruck seine Ver- 
lande zu besuchen gedachte, fmgten ihn seine Hofherren, ob er 
Uber den Föm oder über den Arlberg und Feldkirch reisen wolle. 
Er antwortete, er habe zu Feldkirch schon sehr große Ehrm 
empfangen, und die Btlrger daselbst haben ihm mit dem bestea 
Trünke also aufgewartet, dass er vermeine, wenn unser lieber 
Herr dahin komme, t3r müsste ein Käutjchieiii trinken. ^sacU 
diesem wfirfie obige Sage von einem einstigen Räuschchen des 
letzten Kitters mit Ardetzner Krätzerwein (war es nun in Feld- 
kirch selbst oder im benachbarten Kloster Yalduna) sich nicht 
wenig historischer Gewissheit nähern. 



Ardetzen heiÜt der sonnige, langgestreckte Weinberg, der das Gebiet 
Feldkirch von der nahen iüieinebene fecheidet. 



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IMe Heidenbuiv in Gftm. 



229 



13. 

Die Heidenburg in MtIs. 

(MOniOicli. — Woisenevf er-lferkltt II, 819.) 

Das heutige schöne Pfarrdoif Gävis hieß in alter Zeit 
Sega vi um, und in seiner Nähe soll das römische Clunia 
gestanden haben. — Von uralten Zeiten her erhielt sich im 
Mnnde des Volkes die Sage tob einer Heidenburg^). Diese 
lag sliddstüch Ton QMa auf einäm frei stehenden Beigkegel. 
Von dieser Hochwarte konnte jeder, war er Bhfttier, ROmer oder 
ein später Alemanne, den nahenden Feind von ferne sehen und 
seinen Weiterzug hemmen. Die einstigen Bewohner dieser Burg 
sollen an gewissen Tagen in weißen Kleidern paarweise den 
«Heidenweg'' herunter zu der großen Linde auf dem heutigen 
Kirchenplatze gekommen sem, ihren Gdttem da geopfert und die 
Rückkehr Aber den ,Lydaweg* genommen haben. Beide Namen 
der Wege, von welchen der erste (tetlich, der andere westlich 
zur Bnig fahrt, sind noch jetzt im Gebiaiiche. 

Unter den Fimden, die bei der Heidenburg zu verschiedenen 
Zeiten gemacht wurden, befindet sich auch eine Kupfermünze 
des Kaisers M. Claudius Tacitus (f 276) mit der Umschrift : 
MF (d. i. IMPerator) G« M. OL Tadtus. Aug. Bev. MAKTI 
PACli'. 



') [Veber die »Heidenbui^« bandelte wiederbolt J. Sb. Doaglass in den 
B««h6inelialts*6«iidit6ii des . . . MnMun-Yereins in Bregen imd mr; IV, 9 ff. ; 
TU, so ff.; YIU, 78; «bauo vgL man Donglaii, Die TUmm in ?«nilb«rf (im 
Zn. Bodientchaftfr-Beridit . . . ftr 1671, S. 81 £). Wlhraiid Douglaw und vMe 
mit Ihm dtniift tmf der »Eddenbnrg« locMeD, nahm der Beraiugeber dleaor Safen 
di« Bttntennaiuion IBr Bankw«il in Anj^mdi in aaiiita *Bftikiggtat&i^ hi TimrilMff « 
(Bote HAr Tirol tmd Tocadbavt 1878, Nr. 164—160). — J* Zoamair Tvriegta 
inüolKe der dnreb flm vetanlasaten Ansgrabnngen rümlMlier Bantemeata Iwi Alteoatett 
Clmia dortiiiiL TgL »Feldkinlier Zeitoof« 1884, Nr. 14, 18, 86, 80.] 



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280 Die «nten Bewolmer von Danfllf, 



14. 

Die ersten Bewohner Ton Damüls. 

(J. Bergmaan, Uatersachunscn über dio freien Walser, S. 49.) 

Die Kirche zu DftmOls liegt 4023 Fuß [1281 m] ühor der 
Meeresfläche, und die umgebendeii Berge: Uga, Trista (Mittags- 
spitze), das Hohelicht u. a. übersteigen diese Höhe noch um 
einig'e tausend Fuß. Gleichwohl sollen nach der Sage auf diesen 
himmelaustrebenden Bergkuppen um Damüls schon in uralter 
Zeit vertriebene Leute ihr Leben geheim ge&istet liaben. Man 
will in der hocib^elegenen Alpe üga in Höhlen Staffeln bemerkt 
haben, Hohlwege und Steige mit noch leicht kennbaren Spuren 
giengen Aber die hiScheten Alpen, z. B. von Brand her dnreh 
die Ugncr Mähder über Süns nach Lateins und dem Lande zu. 
Nun verspäteten sich nach der weitem Sage Jäger, die Grafen 
von Montfort der Linie zu Feldkirch, auf diesem Eevier und 
fanden bei einbrechender Nacht im hohen Urwalde keinen Aus- 
weg mehr. Bei ihrem ümheriiren wähnten sie, menschliche 
Stimme zu hdren, die aus dem Dunkel, zumal sie in dieser 
Oede kein lebendes Wesen gewahrten, gespenstisdi klangen. Nach 
längerem Lausciken näherten sie nch mit Weidmanns Muth emer 
Felsengrotte und riefen mit fester Stimme hinein: „Wenn ihr 
da drin Menschen seid, iiommt heraus!* Baiig-eü Herzens traten 
nun diese Trogiodyten hervor, und beide Theile erzählten sich ihre 
Geschicke. Die Jäger fanden Nachtquartier, boten den Hilflosen 
ihren Schutz an und wurden von der Zeit an ihre Wohlth&ter. 
Die schledite Wohnung wurde bald mit einer bessern aus Holz 
vertauscht. — Das EBma soll durch den Schutz der Wälder bei 
weitem milder und der Boden fruchtbarer gewesen sein als jetzt 

Mit den Leuten, die in uralter Zeit am üga und Trista 

ihr Leben geheim gefristet haben, sind vielleicht die alten rhäti- 



0 Man ^ Uertter oben die Etideitaiiy «nr Abdieflniif »Ttti^etMlMCDiv«« 
8. m % 



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8b TiMiolfai. 



281 



sehen Ureinwolmer gemeint, deren Basein in den Klängen Scafells 
GaraellA, Plfts^ia n. 8. w. sich offenbart, während Namen wie 
FonianeUa, Gavadnra, Schadona andeuten, dass naeh dem Bh&ti- 
achen hier romaniBcli gesprochen wurde. — Die firenndücW 
Gastwirte der verirrten Grafen von Montfort moehtmi schon 
Deutsche — Walser — gewesen sein, denen die Namen liiand, 
Bödmen, Schwendi u. s. w. entstammen. 

15. 

St. Fridolin 
vor der offenen Gerichtsstätte zu Mtksinen. 

(Ein GtmAldo Mf einer hObeiOMi Tafel am Eingänge der Kirehe uf dem Beife ni 
Banlnvell. — t. Arx I, 75 IT. — Weizeneffcer^Merkle II, £08. — GuteT 
Schwab, ner Bodensee (Stottgarfe und Tabiagen, 1827), & 407. — L. Stenb, 
S. 149. — [OottlHed Heer, St. Fridolin, der Apottel Alamanniena (ZOrieh, 1889)] 

J. Bergmann, BeiMge, 8. 67.) 

Tm Laute des siebenten Jahrhunderts erschien Fridolin, 
ein irländischer Glaubensbote, in Deutschland und Frankreich. 
Von dem fränkischen K<>nige Chlodwig U.^) erhielt Fridolin 
eine unbewohnte Insel im Rheine zmn Gteschenke, auf der er das 
Kloster Säddngen grflndete. Auf seinen heilbringenden Wande- 
ningen kam er auch in das Land Glams im Gebirge Alemanniens, 
das den Gebrüdern ürso und Landolf gehörte. Urso führte als 
neugetaufter Christ ein musterhaftes Leben, verma<?hte dem Tode 
nahe seine Hälfte Güter dem Kloster Bäckingen und entschlief 
selig in dem Herrn. Nach seinem Tode sollten die Güter laut 
Testamentes dem Eloster anheimfallen, aber der geizige Landolf 
setzte sieh ungerechter Weise' in Besitz derselben. Fridolin 
als Vorsteher des Klosters fQbrte nun vor dem offenen Gerichte 



1) Chlodwig II. war der jOngero Sohn KOnig Dagoberts I. von Austrasien, der 

im Jahre 680 (Jon Halbmond in den daher genannten Mon stein jenseits des 
Rheines als Greuzzeichen zwischen dem damals his hleher reichenden bnrpuidischon 
Thurgau und Rhätien pinhauen ließ. Derselbe König Dagobert bedachte die uralte 
Kirche zu St. Peter in Rankweil mit Gfltora, weshalb aUj&hrlich am 80. Juni 
Seelenmessen für ihn und seinea Sohn Siegebert II. daselbst gehalten werden. 



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232 



St« VridoUn» 



ZU Müsinen Klage, der Gegner leugnete. Das Gericht gab 
sofort idolin den Bescheid, seine Kechte durch Zeugen zu 
enreiflen. Fridolin vei8pTa4sli, binnen festgesetster Frist gUmb- 
wflrdi^ Zeugen zu stellen, und zog ans fibematOrliehem Antriebe 
nach Glams zmn Grabe des vor zwei Jahren verstorbenen TJrso 
und rief den Todten, dass er im Namen Gottes wieder auflebe, 
um der Wahrheit Zeugnis zu geben. Und siehe! der Grabstein 
hob sich, die Erde kreißte, und der Leichnam stand auf und 
wandelte mit Fridolin Hand in Hand zum Gerichte MQsinen, 
wo die Schöffen und Landolf schon der Zeugen harrten. Mit 
hohler Geisterstunme machto ürso seinem Bruder Yorwflrfe und 
bekraflagte seme Sdienkung vor den todienblassen Bichtom. Der 
kinderlose Landolf schenkte voll Entsetzen zu dem Antheile seines 
Bruders auch sein eigenes Gut dem Heiligen zum Baue des jun- 
gen Gotteshauses^). Der Todte ward von Fridolin wieder zur 
Buhe in sein Grab geführt. 

Die freie kaiserliche Keichsmahlstätte, mallus imperii, Yor 
wekher Fridolin seinen Zeugen stoBto, wurde seit dem grauen 
Altorthume bis ins fün&ehnto Jahrhundert unter freiem Himmel 
auf dem grflnen HQgel zu Ifftlsinen bei Sulz rechto am Fmtz- 

bach gehalten und wurd«- (lami wegen der Schweizerkriege in das 
Dorf Rankwyl verlegt, jed ^ h mit Ehrung des alten Herkommens, 
dass das Gericht auf des Kelches freier Straße, höchstens unter 
einem Schutzdach mit offenen Seiten und nur im Winter in der 
Stube gehalten werde. Sein Sprengel reichto damals bis an den 
Arlberg, an den Septimer in Graubflnden, an den Waüenst&dter 
See, bis ins Thurgau und an den Bodensee. Mächtige Herren 
aus rhätischem und alemannischem Geschlecht waren seine Schöf- 
fen, und es saßen auf der Müsiner Wiese zu Gericht: die Graten 
von Monttort, von Werdenberg, von Toggenburg, von Misox, die 



1) Gewiss ist es, dass von uralters her Glarus dem Fraoenkloster SÄclnng-on 
gehörte und der hl. Fridolin nach dem Glauhen der Viter als der Schutzpatron des 
Landes verehrt wurde. Bis auf den heutigen Tag erscheint sein Bildnis, ein wan- 
dernder Einsiedler, im (laadeswa^eii. Ebenso war es auf die MQnzen des Cantoos 
gej^ir^t. 



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Der rothe Steio in der FridoUiukigeUe za Bankweil. 233 

FrciheiTon von Aspcrmont, von Behnont, von Rhäzüns u. a. 
Später, narhdeni die alten Geschlechter unter«: (gangen, wurden 
die zQha. Beisitzer aus dreizehn freien Geschlecktem des Spren- 
geis genommen. Der freie Landrichter wurde von der kaiser- 
HdMn M^jest&t gesetzt, im leisten Jahrhundert aher ward ver^ 
ordnet, dass es fftr alle Zeiten der Yegt Ton Feldldrch sein 
soUe. Dies freie Landgericht erhielt sich his zum Jahre 1806, 
wo Vorarlberg aii Baiern üei^;. 

16. 

Der rothe Stein In der Frldollnakapelle za Bankweil. 

(MfliidHeh.) 

An die Pfarrkirche auf dem Erauenberge zu Bankweil ist 
auf der Kordseite eine kleine EapeUe angehaut, die sogenannte 
Fridolins-SLapelle, darin ist zu sehen ein großes rOthÜches Quarz-» 

stück mit zwei Vertiefungen, in die mancher andächtige Püger 
seine Knie senkt. Von diesem eigenthümlichen Betstuhle geht 
die Sage: Als Fridolin von dem Gerichte zu Müsinen in Sachen 
der ürsischen Güter (siehe die vorige Legende) den Bescheid 
erhalten hatte, die Wahrheit der Schenkung durch Zeugen zu 
erh&rten, so Terließ er die Mahlstatt und gicoig in den Wald 
ober Bankweil, wo er sich auf einen Stein niederwarf, um im 
Qebete Tlrost iHr ma beklommenes Herz zu suchen. Pll^tzlich 
war's dem Betenden, als spräche zu ihm eine hehre Gestalt aus 
goldumsäumter Wolke : „Ziehe gen Glarus und rufe den todten 
Urso, dass er zeuge gegen Landolf*. Die uberirdische Erscheinung 
Terschwand, und der Stein, auf dem der Betende kniete, ward 
weich wie Wachs, dass tief seine Knie einsanken. Fridolin er- 
hob sich und zog gläubig nach Glarus, wo auf seinen Buf der 
Todte erstand. Der Stern nahm zwar seine natflrliche Härte 
und Sprödigkeit wieder an, Heß aber die deutlichen Spuren von 



•) [Man vgl. auch J. B. Busch, Das Gaugericht auf der MOsmendese oder 
das freie kaiserliche Laadgericht za Bankwoil in MQsiaen (Lmsbruck, 1870).] 



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234 



st Columban und seine Schüler ia Bregoni. 



den eingesunkeuen Knien zurück und wurde von den HÄnden 
frommer Christen in die iiapelle gebracht, in der er heutzutage 
noch liegt. 

17. 

St* Columbiui und seine Sehfller In Bregenz. 

(Weiseoefffer-Merkle II, 288.) 

Als der hpilicre Irländer Coliimban f<,^eboren um das Jahr 
560) seiner unwillkommenen Sittenpredigteu wegen von dem 
flppigen Hofe des Frankenkönigs Theoderich 11. verwiesen wor- 
den war, begab er sic^ mit seinen Sohfllem Grallus, Magnus 
n. a. nach Arbon am Bodensee zn «mem frommen Priester, 
namens Wilimar, und fragte nach einem Platze, auf welchem 
einige Zellen in der Einsamkeit zu frommen Uebungen erbaut 
werden könnten. ^\Jlimar antwortete: »Es findet sich ein ver- 
öd(>tor Ort, der die Spuren alter Gebäude unter Trümmern be- 
wahrt, wo das Erdreich fett und zur Erzeugung von Frücht sni 
tauglich ist; hohe Berge stehen im Halbkreise, eine (kle Wüste 
erhebt sich fiber der Stadt, die Ebene ist fruchtbar; wer hier 
Nahrung sucht, dem wird der Lohn der Arbeit nicht rersagt; 
der Name ist Brigantium*. Mit apostolischem Eifer eilten die 
Älfinner des Lichtes dem beschriebenen Orte zu und fanden da 
im Jahre 609 in der Kapelle der hl. Aurelia schon ältere Be- 
mühungen vor, welche auf die Verbreitung des christlichen 
Glaubens hindeuteten^). Bald sahen sie ein, dass die Arbeit von 
vorne begonnen werden müsse, weil in der Aurelia-Kapelle drei 
eherne Ck^tzenbilder der Alemannen: Wodan, ThOrr und Freya 
und ?or denselben em Kessel (cupa) voll Bier zum Opfertranke 
aufgestellt waren. Columban vertraute auf die Vorsehung, 
erwartete das Gedeihen von der Zeit und schlug mit seinen 
Jüngern einige Hütten auf. Ein frommer Wandel, stille Zurück- 
gezogenheit und der Anbau des Landes befreundete die Alemannen 

1) Dar Mlr^rtod der U. AnnNft Mi miHk G«rb«rt (Rdian dnx^ AltnmutoOt 
8. 62) JiiMdM Jikr 468 unter tan BmuuMif XiitiU* 



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• 

Stw Colambui und seine Schüler in Bregens. 



235 



mit diesen Ankömmlingen, die sich bestrebten, ihre Sprache zu 
lernen, und keine Gelegenheit versäumten, sich mit allen Sitten, 
Gebräuchen und Neigungen der Einwohner bekannt zu machen. 
Gallus besaß einige Kenntnisse in der Heilkunde und wusste 
besonders gut mit dem Fisch&nge nmzngehai^ so dass er oft 
den Hunger des Landvolkes mit seiner Ausbeate stillen konnte. 
Ermuthigt durch das bisherige Zutrauen, benfitzte Gallas ein 
großes Götzenfest, welchem Weiber und Kinder, Männer und 
Greise zugeströmt waren, theils nm die Götter zu ehren, theils 
die Fremdlinge, von denen soviel Gutes schon zu ihren Ohren 
gekommen war, selbst zu sehen ; er tieng an, diesen gutmflthigeu 
Leuten den wahren Gott %n verkttnden; seine b^eisteiie Bede 
fiind ein geneigtes Gehör, und der größte Theü zeigte eine solche 
Ueherzeugung, dass der Prediger es wagen durfte, die Götzen* 
bilder zu zertrfimmem, in den See zu werfen und den Bierkessel 
auszuschütten. Unter Gebeten und Gesängen errichtete Colnm- 
ban einen Altar, weihte die Kapelle zum christlichen Gott es- 
dienste ein, brachte Gott das unblutige Opfer des neuen Bundes 
dar und taufte die hinlänglich unterrichteten Alemannen. Nach 
drey&hrigem segensreichem Wirken trennten sie sich, Colum- 
ban zog nach Italien, Gallus nach Arbon und Si Gallen. 

Die Beschreibong des Priesters Wilimar zu Arbon sagt 

deutlich, dass das alte Brigantium^) damals in Trümmern lag; 
seine Zerstörung fällt wahrscheinlich in die letzten Zeiten der 
Völkerwanderung, wo die Köraer bui dem uii<,^e»iümen Andränge 
deutscher Volksstämme ilir eigenes Italien kaum schützen konnten 
und Vindelicien und Bhätien ihrem Schicksale überlassen mussten, 
oder in die Zeit von Attilas zerstörendem Bflckzug aus Gallien. 
— Die Stelle, wo sich Columban mit semen Jfingem niederließ, 
ist wohl schwerlich in den Niederungen am Bodensee zu suchen, 
denn diese mochten sich damals noch nicht im anbaulähigen 



^) [Uebor das alte Brigantium vgl. besonders S. Jenny: »Die Bömerstadt 
«m MbwAUaelien Mmm«. (SepamlMock «n OtsterreioUacben Jahibndi 1889 
von Fwilmni t; Belfert.]] 



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236 8t AringMt 

Zustande befanden haben. Richtiger wird man die Meinung 
finden, dass die Irländer ihre Zellen auf der terrassenförmigen 
Erhöhung unter dem ehemaligen uralten GrenzsohloBse BabenvoU 
anschlugen, wo auf einem Felsen, genannt OaUenstem, eine im 
Jahie 1614 ansehnlich erweiterte Kapelle stand, die das Bildnis 
des hl. Gallus enthielt und besonders von Kranketi, Fieberleiden- 
den und Bedrückten zahlreich besucht, später aber aus Mangel 
au Fonds zu ihrer Unterhaltung abgetragen wurde 

18. 

St Arbogast. 

(Kandlleh.) 

Der Weg vom Dörfchen Klaus im voideni Walgau führt 
in sanfter Sieiguug durch schattige Waldung in heitere Land- 
schaft gen Götzis, wo auf einem Hügel, wenn auch gebrochen, 
stolz der Thurm von Neu-Montfort sieh erhebt Darunter liegt 
eine liebliche Wiese, yon Nnssbftumen umschattet, und auf ihr die 
ehrwflrdige Kirche St. Arbogast Diese Kirche fOhrt, wie 
eine fromme -Sage geht, ihren Namen vom hl. Arbogast, 
einem Schottländer (nach andern war er aus Aquitanien gebürtig), 
der m dieser traulich - stillen Einsamkeit als Einsiedler lebte. 
Derselbe wandte sich nach einigen Jahren beschaulichen Lebens 
ron hier nach Straßburg, wc er bekaontUch zum Bischof gewählt 
wurde und in große Huld und Vertrautheit mit dem austrasi- 
sehen K^nig Dagobert kam, der nichts begehrte als Arbogasts 
Heden und weisen Rath, gleichwie in späterer Zeit Kaiser Karl 
der Dicke den Schottländer St. Euseijius, der auch in unserer 
Gegend auf dem Victorsberge ais Einsiedler lebte, häufig zu- 
rathe zog. 



*) [Man Tgl. J. Z ü s m au, GrüiidungSfeschichte der Vorarlberger Klöster des 
Mittelaltere. I. Das Zeitalter der Schottenkloster und des Benedictiner • Ordens. 
1. Die Sdrattenaiiitodlai« za Bregeiii 610^61S. (ZXIL Jakiet-BttkU d«B . . • 
Hiiwaiii>T«raiiit in BNtmt Ar 1882, S, fl4"-86.)l 



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Si EoMlttai. 



237 



19. 

St. Easeblus. 

(Weizeneggd r-Merkle U, 221. — J. Ber^rmann, Walser, S. 20* — 

L. Steob, S. 1510 

St. Eusebius, ein geborner Schottl&nder, war Profess des 
berühmten Benedictiner-Stiftes St. Gallen. Seine besondere Liebe 
zur PJinsamkeit bcwog ihn, vom Abte Harmut die Erlaubnis zu 
erbitten, sieb ganz in eine Einöde zurückziehen zu dürfen. Mit 
dem Segen des Abtes zog er dann um das Jahr 850 auf den 
imweit Kankweü oberhalb BAÜus gelegenen Yictarsbexg mid lebte 
daselbst viele Jalire versehlossen in seiner Klause. Er verließ 
die Kemenate nur selten, sondern belehrte und unterrichtete aQe, 
die zu ihm walii'ahiteiüü, aus seinem Feusterchen. Einmal aber 
stieg er, Gottes Wort zu predigen, nach Prederis hinab, einem 
Oertchen, das unterhalb Bankweil im Blachlelde hegt. Als 
er dort seinem frommen JBifer genüge gethan, l^[te er sich, 
Yon der Hitze des Tages ermüdet, unter einer Linde zum Schlum- 
mer nieder. Zur selben Stande kamen aber etiiche heidnische 
Bauern des Weges, ersahen den ehristlichen Feind und schnitten 
ihm mit der Sense das Haupt ab. Diese versanken nach der 
ünthat in die Erde, St. Eusebius aber nahm mit der Rechten 
sein Haupt , gieug du mit dreimal in die üunde und trug es dann 
gen St. Yictorsberg hinauf. 

Zu seinen Lebzeiten war Kaiser Karl der Dicke sein Freund 
gewesen und als soleher oft zu ihm in die Klause gekommen, 
wo ihm der Einsiedler viele zukflnitige Dinge weissagte. Auf 

seine Bitte schenkte der Kaiser den Berg und seine Güter zu 
Röthis und die Höfe, Felder und Zehnten in Viiiomua (d. i. 
Üaukweil) dem Stifte zu St. Gallen, das dafür auf St. Yictors- 
berg jahraus jahrein zwölf Beisende beherbergen und verpflegen 
sollte. Spftter kam dies Pilgerspital an die Grafen von Montfort 



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238 



Dtr XonndAnuiinn in Hohsnoi». >~ St Qerold. 



und das MiBoritenkloster, das Rudolf, der letzte Graf zu Feld- 
Idrcli, Im Jahre 1381 gegründet und Kaiser Josef aufgehoben 
hat'). 

20. 

Der Konradsbrunnen in Hohenema. 

(W«iceiittcf «r-Herkle III, 68.) 

Es war im Jahre 907, als die Ungarn, die Feinde des 
Heiches, bis nach Baiem vordrangen und den Herzog Luitpold 
verjagten. Die Besttlrzung war groß, und viele Dynasten und 
Herren suchten ihr Heil in der Flucht nach den rhfttlsohen Ge- 
birgen ; so ümd namentlich Hehiiich von Altdorf und Ravens- 
burg, aus dem Geschlechte der Weifen, mit seinem Sohne 
Konrad, dem naehherigeu Bischöfe, von Constanz, eine Zutlucht 
auf dem IVlsenschlosse zu Hohenems. Die Erinnerung an diese 
Begebenheit lebt noch in einer Volkssago, indem ein tiefer ü'elsen- 
brunnen der Burg von dem hl. Eonrad den Namen und die 
Biigenschaft erhielt, dass jede Unreinigkeitt die man hineinwarf, 
das Wasser auf mehrere Tage versiegen machte. 

21. 

8t Gerold. 

(J. Bergmann, Walser, S. 42. — "Weizeneguer-Morkle II, 61. — 
ISchnars] Der Bodensee und seine Umgobnn^on L 85 iStxittgait nnd Tübingeu bei 

J. G. Cotta lbö6.) 

■ 

Im obem Walserthale auf der Sonuensdte, umgeben von 

schattigen Ahornbäumen, liegt inmitten einer großartigen Gebirgs- 
landschaft das friedlich-einsame Klösterchen St. Gerold. Seinen 



*) (Man VfL J. Zftsmair, Der Schotleii-Go&mt auf St Vietonbers 854 
bis c. 896. (XXn. Jabrea-Beridit dei . . . Mnsmni-Vereiiia In Bregenz Ar 1888, 
8. 40 ff.) ZOtnair veiOffeiiflidite noch AnfaitM ftber dan U. SoMbim in der 
»Feldklrchcr Zeitung« 1888 November nnd 1884 November nnd Beeembet. 
Dr. M&rtin Wiuder, Der U. Ensebinet ehemalifer Anadioret auf St Tiefeonbeif 
(Breiens, 1886).] 



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Si GenUL 



289 



Namen führt es vom hL Gerold aus herzoglich - sächsischem 
oder, wie einige wollen, aus dem Qeseblechte der Herren von 
Sax im Bbeinthale. Derselbe TorlieB nach der Legende seine 
Gemahlin nnd Kinder und erschien in der Mitte des zehnten 

Jahrhunderts hier in der Wildnis, die damals noch den Namen 
Frusuiia führte, und lebte, nur dem Himmel bekannt, als Ein- 
siedler mehrere Jahre. Als Wohnung diente ihm eine hohle 
Eiche, und Waldfrüchte waren seine Nahrung. Graf Otto, auf 
Jagdberg wohnend, ließ in dieser Wildnis jagen. £in Bär, den 
Hund mid J9ger aufgejagt hatten, lief zur Eiche und fand zu 
Fflßen des frommen Mannes seine Bettung. Otto eilte auf die 
Knude hieron sogleich dahin, um ihm seine Verehrung zu he- 
zeigen, und schenkte ihm ein Stück W aldung, auf dem er em 
Bethaus mit einer Zelle baute. Um dieselbe Zeit suchten voll 
kindlicher Sehnsucht Kuno und Ulrich ihren lang vermissten 
Vater Gerold und fanden ihn. Sie entschlossen sich, der Welt 
zu entsagen und bei ihm zu verbleiben. Bald vermochte er sie, 
nach Einsiedeln in das Kloster des hL Benedict zu gehen, in 
welches sie 974 eintraten. Im YorgefSbl des nahenden Todes 
nahm der gottselige Greis seine Tasche voll Erde und pilgerte 
nach Einsiedeln und legte sie als Zeichen der Vergabung auf 
den Altar ui der Kapelle der Mutter des Herrn. Nun kehrte er 
in sein Bethaus Fryson oder Frasuna zurück und bescbloss am 
19. April 878 sein frommes Leben daseibat. Als die Söhne den 
Tod ihres Vaters vernahmen, begaben sie sich mit Erlaubnis 
des Abtes in die Gerolds-Zelle und starben dort im Bufe der 
Heiligkeit. 

Das Stift Einsiedeln ließ nun die Waldungen lichten und 
den Öden Grund bebauen ; die Ansiedler mehrten sich allmählich, 
und die Gemeinde nannte sich St. Gerold. Das Stift führte 
hier bald auch ein Kirchlein und ein klosterliches Gebäude auf 
und Bohickte zur Ausfihung der Seelsorge ffir die Eigenleute und 
zur Einhebung der Einkünfte dieses Besitzthnmes und der andern 
Güter dieser Umgebung einen Capitularen als Statthalter oder 
Verwalter unter dem Titel eines Propstes mit etlichen andern 



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240 Dto mUhd Gwchwtotw Itebotii, IHedo und Dga. 

Friestem dalun, daher die noch flbliche Benemumg «Propstei 
St. Gerold*. — Zur BeMftigung der Legende findet man an 

der Klostermauer den sächsischen Rautenschild angebracht. In 
der Kii'che ist das Grab des Heiligen und seiner Söhne, sein 
Haupt ist auf dem Altare zur Verehrung aufgestellt und seine 
Lebensgeschichte in Bildern an die Wände gemalt. Sein Sterbe- 
tag wd zu St. Gerold und Maria-Einsiedeln festlich begangen. 
— Obigen Grafen Otto von Jagdberg hatte man lange Zeit 
fälschlich für einen Grafen von Montfort gehalten. Nach 
J. Bergmann aber (Beiträge, S. 55) war er sicherlich nicht ans 
dem Geschlechte der Grafen von der Fahne, indem zur Zeit des 
hl. Gerold in diesem Gaue noch kein Montfort gebot. Herr 
Bergmann hält diesen Otto für einen Sohn des Herzogs Luitolf 
von Schwaben (t 957), somit fflr einen Enkel Kaiser Ottos L, 
aus dessen erster £he mit Etgid, Tochter König Eduards ron 
England^. 

22. 

Die seligen Geschwister Merboth, Bledo und Ilga. 

(Nach eu«r kleiuea BrocchQre mit obifem Tital von Theophiius Nelk. 

Lindau, 1844.) 

Der innere Bregenzerwald, ein schönes triftenreiches Beig- 
thal, war ursprOnglich eine Alpe, die zum Theile den alten um 

1158 erloschenen Grafen von Bregenz gehörte und von den 
Benedictinem des Klosters Mehrerau im zwölften und in den 
folgenden Jahrhunderten urbar gemacht wurde. Als die ersten 
Culturpunkte treten ans Dämmerlicht Alberschwende, Schwarzen- 
berg und Andelsbuch. Diese drei Orte sind die Statten, wo die 



<J [Man rgL J. B. Rnscb, G«8ebichte Ctoroldt dM Fromineii und aain«r 
Fiopitd in Tonurlbetg («u 4m XUII. Band« dn von d«r kaiitri. Akadoni« der 
Witsenschftften heransflwsbenen AitMn ftr Knnd« OfterrelcUicher OeaeUdilaqaellaB 
iMMDden abgednickt Wko, 1870). — P. Adahtch Biaiisar, Knna Geeohiobte 
dar Ffobatei St Oanld in Vondbaif (Einsiedalii, 187S). — J. Zöamaiir, Dia 
PkopBfcai Friwan, apitar St Ganld tatuumt Om ZZIY. Jahsaa-Bailalife daa . . . 
lIaaaam*T<Mina in BtefWK flu 1886, S. 80—48).] 



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Die seligen Geschwister Merbotb^ Diedo and Dga. 



241 



Geschwister Merboth. Diedo uuii llga ein sclip: Leben ffihrten. 
Sie stammten nacli der Sage im eilften Jahiiiuiiderte aus dem 
Geschlechte der Grafen von Bregenz. 

Merbotk (Merbod) trat in seiner Jugend in das Kloster 
Melurerau und wurde später, nachdem er zum Priester geweiht 
Vörden war, nach Alhersehwende in die Seelsorge gesendet 
Meiboth arbeitete am Seelenheile seiner geliebten Gemeinde 
durch eine Reibe von Jahren. An einem Sonntage nachmittags 
gieng der fromme Priester in eine Baiiemhfltte. in der ein 
kraakes Kind war; er legte ihm die Hände auf, und siehe! der 
kleine Kranke war wunderbarer Weise augenblicklich genesen. 
Aber einige Bösewichter lauerten vor dieser Bauemhütte auf ihn, 
ond als er äus derselben herausgieng, tödteten sie ihn mit 
knotigen Prfigeln. — Auf der ^St&tte des MSityrtodes wurde 
zn Bhren des seligen Merboth eine Ideine Kapelle errichtet; im 
Jahre 1744 aber wurde an der Stelle dieser kleinen Kapelle 
eine größere, die heutige Wendelinskapelle, erbaut. In dieser 
findet sich eine hölzerne Bildsäule des Seligen: sie steht auf 
einer steinernen Tafel, welche auf vier steinernen Fülien über 
einer offenen schmalen Vertiefung ruht Hier soll Merboths 
Gtrabstätte sein. Ganz in der Nähe dieser Stelle ist unter dem 
Fofiboden der Kapelle eine Ideme Quelle, zu der man auch 
anfierhsdb der Kapelle durch einen sehr schmalen Gang sich 
Ilmdurchdrängen kaiui. Das Wasser dieser Kapelle wird von 
auf^enkrauken Wallfahrern als Heilmittel benutzt. Insbesonders 
ruft man Merboth für kranke Kinder an. Kleiderstückchen von 
Kindern legen fromme Wallfahrer der oben erwähnten Statue 
auf die Arme und legen die Kinder selbst auf jene steinerne 
Tafel — flehend um Merboths hilfreiche Fürbitte fOr sie. Zur 
Bezeigung des Dankes fflr wunderbare Hilfe Tom seligen Märtyrer 
bangen an der Wand der Wendelins-Kapelle hei der erwShnten 
Statue zahlreiche Votivtäfelchen und wächserne Abdrücke von 
kleinen Extremitäten. Auch ist daselbst ein kleines Gemälde zu 
sehen, das folgende Volkssage darstellt: „Ein frommer Schuster 
war ein besonders andächtiger Verehrer des seligen Merboth. So 
oft er frflhmoiigens irgendwohin auf sein Tagwerk gieng, kehrte 

Br. F. J. Yonbun, Sasen Vomlbeigs. IS 



242 



Die seligeu Geschwister Merboth, iiiedo und llga. 



er in der Kapelle ein und verrichtete da sein Gebet zum seligeu 
Märtyrer. Erstarbeines ö"ott seligen Todes ; und als seine Leiche 
an der Kapelle vorüber gel'ulirt wurde, lauteten sicli die Glö<i- 
lem allzumal im Thürmchen derselben von selbst*. 

Diedo war ein leiblicher Bruder des seligen Märtyrers 
Merbctb. Er floh den Glanz seinM gräflichen HauseB und begab 
sich in jene Gegend des Bregenzerwaldes, weklie jetzt Andeibh 
bnch genannt wird. Aber als Diedo dabinkam, schimmerten dort 
noch keine schmucken H lusi i . mit Schindelpanzer bekleidet, in 
sonneuheliem Thalspiegei. sonderu ein finsterer dichter Urwald 
starrte ringsumher. In dieser Wildnis wollte Diedo als Ein- 
siedler Gott dienen, lern vom Geräusche der Welt. £r baute 
sieh eine kleine Zelle oder ein Einsiedler-Hüttchen mit emem 
Betfaaus, begann sofort auch die Ausschwendung im dickten 
Walde ringsumher nnd machte urbares Feld nnd verband so 
mit den Andachtsübungen die Arbeit. Im Jahre 1097 entschlief 
er gottselig in dem Herrn, üeber seinem Grabe erhob sich bald 
die Pfarrkirche von Andelsbuch, ^och im Anfange des acht- 
zehnten Jahrhunderts legten Weibspersonen, um dem Seligen 
ihre Verehrung zu zeigen. Kleidungsstücke' auf das Grab des- 
selben, das mitten in der Kirche zu sehen war. Im Jahre 1718 
wurde die Fflurrldrche auf dem nämlichen Platze neu gebaut^ 
und seit der Zeit ruhen die ehrwürdigen Gebeine Diedos an der 
Kirchenmciuer gegen Norden in einem eigenen kleinen Gemäuer 
zwischen dem Seiteiialtar und der Kirchenniauer. — Die fronmie 
SHi(e erzählt weiter; Diedo und seine Geschwister Merboth und 
llga haben einstens dort, wo jetzt zwischen dem Pfarrdorf Egg 
und Andelsbuch die ,Pfisterbrücke* ist, voneinander Abschied 
genommen und geweint, und daher sei das Bächlein immer trübe. 
An den frommen Einsiedler erinnert auch noch ein Brünnlein, 
das gegen Morgen etwa vierzig Schritte von der Pfarrkirche 
in Andelsbuch entfernt ist und bis auf den lieutigen Tag «Diedo- 
Brünnlein" heißt, weil ehedem der i^elige von diesem Brünnlein 
sich den Durst gestillt. 

llga (auch Hielta genannt), die leibliche Schwester Mer- 
bo&s und Diedos, verließ auch ihr elterliches Hans und zog in 



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Eutstohnng d«s Klorten Taldmw. 



den Bregenzerwald, um sich dem beschaulichen Leben zu widmen. 
Hoch oben auf dem Lorena-Pass, Uber den der Weg von Alber- 
schwende nach Schwarzenberg führt« nahm eines Tages Dga von 
ihren Brfidem Merl^cth und Diedo Abschied und zwar an einer 

Stelle, wo aus hartem Gesteine eine Quelle vortrefflichen Wassers, 
das auch bei der größten Winterkälte nicht gefriert, hervorsprudelt. 
Ilga fasste daun nach dem herzlichen Abschiede ans dieser Quelle 
Wasser in ihre Schürze und trug es mit sich nach ihrem Bin- 
siedlerhüttchen, das sie sich etwa eine halbe Stunde von der 
nachmals erbauten Pfankircke in Schwarzenberg vor kurzer Zeit 
angeschlagen hatte und wo sie Wasser yermisste. Etwa eme 
Yiertelstnnde vor ihrer Einsiedelei verschüttete sie etwas ron 
diesem Wasser, das sie schon bereits drei Viertelstunden Aveit 
getragen : da enstand an dieser Stelle s(»«^leich ein Quellclien. 
das heutzutage noch zu sehen ist. Das übrige Wasser brachte 
sie in ilirer Schürze bis zu ihrer Zelle, dort goss sie dasselbe 
auf den Boden hin, und siehe! auch da sprudelte sogleich eine 
Quelle des vortrefOichsten Wassers, die heute noch den Namen 
Ilga-Quelle fOhrt. Uga starb in ihrer einsamen Zelle im Jahre 
1115, und über ihrem Grabe wurde im Laufe der Zeit die 
i'tarrkirche von Schwarzenberg gebaut. Das Wasser dei- llj^'^a- 
Quelle wird wie jenes in der Weiidelins-Kapelle zu Alberschwende 
häufig von Augeukranken benützi 

23. 

Entstehung des Klosters Yalduua. 

(Bacelini Gabrielis Bhaetia etc. AugnBtae Tindelie. [1666] p. 283. — 
Weisenegf er-MerkU n, 211.) 

In dem einsamen Thale, genannt zur .giildinen Mühle", 
zwischen Rankweil und Satteius, lebte gegen Ende des dreizehnten 
Jahrhunderts ein Einsiedler in emer hohlen Eiche, wo er öfters 
himmlische Erscheinungen hatte. Einst sah er auf dem Felsen 
des nachmaligen Klosters emen Sngel sitzen und hörte dessen 
lieblichen Qesang, bald darauf entstiegen dem Platze mehrere 
Klosterfrauen mit schwarzen Scapulieren, und himmlische Genien 

16* 



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244 



Entstehniig des Klosters Taldim. 



schwebten über ihren Häuptern. Die Erzählung dieses Gesichtes 
erregte bei den Bewohnern der Gegend ein ungläubiges Lächeln, 
dessen uigeachtet beharrte der Einsiedler darauf, dass einst auf 
diesem Batze ein Fianenldoster erstehen werde. — Um das 
Jahr 1311 hefimd sich Marqnaid Brehenzer, ein reicher Kauf- 
mann ans Briien, in diesem waldigen Thale auf einer Geschäfts- 
reise und wurde da vom Blitze zu Boden geworfen, ohne weitem 
Schaden zu nehmen. Furcht und Schrecken wirkten so auf 
Marquard, dass er sich eutschloss, hier eine Zelle zu bauen und 
einsam zu leben, wozu der Graf von Montfort seine Einwilligung 
gab. Nach einigen Jahren verschwand der neue Einsiedler, die 
Landleute erinnerten sich der obigen Weissagung und bewogen 
den Grafen Eudolf, Grund und Boden zur Erbauung einiger 
Zellen für mehrere Jungfrauen herzuschenken. Drei Wald- 
schwestern aus Grimm enstein (Canton Appenzell) waren die 
ersten Ausiedlennuen ; sie sammelten Almosen und brachten eä 
dahin, dass bald vierzig Schwestern von den freiwilligen Bei- 
trägen des Landes leben konnten. Der Bischof Dietrich von 
Chur weihte die Klosterkirche 1398, und Papst Bonifacius IX. 
bestätigte 1402 die Stiftung und ließ eine Aebtissm wählen. 

1) Dieser Marquard von Buxtm eischeint in einer Urkunde 
des Grafen Kudolf VII. von Montfort vom Jahre 1388 dd. 
Feldkirch 26. Juni. In dieser Urkunde gibt der Graf benanntem 
Bruder Marquarden und seinen Nachkommen, die ein einsiedlerisch 
Leben führen, das Haus, die Hofstatt, den Garten etc. 
gelegen im Kirchspiel zu Bankweil und im Walde Yaldun mit 
einem Umkreise von 55 Klaftern nach der Länge und 46 nach 
der Breite; befreit selbe von allen Abgaben und erlaubt ihnen, 
Bau- und Brennholz aus dem vorgenannten AValde zu nehmen. 
— In einer spätem Urkunde (>). Sept. 1389) vermehrte Graf 
Kudolf diese Dotation auf I'ürbitte seines Schwestersohnes, des 
Grafen Heinrich von Werdenberg, mit neuen Grundstücken und 
f^eiheiten und erlaubt femer, dass, wenn sich keine Brüder mehr 
fänden, auch «frowen schwostran die In gaistlichem schtn 
Tnn in ainsidlem leben da sint weltint" unter denselben BegOn- 



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Dm KireUein auf dem ChriiilMife. 



245 



stagungen sich daselbst niederlassen dürften. S. Urkunden der 
. vier vorarlbergischen Herrschaften und der Grafen von Montfort 
(Wien, 1849) von J. Beigmann; Urk. XLV u. XL VI. 

2) Die Nonnen dieses Klosters waren Clari-siimeii und lu - 
den von Kaiser Josef aulgehoben. Auf den Kuincn des kiuster- 
licben Gebäudes erhob sich in neuester Zeit eine Versorgungs- 
und Irrenanstalt Zu ihren Füßen breitet [breitete] sich ein 
stUier Bergsee aus, der dem engen, abgeschiedenen Thale viel 
Anmnth yerleiht [verlieb]. 

24. 

Das Kirc'hleln aul dem Christberge, ' 

(Mflndlioh. — fiercmann, Walaer, S. 68.) 

Auf dem südlichen Abhuuge des 5250 Fuli [richtiger 1386 m] 
hohen Christberges, eines wald- und * idereichen Höhenzui^es 
zwischen Dalaas im Klostcrthal und Moutavon, steht eine Kirche, 
still und klein, und schimmert freundlich auf die grttnen Hatten 
nieder. In dieser Gegend wurde vor Zeiten nach Silber gegraben, 
und da geschah es einmal, dass eine Grube einstfiizte und den 
Knappen, die emgefahroi waren, die Bfickkehr abgeschnitten 
wurde. In ihrer Noth flehten die Verschütteten des Himmels 
Hilfe an und versprachen, an der Stelle, wo sie wieder zut^ 
' kämen, ein Kirchlein zu bauen. Wirklich fanden sie bald einen 
Ausweg und kamen wieder an das liebe Sonnenlicht und bauten, 
mit dankerfülltem Herzen ihr Gelübde lösend, das heutige 
St. Agatha-Kirchlein auf dem Ghristberge. — In des Kirchleins 
linker (nördlicher) Seitenwand, die etwas in den Bergesabhang 
bineingebaut ist, gewahrt man einen runden, grauen Fleck, der 
von der mehr weißen Färbung der übrigen Wandfläche aulFallend 
abstiebt. Dieser graue Fleck bezeichnet nach der Legende das 
nun zugemauerte Loch, wo die Knappen durch gnädige Fügung 
Gottes glücklich dem Schachte entstiegen. Man wollte diesen 
Fleck schon oftmals verweißen, aber immer kam er binnen kurzer 
2eit wieder zum Vorscheine, damit fOr immer ein Zeichen bleibe, 



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246 



Das JüicUtsiu aui dum Chriittb«^. 



das an die glückliciie, durch Gebet und Gelübde erwirkt« iiet- 
tuug der Jeirzkuappen «dimere. 

Das Kirchlein auf dem Christberge gehört in die Montavoner 
Pfarre Silberthal und iät im sogenannten gothischen 8lile gebaut, 
üeber dem Bogen des Chor- oder Hochaltares sind die Worte 
in Stein eingekauen: «maister kaspar schop 1507", und auf 
emem wohl ans frfihmr Zeit herstUBmenden FoetasMote eines 
Seitenaltares steht in altertiitlniUchen Ziffem die Jahrewahl 
1478^). — Jener graue Fleck in der Seitenwand des Kirohlfiips 
wird, ft'eiljeb nicht so sinnig und fromm, als es die Legende thui 
doch uatürlicher erklärt durcli die Erdfeuchtigkeit, die daselbst den 
Mörtel durchsickert. — Was die Legende vveit<?r von Beigbau 
in dieser Gegend meldet, ist geschichtlich. Nicht nur am Ohrist- 
berge, sondern auch am benachbarten St. Bartholomäberge 
wurde besonders im ffln&ehnten Jabrhnnderte mit reicher Aus- 
beute nach Silber gegraben. Nachdem unter dem Erzherzoge 
Sigismund, dem Wiederhersteller der Mtlnze, um 1448 die be- 
rühmt gewordenen Silbergrubcn aui Falkensteine bei Schwaz 
erörtuet werden waren, erwachte im ganzen Lande auf einmal 
die Bergbaulust, so auch in unserem Montavon. das dem Berg- 
gerichte Imst unterstellt wurde. Am 12. October 1522 wird 
fflr die Berg^verke dieses Thaies eine neue Beigordnung festge- 
stellt, und im Jahre 1530 bestand zu Bludenz eine von diesem 
Beigbaue in Betrieb gesetste Schmelzhfltte. Die Fämilie von ^ 
Fugger war auch hier eine der yorzüglichsten Gewerke. Wahr- 
scheinlich sind die nachher ausgibrochenen Religionsstreitigkeiten, 
wovon sich unter den dortigen J\iiappeii m den Jahren 1545 
bis 1570 viele Spuren zeigen, an dem Verfalle dieses Werkes 
schuld. 



[Vgl. nr. & J «n n y , Di« st Afatha-Kapelle auf CfaristbeiY Om X^L RMtei* 
x«lMft«»*Bcric]ifc des . . « ÜMeiiin-Yeniiis io Bregens, S. 60 ffJ.J 



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Dm Brndeiliusle. 



247 



25. 

Da 6 ü r u derkusle. 

(MQndlieh.) 

Vom Kamm des Christberges und der kleinen Kirche zu 
St. Agatha führt ein jäher Steig in unaufhörlichem Zickzack, 
holperig, schmal und abschüssig den waldigen Bergesabhang 
hinab nach üalaas. Ungefähr mitte Weges steht in stiller 
WaLdeinsamkeit ein nischenartiges Kapellehen, gescbmftckt mit 
emoni liebMehen Madonna -BEde. Dieses Kapellchen führt im 
Monde des Tolkes den Namen .Bruederhnsle'. Jeder, der den 
mülievollen Weg anf- oder niederirommt, Mtzt sich gerne zur 
Rast hei dem freundlich - einsamen Bruderhäuschen im Walde. 
Als seinen Gründer und Stifter nennt die fromme Sage einen 
nun längst dahingeschiedenen Tannberger. Demselben wurde 
seinerzeit ein Knäblein geboren, das Kmd war aber todt zur 
Welt gekomm^ und konnte nicht mehr getauft werden, was 
den frommen Vater sehr betrübte. Sokfa todl^eborene, nnge- 
taufte Kinder pflegte man damals nach Scbmns im Montayon in 
die Kirche zu tragen und sie daselbst auf den Josefi-AJtar zu 
legen. Alsdami zog man glaubwürdige Zeugen bei. stellte Gebete 
an, und siehe! da geschah es öfters, dass in die todten Höllen 
das Leben auf eine kurze Zeit wiederkehrte «und der eilends 
herbeigerufene Priester die heilige Taufe ertheilen konnte. Der 
Tannberger, voll gläubigen Sinnes, beMl nun seinem Knechte, 
die Leiche auch nach Schruns zu tragen. Der Knecht mochte 
die Sache als Aberglauben ansehen, wenigstens trug er die 
Kmdesleiche nur bis in den Dalaaser Wald, grub sie dort ein 
und kehrte wieder um. Daheim meldete er, er habe das todte 
Knäblein auf dem Joseti -Altar in Schruns niedergelegt, und das- 
selbe habe atebald durch ein plötzliches Kothwerden der Wangen 
und Lippen unzweifelhafte Zeichen des Lebens gegeben und sei 
sofort ordentlich getauft und zur geweihten Erde bestattet wor- 
den. Der Yater gab sich des zufrieden. — Nach einem Jahre 



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248 



I>er Baa der PfarrUrelie in Bankweil. 



ward der Tauuberger von seiner Ehelrau wieder mit eine?« 
Knäbleia beschenkt, aber auch dieses war leider todt zur Welt 
gekommen. Diesmal war es der Vater selbst, der die Leiche 
Dahm mid sieh damit auf dea Weg nach Sehnms machte, um 
seinem Einde die heilige Taufe zuzuwenden. Er hatte ungefähr 
die Hälfte des Zickzackweges von Dalaas bis auf die Höhe des 
Christbeif^es ziiiückgeleg"t, als er sich ermüdet niedersetzte, um 
eine Weile auszunilieii. Un<l wie er so dasaß und sicli den 
Schweiß von der Stirne wischte, rief es neben ihm, wie er 
glaubte, unter einer Erdscholle: „Ätti, nüm mi' 6^ metl' Die 
Stimme rief aber bald noch einmal und recht wimmernd und 
Iclaglich. Der Tannbeiger grub nun in der Erde nach, und siehe! 
da kam die uuTersehrte Leiche seines letztjährigeir Kindes zum 
Vorscheine, das er an einem Muttermale deutlich erkannte. Er 
errieth sorfleich den Betnii^ des Knechtes und machte sich dann 
mit beiden i.eicheu wieder auf den Weg und trug sie gen 
Schruns. Dort gieng sein heißer Wunsch in Erfüllung, die 
Kindesleichen gaben während der Gebete der andächtigea Zeugen 
auf einige Augenblicke deutliche Lebenszeichen von sich, konnten 
gütig vom Priester getauft und auf dem Friedhofe beerdigt 
werden. Zur ewigen dankbaren Erinnerung an diese Begeben- 
heit ließ der Tannberger an der Stelle, wo er die Kindesleiche 
ausgegraben, das „Bruederhüsle^ bauen und dotierte es mit 
einem Funde, um es fortan iu baulichen Ehren erhalten zu 
können« • 

26. 

Der Bau der Pfarrkirche iu UaukweiK 

(Mandlich. Suikwd].) 

Auf dem Fei^kegel, der nun die hochaufracfende Raukweiler 
Pfarr- und Wallfahrtskirche zu , unserer lieben Frau auf dem 
Berge" tragt und einen wunderfreundlichen Ausblick auf den 
vordem Walgau und seine rebenumkränzten Dörfer, das liebliche 
Eheinthal und die blauen Schweizergebirge den andächtigen und 
landlustigen Wallfahrern darbietet, stand Tormaüg die Feste 



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Das wundertliitige Krem in BftnkwoiL 249 

Schönberg, den Rittern von Hörnlingen zugehörig. Als Schöa- 
berg eiQgeSsGhert war und wieder aufgebaut werden sollte, so 
wurde tou unbekannter Hand bei Nadit immer abgebrochen, 
was man bei Tage gebaut hatte, und ein frommer, einstiger 

Maurer, der bei dem Baue beschäftigt war, hOrte öfters eine 
Stiiiiiiie, man solle statt des Schlosses eiue Kirche zur iiihre der 
Muttergottes erbauen, und diese Stimme hörten bald auch andere 
Arbeiter so vernehmlich, dass man den Bau des Schlosses autgal) 
und in der Thalebene eine Kirche zu bauen anfieng. Da geschah 
es aber, dass wunderbarer Weise das Werk des Tages nachts 
immer auf den Berg versetzt wurde. Daher wurde der HOgel 
der Gottesmutter geweiht und zu ihrer Verehrung die Kirche 
auf den Trümmern der Feste Schönberg erbaut. — Bei dem 
Brande der Fest« Schönberg wurde ein Marienbild, das in der 
Schlosskapelle stand, mitten unter den verzehrenden Flammen 
unverletzt erhalten. Von dieser Zeit an wurzelte Andacht und 
Vertrauen zur göttlichen Mutter in diesem Bilde tief in den 
Herzen der £inwohner von Bankweil und der Umgegend, bis im 
Jahre 1657 Herr Hubmeister Christoph von der Halden, dem 
frommen Wunsche des Volkes entsprechend, die heutige Gnaden- 
kapelle der Pfarrkirche anbauen und das theure Marienbild dahin 
ubertragen ließ. 

27. 

Das wuuderthäti^e Kreuz in Rankweil. 

(MfiiidliclL) 

In der Sacristei der Pferrldrche zu Rankweil wird ein höl- 
zernes Kreuz aufbewahrt, das durch die Schenkungen frommer 
Wallfahrer rei(h mit Silbeqilatten und Glasgeramen geschmückt 
und mit kostbaren Reliquien angefüllt ist und an Kranken schon 
wundersame Heüungen hervorgebracht hat. Dieses wnnderthätige 
Kreuz wurde vor uralter Zeit von dem Wildbache Frödisch, der 
mit großem GetOse vom Qebirge niederstürzt, durch ein tiefes 
Thal herausrauscht und der Frutz zuströmend die Gebiete von 
Bankweil und Zwischenwasser scheidet, auf den Wogen daher- 



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250 



Dm wnndertiiltige Kreuz in Rankw^, 



geflözt und neben dem Weiler Mantlix^ nicht weit von einem 
Bronnen, der jetzt noch der «Krenzbronnen* bmfit, suageworfeiL 
Als das Kreuz gefunden wurde, erhob fdch Strdt zwisehen den 

beiden Gemeinden Rankweil und Zwisohenwasser, da eine jede 
sich den Besitz dos Heili^thumes zueijs^ieii wollte. Endlich wurde 
auf (\pu Eath eme» ehrwürdigen Greises das KreiiT: auf den 
Wagen eines üchsengespannes gelegt, mit dem Bedingen, den 
0(^n freien Lauf zu lassen, und dass der Ort, wo dieselben 
aas ungefähr oder Himmelsschickui^ stille stehen, hinfSr £e 
Yerwahrungsstfttte des kostbaren Fundes sein solle. Die Ochsen 
setzten mit dem Heiligthume durch die Wogen der FrMiseh und 
eilten geraden ^\"eges nach liankweil hia hinauf auf den Berg 
unserer lieben Frau, wo sie stillstanden. Daraus war der Wille 
der göttlichen Vorsicht sattsam zu erkennen und das Kreuz also 
in der Pfarrkirche zu EankweU aufbewahrt. — Als man einst 
mit diesem Kreuze eine WaUfiahrt nach Maria -Einsiedeln an- 
stellte und über Nacht ausbleiben musste, konnte am andern 
Tage trotz alles Suchens das Kreuz zum Leidwesen des andftcb- 
tigen Volkes nicht mehr gefunden werden, und verloren ffir 
immer schien das theure Kleinod. Als aher die Walliiihrer 
wieder nach Hause gekommen waren, fanden sie das Kreuz un- 
versehrt an seiner erwählten Wohnstätte. Von dieser Zeit wachs 
das Vertrauen zu dem Kreuze in den Herzen der Umwohner 
noch mehr, und jetzt noch scharen sich Gesunde und Kranke in 
der Fforrkirche, um mit diesem heiligen Kreuze gesegnet zu 
werden. 

Bas Jahr der Außindung dieses Kreuzes ist nicht nachzu- 
weisen; aber schon die späterhin bei Gelegenheit neuer Fassmig 
und Verzierung an demselben gemachten Lischriften Terratben 
ein hohes Alierthum. So heißt es: „Dieses Kreuz ist erneuert 
worden anno 1347 unter Herrn Grafen vcm Montfort, einen 
Commentur des St. Johann-Ordens" ^ 



(Man vgl. Dr. S. Jeuiiy, Kfts hökerue Vortrafc'i'kroiiz iu Kankweil (iui 
XVIII. Rechünschaf IS- Bericht des . . . Mas<ium- Vereins in Hregeuz über den Vereinh- 
Jahrgang 1878, S. 8 ff.).] 



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Die Entstehung des Bades Bothenbninnen. 



251 



Das Thiere ausgewählt werdsn, die den Ort bezeiehnen sol- 
leod, wo Beliquien aufzubewaliren seien, kommt in der frommen 
Sage oftmals ^or. Diese weisenden Thiere sind sehr hänfig 

der Ochs oder Stier wie in unserer Sage, aber auch der Bär, 
das Kaineel u. a. P^iii Graf Hugo von Burgund lud ein reich 
verzierlcä, mit kostbaren Keliquien gefülltes Kreuz auf ein Kameei 
lind befahl, dem Thiere freien Lauf zu lassen; da gelangte es 
nach Niedermünster iioi Elsass, das damit in den Besitz des 
Heüigämmes kam. (Ang. StOber, Die Sa^ des Elsasses, 
S. 177 ff.) 

28. 

Die Entstehnngr des Bades Kothenbrnniieii* 

(llflndlicb. Bncbboden.) 

üngeföhr eine »Stunde Weges von der walserischen Berg- 
pfarre Buchboden entfernt, liegt in einem schauerlich - einsamen 
tmd unwirtlichen Thalkessel das in der ganzen Gegend gepriesene 
Bad Bothenbrnnnen. Unweit von dem bescheidenen Bad- 
banse stürzt em WÜdbach vorbei, der den Namen Madonna- 
Bach fQbrt. Ueber die Entstehung des Bades und des Namens 
dieses Wildbaches geht die Sage: Ein Hirt hatte einmal seine 
Herde in die (legend getrieben, wo jetzt die Quelle aufgefasst 
wird, und während dieselbe graste, besah er sich von einem 
Hügel aus die Gegend, fand sie aber so wüst und unfruchtbar, 
dass er sich nicht enthalten konnte zn sagen: „Der Schöpfer 
hat dieses Thal doch zn wenig bedacht; wachsen ja kaum ein 
paar Hahne um die Sternhaufen hemm und ein paar Krftutiein 
<leu Bach entlang, dass sich kümmerlich die Schafe nähren kön- 
nen; warum soll denn dieses Revier des Schmuckes der Obst- 
bäume, der Kornflur und üppigen Graswuchses entlichren 
Während aber der Hirt auf dem Hügel bei sich selbst noch 
brummte, zog unter rollendem Donner und helleuchtendem 
BUtzen ein Ungewitter heran. Bald fiel der Bogen in StrOmen 
nieder. Der Hirt floh und wollte unter einer dichtreiaigen Tanne 
unterstehen, aber während er eilte, brach unter seinen Füßen 



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252 



Sant Ameita. 



das erweichte Erdreich, er stfirzte in das Tobel des Wüdbaches 
hinimter und verletzte sich schwer an einem Fuße. Geraume 
Zeit lag er hüüos da, nnd Schmerz nnd Angst lehrten ihn, die 

Augen gen Himmel zu erheben und inbrünstig um Bettnng m 
ücheu. Der Regen lioü nach, der Himmel blaute wieder, und 
eine wunderbare Helle ergoss sich plötzlich über den nahen 
Tannenwald, und zwischen den Tauneu trat die Muttergottes 
herror, eine hohe Glanzgestalt, um Stirn und Haupt eine Sternen- 
kröne. £ngelmild neigte sie sich zum Yerwnndeten nieder und 
sprach: „Schilt nie mehr der göttlichen Yorsicht Werke, was 
sie in schauerlicher Wildnis nnd Gebirges Einsamkeit Terborgen 
hält, wiegt oft die Ernte des Südens auf; bade nun dein ver- 
letzteB Glied dort in jener (Quelle, die silberfarben aus rothem 
Gesteine hervorsprudelt". Barauf war sie verschwunden. Der 
Hirt kroch gläubig zur Quelle hin, badete den verletzten Fuß 
und fohlte alsbald die wohltiiätige Kraft dieses Heilwassers. 
Dann rief er seiner Herde und zog dankerfOUten Herzens heim- 
wärts und erzählte von der Muttergottes und der Wunderkraft 
der Quelle. Da baute man dann ein Badbaus und nannte die 
Quelle von dem rotben Ansätze, den sie /urücklässt, den .rotheii 
Brmmen" nnd den vorbpistürzeudeu VVildbach zur Erinnerung 
an die Erscheinung unserer lieben Frau Madonna-Bach''. 

29. 

Sant Amert a^), 

(HtlndUeb.) 

Das Dorf Triesen^) war einst eine schöne Stadt und hiell 
Trison; die Bewohner derselben lebten aber gottlos, so dass 
große Strafe Aber sie hereinbrach. Es flog ein Engel mit feuri- 



D i. Pill'* K'ayKtl« zu Khruo des bl. Hischuf«« MAiuertas, fostiftet rou 

Ludni^' vuij Hnirn.lis im Jaljrt.' 14Ü4. 

') iTrii-t'ij ( ri isiini. < iii s<.>hr alter Ort, anfft lili' ii vttu Drusus jregrfmdet zur 
Zeit, da or diu Khätier bezwaug«:. V. Kaiser, Geschichte des Fürsteuthums Liecbt«u- 
steiu, S. 156. 



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Das BildfUkkltin auf der Losen. 



258 



gern Schwerte in der Hand Aber die Stadt und rief: «Wer dem 
ünteigange enl^ehen wiU^ fliehe gen Sant Amerta!" Diesem Bnfe 
folgte nur ein einziges Weib ; sie hatte zwei Kinder, und diesen 

gab sie gedörrte Obstschnitze zum Naschen und Spielen. Dann lief 
sie naeh Sant Amerta in das Kirchlcin und betete dort. Durcli 
ein furchtbares Getöse aufgeschreckt, trat sie unter die Thüre 
des Kirchleins und sah zu ihrem Entsetzen das ganze Trison 
durch Büfi äbersehüttet. Sie schlug jammernd die Hände Aber 
dem Kopfe zusammen nnd wusste nichts anderes zu thnn, als 
wieder in das Kirchlein zu fliehen nnd zu beten. Als sie dann 
wieder heraustrat, war alles in Trison untergegangen mit Aus- 
nahme ihres Hauses, und als sie daliinkam, saßen die zwei 
Kinder in der Stnbe hinter dem Tisch bei den Schnitzen. — 
Dieses Haus zeigt man noch; es sticht durch Größe und Alter- 
thümiichkeit von allen andern Häusern ab; auch ist es in der 
ganzen Gasse das einzige Gebäude, das vor der Thftre eine 
^Bsetzi* hat. Die St. Amerta-Kapelle steht auf einer AnhOhe 
Aber dem Dorfe. 

30. 

Das BildstOeklein auf der Losen. 

(Elsenaolut, S. S8.) 

Wenn man von dem schön gelegenen Dorfe Schwarzenberg 
den Weg nach Dombim Aber die sogenannte Losen macht, so 
kommt man beinahe auf der Hohe yor den letzten Yorsäßhüttea 
zu einem gemauerten alten BildstOckel, auf dem in einer Yer- 

tiefiiug auf einer hölzernen Tafel ('hiistus am Kreuze dargestellt 
ist. Rechts oben an dicacr hui/erneii Tafel sieht man ganz 
deutlich ein rundes Loch wie von einer Stutzenkugel gemacht. 
Dasselbe soll auf folgende Weise entstanden sein: In den 
Napoleonischen Kriegen waren hranzdsische Soldaten am Schwar- 
zenberg einquartiert. Als dieselben Über die Losen naeh Dom- 
bim zurAckmarsohierten und zu diesem Bildstöckel kamen, zielte 
ein Franzose fluchend nach dem am Kreuze hangenden Christus 
und drückte das Gewehr auf ihn los. Doch er schoss, obwohl 



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264 Die Br0g«iuterwlld«riiiiwn MselmiiMD den Sohwedan ab fMtUehe Weaen. 



er ganz nahe war, fehl, und die Kugel berührte nur noch den 
obersten Theil der TafeL Aber den Freyler sollte seine Strafe 
baM ereilen. Denn in Dombirn in einem Wirtshause kaum an- 
gelangt, stflrzte er zusammen und war eine Leiche^). 

31. 

Die Bregenzerwälderinnen ersehelneu den Schweden 

alä göttliche We^en« 

(ElaeoBoliB, S. SS 

Vor dtm Schwodonkriege hatten die Kkidor der Bregeiizer- 
wälderinnen diej^clhe Form und Gestalt, aber nicht dieselbe Farbe 
wie heutzutage. Denn während sie jetzt eine gläuzeudschwarze, 
faltenreiche bis zu den Knöcheln liinabrcichende Juppe ffrau/. 
la jupe) und eme kegelförmige Kappe tragen, war die Farbe 
aller Eleidungsstftcke damals weiß. Der Grund dieser UmSn- 
derang soll folgender gewesen sein: Als die Schweden nach 
der Einnahme von Bregenz sich an die Eroberung des Bregenzer- 
waldes machen wollten und auf ihrem Zuge bis hinter das Dorf 
Alber?chweii(le kamen, erblickten sie plötzlich ober sich eine 
große Schar weißgekleideter Wesen, welche, die Waffen schwin- 
gend, auf sie hinabstürzten. Staunen und Schrecken erfasste die 
Schweden, so dass sie alsogleich die Flucht ergreifen wollten; 
denn sie hielten die weißen Gestalten für himmlische Wesen, 
die gegen sie zum Kampfe heranrflcken. Es waren aber mir 
Friiiien und Mädchen aus dem Bregeuzerwalde, welche, als sie 
von dem Anmärsche der Sclnveduii hörten, wie Heldinneu Hauen, 
Picken. Sensen und Heugal>eln ergritteu, den Schweden enig* ^en- 
zogen, sie auf ilirer wilden Flucht einholten und aUe sammt und 
sonders todtschlugen. Als nun die Bregenzerwälderinnen sp&ter 
vernahmen, dass sie in ihrer weißen Kleidung den Schweden wie 
himmlische Wesen vorgekommen seien, hielten sie die Sadie 
selbst für ein großes göttliches Wunder und gelobten zum Danke, 
die weißen Kleider, die nur den Himmlischen gebüren, abzulegen 



') Kiui; ühulitbc Sage Lei Zingcrlt', Nr. 'JÜD. 



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Bie Bvef&imrwAlderiiiBeD erscIiAiiieii den Schweden als gMliidie Wesen. 255 



und gegen dunklere nrnzntauachen. Noch vor einigen Jahien 
war im Gaefhanee znm Engel in Bezau ein solcher weißer An- 
zug zu sehen und wurde Ton der Wirtin als ans der Zeit vor 

dem Schwedenkriege herstammend bezeichnet. 

Dieser Sage liegt ein geschichtliches Ereignis zugrunde. 
J. Bergmann aus Hittisau, Director des k. k. Münz- und Aii- 
tikeucabinets und der k. k. Ambraser Sammlung in Wien, der 
sieh um die Geachichtschreibung Vorarlbergs unvergessliche Ver- 
dienste erworben hat, berichtet in einer Abhandlung: ,Die 
Schweden in und um Bregenz und ihre Ani^eibnng durch die 
mannhaften Weiber des Bregenzerwaldes " in dem Archiv fQr 
Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst 1824. Nr. 116 f., 
S. 637 ff., nachdem er die früheren Kriegsereignisse, die Vor- 
arlberg und besonders den Bregenzerwald im Schwedenkriege 
getroffen hatten, beschrieben hat, folgendermaßen: 

, Gleich nach der Einnahme der Stadt Bregenz wurden von 
Wrangel zwei Oompagnien — eme Polaken und die andere 
Dragoner — nach dem Gerichte Lingenau im vordem Bregen- 
zerwalde ins Quartier beordert, wie der von der eigenen Hand 
Wrangels unterschriebene und mit seinem Sigille versehene Brief 
zeigt, welcher in der Lingeuau'schen Gerichtslade im Origi- 
nal liegt. 

Gegen das Ende des Sommers zog Feldmarschall Wrangel 
mit seiner Armee von Bregenz, nachdem er das Blockhaus zer- 
stört, die Schanzen geschleift und das Schloss grdßtentheils ge* 
sprengt hatte, neben Lindau nach Schwaben hinab und ließ in 

Bregenz eine kleine Besatzung, so auch in Lingenau die zwei 
einquartierten (\nnpagnien zurück, um diese Ortschaften noch 
gänzUcli auspiündeni zu lassen. 

Die iu Lingenau zurückgebliebenen zwei Oompagnien thaten 
alles, um die armen Thalbewohner noch, recht auf gut schwedisch 
auszusaugen und zu quälen; allein da man nach dem Abzüge 
der Armee von Bregenz von außen nicht mehr viel fOrchten 
durfte und da Wrangel durch die Zurflcklassung dieser ohnehin 
selileclit beritteucn Tiup|jon in dem ungünsti<^^sten. durchschnit- 
tenen Terrain sich eines unverzeihlichen miütärischen Fehlers 



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256 Die Bi^gemerwilderiiiiieo «rscbeineu den Schweden als göttliche Wesen. 

schuldig gemacht und die beiden Compagnieu nach dem Aus- 
drucke eines gleichzeitigen Manuscriptes \ ^Exponiert und quasi 
zur Schlachtbank geiietert*' hatte, so erhielten sie bald den Ter- 
dienten Lohn. 

Wefl die meisten Weiber und Kinder sich wegen dieser 
pririlegierten Plünderer in den Alpen anfhielten, machten diese 

Horden öftere Streifzüge in die Gebirge, sogar in die Luierwälder- 
• Alpen hinüber. Nachdem nun die in den Alpen sich aui iiülten- 
den Weiber von der Egg, Andelsbuch und Schwarz euberg 
(dem Stammorte unserer kunstgroßen Angelika Kaufmann 
und des in Aegypten gefallenen französischen Obergeneials 
Kleber) die Nachricht erhalten hatten, dass die in Lingenau 
einquartierten Ck>mpagnieii über die Stangstadt zu ihnen einen 
Streifzug zu machen gedenken, hielten sie, Ungebflr fQrchtend, 
eine Unterredung über deu Empfaug imd die Bewii*tung dieser 
Gäste in den Alpen. 

Die Schweden zogen längs der Suberscheu Ach durch das 
Hörtobel und Steinpis voll Muth willen hindurch, aber in der 
jenseitigen Gegend des sehr abschüssigen Fallenbachs war schon 
die ganze Schar dieser Männinnen, mit allerlei Waffen bewehrt, 
gleichsam in ScUachtordnung aufgestellt. 

Da diese Schweden den Fallenbach hinanfkamen und die 
Höhe unverhofft besetzt fanden, erschraken sie und wähnten, es 
seien wcülj^ekleidete österreichische Soldaten, indem die Weiber 
nach damaliger Art noch in weiße Juppen gekleidet waren, und 
wollten die Flucht ergreifen. Allem dieses Juppenregiment ließ 
dem Feinde keine Zeit zur Flucht, sondern stürzte mit Wuth 
über denselben her, erschlug alle bis auf den letzten Mann, 
die nnn dort am Fallenbach auf der rothen Egg, welche, von 
dem Blute der Erschlagenen gefärbt, diesen Namen erhielt und 
bis jetzt u(xh führt. l)ograbpn liegen. 

Da dieser Sieg nachmittags um zwei Uhr erfochten wurde, so 
soll zu dessen ewigem Andenken in jenen drei benannten Pfar- 
reien, aus welchen die Siegerinnen waren, die noch heutzutage 
übliche Gewohnheit entstanden sem, durchs ganze Jahr nach- 



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Hattl«rdoif. — Rocbotsses. 



257 



Tüittagb imi zwei Uhr, als der Siegesstunde, mit eiuer Glocke 
211 läuten. 

Wegen dieses Sieges sollen auch die Weiber das Vorrecht 
erhalten haben, beim Opfergange in der Ejrche um den Altar 
zuerst, d. h. Yor den Hfinnem za gehen und BOgat ganz Toran 
mit dem Pfiurer za Men*. 

32. 

Hattlerdorf. 

(Vorarib. V oikskaiemler für iSöb, — Bregenz.) 

In Dombim wflthete die Pest fttrehterlich im Jahre 1628. 
In dem gegen Hohenems za gelegenen Gemeindeviertel Hattler- 
doif, welches damals nur einige zwanzig Häuser zählte , die 

meistens von Leibeigenen der Grafen von Hohenems bewohnt 
waren, soll nur ein einziges altes Mütterchen am Leben ge- 
blieben sein und eine Geiß ohne Hörner, dort „Hattel*" benannt. 
Dieser Umstand gab diesem Gemeindetheile den gegenwärtigen 
Namen. 

Das Hans, welches das Yon der Senehe rerschonte alte 
Mütterehen bewohnte, wird heute noch gezeigt; es ist das der 

Kirche zunächst gelegene und gegenwärtig Eigenthum des Mess- 
ners. Eine Inschrift auf einer Hoktatel in einer Nische der 
Umfangsmauer des alten Kirchhofes, welcher die im Jahre 1838 
abgebrochene Pfarrkirche umgab, schilderte das Elend jener be- 
dxängoisTollen Zeit unter anderen mit folgenden Worten: 

«Klag, EUig, Uber £lag! 

77 Todte in einem Grab.'' 

33. 

Koehuases. 

In jener scliuuervoUen Zeit der Pest iu Dombim fuhr der 
Todtengräber, durch eine kleine Glocke sich ankündend, bei ein- 
brechender Nacht durch die Bezirke und Gassen der großen 
Gemeinde. Wo eine Leiche in einem Hause war, hielt er an, 

Br. F. J. TonboDt Sagen VorarlbeisB. , 17 



Der SpOsafUiff. 



lud die Leiche auf aeiiwii Wagen usd führte sie auf den Gottee- 
aeker, um sie dort zu beerdigen. Vor einem Hause angekom- 
men, meldete man ihm, dass die Tochter Terschieden sei Stamm 

Uüd gefühllos lud er die Todtgeglaubte auf seinen Wagen, um 
sie zu den vielen hundert andern in die külile i^rde zu betten. 
Der Liebhaber des Mädchens schritt, tief betrübt über seinen 
Verlust, hinter dem Wagen her. Plötzlich erfasste ihn der Ge- 
danke: «Sie ist nicht todt!^ £r nahm sie vom Wagen, be- 
merkte Leboiszeichen bei ihr, trug sie nach Hause und pfl^ 
sie sorgflltig unter eifr^em Gebete für ihre Wiedergenesung. 
Der Himmel erhdrte seine Bitte, und sie wurde vollkommen 
gesund. Spate i l);it er um ihre Hand, die dem Lebensretter 
nicht verweigert wurde. Nachdem der Priester sie am Altare 
ehelich verbunden hatte, gelobten sie, wenn der Himmel ümeii 
ein Knäblein schenken würde, ihm den Namen Bochus^) zn 
geben. Ihr Wunach gieng in ErfOUnng. Das SOfaulein erhielt 
bei der heiligen Taufe den yorher bestimmten Namen, gedieh, 
wurde grofl und stark, und als sich Bochus, zum Manne gereift, 
verehlichte und Nachkommen erhielt, nannte man diese und 
auch alle spätem Nachkommen seiner Nachkommenschaft bis 
auf den heutigen Tag jßochusses. 

34. 

Der SpÜsagang. 

(Mttldli^ Braud.) 

Von Salaruel in Qampertona führt ein enger, stdler und 
und sehr hoher P&d fibers Joch in die Alpe Zaiim ober Brand. 
Allenthalben fließen von den steilen Schrofen die Wasser, zu 



') Der hl. llochus kam in Montpellier in Frankreich zur Welt und war dfir 
bülin voniflunor Kltem. Von der frühesten Jugend an befliss er sich »Ifr Tugend 
und i-'rüutiiiigkeit. Als zwanzigjähriger Jfingling verlor er d«r<'h den Teil seine 
Eltern, verließ seinp reiche Erbf^chaft und pilgerte nach Rom zu den Giübcni dtr 
heiligen Apostel. Srhuii fiühi* hattr or einen hohen Grad der christlichen Vollkoni- 
menheit erreicht und befreite in Itaiiuu viule St&dt« durch t»eiu Gebet zu Gott 



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e 



Der 2linp«r. 



251) 



femstmi SHaabregen aufgelöst, in Sehi^erflQlen nieder. Ja^ es 

sind die wallenden Schleier jener schönen .weißen Frauen**, die 
mit «"eisterhafter, marmorkalter Hand das am entsetzlich schwin- 
deligen Pfade niedersteigende liebende Paar schützend geleiteten 
zu dem Orte, wo allein es -einen sichern Hort fQr seine treue 
Liebe fiad. Nodi heotgratoge beifH» dieaefr »ohwkidelerregeiide 
%Mg der .Si^tegang*. 

Es aoU zur Zeit der Hefonnatioii ein Brautpaar, namens 
Johannes Lampert und Elisabeth Sentin, von Seewis über den 
Spüsagang nach Brand gekommen sein. Beide wollten dem 

alten Glauben treu bleiben, ließen sich in der Heimat verkünden. 
Hohen aber in der Nacht vur der Hochzeit über das Gebirg nach 
Brand, wo sie ihre Hochzeit hielten und sesshaft wurden. Da 
sie ohne Nachkommen starben, so erscheinen ihre Namen im 
pfairlichen Urbar zu Bnufd unter deh frommen Stiftern, jedoch 
ohne jede weitere Angabe^). 

35. 

Der Zimper. 

(MflndUch. Bnad.) 

Im Zarotlathale bei Brand erhebt sich eine mächtige, kegel- 
förmige f'elsenspitze (über 8000 Fuß) [2640 m], die man Zim- 
per nenni Sie soll ihren Namen durch folgende Begebenheit 
erhalten haben. Ein JSger aus Brand kletterte der Jagd halber 
an den Abhängen des Zimpers herum und verstieg sieh so weit, 
dasB er die h^ste Spitze eneidite. Freude und Schiedcen 



vou der l'est. Er starb, iu sein Vat^rkud zurückgekubrt, iui ICute dvr Heiligkeit 
im Jahre IS 27 und wird in gefährlichen Krankheiten von den Gläubigen als Farbitter 
bti Gott mn ffilf« •iif«nif«9. 

*) [And«re Safen UmUcheB UhaltB ttbtr unsem ^Sp(^Bagaog< Huden sieh: In 
Sntermeistera »SchwiMr Dtttsdi«, Heft 89 f., 9. 74^184 ^ne Alpennov«ll6 
»der SpnncMig« von BGebnel Knoni; dann in Seef era »Kit Ingg M>t 8. 99 iL 
ein achBiies Gediobt »Gsdipasa^ug«. Man t^I. ancih den kuhaüx von A. Deila 
Tramosa, »Die volksthainliclien Dlditer de« Osfceiteidiieclien IKheiolauds« in der 
«Dentsclien Zdtanc« vom 14. nnd 17. Jani 1887, Nr. 5549 and 5562.] 

17* 



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260 



Dar Zimper. 



übeifleleii ihn. Er fkeate aieh, der eroto in aein, der den Zim- 
per erstiegen habe; er enehrak, als er an das Niedersteigen 

dachte und in dem verwitterten Gesteine den rostigen Lauf eines 
Stutzens entdeckte , auf dem die Worte eingraviert waren: 
, Johannes Zimper hier gestorben*. Beim Niedersteigen kam es 
nnserm Jäger zugute, dass ein heißer Sommertag war. Er 
schnitt sich mit dem Messer Wanden in die EuOsohlen, damit 
das ans denselben triefende Bhit anf den warmen Steinen klebe 
und ihn Tor dem Ausgleiten uid sichem Tode bewahre. 



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c. 



GLOSSAR 



A. 

ab, eine aus dem Mittelhochdeutschen (mhd.) noch flbiigef im 
Hochdeutschen (hd.) yeraltete Prftpositton in der Bedeutung 
▼ on, vor, z. 6. aVm (ab ihm, Tor ihm) erschrecken. 

abe, abi. aliliiü, kiiiüb. 

[AbedBcbüitz (abedscbuitz) m., Abeudschuitt, Mähen am 

Abend.] 

absi iüün., jemauden etwas abs|, jemanden etwas absein, d. i. 

abschlagen, nicht gewähren, 
ädilf, ordentlich, in der Ordnung, wie es sich gehOrt 
af&ha wie das folgende afänga. 

afftnga, seinem Gebrauche nach ein Adr. mit der Bedeutung 

1. des mähligen Beginnens; nun einmal; des Endens 
einer Haudluni? : nun endlich ; 3. bereits, nun schon, nun 
wohl, doch mit dem Nebenbegriö'e des Langsamkommens 
und Erwartens. Verändert wird die Form in ^f$h, bei 
den Walsem, afäha, im MontaYon, afangs, um Feld- 
Idrch. Es scheint, es sei diese seltsame Form als der zu 
Gunsten der Eihrze aus seiner logischen Yerbinduug ge- 
wichene, daher in adverbialer Weise verwendete Infinitiv 
anfangen zu erklären. Fr.^) 



') Fr. Fronimann Dr. G. Karl, (lassen Monatsschrift -Die deotscbea 
Muadarten« (NOrnberg I. — lY. Ji^irgaiig) ich im Glossar TieifiUtig benutzte. 



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262 



Afechat m., der Advocat. Es ist eine einmal schon erwähnte 
Hauptoigenthflsilichkeit der Walser Mundart (der das Wort 
Afechat angehört), fttr k, besonders im Anr und Idaatft 
ch zn setzen und zu sprechen. 

aföh, siehe afänga. 
afrüma verb., bestellen, in Arbeit g-eben. 
[ A g a t h ü Iii e r (agfathümer). Eigeutliümer.] 
[^giära verb., anglotzen, anstieren.] 

Agricht (^glicht) n., das Angerichtete, die Ignbereitimg, Zu- 

rflstung. 
aha = abher, herab, 
ahe, ahi, &hi = abbin, hinab. 

ahe, walserisch für äne, hin, z. B. vor em ahe (äne), vor 

ihm hin. 
jAhöra (ahöra) f., Ahorn.] 

albis, allezeit, immer; andere bei uns gebräuchliche Formen 

sind allig, allwil, allawil and 
[AHga (f Itga) n., Anliegen.] 

allad, letzteres Torzüglich im Unterland um Bregenz; mhd.. 
allezan, alzan. 

Allafanz ni.. lustiger Kauz, Spassvogel. 
allawil. allwil, alle Weile, immer; siehe albis. 
alierwärtig, allerwärts; nach und auf allen Seiten, 
[allo!, allons! gehen wir!] 

Alpme^ter m., Alpmeister, ^der Au&eher über eine Berg- 
weide. Er wd des Frflhlings vor der Zeit, da man die 
Herden anf die Berge treibt, von sftmmtlichen Hirten (Pacht- 
hirten) der Weide (Alp) mit freier Hand gewählt. In Vor- 
arlberg wählen desgleichen die Antheilhaber einer Berg- 
weide einen iUpmeister frei aus ihrer Mitte*. Tobler, 20. 
SchmeUer I, 47. 

&m adj., arm. Flur. Amo, die Armen. 

ama einem. 

amäl emmal, ernst [im Brw. amanl]. 
Am&ßle (&maßle), Ameisl^. 

Amer (amer) m., schmerzliches Verlaugeu (nach-); ämern, 
d m e r a , lusten, heftig verlangen ; ahd. ä m a r , mhd. ä m e r 



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26B 



neben jämar, jämer, Schmerzgefühl, Herzeleid (über 
einen bittem Verlust); schmerzlichefl Verlangen; verb. ämar- 
r(yn, ftmern, jftmern. etc. Fr. 

an ander na\ einandemadi, nacbelnander, in Aufeanandeifolge. 

anara, der Dativ Ten eine = ^ner. 

anjiez müul — ein jedesmal. 

ara, der Dativ von sie — ihr; für ara ateht häuäg auch nur 

'ra, z. B. er s^t zne 'ra, er sagt zu ihr. 
[Arbat (ärbat) f., Arbeit] 
ärdele wie obiges ftdili'. 

arem adjj., arm; erinnert noch an das zweisilbige ahd. aram. 
[Arm (arm) m., Arm.] 

Arneg (ämeg) f., Ordnung; daher das Verb. Ar na, ordnen. 

as, statt eines, ein, l. B. as Wib, ein Weib: as bitzle, ein 
wenig: kouimt in dieser Bedentimg" nur bei den Waisern 
vor und ist eine jener sprachlichen Eigenthümlichkeiten, die 
sie aus ihrem heimatlichen Ursitze im Canton Wallis bis 
heute beibehalten haben, as [a's] stdit auch für als und 
fttr es, besonders um Biegenz und im Hontavon. 

^schn^rza yerb., schnarrend jemanden amreden. 

[asiam&l adv., manchmal.] 

[asö, asou adv., also.] 

Assa (iissa) n,, das Essen. 

Atra (atra) f., die Gatter. 

ätta, etwa; ättes, etwas. 

Ätti m., der Vater; ahd. atto, mbd. atte, fttte; neben 
Ätti hört man audi Drätti, d. L der Ätti, D&tta und 
Datti. 

äu' = auch, bei den Walsem. 

Aug (äug) n., Auge. 

aut adj., alt, im Breü:eiizerwaide, z. B. uf dan auta Platz, 
auf den alten Platz; es ist dieses nicht das einzige Bei- 
spiel der Erweichung des 1 in u. Vgl das in der Ein- 
leitung Uber die Mundart des Vorderwaldes Gesagte. 

[Azeig (fzeig) f., Anzeige.] 



264 



B. 

Bacha f.. ein Stotzen, ein tüchtiges Stück; a Baeka Späck, 

ein Stotzen, eine Binde Speek. 
Bagga f., die Backe, Wange. 
[Balis&tazf m., Palisadenzaun, Pfabkaon.] 
[Barga f., kleiner Heustadel auf Bergin ähdera.] 
bärwürdig adj.. waliiheitsliebend, geradt3ü, offenen Sinnes, 
bascliga verb. , bemeisteru, l)ewältigen; dasselbe Wort gilt 
aiicb in Schwaben und in der Schweiz; vielleicht Yerwaod.t 
^mit dem ital. bastare. 
Bä^ti m., die Besüe, bestia. 

batta, nutzen, frommen, dienen; Bäte, der Nutzen; harten, 
ntltzen, helfen. 

[Batza m., alte Schweizer Alüuze im VVeii/e von vier Kreuzern 
R. W.] 

b a u d bald, im Bregenzerwalde ; vgl. die Bemerkung zu a u t. 
bedürli', bedauerlich, bedauerungswflrdig; dann anch kläglich. 
b§rna verb., Beeren pflflcken, besonders £rd- oder Heidelbeeren. 
Bett, fs Bett kO, in das Bett kommen, d. i. niederkommen, 

Eindbetterin werden. 
Bhftetgott als subst. gebraucht, der Abschied; bim Bhüet* 

gott, beim , Behüte aich Gott", d. i. beim Abschied. 
BielUe n., Zehnkreuzerstfick. Piece. 
bileib, beileibe; na bileib, nein beileibe, beileibe niciit. 
bim Blue^t, ein betheuemder Ausdruck; beim Blute Christi; 

Blust und Blut haben dieselbe Wurzel blühen; Grinom, 

Wb. n, 170, Blut. 
[Bimsa f., Binse.] 
[bis imper. sei.] 

Bisa n., im volla Bimi. im vollen Laute; dalier bisa verb. 
neutr., wild herumlaufen; wird vorzüglich vom Kindvieh 
gebraucht, wenn es, vom Btsewurm (einer Gattung 
Bremse — oestro — ) gestochen, wild herumläuft 

bischa verb. impers., stobem; vgl. das schweizerische und 
elsassische Bfse, Sudwind. 



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265 

'bitz, a bitz, bitzle, a bitzle, wenig, ein wenig, ein bissehea. 
[Bitza, bim Bitza s. y. a. bei Putz and Stiel, g&nzHdi.] 
^iw&hris Gott! behüf uns Gottl Gott sei bei uns! Segena- 
fonnel. 

[b läppet adj., schlapp ( schlaff) herabhängend.] 
fBlä^t m., tiefer Athemzug; von bläso, mhd. bläs, bläst.] 
Blätzle n., das Dem. Yon Blätz m., ein Stückchen Tuch oder 
Leinwand, besonders ein Lappen zum Flicken nnd Aus- 
bessein der Kleider. 
|T>licko yerb., blitzen; Brw.] 
[bl6ßig adj., bloß, nackt] 

[boda adv. , ziemlich. Vgl. mhd. woltan ~ wolgetän, tirol. 

wolt'n, paznaiiii. wotta. Vgl. bezüglich des Lautwan- 
dels Witt willst, sott sollte, bott (ital. volta) in 
allbott.] 

Böscha m., der Busch, mit Anlehnung an das i|aL bosco. 
bracht » biadit, gebracht, von biingvHi. 
brannkohla schwarz, schwarz wie eine gebrannte Kohle, 
hrasehle, prasseln. 

liratiig 1., die Praktik, d. i. der Kalender. 

Bratza f., die Pratze, Pfote, Vorder fuü, namentlich von Hun- 
den, Katzen; iron. auch: große, ungeformte Hand. 

Bricht m., der Bericht, davon das Zeitwort brichta. Behebt 
erstatten. 

Briegga n., das Weinen; briegga als Yerbum, weinen, beson- 
ders mit Terzerrtem Gesichte. YgL ahd. prieka, mhd. 
brieke f., Verzemmg des Gesichtes; daher auch unser 

a Briegga malm, ein verzerrtes, wie zum Weinen be- 
reites Gesicht machen.- 
brodla, ein Zeitwoit der Kindersprache, unbeholfen, ohne Ar- 
ticulation und wie mit einem Brocken im Munde reden. 
Das Brodla eines Erwachsenen ist ein firemdklingendes, 
geheimnisvolles und deshalb fQr viele unverständliches Reden. 
Jakob Grimm sagt in seiner deutschen Mythologie: «Prodia, 
nhd. protzein, ursprünglich vom Geräusch des siedenden 
Wassers, dann sehr passend auf Segensprecheu angewandt 



266 



brnmla wb., wird gebcauoht Toa gereizter, dabei dumpfer und 

undeutUoher Anaspraehe der Wörter, brnmmeii. 
Beebeid tbue, einen zngebotenen Trank annebmen. 

büezu verb. act.. nähen, flicken; vom ahd. puazan. mhd. 
bfiezen, bessern, ausbessern, flicken, — dann ersetzen, 

büßen. 

Bübele n., das Dem. von Bühel, Hflgel; abd. bubil. 
[Bnorfft m.. Barsche, Liebhaber.] 
(BtrabUger m., Bauemplager, — sdunder.] 
Barde Bflrde, Last, onns; daher das Dem. Bfirdele. 

C. 

Ohämmi o., der Kamin. 
[Chesai n., der Kessel.] 

cblba Terb., «bei den Walsem, anderwArts kiba mid k!po, 
zanken, sehelten, grollen; vom mhd. kip m., leidenschaft- 
licber Eifer, feindseliges Weeen, Widersetzliebkeit Ver- 
wandt damit ist das bd. keifen mit seinen mmidar^ben 

Fortbildungen keif ein, kifen, kifeln, in welchen sich 

die erste Bedeutung: „na^^en. kauen* neben der zweiten; 

„Aergerlichkeit zeigen, zanken*, nach einer dem Verb. 

beißen analogen Begiifl'sentwicklung erhalten hat. Fr. 
[cblepfa verb., laut schallen, knallen.] 
Chdra n., Kom. Vgl. Einleitung, S. 11. 
[ebotza yerb., erbrechen; mhd. kotzen.] 
chrabla, krabbeln, kriechen. 
[C h r e 9 1 a , Christian.] 

Chretz m., der Kratz, von r lir^^tza, kratzen. 
Chrom er ^ Krämer, Kaufmann. 

Obuchiplatta f., der Küchenherd, die steinerne Platte in der 
KQehe, anf der gefeuert und gekocht wird. 

chnrzwtla, kurzweilen, sich die Zeit kurz maehen, sieh miter- 
halten; davon das Adj. chnrzwüig, unterhaltend, an- 
genehm. 



267 



dft, Bowobl nonnn. dieser als accus, diesen. 

dächt doch. 

dahem, dahemat. dahoam, zu Hause; um den Begriff nach 
Hause auszudrücken, lasst man die Vorsilhe da weg und 
sagt hem, hemat, hoam und hoamat; über das an- 
gefaSi^ at, et siehe Grimms Gramm. III, 214 ff. 

[dana adv., daran; »m Weag dana, hart am Wege.] • 

dftran, soviel als deren einer, eines, solch einer, solch eines. 

Däscha m., anderwärts Deischa und Doascha, die Eicre- 
mente des Hornviehes. 

[dau dann. da.| 

dea, dieser und diesen, wie obiges dä. 

d^cht« dechter, dennoch, denn doch, wie das bair. denger 9 1. 

de hei, im Walserthale, zu Hanse; nach Hause vQrde nur he) 

heißen; siehe oben dahdm ete. 
dehinna, dahinten^ zurflek; dehinna glo, zurückgelassen, 
[de igt - denkt, im Vorderwald.] 

deiha verb., denken, nur bei den Walsem ; analog diesem sa^eu 
die Walser auch triha, trinken, $tiha, stinken, sche^ha, 
schenken u. s. w. 

Deihja f., die Alphfitte, Yom roman. tegia oder teschia, 
Ton tetg oder tetseh, d. i. Dadi; lat tectum. Vgl. die 
tirolisohen Ortsnamen: Kflhthei, Niedertheinnd Lan- 
gezthei, d. i.- Lenzhtttte. 

d^ngla, dengeln, Sensen und Sicheln durch Ii am mern schärfen; 
die nhd. auslautende Silbe ein geht in den vorarlbergischen 
Idiomen durchweg in ein gekürztes, aber woiiliautendes la 
Aber; also für wandeln, handeln, regeln sagt man 
wandla, handla, regia n. s. w. 

diraj^lnr., solche, z.B. d^ra Hiera, solche Bknen; filird^ra 
hört man häufig auch derige, d. i derartige. 

[derdur' adv., hindurch.] 

derglicha thua. sich den Schein geben oder sich stellen, als 
würde man etwas weder sehen noch hören. 



268 



deruä', deruau', darnach [jenachdem], nachher, hierau t ; die 
Fonn deraaa' hOrt man nur im innem Bregenzerwalde, 
dern4' hingegen aUerwarte im flbngen Voiarlhcvg; es ist 
zu bemerken, dass das hioge mhd. a (ft), das im giGßteii 
Theile Vorarlbergs in langes dmnpliBS o (a) übergeht, im 
Bregenzerwalde, zumal in Au gerne dnen schwäbischen 
Anstrich bekommt uud au lautet; so hört mau neben 
obigem de mau' auch nau' uud uau'. VgL Einleitung, 
S. 15. 

derv^ = davon. 

derwtl, (in) der Weile, unterdes, 
[det adr., dort.] 

dia, diese, sowohl nomin. als accus, im SinguL und Flur. 

dickbüchig adj., dickbäuchig, trächtig, 
[diderla verb., mit den Eü£eu nach dem Takt treten; Tann- 
berg.] 

Diehja f., siehe Deihja; vielleicht ist Diehja, Deihja eher 
deutschen ürspnmgs; Stalder I, 274 kennt: «Deichle f., 
Bettgestell eines Hirten auf der Alp" und denkt dabei an 
^ Diele, Billi f., das nach semer ersten Bedeutimg: Brett, 
Bohle, — auch eine mit Dielen belegte Decke bezeichnet, 
welche den Boden eines darüber befindlichen Raumes V>ildet 
und daher auch diesen Raum (iintenn Dach: Dachboden) 
selbst bedeutet, der bald als Schlalgemach, bald als Heu- 
boden etc. benutzt wird. Fr. 

dtmera, dimmera, dämmern, subst und verb. 

[din, denn, dann; Brw.] 

[do\ doch.] 

dob droben, wie dun, drunten. 

d 0 d d e r 1 a verb. impers., es d u ü d e r 1 a t m e i" . es beschleicht 
mich Furcht; dürfte verwandt sein mit dem bei uns eben- 
falls gebräuchlichen erdattra, erschüttert werden, zittern 
vor Furcht. 

domma, d. i. d'ob'n, da oben, droben. 

[doppa adv., droben, im Tannbeig.] 

[döt - det, doit] 



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269 



drab » darab. 

üt% » daiin, bei den Walaent 

drdlo, trdlo veib. neutr., sieh drebeii, rollen; vgl. TrolPn 
m. nnd f., Quaste, Troddel; dann das mittel- und neu- 

hochd. drillen, drehen. Fr. 
drölo verh. act., wälzen, rollen, schleudern; vgl, troll, tro- 

wel; franz. tröler. 
[Dtoixel m., Teufel] 
[dn, da; vorderwäLderisch.] 
dna, dann, dianf ; ähd. dno, dd. 
Bnbla f. ^ Dublone. 

dndla Terb., tuten, auf dem Kuh- oder Hirtenhom blasen; 
vgl. hoU. taeten. tuten, goth. thiutau ululare und thu- 
thaiirn tuba oder odXm^^, thuthaürnjan oaXaciCeiv oder 
tuba canere. Fr. 

dne, siehe dua. 

dnn, dun da, da unten, dnmten; Tgi damit obiges dob nnd 

domma, da oben, droben. 
Dunkle f., die Dimicelheit; fOr die Bildung der SnbstantiTa 

aus einsilbigen Adjectivis, deren Stammvocul o oder u 
ist, lässt sich das in unsem Dialecten allgemein giltige 
Gesetz aufstellen: Wenn neben einsilbigen Adjectivis mit 
dem Stammvocal a, o oder n ein Substantivum yertreten 
ist, so wird letst«res aus ersterem gebildet nnd zwar dnreh 
Umlantong des Stammvoeals nnd dnreh ein angebftngtes e 
09; wie z. B. obiges DUnkle ans dankl gebildet wnrde, 
80 anch Arme, Alte, Zarte, Gröbe, Stölze, Dtlmme, 
liiiiide, Füle u. s. f. aus arm, alt, zart, grob, §tolz, 
dumm, rund, fül; vgl. Stalders Bialektol. 207. 
[dunna = dun, dunda.] 

Ptlpfle n., das Dem. von Dnpf m., der Punkt, der Fleck, 

macula. 
[dnr' = dureb.] 
dtlr* = dnreb, bei den Walsem. 

[dura weg adv., durchwegs.] 



270 

dÜ8la verb., das Dem. von dösa, heimlich gehen, schleichen; 
bei Hebel dOssele, als neutr. mit derselben Bedeutung, 
als aet., «leise redüi* ; ygL miBer tu sein, UeinUut; daher 
gehdrt wohl auch das Subst. ütüs (^s) m., eine heim- 
liche, kkine Bosheit; en Utile ftstleba, eine solßhe Bos- 
heit begehen, einen kleinen Sohelmenstzeich machen; dasu 
das Adj. ütüsig, boshaft; Tüswetter, ein AVetter, das 
weder recht gilt noch recht schlecht ist, »muderig* Wetter, 
wie man anderwärts zu sagen pflegt. 

duss — draolien; vgl. dan, dnmten; diu, drinnen; dom, 
droben; hom, heroben; hun, herunten. 

d&ta verb., deuten, bedeuten, zu wissen iJiun; er hät !na 
dütt, er hat ihnen bedeutet, zu verstehen gegeben, be- 
kannt gemacht 

[eaz pron., etwas; Brw.j 

ebba, äbbas, etwa, etwas. 

^bbmer, d. i. etwer, etwelLoher, jemand« 

Eghörn (fghOm) n., das Einhorn, jenes fabelhafte, unbSndige 

Thier von Pferdegestalt, welches auf der Mitte der Stirae 
ein gerades, spitzes Horn trägt. [Das Einhorn ist das 
Wappeiithier von Bludenz.] 

Ehr (ehr) f., 

Em er (§mer) m., Eimer. 

Snawig, (j)enen W^, auf jene Weise. 

S^g (§^g) ZDL'f Einaug. 
Erb (erb) m., Erbe. 

erdattru. erschüttert werden, zittern vor Frost, vor Furcht, 
ersclirecken, außer Fassung gerathen. verblüfft sein; bair. 
tädern: österr. dätt'n, tattern; schwäb. datteru, 
dottern, stottern, zittern; Schweiz, dädern, dädereu, 
tedefn, schwatzen, stottern, — ein lautmalendes Wort. 
Fr. Ygl. damit unser schnattera, ?ot Frost zittern. 

Erdh§r (erdbdr) f., Erdbeere. 



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271 



«rdblrna reib, und snbst., Erdbeeren sammeln, das Erdbeeren- 
Pflflcken. 

^rgiiiza verb., es erginzt mi*, es duiclüjchauert mich, vor 

Schrecken, vor Erstaunen, 
[ergraua verb. refl., Grauen empfinden, fürchten.] 
erhilla, erschallen, mhd. bälleu (hille, baL, geboUen). 
erlilda, leid, zuwider werden, 
erl^bla, nach und naeb aufleben, 
ers&ga, aussagen, zu Ende erzählen. 

eriftuba verb., bei den Walsem, in Zorn gerathen; täub, 

zornig, aufgebracht: Täibe f., der Zorn: ver- oder er- 
täiba. erzürnen jemanden: im Walgaii lauten dieise For- 
men ertöba, töb, Tobe, ertöba, vertoba; vgl. er- 
toubet im silvischen Macugnaga nach A. Schott, S. 147. 
Ueber das walserische äu siehe unten die Bemerkung zu 
Verlöb. 

{ertgega adv., entgegen.] 

[et, nicht.] 

etil mal etlichemal. 

etscha. etwa, etschas. etscbes, etwas; diese Formen mit 
dem Quetschlaut tsch für einfaches t sind nur in dem 
ehemals romanischen Thale Montavon gebräuchlich; siehe 
in der Einleitung die Bemerkung Uber das Idiom Mou- 
tavons. 

etzeda, um Bregenz, jetzt; häufig hört man daselbBt vaidi 
etza, jetza, aus mhd. ie zuo. 

F. 

f&hra verb., vermuthen; vielleicht vom Schweiz, foren, for- 
ren, nach etwas zielen? [erwarten, be&hren, befürchten; 
mhd. vfiren.] 

f4ra, voriges Jabr; vom ahd. firni, mhd. virne, ags. firne, 
fyrn adj.. vorjährig, alt; nhd. noch in Firne- Wein, 
Firner [Firnschnee, Femer] ; mundartlich auch fern, f^n, 



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272 



feint, fert etc. als adv. und fernig, fiinig, fem- 
der ig etc. als acy. Fr. 

Fasel m., der Hanfe, die Menge; vgl. das sehleBifiche Verb, 
faseln, Jnnge zeugend, sich fortpflanzen; en Fasel 
Kinder, eine Menge, große Zalü Kinder. 

[iauhro verb. ; Brw.. siehe oben fähra.] 

[Fant f., Falte; vorderwälderiscb.] 

Fazanedle n., Schnupftuch, vom ital. fazzoletto. 

F^gga plur., Flagel; das Wort ist entweder aus dem erst 
sp&t mhd. fachen, aufregen, bewegen (vgL anfachen, 
ffteheln, F&cher) abzuleiten oder weitere KUizmig des 
ans ahd. rftdarah, mhd. TSderieh, viderich, Gefieder, 
zusammengezogenen ahd. vädah, vettach etc., unserem 
Fittich. Fr. 

Feh, bei dm Walsern, Vieh; im Montavou Fech oder Vech; 

ahd. fihu. 
[Fen^tersimsa f., Fenstergesimse.] 

Fdrle n., das Ferkel, junges Schwem; ahd. varah, varkeli, 
mhd. Tarch, angels. fearh, engl farrow, dem lat. 
porens verwandt. Fr. 

Fifta f., seltsame Handlungsweise, Grille. 

fitza verb., leicht schlagen. 

[Flack m., Geflacker, Aufflackern; Brw.] 

Flühna plur. von Flüh, die Fluh, steile Halde; ebenso bildet 

um Hittisau, im vordem Biegenzerwalde, das Wort Kuh, 

vaoca, den Plural in Kühna. 
[Foahra f., Fdbie.] 
[fOber, siehe das folgende] 
förhcr hervor. 

fortzue, nach und nach, allmählich. 

förüs = voraus. 

[fraugo verb., fragen; Brw.] 

frdga, fragen, bei den Walsem in Vorarlberg, im Cantone 

Wallis und bei den SiMem am Monte Bosa. 
frei hat in Vorarlberg die Bedeutung un genehm, lieblich, 



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273 



liebenswürdig, z. B. frei Wetter, angenehmes Wet- 
ter, en freia Md. ein angenehmer, liebenswürdiger Mami. 
[Fründlar m.. Fremdler, d. i. eiii iu der Fremde Lebender 
oder eiuer, der zeitweilig ia die Fremde auf Verdienst 
zieht.] 

Fuehr f., die Fuhr, Last. 

fuffp6rig, fOnfspuiig; en f^f^porjga Hund, ein Hund, 
der mit der Pratze fflnf Spuren in nengefallenen Schnee 

oder in erweichte Erde tritt, 
t'übar == hervor, hoifür. 
fflra adv.. wie fühar. 

türigtdb, überaus zornig, sehr gereizt; aus tdb, zornig (siehe 
oben ertäuba), verstärkt durch für ig, d. i. feurig.. 

Furruftig, die Btlstnng, das Eflstzeug, das man braucht zum 
Fenenuachen, also Stein, Schwamm und Stahl. 

[furt adv., fort.] 

fürtäub. s. fürigtöb. 

[Fützlar m., Feigling, Furchthenne; Brw.] 

ga, auch ge, go [Brw. gi], ursprflnglich derlnfin. gän, gen, 
geben, nach der mhd. allgemeinen, doch nhd. nur noch 
schwach Tertretenen Verbindung desselben mit bloßem Infin., 

wird in unserer Mundart vor einem von einem andern A'er- 
bum abhängigen Lifin. gebraucht, um den Begrirt' der Be- 
wegung, des Fortschreitens zur Ausführung einer Handlung 
auszudrücken. Fr. Z. B. i' muell go lucga. Seine 
ursprüngliche Form und Bedeutung ist dabei sosehr zu 
der einer blöOen Partikel zusammengeschwunden, dass ein 

dem Yerbum gehen selbst verbunden 
wird, t. B. f gah go luega. 
[gad adv., gerade.] 

gäflawis. haufenweise; Gofcl ist nach Schmellcr 11, 17 die 
Höhlung der Hand, vola; gallawis verwerfen heißt 
also soviel auf einmal verwerfen, als man in der ÜOhlung 

Dr. F. J. Vo&bna, Sagen Vorarlbergs. IS 



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274 



(Galla) der zusammeiigefügteu beiden Hände zu fassen 
Termag, also gleichsam hampfelweise, handvollweise. 

gälira verh., mhd. gSrn, hegehren; ahd. g§rdn, goth. 
gairdn. 

gil = gelb. 

Oaüda f., eine abschüssige, mit uiederm Gestrüppe bewachsene 
Halde. 

gara adv., gern; ahd. gerne, mhd. gerne; als adj. gern, 

gerni, ags. georn, pronus, avidus. 
garmeila verb., garmanlen, wiederkäuen, 
gar reg adj., aufiragend, hoehau&trebend, z. B. en garrega 

Felsa. 

fGä§ter-wäh n., Geisterwerk.] 

Gaudärz. im Bregenzenv.iMe. Golderz; über die im vordem 

Walde so häufig vorkommende Erweichung des 1 in u siehe 

oben band.' 
Gau de » gaudiam, Freude, Lustbarkeit, 
gauz ^ ganz, im Bregenzerwalde und zwar im äußern; wie 

daselbst die Erweichung des 1 in u stattfindet, so geht auch 

n in n über. Vgl. Einleitung, S. 14. 
\ge adv., gern; vorderwälderisch.] 
Gegni f., die Gegend; mhd. gegene. 

gella verb., mit durchdringend lauter, starker Stimme rufen; 
daher Geller m. (Schweiz. Gell m.), durchdringender 
Schall oder Buf; gellig adj., gellend. 

gf&rbet =^ gefärbt, feirbenToU, bunt. 

GfShrt = Gefährt. 

gge, perf. von ge, geben. 

[ggie, perf. von ge, geben; vorder^\ älderisch.] 

gha, gleichsam gehän, gehabt, perf. von ha, haben; diese 
Form ist um Feldkirch gebräuchlich; der Walser sagt 
gchfk, der innere Walgauer gh$, der Montavoner ghett, 
der Bregenzerwälder ghea, und um Dombim hört man 
ghif. 

[GhÜs n., Miete.] 

[gi, siehe ga.] 



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275 



[giat ^ gibt; vorderwälderisch.] 
gien — gern. 

Oithals, Geizhals, saeh mhd. git m., Gier, Habsucht; Tgl. 

mit Gtthals, Geitkragen. 
Gitzi n., das Ziddein. 

glärdgnat adj., mit glänzenden, stieren Augen; vom mhd. 

glarren, gläuzen, scliimmern; anstieren; daher auch 
ülareis, Glatteis. Glast, Glanz und das bd. Glas: der 
Name des Oantons Glarus mit dem von ewigem Schnee 
glänzenden Glärnisch durfte sich hier ebenfalls anreihen 
lassen. 

{jgleasig adj., gtönzend; Brw.] 
Gltohni^t f., Gleichnis, d. i. Aehnlichkeit. 

gliderig will sagen, grobgliederig, mit tüchtigen Gliedern, 

Armen und Füßen versehen, stark. 
[Glishu - n j,. kurze Lederliose, eigentlich glänzende Rose; Brw,] 
glitzgela, dem. von glitza, glitzern, schimmern. 
gl6, d. i. gel&n, gelassen; perf. von la, 14n, lassen. 
[Gletscher m., Gletscher.] 

G minder m., wird im Montavon deijemge genannt, der einen 
Theü an emer gemehischaitlichen Alpe (Gemeindealpe) hat. 

[Gm ü der, s. Hü der.] 

gnoth adv., eifrig, eilig; ahd. ginöto, cnöto, mhd. geuoete, 
genöte, gnöte, gnöt (vom Snbst. not, Noth). 

gnäda, z' gnäda, unter; die Sünna gäid z' gnäda, geht 
unter. 

göhet, perf. von $ha, i. e. onha, anha, Anka machen, 
Butter machen; nur bei den Walsem; Ohkflbel (ohkübel) 
m., ButterkfibeL 

[gola verb., ringen.] 

gompa verb., hüpfen, springen. 

gottvers?prich, das lat. scilicet, also, „will sagen". 

gottwillka; se bis mer gottwillka, so sei mir willkom- 
men; Dr. Frommann (die deutschen Mundarten lU, 345 f.) 
erkennt in diesem und ähnlichen vorzugsweise der aleman- 
nischen Mundart eigenen, formell verkflmmerten, doch nicht 

18» 



276 



minder herzlichen Grfifien (gottwiUka! gottwillkomm! gotd- 
kämm! etc.) ~ die alte mhd. Formel wieder: .Gote mid 
mir wülekomcn?* nach welchem das höchste Wesen, all- 

gegenwärtig gedacht, den eintretenden Gast, wie der Wirt 
selbst, in Seliutz nehmen soll, entsprechend zugleich den 
Abschiedsgrüßen: Gott geleite dich! Gott befohlen! Gott 
behüte dich! 

gotzig, gleichsam gotteinzig, ureinz^; a gotzigsmäl, nur 

ein einzigesmal; ke gotzigsm&l, nidit ein eüizigesmaL 
grad = gerade, just, ehen. 
[grih adj., fertig, bereit, mhd. ger^ch, grech.] 
giaza vcrb., ächzen, krächzen, weinen, 
grauß adj. und adv., groß, 
gravitetisch, gravitätisch, stolz, vornehm. 
Gretzga plur. , mit Domen versehene Zweige von Standen; 

hängt wohl zusammen mit kr^tza, kratzen, stechen, 
greusele, grenslig, bei den Walsem; im Montavon grÄseliV 

gruselig adj. nnd adr., ungemein, sehr, grausenhaft^ 

grässUch. 

Grind m., der Kopf des Thieres; verächtlich auch vom Men- 
schen gebraucht. 

[gritzgrad adv., pfeilsgerade, kerzengerade; vielleicht zu 

ritzen ?] 

Gr Ohl f., die Grobheit; siehe oben bei Dünkle die Bemerkung 
tiber die Bildmig der Snbatantira ans einsilbigen A^jectiviB. 
Gröfi f., 6rS£n; das Wort Gr&f, Graf, lautet regehrecht in 

Grofi um. 

Gschand u., Dieberei ; g s c h ä n d a , stehlen ; gschändig adj., 
diebisch; Vieh ufs Gschand goh lo, Vieh auf des Nach- 
bars Wiese, Weide, Gut gehen lassen. 

G schlecht und Nama, d. h. Geschlechts- nnd Tau&ame, 
Vor- nnd Zuname. 

gschmogner, schmächtiger, spärlicher, knapper; — eigentlich 
partic. des in der alten Sprache stark flectierten Yerbums 
schmiegen (mhd. smiuge, smuoc, gesmogen). Fr. 



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277 



Oschnäder n., em schnelles, nnaufhOilklies und langweiliges 
Geschwätz, Geschnatter; von schnftdera, sehr geschwind 
in Mitteltönen mit zugespitzten und unaufhörlidi sich be- 
wegenden Lippen etwas herausschnattern^ im Montavon; 
neben Gschnäder sind daselbst auch die Subst. Schna- 
derta, Gschnätter und das Adj. schnäderig ge- 
bräuchlich. 

gschneall, schnell, eilig; das getrübte dem ä sicli nähernde 
nhd. e geht im Unterlande (um Bregenz und Dombim) und 
im Bregenzerwalde fast ohne Ausnahme in ea Über. Vgl. 
Einleitung, S. 13. 

gschochnatvoll, ganz voll, so voll, dass über dem Niveau 
des Gefäßes sich noch ein ,Scliocha" erhebt. 

g s c h w a t z ))'r, gesprächig, redselig. 

gschwöng, geschwind, bei den Walserif. 

gsi, das die alemannische Mundart besonders charakterisierende 
Perfeetum von si , sein ; im Montavon und im innem Walgau 
lautet es gsi (gesfu), im Bregenzerwalde gsin und gsmg, 
im Walserthale gse, gsf. 

[G§paü (i)lur. G§pöna) m., Gespan, Gefährte: Brw.] 

g^passo verb., Spass treiben, üeber den Ausgang o vgl. Ein- 
leitung, S. 13. 

O^püsa f., die Braut; romau. spus a apusa, Braut und 
Bräutigam; franz. Täpouse, lat sponsa; im Deutschen: 
Josef, der Gespons Mariae; im Montavon, das ehanals 
romanisch war, sagt man Spausa, die Braut, und dazu 
das schon mehr verdeutschte Späuslig, der Bräutigam; 
S p a u s a f ü e h r e r . Brautführer. 

g§tät, sachte, langsam, still; bair. atat. 

[g§trieta perf., gestritten; Brw.J 

tüd n., das Gestäude, das Gestrüppe; von Stüda, Staude. 

[g8$ha » gesunken; wals.] 

^uetmfk a4j. und adv., gemtlthlich, behaglich, zuMeden; wohl 

aus gut und Mann [M|]. 
^üdi m., der Prahler: güda verb. neutr., prahlen; er güdet 

si', er prahlt sich; im Montavon hört man gfüta (sich) 



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278 



und Gnft m., die Pralilerei; mhd. ginden; dann prahle- 

risch, großtbnend dnrchbringen, dsTon das schriffcdentsehe 

vergeuden; an dieses giula vom mhd. ^iuden lässt 
sich die Bemerkung knüi)feD, dass altes iu in uiisern Mund- 
arten in der Begel in langes ü = u fibergeht; z. B. ahd. 
ninsian ^ vorarlbg. nüßa, nbd. niesen; abd. scioban » 
Torarlbg. scbi&ba, nbd. acbenen; abd. seinban » ror- 
arlbg. scb&ba, nbd. schieben; ahd. tringan ^ vorarlbg. 
trüga, nbd. triegen, trflgen; mhd. ge sehr in wen = 
T<yrarlbg. gscbrua. geschrien; mbd. biugen = Torarlbg. 
V) üga , iilid. biegen, 
güggia, das Dem. von gugga, gucken, durch eine kleine 
Oeffnung sehen, lauschen; die deminutiven Verba sind in 
der Schriftsprache bekanntlich nicht sehr häufig; in desto 
reicherer Fülle gedeihen sie im alemannischen Yolksdialecte, 
zumal in der T^rme vertranlicben Bedens; die BEdung^ 
dieser deminntiTen Verba geschieht ganz so wie in der 
Schriftsprache, also durch ümlautung des Stammvocals und 
mit Einsatz eines 1 im Auslaute, z. B. tUsa — tüsla, 
leise gehen; lottera — lotterla, wiirkrhi; foppa — 
fdppla, necken; boppera — böpperia, leise klopfen 
u. s. w. 

gnldi adj., golden; Tgl. das unten folgende wulli, wollen, aus 

Wolle Terfertigt 
Gülla f., Wasserlocb, Wasseiiaebe, Mistlaehe, mhd. küle; 

daher Güllawasser, Jauche. 

Oumpa m., der (iuiüpf, ein kleiner Weiher. 

Gu ra s Chi n., der Miith, franz. courage. 

Gütacble n., dem. von Gütscha, Lager, Bett, nameutiick 
das auch untertags benützte Ruhebett neben dem Ofen, 
Faulbett; dann ein kleines Kinderbett, Wiege, SchaukeL 
Dieses Wort ist ohne Zweifel roman. Ursprunges (ital. 
cuccia, franz. coucber). Vgl. auch das bei uns (Sftera 
gehörte gusch'n, kusch 11. sieh legen, schweigen, von dem 
Zuruf an Hunde couche bergen* ui 11 len. Fr. 

Gütterle n., dem. von Guttera, Bouteille, Plascbe. 



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279 



gwährna, im Walserthale gwäbrna, gewahr werden, er- 
schauen, ersehen, 
[gw&rlf adj., gehener, behntsam, vorBichtig.] 

gweaß, gewiss, im Bregenzerwalde; es ist dies nicht das ein- 
zige Beispiel, dass ühd. i in der Mundart des Waides in ea 
übergeht. Vgl. Einleitung, S. 13. 

[gwicha partic., geweiht.] 

H« 

Hab f., die Habe, die Menge; a Hab V§ch, ein Zug Yieh. 

[Haberfpreul n., Haferspreu.] 
[Habrecht n., Rechthaberei. J 

Haida, Halde, abschüssige Wiese (cliviis): vom Verb, halda, 
neutr. schief stehen, in geneigter Stellung sein, an- und 
abhäldig, ad- und declivis, heida hingegen: schief stehen 
maehen, neigen, s. fi. den Krug, den Becher heida, d. i. 
zum Tranke neigen. 

[Hälsling m., Halskette der Rinder.] 

halt, walscnscli hält, vou halten, dafürhalten, z. B. das ist 
halt wahr (das ist. wie ich dafürhalte, waiii): öfters ist 
diese FflUpartikel durch »nur, freilich, nun einmal'* zu 
übersetzen. 

h&m, heim, d. i. nach Hause; die Form häm wird nur nm 
Blndenz gehOrt, wo überhaupt der nhd. Doppellaut ei öfters 
in langes a d Ubeigeht, z. B. Lätera, Leiter, St)l, 
Stein, Säl, SeO. Es kommt hier zu bemerken, dass der 

nhd. Doppellaut ei in den vorarlbergischen Mundarten eine 
zweifache Schattierung erleidet: 1) in langes i i. 2) in 
ä, ä, e, 6, oa, oi und ui : erstere Schattierung erleidet ei, wenn 
es aus altem langem i, letztere, wenn es aus altem ei erwachsen 
ist^ oder mit andern Worten: Altes langes i wird in nnsem 
Dialecten in seiner ursprQnglichen Beinheit beibehalten; der 
alte Doppellaut ei hmgegen lautet in ä, i § etc. ab; z. B. 
die nhd. Doppellaute eiin mein, dein, sein lauten min, 



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280 

din, sin; hingegen die in Geist, Fleisch, Meineid 

— Goa§t (Gä?t, Gä§t, Goi?t), Floasch (Flasch, Flesch), 
Moanoad (Menäd), weil dem nhd. ei bei der ersten 
Gruppe Wörter altes i. liei letzterer altes ei zugruixle liegt. 

— Der Walser behalt in seiner Mundart (dem burgimdi- 
schen Sprachstamme angehörend) sowohl altes S als ei bei; 
er sagt also mi, d!, sl und Gei^t, Fleisch, Meineid. 

hantiera Terb., geschäftig sein, mit Händen und Armen in 

Bewegnngf sein, sich abmtlhaL. 
[liäro verb.. lutL'ii.J 

Hasla f., Haselstaude; ahd. basal, hasalauz, hasalalii, 

coryletum oder unser deutsches Haslach. 
H4i$ n., Kleidnng, z.B. Manns-Häß, Sunntig-Haß; mhd. häz, 

haez; «und macht ihm selber einen häz Yon kembeltieren 

hnton\ Graf, Diutiska II, 245. 
[häßo verb., heißen; Brw.] 
Häurle = Härlein. 
[Heb^t m.. Herbst; Brw.] 

He^^^^naß, im Dem. Heggöäßli, die Eidcclise; mhd. ege- 
dehse, eiddhse; auch kört mau hierzulande Hädox. 

hei, heimetzue, hem, hemat, nach Hause. 

E0mat f., die Heimat, sowohl im weitem Sinne: Vaterland, 
als auch im engem: der bewohnte Hof; daher Hüs und 
H^mat, Haus und Hof. 

Henger t m., trauliche Zusammenkuuft mit Nachbarn oder 
Freunden, besonders am Abend, iu oder außer dem Hause; 
Besuchsgesellschatt ; mhd. heimgarte m., von goth, 
haima, Dorf, Flecken, und goth. gards, ahd. gart, 
domus, cyclus, choras. Fr. 

henna adv., hüben, wie denna, drüben. 

H§r m., m verkürzter Form in allen Endungen statt eines geist- 
lichen Herrn, aus dem ahd. heri, her, unser Adj. hehr, 
hoch erhaben, vornehm; comp, herir, vornehmer, woraü:5 
Herr. 

[hersch adj., henisch, vornehm.] 

h^rt ^ hart; h^rt schl&fa, hart, d. i. fest schlafen. 



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2ai 

herträppla, das Dem. von liertrappa, hertraben. 

H^rtschi, das Jürtdim, nur im Mootavon; ebenso sagt man 
daselbst anch M&gdtschi, Mädchen, Männtschi, Männ- 
chen; KachkUtoge aus Tordeutscher (romanisclier) Zeit; siehe 
die Bemerkung in der Einleitung Qber das Idiom Montavons. 

herwadla verb., herwallen, schwerfällig eiiiliergcheu, herwackelu. 

[Herzhäfti f., Herzhaftigkeit.] 

[het adv., hart; hert.] 

Eeubä m., der Heustock. 

heuscha verb., heischen, verlangen, bitten; betteln. 

hieud, im fiaßem (vordem) Bregenzerwalde, fflr «sie haben'; 
im innem Brw. sagt man hieand, heand, hiend; tritt 
nun bei letzterer Form die Erweichung des n in u ein (was 
im vordem Walde Re<rol ist ; siehe oben die Bemerkung zu 
£fauz), so ergibt sich hieud. 

[Himb u., Hemd; Biw.J 

hina, bei Bregenz, heulen; im Oberlande si^ man hu na, 

heulen, weinen, 
[bind ^ haben; hinterwalderisch.] 

htnicht, htnecht, diese Kacht; ahd. htnaht, mhd. hinte. 

hiiina, heriniieD. 

hiodum, hinter dem; vielleicht wäre richtiger hiudum, hint 
dem, und nach der Erweichung des n in u hiut dem - 
hindern, hiudum; siehe die Bemerkung zu gauz und 
hieud. 

Hochzitere f., Hochzeiterin, Braut; Hoehziter, Br&utigam. 

[hocka verb., kauern; sitzen.] 

höfele, hofeir, sachte, langsam, artig, höflich. 

Hdh^tig. Hochzeit; daher Hoh^tigtag, Hochzeitstag, Ver- 
mähluiigslag; Hochziter uud Hochzitore, Braut und 
Bräutigam; im Montavon sagt mau Heilig m., die 
Heirat; heira verb. act., heiraten. 

Holderstock m., der oder die Geliebte, wurde schon im 
17. Jahrhundert in diesem Sinne gebraucht. 

holops ^ 1) häuptlings, kopfüber; 2) schnell, lustig, munter.. 



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282 



holza verb., bezeichnet überhaupt das Arbeiten im Holze, im 
Walde; also Holz fUlen, Holz scheiteii, Holz sammeln etc. 
hopfa, hoppa, hüpfen, im Montavon. 
[HOptle n., eigt. Häuptlein, darai besonders Stflek beim Vieh.] 

(hora, aufhören.] 
[hucko = hocka.] 

[Eüder und Gmüder, eigt. Hader und Moder, dann aller 
beweglicher Besitz im verächtlichen Sinne.] 

hui, auch hnim, heim, nach Hause; siehe die Bemerkung ^ei 
hftm fiber die mundartlichen Sehattienngen des nhd. Dop- 
pellautes ei 

[hun adv., heruntcn.] 

hnna, heulen, um Bregenz hina. 

|buo adv., heim; Brw.J 

hür, in diesem Jahre; aus ahd. hiu järu, hiurü, mhd. 
hiure. 

Hüs§hr » 1) die Familie, Vater, Mutter und Kinder, z. B. 
die ganz Hüsdhr i^t beieinander; 2) der Haushalt, 
das Gebaren des Hauswesens; er füehrt a schlechte 

Hüsehr; es i?t a gueti Hüsehr. 
hiisla verb., Hausclen bauen na<*h Kinderait, daher überhaupt 
spielen wie ein Kind; die Mutter saj^t zu den Kindern: 
,GoQd go hüsla'', «geht euem Spieleu nach". 

I- 

ibilda verb., einbilden; du ka§t der's ibilda, du kannst dir 

es vorstellen, du kannst dir ein Bild davon machen. 
[Ifer (ifer) m., Eifer.] 
iha, einher, herein, 
thi, hinein. 

iht » (n)iht, nicht; siehe unten ned; schon im Mhd. steht 

öfters iht statt niht. 
lUß (iläß) m., Einlass. 
!nar, wie iha, emher, d. i. herein. 

lud = Ende; am lud, am Ende, an der bair. Grenze. 



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28B 



prft adv. nnd adj., erat; Yorderwald.] 
[Isa (Isa) n., Eisen; Isawand, Eisenwand.] 
itrftnka yerb., vergelten, aber im seUimmen Sinne. 

jährwis, jahrweise, d. i. das Jahr hindurch, in Jahr und Tag 
wie mhd. das genetivische Adj. järes. Fr. 

Ja^t m., Gährung, heftige Gemfithsbeweguug, Hitze; daher 
jäsen, gähren. 

jätta adv., etwa; daher jättamal und jättanamäl, etwa 
einmal, hie und da. 

j^d oder jied (er), Öfters auch: j^der oder jieder; mit dieser 
Formel dritckt der Walser das hd. ,,sagt er* oder „er 
sagt*, inquit, aus. Dieses walserische j^d ist ein Ueber- 
rest des mhd. jehen. ahd. jehan. sagen, bekennen, von 
welchem auch unser nhd. Beichte (mhd. bihte, aus 
bigiht) abzuleiten ist. 

jeicha, jagen; ?gL scheuchen, verschencben. 

jetz und de, jetzt und dann, d. h. alle Augenblicke, in aller* 
nächster Zeit. 

[Jocbfährer m., emer, der über ein Joch, d. h. einen Gebirgs- 

pass zu tahren pflegt.] 

[Kanta f., die Kanne.] 
K&ra-n-aoker, Eomacker, im MontaTon. 
kauBcba, net kauscha, nicht geheuer, unheimlich, 
ketw^der, weder der eine noch der andere. 

Kib m., der Zank; vom mhd. kip; dazu das Verbum: 
kiba (wals. cht ha. wäld. kipo), streiten, zanken, Aerger und 
Missmuth zeigen, sich ereitern, keifen. Verwandt mit 
kiba ist das in Vorarlberg ebenfalls oft gehörte kifla; 
subst. Kifel m., das Kinn, auch die ganze untere Kinn- 
lade, Kiefer, fflr welchen letzteren Begriff Öfters das Wort 
Kiff n. gebraudit wird. Im Bregenzerwald hört man ein 
Verbum kiefera, zanken, und ein Subst. Kiefer er m., 
Zänker. 



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284 



Kieudbettere, Kindbetterin, Wöchnerin; im Innern Walde 
Eiendbettere (Kindbettere), im vordeq» abei erweicht 
sich das n im Maute in u: . Kieudbettere. 

Kilka, Kiicke; Kilknerwald, Kirehenwald. 

EisB m., gefromer Schnee. 

klocka yerb., klopfen; ahd. chlochan, klopfen. 

Kneu, das Knie; daher kueula, knien und: 

küt'uliga, kniend. 

koga adj., häufiger subst., als adj. mit der Bedeutung ver- 
werflich, verflucht, verwünachenswert; als subst.: ein fauler 
Leidmam eines Thieres, Aas; vgl. das serbische und sLove- 
nische kuga, das mhd. koge, die Pest 

K6hl plur., Kohlen; ahd. cholo, chol, mhd. kol. 

[k 09 tilg adj., kostbillig.] 

Krättle n., dem. von Kratta m., der Korb. 

ki ipia verb., zwicken, kneipen. 

Kriss n., Keisig; Tannakriss, Taimenreisig. 

Kr dm m., ein Geschenk, besonders Marktgeschenk; daher das 
Dem. Kromle [Kram]. 

Krotta f., die KrCte. 

Kflbile, das Dem. von Kübel. 

[Küechli§piss m.. SpioÜ, mit dem man die „Küechli" in das 

heiÜe Schmiilz liiuein<,nbt und wieder herausnimmt] 
K üehtschaggi u., der Huf der Kuh. 
kürzir, kürzlich, vor kurzer Zeit. 

Hd adj., wüst, leid, leidig, mhd. leidec, der leid that. 
Lagla f., das Fässchen, lagena, lagenula; im Plur. bildet 

Lagla-Laglana. 
Läibeta f., der üeberbleibsei ; von iäiba verb., erübrigen, 

übrig lassen; goth. laiba, mbd. leiben, griech. Xeüni», 

lat linquo; subst.: goth. laiba, ahd. leiba, mhd. leibe, 

Üeberbleibsei. 



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285 



Länge, die Länge, besonders der Zeit; aili Länge, eine 

ziemlieh lange Zeit 
Langsa m., der Frahling; ahd. langiz. 

Lappe m., bl($dsiiiuiger Mensch, Tölpel; dem. Lftppele; adj. 
glappat. 

Lätsäl n.. Leitseil (Zaum), siebe oben die Bemerkung zu h ä m. 
[lau, lassen ; Rrw.) 

Läuba f., die Laube, das Yorhaus, der Hausflur, 
[laut, lässt.] 

L^mpa m., das Stück, eine tüchtige Portion, z. B. eu L^mpa 
Fleisch. 

l^nga yerb., 1) bis wohin reichen; 2) nach etwas greifen, holen; 

8) zureichen, ;?enug sein; von lange und noch übrig in 
be-. er-, verlanj^eu. 

l^tz adj., übel, schlecht, bnse, verkehrt, z. B. das ist net so 
letz, das ist nicht so übel: die letz Sita, die verkehrte 
Seite; wird auch als adv. gebraucht; f bi net lätz ab 
em erschrockä, ich bin nicht wenig seinetwegen er- 
schrocken. 

Hb ig adj., dickleibig, fett. 

Lid n., Deckel, der sich au einem Gelenke bewegt: ahd. hlit, 
lit, mhd. lit, nhd. noch Augenlid; in Schlesien noch 
Fensterlid, d. i. Fensterladen. 

Löh m., der Lohn; la aber bedeutet den Inün. län, lassen. 

loisle, leise, an der bair. Grenze. 

[lofla yerb., hören.] 

[losna verb., lanschen, horchen.] 

Idtzel adj. und adv., wenig; engl, little; iGtzele, sehr 

wenig. 

lugg, locker, nicht straff; higg ge oder lugg 16, nachlassen, 
nachgeben; luggen, locker werden; subst. Lüggi. 

Lüna f., Laune, Gemüthsstimmung, heiterer Sinn; ein während 
des Mittehilters ans dem lat. Inna, d. i. Mond, entstan- 
denes Wort 

pütto Yerb., läuten.] 

lützel, siehe Idtzel; lützelmäl, wenigemale. 



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286 



^ma, d. i. ama = einem, 
[mftht » mochte; Brw.] 
Mäigge n., Mädchen. 

Maisäß, die Voralpe als FrtJhlingsweide für Rindvieh. 

maiigla verb.. wird mit dem Accus, constiuiert, z, B. ich 
maiigla Hilfe, ich brauche Hilfe, ich bin der Hilfe be- 
dürftig. 

[mänr — mag ich; Brw.] 

manne yerb., znm Manne nehmen; vgl. se marier nnd 

^ponser; wiha, znm Weibe nehmen. 
Mftnne (i) f., ein Gespann von zwei Pferden oder Ochsen; mhd. 

mene, Fuhr, das zu einem Fuhrwerk gehörige Zug\ieh; 
mäne verb., fükreu, ziehen; vgl. das ital. minare, frauz. 
meuer. 

Mäuutschi n., das Männchen: siehe oben HertschL 
Marter si (alicui), jemanden bemeistern, überl^en sein, den 

Sieg über einen davontragen. 
[Mfirgat m., Morgen.] 

[Maftig f., Mast, Mästung.] 
[Mätei, plur, Matla, Mädcheu; Brvv.J 
[Mau, siehe unten Mo.] 
[maul, mal, amaul, einmal; Brw.] 

Meigga, Mädchen, Jungfi-au; meiggi n., heranwachsendes 

Mädchen; meiggele, Mägdelein. 
Melki Melchior, 
m^nger, mancher; m^ngs, manches, 
methalta, mithalten, mitessen; „kond go methalta*, die 

volksthümliche Eiiiladuiigsformel zum Mitessen. 
Micheli, der Tag des hl. Michael, 29. Sept., die Zeit der 

Abfahrt von den Alpen, 
mit 'na =- mit ihnen. 

Md ^ Mond. Die Walser sagen Mdna [die Bregenzerwälder 
Man; vgL oben die Bemerkung zu ganz]; Tgl. aJid. 
mäno. 



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287 



[Moandoräds adv., im Laufe des nächsten Tages. Nach 
Perathoner aus morn-ents (Lex., S. 2199) durch die 
beliebte Umstellung von r bes. neben n (Weinhold, mhd. 
Gr., §. 195, lü. Gr., S. 165) monroents, dann dnrch 
Etnaebiebung eines unechten d zwischen n und r (Diez I. 
201, 206 und Weinhold, al. Gr.. S. 145. mhd. Gr., S. 152; 
mon-d-r-ents oder mon-de-i -ents; -end. -ends, -ents 
ändert sich in der Mundart in -ad, -ads. -ats, z. B. 
ab ad Abend, schwinnata mau =- swinender mäne - 
abnehmender Mond (s. Perath., Vocalismus . . . S. 23), also 
mo(a)ndoräd8.] 

[Molka n., alles, was aus der Milch gemacht wird: Butter, 

ESee, Zieger, Sig.] 

[mon moru. morgen; Brw.] 

Moud^tuck. Mundstück Mundwerk; dann auch ügürL Bered- 
samkeit. Geschwätzigkeit. 

mordsmäßig, mörderisch, ungemein, stark, heftig; mord- 
tritt häufig yerstärkend auf; Mordkerl, mordaUsch n. s. w. 

mötersSlgs, mutterseelen, mutterseelenaUem. 

m'renda verb., jausen, das Abendbrot nehmen; vom roman. 
merenda, Abendessen . Jause; Märend ztt, die Zeit der 
Jause, des Abeudbrotes (iiicrzulande zwischen 3 und 4 Uhr 
nachmittags). 

Aiücha in.. Wassermolch. 

Mflsla f., ein Holzklotz. Klotz. 

muffper, munter, lebhaft, lustig, wie man nach einem erquicken- 
den Schlafe ist; mufper werden, aufwachen; vgLbusper 
bei Hebel; unmu^per, unwohl, abgeschlagen; Goethe 
(Wahrh. u. Dicht., 9. 6ch.): „Da ich mich, wo nicht 

krank, doch unmustern fühlte". 

^na — ihnen. 
= nach. 

&&&tnä*, nach und nach; auch bei Hebel. 



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288 



nachta verb., es nachtat, es wird Nacht; analog sagt maxir 
es tagat, es wird Tag; es hellet, es wird hell a. s. w., 
Bedeweisen, denen das BQigerrecht in der Bfichmrspradie 
eingerftmnt werden sollte. 

nächtig adv.. vergangenen Abend odii- T;ig. gestern, gestern 
abends. Vgl. mhd. nehten und den adverbialen Dutiv. 
plur. der bair. Mundarten: nächt'n, nacht'n, nächt. 

[Nachtluft m., Nachtwind,] 

näha, d. 1. näohher, hemaeh, nach, wie n4hi, hinnach. 
[nAfalü^terla yeit., nachspähen.] 

N&ht plur., die Nächte; all N&ht, aUe Näohte, jede Nacht 
näißa, ich'weid nicht wie; andere Formen sind: neißa, im 

Wth., üäiki. im Mtv., uoma und nomma, um J^regeuz, 
noilia, an der bair. örenze, alle in der angegebenen Be- 
deutung „ich weiß nicht wie''; weiter hört man näiUas, 
neißas, naßas, naßes, nommas, noißas, irgend 
etwas, ich weiß nicht recht was; näißmer, neißmer, 
nißmer, nommer, noißer, auch n&ßer, irgend jemand, 
ich weiß nicht recht wer; endlich naißwo, näßwo etc., 
irgendwo; nÄßa-, neißahl. irgendwohin, neißwann» 
etc., irgendwoher. Alle diese mehr oder weniger abge- 
schliffeneü Formen sind Cebeireste der im Ahd. und Mlid. 
so beliebten adverbialen Formel niweiz, neweiz, ueiz 
für ich neweiz. ineweiz, ich weiß nicht, die namenthdi 
in Verbindung mit Interrogatiren den Begriff des Allge- 
meinen und Ifnbestimmten lat. ali-) amdUh^^t; so mhi 
neweis waz, neizwaz, neizwer, neizwft, nei^'War, 
neizwie, neizwauue, irgendwas, wer, wo, wohin, wie, 
woher. Fr. 

Näpfle n.. dem. von Napf ra., der Napf. 

uau' und naa\ nach und nach; siehe oben die Bemerkung zu 
dernau'. 

ned, nicht; andere Formen Bind: nid, net, nit, et und tht; 
für die ursprUnglich genetiviache Form nichts hört nnfl: 
nnt, nnd, nUnt, nint, nUnz, niez (bei Hohenweffair 

au der buiiisciieu Grenze) aus ahd. aio- wiht. 



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289 



N^hi f., die Nähe. 

[Neiare f., die NSIieriii; Brw.] 

neißa, uciljes, siehe oben näißa. 

nett adj. und adv., zierlich, gefällig; vom lat. nitidus, rein, 
hell, zierlich : in die kaiifiiiännische Sprache übergegangen 
als netto, genau, govado, eben. 

Nidhäfele n., das Neidhäfcbeu; 's Nidhäfele^ gäht 'm 
über, das Neidh&fchen geht bei ihm über oder überlauft, 
d. b. der Neid übernimmt ihn. 

niena, nirgends; nienamSh, nirgends mehr; auch niener 
und nienermeh. Dieses mehr den alemannischen Mund- 
arten eigene Wort ist das ahd. neoner, nioner (d. i. 
nio in eru, nie auf der Erde), mhd. niener, gewöhnlicher 
mit eingeschaltetem d: niender, ninder, nieudert, 
nirgend, auch Verstärktes nicht. Fr. 

nimma, nicht melir, contrahiert aus nit m6hr; daher sagen 
andere aus nüt m§hr: nümmo. Das Wort ist verschieden 
vom hd. nimmer aus nio m^r, welches nie mehr be- 
deutet und das hier uncoutrahiert nio me lauten müsste. 

[nix nicht.] 

[no* = nu', nur; wals.] 

■[no nur; wals.] 

noißas, noißa, siehe näißa. 

nomma, nommas, siehe näißa. 

ndmma, nicht mehr. 

[No^ter n., Rosenlranz.] 

nothig adj. und adv.. eilfertig, beeilt, bedrängt: ahd. ginoto, 
cnöto, mhd. genoeie, genöte, gnöt, auch genotec, 
wie bair. nedi', gnedi'. Fr. 

[nu* =^ nur.] 

nüd, nichts; siehe ned. 

niidröchzig adj., in nichts recht, ausgelassra, mufhwülig. 
nüela, wühlen, 
nügschält, d. i. neugeschält, 
ntlmma, nicht mehr; siehe nimma. 
nünt, nünz, nichts: siehe ned. 

Dr. F. J. Voobuu, Sagen Yorailbergs. 19 



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290 



nüt. nuti. nichts; siehe das vorig-e nünt uud iiüaz, 
aütuutzig, zu nichts' tauglich oder nützlich. 

0. 

ö' = auch. 

[dberdert adv., dort draben.] 
Obere, hinfiber, flberhin. 

dberheba verb., V kfl's net öberheba, ich kann es nicht 

über inich bringen, ich kann es nicht bei mir behalten, 
öbernaturle, eigentlich überüatürlich, nach dem übliciieu 

Sprachgel »rauche aber: über die Maßen, gar sehr, 
öberpfechtig, über die Maßen, ungebürlich; ¥on P facht f., 

Gesetz, pactum, 
offi, aufhin, hinauf; im MontaTon. 
Og (6g) n., Auge. 

^ha verb. aet., Anke, d. L Butter madien; im Perf. göhet; 

siehe dort. 

6ha heba. still halten: 6ha! ist der Zuruf, mit dem man 
Pferde zum Stehen bringen will; für 6ha! hört man auch 
Oha! 

Ohr (dhr) n., Ohr. 

[ommasua, umsonst; Tgl. sus.] 

[ön9er = unser; vals.] 

drdili\ ordentUch. 

Ort (drtj m.. Ort. 

O^tra (6§tra), Ostern. Ostara bei den alten Deutschen die 
Göttin des strahlenden Morgens, des aufgehenden Lichts; 
ihr Name gieng auf .Ostern", das Fest der Auferstehung 
des Erlösers, über. 

P. 

[Palma m. , der am Palmsonntag geweihte, vorzüglich ans 
eiiih« ! mischen blühenden Weidenzweigen zusammengesetzte 
^Paimbusch".] 

Part n., das Ufer eines Baches^ eines Sees; der Kand z. B. 
des Bettes. 



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291 



Pfi^tor m., Gei0bnbe, Ziegenbirt, zu lat. pastor; Brw.] 

pflega veib,, pflegeu. verpflegen, besonders eine Wöchnerin: 
wird mit dem Dativ coustruirt; der Kindbettere 
pflega; Pflegataf.. die Pflege, Verpflegung. Pflegari 
f., die Pflegerin, Aus Wärterin. 

Pflüm m., Flaum, Maumfedem. 

pfneafto, ächzen, seufzen — ein lautmalendes Wort. 

[])fnizo Terb., niesen; Brw.] 

[pfnfkso rerb., schnauben; Brw.] 

[pfüonno verb., geschwind davonfahren wie der Föhn, eilen; 

Brw.] 

Phantast m., ein launiger, mutbwiUiger Mensch. 

pii^ta, ächzen, wie obiges pfnea^to. 

Prachtmensch, ein schdnes, stattliches Weibsbild; Mensch, 
mit Beibehaltung des filteren, neutralen Geschlechtes (plur. 
Menscher), bezeichnet eine weibliche Person, Torzugsweise 
eine erwachsene, unverheiratete (entgegen Bueb), namentlich 
auch als Dienstmagd imd Geliebte, in welchem letzteren 
Falle es leicht einen unlauteren, verächtlichen Nebenbegriff 
auMmmt. Fr. 

prä^tiera verb., aushalten, ertragen. 

Preire f., Priorin, Vorsteherin eines Klosters. 

proper adj., sauber, tüchtig, trefflich; das franz. propre. 

pur^ntig adj., rein, unvermischt; pnr^ntige Föle, reine, 
bloße Faulheit ; wohl aus p n r und endig zusammengesetzt ; 
vgl. p ü r 1 a u t e r ; zu dem berührten Subst. F ü 1 e , die Faul- 
heit, siehe die Bemerkung oben bei Dünkle. 

R. 

B&pa plur., die Eappen (Pferde). 

r&thi*, rath* ich; Tgl. unten schätzi* und die Partikel halt 
(wie ich dafürhalte). 

rithig werden, nach üeberlegung und Berathung zu einem 

Entschluss kommen, 
[räß adj. und adv., stark.] 

19* 



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292 



raH adj., scharf, besonders vom Go'^i hmacke ; mhii. raeze. 
Ee m., Käin; nach ganz gewöhnlichem Abfall des aualauteaden 

n; vgl. brü, braun, scho, schön. 
Keitera f., das Sieb; ahd. hrftara, nahd. riter, Beiter, 

Sieb; ahd. verb. ritarOn, sieben. 
r§ra Terb., wein^. 

ßis n.. eine jähe, sclimale Halde, weniger zum Beweiden als 
zum Kispn (d. i. Herablassen. Herabrollen) von Holz- 
blöckeu bestmimt; im Piur. Kiser; auch nhd, Holz- 
riese. 

[Rdd f.f Reihenfolge, mhd. rote, rotte, rot.] 
fropfa, siehe rnpfa.] 

Bdth m., der Zorn, der die Wangen roth f&rbt; es ftfgt em 
der Bdth nf, sein Gesicht ftrbt sich vor Zorn; ist zn 

unterscheiden von Rath, consilium. 
[röthlecht, siehe siirlecht.] 
ruaba verb., mlim; nach mhd. ruowen. 
rüma verb., räumen, 
rüöbig adj. und adv., ruhig. 

Btlöfe f., Erdschleife, Mnre an Bergabhftngen ; so sagt Schiller 
im Teil: 

„Ein Bnfi ist gegangen 

Im Glarnor Land, und eine ganze Seite 
Vom Gläniisch eingesunken* , 
rupfa verb., zupfen, zerren. 

Ea^tig f., eigentlich Kflstung, dann ein altes unbrauchbares 
Geräth. 

S. 

Sägeß f., Sense: ahd. segaiisa, mhd. si-geuse, segens; 
erinnert in seiner Endung an die ebenfalls alemannischen 
Öingeü, Singeßa, Schelle, Kuhglocke, Wägeßa, ahd. 
wag an so, Pflugschar. 

[S&m m., der Saum; Brw.] 

schäfta verb., einen Schaft machen, z. B. eine HeUebarte, eine 



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293 



Aztt eine Gabel, Haue schftften, mit einem Sdiafte ver- 
sehen. 

schätz i\ schätz' ich, eine älmlichc EiiibckulLüug uüd Zusarn- 

menziehung wie rathi', mein^ ich. 
[schejha verb., schenken; wals.] 

achelb adj. und adv., schief, krumm; mhd. schelch, gen. 
Scheiches; von schMb ist das Sahst. Schelblig m. ab- 
zuleiten, das im Walgau im Schwünge ist nnd einen Tölpel, 
emfiltigen Menschen bezeichnet, der redit schief (dumm) 

dasteht. 

Schelm m., der Dieb; nur in dieser Bedeutung ist Schelm 
hierzulande gebräuchlich: die hd. Bedeutung Schalk kennt 
mau nicht; davon Schelmapfifle, ein kleines Pfeiflein, 
mit dem sich Schelme gegenseitig Zeichen zu geben pflegen. 

{Sch§rem m., Scanmerstall für das Vieh.] 

acherr di*, mach dich fort! apage! 

Schdsa f., das firanz. ehaise, Kutsche; dem. Schlsele. 

Schick m., das, was sich schickt, was taugt; namentlich wird 
eine Hochzeit ein Schick genannt. 

Schilf und Gschier, eine auch hd. übliche alliterierende und 
assonierende Formel ; hier „Behältnis und Gefäß'', dann all- 
gemeiner »alle zur Landwirtschaft oder irgend einem Ge- 
werbe erforderlichen Werkmittel und Gerätsehaften''. Zu 
Schiff TgL Schaff, Schapfa, hölzernes Gef&ß. 

Schildisdubla == Dublone. 

sc hin ig, d. i. scheinend, glänzend; von Schi, Schein, schlna, 
scheinen, glänzen; adj. (vielleicht richtiger partic.) nach 
dieser Form kommen in unsern Dialecten sehr häufig vor: 
z. B. glänz ig, glänzend; surrig, sausend, knurrend, vom 
lautmalenden Worte surra; werchig, arbeitsam, von 
wercha, arbeiten; mOgig, UebenswUrdig; a mGgigs 
Kind, em Sind^ das man möga, d. i. lieben muss; 
trinkig, z. 6. a trinkigs Wile, ein Wein, der recht 
trinkbar ist, der gut mundet. 

schl&pfa verb., Schleipfen, als verh. act. ziehen, trahere und 
ala yerb. neutr. trahi, lahi, gleiten; vgl. das im Brw. vor- 



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294 



kommende Verb, schliefen, gleiten, abgleiten, labi, delabi; 
daher G schlief. Absenkung von Erd- und Stemmassen, 
anderwärts Schlipf. Erd-, Öchneeachlipf, auch Rilfe (rovina) 
genannt. Schlipfhalden, eine Alpe im Balderschwanger 
Thale; der Walser, der (wie oben bei hftm bemerkt wurde) 
altes ei nnrertodert beibehält, sagt scbleipfa. 

[schlanffo verb., schlafen; Brw.] 

[schlipfo verb., ausgleiten.] 

Schlüsselbaila m., der Schlüssclbimd. 

Schlüttli ü., dem. von Schlutta f., ein bis otwa auf den 

halben Leib herabgehendes Oberkleid mit Aermeln sowohl 

fflr Mäuier als Weiber, 
schmatzga yerb., laatmaiendes Wort, schmatzen; Schmatz 

m., bei Hebel Schmatz, Schmutzli, Enss, Ktlsschen. 
schmOllela, yerb. dem. von schmolla, schmollen; siehe oben 

'die Bemerkung über Verba deminutiva bei güggla. 
schnägera verb.. nagen, naschen; Schuagera f., der Rüssel 

des Schweins: daher bedeutet das Verb, neutr. schnägera 

auch: mit der Schnägera durchsuchen, durchwühlen, 
[schnarchla verb., schnarchen, leise schnarchen, siehe oben 

die Bemerkung zu güggla.] 
schnattere verb., zittern Tor Furcht, vor Entsetzen, 
[schnfttza verb., schnitzen.] 

schnauza verb., sehr gereizt und zornig reden; Schnauz a f., 

das Maul, die Schnauze; Schnauz m., der Schnurrbart ; 

auch hört man schnüza verb. und subst., und Schnüz; 

die gleiche Bedeutung wie schnauz a hat: 
schn^rza verb., schnarrend, aufgebracht reden; en Schnarz 

g% (alicui), jemanden kurz und zornig an&hren. 
Schnüfla n., sim Schnüfla, semem Schnauben, seinem 

Athem; von schnüfla, dem. von schn^fa, schnaufen, 

schnauben, athmen; Schnüf m., der Athera. 
Schöpple n., ein Seitel; a Schöpple zwoa, ein »Schöppchen 

oder zwei. 
Schöß f., Scliürzo. 

[Schotta f., das letzte und wertloseste Hilchprodnct, das beim 



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295 



Sieden des Efleewasaers, wenn sich der Zieger geschieden, 
ztirfi<^bleibt.] 
schottla verb., sohtttteln, rtltteln. 

[schu adv. = schon.] 

s c h ü t z 1 r , bei den Walsem s c h ü z 1 1 , gar sehr , überaus, 
scheußlich. 

Schwdher m., Schwiegervater; Schwiger f., die Schwieger-' 

mutter. 
[schwfttza yerb., reden.] 
[se ^ siehe!] 

s^llmal, das sUlm&l, sellbiges- (jene»-) mal, damals. 
sMza, selten, deshalb willkommen, beliebt; s^lza k^, Ehre 

aufheben, wiiikommen sein: aus seltsam (mhd. selt- 
saene. s^lt seine). 

Senni, d. i. Sennin (fem. von der Senn, des Senden), 
daneben auch Sendin, Sennerin, Senderin (zu der 
Senner, Sender), diejenige Birne emer ^memwirtschaft, 
die auf einer Alpenwdde den Sommer hindurch das OeschSit 
der Butter- und KSsebereitong versieht. Gnmm gibt die 
Ableitung von dem sehr alten, noch in Niederdeutschland 
gilti^en Saline. Rahm (mhd. der sän), so dass das Ver- 
bum sennen eigentlich bedeutet: die Milch abrahmen und 
gerinnen machen. Fr. 

si' = sich. 

si inf., sein; kann aber auch das Pron. sein (suus — sunm) 
bedeuten. 

sider, aneh siderje, stderhdr, seit, seitdem. 
Siel f., Seele. 

sieud sind, im vordem Brw.; siehe die Bemerkung bei 
hieud. 

Singe ßa f., Schelle, Kuhglocke; von singen, klingen; vgl. 

Singe le, Ohrfeige, Schlag, dass einem die Ohren sausen; 

der Walser sagt: 
Singdßa and dazu das Dem. Sing601e; vgl. obiges S&geß, 

S&geBa. 
sobaud, sobald; siehe baud. 



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296 



Süideiii 11.. dem. von Solder. Söller, Hausplatz, sokrioiu; 

ahd. soleri, solari, mhd. solre, Vorgiebel, Altan. 
[808 adv., sonst; wals.] 

sOtoI, soviel; analog 8agt man auch wflövel, wOvel, wieviel. 
Sp Active n.. Perspectiv (perspicere — perspectum). 
[§pera verb., sperren.] 

9perza, stoßen, uameutlich mit den Füßen; mit den Füßen sicli 
anstemmen. 

Stafel m., grüner Platz um die Alphütte, der gedüngt und 
mitunter auch gemäht wird, wo auch Kühe zum Melkeo- 
zusammengetrieben werden. 

Stftt m., der Schmnok, die Pracht, z. B. in Kleidern; fesüielier 
Kleideranzug; Sunntigftftt; daher: 

Stfttsmeiggi, ein sebOnes, prächtiges Mfidchen. 

[§tauh verb., stehen; Brw.] 

St^ und Be, eine alliterierende, lu iiders im Montavou und 
Klosterthal vorkommende Foimei; Ste und Bf gfrora, 
gefroren und daher liart wie Stein und Bein. 

Stiekle, ke Stickle, verstärkende Verneinung: gar niehts. 
Die Abstammung dieses büdUcben Ausdruckes ist zweifel- 
haft und doreh Umgestaltungen verdnnkdit, ob goth. stiks, 
Punkt, Moment, oder oberd. stik m., steile Stelle, Berg- 
höhe, Bergwand, oder mlid. stic, Steig, Weg, oder nhd. 
Stich. Fr. 

Stifle, dem. von Stifa m., der Zweig, kleiner Stengel. 
Stöb, weder s^töb noch Fldch, im Montavon, weder Staub 

noch Fioii, d. i gar niehts. 
Stoi, Steine, an der bair. Grenze; siehe die mundartlichen Ab- 

lautnngen des nhd. Doppellautes ei oben bei häm. 
[Stör f., das Arbeiten der Handwerker, namentlich der Schuster, 

Schneider, Niilit nuuen im Hause des Arbeitgebers gegen 

Kost und Lohn.] 
Sträuha f., bei den Waisern, anderwärts Strüha, Katarrh; 

siehe unten die Bemerkung bei Verlöb. 
9trHla verb., strampeln, wimmeln, sich herumtummek, ab- 

mü hen. 



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297 



[Stricli m., s. V. a. «Sktbaf^, Heimgarten; Brw.] 
[Stabadilla f., der gedielte Oberi>oden.] 

Stubet f.. wie obiges Heiigert, trauliche ZusammenkuulL, 
Bosuchsgesellschaft; zer Stubete gah, auf Besuch gehen, 
nameutlich wird es vom Butschen gesagt, der zu seinem 
Lieb auf Besuch geht. 

^tühawtß, 9tühew!fi, weiß, bleich wie eine Stüche, 
Stauche. Siehe Aber Sttlha die Anmerkimg mm Stüha* 
wfble, S. 72. Statt ^tülhawiß hört man auch fttha- 
bleich, ^tühabloach. 

SÄla f., Ahle der Schuster. 

-aüma sich. mhd. (sich) sümeu, säumen, schlendern-, hier aber 
in der Bedeiitiuig: nidits zu versäumen haben; sich hSm 
süma, Eile haben, nach Hause zn kommen. 

sflnnela, sich sonnen, sOnneln. 

^ÜrUcht, sänerlicht; der nhd. Ausgang icht bd Adjectivis 
wird in nnsem Mundarten durchweg mit icht gegeben; 

also röthlecht, röthlicht; süeßlecht, süßlicht. 

8urra verb.. ein lautmalendes Wort, surren, knurren, schwirren, 
^au'ieü; der Käfer, rlifi Kugel, der Kreisel surrt; surra 
wird auch von sehr gereizter und zorniger Sprechweise ge- 
braucht. [Davon surrig adj., sausend, knurrend, dann 
zornig, abelgelannt.] 

{aus adr. ^ sonst.] 

T. 

taga verb. impers., es wird Tag; vgl. obiges nachta. 

tägwis. tarr weise, ganze Tage lang. 

Täibe f., der Zorn: siehe oben ertäuba. 

tÄif, tief, bei den Waisern; im übrigen Vorarlberg tüf; es ist 
zu bemerken, dass bei den Walsem (burgundisohen Blute) 
viele hmge fi — ü des an- und umgrenzenden alemanniachen 
Sprachelementes in fti flbergehen; neben obigem täif h((rt 
mau z. B. noch: Fiuiga, triiiga, Chuäi u. s. w. für 
tüf. Flüga, tniga, Knü, nhd.: tief, Fliege, triegen 
(trügen), Knie. Vgl. Einleitung, S. 12. 



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298 



[tar, darf; Brw.] 
[thau = gethau: Bi*w.] 
[ThürBchweller m., Tliürschwelle.] 

Tischat f., ein Tisch voll; a Tischat Gäft, ein Tisch yoU 

Gäste; analog diesem sagt man auch a Tuechat Lattb, 
Heu, Gras, ein Tuch voll Laub, Heu, Gr^; vgl. 
a Dutzat, eiu Dutzend; die Worte Tischat. Tuechat 
u. dgl. criimem an eine aus Zeitwörtern gebildete Gruppe 
von Collectiven, welche unserer Mundart außer den gewöhn- 
lichen OoUectiTen eigen sind und welche, während jene die 
\oUe Gesammtheit ausdrflcken, nur einen gewissen be- 
stimmten Theü derselben bezeichnen, der aber, obwohl 
wieder aus einzelnen Theüen bestehend, dennoch als ein 
Ganzes und Vereinigtes, sfewissermalJen ein Collectivum im 
kleinen, gedacht und gefüsst wird. Alle diese CoUectiva 
sind Feminina, z. B. a Trag ata JbLolz, soviel Holz, als 
man auf einmal zu tragen vermag; a Zühata Butter, 
soviel Butter, als auf emmal gezogen, geschlagen, gemacht 
wird; a Schleüata Hanf, soviel Hanf, als auf emmal ge- 
schleizi wird (schleiza, den Hanfbast von den Stengeln 
abstreifen; mhd. sleizen, scindere, schinden, abhäuten — 
daher unser schleitien). 

Tobel n., im Flur. T Ohler, im Dem. TObele, kleine, thal- 
ähnliche Vertiefung am Abhang 'emes Beiges; der Winkel, 
unter welchem zwei, größtentheils mit Wald fiberwachsene 
Abhänge sich unmittelbar aufeinander senken, der meistens 
zugleich auch ein Rinnsal bildet; Waldthal, Engthal, 
Schlucht; öder Platz neben einem Acker oder einer Wiese. 
Vgl. ahd. tubil, gatubili; mhd. tobel, Waldthal, 
Schlucht. Fr. 

T6be f., siehe Täibe. 

topfeba, topf eben, so eben, ^sb man einen bis an den Band 

mit Flüssigkeit gefüllten Topf aufstellen könnte. 
tOsa verb., tosen; daher Getöse. 



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29f> 

tribiliera verb., drftngen, nöthigen, treiben? das mebr mittel- 
alterliche tribulaie (von tribiiium. Drcschwalze, und 
dieses von t e r e r e , reiben ; Iranz . t r i b o n i 11 e r . nocken, 
aufziehen ; dann mit Anlehnung des Begrifts an das deutsche 
Verbum treiben: drängen, nöthigen. Fr.) 

Trinke!, dieTrdnke; 's Veab 2er Trinke triba, das Vieh 
zur Trftnke treiben, im Brw. 

TripstrüU n. ^ Utopien. 

tröcbna verb. act., trocknen, bei den Walsern, die den Gurgel* 

laut eh für k lieben. 

Tröef m.. Knsten, liegender Schrank, namentlich zur Aufbe- 
wahrung von Feldfrüchten, gedörrtem Obst u. dgl. ; ver- 
wandt mit unserem Trucka f., die Truhe. 

[trölo, siebe drölo.] 

Trüble n., Träublein, Bfischelchen mitFrfichten; daher trublet- 

TO 11, (von Bäumen) ganz voll, 
trfiiha verb., fett, stark werden, gedeihen, 
trümla verb., neutr., unstet gehen, taumeln, tromulare. 
Trumm n., das Fadenende: es gilt als Si>richwort: „Am 

lecbta Trumm züha, das Kechte beginnen, das thun, 

was zum Ziele führt. 
Tschirpa m., Scherbe, altes abgenütztes Ger&tbe, nur im 

Montavon gebräuchlich; wie daselbst der roman. Quetsch- 

laut .tsch fflr t und ch steht (siehe Einleitung S. 10), so 

steht er auch, wie obiges Wort Tschärpa zeigt, für sch; 

vgl. die nachfolgenden vier Wörter: 
Tscliöpa-n-ärmel m., der Aermel der Jacke, des Wamses; 

im Dem. lautet Tschöpa — Tschopli; vgl. das ital. 

giubba. — Das n zwischen den beiden Vocaien a und ä 

ist des Wohllautes wegen eingeschaltet. 
Tschflbile, dem. von Tschübel m., der Haufe, die Menge; 

etwa von schieben, Schub und mit roman. Quetsehlaut 

Tscbub, Tsehubel, Tschübel? 
tschn der ig, struppig; vgl. bei Stalder: tsulen, tschaulen, 

struppig in den Haaren sein. 



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300 



tschappawis, baufeaweise; TonTschuppa, der Haufe; ver- 
wandt mit obigem Tschtlbel; erinnert auch an das nhd. 

Truppe, 
tummeln (sich), sich beeilen. 
Tüpfle n., siehe Düpfle. 
Tumolmutsch m., Verwirrung; Brw. 
tüsem adj., kleinlaut, traurig; zu tüsa — tüsla, giehe dort, 
tusla yerb. neutr., siebe dusla. 

U. 

Übli (nbli) f., üebligkeit, ünwoblsein; ygl. obiges Eöle f., 

Faulheit, und die Bemerkung zu Dunkle, 
üb sc Ii ad (ftbschäd) m.. Unbescheid, Grobheit 
üdreaße, ungestüm, wild. 

üfbiga verb., aufhäufen, in einem Haufen übereinander l^en, 
namentlich Holz; daher Big, Holzbig; afad. pigo, pfga, 
mhd. bige f. Fr. 

nffar und off er, d. L aufher, herauf wie: 

uffi, aufbin, hinauf; ebenso uihe, im Brw. 

[üfiida (ufrida) m., Unfriede.] 

[Ufschrift (üfschrift) f., Aufschrift] 

[ugfähr adv., ungefähr.] 

[U glück (üglück) n., Unglück.] 

uihe, siehe uffi. 

um 808, umsonst 

um tüsa, herumsehleichen ; aehe düsla, tüsla, tflsa etc. 

[ungen adv., ungern; Brw.] 

^nig, sehr, über das Gewöhnliche; adj. und adv. bei Hebel 

uding. 
[uohe adv., hinauf; Bi*w.] 

Urtel n., Urtheil; daher das Verb, urtla, Urtheü sprecheBi 

aburtheilea. 
[Urueb (ürueb) f., die Unruhe.] 

ftsagfähr, unerwartet, von ungeiUhr; aus un und f&hra, er- 
warten. 

üsdrölo verb. neutr., überauäroUen, hinabstürzen. 



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301 

[Usla (fisla) n., das Auslassen.) 

üsat (usät) m., der ünsaat, d. i. Unkraut, 

^söd adv., unwirsch, mürrisch. 

iissa, usser, ausher, heraus; usse, ussi, aushin, hinaus. 
tszSro Tcrb. aet., auszerren, ausrelBen. 
Uthicr (üthier) n., Unthier. 
tlverseahas, unrersehens. 

Uwart (fiwart) n.. Unwort. d. i. böses Wort. 
Uw^rt (üwert) m.: nut um üwert ge, gleichgütig sein, ob 
man wert komme oder nicht. 

V. 

YAh, im Walgau und Slosterihale, V^ch, im Montavon, Vieh, 
verbrämt, unser nhd. verbrämt, mit einem Saum yersehen. 

verliilfli' si, verhilflich sein. 

verkö- (-meu), verkommen, bekommen, begegnen. 

Verlob (mit), mit Erlaubnis; es stehe hier die Bemerkung: nhd. 
a 11 geht in unsem Dtalecten entweder in langes u ö oder 
in langes 0 = 6 Über; dies geschieht aber nicht regellos, 
sondern es gilt in dieser Beziehung das Gesetz, dass der 
nhd. Doppellaut au nur dann in ü übergeht, wenn er mhd. 
schon ü lautete, in ö aber dann, wenn er aus mhd. ou 
erwachsen ist; z. B. für das nhd. Haus. Maus, Maul, 
Saul, Zaun, Faust, Bauer, Kraut u. s. f. spricht der 
Vorarlberger: Hüs, Müs, Mül, Sül, Zü, Fü§t, Bür, 
Kri1t; für auch, Baum, Traum, glauben, laufen, 
taufen, Augen aber: d', Bdm, Trdm, gldba, Idfa, 
tOfa, Oga; eine Ausnahme macht hier wie bei dem oben 
bei hftm aufgestellten sprachlichen Gesetze der Walser; 
derselbe behält mbd. ü bei, das mhd. ou aber geht in 
seinem Munde in an über. d. i. eine diplithougische Miscliung 
dieser Laute, in weli^lier das längere a ^/.,) das kürzere 
u (= V3) übenviegt. Der Walser spricht sohin zwar auch 
Hüs, Müs, Mül, Sül u. s. w., hingegen aber (mit) 
Yerläuh, &u*, Bäum, Trfinm, glftuba, l&ufa, tftufa, 



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302 

Aiip^a (äuga). — Einzelne Fülle ^sfibt es jedoch, dass iiilid. 
ou in den nichts. ilM ii^cheu Difilcrten nicht in langes 0 
tibergeht, sondern iii seiner ursprüugüchea fiemheit beibe- 
halten wird; so kört man bouwa (mhd. bin wen, büwen, 
boQwen), Fron, honwa, bauen, Frau, lianen; in der 
Walser Mandart aber geht das mhd. on meines Wissens 
ansnahmslos in &u über, also bdna, Frftu, hftna. 

vernörla, verduseln, verschlummem ; nöra, einnicken, leicht 
schlumiüt-rn ; im Brw. sagt man in diesem Sinne nülle; 
siehe i^orgmann. Oimbr. Wb. 1496: nello. 

vernüela, verwühlen. 

[verroatha verb., erröthen; £rw.] 

Terrneha verb., ausranehen, im Perf. verrocha; der Zorn 

verrucht, der Zorn verrancht, rancht aus, legt sieb, 
verschlipfa verb. neutr., entgleiten, entfallen; vgl. oben 

schlapfa. 
yerschmoht. beschämt, verlegen. 

verschücht. verscheucht, scheu, menschenscheu; verscköcht 

umtüsa, menschenscheu herumschleichen. 
Terschoppa verb. aet., verstopfen. 
Ter9paela, verspfilen, hinnnterspfllen, wegschwemmen, 
[ver^techa verb., zerstechen.] 
Ter^tünt, staunend, erstaunt, 
versüma verb. act.. versäuujeu. 
[vertliha verb., entleihen.] 
vertloada, verleiden. 

vertoba verb. act., erzürnen jemanden; siehe oben das wal- 
serische ert&ubs. 
[vertschUfa verb., entschlafen, einschlafen.] 
[vertschlipfa verb., entscblipfen, «nigleiten.] 

[verwäga verb., wagen.] 
[v e r w e 1 1 r c t a dj . , \- e r i t te r t. ] 
verwerfen verb., von ^irb werfen, 
verwiera verb. neutr., verirren, 
verzella, erzählen, 
verzökla verb. act., verlocken. 



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308 



verzotera, verschütten, ausstreuen, zerstreuen; vielleicht das 
Verb, iterativ, von unserem mundartlichen zetten, ver- 
zetten, siieuen, zerstreuen; (iras zetten, üras mit 
eker Gabel auseinanderbreiteu. 

YerzQsla, verzausen. 

Ttlrftr, selten, lieblich, prftehtig; diese Yerst&rlniDg durch vil 

(viel) ist bei den Walsem noch sehr beliebt. 
(Tizotnm n. p., eigt. Yicedominus, dann Teufel; BrwJ 

vorig, vorhin, 
vor 'na, vor ilmen. 

Wad f., die Weide, nach dem im Brw. üblichen Uebeigange 
des mhd. ei in ä; so sagt man auch n&ßas statt neißas, 
mhd. neizwas, nescio quid; züga, d. l zeigen; siehe 

oben häm und näißa. 
wadle, hurtig, geschwind. 

waghalsig adj., keck, kühn; en waghalsig a Kerle, ein 
Kerl, der den Hals wagt, Waghals r ÜAt richtiger würde 
mm sagen: halswägig. 

W4gw&rta, im Flur. Wägwartena, Wegwarte; Wegerich, 
Plantage ofiidnalis. 

wan, im Brw., wo, mit sdiwäbisehem Anstrich. 

fV\^ebba f., Gewebe, Spinngewebe.] 

wech adj., schön gekleidet, schmuck, auch zierlich, stolz; ahd. 
wähl, mhd. waehe, künstlich, fein, schön, omatus, venu- 
stus; z. B. die haube was von piideu waetie, Y. 15 
und 303 im Mayer Relmprechte (herausgegeben Ton Jos. 
Bergmann, Wien, 1830) und anderswo: durch dtne rede 
tuest du Tile waehe. 

Wegga m., der Keil; dann aber auch: keüfttnmges Brot; ahd. 
weggi, wekki. 

weidle, siehe oben wadle. 

wercha, arbeiten; von Werk, Werch, Werk, Arbeit; Ume- 
wärch, gemeinsame Arbeit, z. B. bei Wuhrungen. 



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304 



W^sa u., das Wesen, die Menge: an öbei'pfeehtigs Wesa, eine 

überaus große, erstauDliche Menge. 
Wetterleieh m., Blitz. 
Wichwasser, Weihwasser. 

Wiehn^chtkindli, Weihnachtskiiidlein, Ofaristnskind. 
[wind = wollen, im Brw.] 

wintara yerb. impen., es wird Winter; es wintarat im 

Har, d. h. die Haare werden weiß, das Alter röckt an; 
neben wintara hßrt man auch winterla: es winterlat, 
es nähert sich aem Winter: analog sagt mau auch es 
berb§telat und es längselat, es geht dem Herbste za, 
das Wetter nähert sich dem Herbste (Frflhlinge). Ueberbanpt 
enden die Yerba, deren Qrandbedentung Hinneigung zn, 
Annäherung an eims ist, in unseni Mundarten auf ela 
und die Adjectiva und Adverbia, wenn sie neben dem Yer- 
bum vertreten sind, hi elig; neben den schon angeführten 
herbstela und längs ela stehen hier als Beispiele: 
lümpela, an die Handlungsweise eines Lumjnn siieüeu, 
einem Lumpenstreiche ähneln: knöbela. nach Knoblauch 
sdmiecken, sieh diesem Gesdimacke annähern; brändela, 
brenzlig schmecken; a^j. brändelig; gr(»uela (von grou, 
grau), sich jenem Gerüche annähern, den durch Abli^;en 
oder schlechtes Aufbewahren grau gewordme Waren ent- 
wickeln; adj. gröuelig u. s. W. 

[Wiouter m.. Winter; vorderwälderisch.] 

wislos. ohne Weisung, daher mit Gegend und Yerhäilaiissen 
unbekannt. 

Wittlig m., Witwer, Wittiber. 

woalle = wädle und weidle. 

wondera verb., neugierig nachforschen. 

[Wöormsül f., cigt. Wurmsäulc, ein Felsgebüde an der 
Kanisfluh.] 

W u ch a f., die Woche : a W u ch a z w a , eine Woche oder zwei 
wie oben aSchöpplezwoa, ein Schöppchen oder zwei, 
wnlflig adj., wohlfeil; auch sagt man wolfl und wnlfl. 



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305 



wullig adj., aus Wolle bereitet, wollen; so sagt mau auch lini, 

hänfi, sicli, aus Leinwaud, Häuf, Seide. 
WuDder und Wanderwitz m.. Neugierde, Vorwitz; daher 

obiges wondera. 
[wuscha verb., wGnschen, wals.] 

Z. 

zabla - zappeln. 

[Z&gerle n., Zeigfingerlein. J 

K&mmet, auch z^mma, z^mmat, znsanunen. 

Zftra m., der Zorn, im Montavon; siehe oben die Bemerkung 

zu Kära-n-acker. 
Zeba m., die Zehe, 
[zeii^t adv., zuerst, ßrw.] 

zitle, zeitlich, d. i. zu rechter Zeit, rechtzeitig, frühe genug. 
Zitgäü, ZeitgeiÜ, eine Geiß, die znm ersteiOnale trächtig ist. 
zleft, zuletzt. 
z^nShft, zunächst. 

Zoacha, Zeichen; Zoaeha und Md, Himmelszeichen (des 

Thicrkreises) und M<md, Stand dos blondes. 
Zoana f.. im vordem Wal;^mu; sonst Zeina, Zäjua und Zeua, 

Gellecht von Ruthen, Korb. 
Zolfa m., ein Stiel, an dem unten ein rundes mit mehreren 

Löchern versehenes Brettchen befestigt ist, und der beim 

Bttttermachen in dem Kfibel auf- und abgestoßen wird; 

daher sagt man itlr einfaches Zolfa häufiger Schmalz- 

kflbelzolfa. 

Zdra, Zorn, bei den Walsem; vgl. obiges Zära aus Montavon. 
zVock ^ zurück. 

zueheba verb., wird mit dem Dativ construiert und bedeutet: 
jemanden zuthätig sein, jemanden unter besonderer Vorsorge 
haben. 

zu eher, herzu. 

[zuepronga perf. zugebracht.] 

[z ü g 1 a , f u r t z ü g hl verl). iutr., übersiedeln.] 

Dr. F. J. Voubnu, SHgoji Vorarlbergs. 5iÜ 



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[zünda verb., leuchten (einemj.J 
[Zundera f.. Legföhre.] 

z^&g, z'weg« auf den Weg; daher fort, w^; aber auch: 
- herbei, herzu; namentlich mit bringen (veiBchaffen), 
gehen (nachgehen), kommen (herbeikommen; fortkom* 

men, genesen). 

j^zwaha verb., wascheü.J 



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INHALT. 






Die mit * bezeichneten Nummern sind in gebundener Rede erzählt 


Seite 


Vorwort 




UI 


Dr. F. 


J. Vonbun, ein Lebensbild ....... 


VII 


Beilagen. Briefe an Vonbun 


LXXXIX 


Die Sagen Vorarlbergs von Dr. F. J. Vonbnn . . . . . 


1 


Kinleitane ........... 


S 


A. Mythen uud Märchen. 




1. Wuotan. — Wuotans Heer 


19 


1. 


•Die Predigt am LOner See ....... 




'2. 


Dar Schinimelreiter ........ 


23 


8. Der Pferdehocker ......... 




4. 


Der Girenwagen ......... 


24 


5. 


Die drei Stande 


25 


6. 


Der Pfarrer . . 


27 


7, 


Der Mann auf Salimdi ........ 


27 


8. 


D a s N a c h t V 0 1 k 


28 




a. Des Nacht?olkes Zug durch Satteins . . . . . 


28 




b. Das Nachtvolk in Börs 


28 




c. Das Nachtvolk in SrhniriK 


28 




d. Dfts Naohtvolk auf dem Kläslef^ld ])tn Frastanz 


23 




e. Das Nacht Volk in Ragg&l ....... 


28 


9. 


Die Verschmausuiif? dur Kuh ... . . . 


29 


10. 


'S Muotas 


29 


11. 


1 ie Musik und das Weib 


80 


12. 


Das nächtliche Oelage ........ 


80 


18. 


Der Maultronmiler ......... 


81 


14. Der Schwegelpfeifer ........ 


82 


1'. 


Die Bedingiini^ ......... 


SS 



308 





Seite 


IG. Daü Naihivulk wnriit 


ß4 


ii. Dar Mann mit ilotti TiikHf!i>t<n k ... 


34 


l). »(Jötti, gang wlter uftil* ...... 


S4 


r. Nothnagel * ........ 


84 


n. Die Wasche an rrohntasten ..... 


c. 


17. I^osNachtvolkstraft 


i;6 


a. Viui Messer im Knie ....... 


CG 


l). Das Beil iu der Achsel ...... 


C6 


c. *Der Einaug ........ 


37 


II. Fenken 




1. Das Alter des Fenken , . 


■rz 


2. Der Wechaelbalg ....... 


14 


o . D i 0 F 0 u k e n u u d d i <; K i II (1 *• r 




ü. l»if hilfn-iilie ?'oiikiii 


4r> 


h. Die bös« Fenkin ...... 


1 (•> 


4. Selbst, thun, selbst haben 


17 


Der PUege Lohn*) 


4 8 


ü. Der gute Kath ........ 


51 


7 K f> n 1» 0 n in d « r M « n s c b o h I) t <> n <i f. a 


51 


a. Jocbniuipla. — 'Jochringgla ... 


51 


b. Mngpastutz ... 


52 


c. Die K<!nkin in TrantratifR ... . . 


52 


d. Rohrindn ........ 


52 


e. Der wohlfeile Hirt ...... 


Oo 


•S. I)it» Riitürhifcnkt'Ti in Hi?»/ 


.-,4 


9. Der bestrafte Kiu wit/C 


5 5 


10. I>ie Hergmäniilein vom Ueuborg im kleinen Walserthnl 


56 


11. Die wilden Frauen auf dem TantiberK ... 


56 


III. BUtze 


57 


I . I> i e f r e III d e n K n e c h 1 1 e i II 


»>0 


a. Das Betiriniüinlein auf der Bärenwei»! 


(iO 


b. Das LnngamAiujlt.'in ... 


'■.0 


c. Das Hirtlein in Gftvis 


r,l 


d. Das wilde Männlein auf Profatscbene .... 


<U 


e.* Der Hirte von Lagöz .... 


r.i 


f. Der wilde Mann auf Bürstest-' 




•2. Der Stutzli 


6G 


H . per (rniirrrtfinn ..... 


«4 



Uubi'i Iiis Aiimoikimg ät. NicoluuK. 



-i. l-it'i- Liadbut;^ . .... 

5. Die Wette . . . ... 

0. Das Schelmapflfle .... 

7. Der gesottene Kuhhirt 

8. Die Decke weggonoimnuu 

ü. Der Hansbutz und der Schuster 
hl. Der litrgabut/; .... 
J 1. GaulzL'r ..... 
Iii. Vizotum ..... 
lÄi Das Walscriiiämüoi» 
LL Die Pfaffeukelleriii .... 
Ü L Das atühawlMo .... 

li L Flau Rosa 

L L Dlt liiitz mit der feurigen Hand 

1 8. Der , Kollerbutz ... 

19. Das Doggi . . . . 

a. Das Doggi mit den großen Zöpfen 

b. Das Doggi als Magd . . . , 

c. Die bleiche Magd • . . . 

m. Der Schratt lig 

21. Der Butzoniä • . . . , 

a. Der Butzomä und dan Kind 

b. Der schwarze Hund • . . . 
Der r>nii/.OiiitH 

28. Der Sechste . 

24. A 1 p e D b n t z e im B r o g e n z o r w a I d e 

a. Die sennenden Bfitze auf 0^ter^^^l^tell 

b. Die Bütze als Süumer auf Diedams 

c. Die Senner auf Diedams 

d. Die Elbputzeu im Bregcnzerwalde 
iü- Alpenbütze im Walserthnlf 

a. Die Alpmueter auf Lagüz 

b. Der Lagtlzcr AIpbut?; .... 

c. Die fremdeti Sennt riiinen auf Fludriga 

d. Die brennende Hütte auf Fludriga 

e. Der But2 auf Huttla . 

26. Alpenbiltze im Montavon 

a. Der Bntz auf Valzifenz 

b. Die fremde Sennerin auf der Gavner Alpe 

c. Die schniaiisond>-n Biity.e in Gargellen 

d. Die Bütze auf Latenz 

e. Die verschmauste Kuh auf Mansaura 



310 



iV. Geister ._ , , , , , ._ ._ «0 

1. Die StmiiMrin auf Spullers . • . . . . . 92 

2. Der Geist auf dur Kanisfluh ....... 92 

S. Vom Alphirt und dem weißen Rosa ...... 98 

4. Der Rosshirt geistert ........ 94 

5. Der Qeist auf der Alpo Hintern . 95 

6. Per Geist auf Gweü 95 

7. Der Geist in dem Kiiiftlo<-,h . . . . . . . äfi 

8. Der ewigo. Jude , , , , , , , , . 97 

9. i>as Tliränonbilchleiu (Prazalatiz) . . . . . 98 

10. Das Fraalein im Walde 100 

11. Fräulein Ida 101 

12. Mutter und Kind 101 

a. Die Krldsuiig der Mvitt>T . . . ^ . . 101 

b. Das Gobot der iMiitter 102 

1". 'Dio goldeiio Schhingu in Wolfuit . . . . . ■ 102 

14. Der Schatzgräber 104 

15. 'Der KlOshund 105 

ir.. 'Der Süiimer und dar a^i*»». , . . . LU 

17. Der Mann im Mond . . . . . . . .. HS 

18. Der Stier im Sünser Soo , , , , , , HS 

19. Der G»ist boiiii l'estbild 114 

20. Der Goist im Hohlvrcg 115 

21. Der BQntlittenbock 115 

22. Der Prtfer 116 

2o. Die Alt<^; aus der Kehb'U 1 1 »3 

24. GebannteGeister . . . . . . . . 117 

II. Der gebannte Geist auf Gamp . 117 

b. Der Älpele-Fuchs . 117 

25. Geister werden erlOst . . . . . , : 118 

a. Wie ein (i> ist in Hohoiiweilar erlOsi wurde , , . . 118 

Ii. Der MurkenrOckcr , . . . ; , : , 118 

a. Die Näherin und der »ftist , , . . . , 119 

(]. Die Fnluloiii von Noucnburp . . . . ; ■ 1 20 

'■■ Die Frau mil don rotben Haaron .. , , . : 1^ 

f. Die Irrlicbter 120 

g. Die Muttergottes und die armen 8c-olen . ■ ■ . 121 

V. Schätze 121 

1 . Y e r s (• h i 0 d e n e 8 c h il t z < • . . , : ^ : 121 

a. Die Schatze bei Rosenegg . . . . ■ . • 122 

b. Daa Goldlanb von Jagdberg 122 



311 





Seite 


c. Das Robmesser von Scbwarzhorn .... 


122 


d. Das Laab auf Rnmschwap ...... 


!2S 


J'tlo ^''lUvllu IV ^ tri Fl V L aVll UL'i i Hl 1 [ 1 ^ T. 1 1 




f. Das K»_'irolsi)if!l auf doni BruKBiizer Sclilossbere 


X M o 


ff Dia ßnlHki^tp n tif ^i^bAnicit^in 


1 9^ 


h. iJie Schatzhüterin auf Gutoiiberg ..... 


1 24 


i. Ein anderur Schatz bei Gut^nbßrff 


1 24 




1 94. 


k. IMe Bchwobendon Thnlflr zu DaiiiQls .... 


124 


1 Tita 'l^nalAi" aiit flat* TnnnA in TlamfllQ 


1 

1 SSO 


m. Der Kessel von Kleseiiza ...... 


125 


2. l)a.s Burcrfrilulein von Rosene^ir 


125 


8. Ein Hohlstein rerscheacht den Schatz^'r&ber 


127 


a. Der Schatz im Walde 


127 


b. Der Schatz auf Neoenburg ...... 


128 


2j UBr acnaiz am aBm Masifiiein . . . . . 


1 90 


T% Ttifl O^ilfllniifillA 


1 SO 


V« V/ JJuUC? U Ol^liC* ........ 


luv 


1 • ut9k ovUttVK Uiu uur OOZtl^^ •••••* 


1 O X 




1 0 B 


VI. Venediger 


188 


1. Die Yenedii^r im HittiBberg ...... 


185 


2. Das Yenedit^erm&nnlein and die drei Schwestern 


136 


8. Die Spiegel der Venodiger ..... 


188 


a. Das YenedigennännleiD auf Gaphäl und der Hirtenknabe . 


188 


b. Das Yenedigermännlein and der Hirte ans Glaros 


189 


4. Das vogelfreiü Veiiedigenniliiulein ..... 


141 


VII, Riesen. — Teufei 


142 


1. Wüde Leute 


148 


2. Der steinerne llann auf der Stoaiigerböhe 


148 




144 


4. Der Baumeister 


145 


5. Der (clockentrasrendo Teufel ...... 


14G 


VIII. Hexan 


148 


1. Heieu in Elsteriigestalt ....... 


149 


2. Die Hexe als Melcherin ....... 


150 


8. Die Hexe verdirbt die Milch 


151 


4. Qeffenmittel 


151 


a. Der >Küechlispis«'« ....... 


151 


b. Die eisernen Randhaken 


152 



312 



Seite 

« ■ Hör S< hu!!,8 diircli KiiIh'I .. , 152 

>1. l)i*> Htixo al> H.;iiiu! ., ; ., ^ 15^ 

<»■ Di» Hftict> als Strohhalm . , , .. 15S 

f. Mil<h lind Woihwassor .. .. : .. . 15S 

."»■ Windslirftntfl . . , . . . . . , 15S 

a. Die Windsbraut auf Zamang 15S 

b. Die Windsbraut auf dein SchrOcker Aolpele .... 154 

6. Die Hfixe will Donnerwettftr machen , , . ; 156 

7. Der Frenidler aus Au . . . . . .. .. . 157 

8. Die Anna- Alpe . . ■ 158 

9. Die Hexe reitet umgekehrt auf einer Kuh 159 

1(1. f)»i- HfVtMifnri/ itnf Wintf istrmdpn . . , . , 160 

11. Hexenplatz in i^ov NVildkin he . . . . • 160 



IX. Vergletscherung 162 

1- Santis , , , : , , : 164 

2. Kanior ........... 165 

Mauren ., , , , , , , , 16^ 

4. Scesa plana 166 



X. Mythische Thiere 169 

1. Die schwarze Kat/o . . . : : 1 72 

2. Kronschlangen 17G 

I. W.n?; Aar Mnttfl-TSil h.'l.' s.'th . . , , , , , HZ 

b. Die weiße Natter auf der Alpe Schadauuu . 17o 
S. S c h 1 a n g 0 n k 6 II i p i II ii ii d Krondieli . ^ . . 1 T 4 

a. Die badende Xattornkönigin 174 

b. Die Natternkönigin auf dem Schnüfiser Borg . ; 1 74 

4. Die Schlange schenkt eine Kronu . . ^ 1 75 

a. 'Die Schlange und die Braut 1 75 

b. Die Schlange im Stalle 176 

5. *Die Schlange und das Bflbleiii 176 

6. 'Die Schlange und die Muttorg'ott.s . , . . . . 177 

7. Die Muttergottfcs unter der iiasclstaudu . . . ■ . 178 

8. Der Natternhanner 179 

9. Der Drache im See Sonderdarh , , , . IM 

10. Der JolerbOhel 181 

11. Der Drache und das Yeuedigerniftunlein . . . . ■ 182 

12. Der Drache im flallinftfobel . . , . . . . IM 

18. Die Eidechse und die Schlange 183 

14. 'Die Eideclisü uui3 der Heilatui 184 



313 



.15. DorZaunkönig 


Seite 

185 


a. 'Der Zaunkönig und die Spiuno ..... 


185 


b. *Der Zaunkönig und der Adler 


185 


16. 'Der Kreuzschnabel 


186 


17. Difi Mab.TKeiO 


187 


18. Diu Ameis<; 


188 


XI Vfirschiedands 


189 


1. Der Goldkgppler 


189 


2. Die drei Buben 


192 


S. Dr8 FrRuIoin von Kiirkhurp ...... 


J «7» 


A T)nQ HAiioi'loiii 


105 


O. UOl AUliUKU])! ........ 


■'00 

. V v 


. Saffeii und Lesrenden. 




1. Selvretta ......... 


205 


2. Der Oberrhoin ........ 


206 


S. Gründung der Stadt Feldkirch 


207 


4. Die Abst.iinimmg dor Grafen von Montfurt 


_ v .t 


5. Kaiserin Hildegardu ....... 


Oll 

il 1 


6. Ulrich V., Graf des ArirotiKiiut'K ..... 


212 


7. Heinrich das Findelkind ...... 


218 


8. Die Stadtrettonn Gut« 


216 


9. Diu Entst^^hung des Montavoner Wappens .... 


219 


10. •Herzog Friedrich mit dor leeren Tasche in Bltidonz 


210 


1 1 . Difi S<hl,idit l.r-i Frastanr 


226 


12. "Kjiis^r ilax in Valdiina ...... 


227 


i;^. Die Heidcnbiirg in Gftvis ...... 


229 


14. Die erst«n B«wohTH'r von Dnmnk ..... 


2:;o 


l.'i. Sf. Fridolin vur der (ifft'iuiii i iftrirhtsstjd.ti^ zu MiiKiiKm 2!',t 


16. Der rothe Stein in der Fridolinskapelle zu Rankwcil 


2:;{; 


17. St. Coluinban und seine SchäJer in Bregenz 


2;;4 


1«. 8t. AHioga.'it 


!!:;<; 


19. St. Eusebius ......... 


2S7 


20. Dor Konradsbrunnen in HohfinfliuK 


288 


21. St. Gerold 


238 


22. Die seligen Geschwister Merbotb, Diedo nnd Ilga 


240 


28. Entstt'himg des Klosters Valduna ..... 


24S 


24. Das Kirchlein auf dem Christberge 


245 


25. Das Bniderhusle ........ 


247 


2ß. Dor Rftu d»T Pfarrkirrhe in RAnkweil .... 


248 



S«ite 

27. l>ni» wHudertbAtiirc Krauz in B«»k*«iU 249 

28. Die Knt«tehuiii? dos Bades KothctibrnnniMi . . . . . 251 

29. St. Ainorta 252 

no. l)»s Rilil5t<ii:klriii .iiif d.T T.osnii -2hS, 

01. Die BregongerwAlderinpen erachoinwn den Scbwodeii als gOttUchc • 

Wesen ........... 254 

02. Hattlerdnrf 2»7 

r.r.. Ro.htiss.^s . . . . , . . . . g.'^T 

1)4. Der Spüsagang 258 

;)5. Der Zimpor 259 

C.^G^lossar 26i 



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